Extremismus-Trittbrettfahren: Leipziger “Forscher” surfen die Hanau-Welle

Die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert Stiftung, die bei der Heinrich-Böll-Stiftung aus Gründen der Differenzierung als Autoritarismus-Studien bezeichnet werden, wohl damit nicht sofort klar ist, dass es sich um die Studien handelt, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung und von der Heinrich-Böll-Stiftung (und der Otto-Brenner-Stiftung), also über diese Stiftungen, die natürlich keine Stiftungen, sondern eingetragene Vereine sind, von Steuerzahlern (und IG-Metall-Mitgliedern) bezahlt werden, haben wir auf ScienceFiles schon mehrfach einer grundlegenden Kritik unterzogen.

Wer es im Einzelnen nachlesen will, der kann das hier tun.

Heute gibt es eine Zweitverwertung aus Leipzig zu vermelden, eine Studie, die zeigen soll, dass Rechtsextremismus, Gewaltbereitschaft, Antisemitismus und Verschwörungsmentalität bei AfD-Wählern häufiger zu finden ist, als bei den Wählern anderer Parteien. Und nicht nur das: Liest man die Pressemeldung, die die Leipziger Universität fabriziert hat, dann bekommt man das mulmige Gefühlt, das Parteipolitik längst einen direkten Zugriff auf die Pressestellen mancher Universitäten hat. Dazu kommen wir gleich noch.



Beginnen wir mit der Aufzählung der Verantwortlichen. Neben den üblichen Verdächtigen: Oliver Decker und Elmar Brähler – zwei ausgewiesenen Koryphäen für – jedenfalls nicht für empirische Sozialforschung – haben Julia Schuler und Johannes Kiess die Auswertung antiquierter Daten zu verantworten, die man hier herunterladen kann.

Antiquiert sind die Daten deshalb, weil sie im Rahmen der “Leipziger Autoritarismus-Studie 2018”, also der von der Grünen Stiftung, die den Namen von Heinrich-Böll trägt, finanzierten “Autoritarismus-Studie” erhoben wurden. Nun sind alte Daten dann kein Problem, wenn man theoretische Fragestellungen untersuchen will. Zusammenhänge, die auf einem entsprechenden Allgemeinheitsniveau formuliert worden sind, und die KEINE schnell veränderlichen Einstellungen oder sonstigen kurzlebigen Junk zum Gegenstand haben, kann man auch mit alten Daten untersuchen. Was man mit alten Daten nicht untersuchen kann und schon gar nicht aus ihnen ableiten kann, sind aktuelle Fragestellungen und Aussagen über aktuelle politische Gegenstände.

Aber genau das wollen/sollen Decker und Konsorten machen. Sie wollen, aus unserer Sicht, die Hanau-Welle reiten und ihr “Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus und Demokratieforschung”, bei dem wir immer noch die Kompetenz suchen, in die Medien bringen. Und was wäre in diesem Zusammenhang besser geeignet, als Aussagen zu treffen, die der AfD bzw. deren Wählern Antisemitismus, Rechtsextremismus und was sonst gerade unter Linken in Mode ist, richtig: Muslimfeindlichkeit, zu unterstellen, um auf dieser Grundlage dann Aussagen zu formulieren, die zeigen, dass die Leipziger “Kompetenzzentrierten” den Boden lauterer, fairer und vor allem, methodisch sauberer Forschung längst verlassen haben.

Dazu kommen wir noch.

Zunächst die Begründung, warum man mit alten Daten keine aktuellen politischen Aussagen treffen kann.

Die Feldzeit für die Autoritarismus-Studie, also die von der Heinrich-Böll-Stiftung finanzierte Studie, war von Mai bis Juli 2018. Damals haben die Mannen aus dem Leipziger Kompetenzzentrum die sogenannte Sonntagsfrage gestellt. Sie wissen schon: Wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre und so weiter.

Das Ergebnis, das sie auf diese Frage erhalten haben, haben wir in der folgenden Abbildung dem Ergebnis der letzten Umfrage von Infratest-Dimap gegenübergestellt. Stunning, isn’t it.

Einmal davon abgesehen, dass die Abweichungen zwischen den alten Daten der Leipziger aus dem Kompetenzzentrum und den neuen Daten von Infratest-Dimap größer sind als die Übereinstimmungen, stellt sich natürlich grundsätzlich die Frage, was die Befragten, die im Mai/Juni 2018 angegeben haben, SPD, B90/G oder AfD zu wählen, heute angeben, wenn man sie nach ihrer Wahlabsicht fragt. Dahinter verbirgt sich ein massives Problem, mit dem die Wahlforschung, deren Befunde im Leipziger “Kompetenzzentrum” offenkundig unbekannt sind, seit Jahrzehnten zu kämpfen hat.

Machen wir das Problem an einem Längsschnittdatensatz deutlich, bei dem DIESELBEN Befragten vor und nach einer Wahl befragt werden. Vor der Wahl hat man das Problem, dass viele nicht wissen, wen sie wählen werden und die späteren Wahlverlierer grundsätzlich besser abschneiden als sie es dann tatsächlich tun. Nach der Wahl hat man das Problem, dass die Befragten in viel größerem Ausmaß, als es das tatsächliche Wahlergebnis ausdrückt, angeben, sie hätten den Wahlgewinner gewählt. Kurz: Daten zur Wahlabsicht sind notorisch, notorisch schlecht.

Dennoch wollen uns die Herrschaften aus dem Kompetenzzentrum in Leipzig erzählen, die Leute, die im Mai und im Juni 2018 angegeben haben, sie würden AfD wählen, würden auch heute noch AfD wählen und die Leute, die 2018 angegeben haben, sie würden SPD wählen, würden auch heute noch SPD wählen. Das ist Blockdenken, das selbst Hajo Funke zu eindimensional wäre, und es ist offenkundiger Unsinn, und weil es offenkundiger Unsinn ist, kann man auf Grundlage dieser antiquierten Daten keinerlei Aussagen über die Jetztzeit machen. Bestenfalls kann man Aussagen treffen wie: Unter denen, die im Mai/Juni 2018 angegeben haben, die SPD zu wählen, haben XY% angegeben, dass sie OD zum Kotzen finden. Aber mit solchen Aussagen kann man natürlich keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken und keinen Beitrag in taz oder dem Frankfurter Versuch, Zeitung zu machen, der Rundschau bekommen.

Ergo muss man behaupten, was man auf Grundlage dessen, was man gemessen hat, gar nicht behaupten kann, um die Aufmerksamkeit der Journalisten-Darsteller zu erheischen, die alles drucken, solange es gegen die AfD geht.



Bevor wir zu den vollmundigen Behauptungen, die aus dem Kompetenzzentrum, das immer mehr einem Internierungslager für Lernschwache der Politikwissenschaft gleicht, kommen, noch ein Wort zu dem, was die Leipziger angeblich gemessen haben wollen, z.B. Muslimfeindlichkeit oder Muslimfeindschaft, wie es in Leipzig heißt.

Muslimfeindschaft liegt dann vor, wenn den folgenden drei Aussagen zugestimmt oder voll und ganz zugestimmt wird.

  • Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.
  • Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.
  • Die meisten Asylbewerber befürchten nicht wirklich, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.

Die erste Aussage ist suggestiv und deshalb unbrauchbar. Wer von “vielen Muslimen” schreibt, muss sich nicht wundern, wenn er hohe Zustimmungswerte erhält, aber vielleicht will er das ja. Die Grenze zwischen unbewusster Suggestion, die sich aufgrund methodischer Unfähigkeit einstellt, und absichtlicher Suggestion, die der Manipulation dient, ist fließend.

Die zweite Aussage ist unbrauchbar, weil man mit dieser Frage nicht ausschließen kann, dass ein Befragter jede Art von Zuwanderung, also nicht nur die von Muslimen untersagt sehen will. Gemessen würde dann nicht Muslimfeindschaft, was ohnehin kein wissenschaftliches, sondern ein ideologisches Konzept ist, mit dem sich entsprechend keine Wissenschaftler, sondern ausschließlich Ideologen abgeben, sondern die Befürwortung einer Beschränkung der Zuwanderung, und eine solche Befürwortung ist nichts, was irgend eine Feindschaft oder einen sonstigen ideologischen Mumpitz nahelegt, sondern die Wahrnehmung des Rechtes, den Zugang zu den eigenen Ressourcen nicht Hinz und Kunz zu gewähren.

Die dritte Aussage misst überhaupt nichts, was irgendwo als “Muslimfeindschaft” interpretiert werden kann. Gemessen wird, ob die Behauptung, bei Asylbewerbern handle es sich überwiegend um politisch Verfolgte von Befragten für glaubwürdig gehalten wird. Da die meisten Asylbewerber nach wie vor abgelehnt werden, befinden sich die Befragten, die der Ansicht sind, Asylbewerber würden in ihren Heimatländern nicht verfolgt, im Einklang mit der Ausländerbehörde und mit Verwaltungsrichtern. Wo hier Muslimfeindschaft sein soll, das weiß man wohl nur als von der Stiftung der Grünen finanzierter Beforscher von politisch Gewünschtem.

Kurz: Die Leipziger in ihrem Internierungslager haben antiquierte Daten, die ihnen keine Aussage über die Gegenwart erlauben und sie haben nichts gemessen, was auch nur ansatzweise wissenschaftlichen Kriterien standhält. Das hindert sie nicht daran, das Trittbrett des Empörungszuges, der sich nach Hanau in Bewegung gesetzt hat, um alle Gesetze von Ursache und Wirkung ad absurdum zu führen, zu befahren und die Hanau-Welle zu surfen.

Wir zitieren aus der Pressemeldung der Universität Leipzig:

“Aus den Ergebnissen lasse sich ableiten, dass ein Großteil der Anhänger die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen Positionen wähle, ergänzt die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Julia Schuler. Jene Bundesbürger, die zwar schon lange extrem rechte Einstellungen teilten – sei es Chauvinismus, Befürwortung einer Diktatur, Antisemitismus oder Ausländerfeindlichkeit – aber bis 2014 SPD oder CDU wählten, stimmten jetzt für eine Partei, die eine Programmatik entsprechend ihrer Einstellung umsetzt. Sie hätten in der AfD eine politische Heimat gefunden, so Decker.”

Wer sich als angeblicher Wissenschaftler lächerlich machen will, der zeigt, dass er keine Ahnung hat, worin der Unterschied zwischen einer Kausalität und einer Korrelation besteht. Die Kompetenzzentrums-Insassen in Leipzig haben zu EINEM Zeitpunkt ein paar Leute befragt, mit weitgehenden Junk-Fragen, eine davon haben wir oben dargestellt, andere in der Vergangenheit besprochen, und dann haben sie Daten, die aus zwei Fragen gewonnen wurden, die sie zum SELBEN Zeitpunkt gestellt haben, mit einander korreliert. Ein derartiges Vorgehen lässt keinerlei Aussage darüber zu, was die Befragten früher gewählt haben, was sie früher für Einstellungen hatten, wie dauerhaft ihre politische Heimat wo auch immer ist oder war. Die einzige Aussage, die derartige Daten zulassen ist: Zwischen A und B besteht ein statistischer Zusammenhang von X.



Entsprechend lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, “dass ein Großteil der Anhänger die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen Positionen wähle”, wie Julia Schuler ergänzt. Was sich ableiten lässt ist, dass Julia Schuler noch einmal im ersten Semester ein Seminar in Methoden der empirischen Sozialforschung belegen muss, denn sie hat offenkundig keinerlei Ahnung davon, was man auf Grundlage von QUERSCHNITTSDATEN sagen kann und vor allem, was man nicht sagen kann. Das Leipziger Kompetenzzentrum scheint aus Dunning-Kruger-Potential rekrutiert zu werden. Im übrigen stimmen rund 30% der LINKE Wähler der Aussage “Ich kann es gut verstehen, dass manchen Leute Juden unangenehm sind”, mindestens zum Teil zu. Diese Aussage soll nach Ansicht der Leipziger Antisemitismus messen. Belassen wir es dabei und stellen nur fest, dass es offensichtlich in der deutschen Bevölkerung Wähler gibt, die in Einstellungen mit dem übereinstimmen, was Schuler der AfD anlastet, die aber die LINKE wählen. Größeren Unfug als Schuler kann man kaum erzählen.

Besonders übel wird dieser durchsichtige Versuch, Kapital aus dem Attentat von Hanau zu schlagen, einem Attentat, das ein Irrer ausgeführt hat, wie man nicht oft genug betonen kann, wenn Oliver Decker folgenden Unfug von sich gibt:

“Decker betont, dass “erschreckend viele Wähler der AfD diese Verschwörungsmentalität und antidemokratische Einstellungen teilen”. Dass diese Motive in einigen Teilen der Bevölkerung geteilt werden, diese eine parlamentarische Repräsentanz haben und damit auch als legitim erfahren werden, macht das Risiko weiterer rassistischer Terroranschläge groß“, warnt Decker. Er und seine Kollegen sehen die Vertreter der AfD in der Verantwortung, sich sowohl inhaltlich, als auch in der Rhetorik für den demokratischen Zusammenhalt in einer pluralen und liberalen Demokratie einzusetzen.

Das ist Brunnenvergiftung.

Es gibt keine Studie, die zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Krempel, den Decker und Konsorten gemessen haben, und Verhalten gibt. Nicht nur das: Es gibt keine Studie, die zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen den seltsamen Aussagen, mit denen Decker und Konsorten die Ismen der Furchtbarkeit, mit denen sie sich bei Politdarstellern andienen wollen, gemessen haben, und Verhalten, geschweige denn gewaltsamem Verhalten oder gar Terroranschlägen gibt. Offenkundig ist hier entweder die Phantasie oder die Diffamierungsabsicht mit Decker durchgegangen. Er hat weder die Daten um eine “Verschwörungsmentalität bei den Wählern der AfD” zu messen, noch hat er Daten, die zeigen, dass in einigen Teilen der Bevölkerung, in denen diese Motive (was auch immer sie sein mögen, denn gemessen hat Decker Einstellungen nicht Motive und schon gar keine Mentalität) geteilt werden, die parlamentarische Repräsentanz der AfD dazu führt, dass rassistische Terroranschläge durchgeführt werden. Leute, mit einer derart morbiden, ja sadistischen Phantasie sind normalerweise ein Fall für Experten … Psychiater, Neurologen … Wer weiß, was im Leipziger Kompetenzzentrum eigentlich erforscht wird.




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