BoJos Eastbourne? Boris Johnson könnte bald Geschichte sein

So langsam läuft die Uhr für Boris Johnson ab.

North Shropshire / Shropshire

Das Wort “Eastbourne” macht die Runde, in Medien und im House of Commons. Eastbourne war der Anfang vom Ende für Margret Thatcher. Eastbourne liegt in East Sussex, direkt am Ärmelkanal und ist einer der Wahlkreise, die die Tories in normalen Zeiten sicher gewinnen. Und dann kam die Wahl im Jahre 1990. Wie die Wahl in North Shropshire vom gestrigen Tag, so war auch die Wahl in Eastbourne eine Nebenwahl, eine By-Election, die notwendig geworden war, weil der bisherige Abgeordnete ersetzt werden musste. Ian Gowe, der bis dato den Wahlkreis für die Conservatives gewonnen hatte, war von der Provisional IRA ermordet wurde. Er wurde Opfer einer Bombe, die unter seinem Auto platziert wurde. Die By-Election im Jahre 1990 galt als Stimmungsbarometer für Margaret Thatcher, denn Eastbourne war bis dato ein Wahlkreis, den die Tories mit einer großen Mehrheit fest in der Tasche hatten. Gowe hatte 1987 den Wahlkreis mit 33.587 Stimmen vor Peter Driver von den Liberal Democrats (16.664 Stimmen) gewonnen. Gowe war Abgeordneter für Eastbourne im House of Commons seit 1974. Und dann kam die Wahl von 1990, die David Bellotti von den Liberal Democrats mit 23.415 Stimmen gegenüber 18.865, die für den Kandidaten der Conservatives, Richard Hickmet, abgegeben wurden, für sich entscheiden konnte. Sechs Wochen später war Magaret Thatcher nicht mehr im Amt.

Die Parallelen zur Wahl in North Shropshire sind mehr oder weniger deutlich.

Die By-Election in North Shropshire war notwendig geworden, weil der Abgeordnete des Wahlkreises Owen Paterson mit den Lobby-Regeln des House of Commons in Konflikt geraten ist und trotz eines Versuchs von Boris Johnson nicht mehr zu retten war. Paterson ist zurückgetreten. Paterson hat sich seit 1987 in sieben Wahlen gegen seine Konkurrenten durchgesetzt, zuletzt mit 38.444 Stimmen gegenüber dem Zweitplatzierten Graeme Currie von Labour, der auf 12.495 Stimmen gekommen ist. Auch die Wahl in North Shropshire galt im Vorfeld als Test der Popularität von Boris Johnson. Das Ergebnis hätte nicht katastrophaler ausfallen können:

Wir haben die Ergebnisse aufbereitet, damit man deutlich sieht, was in North Shropshire, einem Brexit-Wahlkreis, in dem rund 60% für den Austritt aus der EU gestimmt haben, tatsächlich geschehen ist.

  • In erster Linie sind die Wähler der Conservatives zuhause geblieben. Die Wahlbeteiligung beträgt 2021: 46,3%. Zwei Jahre zuvor lag die Wahlbeteiligung noch bei 67,9%.
  • Sowohl den Tories als auch Labour sind die Wähler davongelaufen. Beide Parteien haben herbe Verluste hinnehmen müssen.
  • Profitiert haben die Liberal Democrats, die nicht nur den Vorteil hatten, dass mit Helen Morgan ein Kandidat angetreten ist, der bereits 2019 kandidiert hat und damals 5.643 Stimmen erhalten hat, im Gegensatz zu 17.957 Stimmen gestern [Sowohl Neil Shastri-Heist, Conservatives als auch Ben Wood. Labour, sind erstmals angetreten). Morgan hat mit Sicherheit auch davon profitiert, dass die Liberal Democrats, von denen nicht wirklich bekannt ist, wofür sie stehen, gegen die Verschärfung der so genannten COVID-19-Schutzmaßnahmen, bekannt als Plan B, gestimmt haben, so dass zumindest von ihnen bekannt ist, dass sie gegen die COVID-19 Hysterie stehen. Offenkundig haben viele Wähler in North Shropshire (und nicht nur da, aber dort konnten sie es deutlich machen) von der Einheits-Show von Boris Johnson und Keir Starmer genug, die eine Travestie auf parlamentarische Demokratie darstellt, was man am besten daran deutlich machen kann, dass die Opposition zur Regierung im House of Commons derzeit in den Reihen der Regierung zu finden ist:

Wie man sieht, hat gut ein Drittel der Abgeordneten der Tories NICHT mit der eigenen Regierung und für eine Verschärfung der COVID-19 Maßnahmen gestimmt. Wie man zudem sieht, haben die Liberal Democrats mehrheitlich gegen die Verschärfung gestimmt. Das scheint ihnen zugute gekommen zu sein, denn die meisten Briten wollen nur eines: to get on with their lives and to be left alone by their Government.

Nimmt man beides zusammen, die By-Election und die Meuterei in der Regierungsfraktion und stellt man den in Britannien immer wichtigen historischen Präzendensfall “Eastbourne” in diesem Fall in den Raum, als Elefant, dann sieht es derzeit so aus, als würde Boris Johnson für sein politisches Überleben kämpfen. Er hat ohnehin keine starke Hausmacht im Parlament und ist nur deshalb der Kandidat der Tories, weil er Wahlen gewinnen kann und Wählerschichten erschlossen hat, die die Tories in vorangehenden Wahlen nicht erreicht haben. Zwei Jahre nach diesem Erfolg steht das alles auf dem Spiel, der chaotische Regierungsstil von Johnson, seine vielen versprochenen und weiterhin offenen Projekte und die offenkundige Unfähigkeit seiner Regierung, den Zustrom von illegalen Migranten über den Ärmelkanal zu stoppen, die COVID-Hysterie zu ersticken, gewürzt mit der irren und weithin umstrittenen Elektro-Agenda, mit der sich Johnson ein Denkmal als Grüner Tory setzen will, ein Denkmal, das eher zum Mahnmal zu werden droht, das alles hat dazu beigetragen.

Wie üblich in solchen Situationen, wetten Briten und die Betting Odds zeigen derzeit eindeutig, dass die Mehrheit der Wetter damit rechnet, dass Boris Johnson das Jahr 2022 nicht als Premier Minister und Vorsitzender der Conservative Party beenden wird.

Und wer folgt ihm nach?
Zweikampf:

Die Frage, die derzeit die Runde macht ist: Ist Boris Johnson noch ein Asset, das Wahlen gewinnt, oder ist er eine Liability, mit der man Wahlen verliert. Nach unserem Eindruck schlägt derzeit das Pendel eindeutig in Richtung Liability.



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