Bürgergängelung: Gutmenschen im Dienst am eigenen Interesse

Man sollte denken, dass der Schutz bürgerlicher Freiheit und die Abwehr staatlicher Versuche, Bürger zu gängeln, ein gemeinsames Interesse aller Bürger ist. In der reinen Theorie mag das auch der Fall sein. In der Realität gibt es jedoch Interessen, z.B. das Interesse sich auf dem Rücken anderer Bürger ein Auskommen zu verschaffen. Wer ein solches Interesse hat, der behauptet derzeit z.B. er würde Rechtsextremismus bekämpfen, macht sich zum Büttel seines Staates und erhält als Belohnung Steuergelder als Lebensunterhalt.

Um derartige Interessen am Geld anderer verfolgen zu können, sich in den Besitz von Steuergeldern, also von Geld anderer zu bringen, ohne eine messbare Gegenleistung zu liefern, einen Nutzen für die entsprechenden Bürger bereitzustellen, ist es sinnvoll, eine Organisation zu gründen. Eingetragene Vereine stehen hoch im Kurs. Auch Gesellschaften oder Stiftungen, die dem Guten und Reinen gewidmet sind und deshalb mit Steuergeldern gefüttert werden, während sie selbst eine Steuerbegünstigung genießen, sind ein nützliches Mittel, wenn man versucht, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Was nun noch fehlt sind Behauptungen wie: Man sei nur am Wohl der Bürger interessiert, wolle Bürger nur schützen, wolle deren Glück und Wohlstand sichern und dergleichen BS. Und weil jede Hans-Wurst-Organisation derzeit diese Behauptungen im Standard-Repertoire hat und in großer Menge als Presseerklärung verbreitet ohne darzulegen, was sie eigentlich dazu qualifizieren oder berechtigen soll, die Interessen anderer wahrzunehmen, deshalb muss man sich differenzieren, am besten, in dem man eine Studie in Auftrag gibt.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Gutmenschen ausging, dass alle Menschen geschützt werden sollen. So machten sich auch die Deutsche Adipositas Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Stiftung, die Deutsche Diabetes Hilfe, die „Gesundheitsstadt Berlin“, der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland und die Universität Kiel sogleich auf, um Menschen zu schützen, Bürger zu schützen, und zwar vor Adipositas.

So die Geschichte.

Die sieben Organisationen, deren Ziel darin besteht, Bürger vor Adipositas zu schützen, haben sogleich Tobias Effertz, Privatdozent an der Universität Hamburg (also nur mit Zeitvertrag angestellt) damit beauftragt, eine Studie zu erstellen, eine Studie, die zeigen soll, wie man Bürger vor Adipositas schützen kann, ohne zu verhindern, „dass jeder selbst entscheiden [kann], was er kauft“.

Diese Losung, jeder solle selbst entscheiden, was er kauft, ausgegeben von Ulf Fink, CDU-Gesundheitspolitiker und einer derjenigen, die es schaffen, zumindest sich um den Verstand zu reden, gilt seit der Erfindung des „Nudgings“ (Schubsen in Deutsch) als nicht mehr im Gegensatz dazu stehend, dass man Menschen faktisch die Wahlfreiheit beschneidet, wenn man die Handlungsalternativen durch Nudging verteuert. Wer würde wenn er die Wahl zwischen herkömmlicher Besteuerung und der Möglichkeit, 25% seines Einkommens direkt an Einrichtungen seiner Wahl zu verteilen, ohne dass sich auch nur ein Staatsdiener einmischt, noch die herkömmliche Besteuerung über das Finanzamt wählen? Seltsamerweise findet sich diese Art des Nudgings zur Freiheit nicht.

Stadt Bürgern Freiheit vom Staat zu erkämpfen und Wahlmöglichkeiten zu geben, lautet die Losung: Bürger in ihrer Handlungsfreiheit beschränken, damit sie sich nicht am Ende so entscheiden, wie sie wollen. Und so haben die genannten Organisationen nicht etwa eine Studie beauftragt, deren Ziel darin besteht, Bürger von staatlicher Gängelung frei zu machen, sondern eine Studie, die zeigen soll, dass noch mehr staatliche Gängelung glücklich macht. Nicht Gängelung macht frei, aber Gängelung macht schlank, und Schlanksein ist natürlich wichtiger als Freiheit … oder Glück.

Das zeigt die angebliche Studie von „PD Dr. Tobias Effertz, Universität Hamburg“: 0% Steuer auf Obst und Gemüse, 7% Steuer auf „normalen Lebensmitteln wie Nudeln, Milch oder Fleisch“, 19% Steuer auf Produkten mit viel Zucker und bis zu 29% Steuer auf Softdrinks. Wenn es darum geht, andere Menschen zu gängeln und in ihrer Wahlfreiheit zu beschränken, dann kennt die Besteuerungswut der Gutmenschen keine Grenzen, dann machen sie sich zum besten Vasallen ihres geliebten Staates und verbünden sich mit ihm, gegen die fetten Bürger, die – wenn man nicht auf sie aufpasst – fressen bis sie dick werden.

Tobias Effertz ist damit beauftragt zu zeigen, dass die höheren Steuern auf Nahrungsmitteln mit hohem Kalorienanteil und viel Zucker und saturierten Fettsäuren dazu führen, dass Bürger weniger davon in sich hineinstopfen und entsprechend zumindest nicht noch fetter, am besten dünner werden.

Nun ist es eine simple Wahrheit, dass der, der weniger isst, auch dünner ist als der, der mehr isst. Man muss nur die Opfer einer Hungersnot mit dem normalen Besucher eines Staatsbanketts vergleichen und sieht diesen Zusammenhang. Will man jedoch für Organisationen wie die besorgten Schützer der Menschheit vor Adipositas zeigen, was offenkundig ist, dann muss man sich entsprechend etwas einfallen lassen.

So etwas zum Beispiel:

𝐸I𝑟ep.,𝑗= 𝛽1,𝑗𝑃G1,𝑗+𝛽2,𝑗𝑃G2,𝑗+𝛽3,𝑗𝑃G3,𝑗+𝛽4,𝑗𝑃G4,𝑗+𝛽5,𝑗𝑃G5,𝑗….+𝛽𝑁,𝑗𝑃G𝑁,𝑗

Stark – oder? Beeindruckend und doch nichts anderes als die lineare Beschreibung des Zusammenhangs, dass derjenige, der mehr isst, auch mehr Kalorien aufnimmt. Um diesen trivialen Zusammenhang etwas wirkmächtiger zu machen, wurde die Kalorienaufnahme (EI = Energy Inake), einfach in verschiedene Produktgruppen zerlegt (PG), die aus verschiedenen Produkten bestehen, die mehr oder weniger Zucker usw. enthalten.

Um diesen Zusammenhang, (mehr essen, mehr Kalorien) zum Körpergewicht weiterzuentwickeln (nicht vergessen, es geht um Adipositas) ergänzen wir noch ein wenig Zinnober zur aufgenommenen Kalorienmenge, z.B. das Alter, das Geschlecht (vor allem Geschlecht), die physische Aktivität (wohlwissend, dass Dicke keinen Marathon laufen), die Körpergröße und die verzehrten Kalorien.

Und nun untersuchen wir, wie sich die Verteuerung von Produkten mit viel Zucker, gesättigten Fettsäuren, Sie wissen schon, und die Verbilligung von Obst und Gemüse auf die Entwicklung von EI, also die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht auswirken. Dazu nehmen wir an, dass höhere Preise zu reduziertem Konsum führen und geringere Preise zu höherem Konsum und weil das so trivial ist, nennen wir es Elastizität der Nachfrage. Das angenommen können wir nun zeigen, dass dann, wenn die Steuern auf zuckerhaltige, fette Marsriegel erhöht werden, der Konsum von Marsriegeln zurückgeht, nicht weil er wirklich zurückgehen würde, denn das haben wir nicht gemessen, sondern weil wir annehmen, dass er zurückgeht, und weil der Konsum zurückgeht, und annahmegemäß der Konsum von billigem Obst und Gemüse steigt, deshalb sinkt die Menge der aufgenommenen Kalorien im Vergleich zu unserem Ausgangsmodell, eben weil weniger Zucker konsumiert wird. Und schwupp-di-wupp können wir zeigen, dass das Körpergewicht im Aggregat zurückgeht, dass Adipositas also vermutlich und vielleicht reduziert wird.

Es gehört zu den Geheimnissen mancher Ökonomen, wie sie es schaffen, sich selbst davon zu überzeugen, dass dann, wenn alle Annahmen, die sie in ihr Modell stecken, zutreffen und eben das herauskommt, was sie angenommen haben, etwas anderes herausgekommen ist, als sie selbst angenommen haben. Oder: Es  ist erstaunlich, dass es manche Ökonomen schaffen, dann, wenn die Annahme die sie machen, zu dem Ergebnis führt, das sie mit den Annahmen vorgegeben haben, dieses Ergebnis als etwas ganz Neues zu verkaufen.

Aber sei’s drum.
Die Beschützer der Menschen, die Deutsche vor Adipositas retten wollen, wollten nur eine Bestätigung dafür, dass höhere Steuern auf Zucker dünnere Deutsche zur Folge haben, was ja auch nicht ganz falsch ist: Wenn man z.B. allen Deutschen gar keinen Lohn mehr ausbezahlt und ihnen dafür Wertmarken aushändigt, mit denen sie nur die Waren erhalten, die in einem unter staatlicher Aufsicht erstellten Warenkorb enthalten sind, der weder in der Gefahr steht, dicke Deutsche zu produzieren noch betrunkene oder rauchende Deutsche, dann hat dies mit Sicherheit eine Auswirkung auf den Körperumfang der Deutschen.

Indes, es hat auch eine Auswirkung auf Substitute.
Dummerweise sind Menschen nämlich findig, auch wenn man mit Blick auf das, was sich derzeit an manchen Universitäten einfindet, eher der Ansicht sein kann, dieses „Naturgesetz“ sei falsch. Weil Menschen findig sind, deshalb finden sie Lösungen für Restriktionen, die ihnen von ihrem Staat verordnet werden, die sie aber nicht für richtig halten. Eine solche Lösung ist ein Schwarzmarkt. Ein solcher würde sich mit Sicherheit entwickeln, würde ein Staat seine Bürger auf Grundlage von Rabattmarken füttern wollen. Substitute werden Bürger auch dann finden, wenn die Steuern auf Zuckerhaltiges 29% betragen. Man kann Gemüse ganz streichen, um den Marsriegel zu essen. Man kann sich eine Bezugsquelle im freien, unbesteuerten Ausland schaffen und Marsriegel einschmuggeln. Man kann sich andere Dinge sparen, den Gang ins Kino, ins Sportstudio, die Weihnachtsgeschenke, kann mehr auf eigene Rechnung arbeiten, gegen Marsriegel … Menschen sind findig. Findiger als die Organisationen der Beschützer der Deutschen vor Adipositas.

Denen kann man eine Studie von 20 Seiten verkaufen, in der belegt wird, dass dann, wenn man annimmt, das höhere Preise die Nachfrage reduzieren, im Modell gezeigt werden kann, dass höhere Preise die Nachfrage reduzieren.

Unser Vorschlag gegen Adipositas: Lohn für Funktionäre reduzieren, Dienstfahrzeuge streichen und Aufenthalt am Schreibtisch regelmäßig durch einen Kilometer Daurlauf unterbrechen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Ernährungsexperten: Fette Leute besser überwachen!

Gestern war Welt-Adipositas-Tag.

Haben Sie es bemerkt, oder haben sie, wie ein aus Gründen des Datenschutzes nicht näher bezeichnetes Mitglied der ScienceFiles-Redaktion in völliger Ignoranz und ohne jegliches Welt-Adipositas-Tag-Bewusstsein beim Rugby-Spiel zwischen Irland und Frankreich für Irland gefiebert und einfach so Chips gegen die Nervosität in sich gestopft?

World_Obesity_Day_Logo_RGBDer Welt-Adipositas-Tag war nämlich kein Tag der Gleichstellung, an dem Personen, die unter den Grenzen des BMI verbleiben, ab denen man erst als dick und dann als fett (adipös ist die politisch korrekte Variante von fett) gilt, alles ihnen Mögliche unternehmen, also essen sollten, um mit den Adipösen gleichzuziehen, nein, der Adipositas-Tag ist ein Tag der Besinnung und der Mahnung, Besinnung dann, wenn es um Chips geht, Mahnung dann, wenn man Ernährungsexperte ist.

In Hohenheim gibt es gleich zwei, die sich als Ernährungsexperten bezeichnen lassen: Nanette Ströbele-Benschop, offensichtilch auch ein Doppelnamenexperte und Stephan Bischoff ohne auf Anhieb erkennbare zusätzliche Qualifikation in einem weiteren Expertengebiet.

Und das sagen die Experten aus Hohenheim:

  1. Wer fett ist, der kann gesundheitliche Probleme bekommen (Und das sagt der Gesundheitsexperte von ScienceFiles: Wer nicht fett ist, der kann auch gesundheitliche Probleme bekommen).
  2. Wer fett ist und abnehmen will, spricht in der Regel gut auf entsprechende “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” an.
  3. Wer gut auf “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” anspricht, (fr)isst sich in der Regel nach Abschluss der “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” auf den alten Waagenstand.
  4. Diese Wiederaufnahme alter (Fr)Essgewohnheiten ist angesichts der Bemühungen von Ernährungsexperten wie Ströbele-Benschop, das Gewicht von Fetten zu reduzieren und deren Waage zu entlasten, undankbar, ja kriminell, was letztlich dazu führt, dass Stephen Bischoff die Terminologie der Kriminologie bemüht und die “Rückfallquote” als “sehr hoch” – mindestens 2/3″ schätzt. Der Rückfallquotenschätzexperte von ScienceFiles ist dagegen der Ansicht, die entsprechende Rückfallquote betrage 4/7.
  5. Weil viele Fette nach Abschluss der “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” wieder anfangen, das verlorene Fett durch Maßnahmen der Gewichtserhöhung wiederzugewinnen, ist für die Ernährungswissenschaftler Ströbele-Benschop und Bischoff klar: Dass die Fetten nicht wieder essen und nicht wieder fett werden, das ist ein Problem, “zu dessen Lösung die gesamte Gesellschaft beitragen muss”. Hier ist die “Gesellschaft in der Pflicht” und hier ist “ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs dringend geboten”.

Wie nun, kann die Pflicht der Gesellschaft aussehen?

Eigentlich gibt es für “die Gesellschaft” nur die Möglichkeit, sich zunächst aus dem Abstraktum “Gesellschaft” in die Mitglieder der Gesellschaft, z.B. Klaus Peter Schmalhans zu reduzieren und Klaus Peter Schmalhans wie alle seine Bekannten und Verwandten und nahezu jeden, der Susanne Dick kennt,  in die Pflicht zu nehmen. Es ist die Pflicht von Schmalhans et al. Dick daran zu hindern, die Bemühungen der Gewichtsreduktion, die von Ernährungsexperten wie Ströbele-Benschop und Bischoff mit entsprechenden Maßnahmen vorgenommen wurden, zu unterlaufen. Deshalb müssen sie Dick rund um die Uhr überwachen und ein strenges Regime aufziehen, das den Erfolg der “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” sicherstellt: Der Kühlschrank ist mit einer Kette zu sichern. Alle Lieferanten von Pizzen oder anderer Art des zubereiteten Essens auf Anfruf, sind dahingehend zu unterrichten, dass Bestellung von Susanne Dick nicht mehr aufzunehmen und auszuführen sind. Supermärkte und andere Orte, an denen sich Dick unbeaufsichtigt mit Nahrungsmittel versorgen könnte, sind mit einem Steckbrief von Dick, der an allen Kassen angebracht wird, zu versehen, damit es Dick verunmöglicht wird, die “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” durch Rückfallkriminalität und anschließende Wiederaufnahme von Gewichtszunahmedelinquenz zu unterlaufen. Dies sind nur einige der gesellschaftlichen Pflichten, die erfüllt werden müssen, um dafür zu sorgen, dass Dick den Erfolg der “Maßnahmen zur Gewichtsreduktion” nicht nachträglich in Frage stellt.

Nun gibt Ströbele-Benschop zu bedenken, dass es eine “grundsätzliche Frage” sei, “inwieweit die Gesellschaft dem Einzelnen vorgeben darf wie er zu leben hat”.

“Das Dilemma erläutert sie [Ströbele-Benschop] an einem Beispiel: „Solange Gummibärchen günstiger sind als Äpfel, ist die Kaufentscheidung für ärmere Menschen schwierig. Andererseits – sollten Gummibärchen Luxusgüter werden?“

Aldi sued aepfelDer Aldi-Einkaufsexperte von ScienceFiles sagt dazu: Eine 300g Packung Haribo Goldbärchen kostet bei Aldi-Süd 0,89 Euro, ein Kilo Äpfel “Braeburn” kostet ebenfalls 0,89 Euro (nicht näher bezeichnete “frische Äpfel” sind für 0,69 Euro pro Kilo erhältlich, kurz: Äpfel sind billiger als Gummibärchen und nicht umgekehrt).

Der ScienceFiles-Adipositas-Bekämpfungsexperte sagt auf Basis dieser Information: Kaufen “ärmere Menschen” Goldbären anstelle von Äpfel, obwohl der Preis für ein Kilo Äpfel dem Preis von 300g Haribo Goldbären entspricht, so muss von vorsätzlicher Fresserei ausgegangen werden. Vorsätzlich herbeigeführte Adipositas stellt einen Tatbestand dar, der sofortige Maßnahmen wie die oben am Beispiel von Susanne Dick beschriebenen rechtfertigt, entsprechend kann der “gesellschaftliche Diskurs”, den die beiden Ernährungsexperten Sträbele-Benschop und Bischoff fordern, entfallen und durch gesellschaftliche Handlung, zu der die Gesellschaft sich in der Pflicht befindet, ersetzt werden.

Und das ist es doch eigentlich, was den Adipösen-Jägern aus Hohenheim wirklich vorschwebt – oder?

Es ist übrigens nicht nur bedenklich, sondern hochbedenklich, dass Ernährungsexperten wie Ströbele-Benschop Gummibärchen mit einer Ablehnung entgegentreten, die nur als Gummibärchen-Xenophobie bezeichnet werden kann und die dazu führt, dass der tatsächliche Wert von Gummibärchen nicht mehr wahrgenommen, statt dessen untertrieben wird, denn von Objekten xenophober Einstellung ist ja bekannt, dass sie in großen Mengen und billig zu haben sind.

Europa: Vereint in Alkohol und Adipositas

Gute Nachrichten aus Genf.

Dort hat die Weltgesundheitsorganisation gerade den “European Health Report” für das Jahr 2015 vorgestellt. Der Bericht zeigt eindeutig: Die Rede von den Rissen, die durch Europa gehen sollen, die Rede davon, dass Europäer sich nicht mehr einig seien, sie ist falsch.

Europäer sind sich, so kann man den Bericht der WHO zusammenfassen, sehr einig, sehr einig darüber, was das Leben lebenswert macht:

Essen und Alkohol trinken.

Diese beiden Tätigkeiten füllen das Leben vieler Europäer und nicht nur das Leben, sondern auch die Mägen und den Leib: 11 Liter reinen Alkohol nimmt der durchschnittliche Europäer pro Jahr zu sich, rund 30% mehr als der durchschnittliche Nordamerikaner, der nur auf rund 8,4 Liter reinen Alkohols kommt.

Die Einheit im Delirium, die Europäer sind ihr deutlich näher als die Nordamerikaner.

Pure alcohol

Dafür haben Nordamerikaner bei der Körperfülle die Nase vorn: 61% der Nordamerikaner gelten als übergewichtig gegenüber 58,6% der Europäer, 27% der Nordamerikaner sind adipös gegenüber mageren 23% der Europäer.

Die Wohlfühl-, Trink- und Essgemeinschaft der Europäer ist jedoch gefährdet, wie der Bericht der WHO auch zeigt, wandern doch in letzter Zeit viele Personen aus Ländern zu, in denen es weder eine europäische Ess- noch eine entsprechende Trinkkultur gibt. Ganze 0,7 Liter reinen Alkohols nimmt der durchschnittliche Syrer in einem Jahr zu sich, 0,7 Liter, die entsprechend ohne Wirkung auf seine Körperfülle bleiben, die aufgrund der Essgewohnheiten, die vornehmlich vegetarisch und fleischlos sind, sowieso schon deutlich hinter dem zurückbleibt, was ein Europäer auf die Waage bringen kann.

Die wahre Gefahr der Zuwanderung, so zeigt sich, sie droht der europäischen Ess- und Trinkeinheit: Wenig- oder schlimmer noch: Nichttrinker, die in großer Zahl vornehmlich in Deutschland zuwandern, sind eine Gefahr für den durchschnittlichen Alkoholkonsum. Wenn es nicht gelingt, die Binnennachfrage unter der authochtonen Bevölkerung zu erhöhen, ist damit zu rechnen, dass tatsächlich Risse in der Europäischen Einheit zu sehen sind, Risse, die sich darin zeigen, dass Deutschland plötzlich unter dem europäischen Durchschnitt in Körperfülle und Alkoholaufnahme liegt.

Und was würde dies für die Europäische Union und schlimmer noch, den europäischen Sinn des Lebens bedeuten?

Neue Hypothese: Herodes hat mit Tötung der Erstgeborenen Adipositas bekämpft

Seit Jahrtausenden wird Herodes als blutrünstiges Monster verunglimpft, das die eigene Macht durch Tötung aller Erstgeborenen sichern wollte.

Die Erzählung ist falsch. Ein Mythos.

Herodes ist nicht der machthungrige Auftraggeber der ersten Todessquads, er ist ein Vorreiter des modernen Nudgings.

Nudging-Science-CliffNudging, Stammleser von ScienceFiles wissen das, ist der Versuch von Regierungen, ihre Bevölkerung zum von der Regierung als richtig postulierten Lebensweg zu bringen. Wer könnte dazu geeigneter sein als Regierungen? Schließlich hat wissenschaftliche Forschung gezeigt, dass Menschen sich nicht immer rational verhalten. Die entsprechende Forschung ist zwar schon irgendwo zwischen alt und uralt, das hat Cass Sunstein jedoch nicht daran gehindert, sein Konzept des Nudging zu verbreiten, das vorsieht, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen, nein, natürlich nicht zu zwingen, sie zu schubsen.

Die deutsche Regierung hat die Idee, die eigenen Bürger zu schubsen, mit Begeisterung aufgenommen, schon weil die in Regierungen versammelten Politiker alle um ihre geistige Überlegenheit wissen, die sie dazu befähigt, besser als Fritz B. zu wissen, was für Fritz B. gut ist. Entsprechend wird Fritz B. zum richtigen und guten Leben geschubst, durch Steuern, Abgaben, Verpflichtungen, die ihn dazu bringen, all das zu lassen, was ihm und der Regierung schadet und all das zu tun, was der Regierung nutzt.

Denn: Regierungen sehen das große Ganze, sehen da weiter, wo der beschränkte Horizont von Individuen am Ende ist, wissen, was die Zukunft bringt und in der Gegenwart zu zahlen ist … von anderen.

Und Herdodes, Herodes war der Vorkämpfer des modernen Nudgings. Er hat nicht nur vorhergesehen, dass die Zukunft Unruhe, Bürgerkrieg, ja die Zerstörung von Tempeln mit sich bringt, nein, er hat auch gewusst, welche unsäglichen Konsequenzen für die Volksgesundheit von Adipositas ausgehen.

Das legt eine Untersuchung nahe, die José G. B. Derraik und vier Kollegen gerade im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht haben: Erstgeborene haben ein höheres Risiko, fett zu werden als Zweitgeborene, so das Ergebnis, das auf der Analyse von Daten für 13.406 schwedische weibliche Geschwisterpaare basiert.

Das Ergebnis ist von hoher Relevanz für die Volksgesundheit, sind die Forscher doch der Ansicht, dass durch das Schrumpfen der Familie, die nurmehr aus maximal vier Personen besteht, die Adipositas der Erstgeborenen stärker ins Gewicht fällt und den Bevölkerungs-BMI negativ beeinflusst. Die Adipositas-Pandemie, die gesetzliche Krankenversicherungen weltweit in den Ruin zu treiben scheint, sie hat damit eine eindeutige Ursache: Erstgeborene.

HerodtheGreatWieder erweist sich Herodes als weitsichtiger Herrscher, als Nostradamus der antiken jüdischen Welt, als erster Nudger der Weltgeschichte und als jemand, der weiß, dass man dann, wenn es um die Volksgesundheit und die Zukunft geht, als weitsichtiger Herrscher, der über die fehlerhafte Handlungsentscheidung des lumpigen Individuums, wie Engels sagt, erhaben ist, seine Regierung auch an unpopulären und harten Maßnahmen nicht darf scheitern lassen.

Entsprechend muss man die Tötung der Erstgeborenen, die Herodes angeordnet hat, im Lichte der neuen Erkenntnisse neu bewerten. Nicht die Angst vor einem Verlust der Macht hat Herodes getrieben, sondern die Sorge um die Volksgesundheit. Eine Rehabilitätion von Herodes ist somit überfällig.

Dass Herodes nur männliche Erstgeborene hat töten lassen, ist vermutlich dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Forschung geschuldet, die den Zusammenhang zwischen der Geburtsfolge und Fettleibigkeit für Männer bereits nachgewiesen hat, so wie dies auch in der modernen Forschung der Fall ist, die den entsprechenden Zusammenhang, der nun von Derraik et al.. für Frauen nachgewiesen wurde, für Männer schon seit Jahren kennt.

Nicht einmal die Regierenden haben volle Information, aber volle Überzeugung haben sie, wenn es darum geht, anderen den richtigen Weg zu weisen.

Derraik, José G. B., Ahlsson, Fredrik, Lundgren, Maria, Jonsson, Björn & Cutfled, Wayne S. (2015). First-borns Have Greater BMI and are More Likely to be Overweight or Obese: A Study of Sibling Pairs Among 26 812 Swedish Women. Journal of Epidemiology & Community Health; doi:10.1136/jech-2014-203568.

Statistik und mit Zahlen spielen

Es soll ja welche geben, die den Satz, ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe, gerne und oft vor sich hersagen. Nur zu, können wir da nur sagen, denn das Fälschen einer Statistik, so dass es keiner merkt, ist nicht so einfach, wie den entsprechenden Glaubenssatz vor sich hinbrabbeln.

StatistikZugegebener Maßen werden wir mit Statistiken überflutet. In der Regel mit sinnlosen Statistiken, von denen man sich fragt, warum sie geführt werden. Für den Selbstläufer der Armutsgefährdung, einer Absurdität mit hohem politischen Potential, der immer wieder gerne von Gutmenschen beklagt wird, haben wir dies schon mehrfach gezeigt. Viele Beispiele sinnloser Statistik, falscher Interpretation richtiger Statistik oder falscher Anwendung von Statistik finden sich auf unstatistik.de, wo Gerd Girgerenzer, Walter Krämer und Thomas K. Bauer, die monatliche Unstatistik präsentieren.

Statistiken stellen bestimmte Zahlen zusammen. Schon die Zusammenstellung ist eine Auswahl, denn: Warum wählt man bestimmte und nicht andere Zahlen aus, um sie in einer Statistik zu versammeln? Kurz: Die Erstellung von Statistiken ist von einem Interesse angeleitet. In den meisten Fällen öffentlicher Statistiken waren dies ein Kontrollinteresse und ein Planungsinteresse: Kontrolle z.B. im Hinblick auf die Entwicklung der Anzahl der Straftäter, Planung z.B. im Hinblick auf die Anzahl von Kindern, die in fünf Jahren eine Schule besuchen. Kurz: Statistiken sollten dabei helfen, öffentliche Ausgaben effizient und passgenau zu machen.

Zwischenzeitlich haben sich Statistiken zu Grundlagen für politische “wir brauchen”-Forderungen entwickelt, bei denen nicht mehr Kontroll- oder Planungsinteressen maßgeblich sind. Vielmehr werden Statistiken zum Ausgangspunkt politischer und entsprechend finanzieller Forderungen. Sie sind damit in ihrem Zweck verkehrt worden: Nicht mehr das Sparen von Steuergeldern ist Hauptzweck der Erstellung von Statistiken, sondern die Ausgabe von Steuergeldern. Statistiken sind vom Kontroll- und Planungsinstrument, das zuviel Ausgaben verhindern sollte, zum Legitimationsinstrument verkommen, das viele Ausgaben begründen soll.

Dass dann, wenn Statistiken von Politikern gebraucht werden, um die Notwendigkeit bestimmter Ausgaben zu begründen, Statistiken regelmäßig missbraucht werden und mehr hineingelesen wird, als hineingelesen werden kann, ist selbstredend und braucht keine weitere Ausführung.

Und damit ist der Post am Ende.

Obwohl.

Wie wäre es, wenn wir einmal zeigen, wie schön man Statistiken für rundweg alles missbrauchen kann, einfache, harmlose Statistiken, die erstellt werden, ohne dass sich jemand etwas Böses dabei denkt.

Spielen wir einmal Politker und missbrauchen drauflos:

Binge Drinkers limitJeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig. 52% der erwachsenen Bevölkerung haben einen Body-Mass-index (BMI) von mehr als 25, was sie als fett ausweist. 180 Zentimeter Körperhöhe und 81 Kilogramm Lebendgewicht ist fett. So will es der Body-Mass-Index, der das Köpergewicht durch die quadrierte Köpergröße teilt. Besonders fett sind ehemalige Raucher. 73% von ihnen sind übergewichtig, jenseits eines BMI von 25, also einfach fett. Und der BMI lügt nicht! Seit 1999 werden die Deutschen immer fetter. Also nicht die Deutschen die 1999 fett waren, werden immer fetter, sondern die Deutschen die 2014 fett sind, sind mehr als die Deutschen die 1999 fett waren.

Und das wird so weiter gehen, denn: Im dritten Quartal 2014 wurden 2,2% weniger Zigaretten versteuert. Das bedeutet mehr Deutsche leben gesund oder doch zumindest: sie rauchen nicht, und es bedeutet: 73% davon investieren ihre Zeit als Nichtraucher in den Aufbau eines Body-Mass-Index von jenseits 25. Wie gesagt, ehemalige Raucher werden fett, was beweist, dass Rauchen zumindest schlank erhält und ein gewisses Dilemma für Gutmenschen, die sich nicht um die eigene, dafür aber die Gesundheit anderer sorgen, darstellt: Sollen sie nun Rauchern das Rauchen abgewöhnen, wohlwissend, dass sie dann fett werden und gegen den BMI verstoßen?

Probleme über Probleme, die noch dadurch vergrößert werden, dass der Bierabsatz im dritten Quartal 2014 ebenfalls gesunken ist, um ganze 4,5%. Nun macht Bier ja bekanntlich nicht schlank, sondern dick, der Rückgang sollte sich also positiv auf die Gesamtfette der deutschen Bevölkerung auswirken, was er aber offensichtlich nicht tut, wie der BMI unmissverstänlich zeigt. Die Hälfte der Deutschen ist fett, da hilft auch kein Bierverzicht.

Allerdings scheint der Rückgang des Bier-, also des Alkoholkonsums nur bestimmte Bevölkerungsschichten zu erreichen, wie eine alarmierende Studie zeigt: Angehende Ärzte und Pfleger, die bald im Gesundheitswesen beschäftigt sind, tun sich durch einen unsachgemäßen Gebrauch von Alkohol hervor. In Deutsch: Sie saufen zu viel. Die Studie basiert auf den Studenten der entsprechenden Fächer, aber es ist ja bekannt, dass: Was Hänschen nicht lernt, Hans nie mehr lernt.

Zudem Rauchen die angehenden Ärzte und Krankenpfleger. Rauchen und Trinken hält den BMI im Gleichgewicht, Rauchen macht schlank, Trinken macht dick, so dass die Ärzte und Krankenpfleger hier zwar als Musterschüler der WHO angesehen werden müssen, allerdings hat Trinken Nebeneffekte, die sich in einer steigenden Anzahl der Operationen niederschlagen.

Um 30% ist die Anzahl der Operationen in Krankenhäusern zwischen 2005 und 2013 gestiegen. Und das ist immens. Böse Zungen sagen natürlich, dass die Steigerung darauf zurückzuführen ist, dass in Krankenhäusern operiert werden muss, was das Zeug hält, um die Behandlungsvollmacht auf die entsprechende Operation nicht von der AOK entzogen zu bekommen, aber das ist falsch, wie wir hier mit Statistiken zeigen konnten: Tatsächlich ist die Zunahme der Operationen eine Folge von Wiederholungsoperationen, die notwendig geworden sind, weil Ärzte und Krankenpfleger durch Alkohol benebelt waren.

Und so haben wir klar und deutlich gezeigt, dass Nichtrauchen fett macht, der Rückgang der Raucher die Zunahme der Adipositas zu verantworten hat, wobei deutlich wurde, dass auch der Rückgang der fetten Biertrinker die Zunahme, die durch den Rückgang der dünnen Raucher verusacht wurde, nicht auffangen kann. Und obwohl angehende Ärzte und Pfleger eine perfekte BMI-Balance zwischen viel Trinken und viel Rauchen gefunden haben, gibt es dennoch unbeabsichtigte Nebenwirkungen, die wiederum Patienten in Kliniken treffen, die dort unter das Messer der entsprechenden Ärzte geraten.

Und deshalb fordern wir:

Den BMI auf 30 erhöhen und die deutsche Bevölkerung damit entfetten.

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