Fake-Umfrage? Deutsche „alles in allem“ mit ARD, ZDF und den dritten Programmen zufrieden

Was wollen all die Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eigentlich? Infratest-Dimap hat im Auftrag des SWR gerade herausgefunden, dass die Deutschen, also die 1004 von Infratest Befragten, für die behauptet wird, es ließen sich Rückschlüsse auf „alle Deutschen“ ziehen, mit „den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender“ zufrieden sind.

Alles in allem.
Hier der Beleg:

Die Frage dazu lautet:

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender wie ARD, ZDF und den dritten Programmen?

Wie gesagt, 1004 wurden befragt, wie viele geantwortet haben, das wissen wir nicht, aber 12% derer, die geantwortet haben, sind sehr zufrieden und 49% zufrieden. Dagegen sind 22% unzufrieden und 12% sehr unzufrieden.

Alles in allem.
Was ist nur alles in allem?
Was misst diese Frage eigentlich?

Sie misst: NICHTS.

Zum Beleg verändern wir die Frage ein wenig:

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Verleger wie Knaur, Rowohlt oder Suhrkamp?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Autobauer wie Audi, BMW, VW und Mercedes?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Gastronomie wie Kneipen, Restaurants und Cafes?

Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Kinos?
Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der Mitglieder der Deutschen Bäckerinnung?
Wie zufrieden sind sie alles in allem mit den Angeboten der deutschen Supermärkte?

Unter Befragten gibt es grundsätzlich eine Tendenz zur Zustimmung.

Diesen Zustimmungs-Bias kann man dadurch verstärken, dass man das Befragungsobjekt so umfassend und damit so vage beschreibt, dass sich jeder etwas anderes darunter vorstellen kann, aber keiner alles (in allem).

Die Gutmütigkeit der meisten Befragten wird dann dazu führen, wenn sie nicht unmittelbar zuvor eine schlechte Erfahrung gemacht haben, dem, wonach alles in allem gefragt wird, eine positive Erinnerung zuzuordnen und auf deren Grundlage alles in allem positiv zu bewerten.

Das ist Auftragsforschung und keine Meinungsforschung.
Und um die Frage in der Überschrift zu beantworten: Das ist Fake.

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Glyphosatanisten: Stimmungsmache in den Diskurswelten der Ahnungslosen

Wer heute etwas gelten will, der ist gegen Glyphosat.
Gegen Glyphosat oder Roundup, wie es früher hieß, zu sein, ist in, trendy und cool.

Der Linke von Welt ist gegen Glyphosat.
Der Gutmensch von Welt ist gegen Glyphosat.

Denn Glyphosat ist schlecht.

Es vernichtet nicht nur Unkraut, es ist auch karzinogen.
Es macht krank:
Menschen sterben …
erliegen dem Krebs …,
wegen Glyphosat…, 
wegen des Krebes durch Glyphosat, …
wegen Monsanto.

Monsanto, ist die Reinkarnation des Satans, den es zu zerstören gilt.

So der Diskurs in der Welt der Ahnungslosen.

Monsanto ist übrigens nur einer von gut 80 Herstellern von Glyphosat. Nachdem das Patent auf Glyphosat im Jahr 2000 ausgelaufen ist, wird das Unkrautvernichtungsmittel vornehmlich in China hergestellt.

Glyphosat ist übrigens auch kein Unkrautvernichtungsmittel, das ins Grundwasser gelangt, jedenfalls nicht leicht. Das ist mit für den Erfolg von Glyphosat verantwortlich. Glyphosat blockiert ein pflanzliches Enzym und wird fest an Bodenpartikel gebunden. Ein Eintrag ins Grundwasser ist nur schwer möglich. Obendrein ist Glyphosat für Bienen und andere Fluginsekten ungefährlich, denn es attackiert gezielt ein bestimmtes Enzym. Pflanzen haben dieses Enzym. Tiere und Menschen haben es nicht.

Kein Wunder also, dass Helmut Greim, David Saltmiras, Volker Mostert und Christian Strupp, die 14 Studien analysiert haben, in denen getestet wurde, ob Glyühosat kreberregend ist, zu einem eindeutigen Ergebnis kommen: Glyphosat ist für Menschen so harmlos wie Trinkwasser: Es gibt keinerlei Hinweise auf einen karzinogenen Effekt von Glyphosat.

“Glyphosate, an herbicidal derivative of the amino acid glycine, was introduced to agriculture in the 1970s. Glyphosate targets and blocks a plant metabolic pathway not found in animals, the shikimate pathway, required for the synthesis of aromatic amino acids in plants. After almost forty years of commercial use, and multiple regulatory approvals including toxicology evaluations, literature reviews, and numerous human health risk assessments, the clear and consistent conclusions are that glyphosate is of low toxicological concern, and no concerns exist with respect to glyphosate use and cancer in humans. This manuscript discusses the basis for these conclusions. Most toxicological studies informing regulatory evaluations are of commercial interest and are proprietary in nature. Given the widespread attention to this molecule, the authors gained access to carcinogenicity data submitted to regulatory agencies and present overviews of each study, followed by a weight of evidence evaluation of tumor incidence data. Fourteen carcinogenicity studies (nine rat and five mouse) are evaluated for their individual reliability, and select neoplasms are identified for further evaluation across the data base. The original tumor incidence data from study reports are presented in the online data supplement. There was no evidence of a carcinogenic effect related to glyphosate treatment. The lack of a plausible mechanism, along with published epidemiology studies, which fail to demonstrate clear, statistically significant, unbiased and non-confounded associations between glyphosate and cancer of any single etiology, and a compelling weight of evidence, support the conclusion that glyphosate does not present concern with respect to carcinogenic potential in humans.”

Wie gewöhnlich, lassen sich Panik-Aktivisten von Fakten und wissenschaftlicher Forschung nicht beeindrucken und versuchen, wie dies in der Vergangenheit der ARD-Monitor getan hat, diejenigen, deren wissenschaftliche Ergebnisse sie nicht widerlegen können, persönlich zu diskreditieren. Entsprechend hat es Helmut Greim getroffen.

Und wie gewöhnlich sind die Panik-Aktivisten nicht mit wissenschaftlicher Evidenz zu beeindrucken. Auf Kreuzzügen für das Gute stören Fakten in der Regel, weshalb die Grünen darüber schwadronieren, dass Glyphosat die Menschheit vergiftet, während Greenpeace und all die anderen, die pseudo-moralische Entrüstung als Ersatz für ihre nicht vorhandenen Kenntnisse benutzen, zum Sturm auf die Industrie-Bastille aufrufen: Die Guillotine steht auch schon bereit und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist der Erste, der aufs Schafott steigen soll, um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, hat er doch „im Alleingang“ wie es heißt, entschieden, dass Glyphosat fünf weitere Jahre in der EU zugelassen wird, nicht nur das, Schmidt hat mit seiner Zustimmung den Ausschlag im EU-Rat der Landwirtschaftsminister gegeben.

Seitdem herrscht das Pandemonium. Die Retter der Menschheit vor Krebs, die diese Rettung zu ihrem Lebenssinn erkoren haben, sind in geballter Wut über Schmidt hergefallen. Und wenn es darum geht, Stimmung zu machen, dann dürfen natürlich die sogenannten Meinungsforschungsinstitute der politischen und journalistischen Linken, allen voran Civey nicht fehlen. Dieses Institut, das es schaffen, selbst der nach-Forsa-Meinungsforschung noch einen schlechteren Namen zu geben, verschickt in seinen Befragtenpanels derzeit Emails mit dem folgenden Text

“Das gestrige Votum zu einer weiteren Verwendung des Unkrautgifts Glyphosat für fünf Jahre hat in der deutschen Politik für Empörung gesorgt. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte im EU-Parlament der Verlängerung zu, gegen den ausdrücklichen Willen der SPD. Renate Künast von den Grünen nannte dies einen “ungeheuren Vorgang”, Marco Buschmann von der FDP sieht eine „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung” und Andrea Nahles (SPD) spricht von einem „schweren Vertrauensbruch”.

Civey möchte von Ihnen wissen:

Wie bewerten Sie, dass Agrarminister Schmidt gegen den Willen der SPD der weiteren Zulassung von “Glyphosat” zugestimmt hat?”

Manipulation erfolgreich, Meinungsforschung tot.

Warum Civey das noch wissen will, ist eine spannende Frage, denn dass nach einer Einleitung, in der man denen, die man angeblich befragen will, gesagt hat, dass sie dann, wenn sie der Zustimmung von Schmidt positiv gegenüberstehen, sich zum einen nicht in die Reihe der Empörten stellen und zum anderen ziemlich alleine dastehen, weil sie den „ungeheuren Vorgang“, die „vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung“ oder den „schweren Vertrauensbruch“ nicht verurteilen, ist sichergestellt, dass nicht viele die Aktion von Schmidt positiv bewerten werden.

Wenn es Civey also offensichtlich nicht darum geht, die Meinung der Befragten zu erfragen, dann kann es nur darum gehen, die Befragten dazu zu missbrauchen, Stimmung zu machen, sie zur Abgabe einer bestimmten Bewertung zu manipulieren. Wie das geht, haben Amos Tversky und Daniel Kahneman schon vor Jahren dargelegt. Wenn man Zustimmung will, muss man einen Rahmentext formulieren der Positives hervorhebt, wenn man Ablehnung will, dann muss man einen Rahmentext formulieren, der Befragten Negatives einhämmert. Civey hämmert seinen Befragten Negatives ein und bekommt zwar nicht deren Meinung, dafür aber, was gewollt war: Ablehnung des ungeheuren Vorgangs, der vorsätzlichen Verletzung der gemeinsamen Geschäftsordnung, des schweren Vertrauensbruchs durch Schmidt.

Das hat mit Meinungsforschung nichts mehr zu tun, ist aber nützlich, um politische Stimmung zu machen, Menschen in die Pfanne zu hauen und der eigenen Peer-Group Hilfestellung dabei zu liefern, die Feinde der Befreiung von Glyphosat auf die Guillotine zu bringen.

Einen guten Text zum Thema Glyphosat gibt es beim European.

Informationen zum EU-Prozess der Glyphosat-Zulassung und weitere Analysen und Gutachten zu Glyphosat gibt es bei der EU-Commission.

Nachtrag:

Scheint ein heißes Thema zu sein.
Zu den Anfragen, die uns erreichen:

Die WHO teilt die Ansicht der European Food Safety Authority (EFSA) und des Bundesamts für Risikobewertung, dass Glyphosate NICHT krebserregend sind (und auch das Erbgut nicht schädigen).

Die Behauptung, Glyphosate hätten Erbdefekte zur Folge, geht auf diese Studie zurück, die u.a. vom BfR hier zerpflückt bzw. kritisiert wird.

Glyphosate als Rückstände in Bier (besteht aus Gerste, Gerste wird mit Glyphosaten behandelt) sind unschädlich und die Konzentration geht zurück.

Eine sehr lesenswerte Zusammenstellung der Irrtümer, falschen Behauptungen, Fake News und Lügen, die im Zusammenhang mit Glyphosaten im Umlauf sind, findet sich hier.

Viel Spass beim Lesen!

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Vom mündigen Bürger zum Reiz-Reaktions-Deppen: Spiegel/BENTO macht‘s möglich

Seit Verlage wie der Spiegel die Manipulations-Möglichkeiten die „online“-Echtzeitbefragung bieten, entdeckt haben und seit Civey angetreten ist, auch noch den Rest Glaubwüridgkeit zu beseitigen, den die Meinungsforschung auf welchen Wegen auch immer und gegen alle Wahrscheinlichkeit hat retten können, ist es vorbei mit der Glaubwürdigkeit und der Meinungsforschung. Beide sind im Maelstrohm der politischen Instrumentalisierung verschwunden und haben den Leumund der empirischen Sozialforschung mitgerissen.

Das neueste Beispiel eines so brachialen Versuchs der Meinungsmanipulation durch eine Meinungsabfrage stammt von BENTO, dem Spiegel-Ableger, der die 18- bis 30jährigen zur Zielgruppe hat, und wenn es diese Zielgruppe ist, die BENTO liest und nicht etwa die 6- bis 11jährigen, dann sagt dies einiges über den Infantilisierungsgrad von Teilen der deutschen Bevölkerung.

Im Zusammenhang mit den unsäglichen Ereignissen um den Antaios-Verlag auf der Deutschen Buchmesse, in deren Zusammenhang sich u.a. der deutsche Börsenverein als das rückwärtsgewandte, ewig-gestrige, sozialen Wandel bekämpfende Gremium von Pop-Oligarchen entpuppt hat, das er nun einmal ist, hat auch BENTO einen Beitrag, vermutlich auch mehrere Beiträge veröffentlicht. Zum Ende eines dieser Beiträge findet sich die folgende Meinungsabfrage, die Don Alphonso aufs Twitter –Korn genommen hat und in der er den Ausgang der Abfrage beklagt.

Und so schlimm das Ergebnis dieser „Meinungsabfrage“ auch sein mag, wir beklagen nicht das Ergebnis, wir beklagen die Tatsache, dass man das Klientel von BENTO offensichtlich mit den einfachsten Manipulations-Mitteln im Arsenal der Meinungsabfrage manipulieren kann.

Wir sprechen deshalb von Meinungsabfrage, weil dies mehr den Impetus der Schule mit sich bringt. Meinungsabfragen interessieren sich im Gegensatz zu Meinungsumfragen nicht dafür, welche Meinung die Befragten haben, sondern dafür, ob die Indoktrination dazu geführt hat, dass die abgefragte auch die politisch korrekte Meinung ist. Es ist wie in der Schule, der Lehrer (BENTO) prüft, ob seine Lehrinhalte (Indoktrination) von den Schülern (Lesern von BENTO) auch auswendig gelernt und aufgesagt werden können.

Die brachiale Manipulation, die in dieser Abfrage offenkundig ist, sie ist von Civey zu verantworten, einem Berliner Start-Up, das wohl angetreten ist, Meinungsumfragen zu erledigen und endgültig in Meinungsmanipulationen, die z.B. belegen, dass die meisten BENTO-Leser sich nicht einmal auf dem Entwicklungsstand von Pawlows Hund befinden, denn der hat ohne materielle Belohnung nichts getan, umzuformen.

Civey ist entsprechend unser Klassifikation somit als Junk-Institut anzusehen, und zwar aus folgenden Gründen:


Wollte man fragen, ob Leser der Ansicht sind, dass die Buchmesse nur bestimmten Verlagen zugänglich gemacht werden soll, dann würde man fragen:

Soll die Frankfurter Buchmesse für alle Verlage offen sein?

Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, wissen will, ob Leser radikale Verlage nicht auf der Buchmesse haben wollen, dann ist es ein methodischer Fehler, der zum Himmel schreit, wenn man diese Leser mit einem Stimulus ködert ohne ein Gegengewicht zu setzen, etwa so:

Sollen radikale (z.B. links- oder rechtsradikale) Buchverlage auf der Frankfurter Buchmesse zugelassen werden?

Wer seine Frage auf genau eine Seite des politischen Spektrums beschränkt ohne das Gegenstück des Linksradikalismus zu erwähnen, suggeriert damit, dass sich diese Frage überhaupt nur für rechtsradikale Verlage stellt, d.h. der wichtigste Stimulus in der Frage ist das Adjektiv „rechts“.

Das Adjektiv „rechtsradikal“, das hier anstelle von rechtspopulistisch oder rechtsextrem steht, kommt indes in der Frage gar nicht vor. In der Frage ist schlicht von „rechte[n] Verlage“ die Rede. Erst die Antwortmöglichkeiten:

“Ja, radikales Gedankengut hat in unserer Gesellschaft keinen Platz bzw.
Nein, auch rechtsradikale Meinungen müssen ausgehalten werden,”

stellen die Verbindung von „rechts“ und „radikal“ her. Sie tun das auf eine besonders perfide Weise, die in der positiven Antwort nahelegt, es gäbe nur einen Radikalismus der Rechten, was uns Liberale herzlich amüsiert und einmal mehr zeigt, wie borniert linke Manipulateure doch sind. Zudem wird „radikales Gedankengut“ mit „rechtsradikaler Meinung“ gleichgesetzt und da wir bereits wissen, dass „radikales Gedankengut“ nur von Rechts kommt, ist auch klar, dass BENTO hier abfragt, ob es gelungen ist, die eigenen Leser zu stupiden Aufsagern der indoktrinierten Meinung zu machen. Es gelingt trotz des verzweifelten Einsatzes all der brachialen Methoden für nur 67% der BENTO-Leser:

67% (von 20?) sind der Ansicht, dass radikales Gedankengut in unserer Gesellschaft keinen Platz habe, eine nette Absurdität, denn diese 67% vertreten hier natürlich überaus radikales Gedankengut, das auf eine 1000jährige Geschichte zurückblicken kann. Daraus, dass 67% nichts dabei finden, eine solche Absurdität als ihre Meinung auszugeben, kann man wiederum schließen, dass sie nicht darüber nachgedacht haben, was sie hier als ihre Meinung abgeben, sondern auf den Reiz „radikales Gedankengut“ im Zusammenhang mit „rechts“ reagiert haben. Rechts sowieso, aber besonders in Verbindung mit „radikal“ löst bei den 67% der Leser von BENTO, die entsprechend abgestimmt haben, eine, dem Speichelfluss von Pawlows Hund vergleichbare Reaktion aus, die dazu führt, dass sie ohne zu zögern und zu denken, alle Errungenschaften der modernen Demokratie über Bord werfen und sich in eine Reihe mit den Vätern des Ermächtigungsgesetzes stellen.

Wenn es die Absicht von BENTO ist, einen Teil seiner Leser zu affektiven Marionetten zu erziehen, die sich, wie es wohl die Leser von Streichers Stürmer getan haben, daran ergötzen, wenn der auserkorene Feind in welcher Form auch immer diskreditiert wird, wenn ihm demokratische Grundrechte verweigert werden, wenn er zum Aussätzigen erklärt und am besten interniert, in jedem Fall aber aus dem öffentlichen Leben entfernt wird, dann hat BENTO bei 67% (von 20?) Erfolg – ob man darauf stolz sein kann, formal betrachtet (und vermutlich auch inhaltlich) in einer Reihe mit Streichers Stürmer zu stehen, das ist eine andere Frage.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass diejenigen, die diese Frage zu verantworten haben, eine Schande für alle sind, die sich wirklich mit der Erforschung von Meinungen beschäftigen. Wenn Civey, wie wir begründet vermuten, für diese Frage verantwortlich ist, dann ist auch klar, welcher Agenda die Gründung und der schnelle Aufstieg dieses Berliner Instituts folgt.

Die Schleimscheißerei (Warum soll man etwas nicht beim Namen nennen?) „Du hast eine sehr differenzierte Meinung, wie sehen das Deine Freunde?“, mit der denjenigen unter den BENTO-Lesern, die besonders minderbemittelt sind, Honig ums Maul geschmiert werden soll, um auf diese Weise Zugriff auf ihre Facebook- und Twitter-Freunde zu erhalten, dient natürlich nur dazu, die von Cambridge Analytica erfundene Methode, so genannte BIG DATA zu sammeln, umzusetzen. Vermutlich sind die Informationen, die Civey auf diese Weise von den einfältigsten unter den BENTO-Lesern sammelt, bares Geld wert, wenn es darum geht, für andere Kunden Marketing-Kampagnen zu zimmern. Dies erklärt dann auch, warum Marketing-Konzeptze so häufig versanden und Geld kosten, aber nichts bringen, denn deren Zuschnitt basiert auf den Angaben von Einfältigen, die zum Glück immer noch eine Minderheit in der Gesellschaft sind.

Nachtrag:
Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass die Junk-Abfrage nach seiner Ansicht nicht von Civey, sondern von Opinary ist. Das macht es nicht wirklich anders. Letzteres ist ein Klon von Ersterem und verantwortlich wären entsprechend nicht “Gerrit, Janina, Oliver, Lian oder Adam, sondern Cornelius Frey, Pia, Max und Stephen.

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Lügen sind im ZDF wie weit verbreitet? ZDF-Politbarometer: Schade um die Forschungsgruppe Wahlen

Manfred Berger ist tot.

Dieter Roth und Wolfgang Gibowski sind ausgeschieden.

Von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen ist nicht viel geblieben. Einst war die Forschungsgruppe das Aushängeschild der Wahlforschung in Deutschland, die Hochrechnungen nach den Landtags- und Bundestagswahlen waren regelmäßig besser als die der Konkurrenz von Infas oder Infratest. Die Befragungen waren in Methodik und Umsetzung mit das Beste, was man an Wahlforschung in Deutschland bekommen konnte. So gut, dass selbst Redaktionsangehörige von ScienceFiles ihre Magisterarbeit mit den Daten der Forschungsgruppe Wahlen bestritten haben

Das ist lange her.

Heute ist die Forschungsgruppe Wahlen zum Lieferanten gewünschter Ergebnisse geworden. Das ZDF bestellt, die Forschungsgruppe liefert. Das ZDF bestellt die Einschätzung, dass die AfD rechtsextrem ist, die Forschungsgruppe liefert. Anders als über einen solchen Ablauf lässt sich die folgende abgrundtief dumme Frage, die gegen jeden Grundsatz der empirischen Sozialforschung verstößt, nicht mehr erklären:

“Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der AfD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?”

Es genügt bereits zwei eherne Grundsätze der empirischen Sozialforschung anzuführen, um zu zeigen, dass diese Frage einzig und allein der Stimmungsmache (oder Hetze?) gegen die AfD dient.

Grundsatz 1:

Fragen müssen einen klar benennbaren und eindeutigen Gegenstand haben, vom dem sicher ist, dass ihn die meisten Befragten kennen.

Grundsatz 2:

Fragen müssen vollständig sein.

Fangen wir hinten an.

Vollständigkeit

Die Forderung nach Vollständigkeit soll u.a. ausschließen, dass Ergebnisse von Befragungen manipuliert werden können. Aber das ist nur sekundär. Primär soll Vollständigkeit gewährleisten, dass man auf Grundlage der eigenen Ergebnisse auch etwas aussagen kann.

Das ist im vorliegenden Fall nicht möglich.
Die Frage ist vergleichbar mit dem Versuch, die Position eines Schiffes mitten im Ozean dadurch zu bestimmen, dass man ein Lineal ins Wasser wirft. Auf Grundlage der Antworten kann man KEINE relevante Aussage machen. Damit man eine relevante Aussage machen kann, benötigt man eine Vergleichsgruppe. Die Vergleichsgruppe kann man z.B. dadurch schaffen, dass man fragt:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der CDU sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der SPD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Zu Vergleichszwecken muss man mit funktionaler Äquivalenz zu arbeiten:

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind bei Bündnis90/Grüne sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Wer eine Frage wie die stellt, die die Forschungsgruppe Wahlen gestellt hat, hat einzig und allein die Diskreditierung des Frageobjekts zum Ziel.

Oder ein anderes Beispiel: Was meinen Sie: Gewaltbereitschaft ist in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Als Ergebnis der Antworten auf diese Frage können wir dann die LINKE als gewaltbereite Nachfolgepartei der SED, die ja auch schon gewaltbereit war, darstellen. Dass wir das können, ist jetzt schon sicher. Es ist Ergebnis der Art und Weise der Frageformulierung und der Unvollständigkeit der Frage.

Punkt 2:

Eindeutigkeit

Was nutzen Fragen oder Items in Befragungen, bei denen man nicht weiß, was damit gemessen wird? Sie nutzen natürlich dem, der die Vagheit seiner Fragen ausnutzen will, um allen Befragten seine Interpretation dessen, was gefragt wurde, unterzuschieben. Sie nutzen dem, der manipulieren will.

Rechtsextremismus.
Was ist Rechtsextremismus?

  • Ist Rechtsextremismus die NSDAP?
  • Ist Rechtsextremismus die NPD?
  • Ist Rechtsextremismus, wenn man Ausländer nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man Linke nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man denkt, manche Menschen seien, weil sie mehr leisten, mehr wert als andere, die weniger leisten?
  • Ist Rechtsextremismus dasselbe wie “Neoliberalismus”?
  • Ist Rechtsextremismus die extreme Variante von Rechtsradikalismus, die Gewaltbereitschaft voraussetzt?
  • Ist Rechtsextremismus eine andere Bezeichnung für Patriotismus?
  • Ist Rechtsextremismus alles, was nicht Linksextremismus ist?

Wir könnten die Reihe der Frage fast endlos fortsetzen, aber der Punkt ist gemacht: Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten von uns werden übereinstimmen. Tatsächlich ist es so, dass nicht einmal Politikwissenschaftler in der Frage, was unter Rechtsextremismus verstanden werden soll, übereinstimmen.

Rechtsextremismus ist als Begriff demnach vollkommen unbestimmt. Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten wären in der Lage, diese Vorstellung in konkrete Begriffe zu fassen.

Und nun werden 1000 Befragte gefragt, ob etwas, von dem sie keine genaue Vorstellung haben in der AfD weit verbreitet, verbreitet usw. ist. Sie werden also, um den manipulativen Unsinn auf die Spitze zu treiben, aufgefordert, eine Einschätzung auf Basis einer Vollerhebung zu machen, einer Vollerhebung über die Mitglieder der AfD, Funktionsträger der AfD, die kleinen und großen Anfragen der AfD im Sächsischen Landtag, die Rede von von Meuthen in Regensburg usw. Wer Befragte vor eine solche Aufgabe stellt, hat offensichtlich kein Interesse daran, eine sinnvolle und brauchbare Frage zu stellen. Sein Interesse besteht darin, eine Frage zu formulieren, deren Ergebnisse sich gegen das Befragungsobjekt verwenden lassen.

Das hat nichts mit empirischer Sozialforschung, ja nicht einmal mit Umfrageforschung zu tun. Es ist Manipulation auf Grundlage einer Ideologie, Manipulation mit dem Ziel, eine politische Partei zu diskreditieren.

Und was misst die Frage letztlich? Ob es gelungen ist, Rechtsextremismus zu einer Art Catch-All-Begriff zu machen, mit dem man Objekte, Parteien, Personen, die ideologisch nicht passen, etikettieren und negativ bewerten kann.  Letztlich wird gemessen, ob wir fähig sind, an einem Sprachspiel teilzunehmen: Wir reden über etwas, von dem wir keine Ahnung haben, und behaupten, es sei in einer Partei, von der wir nur wissen, was uns die Medien präsentieren, vorhanden. Was man also misst ist, ob die Indoktrination durch öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland erfolgreich war.

Es ist schade und eine Schande, was aus der Forschungsgruppe Wahlen geworden ist.

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Gehört der Islam zu Deutschland?

Die Epoch Times berichtet heute von einer natürlich repräsentativen Befragung, die INSA für die BILD Zeitung durchgeführt hat. Befragt wurden 1000 Personen ob sie der Ansicht seien, dass der Islam zu Deutschland gehöre. 60%, teilten diese Aussage nicht, 24% gaben an, die Aussage zu teilen.

INSA scheint sich darauf spezialisiert zu haben, die Frage nach der Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland zu stellen. Vor einigen Wochen wurde dieselbe Frage im Auftrag des Cicero gestellt:

„Das Ergebnis damals: Nicht einmal jeder sechste Deutsche (17,9 Prozent) ist der Meinung, dass der Islam zu Deutschland gehört. Zwei Drittel der Befragten (64,2 Prozent) lehnen diese Aussage des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und der Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag von Cicero hervor.“

Nun addieren sich beide Male die Anteile nicht auf 100%, so dass man sich fragt, was ist mit den fehlenden einmal 16% und einmal 17,9% passiert? Haben die Befragten keine Meinung oder wohin sind sie verschwunden? Es gehört schon lange nicht mehr zur Lauterkeit der Berichterstattung, den Lesern genau mitzuteilen, wie die Frage, deren Ergebnisse verbreitet werden, eigentlich formuliert wurde und welche Antwortalternativen es gab.

Nach aller Erfahrung kann man davon ausgehen, dass die Frageformulierung durch INSA in etwa so aussieht:

Wie sehr stimmen Sie der Aussage: „Der Islam gehört zu Deutschland“ zu?
Voll und ganz, eher, eher nicht, überhaupt nicht.
Der Witz an solchen Frageformulierungen ist die Abstufung der Antwortmöglichkeiten. Genau diese Abstufung geht regelmäßig verloren, wenn die Ergebnisse berichtet werden.

Aber lassen wir das.
Fragen wir lieber: Was misst die Frage eigentlich?
Was ist der Gehalt der Aussage, der Islam gehört zu Deutschland?

Ist die Aussage normativ? Soll gemessen werden, ob die Befragten der Ansicht sind, dass Deutschland und Islam kompatibel oder eben nicht kompatibel sind?

Ist die Aussage deskriptiv? Soll geprüft werden, ob die Befragten wissen, dass in Deutschland rund 4,5 Millionen Muslime leben und damit zwangsläufig ein Teil Deutschlands sind, eben weil sei auf dem deutschen Staatsgebiet leben?

Wenn die Aussage deskriptiv ist, dann folgt aus der Verteilung der Antworten, dass gut 60% der Befragten nichts über das Land, in dem sie leben, wissen.

Wenn die Aussage normativ ist, dann wissen wir jetzt, dass gut 60% der Befragten es ablehnen, den Islam als Bestandteil von Deutschland anzusehen.

Aber was ist mit Deutschland gemeint?

Das Staatsgebiet? Die Nation?

Die deutsche Kultur, also alle kulturellen Leistungen, die z.B. von Deutschen geschaffen wurden und die nun als die deutsche Kultur konstituierend angesehen werden, von den schwäbischen Maultauschen über Ernst Schrödinger bis zu VW?

Das deutsche Narrativ, also das, was den Staat Deutschland als solchen konstituiert, die historischen Begebenheiten, die zusammengenommen die Existenz von Deutschland nach sich gezogen haben, von der Schaffung der Bonner Republik durch die West-Alliierten über den Vereinigung der beiden Deutschlands bis zum Verzicht auf Kernenergie?

Wozu gehört der Islam nach Ansicht der Mehrheit der Deutschen also nicht oder was um aller Götter willen wurde hier gemessen?

Zyklon b gehört zu Deutschland.

Rechtlich und formal haben Religionen überhaupt nichts mit Deutschland zu tun, denn Deutschland ist ein säkularer Staat. Konsequenterweise gehören auch das Christentum und das Judentum nicht zu Deutschland.

Kulturell ist das anders. Die deutsche Kultur enthält christliche und jüdische Elemente, sie enthält aber auch arabische Elemente, z.B. den Döner oder die Algebra. Kultur ist offensichtlich fluide und längst voller arabischer Einflüsse, z.B. in gerösteter und aufgebrühter Form. Folglich wäre es abermals sinnlos, den arabischen Beitrag zur deutschen Kultur zu leugnen. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob man arabische Kulturleistungen zu 100% mit dem Islam gleichsetzen kann.

Bleibt der politische Narrativ, der letztlich das demokratische Deutschland zum Gegenstand hat, seine Normen und die Werte, auf denen es aufbaut. Abermals sind diese Normen flüssig. Der Kampf, den Homosexuelle und Feministen führen, ist ein Kampf, der das demokratische Deutschland, wie man es aus den 1950er Jahren kennt, verändern soll. Witziger weise stehen Muslime mit den Werten, die sie mehrheitlich teilen, zumeist in Opposition zu der Gesellschaft, die Feministen und Homosexuellen vorschwebt, sind sie mit ihren Moralvorstellungen eher Vertreter der 1950er und 1960er Jahre in Deutschland.

All die Versuche, die so pauschal formulierte Frage mit Sinn zu füllen, scheitern, weil man letztlich zu der Einsicht kommt, dass es „den Islam“ nicht gibt. Es gibt eine Vielzahl von Vorstellungen über den Islam, und niemand weiß, welche Vorstellung derjenige, der gerade sagt, er sei eher der Ansicht, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, hat. Fragen wie die dargestellte, sind absoluter Unsinn und nur da denkbar, wo Sozialforschung eher daran interessiert ist, Beiträge zum Populismus zu erbringen, als daran, wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren.

Variieren wir die pauschale Frage, und ihre Nutzlosigkeit wird sehr deutlich:
Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

  • Der Nationalsozialismus gehört zu Deutschland.
  • Deutsch Südwest-Afrika gehört zu Deutschland.
  • Die Zeugen Jehovas gehören zu Deutschland.
  • Die Bader-Meinhof-Gruppe gehört zu Deutschland.
  • Der Genderismus gehört zu Deutschland.
  • Hein Rühmann gehört zu Deutschland.
  • Die SED gehört zu Deutschland.
  • Der Marxismus gehört zu Deutschland.
  • Die Franziskaner gehören zu Deutschland.
  • Der Holocaust gehört zu Deutschland.
  • Die Münchner Räterepublik gehört zu Deutschland.
  • Das Oktoberfest gehört zu Deutschland.
  • Die Olympischen Sommerspiele von 1972 gehören zu Deutschland.
  • Stechmücken gehören zu Deutschland.
  • Der Kaiser gehört zu Deutschland.
  • Die Polen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts ins Ruhrgebiet eingewandert sind, gehören zu Deutschland.
  • Die Polen, die in den letzten Jahren zugewandert sind, gehören zu Deutschland.
  • Rußlanddeutsche gehören zu Deutschland.
  • Der 30jährige Krieg gehört zu Deutschland.
  • Die Aufklärung gehört nicht zu Deutschland.
  • Kritischer Rationalismus gehört zu Deutschland.
  • Kapitalisten gehören zu Deutschland.
  • Pfälzer gehören nicht zu Deutschland.
    Usw.

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