Schulstress: Eine Erfindung der 1970er Jahre

Denken Sie zurück:
Wie sehr hat Sie die Schule gestresst?

Wenn wir älteren an die Schule zurückdenken, dann mangelt es der Erinnerung zumeist an Schulstress. Irgendwie kommt Schulstress nicht wirklich vor. Entweder, wir waren weniger gestresst als die heutigen Schüler oder die Schule war nicht so stressig, wie sie das heute ist, was bedeuten würde, dass der Stress in der Schule in dem Maße gestiegen ist, wie der Anteil der weiblichen Lehrer gestiegen ist.

Aber bevor Sie sich hier auf naheliegende Korrelationen stürzen und sie zur Kausalität erheben, haben wir noch etwas ganz anderes als Erklärung anzubieten. Schulstress wurde erst in den 1970er Jahren als Konzept erfunden. Kein Wunder also, dass wir älteren uns nicht an Schulstress erinnern können. Als wir zur Schule gingen, gab es noch keinen Schulstress.

Alte Bücher, die heute meist vergriffen sind, verraten diese Wahrheiten noch:

„Obwohl der Theoretiker des Streß, Selve (1953), ursprünglich mit seinem Konzept nur physische Reizung meinte, so etwa in Form von ungewöhnlicher Hitze oder Kälte, einer Kontaminierung mit außerordentlich hohen Mengen an Krankheitskeimen, wurde der Streßbegriff sehr bald auch auf psychische, soziale Belastungen oder Überlastungen ausgedehnt. Auch das Bildungssystem wurde bald von dieser Diskussion erfaßt – und so entstand Mitte der 70er Jahre eine regelrechte Kampagne gegen den Schulstreß. Tatsächlich ist die Schule ein Ort, an dem Jugendliche gewollt belastet werden“

Und an anderer Stelle:

„Streß wird hierbei keineswegs als prinzipiell schädlich angesehen, sondern als eine Möglichkeit, zunehmend Abhärtung und Widerstand gegenüber … ungewöhnlichen Reizanforderungen herauszubilden. Zwar wird bei Streß der Organismus ungewöhnlich stark beansprucht, doch kann diese überstarke Beanspruchung zu kreativen Anpassungsleistungen des Organismus an die Reaktion führen …“

Aus: Marschall, Peter & Zenz, Helmuth (1975). Körperliches und seelisches Wohlbefinden in der Schule und im Studium. In: Reimann, Helga & Reimann, Horst (Hrsg.). Die Jugend. Einführung in die interdisziplinäre Juventologie. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.174-175

Man sieht, wie der Zeitgeist das Wohlbefinden beeinflussen kann…

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Ausbildung: Nachhaltigkeitskämpfer an 275 Schulen deutschlandweit

Wussten Sie, dass es in Deutschland 275 UNESCO-Projektschulen gibt? An UNESCO-Projektschulen werden Nachhaltigkeitskämpfer ausgebildet, Schüler, die schon wissen, was richtig ist und wie man richtig lebt:

„In mehr als 100 Städten verteilt über die gesamte Bundesrepublik findet man sie: die mehr als 275 UNESCO-Projektschulen. Sie sind ganz „normale” Schulen, aber mit einer besonderen Schwerpunktsetzung: UNESCO-Projektschulen engagieren sich für eine Kultur des Friedens, für den Schutz der Umwelt, für eine nachhaltige Entwicklung und für einen gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich. Das Schulleben gestalten sie im Sinne des interkulturellen Lernens. Das übergeordnete Bildungsziel der UNESCO-Projektschulen lautet: Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt.“

Kultur des Friedens, Schutz der Umwelt, Ausgleich zwischen Arm und Reich, interkulturelles Lernen: An UNESCO-Projektschulen werden Probleme, die seit Generationen die Wissenschaft beschäftigen, im Laufe eines Schülerlebens gelöst.

UNESCO Projektschulen

Wie, das erklärt das (UNESCO) Portal für BNE: Bildung und Nachhaltige Entwicklung:

„Was ist das Ziel von guter Bildung? Jenseits von konkreten Inhalten soll sie Menschen die Kompetenz zu gestalten vermitteln. Gute Bildung geht über reines Faktenwissen hinaus, sie vermittelt Fähigkeiten und Werte und ermöglicht
– vorausschauendes Denken;
– interdisziplinäres Wissen;
– autonomes Handeln;
– Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen.
Das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung dient entsprechend nicht nur dazu, Nachhaltigkeitsthemen, wie Klimaschutz und Biodiversität zu thematisieren sondern partizipative Methoden zu verwenden, um kritisches Denken, Teamfähigkeit und weitere Fähigkeiten zu vermitteln. Hinzu kommt ein internationaler Blick, der es uns ermöglicht, uns als Weltbürger zu verhalten, dessen Denken und Handeln nicht an der eigenen Landesgrenze aufhört. Dazu braucht es politische umfassende Bildung. Denn jeder Einzelne muss täglich Entscheidungen treffen. Und nicht immer liegt auf der Hand, was die beste Entscheidung ist.“

Das Erschreckende an dem, was BNE sein soll: Die Behauptung, man könne die beste Entscheidung generell bestimmen. War es die beste Entscheidung als Neville Chamberlain 1938 seine Politik des Appeasements auch unter Aufgabe der Rest-Tschechei fortgesetzt hat. In einer Kultur des Friedens sicher. Es hat den Frieden zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich gesichert, nicht den Frieden der Tschechen. Welche Option wählt ein Weltbürger, wenn er sich zwischen Dieselfahrzeugen und den damit verbundenen Arbeitsplätzen und dem Drahtesel Made in China entscheiden muss, der ausnutzt, dass in China Arbeitskraft noch billig zu haben ist? Was macht der klimaschützende Nachhaltige wenn er zwischen Energieeffizienz und Ökologie wählen muss: Sitzt er dann lieber im Kalten und schlottert, weil er ein guter Weltbürger ist?

Gilt es als autonomes Handeln, wenn ein Schüler sich auf Grundlage guter Gründe entscheidet, nicht an den menschengemachten Klimawandel zu glauben und statt dessen der Ansicht ist, die Überbevölkerung der Erde sei ein viel größeres Problem als die Begrenztheit der Ressourcen? Wie verhält sich die Ausbildung zur Teamfähigkeit zum autonomen Handeln, das im Rahmen eines Teams gerade nicht möglich ist?

Schon nach kurzer Betrachtung hat man das untrügliche Gefühl, die UNESCO-Projektschulen seien Orte der Indoktrination, Orte, an denen die Bornierten von morgen, die sich jenseits dessen, was ihnen als einzig richtiges Handeln eingetrichtert wurde, nichts vorstellen können, ausgebildet werden. Sie werden dazu ausgebildet Fragen wie die, ob es ethisch vertretbar ist, von heute lebenden Menschen sicheren Verzicht zu fordern, damit morgen oder übermorgen vielleicht lebende Menschen vielleicht einen unsicheren Nutzen davon haben können, erst gar nicht zu stellen?

Wozu braucht die UNESCO überhaupt Projektschulen?
Wie kann es sein, dass eine Abteilung der UNO Einfluss auf den Unterricht, dessen Gegenstand und Ausführung in Deutschland nimmt, einem Land, in dem die Linken Zeter und Mordio schreien, wenn sich ein Unternehmen auch nur in die Nähe einer Schule wagt?

Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass UNESCO-Projektschulen dazu dienen, Nichtregierungsorganisationen, die so unabhängig sind, dass sie am Tropf der UNO oder der EU hängen, wie z.B. Greenpeace, direkten Zugang zu Schulen und Schülern zu gewähren, auf dass die Indoktrination umfänglich sei und der Nachwuchs der entsprechenden NGOs vor Ort gesichert werden kann.

„150.000 Kinder und Jugendliche sowie 10.000 Lehrkräfte in Deutschland feiern am 26. April den internationalen Projekttag der UNESCO-Projektschulen unter dem Motto “Brennpunkt Zukunft“. Die fast 300 UNESCO-Projektschulen in Deutschland präsentieren im Rahmen von Workshops, Podiumsgesprächen und Kunstaktionen ihre im Laufe des Schuljahres 2017/2018 entwickelten Lösungsansätze zu zentralen Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung. Auch Partnerschulen im Ausland sowie außerschulische Bildungsorte gestalten diesen Tag mit.
Bei der zentralen Veranstaltung in Berlin dreht sich am 26. April alles rund um das Thema nachhaltige Entwicklung, Konsum und Bildung. Schülerinnen und Schüler der Berliner UNESCO-Projektschulen haben dazu in Kooperation mit Greenpeace Schulen aus ganz Deutschland zu einem Fest der Nachhaltigen Entwicklung eingeladen“.

Man kann nur hoffen, dass die ganze Indoktrination, die heute als Unterricht gilt, zu Renitenz bei einigen führt. Wer sonst sollte die Ideen haben, die zur Lösung der Probleme beitragen, an die man bei der UNESCO trotz aller Planung nicht gedacht hat? Aber bei der UNESCO gilt ein Mut zur Lücke, der Schaudern macht:

„Wichtig ist, auszuhalten, dass man nicht alle Informationen zu einem Thema haben kann. Und trotzdem entscheidungsfähig ist. Das ist eine Grundbedingung für die Zukunft, ganz unabhängig davon, ob es um das Thema Nachhaltigkeit geht.“
Prof. Dr. Gerhard de Haan (Wissenschaftlicher Berater des Weltaktionsprogramms, FU Berlin)

In Kurz: Wir haben zwar nicht alle Informationen, aber wir wissen, dass Nachhaltigkeit heute und in Zukunft ganz wichtig ist.

Das einzige, was wir genau wissen: Vorsicht vor wissenschaftlichen Beratern, die Plattitüden absondern, denn natürlich hat niemand, auch nicht die UNESCO alle Informationen, die notwendig sind, um eine objektiv-korrekte Entscheidung zu treffen. Entscheidungen richten sich auf die Zukunft. Die Zukunft kennt niemand. Das ist also eine Plattitüde. Warum äußert sie de Haan. Offensichtlich will er Entscheidungen rechtfertigen, die auf wenig Information basieren und bei denen nicht einmal der Versuch unternommen wird, sich mit Alternativen, Optionen oder abweichenden Meinungen zu beschäftigen. Keine Entscheidung beruht auf allen Informationen zu einem Thema. Warum also soll man sich querlegen, um sich ein möglichst umfassendes Bild von einem Gegenstand zu machen, zumal, wenn man schon genau weiß, was richtig ist, in der Kultur des Friedens, in ihrer geschützten Umwelt, in der ein integrierender Ausgleich zwischen Reich und Arm zur vollständigen Nivellierung aller Unterschiede, die das Leben lebenswert machen, geführt hat?

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Abiturprüfung zu schwierig: Rund 30.000 unterschreiben Petition gegen Englisch-Prüfung

Times, they are changing.

Bob Dylan hat es gesungen, und Bob Dylan ist heute über 70 Jahre alt.
Daran kann man sehen, wie die Zeit vergeht und dass man selbst alt geworden ist. Gut, man sieht, vor allem merkt es auch an anderen Dingen, aber das ist nebensächlich.

O tempora o mores, der Ausruf von Cicero, der die Dekadenz seiner Zeit beklagt, nie war er so angemessen wie heute, wo es die Regel ist, dass man vor Anforderungen einknickt und die Ausnahme, dass man an Überforderung wächst. Wozu auch? Man hat heute ein Recht auf fast alles, verliehen vom Staat und ganz ohne eigene Anstrengung zu haben. Strengt man sich an und hat Erfolg, dann kommen die Neider gleich mit, mit dem Finanzamt. Strengt man sich nicht an, dann gibt es keine negativen Konsequenzen, im Gegenteil, man wird wegen Burnout behandelt und von einem Psychologen zum nächsten gereicht – auf Kosten der Beitragszahler.

Die neue Zeit, sie duldet keine Ungerechtigkeit, keine Unfairness, keine Benachteiligung.

Denkt man von sich, man sei ungerecht behandelt worden, dann stehen Legionen von Helfern bereit, die vorgebliche Gerechtigkeit zu ihrem Geschäft und angebliche Fairness zu ihrem Einkommen gemacht haben, aber natürlich ist die Erzählung eine andere: Nicht um des Eigennutzes willen wird geholfen, sondern aus Altruismus und Menschenfreundlichkeit (ergänzt um ein meist üppiges Salär). Der moderne Mensch ist ein Märtyrer, ein moderner Märtyrer, der den Kampf mit der Ungerechtigkeit aufnimmt, nicht für sich, sondern für andere. Der moderne Mensch ist einer, der keinerlei eigene Interessen hat. Sein Leben ist den anderen geweiht. Er opfert sich für sie. Sein Einkommen nur eine Aufwandsentschädigung, die er widerstrebend für seinen Dienst am Nächsten annimmt. Und das Opfertum, es beginnt bereits in der Schule, dem Ort, an dem die Ungerechtigkeit in Noten gegossen wird.

So geschehen in Baden-Württemberg und im Zuge der Abiturprüfung, die ein moderner Nachwuchs-Märtyrer zum Anlass genommen hat, um die Interessen seiner Mitschüler, nicht etwa die eigenen, zu vertreten und eine Petition zu starten. Er, der starke, der gute Schüler, er wirft sich in den Ring, für die Unterlegenen, die schlechten, die schwachen Schüler, stellt sich schützend vor sie, die ohne seine Hilfe der Notenwillkür ausgeliefert wären:

„Auch als eine Person, die gute Noten schreibt und gut in Englisch ist, fand ich den Text der Reading Comprehension enorm schwierig. Gerade für sonst schlechtere Schüler, war die Prüfung daher noch anspruchsvoller. Ich habe mich in meiner Stufe mit Schülern mit unterschiedlichen Leistungsstandards unterhalten und auch im Internet haben viele diese Meinung vertreten. Daher schreibe ich diese Petition im Interesse aller Schüler.”

Der Gegenstand der Petition ist ein schlechter Roman von Henry Roth, “Call it Sleep“, der 1934 geschrieben und schnell vergessen und erst 1964 wiederbelebt wurde, in einer Rezension von Irving Howe für die New York Times Book Review. Seitdem wird er gelesen und die Geschichte der jüdischen Einwandererfamilie, die 1907 in die USA kommt und heute das Herz politisch korrekter Zeitgenossen höher schlagen lässt, die mit Sohn David mitleiden und selbst der Brachiallösung des Stromschlags, der die Familie heilt, noch etwas abgewinnen können. Kein Wunder also, dass es im grün-schwarzen Baden-Württemberg der Stoff ist, aus dem die Abiturprüfung in Englisch wird.

Die Sprache des Buches ist einfach, die Worte, die benutzt werden, bis heute in Verwendung. Das Sprachverständnis selbst dann, wenn man nicht alle benutzten Worte kennt, ein leichtes. Und dennoch ist es Anlass für das Gefühl, ungerecht, unfair behandelt worden zu sein.

Die Anklagepunkte der Petition sind umfangreich:

  • Das Buch ist aus dem Jahre 1934. Es enthalte alte Worte.
  • Es ist ein Roman und enthalte unklare Personenkonstellationen.
  • Die Multiple Choice Aufgaben seien schwieriger als im Vorjahr.
  • Der schwierigste Teil des Textes sollte analysiert werden.

Das sind nach Ansicht des anonymen Verfassers der Petition oder seiner Eltern, denn der Text wirkt über weite Stellen zu erwachsen, als dass er „von einer Person, die gute Noten schreibt“, stammen könnte, schwere Vorwürfe, die die Forderung, den „Erwartungshorizont anzupassen und die genannten Aspekte bei der Bewertung zu berücksichtigen“ begründen.

Mit anderen Worten, die Petition verlangt, dass das Niveau der Bewertung dem subjektiven Empfinden von Schülern, die generell und in jeder Abiturprüfung der Ansicht sein werden, die Aufgaben waren zu schwierig, anzupassen. Eine Anpassung, für die er, „die Person, die gute Noten schreibt“, es in Kauf nimmt, von der Absenkung des Niveaus auch zu profitieren. Was tut man nicht alles, für seine schlechten Mitschüler…

Und warum soll man das Niveau der Abiturprüfung nicht den Wünschen der Schüler anpassen? Gerechtigkeit und Fairness sind subjektive Maße. Ein Berufs-Mörder hat andere Vorstellungen davon, was eine faire Bezahlung für seine Dienste ist als seine Opfer. Generell haben diejenigen, denen eine Leistung abverlangt wird, eine andere Vorstellung davon, was Fairness ist als diejenigen, die die Leistung verlangen. Und natürlich haben schlechte Schüler eine andere Vorstellung von Fairness als gute Schüler. Deshalb ist es so heldengleich, dass ein guter Schüler, der es eigentlich gar nicht nötig hat, eine Petition für seine schlechten Mitschüler startet.

Am besten, wir richten die Fairness am subjektiven Empfinden aus: Fair ist, was als fair empfunden wird, nicht, was anhand von Kriterien als fair belegt werden kann,

Fair ist, wenn Schüler eine Aufgabe als fair empfinden. Fair ist nicht, ein Leistungsniveau zu definieren und zu prüfen, ob Schüler dieses Leistungsniveau erreicht haben. Fair ist, wenn Schüler denken, sie müssen nicht mehr leisten als der Jahrgang vor ihnen. Fair ist nicht, wenn eine Form der funktionalen Äquivalenz, die einzig bisher gefundene Methode, um kaum Vergleichbares doch zu vergleichen, genutzt wird, um transgenerationale Fairness unter Schülern herzustellen.

Wie gut, dass unser kritischer Schüler nicht weiß, was in anderen Bundesländern in der Abiturprüfung gefragt wird. Was hätte er wohl für Probleme mit der Fairness, kennte er die Prüfungsaufgaben aus Bremen. Daraus folgt: Fairness ist immer eine „bounded fairness“, die am Horizont des subjektiven Empfindens derer endet, die sie einklagen.

Angesichts einer Generation, in der der Paternalismus für die vermeintlich „Armen und Schwachen“ schon verinnerlicht ist, in der keinerlei Stolz daraus genommen wird, eine Leistung erbracht zu haben und an Anforderungen gewachsen zu sein, in der es normal ist, eine Überforderung zu beklagen und sich zum Opfer von Unfairness zu stilisieren und in der eine Veränderung als Unfairness verstanden wird, muss man um die Zukunft Deutschlands nicht bangen, denn die Zukunft ist bereits vorbei.

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Folge des Staatsfemimismus: Grundschullehrermangel

Die Bertelsmänner schlagen Alarm. In den Grundschulen fehlen Lehrkräfte: Bis 2025 müssten 105.000 Lehrkräfte neu eingestellt werden. 60.000 der fehlenden Lehrkräfte würden fehlen, weil Lehrkräfte ausscheiden. Der Rest soll Mehrbedarf sein. Ausgebildet werden nach Berechnungen der Bertelsmänner aber nur 70.000 Lehrer für Grundschulen. Also, so die Bertelsmänner, fehlten mittelfristig 35.000 Grundschullehrer.

Nehmen wir die Zahlen der Bertelsmänner einmal so hin. Dann fehlen angeblich 35.000 Grundschullehrer. Das ist kein Wunder. Wer will heute noch Grundschullehrer werden? Der Beruf ist entwertet. Jahrzehnte des Staatsfeminismus haben dazu beigetragen, den Markt für Grundschullehrer zu einem Market for Lemons zu machen. 88,5% der Grundschullehrer waren im Jahr 2016 weiblich. 51,2% der weiblichen Grundschullehrer arbeiten Teilzeit oder stundenweise. Von den 11,5% verbliebenen männlichen Grundschullehrern arbeiten 64% Vollzeit, der Rest der männlichen Lehrer ist weitgehend als stundenweiser Aushilfslehrer beschäftigt, der vermutlich die Kartoffeln in Mathematik aus dem Feuer holen soll. Unter den Lehramtsstudenten, die Grundschullehrer werden wollen, sind Männer ein noch selteneres Gut. Und wie zumeist, wenn der Anteil von Männern in einem Beruf zurückgeht, sinken die Standards und in der Regel wird auch die Bezahlung schlechter. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass der Anteil der Vollzeittätigen durch das Verschwinden von Männern zurückgeht. Von 54% auf knapp 47% ist er an Grundschulen im Verlauf der letzten 25 Jahre gesunken. Der Anteil der Teilzeitlehrer und der stundenweise beschäftigten Lehrer ist dagegen gestiegen.

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, aber man muss sie in Zeiten des Staatsfeminismus regelmäßig wiederholen, weil Genderisten so fest an die Eierlegendewollmilchsau glauben, dass man fast gerührt sein könnte: Kompetenz und Wissen sind in weiten Teilen ein Ergebnis von Engagement und Erfahrung. Engagement und Erfahrung hängen insofern zusammen, als derjenige, der mehr Engagement zeigt auch mehr Erfahrung sammeln kann. Ein Lehrer, der sich seinem Beruf widmet und Vollzeit tätig ist, hat entsprechend mehr Erfahrung als ein Lehrer, der seinen Beruf nur teilweise ernst nimmt und sich ansonsten lieber um seine Familie kümmert. Das ist eine ganz normale Sache, die man in der Ökonomie über Lernkurven beschreibt, Lernkurven, die dazu führen, dass Vollzeitlehrer im Aggregat innerhalb von nur wenigen Jahren deutlich mehr Kompetenz, Versiertheit, eben Erfahrung in ihren Beruf erwerben und einbringen als diejenigen, die ihren Beruf nebenbei erledigen. Und weil dem so ist, sinkt die Qualität einer Tätigkeit im Aggregat, wenn der Anteil der Vollzeitbeschäftigten zurückgeht, denn das gesammelte Humankapital, über das z.B. Lehrer verfügen, wird geringer.

Dagegen kann man schimpfen. Man kann mit den Fuß aufstampfen, rot im Gesicht anlaufen und sich die Ohren zuhalten, aber man kann es nicht ändern: Vollzeitlehrer haben mehr Kompetenz und Erfahrung als Teilzeitlehrer (das ist eine Gruppenaussage!).

Ein weiteres Problem, das mit Nebenbei-Lehrern einhergeht ist, dass man mehr Lehrer braucht, um das Stundenpatchwork, das früher Stundenplan hieß, zu füllen. Dies wird anhand der folgenden Abbildung sehr deutlich, in der wir die Zahl der Grundschüler mit der Gesamtzahl der Lehrer verrechnet haben. Eigentlich ist das Verhältnis von Schülern zu Lehrern an Grundschulen seit 1996 stetig zu Gunsten der Schüler besser geworden: Mussten sich 1996 noch 17 Schüler einen Grundschullehrer teilen, waren es 2016 nur 12 Schüler, die auf einen Grundschullehrer gekommen sind (Wer erinnert sich noch an seine Grundschulzeit als es möglich war, 30 Schülern und oftmals mehr Unterricht zu erteilen?). Uneigentlich hat der Teilzeit-Boom, den der Staatsfeminismus geschaffen hat, dazu geführt, dass sich das Verhältnis von Schülern zu Lehrern obwohl im Gesamt weniger Schüler mehr Lehrern gegenüberstehen, kaum verändert hat. Denn mehr Lehrer arbeiten in Teilzeit.

Angesichts dieses immensen Potentials von Teilzeitlehrern von einem Lehrermangel zu sprechen, erscheint nicht nur vordergründig als Panikmache. Tatsächlich ist es so, dass die Grundschullehrer, die aus Altersgründen ausscheiden, leicht durch die Absolventen, die an Hochschulen ausgebildet werden, ersetzt werden könnten, wenn da nicht die Kleinigkeit wäre, dass ältere Lehrer, auch ältere Lehrerinnen in der Regel Vollzeit arbeiten, während jüngere Lehrerinnen den Lehrerberuf als Nebentätigkeit praktizieren. Deshalb braucht man heutzutage mehr als 70.000 Absolventen um rund 60.000 ausscheidende Grundschullehrer zu ersetzen, denn die 224.119 Lehrer, die 2016 an deutschen Grundschulen beschäftigt waren, erteilen in der Summe weniger Unterrichtsstunden als die 219963, die 1995 an deutschen Grundschulen beschäftigt waren.

Dass dem so ist, ist ein Ergebnis des Staatsfeminismus, der nicht nur die Entprofessionalisierung von Berufen zu verantworten hat, er ist auch dafür verantwortlich, dass Absolventen, die von Hochschulen kommen, immer seltener nach einem Beruf Ausschau halten und immer öfter auf der Suche nach einer Nebenbeschäftigung, die sie zur Freizeit fügen können, sind. Dass dabei die Unterrichtsqualität leidet, ist eine Konsequenz, deren Logik wir oben beschrieben haben. Dass sich der Lehrermangel an Grundschulen verschärft, wie die Bertelsmann-Stiftung schreibt, ist eine Folge der Gender-Idiotie, die in Deutschland herrscht. Dass man bei der Bertelsmann-Stiftung der Ansicht ist, man müsste „Anreize für Mehrarbeit“ bei Teilzeitkräften setzen und die Pensionäre zu einem längeren Einsatz in Grundschulen bewegen, ist nicht nur das Eingeständnis eines vollständigen Scheiterns, es ist auch eine Unverschämtheit.

Wie irre ist es eigentlich, wenn man Teilzeitlehrern einen zusätzlichen Anreiz setzen muss, damit sie sich bereiterklären ihre Arbeit in Vollzeit machen? Und wie unverschämt ist es, wenn man diejenigen, die ihr Leben lang und im Gegensatz zu jüngeren Lehrern in Vollzeit, gearbeitet haben, dazu benutzen will, um für den Staatsfeminismus die Kartoffeln aus dem Feuer holen zu lassen, nur weil niemand den Mut aufbringt, die Verantwortung, für die hausgemachte Katastrophe zu übernehmen, die darin besteht, dass die meisten Menschen dann, wenn man ihnen sagt, dass sie nicht voll arbeiten müssen und statt dessen staatliche Kinderbetreuung in Anspruch nehmen und sich vor den Fernseher setzen können, genau das tun werden?

Der Staatsfeminismus hat seit Jahren Leistung und Leistungsbereitschaft untergraben und nun sollen ausgerechnet diejenigen, die sich durch Vollzeitarbeit dagegen gestellt haben, benutzt werden, um die Folgen dieser hausgemachten Probleme zu reduzieren?

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Pädagogik der Sandweste: Die Hilflosigkeit unfähiger Lehrer

Die britische Zeitung „Daily Mail“ scheint kurz davor zu sein, eine Rubrik „German Oddities“ einzurichten. Jedenfalls hat die Zeitung große Probleme, ihren Lesern die Wahrheit eines Berichts über rund 200 deutsche Schulen glaubhaft zu machen, in denen Schüler neuerdings in Sandwesten gezwängt werden, die zwischen 1,5 und 4 Kilogramm schwer sind, und die sie daran hindern sollen, im Unterricht herum zu zappeln oder im Unterrichtsraum herumzulaufen. Was die Leser der Daily Mail kaum für möglich halten, wird beim Deutschlandfunk als „Modellversuch“ diskutiert, an dem 13 Hamburger Schulen teilnehmen. Sie testen den Einsatz von „kiloschweren Sandwesten“, um Schülern mehr Ruhe und Konzentration zu ermöglichen. Der Einsatz richtet sich vornehmlich gegen Schüler, die an einem Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) leiden sollen, dauere nie länger als 30 Minuten und werde nicht gegen den Willen des Kindes zum Einsatz gebracht. Beim Bayrischen Rundfunk sind die Nuancen desselben Gegenstands andere. Nun wird die Sandweste maximal 20 bis 30 Minuten verordnet und kein Kind „wird gezwungen, sie länger zu tragen“.

Wie dem auch sei, die Sandwesten sind den einen eine große Hilfe, von der sie sogar behaupten, ADHS-Kinder würden sie „lieben“, gäben sie ihnen doch die Gelegenheit, endlich sitzen zu bleiben, während die anderen der Ansicht sind, Sandwesten seien eine Form schulischer Folter, die der Zwangsjacke entspreche, wie sie in der Psychiatrie zum Einsatz komme.

Wir betrachten den Einsatz von Sandwesten als Eingeständnis der Hilflosigkeit und somit als Beleg für pädagogisches Scheitern und vor allem als eine katastrophale Meldung an Schüler, die doch eigentlich zu eigenständigen Menschen erzogen werden sollen.

Zunächst zur an deutschen Schulen grassierenden pädagogischen Hilflosigkeit, die man nicht besser zum Ausdruck bringen kann als mit einer Sandweste.

Howard Becker, einer der Pioniere der Soziologie der Pädagogik hat darauf hingewiesen, dass Lehrer gegenüber ihren Schülern vor allem mit zwei Problemen konfrontiert sind: (1) die Erfüllung der übertragenen Aufgabe und (2) die Herstellung von Disziplin, die gewöhnlich darüber erfolgt, dass man als Lehrer die eigene Autorität im Klassenzimmer etabliert, sofern man eine Autorität zum Etablieren hat.

Beide Probleme hängen natürlich miteinander zusammen. Ein Lehrer, dem es nicht gelingt, mit seiner Autorität Disziplin herzustellen, der wird auch keinen Erfolg damit haben, seine Aufgabe, die in der Vermittlung von Wissen besteht, erfolgreich zu leisten. Folglich kann man argumentieren, dass für den Erfolg eines Lehrers, die Durchsetzung seiner Autorität und die Herstellung von Disziplin am wichtigsten sind. Dazu schreibt Becker:

„Teacher and pupil confront each other in the school with an original conflict of desires, and however much that conflict may be reduced in amount, or however much it may be hidden, it still remains. We must recognize that conflict, either actual or potential, is ever present in the teacher-pupil relationship, the teacher attempting to maintain her control against the children’s efforts to break it”.

Für Becker ist Unterricht somit durch einen Interessenkonflikt zwischen Schüler und Lehrer darüber gekennzeichnet, wie ein Unterricht abzulaufen hat. In der folgenden Interaktion zwischen Lehrer und Schülern werden dann Regeln ausgehandelt, wobei es die Aufgabe eines Lehrers ist, Bedingungen zu schaffen, die seiner ersten Aufgabe, nämlich der Vermittlung von Wissen, förderlich sind. Wir alle kennen aus unserer Schulzeit Lehrer, die damit keinerlei Problem hatten, bei denen die Disziplin keine Frage und der Unterricht interessant oder doch zumindest geordnet war, und wir alle kennen Lehrer, die für ihren Beruf eher ungeeignet sind, deren Unterricht in Monotonie erstickt und von Langeweile geprägt ist und deren Person Schülern keinerlei Anlass gibt, Respekt zu zollen oder gar Autorität zuzuschreiben. Lehrer der letzteren Art scheinen in Schulen häufiger zu werden als Lehrer der ersteren Art.

Das Problem der Autorität, das alle Lehrer lösen müssen, um Disziplin herzustellen, wird für schlechte Lehrer zu einem wirklichen Problem. Wo gute Lehrer mit ihrer Person und ihrem Unterricht überzeugen, müssen die schlechten Lehrer auf Hilfsmittel zurückgreifen. Früher war das z.B. der Rohrstock, mit dem die Autorität des Schulmeisters eingebläut wurde. Heute ist der Rohrstock verboten und die zumeist weiblichen Lehrer müssen auf andere Formen zurückgreifen, in der Regel auf psychische Formen Druck auf Schüler auszuüben und wenn diese auch nichts nutzen, dann muss der Rohrstock eben in einer anderen Variante neu eingeführt werden, als Sandweste zum Beispiel, die Schülern, die allzu offen zeigen, dass der Lehrer keine Autorität hat und in keiner Weise in der Lage ist, Disziplin in seinem Klassenzimmer zu gewährleisten, angelegt wird, mit der sie bestraft werden.

Das Perfide an dieser Rückkehr zum Rohrstock ist nun, dass das neue Mittel der Züchtigung nicht als Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit des Lehrers, Autorität zu etablieren und Disziplin durchzusetzen, gesehen wird, sondern dem Schüler angelastet wird. Der Schüler, der im Hinblick auf ADHS in der Mehrzahl ein männlicher Schüler ist, sei ein Opfer einer Krankheit und müsse daher behandelt werden. Dass sich mit dieser Krankheit nicht nur eine sehr problematische Form der Diagnose verbindet, sondern eine noch problematischere Form der Behandlung wird verschwiegen.

Nicht nur, werden Schüler zum Problem stilisiert und nicht Lehrer, die unfähig sind, Disziplin durchzusetzen, als das eigentliche Problem erkannt, die Schüler, denen eine Sandweste verordnet wird, werden durch Aussagen wie: die Sandwesten würden den Kindern zu einem „besseren Körpergefühl“ verhelfen (das tun Fußfesseln mit Sicherheit auch) und die soweit gehen zu behaupten, die Kinder würden es lieben, die Westen zu tragen, auch noch verhöhnt und ihrer Individualität beraubt. Ihnen und ihren Mitschülern wird die Lektion erteilt, dass sie unfähig sind, ihr eigenes Verhalten zu beeinflussen, zu steuern. Ihnen und ihren Mitschülern wird vorgeführt, dass äußerlicher Zwang gerechtfertigt ist, weil ein individueller Schüler nicht in der Lage ist, von sich aus sein Verhalten zu ändern und anzupassen. Den Schülern mit Sandweste wird entsprechend attestiert, dass sie zu keiner Kontrolle ihrer Handlunge fähig sind und der Anleitung durch Außenstehende, dem Zwang durch deren Maßnahmen, deren Nudging, bedürfen.

So erzieht man keine eigenständigen Persönlichkeiten, so erzieht man Sklaven und Deviante, die darauf vertrauen, von anderen angeleitet und in ihrem Handeln begrenzt zu werden, weil sie selbst, wie sie seit ihrer Schulzeit wissen, denn da wurde ihnen der entsprechende Freibrief erteilt, nicht zur Kontrolle ihres Handelns fähig sind.

Und alles weil es in Deutschland nicht möglich ist, die einfache und offenkundige Tatsache auszusprechen, dass manche Lehrer für ihren Beruf ungeeignet sind. Lieber lässt man Generationen von Schülern unter schlechten Lehrern leiden, als dass man der Wahrheit ins Gesicht blickt. Selbstverständlich gibt es auch Situationen, die Lehrer schlicht überfordern, wenn sie z.B. wegen politischer Korrektheit mit inklusiven Klassen konfrontiert sind, auf deren Leitung sie nicht vorbereitet wurden und mit deren Leitung sie schlicht überfordert sind. In solchen Situationen werden Lehrer zwangsläufig zu schlechten Lehrern, so wie ein ansich guter Dompteur von Löwen, ein Problem damit hat, Schlangen dazu zu bewegen, durch einen Reif zu springen.

Aber alternative Fakten zum Unwort erklären.

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