Viren-Kollusion: Omicron hat sich mit HCoV-229E, einem harmlosen Coronavirus, ausgetauscht

Unter den vielen Arbeiten, die nun in aller Eile zu Omicron erstellt werden, findet sich eine sehr gute Arbeit, die eine Ko-Produktion von Forschern aus den USA, Kanada und Indien ist. A.J. Venkatakrishnan, Praveen Anand, Patrick J. Lenehan, Rohit Suratekar, Bharathwaj Raghunathan, Michiel J. M. Nielsen und Venky Soundararajan haben sich b.1.1.529, Omicron genauer angesehen und zunächst einmal die Besonderheit von b.1.1.529, die in 37 (nicht wie bisher gedacht 32) Mutationen auf dem Spike-Protein besteht, genauer betrachtet.

Unter diesen 37 Mutationen gibt es 26 Mutationen, die sich bei keiner anderen Variant of Concern finden, die Omicron vorausgegangen sind, weder bei Alpha, noch bei Beta, Delta, Lambda usw. Das bemerkenswerte Ergebnis hat sich in einer schönen Abbildung niedergeschlagen:

Venkatakrishnan et al. (2021).

Das ist nicht die einzige sehr schöne Abbildung, die einen informativen Gehalt hat und nicht nur ästhetische Bedürfnisse befriedigt, die wir in der Arbeit gefunden haben. Die Besonderheit von Omicron wird in dieser Abbildung sehr deutlich. Omicron ist in der Tat etwas sehr Besonderes, denn eine der 26 Mutationen, die sich im Vergleich zu anderen Variants of Concern nur für Omicron finden, ist ein Insert / eine Einfügung: ins214EPE. An Position 214 im Spike-Protein von SARS-CoV-2 finden sich des öfteren Einfügungen, die Position scheint umkämpft zu sein, aber ins214EPE ist einmalig.

Wie einmalig?
Na einmalig eben: Venkatakrishnan haben 5.382.852 auf Github gespeicherte Genome von SARS-CoV-2, die 1.523 Pango Lineages zugeordnet werden, durchsucht und in keinem einzigen dieser vollständigen Genome ins214EPE gefunden. Das ist in der Tat einmalig. Alle sonstigen Mutationen, die Omicron von anderen Variants of Concern unterscheiden, finden sich in irgendwelchen anderen Varianten, nur ins214EPE nicht.

Wo kommt ins214EPE her?
Von HCoV-229E, einem Coronavirus, das jeden Winter unter Menschen verbreitet wird, gemeinhin zu einer ordinären Erkältung führt. 229E ist wohl unter den menschlichen Coronaviren das harmloseste, das nur dann zu schwerer Erkrankung führen kann, wenn es im Tandem mit einem anderen Coronavirus auftritt. Im Tandem mit einem der anderen Coronaviren aufzutreten, also mit HCoV-NL63, HCoV-OC43, HCoV-HKU1, MERS-CoV, SARS-CoV-1 oder SARS-CoV-2, das scheint 229E recht häufig zu tun, und bei einer dieser Zusammenkünfte scheinen 229E und SARS-CoV-2 Übereinkunft darüber erzielt zu haben, die Blaupause für die Replikation auszutauschen. “Template Switching” nennen Virologen diese Fähigkeit von Coronaviren, ihren Bauplan einfach auszutauschen und fortan ein Leben als das zu führen, was im Labor als Hybrid bekannt ist, eine Kreuzung aus 229E und SARS-CoV-2 im vorliegenden Fall. Damit zwei Coronaviren Pläne tauschen können, muss ein Organismus mit beiden Viren infiziert sein. Im Winter sicher kein Problem.

Venkatakrishnan et al. (2021).

Wie man sich das vorzustellen hat, dazu gibt es die nächste schöne Abbildung:

Was genau der Effekt dieses Tauschhandels mit 229E ist, ist derzeit noch unklar. Ob die höhere Übertragbarkeit, die SARS-CoV-2/Omicron im Vergleich zu anderen Varianten wohl auszeichnet, über dieses Insert zu erklären ist oder die vergleichsweise Harmlosigkeit, die SARS-CoV-2/Omicron in Gegensatz zu bisherigen Varianten von SARS-CoV-2 bringt, das ist unklar. Klar ist nur, dass es noch eine Masche gibt, mit der SARS-CoV-2 die Fähigkeit erwerben kann, Impfstoffen zu entgehen, über den Tausch von Bauplänen mit anderen menschlichen Coronaviren.

Was für Impfstoffhersteller eine schlechte Nachricht ist, ist zumindest für alle, die nicht geimpft sind, eine gute Nachricht, denn viele werden in der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erkältung mit 229E gehabt haben und daraus die entsprechenden in b-Zellen gespeicherten Informationen, die bei Bedarf in Immunität transferiert werden können, gewonnen haben. Ob dasselbe für Geimpfte zutrifft, ist eine Frage, zu deren Beantwortung man wissen müsste, welche dauerhaften Informationen als Ergebnis von Impfstoffen in b-Zellen gespeichert werden – wenn überhaupt.


Venkatakrishnan, A. J. et al. (2021). Omicron variant of SARS-CoV-2 habors a unique insertion mutation of putative viral or human genomic origin.


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