Marxens Vermächtnis: Anti-Intellektualismus für nicht Konkurrenzfähige

Wer Kritik am Genderismus übt, ist ein Maskulist oder ein Anti-Feminist.

Wer Kritik am Sozialismus übt, ist ein Kapitalist, ein Neoliberaler oder ein Rechter.

Wer Kritik an der Flüchtlingspolitik übt, ist ein Rechtsextremist.

Wer Kritik Marke „Naidoo“ übt, ist ein Reichsbürger.

Wer Kritik am Vielfaltswahn übt, ist ein Rassist.

In jedem Fall ist die Kritik damit am Ende.
Eine Diskussion findet nicht statt. Das soll sie auch nicht, denn das Ziel besteht ja gerade darin, jede Diskussion, jede Kritik abzuwürgen.

Karl MarxDas ist Marxens Vermächtnis.

Beschrieben bereits von Ludwig von Mises in „Die Gemeinwirtschaft – eine Untersuchung über den Sozialismus“ aus dem Jahre 1922.

In seinem kleinen Brevier „Marxism Unmasked“ schreibt Ludwig von Mises:

“Socialism was already defeated intellectually at the time Marx wrote. Marx answered his critics by saying that those who were in opposition were only “bourgeois.” He said there was no need to defeat his opponents’ arguments, but only to unmask their bourgeois background. And as their doctrine was only bourgeois ideology, it was not necessary to deal with it.”

Marxens Antwort auf Kritik bestand also darin, den Kritiker als “Bourgeois” zu diskreditieren und auf Basis dieser Diskreditierung der Kritik aus dem Weg zu gehen [Fehlschluss ad hominem].

Das ist die Blaupause, nach der viele Linke bis heute funktionieren: Sie setzen sich nicht mit Argumenten auseinander, sondern mit denen, die die Argumente vortragen. Handelt es sich um Kritik, dann wird versucht, den Kritisierenden zu diskreditieren, ihn als Rechten, Rechtsextremen, Rassisten usw. zu beschimpfen ganz so, wie es der Großmeister der Diskreditierung, Karl Marx, aufgezeigt hat.

Die politischen Konsequenzen dieses Vermächtnisses der argumentlosen Bekämpfung aller Andersdenkenden hat Thomas Sowell wie kein anderer beschrieben:

Sowell 1985 marxism„Much of the intellectual legacy of Marx is an anti-intellectual legacy. It has been said that you cannot refute a sneer. Marxism has taught many – inside and outside its ranks – to sneer at capitalism, at inconvenient facts or contrary interpretations and thus to sneer at the intellectual process itself. This has been one of the sources of its enduring strength as a political doctrine, and as a means of acquiring and using political power in unbridled ways” (Thomas Sowell (1985). Marxism: Philosophy and Economics. New York: William Morrow).

Sozialistische Parteien und die sozialistische Ideologie, sie üben ihre Anziehungskraft somit auf schlichte Gemüter aus, auf diejenigen, denen es lieber ist, Kritiker zu denunzieren und zu verspotten als sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Der politische Erfolg des Sozialismus resultiert entsprechend nicht daraus, dass die sozialistische Ideologie Lösungen für Probleme anzubieten hätte, sondern daraus, dass sie Denunziation und Diffamierung Andersdenkender aus der Warte derer anzubieten hat, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen. Der Sozialismus ist im wahrsten Sinne eine Ideologie der Verlierer und (intellektuell) nicht Konkurrenzfähigen.

Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Und hier über den traditionellen Weg:

Der Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit oder: Umverteilung ist Freiheitsberaubung

Umverteilung ist gerecht! Wer sich gegen diese Prämisse stellt, hat in Wohlfahrtsstaaten schlechte Karten, denn die Umverteilung von den Reichen zu den Armen ist zur Frage der sozialen Gerechtigkeit stilisiert worden. Stilisiert deshalb, weil Umverteilung nicht an sich gut ist und schon gar nicht gerecht. Wenn einem genommen wird, der erfolgreich ist und seinen Erfolg mit harter Arbeit verdient hat, um einem, der in seinem Leben noch keinen Finger krumm gemacht hat, zu geben, dann kann man dies kaum als irgendeine Form von Gerechtigkeit ansehen. Es sei denn, man steht auf die Perversion von Werten wie Gerechtigkeit.

Entsprechend wird man zu dem Ergebnis kommen, dass Umverteilung dann, wenn sie als Gerechtigkeit ausgegeben wird, notwendig in eine unfreie, eine totalitäre Gesellschaft führen muss, schon weil über die Köpfe derer hinweg, denen genommen wird, entschieden wird, wie viel ihnen genommen wird, sie also einer Zwangsmaßnahme unterzogen werden.

Entsprechend ist Umverteilung immer ein Angriff auf die individuelle Freiheit und muss folglich mit Bedacht und mit Maß eingesetzt werden, sofern man überhaupt auf dieses Mittel der Freiheitsberaubung zurückgreifen will.

Milton Friedman hat diese Notwendigkeit schon vor Jahrzehnten formuliert und die Position, die Liberale gegenüber Gleichheit und Umverteilung einnehmen, formuliert, die bis heute gilt.

Friedman Capitalism and Freedom„The heart of the liberal philosophy is a belief in the dignity of the individual, in his freedom to make the most of his capacities and opportunities according to his own lights, subject only to the proviso that he not interfere with the freedom of other individuals to do the same. This implies a belief in the equality of men in one sense; in their inequality in another. Each man has a equal right to freedom. This is an important and fundamental right precisely because men are different, because one man will want to do different things with his freedom than another, and in the process can contribute more than another to the general culture of the society in which many men live.

The liberal will therefore distinguish sharply between equality of rights and equality of opportunity, on the one hand, and material equality or equality of outcome on the other. He may welcome the fact that a free society in fact tends toward greater material equality than any other yet tried. But he will regard this as a desirable by-product of a free society, not its major justification. He will welcome measures that promote both freedom and equality – such as measures to eliminate monopoly power and to improve the operation of the market. He will regard private charity directed at helping the less fortunate as an example of the proper use of freedom. And he may approve state action toward ameliorating poverty as a more effective way in which the great bulk of the community can achieve a common objective. He will do so with regret, however, at having to substitute compulsory for voluntary action.

The egalitarian will go this far, too. But he will want to go further. He will defend taking from some to give to others, not as a more efficient means whereby the ‘some’ can achieve an objective they want to achieve, but on grounds of ‘justice’. At this point, equality comes sharply into conflict with freedom; one must choose. One cannot be both an egalitarian, in this sense, and a liberal.“
(Milton Friedman; Capitalism and Freedom, p.195).

[Unsere Übersetzung] Der Kern einer liberalen Philosophie ist der Glaube an die Würde des Einzelnen, der Glaube an die Freiheit eines jeden, seine Fähigkeiten nach eigenem Gutdünken so einzusetzen, und die sich im bietenden Möglichkeiten so zu nutzen, wie es ihm am besten erscheint, immer vorausgesetzt, dass er mit seinen Handlungen nicht die Freiheit anderer einschränkt. Das impliziert die Überzeugung, dass Menschen in einer Hinsicht gleich sind, in einer anderen Hinsicht ungleich. Jeder Mensch hat das selbe Recht auf Freiheit. Freiheit ist ein wichtiges und grundlegendes Recht, genau deshalb, weil Menschen verschieden sind, weil ein Mensch seine Freiheit zu anderen Handlungen nutzen wird als ein anderer und damit mehr als ein anderer zur Kultur der Gesellschaft beitragen kann, in der viele Menschen leben.

Deshalb wird ein Liberaler scharf zwischen Gleichheit in Recht und Chancen auf der einen Seite und materieller Gleichheit oder Ergebnisgleichheit auf der anderen Seite unterscheiden. Ein Liberaler wird die Tatsache begrüßen, dass eine freie Gesellschaft dazu tendiert, größere materielle Gleichheit zu erreichen, als jede andere Gesellschaftsform, die bislang probiert wurde. Aber er wird dies als wünschenswerten Nebeneffekt einer freien Gesellschaft ansehen, nicht als ihre Legitimation. Er wird Maßnahmen begrüßen, die sowohl Freiheit als auch Gleichheit fördern – zum Beispiel Maßnahmen die auf die Beseitigung von Monopolen zielen oder darauf, die Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern. Er wird Mildtätigkeit, die darauf abzielt, denen zu helfen, die in einer freien Gesellschaft weniger erfolgreich sind, als angemessene Nutzung von Freiheit ansehen. Und er mag sogar staatliches Handeln, das darauf zielt, Armut zu reduzieren, als einen effektiven Weg betrachten, auf dem die Mehrheit der Gesellschaft ein gemeinsames Ziel erreichen kann. Er wird dies jedoch mit Bedauern tun, weil er Freiwilligkeit mit Verpflichtung ersetzen muss.

Ein Sozialist wird dies ebenfalls alles wollen. Aber er wird weiter gehen wollen. Er wird das Nehmen von einigen, um es anderen zu geben, nicht als ein effizientes Mittel ansehen, das es den anderen ermöglicht, bestimmte Ziele zu erreichen, sondern als Gerechtigkeit verteidigen. Und hier tritt Gleichheit in Konflikt mit Freiheit: Man muss sich entscheiden. Man kann nicht beides gleichzeitig sein, ein Sozialist in diesem Sinne oder ein Liberaler.


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Totalität von Fähigkeiten: Marxens Träume erleben eine Renaissance

Karl Marx„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten, ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der im aufgedrängt wird, aus dem er nicht herauskann; er ist Jäger, Fischer, oder Hirt oder kritischer Kritiker, und muss es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heut dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren, ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden, wie ich gerade Lust habe. Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unseres eigenen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unserer Kontrolle entwächst, unsere Erwartungen durchkreuzt, unsere Berechnungen zunichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung“ (Karl Marx; Deutsche Ideologie)

Die zitierte Stelle ist dem Teil des Manuskripts der Deutschen Ideologie entnommen, der Karl Marx zurechenbar ist. In ihm entwickelt Marx nicht nur in Fortführung einer Idee Fichtes – sein Konzept der Entfremdung. Er führt sie es auch zu Ende. Von Fichte stammt die Idee, dass dann, wenn Menschen miteinander agieren, sie etwas produzieren, das ein Eigenleben annimmt, das wiederum Herrschaft über die einzelnen erwirkt. Das Erzeugte unterjocht den Menschen, nimmt ihm seine Freiheit. Ein echter Fichte.

Doch zurück zum Zitat von Karl Marx. Das „Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit“, also der Arbeit, zu einer „sachlichen Gewalt“ über uns, wer nicht arbeiten geht, der hat nichts zu beißen, jedenfalls zu Marxens Zeiten war das so, mit einem Wort: die Entfremdung, sie muss durch die kommunistische Gesellschaft überwunden werden, in der keine Spezialisierung mehr stattfindet, keine Arbeitsteilung, in der alle alles tun oder lassen können, wonach ihnen gerade ist. Das nennt Marx die Totalität der Fähigkeiten. Betrachtet man die Materialisierungen dieses kommunistischen Hirngespinsts, dann muss man allerdings feststellen, dass es eher das „lassen können“ ist, das sich durchgesetzt hat: Die Erhöhung der Untätigkeit und Trägheit zur kollektiven Faulheit.

Unter Pfälzern gibt es ein geflügeltes Wort, das Aspiranten wie die, die im Kommunismus gebraucht werden, bezeichnet: Der kann alles, aber nix richtig.

Das Zitat von Marx hat nichts von seiner romantischen Wirkung, die es auf einfältige Gemüter ausübt, verloren. Beispiele dafür, wie Spezialisierung beseitigt, die Entfremdung durch Arbeit aufgehoben und eine glückliche, wenngleich verarmte Gesellschaft herbeigeführt werden soll, gibt es zuhauf: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also die Work-Life-Balance, der Versuch, Teilzeitarbeit zu einem Ersatz für vollen Einsatz zu stilisieren, das bedingungslose Grundeinkommen, der Einzug von pädagogischen Konzepten, die nicht der Bildung oder Erziehung von Kindern dienen, sondern der ideologischen Selbstverwirklichung von Lehrern oder Erziehern, das sind alles Beispiele dafür, wie Marxens idealistische Spinnerei die Jahrhunderte überlebt hat und neue Höhen erklimmt.

„Idealismus,“ so hat Arnold Gehlen (1952: 350) geschrieben, „ist einer der tiefsten und am schwersten aufzudeckenden Irrtümer und er besteht zuletzt in dem Glauben, die Idealität, die allerdings im Menschen liegt, sei in der unmittelbaren Subjektivität lebbar“.

Sie ist es nicht. Und weil sie es nicht ist, scheitern kommunistische Systeme und gehen Gesellschaften zu Grunde, deren Mitglieder glauben, sie könnten Arbeitsteilung und Spezialisierung durch idealistische Spinnereien von Work-Life-Balance oder Teilzeitarbeit ersetzen.

Warum?

Gesellschaften leben von der Arbeitsteilung, wie man leicht feststellen kann, wenn man versucht, einen Tag ohne das Zutun Dritter zu überleben, also ohne den Lkw-Fahrer, der die Waren des Supermarktes ankarrt, ohne die Aushilfskraft, die die Waren einsortiert, ohne den Tankwart, der das Benzin bereitstellt, mit dem man das Auto, das vieler Hände Ergebnis ist, zum Supermarkt bewegt. Arbeitsteilung erhöht nicht nur die Effizienz und den Wohlstand einer Gesellschaft, sie erlaubt auch Spezialisierung. Manche können dies besser, andere jenes. Wer dies besser kann, erreicht durch Verfeinerung seiner Technik eine höhere Stückzahl und bessere Qualität, und vielleicht kann derjenige, der auf viel Erfahrung in der Herstellung von „dies“ zurückblicken kann, es sich irgendwann leisten, nur einen Teil des Tages für den Broterwerb aufzuwenden. Das kann er aber erst, wenn er sich die entsprechende Erfahrung angeeignet, sich erarbeitet hat. So ist das eben, ohne Fleiß kein Preis. So wie es ohne erfolgreichen Kapitalismus keinen Kommunismus geben kann, wie Marx wusste. Denn Träumerei kann man nur (für eine gewisse  Zeit) umsetzen, wenn es andere durch ihre Arbeit ermöglicht haben.


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Gute und schlechte Mörder?

Im letzten Post haben wir den Kulturkampf beschrieben, der derzeit im Gange ist.

Anstand, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Respekt und Verantwortlichkeit, das waren die fünf Werte, mit denen wir den Kulturkampf beschrieben haben.

Anhand eines Beispiels aus dem Vereinigten Königreich kann man sich noch einmal vergegenwärtigen, worum es im Wesentlichen geht.

Nehmen wir Omar al-Bashir, den Präsidenten des Sudan. Er wird von Luis Moreno Ocampo, Ankläger am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl gesucht. Es werden ihm Genozid, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit zur Last gelegt.

Offensichtlich ist Luis Moreno Ocampo der Meinung, dass Tote, die Omar al-Bashir zugerechnet werden können, Beleg für die entsprechenden Anklagen sind – nennen wir sie Genozid-Opfer oder Opfer von Kriegsverbrechen.

Modern Concentration Camp?

Modern Concentration Camp?

Wechseln wir den Schauplatz und gehen in den Gaza-Streifen.

Ermittler der UN haben Indizien dafür gefunden, dass beide Seiten, Israel wie die Hamas, Kriegsverbrechen begangen haben.

Ein Report von Defense for Children International kommt zu dem Ergebnis, dass israelische Soldaten im letzten Gaza-Krieg gezielt palästinensische Kinder erschossen haben.

Mehr als ein Jahr nach dem letzten Gaza-Krieg leben die Bewohner von Gaza weiter in menschenunwürdigen Verhältnissen, in zerbombten Häusern, die nicht repariert werden können, weil Israel verhindert, dass Baumaterialien in den Gaza Streifen geliefert werden.

Die Aufrichtigkeit und der Respekt für die Toten würden es verlangen, dass die Liste der Kriegsverbrecher, die vom Den Haager Internationalen Strafgerichtshof gesucht werden, um Benjamin Netanyahu ergänzt wird, der ebenso wie dies für Omar al-Bashir mit Blick auf den Sudan der Fall ist, die politische Verantwortung für die Kriegsverbrechen trägt, die in Gaza von israelischen Soldaten begangen worden sind. Da Hamas bereits als terroristische Vereinigung gilt, ist Netanyahu der einzige, der bislang keine Konsquenzen für sein Verhalten zu tragen hat.

Nähme man in Den Haag den eigenen Auftrag Ernst, übernähme man die Verantwortung dafür, dass nicht die Person des Mörders, sondern die Ermordeten Grundlage der Einordnung von Verbrechen als Genozid oder Kriegsverbrechen sind, dann müssten auch Ermittlungen gegen den Regierungschef Israels als denjenigen aufgenommen werden, der die Verantwortung für die Handlungen israelischer Soldaten trägt.

Offensichtlich gibt es unterschiedliche Wertigkeiten bei Toten.

Gegen diese Inkonsistenz oder Bigotterie wird derzeit im Vereinigten Königreich mit einer Petition gekämpft, deren Ziel darin besteht, Benjamin Netanyahou wegen Kriegsverbrechen zu verhaften, wenn er zum Staatsbesuch in das Vereinigte Königreich kommt.

Die Petition ist ein Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement und ein Beispiel dafür, dass sich Bürger die doppelte Morale und die Untergrabung von Werten und Prinzipien durch Politiker nicht mehr gefallen lassen wollen.

Netanyahu

Kulturkampf

Nein, dieser post hat nichts mit Migranten und Flüchlingen zu tun.

Gegenstand ist nicht das, was oberflächlichen und naiven Geistern als Kulturkampf verkauft werden soll, gewinnträchtig, wie Samuel Huntington das getan hat, nicht der „Clash of Civilization“ oder das Feindbild des „Kulturfremden“, das derzeit aufgebaut werden soll.

Gegenstand ist der Kulturkampf, der täglich abläuft, von dem durch Schauprozesse und Schaukriege abgelenkt werden soll, der Kulturkampf, bei dem es um Ressourcen, um Zugänge zu Ressourcen und vor allem um die Gewährung von Privilegien geht.

Hayek Constitution of LibertyFriedrich A. von Hayek hat viel Zeit darauf verwendet, gegen Privilegien, die bestimmten Marktteilnehmern durch Eingriffe des Staates zugestanden werden, zu argumentieren und zu zeigen, dass durch die Gewährung von Privilegien letztlich zerstört wird, was als Marktwirtschaft und Freiheit bekannt ist.

Sein Argument gilt nicht nur für den Bereich des Konsums, es gilt vor allem für den Bereich der Politik, auf dem es vordergründig um die Deutungshoheit über das, was als öffentlicher Diskurs in Medien stattfindet, geht. Tatsächlich geht es darum, Privilegien, Sonderrechte zu verteilen, sie an gesellschaftliche Gruppen und Akteure zu verteilen, denen auf diese Weise Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen gewährt werden soll.

Hier findet der eigentliche Kulturkampf statt.

Der eigentliche Kulturkampf hat Werte zum Gegenstand und damit die Grundlage, auf der Gesellschaften basieren. Gestritten wird um Werte wie Anstand, Ehrlichkeit, Respekt, Aufrichtigkeit und Verantwortlichkeit.

Anstand hat Fragen des Umgangs zum Gegenstand. Kooperation als die treibende Kraft von Gesellschaften beruht auf Anstand, darauf, dass anderen etwas zu Gute gehalten wird, dass man ihnen bis zum Beweis des Gegenteils lautere Motive unterstellt. Nicht so im deutschen Kulturkampf, in dem eine Anzahl lautstarker Akteure, die es links wie rechts gibt, diese Grundlage von Kooperation beseitigt haben. Anderen wird nichts zugute gehalten, sie werden vielmehr als Gegner identifiziert, der von keinen lauteren Motiven getrieben ist, und zwar noch bevor es überhaupt zu einer Interaktion gekommen ist. Wer z.B. eine Meinung zum Ausdruck bringt, die einem anderen, der sie liest oder hört, nicht gefällt, der ist ein Gegner. Ob die Meinung mit guten Argumenten unterlegt ist, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Ein Gegner ist identifiziert, Kooperationsbereitschaft wird aufgekündigt.

Ehrlichkeit in der Interaktion ist notwendig, um Austauschbeziehungen zwischen Akteuren dauerhaft zu machen. Wer erst einmal belogen und über den Tisch gezogen wurde, der ist kaum bereit, eine neue Interkation mit dem entsprechenden Übeltäter einzugehen, es sei denn, er ist dumm. Dennoch ist vieles im öffentlichen Diskurs auf Schein und Unehrlichkeit ausgelegt. Dennoch wird versucht, Menschen in affektive Zustimmung zu tricksen, z.B. durch das Bemühen von Begriffen wie Toleranz und Akzeptanz, wie dies im Zusammenhang mit fast jedem Thema, von Homosexualität über Flüchtlinge bis zu Hausfriedensbruch in Garzweiler II der Fall ist. Unehrlich daran ist, dass Toleranz immer von anderen als Bringschuld gefordert wird, nie jedoch zur Grundlage des eigenen Handelns gemacht wird. Die Akzeptanz dessen, was derjenige, der Toleranz gerade einfordert, als wichtiges Thema ansieht, wird zum moralischen Popanz aufgeblasen, um zu verdecken, dass mit der Forderung nach Tolerierung durch andere nicht die eigene Bereitschaft zur Tolerierung von Abweichung verbunden ist.

Kant praktische VernunftRespekt hat sich bei Kant in seinem berühmten Instrumentalisierungsverbot niedergeschlagen: Man bediene sich nicht anderer Menschen, um sich einen Vorteil zu verschaffen und seine Ziele zu erreichen. Diese Forderung, sie ist so antik wie der Glaube, Athen sei eine Demokratie gewesen. Die Benutzung von anderen Menschen für die eigenen Zwecke, sie ist Legion. Eine kleine Gruppe von Mittelschichtsfrauen benutzt „die Frauen“, um sich Vorteile zu verschaffen und nennt diesen Versuch, einen privilegierten Zugang zu Ressourcen zu erhalten, Gender Mainstreaming. Eine kleine Gruppe von Akteuren versucht, den öffentlichen Diskurs um die Worte zu reinigen, die der entsprechenden Gruppe nicht gefallen und sich selbst ein Monopol auf die Bestimmung böser Begriffe zu verschaffen. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern hat sich mit der Berechnung des Klimawandels auf einen Schlag in eine moralische Position katapultiert, von der aus es möglich ist, die Klimawandelleugner zum eigenen Vorteil zu nutzen. Andere wollen sich durch richtiges Schubsen von falsch Agierenden, ein Auskommen verschaffen. Schließlich ist es bei Politikern wie bei Psychologen die Regeln, dass sie Personengruppen instrumentalisieren, sie zu Bildungsfernen, Benachteiligten oder Randgruppen erklären, um sich selbst ein Auskommen zu verschaffen, das darin besteht, den zu Defizitären Erklärten zu helfen.

Aufrichtigkeit hat das Verhältnis von Wirklichkeit und Behauptung zum Gegenstand. Hier findet eine zunehmende Entfremdung statt. Behauptungen bleiben immer häufiger als solche bestehen, werden wiederholt und nehmen im Zuge ihrer Wiederholung die Qualität einer Gewissheit an, ohne jemals geprüft worden zu sein. Die gesamte Benachteiligungsdiskussion basiert auf Behauptungen, für die es keinerlei Belege gibt, weder für die Benachteiligung von zu Armen Erklärten noch für die Benachteiligung von Frauen oder Homosexuellen. Aber selbst dann, wenn Behauptungen als falsch erwiesen wurden, ist dies nicht ihr Ende. Weder Stalin noch sein Gulag noch das Scheitern der DDR hat die Behauptung, dass Sozialismus etwas Gutes bewirken könne, bei denen diskreditiert, die daran glauben wollen. Kein Beleg über die Schädlichkeit von Gewerkschaften ändert etwas an deren Verfügungsmonopol über Arbeitnehmer. Keine noch so widersprechende Beobachtung führt zu einer Modifikation der Theorie vom Klimawandel.

Verantwortlichkeit hat viel mit Konsistenz zu tun, damit, dass man sich an seinen Ankündigungen messen lässt, damit, dass man zu seinem Wort steht, damit, dass man Belege, die das Gegenteil der eigenen Behauptungen zeigen, zur Kenntnis nimmt und seine eigenen Behauptungen revidiert. Verantwortlichkeit geht mit Anstand, Ehrlichkeit und Respekt einher, damit, dass man andere zu sehr schätzt, als dass man sie belügen und zum Nutze des eigenen Vorteils respektlos behandeln würde. Nicht so im Kulturkampf Deutschland. Verantwortung ist hier umkämpft, zwischen denen, die z.B. Politiker verantwortlich machen wollen, sie an ihren Worten und Taten messen wollen und denen, die sich wegstehlen wollen, die von einer Vorteilnahme zur nächsten vagabundieren, um sich die Taschen zu füllen.

Deshalb herrschen in Deutschland die Ausnahmen, die Ausnahmen von der Regel: Eigentlich sind Politiker Vorbilder in Sachen Moral und Ethik, uneigentlich sammeln sie Kinderpornographie und Bestechungsgelder. Eigentlich ist Toleranz der oberste Wert. Uneigentlich wird Toleranz nur gefordert, nicht gelebt. Demokratische Werte sind eigentlich die Grundlage aller Handlungen in Deutschland, aber nur so lange, so lange die Handlungen zu Ergebnissen führen, die passen. Sind die Ergebnisse unpassend, wie z.B. TTIP, dann ist die demokratische Handlung des Parlaments, die man gerade gelobt hat, weil ein Verbot der NPD betrieben wird, keine demokratische Handlung mehr. Prinzipien sind nur so lange gültig, so lange ein persönlicher Vorteil damit verbunden werden kann, so lange die Prinzipien den eigenen Vorlieben entsprechen.

Sind die Vorlieben bedroht, ist der eigene Nutzen in Frage gestellt, dann ist es schnell vorbei mit den Prinzipien, dann wird Kriminalität zum Mittel, mit dem politische Gegener bekämpft werden, bei denen man nicht müde wird, z.B. die rechtsextremistisch motivierten Straftaten zu zählen und anzuprangern.

Sind die Vorlieben bedroht, ist der eigene Nutzen in Frage gestellt, dann ist es schnell vorbei mit demokratischen Grundrechten, dann werden Eigentumsrechte eingeschränkt, dann wird das Steuergeheimnis gelüftet, dann wird alles getan, was im Vorfeld noch als undenkbar gegolten hat und worauf sich berufen wird, wenn es zum Beispiel darum geht, Anfragen von Steuerzahlern nach dem Verbleib von Steuermitteln zu beantworten.

Deutschland befindet sich mitten in einem Kulturkampf, ob Anstand, Ehrlichkeit, Respekt, Aufrichtigkeit und Verantwortlichkeit dabei auf der Strecke bleiben, ist daher eine Frage, die derzeit noch nicht entschieden ist.