Junk Science und Focus unterhalten eine symbiotische Beziehung:
Daraus:
„In der Nacht zum 25. Oktober beginnt die Winterzeit. Laut Stanford-Forschern könnte eine dauerhafte Standardzeit der Gesundheit zugutekommen und jährlich bis zu 300.000 Schlaganfälle verhindern.“
Nicht nur weniger Schlaganfälle, auch weniger Fette, also adipöse Zeitgenossen gäbe es, gäbe es keine Sommerzeit. Leider hat sich meine Hoffnung, meiner Arthritis im Knie mit der Abschaffung der Sommerzeit „adieu“ sagen zu können, nicht erfüllt: Kein signifikanter Zusammenhang.
Falls Sie denken, ich erzähle Ihnen etwas, die Autoren der Studie, auf die sich der Focus bezieht, haben neben Schlaganfälle und Adipositas noch Arthritis und Diabetes und koronale Herzerkrankungen und Depression und Krebs usw. auf einen Zusammenhang mit Sommerzeit getestet – offenkundig bleiben die zuletzt genannten Erkrankungen vom zirkadianen Zeitempfinden unbeeinflusst.
Die Frage, die sich jedem, der eine Schlagzeile, wie die im Focus ohne Schlaganfall übersteht, stellen sollte: Wie um aller Götter willen wurden diese Ergebnisse fabriziert? Fabriziert verweist schon auf das Wesentliche, sie stammen aus einer Modellierung, einer brachialen, wenn Sie mich fragen, nicht von Beobachtungen am lebenden Objekt.
Weed und Zeitzer haben die Studie, auf die sich der Focus bezieht, verbrochen, ob mit oder ohne „Weed“, das sei dahingestellt. Um zu errechnen, was sie errechnet haben, haben sie zunächst eine „idealistische Lichtexposition“ zusammengebastelt, das ist die Menge von Licht, die Sie oder ich oder wer auch immer, im Verlauf eines Tages abbekommt, wobei der Tag von 9 Uhr bis 17 Uhr aus Arbeit besteht und von 22 Uhr bis 7 Uhr aus Schlaf. Die Restzeit ist irgendwo dazwischen. Sofern das nicht auf Sie zutrifft, ist zweifelhaft, ob sie von einem reduzierten Risiko auf Schlaganfall dann, wenn kein Hin und Her zwischen Sommer- und Normalzeit erfolgt, profitieren würden. Ich würde davon ausgehen, dass Sie … nein, nein, dass Sie nicht profitieren …
Schichtarbeiter sind ebenso ausgeschlossen, wie Nachteulen. Wer nicht den von den Autoren vorgesehenen Normaltag verbringt, der bringt ihr ganzes schönes Modell, das auf einem Ideal basiert, dass es vermutlich so gut wie gar nicht gibt, zum Einsturz.
Idealisierung 1, Idealisierung meint eine Abstraktion von der Realität, wobei die Gefahr besteht, dass die Abstraktion schnell zur Travestie wird, wird durch Idealisierung 2 ergänzt. Früh-, Spät und Dazwischentyp werden im Hinblick auf ihre „intrinsische Periodenlänge“ unterschieden. Die „intrinsische Periodenlänge“, das ist die „freie Laufzeit der inneren Uhr“, die „freie Laufzeit der inneren Uhr“, das ist ein Maß für … nun, was auch immer.
Wenn man Idealisierung 1 und 2 miteinander verwurstet und in ein Modell wirft, in dem für die Counties der USA, die Autoren haben ihre Ergebnisse für die USA zusammengeschustert und da ihre Ergebnisse auf den in den jeweiligen Counties vorhandenen Lichtverhältnissen basieren, sind sie schlicht nicht übertragbar, auf Deutschland. Sorry, Focus, Bad luck – wenn man also Idealisierung 1 und 2 mit Prävalenzdaten für Arthritis, Krebs, COPD, Herzerkrankungen, Depression, Diabetes, Adipositas und Schlaganfall zusammenwirft, dann kommt dabei zwangsläufig etwas heraus.
Das hier:
Fettleibigkeit und Schlaganfall, zwei Zeitumstellungen pro Jahr befördern sie. Die Zeitumstellung hat keinen Effekt auf Arthritis, sehr zu meinem Ärger, keinen auf Depression, was ich deprimierend finde und keinen auf Atemwegserkrankungen, obschon es eine große Zahl von Leuten gibt, die anlässlich von Zeitumstellungen immer hyperventilieren. Zumeist sind das dieselben Leute, die ein Jet-Lack ohne mit der Wimper zu zucken, meistern, sofern es sich auf der Hinreise in den Urlaub einstellt.
Dass Krebs unbeeindruckt von Zeitumstellung wächst, setzt dem Ganzen die Krone auf…
Falls Sie sich fragen, wie die kausale Kette von Zeitumstellung über zirkadianen Rhythmus auf Adipositas oder Schlaganfall verlaufen soll? Ich habe keine Ahnung. Und die Autoren haben offensichtlich auch keine Ahnung, denn hätten sie eine, sie hätten sie sicher in Worte gefasst, um ihre Ergebnisse zumindest ein wenig aus dem Reich der Scheinkorrelation zu holen.
Bleibt uns nichts anderes übrig, als zu spekulieren. Vermutlich bringt eine Zeitumstellung die Essgewohnheiten von Adipösen so sehr aus dem Gleichgewicht, dass sie im Frühjahr mehr essen, um die eine Stunde, die ihnen fehlt, aufzuholen und im Spätjahr die eine Stunde, die sie nun mehr haben, mit „mehr Essen“ anfüllen … oder so.
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