Familienverband fordert Wahlrecht ab Geburt und Wahlrecht für alle Säugetiere

Diese Namen sollten Sie sich merken:

  • Renate Schmidt, Bundesfamilienministerin a.D. (SPD) und Schirmherrin der Kampagne
  • Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D. (SPD)
  • Dr. Hermann Otto Solms, Bundestagsvizepräsident a.D. (FDP)
  • Dr. Klaus Zeh, Minister a.D. (DFV-Präsident)
  • Ingrid Arndt-Brauer, MdB (SPD)
  • Swen Schulz, MdB (SPD)
  • Thomas Silberhorn, MdB (CSU)
  • Peter Patt, MdL (CDU)
  • Alexander Schoch, MdL (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Paul Ziemiak, JU-Vorsitzender (CDU)
  • Arne Gericke, MdEP (Familienpartei)
  • Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Justizsenatorin a.D. (SPD)
  • Markus Löning, MdB a.D. (FDP)
  • Steffen Reiche, MdB a.D. (SPD)
  • Hellmut Königshaus, MdB a.D. (FDP)
  • Cornelia Pieper, MdB a.D. (FDP)
  • Angelika Brunkhorst, MdB a.D. (FDP)
  • Dr. Albin Nees, Staatssekretär a.D. (CDU)
  • Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance)
  • Prof. Dr. Kurt-Peter Merk (Hochschule Koblenz)
  • Prof. Dr. Hermann Heußner (Fachhochschule Osnabrück)
  • Prof. Dr. Herwig Birg (Universität Bielefeld)
  • Dr. Axel Adrian (Jurist)
  • Wolfgang Gründinger (Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen)

Wahlrecht ab geburtDie Namen gehören zu Personen, die ein Wahlrecht ab Geburt fordern. Begründet wird der neueste Nagel im Sarg der Demokratie damit, dass „nur wer wählt, zählt“. Als wäre diese Zuweisung von Wert an Bürger auf Grundlage ihrer Fähigkeit, ein Kreuz in einen vorgegebenen Kreis zu machen, nicht schon peinlich genug, argumentieren die Genannten, die im Deutschen Familienverband dafür sorgen wollen, dass Wahlgeschenke an Eltern sich gleich mehrfach lohnen, ausgerechnet damit, dass „immer weniger junge Menschen … immer mehr älteren Menschen“ gegenüberstehen.

Ältere Menschen und jüngere Menschen wären somit diametral zueinander, die Interessen beider inkompatibel. Irgendwie glauben die namentlich oben Genannten wohl, dass man die Mengenverhältnisse dadurch ändern könne, dass man den wenigen jüngeren Menschen ein Stimmrecht ab Geburt gibt, damit sie den vielen älteren Menschen Paroli bieten können. Dies zeigt, wer vom Wahnsinn befallen ist, hat auch keine Bewusstseinsinseln mehr, er fabuliert in jeder Hinsicht oder es zeigt, dass es nicht darum geht, jüngeren Menschen eine Stimme zu geben, wie es pathetisch heißt, sondern darum, opportunistisches Verhalten von Parteien und Wählern zu belohnen, denn: wenn Eltern die Stimme ihrer Neugeborenen bei Wahlen vertreten, dann lohnen sich Wahlgeschenke an Eltern doppelt – wie oben bereits angemerkt wurde.

Dass es darum geht, Eltern zu opportunistischen Wählern und zur einfachen Beute für opportunistische Politiker zu machen, steht ganz offen in der Pressemeldung des Deutschen Familienverbands: „Bisher können allein ihre Eltern mit dem Kreuz auf dem Wahlzettel versuchen, die Politik in Richtung Nachhaltigkeit und Familiengerechtigkeit zu lenken.“ [Scheinbar haben Eltern nur die Eigenschaft, Nachwuchsbetreuer zu sein. Als solche besteht Interessengleichheit zwischen ihnen und ihrem Nachwuchs, jedenfalls für die Vertreter dieses frei flottierenden Wahns, die oben genannt wurden.]

Deshalb müssen Kinder ab Geburt ein Stimmrecht erhalten und Eltern es in Treuhänderschaft wahrnehmen. Natürlich, so müssen wir ergänzen, haben Eltern immer dieselbe Meinung darüber, welcher Partei ihr Kind die Stimme geben würde, wäre es dazu im Stande, und natürlich gibt es keinerlei Streit darüber, wer das Wahlrecht des Kindes ausüben darf. Dergleichen Nebensächlichkeiten können ignoriert werden. Schließlich geht es darum, Demokratie zu zerstören und dafür zu sorgen, dass es für Politiker leichter wird, Stimmen von Bevölkerungsgruppen zu kaufen.

Da sich in den letzten Jahren zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass es ethisch nicht mehr vertretbar ist, Säugetiere (außer Menschen) zu töten, um ihre Leichen in Teilen Exemplaren, wie den oben namentlich genannten, zum Fraß vorzuwerfen, fordern wir nun endgültig ein Wahlrecht für Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und alle sonstigen Säugetiere, die von Menschen ermordet, gefressen oder anderweitig ausgenutzt werden.

Singer Praktische EthikBislang haben diese Säugetiere kein Wahlrecht, obwohl ihre geistige Kapazität fast durchgängig über der des menschlicher Nachwuchses liegt, wie sich schon daran zeigt, dass z.B. Lämmer bereits nach kurzer Zeit des Laufens und selbständigen Essens fähig sind, eine Fähigkeit, die zu meistern menschlichem Nachwuchs erst nach Jahren gelingt. Entsprechend können wir im Einklang mit der Forschung und den Arbeiten zur praktischen Ethik, wie sie Peter Singer veröffentlicht hat, feststellen: Andere Säugetiere sind menschlichem Nachwuchs überlegen. Wenn nun menschlicher Nachwuchs ab Geburt eine Stimme haben soll, dann ist es kaum möglich, die entsprechende Stimme für andere Säugetiere zu verweigern. Da andere Säugetiere insbesondere ein Interesse an nachhaltiger Entwicklung haben und vor allem daran, nicht zum Fleischlieferanten degradiert zu werden, da andere Säugetiere darüber hinaus und als Folge der Bevölkerungsexplosion weltweit einer wachsenden Zahl von Menschen gegenüberstehen, deren intellektuelle Reife bislang nicht dazu ausreicht, vom Fleischkonsum abzusehen, ist es notwendig, nicht-menschlichen Säugetieren eine Stimme zu geben. Diese Stimme muss, wie bei menschlichem Nachwuchs, treuhänderisch von erwachsenen Menschen ausgeübt werden. Vegetarier und Veganer sind dafür am besten geeignet. Von ihnen kann erwartet werden, dass sie dem Hauptinteresse jedes Lebewesens, nicht von anderen gefressen zu werden, Rechnung tragen.

Die Argumentation, die ein Wahlrecht für nicht-menschliche Säugetiere fordert, steht im Einklang und leitet sich logisch aus der Argumentation des Deutschen Familienverbands ab, so dass der Deutsche Familienverband letztlich keine Einwände dagegen haben kann, wenn seine Forderung danach, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, deren Reife mit der anderer Säugetieren vergleichbar ist und zeitweise hinter der Reife und geistigen Entwicklung anderer Säugetiere zurückbleibt, eine Stimme zu geben, durch die logisch folgende Forderung eines Wahlrechts für alle anderen Säugetiere ergänzt wird. Denn: nur wer wählt, zählt, und schließlich gilt es zu verhindern, dass Lämmer, Rinder oder Schweine, die eine große Zukunft vor sich hätten, von Menschen wie den oben genannten, gefressen und um ihre nachhaltige Zukunft gebracht werden.

Kultureller Niedergang: Warum (nicht nur) Familien verfallen

Michael Gassmann hat ein Problem: Er sieht im Fernsehen nur noch Kochsendungen. Die medialen Versuche, die Komplexität der Nahrungsmittel und der Methoden ihrer Zubereitung zu reduzieren, hat bei Gassmann, Korrespondent für Handel und Konsumgüter bei der Welt, eine kognitive Dissonanz ausgelöst, denn: „Nur jeder zweite Grundschüler isst mittags zu Hause„.

Sie sehen den Zusammenhang?

Wir auch nicht.

Gassmann WeltUngeachtet dessen ist zu beklagen, dass noch vor zehn Jahren 80 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen regelmäßig mittags zu Hause gegessen haben. Heute sind es nur noch rund 50%, weiß Gassmann. Beklagenswert. Aber das hatten wir schon.

Warum beklagenswert?

GfK-Experte für was auch immer, vielleicht für die Essgewohnheiten der Sechs bis Neunjährigen, aber genaues erfährt man nicht, jener GfK-Experte also, Robert Kecskes, weiß: „Damit fehlt immer mehr Familien ein wichtiger Treffpunkt, um sich über familiäre Ereignisse zu unterhalten und von Erlebnissen zu erzählen“.

Mit vollem Mund?

Beim Mittagessen?

Wer hat diesen Experten erzogen.

Doch zurück zum beklagenswerten Inhalt des Beitrags des Korrespondenten der Welt. Damit wir es nicht vergessen, wird es uns eingehämmert: Psychologen sorgen sich: „Die Familien (welche genau bleibt unerwähnt) erleben das gemeinsame Essen als Treffpunkt für die ganze Familie in angenehmer Atmosphäre“. Das weiß Bernd Brixius, auch einer jener Experten für atmosphärische Familienessen.

Struwwelpeter

Geschichten vom familiären Idyll unter besonderer Berücksichtigung des Mittagessens in angenehmer Atmosphäre

Brixius wie die zuvor bemühten namenlos gebliebenen Psychologen sind offensichtlich in Haushalten und an Esstischen großgeworden, an denen schlechte Noten nicht das familiäre Idyll gestört haben, es am Essen nichts auszusetzen gab und auch ansonsten nichts Störendes die „angenehme Atmosphäre“, die Familien und Familienessen inhärent ist, wenn es nach Herrn Gassmann geht, beinträchtigt hat.

Ist es nicht beklagenswert. Dass es dieses Mittagsessensidyll nicht mehr gibt oder nur noch selten oder nicht häufig genug für Herrn Gassmann, denn und zum dritten Mal und dieses Mal darf es Christine Brombach sagen: „Ernährung ist mehr als die Vesorgung des Körpers mit Nährstoffen“. Eine erstaunliche Erkenntnis, die all jene Nahrungsexperten, die denken, Nahrungsaufnahme diene dem Unterhalt des Körpers, in Erklärungsnot bringt.

Doch zurück zur angenehmen Atmosphäre des Mittagessens bei Familien: „Am Familientisch“, so zitiert Gassmann abermals Brombach, am „Familientisch werden Vorstellungen von Essen und Trinken vermittelt, lernen die Kinder von den Eltern, was als ‚richtig‘ und ‚falsch‘ oder ‚ungesund‘ gilt und was nicht“.

So ist das.

Jetzt wissen Sie, warum sie zunehmen. Sie essen in der Kantine, unter dem schlechten Einfluss von Peers. Denn Peers sind ganz schlecht, wie Gassmann weiß, nicht wie die Familie. Die Familie und ihr Mittagstisch, die sind ganz gut und wissen, was richtiges und gesundes und richtig gesundes Essen ist. Deshalb gibt es kein Adipositas in Familien und keine Fehlernährung. Deshalb sind Familienmitglieder immer topfit und voller Mineralien und Spurenelemente.

Sie ist eben ein Idyll, die Familie, ein Ernährungsidyll.

Vor allem das Mittagessen in der Familie ist ein Idyll, eines, das gerade kaputt gemacht wird, wie Gassmann weiß, weil nämlich nur „jeder zweite Grundschüler … mittags zu Hause“ isst. Diese Schreckensmeldung ist für Gassmann der Anlass, das Ende der Familien-Gesprächskultur, wie er sie wohl kennt, zu verkünden. Die Schreckensmeldung basiert auf einer Pressemeldung der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK), die mit „Mittags bliebt die Küche kalt“ überschrieben ist und die folgende denkwürde Passage enthält, die Gassmann wohl überlesen hat:

„Vor allem die Klein- und Grundschulkinder essen deutlich seltener zu Hause
als vor zehn Jahren. Bei Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren sind es 41 Prozent weniger, bei den 6- bis 9-Jährigen immer noch 33 Prozent. Dies ist mit dem Ausbau der Ganztagesbetreuung in den Kindergärten sowie den Horten und offenen Ganztagesschulen zu erklären.“

Was nun Herr Gassmann?

Haben Sie auch den Mut, den prognostizierten kulturellen Niedergang aufzuhalten und sich im Sitzstreik vor die Zerstörer der Familienkultur vor Kindergärten, Horte und Ganztagsschulen zu setzen?

Sind Sie das nicht der Esskultur, der Rettung der angenehmen Atmosphäre des familiären Essens und dem gesittenten Sprechen mit vollem Mund im Kreise seiner Lieben schuldig?

Die Welt war auch schon einmal besser.

Die Versuche, hinter angeblichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie denen von Psychologen versteckt, die eigenen Vorlieben als objektive Daten zu verkaufen, sind nicht mehr tolerabel. Die journalistische Angewohnheit, Hinz und Kunz als Experten für dies und das zu verkaufen, ist ermüdend.

Neues Wundermittel – Essen ohne dick zu werden?

Wissenschaft macht es möglich!

Haben Sie auch genug davon, dass Ihnen die Weltgesunheitsorganisation ständig ihren Body-Mass-Index vorhält und ihnen belegt, wie schlecht sie, gemessen am WHO-Ideal, abschneiden, dass sie adipös, mit einem Wort: FETT sind?

Dass sie zu viel essen, zu viel Falsches und zu viel Fettes essen, sich zu wenig bewegen und, dass sie einfach eine Schande für den bewusst sich ernährenden und schlanken Teil der Bevölkerung sind?

Wie wäre es mit: Essen, ohne dick zu werden?

Wie wäre es mit: Essen, ohne dick zu werden und ohne sich in lachhaften Klamotten auf einem „Bike“ beim Versuch, die 4%-Steigung am Ortsende zu erklimmen, lächerlich zu machen?

Vivek Krishnan, Kevin Fettel und Baskaran Thyagarajan von der University of Wyoming scheinen genau das richtige für Sie gefunden zu haben:

chili peppersRED HOT CHILI PEPPERS

Vielleich auch weniger scharf und weniger rot, aber eine oder besser: viele Chilischoten sollten es schon sein, denn: Chilischoten enthalten Capsaicin, und Capsaicin scheint weiße Fettzellen, die sich einfach nur anlagern, z.B. um den Bauch, in braune zu verwandeln, die verbrannt werden, um z.B. die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Eine geniale Methode, Fett loszuwerden – wenn sie funktioniert; verspricht Cpasaicin doch, die Fettleibigkeit, die sich ansonsten aus dem massenhaften Konsum von Chips, Schokolade, Burgern und sonstigem fettigen Nahrungsbestandteilen ergibt, zu unterbinden.

Also: Esst mehr Chilischoten, morgens, mittags und abends.

Disclaimer: Capsaicin hat keinen Effekt auf die sonstigen Begleiterscheinungen des Überfressens, und es ersetzt auch nicht den Respekt und das Bewusstsein, mit dem man Nahrungsmitteln eigentlich gegenüber treten sollte.

Mehr dazu:

Krishnan, Vivek, Fettel, Kevin & Thyagarajan, BaskaranDIETARY CAPSAICIN AND EXERCISE: ANALYSIS OF A TWO-PRONGED APPROACH TO COUNTERACT OBESITY

Endlich geklärt: „Was wir essen dürfen“

LOGO_Dr-Rainer_Wild_Stiftung„Was wir essen dürfen“, darüber hat sich ein „Internationaler Arbeitskreis für Kulturforschung“, der von der Dr. Rainer Wild-Stiftung unterhalten wird, Gedanken gemacht. Herausgekommen ist dabei u.a. eine interessante Charakterstudie der Mitglieder des Arbeitskreises, auf die ich noch zurückkommen werde. Inhaltlich sind die Mitglieder des Arbeitskreises zu der Erkenntnis gelangt, dass das derzeitige Ausmaß an Fleischkonsum weder aus ethischen noch aus praktischen Gründen aufrecht erhalten werden kann. Da die Fleischerzeugung [was für ein furchtbarer Euphemismus für die Tatsache, dass Lebewesen einzig und allein zum Gefressen-Werden gezüchtet werden und ein Dasein fristen, das man kaum als „Leben“ bezeichnen kann] nicht nur Unmengen von Ressourcen verschlinge, sondern zu viel Fleischverzehr auch nicht gesund sei, müsse auf seine Reduzierung hingewirkt werden. Und obwohl der Arbeitskreis die Durchsetzung eines vegetarischen Lebensstils weder für nötig noch für möglich hält, begrüßt er den Vegetarismus als bewusste Ernährungsweise. Auch im weiteren Teil des Textes können sich die Mitglieder des Arbeitskreises nicht entschließen, deutlich zu sagen, was wir nun essen dürfen bzw. deutlich zu machen, was sie eigentlich wollen. Das Bemühen, es nur allen Recht zu machen und nur nichts zu sagen bzw. zu schreiben, was als eine klare Stellungnahme angesehen werden könnte, ist allgegenwärtig und bringt mich zurück zur Charakterstudie, die ich oben angesprochen habe.

„Angesichts der genannten Probleme [mit der Ernährung] sieht der Arbeitskreis die Tagung [seine Tagung] nicht als Höhepunkt eines Prozesses, sondern erst als Auftakt einer sich intensivierenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung.“

Wie beruhigend, dass ein Arbeitskreis, von dessen Existenz die Mehrzahl der Deutschen mit Sicherheit noch nie gehört hat, der Ansicht ist, dass sich seine Mitglieder gerade getroffen haben, sei nicht der Höhepunkt „eines Prozesses“ [welches Prozesses eigentlich?].

„Der Arbeitskreis erkennt das Konfliktpotenzial und die großen Unterschiede an, die zwischen gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen bestehen. Er sieht auch die Reibung zwischen Traditionen und kultureller Prägung und der informierten Ernährungsethik. Er akzeptiert, dass VerbraucherInnen diese Konflikte sehen und daraus je eigene Schlüsse ziehen. Zugleich sollten ethische Entscheidungen“ stäker Teil des individualisierten Lebensstils sein [Hervorhebung von mir].

illuminatiWie schön, dass ein Arbeitskreis, von dem kaum jemand jemals etwas gehört hat „anerkennt“ und „akzeptiert“. Ich meine, die Mitglieder könnten auch nicht „anerkennen“ und nicht „akzeptieren“ -oder? Und auf den zweiten Blick ist es genau das, was sie tun: nicht anerkennen und nicht akzeptieren. Die hier praktizierte spezielle Form von Mittelschichts-Sprache, die der nette Psychiater von nebenan genauso pflegt, wie der Sozialarbeiter vor Ort, ist weit verbreitet, was sie nicht minder mies und fies macht. Die Technik ist einfach. Man wiegt sein Opfer in Sicherheit, sagt ihm, man verstehe es, erkenne seine Lebensentscheidungen an, wäre an seiner Stelle vermutlich seiner Meinung, und dann kommt das ABER bzw. im vorliegenden Fall das „Zugleich“. Das „Zugleich“ im vorliegenden Fall ist das „ich aber sage Euch“ [denn ich bin über die richtige Ernährungsethik informiert]: Alles vorher, der ganze Epos von Konflikt und Reibung, von Tradition und kultureller Prägung ist Unsinn, denn ihr habt mehr ethische Entscheidungen [die meiner informierten Ernährungsethik entsprechen] in eurem „individualisierten Lebensstil“ zu berücksichtigen. Das wirft die Frage auf, was diese ethischen Entscheidungen umfassen.

Und schon kommt die nächste höchst erstaunliche Einsicht aus den Reihen dieses obskuren Arbeitskreises:

„Ethik ist eine anthropologische Konstante, aber in ihrer Ausprägung historisch und kulturell bedingt.“

Mit anderen Worten, Ethik ist eine Hülle der Art: „Du sollst …“, alles hinter „Du sollst …“ steht zur Debatte offen. Diese erstaunliche Erkenntnis scheint mir die Bedeutung von Ethik doch etwas auf den Kopf zu stellen und vor allem zu konstruktivistisch oder wollen die Mitglieder dieses innovativ-obskuren Arbeitskreises wirklich z.B. den Kantschen Imperativ, sie wissen schon, „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ zur Dispositon stellen? Und wenn Ethik diskutabel ist, dann muss man auch über das „Du sollst nicht töten“ neu verhandeln. Haben die Mitglieder dieses obskur-unbewussten Arbeitskreises nicht nachgedacht oder waren sie zu sehr mit dem Zweck ihrer Mitgliedschaft, der offensichtlich darin besteht, anderen Vorschriften zu machen, was sie essen dürfen, beschäftigt?

Persuasion DarkSo wird nämlich ein Schuh aus dem, was der Arbeitskreis predigt. Einerseits erzählt man den „VerbraucherInnen“, dass man sie versteht und weiß, in welcher Situation sie sich befinden, andererseits will man ihnen aber Vorschriften dahingehend machen, was sie essen dürfen. Dabei ist eine „offene Ethik“, die man dann als „Du sollst … essen“ füllen kann, recht hilfreich, denn man kann die eigene Ansicht als ethische Vorgabe und somit als mehr als die eigene Ansicht als informierte Ernährungsethik verkaufen und andere unter moralischen Handlungszwang Levin Manipulationsetzen.

Das ihr Freimaurer des richtigen Essens, ist kein Umgang mit Menschen! Und auch wenn ich der Forderung, den Fleischkonsum einzuschränken und sich gegenüber Tieren verantwortlicher zu verhalten (den Lebenssinn von Tieren also nicht auf das von Menschen Gefressen-Werden zu beschränken) zustimme, so ist das doch keine Art mit Menschen umzugehen. Wenn man dafür werben will, dass das unbewusste Verschlingen von Tierischem aufhört und sich die Verbraucher fragen welche Folgen ihr Fleischkonsum für Tiere und Umwelt und sie selbst und andere Menschen hat, dann muss man offen darüber diskutieren, dann darf man nicht versuchen, die entsprechenden Verbraucher zu manipulieren. Aber so ist das halt in der Welt der (akademischen) Mittelschicht, die Angst vor dem anderen Menschen ist so groß, dass die einzige Form des vorstellbaren Umgangs, die fernbediente Manipulation aus dem Versteck obskurer Arbeitskreise ist.

Rotes Fleisch besteuern! Der Gesundheit zuliebe.

Koeth_PaperWie die BBC berichtet, hat ein Forscherteam um Robert A. Koeth herausgefunden, dass Bakterien, die sich im Darm von Menschen finden, dafür verantwortlich sind, dass Trimethylamin-oxid (TMAO) im Darm gebildet wird. TMAO wiederum ist ein Abbauprodukt von Fleisch und erhöht nicht nur das Cholesterol-Level im Blut. TMAO erhöht vor allem das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Diese negative Konsequenz des Genusses von selbst magerem rotem Fleisch führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass TMAO die Bildung von Fettablagerungen in den Arterien beschleunigt und dadurch die Gefahr eines Herzinfarktes deutlich erhöht. Stanley L. Hazen, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war, berichtet der BBC, er habe als Konsequenz der Ergebnisse seinen Fleischkonsum von fünf Tagen in der Woche auf zwei Tage im Monat reduziert.

Die Studienergebnisse ergänzen eine Vielzahl von Studien, die gezeigt haben, dass der Konsum von Fleisch mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden ist. So haben Francesco Sofi und seine Kollegen (2008) eine Reihe von Studien untersucht, die sich mit der so genannten Mittelmeer-Ernährung befassen. Bewohner der Mittelmeerländer haben u.a. ein deutlich geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu versterben als z.B. Deutsche. Die Belege dafür, dass diese geringere Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt und an anderen Krankheiten zu erkranken, auf die Ernährungsgewohnheiten, wie sie in den Ländern des Mittelmeers, in Italien, Griechenland, Spanien oder Ägypten vorhanden sind, zurückzuführen ist, sind zwischenzeitlich Legion. Eine Mittelmeer-Ernährung besteht im Wesentlichen aus Gemüse, Früchten, Getreide, Rotwein in moderaten Mengen und in gelegentlichen Fällen aus Fisch, rotes Fleisch kommt nicht vor. Die Effekte für die Gesundheit sind immens:

„This meta-analysis shows, in an overall analysis comprising more than 1.5 million healthy subjects and 40 000 fatal and non-fatal events, that greater adherence to a Mediterranean diet is significantly associated with a reduced risk of overall mortality, cardiovascular mortality, cancer incidents and mortality, and incidence of Parkinson’s disease and Alzheimer disease“

steak-cartoonDies sind Ergebnisse, die in ihrer Klarheit kaum zu übertreffen sind. Wer rotes Fleisch ißt, hat ein höheres Risiko, an Krebs, Kreislauf oder Herz zu erkranken, er hat eine höhere Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt zu sterben und Opfer von Alzheimer und Parkinson zu werden. Derartig überzeugende Gründe, die gegen einen Konsum sprechen, gibt es derzeit nur für rotes Fleisch. Entsprechend verwunderlich ist es, dass die Bundesregierung bislang keinerlei Versuche unternommen hat, den Fleischkonsum ihrer Bürger zu besteuern, um das zu erreichen, was mit der Tabak- oder der Alkoholsteuer oder einer Vielzahl anderer Steuern angeblich erreicht werden soll: Den Schutz der Bürger vor sich selbst.

Ein Blick auf die Steuerarten und Steuereinnahmen im Februar 2013 zeigt, wie besorgt die Bundesregierung und die Landesregierungen um ihre Bürger sind und was sie die Bürger sich ihr ungesundes Verhalten kosten lassen.

  • Energiesteuer: 1.3 Milliarden Euro (damit die Bundesbürger nicht so viel Energie verbrassen, der Umwelt zuliebe),
  • Tabasteuer: 819 Millionen Euro (damit die Bundesbürger nicht so viel rauchen, ist doch schädlich),
  • Branntweisteuer: 219 Millionen Euro (damit die Bundesbürger nicht so viel Alkohol trinken, Alokohol ist doch schädlich),
  • Alkopopsteuer: 143.000 Euro (damit die jungen Bundesbürger nicht so viel Alkohol trinken, Alkohol ist doch immer noch schädlich),
  • Schaumweinsteuer: 68 Millionen Euro (Schaumwein ist auch Alkohol …schädlich!),
  • Kaffeesteuer: 69 Millionen Euro (Kaffee ist zwar kein Alkohol, aber zu viel ist auch nicht gut oder schädlich oder so),
  • Biersteuer: 24 Millionen Euro (auch im Bier ist (manchmal) Alkohol, daher, na, was wohl? schädlich…).

Nudging-Science-CliffZwischenzeitlich haben Regierungen, die sich mit Steuern um ihre Bevölkerung sorgen, sogar Unterstützung aus der Wissenschaft erhalten. Richard Thaler und Cass Sunstein haben einen paternalistischen Liberalismus begründet, eine Travestie von Liberalismus, die auf der Annahme gründet, dass Bürger nicht in der Lage sind, für sich zu entscheiden, was für sie gut und was schlecht ist. Aus diesem Grunde, so folgern Thaler und Sunstein, müssten andere Bürger, die sie Regierung nennen, die zuerst genannten Bürger, nennen wir sie die dummen Bürger, durch Steuern und andere Anreize, in die richtige Richtung „nudgen“ (schubsen), damit die dummen Bürger sich in Zukunft „intelligenter“ verhalten und nichts tun, was schädlich für sie ist.

Und obwohl die Vorlage von Thaler und Sunstein von Regierungen weltweit bereitwillig und begeistert aufgenommen wurde, und das Erfinden immer neuer Schutzsteuern derzeit floriert (wie z.B. bei der Zuckersteuer), verbindet sich mit ihr doch ein erhebliches Problem: Wer bestimmt, was für andere schädlich ist (wenn nicht Thaler und Sunstein)?

Ginge es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und wäre die Besteuerung von Konsumgütern tatsächlich darauf ausgerichtet, der Gesundheit von Bürgern förderlich zu sein, man müsste Fleisch besteuern: der Indizien, die dafür sprechen, dass rotes Fleisch der Gesundheit mehr als schädlich ist, sind einfach zu viele. Aber bislang hat sich noch kein Politiker berufen gefühlt, eine Steuer auf Fleisch zu fordern. Offensichtlich denken Politiker nicht, dass man mit einer Fleisch-Steuer Wähler gewinnen könnte, sind also nicht motiviert, ihrer Bevölkerung das Gute zu tun, das sie durch Tabak- und Alkoholsteuer zu tun vorgeben.

Auf den ersten Blick könnte man denken, sie haben Angst vor dem Aufstand der Fleischesser in Deustchland, denjenigen, die denken, ihre Körperkraft hänge von tierischem Protein ab und die deshalb über alle ethischen Probleme einer Massentierhaltung hinwegsehen. Aber diese Erklärung trifft nur auf den ersten Blick zu: Wann hätten sich jemals deutsche Bürger dauerhaft gegen eine Entscheidung ihrer Regierung gestellt und durch Protest deren Rücknahme erreicht? Wann hätten sie ihren Unmut jemals durch eine Abstinenz von Wahlen oder gar noch drastischere Formen des Protestes deutlich gemacht? Nein, die Angst vor dem Wähler scheidet aus.

Folglich kommt man bei dem Problem an, das alle repräsentativen Demokratien plagt, und das man als „wer am lautesten schreit bekommt Recht“ beschreiben könnte. Obwohl in den Medien und im öffentlichen Diskurs so viel von der Macht der Konzerne die Rede ist, hat es z.B. der Monster-Konzern Philip Morris (Teil der Altria-Group: Jahresumsatz von 24 Milliarden US-Dollar) nicht geschafft, den heiligen Krieg gegen das Rauchen, den die WHO und ihre Verbündeten geführt haben und noch führen, zu beenden oder in seinen Anfängen zu ersticken. Auch die Alkoholindustrie mit Schwergewichten wie Diageo, Pernod-Ricard, Anheuser-Busch schafft es nicht, dem Chor des steuerlichen Halali auf Alkohol, der abermals im Hauptquartier der WHO und in den Büroräumen unzähliger nationaler nicht-Regierungsorganisationen geblasen wird, entgegenzutreten. Große Konzerne, so zeigt sich, sind reichlich hilflos, wenn sie mit staatlichen Planern und ihren Vasallen konfrontiert sind.

Pigs confined in metal and concrete pensSomit stellt sich die Frage, was beim Fleisch anders ist. Warum ist bislang niemand bei der WHO oder bei denen, die so lautstark die Gesundheit „der Bürger“ schützen wollen, auf die Idee gekommen, man müsse Fleisch besteuern, um seinen Konsum einzuschränken? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aber alle Fleischskandale in der Vergangenheit, alles Schimmelfleisch und alles Bakterien-verseuchtes Fleisch haben es nicht geschafft, die Frage, ob die Versorgen von Milliarden Menschen auf Fleischgrundlage überhaupt möglich ist, überhaupt zu stellen. Entsprechend komme ich auf eine kulturelle Erklärung: Offensichtlich ist der Konsum von Fleisch so kulturell überhöht, dass sich kaum jemand wagt, auch nur zu denken, man könne ihn extra besteuern, was ein weiteres Problem der Demokratie offen legt, nämlich das Diktat der (irrationalen) kulturellen Traditionen, das dazu führt, dass auf der einen Seite Fleischindustrien subventioniert werden, um gesundheitsgefährdendes Fleisch herzustellen, während auf der anderen Seite Raucher dafür bestraft werden, dass sie ihre eigene Gesundheit gefährden und alles nur, weil es keine kulturelle Norm gibt, die besagt, dass Nikotin unabdingbar für das Leben eines Erwachsenen ist (eine Norm, die man übrigens begründet könnte, denn Nikotin ist ein Insektizid, das Parasiten tötet).

Beide Probleme der Demokratie kann man lösen, indem man Regierungen die Möglichkeit nimmt, bestimmte Lebens- und Verhaltensweisen ihrer Bevölkerung zu besteuern und darüber hinaus unterbindet, dass Regierungen politische Gefallen in Form finanzieller Subventionen verteilen, nicht an nicht-Regierungsorganisationen und nicht an Produzenten und Unternehmen. Und wenn man dann noch dafür sorgt, dass die Entscheidungen, zu rauchen, zu trinken oder pro Tag 50 Kilometer in der Isar zu schwimmen und alle Folgen dieser Entscheidungen die private Angelegenheit dessen sind, der sie trifft, dann wäre viel gewonnen. Vor allem wäre erreicht, dass sich alle Organisationen, die von Regierungen unterhalten werden, um die Regierungspropaganda, angefangen bei den furchtbaren Folgen des Rauchens und aufgehört bei staatlich verordneten Frauenquoten zu unterstützen, auflösen, weil niemand mehr da ist, der sie finanziert. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man die dadurch freigesetzten Gutmenschen anderweitig einsetzen kann, aber das ist aus meiner Sicht ein zweitrangiges Problem, denn alles ist besser, als weiterhin Heere von nicht-Regierungswohltätern dafür zu bezahlen, dass sie das Propagandahorn für die Regierung blasen und sich damit ein erquickliches Auskommen verschaffen.

Muse Uprising_Das skizzierte Vorgehen, ist natürlich ein liberales Vorgehen, das staatliche Eingriffe in die private Lebensführung unterbindet, die Legitimation für Eingriffe in private Lebensführung entzieht und die Verantwortung für private Lebensentscheidungen einzig und allein beim Individuum belässt. Dies hat allerdings die Konsequenz, dass man Bürger als eigenverantwortliche und denkfähige Individuen respektiert und Ernst nimmt und es hat die Konsequenz, dass man nicht mehr seinen Lebensunterhalt durch die Sorge um die vermeintlichen Defizite anderer bestreiten kann. Das ist Revolution!

Wahnsinn mit Methode – Von den Ursachen des Gutmenschentums

Was sind Gutmenschen, was ist Gutmenschentum?

Ein Beitrag von Toni Meier und Olaf Christen im „International Journal of Life Cycle Assessment“ hat mich dazu veranlasst, etwas in die Ursachen von Gutmenschentum einzusteigen. Dazu ist es notwendig, „Gutmenschentum“ zunächst zu definieren: Ich rede von Gutmenschen und Gutmenschentum immer dann, wenn Indivdiuen ein Überzeugungssystem haben, auf dem sie den Glauben an bestimmte Dinge gründen, z.B. an einen Gott, an den Teufel „Kapitalismus“, an die Benachteiligung von Frauen, die Überlegenheit der arischen Rasse oder die Bedeutung ungeborenen Lebens und von dem aus, und das ist das Entscheidende für Gutmenschen, sie losmarschieren, um andere zum Heil zu bekehren. Das Kriterium, das den „Gutmenschen“ ausmacht, ist somit sein missionarischer Eifer, der sich wiederum aus der eingebildeten Überlegenheit des eigenen Überzeugungssystems speist.

Gutmenschentum wie es hier definiert wurde, geht einher mit einer Unfähigkeit an sich und seinem Überzeugungssystem zu zweifeln, was das Überzeugungssystem als tief verwurzeltes System von affektiven Vorurteilen, wie sie Assmann (2009, S.9) beschrieben hat, kenntlich macht. Gutmenschen unterscheiden sich dadurch von den anderen Inhabern von Überzeugungssystemen (denn Überzeugungen haben wir alle), dass sie – aus welchen Motiven auch immer – getrieben sind, ihren Glauben anderen aufzuzwingen, dass sie es nicht dabei belassen, anderen Informationen bereit zu stellen, auf deren Grundlage diese anderen dann Entscheidungen im Sinne oder auch nicht im Sinne der Informationsbereitsteller treffen können.

Gutmenschen und die Rolle des Staates

Die Probleme mit Gutmenschen fangen somit da an, wo sie andere zu dem bekehren wollen, was sie als deren Heil, als zu der anderen Bestem ansehen, und sie werden da verstärkt, wo sich Gutmenschen zu Gutmenschen-Interessengruppen zusammenschließen und es ihnen gelingt, den Staat und seine Macht- und Herrschaftsinstrumente für ihre Gutmenschenfeldzüge zu kapern. Dann finden regelmäßig Interventionen in das Leben derer statt, die nicht dem „rechten Glauben“ anhängen, die nicht einsehen, warum sie Kinder in die Welt setzen sollen (deshalb werden sie z.B. mit höheren Abgaben für die Pflegeversicherung bestraft), die nicht einsehen, warum sie aufhören sollen, zu rauchen (deshalb werden sie z.B. mit höheren Steuern auf Tabak bestraft), die der Ansicht sind, sie könnten darüber bestimmen, ob sie ein Kind austragen wollen oder nicht (deshalb werden sie mit „Zwangsberatung“ vor der Abtreibung traktiert/bestraft) oder die der Meinung sind, sie könnten ihre Meinung zur Diskussion stellen, selbst wenn die Meinung dem zuzuordnen ist, was andere als rechtes Gedankengut brandmarken und aus dem öffentlichen Diskurs fernhalten wollen, so wie Träger rechten Gedankenguts gewöhnlich aus dem Diskurs fernhalten wollen, was Linke gestütz auf ihr Recht der freien Meinungsäußerung von sich geben. Gutmenschentum, das in der beschriebenen Weise über die Macht- und Herrschaftsinstrumente des Staates in individuelle Lebensentscheidungen intervenieren kann, hat entsprechend seine Ende in der gesellschaftlichen Gleichschaltung, im Totalitarismus, denn Eingriffe in den Markt der freien Meinung, in den Markt der freien Wahl von Lebensstilen oder in den Markt der Selbstbestimmung, wie sie heute regelmäßig von organisierten Gutmenschen über das Vehikel „Staat“ vorgenommen werden, sind nichts anderes als Eingriffe in die Freiheit anderer, von den Eingreifern für weniger wertvoll gehaltener und entsprechend nicht tolerierter Lebensweisen als der eigenen.

Wenn Florian Leclerc die Benutzung des Wortes „Gutmensch“ verbieten will, und Benutzer als „Rechte“ gegeiselt sehen will, dann will er Freiheit beseitigen. Wenn David Brooks z.B. Ehescheidung verbieten und „orderly communities“ herstellen will, dann greift er in die Freiheit anderer ein, deren Lebensform ihm ein Dorn im Auge ist, und wenn die Bundesregierung ihre Bevölkerung zum „gesunden Leben“ und zum „Gender Mainstreaming“ erziehen will, dann greift sie in die Freiheit derer ein, die weder einen Sinn darin sehen, bei jedem Bissen in nicht positiv sanktioniere Speisen, ein schlechtes Gewissen zu haben, noch immer dann, wenn eine Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern zu beobachten ist, an das Wirken finsterer maskulistischer Kräfte denken wollen.

Alle beschriebenen Varianten von Gutmenschentum haben – es sei noch einmal gesagt – eines gemeinsam, sie basieren auf einem Überzeugungssystem, aus dem sich ein Glaube an die Überlegenheit der eigenen Überzeugung speist und aus dem ein Recht, andere zum rechten Glauben zu bekehren, abgeleitet wird. Welche Blüten missonarisch eifernde Gutmenschimpulse treiben, zeigt der Beitrag von Toni Meier und Olaf Christen, der mich zu dieser etwas längeren Einleitung veranlasst hat.

Gendergemainstreamte Ernährung

Toni Meier und Olaf Christen arbeiten am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dort züchten sie nicht etwa Apfelbäume, nein, dort erforschen Sie die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen. Nun gibt es einige Motive, aus denen heraus man die Ernährungsgewohnheiten von Deutschen erforschen wollen könnte. Als Wissenschaftler sollte der Erkenntnisgewinn das erste der Motive sein, und als Wissenschaftler sollte man zumindest einen kurzen Blick auf den Verwendungszusammenhang haben, darauf, ob mit der eigenen Forschung, wenn nicht jetzt, so doch in der Zukunft ein Mehrwert erreicht werden kann. Schließlich wird man als Wissenschaftler aus Steuergeldern finanziert, und man könnte enstprechend auf die Idee kommen (man beachte den Konkunktiv), dass man den Steuerzahlern nützliche Ergebnisse schuldet.

Toni Meier und Olaf Christen haben ein Überzeugungssystem, das ihre Forschung anleitet. Dieses Überzeugungssystem beginnt damit, dass wir derzeit einen Klimawandel durchleben und dass es deshalb wichtig ist, das „global warming potential“ hinter diversen Aktivitäten zu untersuchen. Was liegt näher, als zu untersuchen, wie bestimmte Formen der Ernährung durch ihr unterschiedliches Potentail, das global warming beeeinflussen? Folglich haben die beiden Hallenser Ernährungsforscher berechnet, wie viel Potential zur Erwärmung der Erde mit der Produktion verschiedener Lebensmittel einhergeht. Wenig überraschend, weil bereits in vielen Studien zuvor deutlich gemacht, hat die Produktion von Fleisch, Butter und Käse, also im Wesentlichen die Produktion von Lebensmitteln mit tierischem Ursprung ein höheres Potential, um die Erde zu erwärmen: Bei der Produktion von z.B. Fleisch fällt ein Vielfaches des Kohlendioxids, des Ammoniaks an, der anfällt, wenn z.B. Äpfel oder Weißkohl produziert werden. Das alles ist nicht neu.

Neu ist, dass die jeweilige „Ökobilanz“ benutzt wird, um Gender Mainstreaming zu betreiben, denn, so finden die Autoren: „men show a higher impact in terms of GWP [global warming potential]“ (Meier & Christen, 2012). Weil Männer, wie die Nationale Verzehrstudie herausgefunden hat, mehr Fleisch essen als Frauen, sind sie also schädlicher für ihre Umwelt als Frauen. Nun, wer sich gewundert hat, dass man auf die Idee kommt, die Essgewohnheiten nach Geschlechts zu differenzieren und den Einfluss der entsprechenden Essgewohnheiten auf die globale Erwärmung zu berechnen, der ist mit dem Wundern noch nicht am Ende, denn „if men were to change their diet and adapt to the diet profile of women … then 18.8 Mt CO2 eq. and 60.1 kt ammonia emissions could be saved annually“ (Meier & Christen, 2012). Dieses Ergebnis gibt den nächsten Aufschluss über das Überzeugungssystem von Meier und Christen: Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der Klimaschutz, diesem Oberziel müssen sich Menschen in ihrem täglichen Handeln unterordnen, nein, nicht alle Menschen – nur Männer und sie müssen sich auch nicht unterordnen, sie müssen untergeordnet werden: „these differences [die Ernährungsunterschiede zwischen Männern und Frauen] could be seen as offerinig potential opportunities to strengthen more sustainable nutrition patterns“ (Meier & Christen, 2012).

Denkt man das Argument von Meier und Christen logisch zu Ende, dann müsste ihr oberstes Ziel eigentlich darin bestehen, eine weitere Belastung der nachhaltigen Entwicklung der Erde durch ein Verbot der Fortpflanzung positiv zu beeinflussen, da mit einem Fortpflanzungsverbot unweigerlich eine Reduzierung der Umweltbelastung, wie sie Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsaufnahme nun einmal darstellen, einhergeht. Aber, eine solche Forderung ist „natürlich“ undenkbar, vor allem im Überzeugungssystem der beiden Hallenser. Dieses Überzeugungssystem enthält jedoch kulturelle Faktoren, am prominentesten darunter die Vorstellung, dass Frauen die besseren Menschen sind. Meier und Christen sind Kinder ihrer Gender-Zeit. Sie können nur in Gender denken und entsprechend ist alles, was sie interessiert Gender. Wer außer verbohrten Feministinnen käme auf die Idee, deutschen Männern vorzuhalten, ihre Ernährungsgewohnheiten würden das Klima belasten? (Vergliche man den Fleischkonsum deutscher Frauen mit dem Fleischkonsum vietnamesischer Männer, das Ergebnis wäre ein ganz anderes, nicht in die gendergemainstreamte Welt von Meier und Christen passendes!)

Wer die Nationale Verzehrstudie kennt, der weiß, neben dem Geschlecht wurde die Nahrungsmittelaufnahme auch nach Alter und Bundesland differenziert. Beide Variablen sind Meier und Christen keiner Erwährung wert, obwohl man durchaus argumentieren kann, und sich diese Argumentation in der Literatur auch findet, dass sich Ernährungsmuster über Generationen hinweg ändern. Aber Generationen unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen. Auch hätte man lokale Ernährungsmuster theoretisch argumentieren können. Dass Sachsen und Bayern die Spitzenreiter im innerdeutschen Fleischkonsum Ranking sind, ist bekannt und entsprechend hätte man auch Bundesländer untersuchen können, aber auch Bundesländer erlauben nicht die Unterscheidung, die doch das Wichtigste im Leben der beiden Hallenser Ernährungsforscher zu sein scheint: die Unterscheidung nach Geschlecht. Ich frage mich langsam, wie lange man harmlose Leser wissenschaftlicher Zeitschriften noch damit langweilen und penetrieren will, z.B. die Gülleproduktion oder die Produktion von Weichmachern oder von Kaffeeersatz nach Geschlecht zu differenzieren. Was mich angeht, für mich ist der Gipfel des Unsinns eigentlich schon seit einiger Zeit erreicht. Aber wie Meier und Christen zeigen, es geht immer noch weiter.

Gut, dann fordere ich die beiden Forschungsspezialisten zu einer neuen Forschung auf: Da die Nationale Verzehrstudie zeigt, dass Fleischkonsum (als Hauptumweltschädling) nach Bundesland erheblich variiert und auch zwischen Generationen variiert und man annehmen kann, dass kulturelle Vorlieben (vom Saumagen bis zum Schweinshaxen) eine gewisse Rolle dabei spielen, möchte ich gerne untersucht haben, wie sich das Münchner Oktoberfest auf das global warming auswirkt und die Effekte nach Geschlecht aufgeschlüsselt haben, damit man beim nächsten Oktoberfest zum einen, die Verbreitung von Schweinshaxen rationieren kann (, was mir als Vegetarier gut gefallen würde) und zum anderen die Zelte, in denen Schweinshaxen noch ausgegeben werden dürfen, mit dem Geschlechterproporz besetzen kann, der für die Umwelt am verträglichsten ist.

Praktische Implikationen der Forschung von Meier und Christen

Die Autoren berechnen, u.a. wie stark die Einsparungen an Kohlendioxid und Ammoniak wären, würden sich Männer in Deutschland so ernähren wie Frauen. Da die Ergebnisse der Autoren auf Aggregatebene für Deutschland vorliegen, ist diese Berechnung schlichter Unsinn, wie man sich leicht verdeutlichen kann, wenn man in die Daten blickt, denn Männer und Frauen essen Fleisch, nur Männer essen mehr Fleisch als Frauen. Wie also sieht die Anpassung der Ernährung von Männern an die Ernährung von Frauen aus? Angenommen 75% der Männer essen Fleich, aber nur 65% der Frauen. Sollen nun, im ersten Schritt, 10% der Männer zum Fleischabsentismus verurteilt werden? Doch damit endet das Problem nicht: manche Männer essen mehr Fleisch als manche Frauen, manche Männer weniger als manche Frauen und manche genauso viel wie manche Frauen. Was tun? Eine umweltoptimale Fleischmenge bestimmen und als Höchstration Männern wie Frauen vorgeben? (Um den lokalen Unterschieden gerecht zu werden, könnte man eine Form des Ablasshandel einführen, bei der sich intensive Fleischesser von weniger intensiven Fleischessern quasi deren Rechtsanspruch auf eine bestimmte Fleischmenge kaufen können.) Damit wären wir wieder dort angekommen, wo Gutmenschen-Interventionen immer ankommen: bei der Gleichschaltung, die die einzige Möglichkeit darstellt, um absurde Forderungen in die Tat umzusetzen.

Literatur
Assmann, Aleida (2009). Introduction. In: Pelinka, Anton, Bischof, Karin & Stögner, Karin (eds.). Handbook of Prejudice. Amherst: Cambria Press, pp.1-34.

Meier, Toni & Christen, Olaf (2012). Gender as a Factor in an Environmental Assessment of the Consumption of Animal and Plant-based Foods in Germany. International Journal of Life Cycle Assessment (online first).
DOI 10.1007/s11367-012-0387-x

Bildnachweis:
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