DAK macht’s möglich: Wenn 26 Teenager zu 100.000 Süchtigen erklärt werden

Wir haben auf ScienceFiles schon viele schlechte Studien besprochen. Darunter waren etliche, bei denen die Grenze zur Datenfälschung überschritten war. Die Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse, deren Ergebnisse von FORSA forciert wurden, ist in der Spitzengruppe der Trash-Forschung und Junk-Studien. Das Bemühen, auf Grundlage eines Nanopartikel einen Elefanten herbeizureden, um einen (finanziellen) Vorteil daraus ziehen zu können, ist allgegenwärtig, und die Art und Weise, in der dies geschieht, lässt an der Täuschungsabsicht keinen Zweifel.

Fangen wir vorne an:
Es wird von Sucht geredet, aber keine Sucht gemessen.

„Studie: So süchtig machen WhatsApp, Instragramm und Co.“

Obwohl in der Überschrift von „Sucht“ die Rede ist und im Text auf „wissenschaftliche Kriterien aus den Niederlanden (Social Media Disorder Scale)“ verwiesen wird, kann von Sucht keine Rede sein, denn eine Sucht ist nach wie vor wie folgt definiert (von der American Association of Addiction Medicine):

„Addiction is a primary, chronic disease of brain reward, motivation, memory and related circuitry. Dysfunction in these circuits leads to characteristic biological, psychological, social and spiritual manifestations. This is reflected in an individual pathologically pursuing reward and/or relief by substance use and other behaviors”

Damit eine Sucht attestiert werden kann, ist somit eine körperliche Abhängigkeit, die sich medizinisch nachweisen lässt und im Verhalten niederschlägt, und zwar in einer Weise, die das Individuum nicht mehr zu einem normalen Leben fähig sein lässt, notwendig. Aus der Zustimmung von 12 bis 17jährigen zu fünf von neun Aussagen wie, dass sie im vergangenen Jahr heimlich soziale Medien nutzen, dass sie im vergangenen Jahr soziale Medien nutzen, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen, dass sie sich im vergangenen Jahr oft unglücklich gefühlt haben, wenn sie keine sozialen Medien nutzen konnten, dass sie im vergangenen Jahr durch die Nutzung sozialer Medien ernsthafte Probleme mit Eltern, Brüdern oder Schwestern oder Freunden [mit irgendjemandem halt] hatten, zu folgern, dass die entsprechenden Jugendlichen „Soziale-Medien-süchtig“ sind, ist vor dem Hintergrund des Alltagsverstands lächerlich und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Lauterkeit nicht zu vertreten.

Aber um wissenschaftliche Lauterkeit geht es nicht. Das wird schon anhand der konspirativen Art und Weise deutlich, in der von „wissenschaftlichen Kriterien aus den Niederlanden“ die Rede ist, die Grundlage der Messung von „Social-Media-Abhängigkeit“ sein sollen. Dabei handelt es sich vermutlich um die Social Media-Disorder-Scale (SMD) die van den Eijnden, Lemmens und Valkenburg entwickelt haben. Die SMD ist nur einer von vielen Versuchen, Sucht im Zusammenhang mit neuen Medien zu einem Thema zu stilisieren. Ein anderes Produkt aus der selben Schmiede ist die CIUS [Compulsive-Internet-Use-Scale], die Gert-Jan Meerkerk et al. (2009) entwickelt haben. Daneben gibt es noch den Internet-Addiction Test (IAT) von Young (1998) oder die Internetsuchtskala (ISS) von Hahn & Jerusalem (2003). Sie alle stellen Versuche dar, Internet- oder Soziale-Medien-Sucht zu messen. Sie alle sind bestenfalls windig. Ihnen allen fehlt ein Beleg dafür, dass sie tatsächlich in der Lage sind, Suchtverhalten zu messen. Sie alle haben einen distinktes Bouquet der Willkür, wie man leicht sehen kann, wenn man in der Aussagenliste, die wir unten (Abbildung) wiedergegeben haben, „soziale Medien“ mit „Tageszeitung“ oder „Fernseher“ oder „I-Pod“ oder „Kaffe“ oder „Tee“ oder „Fahrrad“ ersetzt.

Aber wissenschaftliche Lauterkeit interessiert natürlich die Tugend-Krieger nicht, die auf den Kriegspfad gehen, um Jugendliche vor einer Sucht zu retten, die sie gerade erst für diese Jugendlichen erfunden haben. Ihnen geht es um die eigene moralische Grandeur und das damit verbundene Hysteriepotential. Ihnen geht es darum, Präferenzen und Verhalten gleichzuschalten und Jugendliche aus dem unkontrollierbaren Internet in die Fittiche öffentlich-rechtlicher Sender zurückzuholen.

Wenn es darum geht, hysterisch zu sein über etwas, das es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gibt, dann dürfen natürlich auch Politiker nicht fehlen. Und wenn es um Sucht geht, dann scheint nichts so billig zu sein, wie die Feststellungen der Drogenschutzbeauftragten, der noch niemand gesagt zu haben scheint, dass ihre persönlichen Erfahrungen keinerlei Grundlage abgeben, um verallgemeinerbar zu sein:

„Ich stelle immer wieder fest, dass Eltern, wenn es um die Onlinenutzung ihrer Kinder geht, Orientierung suchen, und zwar von kompetenter Hand. Kinder müssen lernen, mit digitalen Medien umzugehen. … Klar ist zudem, dass auch der Jugendschutz noch besser auf die Angebote im Netz antworten muss als es bisher gelingt, gerade mit Blick auf die Suchtpotenziale“, sagt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Klar ist, dass die Sucht von Mortler, in der Presse zu erscheinen, bedenklich ist. Wir stellen immer wieder fest, dass sie bei Themen, die auch nur ansatzweise etwas mit Sucht zu tun haben könnten, die Angewohnheit hat, den Mund aufzumachen und Dinge zu sagen, die in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrem Wissen über diese Themen stehen.

Doch zurück zur Studie der DAK.
Dort wird hochgerechnet, wenig wird hochgerechnet, ganz wenig.

Rechnen wir auch ein wenig, um den Irrsinn, der hier Pressemitteilung geworden ist, darzustellen.

Wie immer, wenn in Pressemeldungen die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt werden soll, werden Prozentzahlen genannt: „2,6% der Befragten sind bereits süchtig nach Social Media … Auf alle 12 – bis 17-Jährigen in Deutschland hochgerechnet entspricht dieser Prozentsatz etwa 100.000 Betroffenen“.

Forsa hat 1001 12 bis 17-Jährige für die DAK befragt. Die Behauptung, dass die Befragung „repräsentativ“ sein soll, geht damit wie gewöhnlich einher. Bis zum Beweis des Gegenteils behaupten wir, dass die Befragung von Forsa nicht repräsentativ ist. Es wäre ein wirkliches Kunststück, ein repräsentative Stichprobe einer selegierten Population zu Wege zu bringen. Irgendwie glauben wir nicht, dass Forsa dieses Kunststück zu Stande bringen kann, an dem schon ganz andere gescheitert sind.

Aber die entsprechende unsägliche Repräsentativitätsdiskussion ist gar nicht notwendig, denn die 2,6%, die hier auf 100.000 hochgerechnet werden, sind genau 26 Hanseln (Wir gehen davon aus, dass Forsa von allen 1001 Befragten gültige Antworten vorliegen hat. Das ist eine Annahme zu Gunsten von Forsa, denn normalerweise hat man in Datensätzen rund 10%-15% fehlende Werte).

26 Hanseln zu 100.000 Süchtigen hochzurechnen, das ist vollkommener Unsinn und außer der Drogenbeauftragten der Bundesregierung fällt auf diesen Unsinn vermutlich kaum jemand herein.

Weiter geht es mit Prozentzahlen: „Wer von sozialen Medien abhängig ist, hat ein um den Faktor 4,6 Prozent höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken …“

Damit sind wir in der Abteilung Manipulation mit Anzeichen von Betrug angekommen. Nach Depressionen wurde nämlich nicht gefragt. Wie auch: Bist Du depressiv? Hat Dich ein Arzt als depressiv diagnostiziert? Einen solchen Blödsinn fragt nicht einmal Forsa. Entsprechend muss man vermuten, dass diejenigen, die von sich sagen, sie hätten sich im vergangenen Jahr „oft unglücklich gefühlt, wenn sie keine sozialen Medien nutzen konnten“, als depressiv gewertet werden. Was davon zu halten ist, muss man wohl kaum aussprechen. Es reicht festzustellen, dass die DAK ihre Glaubwürdigkeit verspielen zu wollen scheint. Dafür spricht auch der „Faktor 4,6 Prozent“. Der Ersteller der Pressemeldung war offensichtlich nicht ganz firm in Rechnen, dafür aber firm in billigen Manipulationstechniken.

Rechnen wir.
Wir haben 26, die angeblich Soziale-Medien-süchtig sind.
Nehmen wir an, 4 von diesen 26 haben gesagt, dass sie sich ohne soziale Medien oft unglücklich gefühlt haben.
4 von 26 ergibt 15,3%
Es bleiben 975 Restbefragte, die nicht süchtig sind.
Wenn die 4 ein um 4,6 Prozent höheres Risiko an Depression haben, dann müssen 15,3 / 4,6 = 3,3 Prozent der restlichen Befragten auch gesagt haben, dass sie sich oft unglücklich fühlen ohne Soziale Medien.
3.3% von 975 ergibt 32 Befragte.
Und so kommt es, dass nunmehr vier Hanseln dafür verantwortlich sind, dass die vermeintlich Süchtigen ein höheres Depressionsrisiko haben als die nicht Süchtigen, bei denen 32 ein entsprechendes Risiko hätten, wenn man die haarige Behauptung von DAK und Forsa für bare Münze nehmen würde.

Fassen wir zusammen:
Es wird behauptet, Sucht gemessen zu haben, aber es wurde keine Sucht gemessen.
Es werden 26 Befragte zu 100.000 hochgerechnet und 4 Hanseln benutzt, um ein 4,6faches Depressionsrisiko zu behaupten.
Depression bzw. das Risiko von Depression wurde in der Befragung überhaupt nicht erhoben.

Das reicht eigentlich schon, um den Junk in den Orkus zu werfen, in den er gehört. Aber es kommt noch besser.

Machen Sie den Selbsttest anhand der folgenden Skala: Wer mehr als viermal „Ja“ sagt, der ist süchtig.

Die Skala erinnert etwas an das Täterprofil, das der Stupendous Yuppi in Clyde Bruckman’s final Repose erstellt, der Täter ist ein white male, age seventeen to thirty-four, with or without a beard, maybe a tattoo… who’s impotent.

Und – man muss ergänzen – er ist vermutlich süchtig nach dem Internet oder nach Sozialen Medien oder nach Ruhm, oder Ruhe, nach Pressemeldungen, Öffentlichkeit, Geld, Hilfsbedürftigen, Beitragszahlern … irgendetwas wird es schon sein!

Eijnden, Regina JJM van den, Lemmens, Jeroen S. & Valkenburg, Patti M. (2016). The Social Media Disorder Scale. Computers in Human Behavior 61: 478-487.

Hahn, André & Jerusalem, Matthias (2003). Reliabilität und Validität der Online-Forschung. In: Theobald, Axel, Dreyer, Marcus & Starsetzki, Thomas (Hrsg.). Online Marktforschung. Theoretische Grundlagen und praktische Erfahrungen. Wiesbaden: Gabler, S.161-186.

Meerkerk, Gert-Jan, van den Eijnden, Regina J. J. M., Vermulst, Ad A. & Garretsen, Henk F. L. (2009). The Compulsive Internet Use Scale (CIUS): Some Psychometric Properties. CyberPsychology & Behavior 12(1): 1-6.

Young, Kimberley S. (1998). Caught in the Net: How to Recognize the Signs of Internet-Addiction – and a Winning Strategy for Recovery. New York: Wiley.

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“Frauen zahlen drauf”: Missionarischer Eifer (Tagesschau) trifft ideologischen Blödsinn (Antidiskriminierungsstelle)

Sorry, wir haben lange nach einer Überschrift gesucht, in der keine Bewertung vorkommt. Aber angesichts dessen, was Sandra Stalinski bei der ARD ungestraft als Journalismus abliefern kann und angesichts dessen, was Christine Lüders ungestraft als Pressemeldung verbreiten darf und angesichts der Tatsache, dass es nun schon Studien gibt, in deren Kontext die Mitarbeiter der 2HM & Associates GmbH von der Antidiskriminierungsstelle dafür bezahlt werden, dass sie durch die Friseurgeschäfte in Mainz, Schwalbach am Taunus, Rüsselsheim, Dresden, Radebeul und Weinböhla tingeln, um Material zu sammeln, auf dessen Grundlage Stalinski und Lüders – in gesammeltem und nicht unbeträchtlichem Unverstand vereint – eine weitere Benachteiligung von Frauen wie Marktschreier in die Welt derer, die an derartigem Unsinn nun wirklich kein Interesse haben, plärren, fällt uns nichts anderes als die Bezeichnung „Blödsinn“ ein oder das, was uns einfällt, ist nicht schreibbar.

Aus dem Gender-Pricing Junk der ADS: Seite 61

Das muss man sich einmal im Bild vorstellen: Da laufen angebliche Sozialforscher von Friseurgeschäft zu Friseurgeschäft und erheben den Preis für Kurz- und Langhaarschnitt, beobachten Kurz- und Langhaarschnitte und kommen dann zu dem für sie wahrscheinlich überraschenden Ergebnis, dass die Preise für Frauen höher sind als für Männer, denn, so haben sie in qualitativen Experteninterviews erfahren, der Kurzhaarschnitt für Frauen nimmt im Durchschnitt 45 Minuten in Anspruch, während Männer nach 30 Minuten abgefertigt sind. Zudem sind Männer einfacher zu bedienen als Frauen, auch ein Faktor in der Preiskalkulation.

12,50 Euro zahlen Frauen im Durchschnitt mehr als Männer, so klagt die antidiskriminierende Lüders. Im Durchschnitt von Mainz, Schwalbach am Taunus, Rüsselsheim, Dresden, Radebeul und Weinböhla, denn nur dort wurden die Friseur-Geschäfte auf „Gender Pricing“, wie der neueste Irrsinn aus dem Hause Gender Studies heißt, untersucht. Rechnet man den Aufpreis in die Mehrzeit um, dann ergibt sich eine zeitlicher Mehraufwand von 50% für einen durchschnittlichen Kurzhaarschnitt von Frauen, der sich jedoch nur in rund 30% höheren Preisen niederschlägt, wie man der ADS-Studie aus den oben genannten Ortschaften entnehmen kann: Seite 121, Tabelle 19.

Auf diese Seite hat Sandra Stalinski, die es schafft, selbst das intellektuelle Niveau der Tagesschau-Redaktion zu senken, natürlich nie geschaut. Wozu auch? Wenn man einen angeblichen Missstand anprangern will, der sich in der eigenen Phantasie gerade eingestellt hat, dann stören Fakten nur, Fakten wie die, dass Männer rund 25,7% mehr für Schuhreparaturen bezahlen müssen als Frauen, im Durchschnitt, in Mainz, Schwalbach am Taunus, Rüsselsheim, Dresden, Radebeul und Weinböhla. Ganz zu schweigen von einem Preisaufschlag von 193,2% für Datingportale und 100% für Diskotheken.

Selber ADS-Junk 60 Seiten weiter

Derartige Ergebnisse passen jedoch nicht in den ideologischen Feldzug, den Lüders und Stalinski führen wollen. Also werden sie unterschlagen. Denn würde man sie nicht unterschlagen, dann wäre aus der ganzen schönen Junk Studie, die die ADS mit viel Geld der Steuerzahler finanziert hat GAR NICHTS herausgekommen. Schon bei den Produkten, die untersucht wurden, hat sich gezeigt, dass es kein „Gender Pricing“ gibt und bei den Dienstleistungen zeigt sich, dass je nach Dienstleistung Männer oder Frauen stärker zur Kasse gebeten werden.

So ist das in einem Markt. Es gibt einen Anbieter, der Waren zu einem bestimmten Preis anbietet und es gibt Nachfrager, die die entsprechende Leistung bezahlen wollen oder eben nicht. Niemand zwingt Frauen dazu, Friseurleistungen in Anspruch zu nehmen und dafür zu bezahlen. So wenig wie jemand Männer zwingt, zum Schuhmacher zu gehen, um Schuhe reparieren zu lassen oder sich bei Datingportalen einzufinden und einen Zuschlag von 193% im Vergleich zu Frauen zu bezahlen.

Was also stört die beiden geistigen Tiefflieger der ADS und der ARD daran, dass es einen Markt gibt, auf dem Preisgestaltung eine unternehmerische Freiheit ist und die Nachfrage nach Leistungen eine andere Freiheit. Genau das stört sie. Sie wollen einen Sozialismus durchsetzen, der Preise diktiert. Ein Haarschnitt 50 Euro, 20 für die Steuer und 30 für die Unkosten. Eine Schuhreparatur 30 Euro. Wenn Sie nicht Sozialismus durchsetzen wollen, dann bleibt nur die Annahme, dass Lüders und Stalinski abgrundtief dumm oder bösartig sind. Für beide Annahmen gibt es Belege.

So empfiehlt Lüders „insbesondere dem Reinigungs- und Friseurgewerbe, Dienstleistungen eher nach der konkreten Art der Leistung und nicht pauschal nach dem Geschlecht anzubieten“. Aber genau das machen die Unternehmen doch. Hat Lüders die Studie, die sie anführt, nicht gelesen? Nun, wir geben gerne Nachhilfe. Seite 123: Die Reinigung einer Bluse ist teurer als die Reinigung eines Hemdes, weil Hemden automatisch gebügelt werden können und Blusen in der Regel von Hand gebügelt werden müssen. Seite 122: Friseurdienstleistungen, hier: Kurz- oder Langhaarschnitt sind für Frauen deshalb teurer als für Männer, weil ein höherer Beratungsaufwand, mehr Arbeitszeit, ergo mehr Arbeitsaufwand anfällt.

Wir finden es ja gut, dass die Antidiskriminierungsstelle gegen Diskriminierung vorgehen will. Aber es gibt auch sinnvolle Diskriminierung in Form von Ausschlusskriterien. So sollte man in Zukunft darauf achten, dass nicht unabhängig von Können, Information und Intelligenz Pressemeldungen, –erklärungen und –verlautbarungen bei der ADS erstellt und verbreitet werden.

Und dann ist da noch Stalinski.
Nachdem sie das Bild der Jammerfrau, die aufgrund einer Benachteiligung durch fiese Friseurgeschäfts-Inhaber*_innen gezwungen ist, mehr Geld auszugeben als ein beliebiger Mann, setzt sie noch einen drauf und konstruiert die doppelte Opferrolle: „Besonders pikant wird die Tatsache, wenn man bedenkt, dass Frauen im Schnitt auch weniger verdienen als Männer. Der so genannte Gender Pay Gap lag 2016 bei 21 Prozent.“

Die Tatsache, dass „Frauen draufzahlen“, eine Tatsache, die selbst in dem Junk, den die ADS als Expertise verkaufen will, nur gegeben ist, wenn man die oben genannten Bereiche, in denen Männer „draufzahlen“ unterschlägt, ist also keine Tatsache, sondern das Ergebnis einer Unterschlagung. Die Unterschlagung wird ergänzt durch die uralte und nun wirklich ausreichend als Lüge identifizierte Behauptung vom 21% Gender Pay Gap. Wie selbst das Statistische Bundesamt trotz allen Druckes von politischer Seite zugesteht, gibt es keinen Gender Pay Gap von 21%. Das Statistische Bundesamt rechnet den angeblichen Gap auf 7-8% herunter, aber selbst dieses Gap ist eine Fabrikation, wie wir schon mehrfach dargelegt haben. Es gibt kein Gender Pay Gap, es gibt nur Männer, die durchschnittlich mehr, länger und produktiver arbeiten als Frauen und deshalb mehr verdienen. Und so wie es keine Benachteiligung von Frauen beim Lohn gibt, so gibt es auch keine Benachteiligung von Frauen bei Dienstleistungen, denn wer mehr Aufwand verursacht, der muss in einer freien Marktwirtschaft auch mehr dafür bezahlen.

Stalinski belügt also die Leser der Tagesschau mit ihren Hirngespinsten entweder weil sie dumm ist oder weil sie bösartig ist. Eine andere Alternative fällt uns nicht ein. Aber vielleicht kennt ja einer der Leser eine Alternative.

Letztlich ist Stalinski selbst das beste Beispiel dafür, dass Frauen in Deutschland nicht benachteiligt, sondern bevorzugt werden oder können Sie sich auch nur ein Medium vorstellen, das Stalinski beschäftigen würde, wenn der Arbeitsmarkt ein freier und nicht Frauen bevorzugender Arbeitsmarkt wäre?

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Fake-Umfrage? Deutsche „alles in allem“ mit ARD, ZDF und den dritten Programmen zufrieden

Was wollen all die Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eigentlich? Infratest-Dimap hat im Auftrag des SWR gerade herausgefunden, dass die Deutschen, also die 1004 von Infratest Befragten, für die behauptet wird, es ließen sich Rückschlüsse auf „alle Deutschen“ ziehen, mit „den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender“ zufrieden sind.

Alles in allem.
Hier der Beleg:

Die Frage dazu lautet:

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender wie ARD, ZDF und den dritten Programmen?

Wie gesagt, 1004 wurden befragt, wie viele geantwortet haben, das wissen wir nicht, aber 12% derer, die geantwortet haben, sind sehr zufrieden und 49% zufrieden. Dagegen sind 22% unzufrieden und 12% sehr unzufrieden.

Alles in allem.
Was ist nur alles in allem?
Was misst diese Frage eigentlich?

Sie misst: NICHTS.

Zum Beleg verändern wir die Frage ein wenig:

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Verleger wie Knaur, Rowohlt oder Suhrkamp?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Autobauer wie Audi, BMW, VW und Mercedes?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Gastronomie wie Kneipen, Restaurants und Cafes?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Kinos?
Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der Mitglieder der Deutschen Bäckerinnung?
Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Supermärkte?

Unter Befragten gibt es grundsätzlich eine Tendenz zur Zustimmung.

Diesen Zustimmungs-Bias kann man dadurch verstärken, dass man das Befragungsobjekt so umfassend und damit so vage beschreibt, dass sich jeder etwas anderes darunter vorstellen kann, aber keiner alles (in allem).

Die Gutmütigkeit der meisten Befragten wird dann dazu führen, wenn sie nicht unmittelbar zuvor eine schlechte Erfahrung gemacht haben, dem, wonach alles in allem gefragt wird, eine positive Erinnerung zuzuordnen und auf deren Grundlage alles in allem positiv zu bewerten.

Das ist Auftragsforschung und keine Meinungsforschung.
Und um die Frage in der Überschrift zu beantworten: Das ist Fake.

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Glyphosatanisten: Stimmungsmache in den Diskurswelten der Ahnungslosen

Wer heute etwas gelten will, der ist gegen Glyphosat.
Gegen Glyphosat oder Roundup, wie es früher hieß, zu sein, ist in, trendy und cool.

Der Linke von Welt ist gegen Glyphosat.
Der Gutmensch von Welt ist gegen Glyphosat.

Denn Glyphosat ist schlecht.

Es vernichtet nicht nur Unkraut, es ist auch karzinogen.
Es macht krank:
Menschen sterben …
erliegen dem Krebs …,
wegen Glyphosat…, 
wegen des Krebes durch Glyphosat, …
wegen Monsanto.

Monsanto, ist die Reinkarnation des Satans, den es zu zerstören gilt.

So der Diskurs in der Welt der Ahnungslosen.

Monsanto ist übrigens nur einer von gut 80 Herstellern von Glyphosat. Nachdem das Patent auf Glyphosat im Jahr 2000 ausgelaufen ist, wird das Unkrautvernichtungsmittel vornehmlich in China hergestellt.

Glyphosat ist übrigens auch kein Unkrautvernichtungsmittel, das ins Grundwasser gelangt, jedenfalls nicht leicht. Das ist mit für den Erfolg von Glyphosat verantwortlich. Glyphosat blockiert ein pflanzliches Enzym und wird fest an Bodenpartikel gebunden. Ein Eintrag ins Grundwasser ist nur schwer möglich. Obendrein ist Glyphosat für Bienen und andere Fluginsekten ungefährlich, denn es attackiert gezielt ein bestimmtes Enzym. Pflanzen haben dieses Enzym. Tiere und Menschen haben es nicht.

Kein Wunder also, dass Helmut Greim, David Saltmiras, Volker Mostert und Christian Strupp, die 14 Studien analysiert haben, in denen getestet wurde, ob Glyühosat kreberregend ist, zu einem eindeutigen Ergebnis kommen: Glyphosat ist für Menschen so harmlos wie Trinkwasser: Es gibt keinerlei Hinweise auf einen karzinogenen Effekt von Glyphosat.

“Glyphosate, an herbicidal derivative of the amino acid glycine, was introduced to agriculture in the 1970s. Glyphosate targets and blocks a plant metabolic pathway not found in animals, the shikimate pathway, required for the synthesis of aromatic amino acids in plants. After almost forty years of commercial use, and multiple regulatory approvals including toxicology evaluations, literature reviews, and numerous human health risk assessments, the clear and consistent conclusions are that glyphosate is of low toxicological concern, and no concerns exist with respect to glyphosate use and cancer in humans. This manuscript discusses the basis for these conclusions. Most toxicological studies informing regulatory evaluations are of commercial interest and are proprietary in nature. Given the widespread attention to this molecule, the authors gained access to carcinogenicity data submitted to regulatory agencies and present overviews of each study, followed by a weight of evidence evaluation of tumor incidence data. Fourteen carcinogenicity studies (nine rat and five mouse) are evaluated for their individual reliability, and select neoplasms are identified for further evaluation across the data base. The original tumor incidence data from study reports are presented in the online data supplement. There was no evidence of a carcinogenic effect related to glyphosate treatment. The lack of a plausible mechanism, along with published epidemiology studies, which fail to demonstrate clear, statistically significant, unbiased and non-confounded associations between glyphosate and cancer of any single etiology, and a compelling weight of evidence, support the conclusion that glyphosate does not present concern with respect to carcinogenic potential in humans.”

Wie gewöhnlich, lassen sich Panik-Aktivisten von Fakten und wissenschaftlicher Forschung nicht beeindrucken und versuchen, wie dies in der Vergangenheit der ARD-Monitor getan hat, diejenigen, deren wissenschaftliche Ergebnisse sie nicht widerlegen können, persönlich zu diskreditieren. Entsprechend hat es Helmut Greim getroffen.

Und wie gewöhnlich sind die Panik-Aktivisten nicht mit wissenschaftlicher Evidenz zu beeindrucken. Auf Kreuzzügen für das Gute stören Fakten in der Regel, weshalb die Grünen darüber schwadronieren, dass Glyphosat die Menschheit vergiftet, während Greenpeace und all die anderen, die pseudo-moralische Entrüstung als Ersatz für ihre nicht vorhandenen Kenntnisse benutzen, zum Sturm auf die Industrie-Bastille aufrufen: Die Guillotine steht auch schon bereit und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist der Erste, der aufs Schafott steigen soll, um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, hat er doch „im Alleingang“ wie es heißt, entschieden, dass Glyphosat fünf weitere Jahre in der EU zugelassen wird, nicht nur das, Schmidt hat mit seiner Zustimmung den Ausschlag im EU-Rat der Landwirtschaftsminister gegeben.

Seitdem herrscht das Pandemonium. Die Retter der Menschheit vor Krebs, die diese Rettung zu ihrem Lebenssinn erkoren haben, sind in geballter Wut über Schmidt hergefallen. Und wenn es darum geht, Stimmung zu machen, dann dürfen natürlich die sogenannten Meinungsforschungsinstitute der politischen und journalistischen Linken, allen voran Civey nicht fehlen. Dieses Institut, das es schaffen, selbst der nach-Forsa-Meinungsforschung noch einen schlechteren Namen zu geben, verschickt in seinen Befragtenpanels derzeit Emails mit dem folgenden Text

“Das gestrige Votum zu einer weiteren Verwendung des Unkrautgifts Glyphosat für fünf Jahre hat in der deutschen Politik für Empörung gesorgt. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte im EU-Parlament der Verlängerung zu, gegen den ausdrücklichen Willen der SPD. Renate Künast von den Grünen nannte dies einen “ungeheuren Vorgang”, Marco Buschmann von der FDP sieht eine „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung” und Andrea Nahles (SPD) spricht von einem „schweren Vertrauensbruch”.

Civey möchte von Ihnen wissen:

Wie bewerten Sie, dass Agrarminister Schmidt gegen den Willen der SPD der weiteren Zulassung von “Glyphosat” zugestimmt hat?”

Manipulation erfolgreich, Meinungsforschung tot.

Warum Civey das noch wissen will, ist eine spannende Frage, denn dass nach einer Einleitung, in der man denen, die man angeblich befragen will, gesagt hat, dass sie dann, wenn sie der Zustimmung von Schmidt positiv gegenüberstehen, sich zum einen nicht in die Reihe der Empörten stellen und zum anderen ziemlich alleine dastehen, weil sie den „ungeheuren Vorgang“, die „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung“ oder den „schweren Vertrauensbruch“ nicht verurteilen, ist sichergestellt, dass nicht viele die Aktion von Schmidt positiv bewerten werden.

Wenn es Civey also offensichtlich nicht darum geht, die Meinung der Befragten zu erfragen, dann kann es nur darum gehen, die Befragten dazu zu missbrauchen, Stimmung zu machen, sie zur Abgabe einer bestimmten Bewertung zu manipulieren. Wie das geht, haben Amos Tversky und Daniel Kahneman schon vor Jahren dargelegt. Wenn man Zustimmung will, muss man einen Rahmentext formulieren der Positives hervorhebt, wenn man Ablehnung will, dann muss man einen Rahmentext formulieren, der Befragten Negatives einhämmert. Civey hämmert seinen Befragten Negatives ein und bekommt zwar nicht deren Meinung, dafür aber, was gewollt war: Ablehnung des ungeheuren Vorgangs, der vorsätzlichen Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung, des schweren Vertrauensbruchs durch Schmidt.

Das hat mit Meinungsforschung nichts mehr zu tun, ist aber nützlich, um politische Stimmung zu machen, Menschen in die Pfanne zu hauen und der eigenen Peer-Group Hilfestellung dabei zu liefern, die Feinde der Befreiung von Glyphosat auf die Guillotine zu bringen.

Einen guten Text zum Thema Glyphosat gibt es beim European.

Informationen zum EU-Prozess der Glyphosat-Zulassung und weitere Analysen und Gutachten zu Glyphosat gibt es bei der EU-Commission.

Nachtrag:

Scheint ein heißes Thema zu sein.
Zu den Anfragen, die uns erreichen:

Die WHO teilt die Ansicht der European Food Safety Authority (EFSA) und des Bundesamts für Risikobewertung, dass Glyphosate NICHT krebserregend sind (und auch das Erbgut nicht schädigen).

Die Behauptung, Glyphosate hätten Erbdefekte zur Folge, geht auf diese Studie zurück, die u.a. vom BfR hier zerpflückt bzw. kritisiert wird.

Glyphosate als Rückstände in Bier (besteht aus Gerste, Gerste wird mit Glyphosaten behandelt) sind unschädlich und die Konzentration geht zurück.

Eine sehr lesenswerte Zusammenstellung der Irrtümer, falschen Behauptungen, Fake News und Lügen, die im Zusammenhang mit Glyphosaten im Umlauf sind, findet sich hier.

Viel Spass beim Lesen!

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Vom mündigen Bürger zum Reiz-Reaktions-Deppen: Spiegel/BENTO macht‘s möglich

Seit Verlage wie der Spiegel die Manipulations-Möglichkeiten die „online“-Echtzeitbefragung bieten, entdeckt haben und seit Civey angetreten ist, auch noch den Rest Glaubwüridgkeit zu beseitigen, den die Meinungsforschung auf welchen Wegen auch immer und gegen alle Wahrscheinlichkeit hat retten können, ist es vorbei mit der Glaubwürdigkeit und der Meinungsforschung. Beide sind im Maelstrohm der politischen Instrumentalisierung verschwunden und haben den Leumund der empirischen Sozialforschung mitgerissen.

Das neueste Beispiel eines so brachialen Versuchs der Meinungsmanipulation durch eine Meinungsabfrage stammt von BENTO, dem Spiegel-Ableger, der die 18- bis 30jährigen zur Zielgruppe hat, und wenn es diese Zielgruppe ist, die BENTO liest und nicht etwa die 6- bis 11jährigen, dann sagt dies einiges über den Infantilisierungsgrad von Teilen der deutschen Bevölkerung.

Im Zusammenhang mit den unsäglichen Ereignissen um den Antaios-Verlag auf der Deutschen Buchmesse, in deren Zusammenhang sich u.a. der deutsche Börsenverein als das rückwärtsgewandte, ewig-gestrige, sozialen Wandel bekämpfende Gremium von Pop-Oligarchen entpuppt hat, das er nun einmal ist, hat auch BENTO einen Beitrag, vermutlich auch mehrere Beiträge veröffentlicht. Zum Ende eines dieser Beiträge findet sich die folgende Meinungsabfrage, die Don Alphonso aufs Twitter –Korn genommen hat und in der er den Ausgang der Abfrage beklagt.

Und so schlimm das Ergebnis dieser „Meinungsabfrage“ auch sein mag, wir beklagen nicht das Ergebnis, wir beklagen die Tatsache, dass man das Klientel von BENTO offensichtlich mit den einfachsten Manipulations-Mitteln im Arsenal der Meinungsabfrage manipulieren kann.

Wir sprechen deshalb von Meinungsabfrage, weil dies mehr den Impetus der Schule mit sich bringt. Meinungsabfragen interessieren sich im Gegensatz zu Meinungsumfragen nicht dafür, welche Meinung die Befragten haben, sondern dafür, ob die Indoktrination dazu geführt hat, dass die abgefragte auch die politisch korrekte Meinung ist. Es ist wie in der Schule, der Lehrer (BENTO) prüft, ob seine Lehrinhalte (Indoktrination) von den Schülern (Lesern von BENTO) auch auswendig gelernt und aufgesagt werden können.

Die brachiale Manipulation, die in dieser Abfrage offenkundig ist, sie ist von Civey zu verantworten, einem Berliner Start-Up, das wohl angetreten ist, Meinungsumfragen zu erledigen und endgültig in Meinungsmanipulationen, die z.B. belegen, dass die meisten BENTO-Leser sich nicht einmal auf dem Entwicklungsstand von Pawlows Hund befinden, denn der hat ohne materielle Belohnung nichts getan, umzuformen.

Civey ist entsprechend unser Klassifikation somit als Junk-Institut anzusehen, und zwar aus folgenden Gründen:


Wollte man fragen, ob Leser der Ansicht sind, dass die Buchmesse nur bestimmten Verlagen zugänglich gemacht werden soll, dann würde man fragen:

Soll die Frankfurter Buchmesse für alle Verlage offen sein?

Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, wissen will, ob Leser radikale Verlage nicht auf der Buchmesse haben wollen, dann ist es ein methodischer Fehler, der zum Himmel schreit, wenn man diese Leser mit einem Stimulus ködert ohne ein Gegengewicht zu setzen, etwa so:

Sollen radikale (z.B. links- oder rechtsradikale) Buchverlage auf der Frankfurter Buchmesse zugelassen werden?

Wer seine Frage auf genau eine Seite des politischen Spektrums beschränkt ohne das Gegenstück des Linksradikalismus zu erwähnen, suggeriert damit, dass sich diese Frage überhaupt nur für rechtsradikale Verlage stellt, d.h. der wichtigste Stimulus in der Frage ist das Adjektiv „rechts“.

Das Adjektiv „rechtsradikal“, das hier anstelle von rechtspopulistisch oder rechtsextrem steht, kommt indes in der Frage gar nicht vor. In der Frage ist schlicht von „rechte[n] Verlage“ die Rede. Erst die Antwortmöglichkeiten:

“Ja, radikales Gedankengut hat in unserer Gesellschaft keinen Platz bzw.
Nein, auch rechtsradikale Meinungen müssen ausgehalten werden,”

stellen die Verbindung von „rechts“ und „radikal“ her. Sie tun das auf eine besonders perfide Weise, die in der positiven Antwort nahelegt, es gäbe nur einen Radikalismus der Rechten, was uns Liberale herzlich amüsiert und einmal mehr zeigt, wie borniert linke Manipulateure doch sind. Zudem wird „radikales Gedankengut“ mit „rechtsradikaler Meinung“ gleichgesetzt und da wir bereits wissen, dass „radikales Gedankengut“ nur von Rechts kommt, ist auch klar, dass BENTO hier abfragt, ob es gelungen ist, die eigenen Leser zu stupiden Aufsagern der indoktrinierten Meinung zu machen. Es gelingt trotz des verzweifelten Einsatzes all der brachialen Methoden für nur 67% der BENTO-Leser:

67% (von 20?) sind der Ansicht, dass radikales Gedankengut in unserer Gesellschaft keinen Platz habe, eine nette Absurdität, denn diese 67% vertreten hier natürlich überaus radikales Gedankengut, das auf eine 1000jährige Geschichte zurückblicken kann. Daraus, dass 67% nichts dabei finden, eine solche Absurdität als ihre Meinung auszugeben, kann man wiederum schließen, dass sie nicht darüber nachgedacht haben, was sie hier als ihre Meinung abgeben, sondern auf den Reiz „radikales Gedankengut“ im Zusammenhang mit „rechts“ reagiert haben. Rechts sowieso, aber besonders in Verbindung mit „radikal“ löst bei den 67% der Leser von BENTO, die entsprechend abgestimmt haben, eine, dem Speichelfluss von Pawlows Hund vergleichbare Reaktion aus, die dazu führt, dass sie ohne zu zögern und zu denken, alle Errungenschaften der modernen Demokratie über Bord werfen und sich in eine Reihe mit den Vätern des Ermächtigungsgesetzes stellen.

Wenn es die Absicht von BENTO ist, einen Teil seiner Leser zu affektiven Marionetten zu erziehen, die sich, wie es wohl die Leser von Streichers Stürmer getan haben, daran ergötzen, wenn der auserkorene Feind in welcher Form auch immer diskreditiert wird, wenn ihm demokratische Grundrechte verweigert werden, wenn er zum Aussätzigen erklärt und am besten interniert, in jedem Fall aber aus dem öffentlichen Leben entfernt wird, dann hat BENTO bei 67% (von 20?) Erfolg – ob man darauf stolz sein kann, formal betrachtet (und vermutlich auch inhaltlich) in einer Reihe mit Streichers Stürmer zu stehen, das ist eine andere Frage.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass diejenigen, die diese Frage zu verantworten haben, eine Schande für alle sind, die sich wirklich mit der Erforschung von Meinungen beschäftigen. Wenn Civey, wie wir begründet vermuten, für diese Frage verantwortlich ist, dann ist auch klar, welcher Agenda die Gründung und der schnelle Aufstieg dieses Berliner Instituts folgt.

Die Schleimscheißerei (Warum soll man etwas nicht beim Namen nennen?) „Du hast eine sehr differenzierte Meinung, wie sehen das Deine Freunde?“, mit der denjenigen unter den BENTO-Lesern, die besonders minderbemittelt sind, Honig ums Maul geschmiert werden soll, um auf diese Weise Zugriff auf ihre Facebook- und Twitter-Freunde zu erhalten, dient natürlich nur dazu, die von Cambridge Analytica erfundene Methode, so genannte BIG DATA zu sammeln, umzusetzen. Vermutlich sind die Informationen, die Civey auf diese Weise von den einfältigsten unter den BENTO-Lesern sammelt, bares Geld wert, wenn es darum geht, für andere Kunden Marketing-Kampagnen zu zimmern. Dies erklärt dann auch, warum Marketing-Konzeptze so häufig versanden und Geld kosten, aber nichts bringen, denn deren Zuschnitt basiert auf den Angaben von Einfältigen, die zum Glück immer noch eine Minderheit in der Gesellschaft sind.

Nachtrag:
Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass die Junk-Abfrage nach seiner Ansicht nicht von Civey, sondern von Opinary ist. Das macht es nicht wirklich anders. Letzteres ist ein Klon von Ersterem und verantwortlich wären entsprechend nicht “Gerrit, Janina, Oliver, Lian oder Adam, sondern Cornelius Frey, Pia, Max und Stephen.

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