Land des Schwächelns? Japan wird in Sachen COVID-Hysterie auf Linie gebracht

Am 29. März 2021 hat Dr. Wolfgang Zoubek für uns über die Corona-Lage in Japan berichtet.

Es war ein optimistischer Beitrag aus einem Land, in dem die Hysterie offenkundig in Check gehalten wurde. Zwischenzeitlich hat sich die Situation in Japan gewandelt und aus dem neuen Bericht, den uns Dr. Zoubek geschickt hat, muss man den Eindruck gewinnen, dass eine internationale Liga panikschürender Akteure unterwegs ist, um Länder in Hysterie gleichzuschalten.

Aber natürlich war es nur ein Zufall, dass Boris Johnson just nach einem G7-Treffen umgefallen ist, wie ein nasser Sack und das, was im Vereinigten Königreich als “Freedom Day” bezeichnet wird, den Tag, an dem in England ALLE Restriktionen wegen SARS-CoV-2 gestrichen werden, um maximal vier Wochen verschoben hat. Ebenso ist es sicher nur ein Zufall, dass in Japan just zu dem Zeitpunkt die Hysterie einsetzt, zu dem ein neuer Regierungschef aufgrund internationaler vernetzter Ereignisse, hier der Olympiade, entsprechende Verpflichtungen gegenüber anderen Staaten einhalten muss.

Die Hysterieschraube wird in Japan übrigens mit den selben Versatzstücken gedreht, die schon aus europäischen Staaten bekannt sind. Es scheint, die Mittel staatlicher Propaganda sind nicht nur beschränkt, sie sind auch gleichgeschaltet, was die Frage aufwirft, wo die Zentrale steht, die die verschiedenen Hysterieanstrengungen in unterschiedlichen Ländern koordiniert.


Das Kartenhaus fällt zusammen

von Dr. Wolfgang Zoubek

Site of Reversible Destiny – Yoro Park, Gifu, Japan; ©Wolfgang Zoubek

Bis vor kurzem war ich der Meinung, Japan käme recht vernünftig durch die Coronakrise, doch in letzter Zeit bin ich davon nicht mehr so überzeugt, denn es häuften sich einige Panikentscheidungen, die der tatsächlichen Gefahr, die in der derzeitigen Phase von Covid 19 ausgeht, wenig angemessen erscheinen.

Im Jahr 2020 versuchte man in Japan noch relativ moderat mit den Folgen des Coronavirus umzugehen. Komplette Lockdowns wurden vermieden, und Ausnahmezustände, die einzelne Geschäftssperren und andere Einschränkungen ermöglichten, wurden nur regional und befristet verhängt. Zugleich versuchte man seit April 2020 Einreisen aus dem Ausland radikal zu unterbinden. Ein halbes Jahr lang durften weder Touristen noch Ausländer, die über eine Aufenthaltsgenehmigung verfügten, einreisen. Und für die einheimische Bevölkerung wurden Reisen mit rigiden Quarantänevorschriften und anderen Schikanen verknüpft, so dass kein offizielles Reiseverbot ausgesprochen werden musste, aber sich trotzdem kaum ein Japaner ins Ausland wagte.

Seit Anfang 2021 und spätestens seit der Entscheidung, die Olympiade trotz Corona in Tokyo abzuhalten, schalteten Politik und Medien aber in einen neuen Modus um. Es begann damit, dass in den Tagen nach Neujahr die Infektionszahlen relativ stark anstiegen, und nachdem die Welle abgeebt war, kam eine weitere im Mai. Beide Infektionenswelle wurden benutzt, um neue Ausnahmezustände zu verhängen und zu verlängern. Zuerst in den Ballungsräumen rund um Tokyo und Osaka, dann auch in anderen Gebieten, zum Beispiel auf der südlichen Insel Okinawa.

Die Berichterstattung über Corona wurde in dieser Zeit immer aufdringlicher. Nachrichten beginnen fast immer mit den Zahlen der neu Infizierten, und die weiteren Coronaberichte nehmen beim öffentlich-rechtlichen Sender NHK nicht selten die Hälfte der Sendezeit ein. Dabei spielten in letzter Zeit Bilder aus Indien und die Aufzählung der neuen Mutanten immer eine wichtige Rolle. Und es wird mit Zahlen jongliert, die möglichst bedrohlich klingen sollen. Wenn die absoluten Zahlen nicht hoch genug sind, um zu schockieren, nimmt man eben frisierte Prozentwerte. Auch auf den Trick mit den eingefärbten Landkarten greift man gerne zurück. Wenn in einer Präfektur mit einer Million Einwohnern statt fünf einmal fünfzig Leute infiziert ist, dann erscheint die Fläche statt Gelb in knalligem Rot.

Umgekehrt wird zur Beruhigung mit ähnlichen Mitteln verfahren. In Japan begann man erst Ende Februar, Anfang März gegen Covid 19 zu impfen, und es wird dabei mit der angeblich 95%igen Wirksamkeit geworben. Es sind auch täglich Fernsehbilder zu sehen, wie sich Leute impfen lassen und sich danach in Interviews glücklich darüber äußern, dass sie nun zu den unsterblichen Geimpften gehören. Obwohl erst drei Prozent der Bevölkerung geimpft sind, geistert in den Meldungen seit kurzem eine Zahl von dreißig Prozent herum, doch damit sind nur die über 65jährigen gemeint. Bis zum November sollen dann „alle, die geimpft werden wollen“ geimpft sein, aber wenn das Tempo so beibehalten wird wie bisher, sind das am Ende vielleicht zehn Prozent.

In den NHK-Nachrichten wurde auch schon ein großer Bericht über Katalin Karikó, eine ungarischstämmige Biochemikerin gebracht, die in den USA an der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen beteiligt war, und deshalb für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Auf sie soll die Lösung zurückgehen, mRNA in lipiden Nanopartikeln einzuschließen. Doch über die Nebenwirkungen dieser Impfstoffe wird in Japan kaum berichtet, und wenn dann nur in verharmlosender Weise. Dass Geimpfte Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung, entwickeln können wurde zwar angesprochen, aber kleingeredet. Dass durch die Impfung eine Autoimmunerkrankung ausgelöst werden kann, wurde überhaupt nicht erwähnt. Das heißt, viele Japaner, die sich impfen lassen, wissen nicht, welchen Gefahren sie sich damit aussetzen.

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Ein Hintergrund im veränderten Umgang mit Corona mag im Wechsel der politischen Spitze liegen. Der 2020 zurückgetretene Premierminister Abe wollte Anticoronamaßnahmen nur sehr dosiert einsetzen, um die Wirtschaft nicht zu stark zu beeinträchtigen. Als Folge davon sanken seine Umfragewerte, und die Werte der Hardliner, die sich für möglichst viele Verbote aussprachen, stiegen. Der neue Premierminister Suga scheint sich das zu Herzen genommen zu haben, denn er rief auf Aufforderung von Provinzgouverneuren immer öfter und immer flächendeckender Ausnahmezustände aus. Genutzt hat es ihm allerdings wenig, denn seine Umfragewerte gehen ebenfalls nach unten, und seine Corona-Politik hat ihm auch schon einen Misstrauensantrag der Opposition im Parlament eingebracht.

Es scheint sich dabei ein Mechanismus eingespielt zu haben, dass gewisse Politiker auf ansteigende Infiziertenzahlen panisch reagieren, und die Panik dann gleich weitergeben, weil sie glauben, dass sich verängstigte Menschen leichter manipulieren und daher auch leichter dazu bringen lassen, die neu verkündeten Verbote einzuhalten. Und die Presse spielt dabei mit. Wahrscheinlich hat man sich das von Europa und speziell von Deutschland abgeschaut, aber noch nicht mitbekommen, dass sich der Effekt von Mal zu Mal abnutzt.

Ein weiterer Grund für die Panikmache dürfte in der Entscheidung liegen, die Olympiade trotz aller Risiken diesen Sommer abzuhalten. Anfangs hielten sich die Proteste dagegen in Grenzen, aber dann kippte auf einmal die Stimmung, und die Entscheidungsträger bekamen kalte Füße. Sie begannen zu fürchten, von der Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht zu werden, sollte sich die Coronalage dadurch verschlechtern, dass zehntausende Ausländer ins Land kommen. Man will daher schon im Vorfeld, die Inzidenzrate unter der einheimischen Bevölkerung so stark senken, dass durch eingereiste Ausländer verursachte Clusterbildungen durch Nachverfolgung sofort unter Kontrolle gebracht werden können.

Bezeichnenderweise wuchs der Widerstand gegen die Olympiade, seit die Entscheidung sehr intransparent über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen wurde. Größere öffentliche Proteste gab es zwar kaum, doch in den sozialen Medien wurde Unmut laut. Dabei kamen weniger rationale Argumente zur Sprache, sondern es machte sich ein Muckertum breit, dass allen andern verbieten will, was man sich selbst nicht zu tun getraut. Sportler, die sich auf die Olympiade freuten, wurden geschmäht, und kaum kaschierte Xenophobie kam hoch, indem man Ausländern unterstellte, sie würden das Virus in Japan verbreiten. Aus dem Grund weigerten sich verschiedene Regionen, Sportler aus dem Ausland aufzunehmen, und viele bereits registrierte freiwillige Helfer sprangen aus Angst vor Ansteckung wieder ab.
Strikt gegen die Durchführung der Olympiade sind 30 Prozent der Bevölkerung, ein weiteres Drittel ist dafür, dass keine Zuschauer zu den Spielen zugelassen werden. Gelegenheiten zu public viewing sollen auch nicht geboten werden. In manchen Stadtvierteln sind sie zwar noch nicht endgültig abgesagt, aber die üblichen „Experten“ raten, die Spiele daheim am Fernseher zu verfolgen.

Völlig unberücksichtigt dabei bleibt, dass man in Japan schon seit letztem Herbst sportliche Events sehr gut in den Griff bekommen hat. Sportveranstaltungen in großen Stadien und auch Sumoturniere fanden seitdem wieder vor Zuschauern statt, und es wurden keine Fälle von Clusterbildungen bekannt. Dafür hat man im Mai einen prominenten Sumoringer mitten im Turnier von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen, weil er eine Gaststätte besucht und damit gegen die Compliance-Regeln verstoßen haben soll.

Ozeki Asanoyama / Quelle

Der Sumoverband versuchte hier die maoistische Methode: Bestrafe einen, erziehe Tausende. Denn dem Sumoringer wurde nachträglich nicht nur sein Rang als Ozeki aberkannt, sondern gegen ihn auch ein einjähriges Turnierverbot verhängt. Und das, weil er einmal essen war (sic!) und dabei weder sich noch andere angesteckt hat. Sein reuevolles Rücktrittsangebot wurde allerdings abgelehnt, weil er von der sportlichen Qualifikation her einer der wenigen Japaner ist, der die Chance hat, in den höchsten Rang als Yokozuna aufzusteigen. Man wollte die Sumofans dann doch nicht zu sehr entmutigen, denn der japanische Nationalsport wird seit gut einem Jahrzehnt hauptsächlich von Ringern aus der Mongolei dominiert.

Wie sehr die Verantwortlichen von Panik getrieben sind, weil sie nicht schuld daran sein wollen, wenn bei der Olympiade doch etwas passiert, zeigte sich letzte Woche noch an einem anderen Umstand. Die Angst der politischen Funktionäre kulmulierte in der Entscheidung, alle aus dem Ausland anreisenden Sportreporter – man rechnet mit 6000 Personen – per GPS System überwachen zu lassen. Man will sie damit an die lange Leine nehmen, denn sie müssen schon bei der Einreise alle Orte angeben, an denen sie sich aufhalten werden. Das heißt, ein unangemeldeter Restaurantbesuch kann wie bei dem erwähnten Sumoringer dazu führen, dass die Akkreditierung entzogen wird und die Ausweisung erfolgt. Dass sich Journalisten privat ein Quartier suchen, will man auch verhindern, indem ihnen nur 150 vorgemerkte Hotels – von ursprünglich 350 – zur Verfügung stehen, wo sie einchecken dürfen.

Das erinnert an Zustände, wie sie zur Zeit des Eisernen Vorhangs im Ostblock herrschten, doch im Moskau der 1980er Jahre konnten sich Ausländer vielleicht sogar weniger beobachtet bewegen als im Tokyo des Jahres 2021, denn die Methoden zur Kontrolle wurden seitdem perfektionert. Die Sportler können sich dagegen noch relativ frei fühlen, von ihnen wird nur verlangt, dass sie sich an die Quarantänevorschriften halten und zu den Wettkämpfen täglich testen lassen.

Die GPS Überwachung für Ausländer war seit längerem angedacht worden. Als ich, wie schon einmal berichtet, Anfang März 2021 von einem einmonatigen Aufenthalt in Europa nach Japan zurückkehrte, verlangte man damals schon von allen Einreisenden das Herunterladen einer App aufs Handy, die eine Nachverfolgung ermöglichen sollte. Da ich kein Handy habe, verfing das bei mir nicht, dafür wurde ich dann zu Hause am Festnetz täglich mit Anrufen genervt.

Ich benutze bewusst kein Handy mehr, seit ich die Erfahrung gemacht habe, dass man damit in Japan ausspioniert wird. Unter der Bezeichnung Big Data werden schon seit Jahren ganz ungeniert Bewegungsprofile erstellt. Zum Beispiel wurde nach dem 11. März 2011 mit Hilfe von Big Data gezeigt, wie sich in Tokyo die Menschenmassen bewegten, denn der öffentliche Verkehr brach nach dem Erdbeben zusammen. Und auch 2020/21 wurde mit Big Data demonstriert, wie sich die verhängten Ausnahmezustände auswirkten, ob mehr oder weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren. Bisher fand diese Nachverfolgung angeblich nur anonymisiert statt, nun will man sie ganz offiziell personalisieren.

Ich bin neugierig, wie die internationalen Journalisten darauf reagieren werden. Werden sie sich die Gängelei gefallen lassen, oder sich darüber empören? In Deutschland beanspruchten Pressevertreter zur Zeit der Lockdowns Ausnahmegenehmigungen für sich, weil sie angeblich zu einer systemrelevanten Berufsgruppe gehören.

Ich habe aber den Verdacht, dass auch in Japan nichts so heiß gegessen wird wie gekocht. Es soll damit wohl den überängstlichen Japanern nur Sand in die Augen gestreut werden, indem man vor ihnen so tut, als ob man gegenüber Ausländern, die sich nicht an die Regeln halten, kompromisslos vorgehen wird.

Es bleiben genug Möglichkeiten, um der ständigen Überwachung zu entgehen. Man muss ja sein Handy nicht überall dabei haben. Was ist, wenn ein Journalist, der am Abend noch in eine Bar gehen will, sein Handy im Hotelzimmer vergisst? Wird ihm dann der Nachtportier eine Sondereinheit auf den Hals hetzen? Oder wird man nicht so genau hinschauen, um keine schlechte Presse zu riskieren? Sollte sich am Ende doch wo ein durch einen Ausländer ausgelöstes Cluster feststellen lassen, könnten die japanischen Behörden immer noch den starken Mann markieren.


Wenn Sie Erfahrungen aus dem Land, in dem Sie wohnen, mit den Lesern von ScienceFiles teilen und dazu beitragen wollen, dass der seltsame internationale Gleichklang der Maßnahmen und Methoden zum Schüren von Panik und Hysterie öffentlich wird, dann schreiben Sie uns ihre Erfahrungen und beschreiben Sie die Entwicklung in Ihrem Land:

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