Ineffizient, chaotisch, teuer: Die Kosten der Teilzeitarbeit in Schulen

Im Namen des Staatsfeminismus propagieren Politiker nicht nur die Work-Life-Balance, die letztlich nichts anderes als eine Abwertung von Arbeit und eine Aufwertung von Freizeit bedeutet, sie versuchen auch, ihre (Wahn-)Vorstellung davon, dass Teilzeitarbeit etwas anderes sei als ein teures ideologisches Wohlfühl-unterfangen für diejenigen ist, die es propagieren, durchzusetzen.

BMFSFJ chaos.jpgWie immer, wenn Politiker versuchen, die Realität ihrer Ideologie anzupassen, zeigt sich diese Realität als äußerst widerstandsfähig, je geradezu verbissen uneinsichtig. So sind die gesellschaftlichen Wohltaten der Teilzeitarbeit bislang unentdeckt geblieben. Statt Wohltaten haben sich chaotische Zustände und Verschlechterungen der Leistungen ergeben. So haben wir bereits davon berichtet, dass als Folge der Teilzeit-Manie und als Folge der Abwertung von Arbeit durch die „Work-Life-Balance“ die Effizienz in Medizin und an Schulen gelitten haben. In beiden Bereichen ist die Anzahl der Beschäftigten gestiegen, die Leistungserbringung jedoch schlechter geworden. Die Anzahl der von Ärzten erbrachten Arbeitseinheiten sinkt ebenso, wie die Anzahl der Unterrichtsstunden, die Lehrer erteilen, obwohl Ärzte und Lehrer immer mehr werden.

Arbeitnehmer, die in Teilzeit arbeiten, haben zwangsläufig weniger Erfahrung als Arbeitnehmer in Vollzeit, sie sind weniger einsatzbereit und können ihre Kompetenzen nur mit Mühe halten, nicht jedoch weiterentwickeln, wie es notwendig wäre. Als Konsequenz wird der Arztbesuch zum Spiel mit der Gesundheit und der Schulbesuch zum Spiel mit der Bildung.

Dass die Teilzeit-Manie auch die täglichen Routinen und Arbeitsprozesse an Schulen ins Chaos stürzt und Ineffizienz zur Normalität werden lässt, hat uns unser Leser Günter K. Schlamp in einem Kommentar geschrieben, der zu wichtig ist, als dass man ihn in einem Thread belassen sollte:

„Das Problem mit der großen Zahl (weiblicher) Teilzeitlehrer (TZ) hängt auch mit der fehlenden Präsenzverpflichtung in der Schule zusammen.
Entgegen der Volksmeinung ist das Unterrichten nur ein Element der Lehrertätigkeit, wenn auch das wichtigste.

Wenn an einer Schule eine bunte Mischung von 8-, 11- oder 18-Stunden-Teilzeitkräften die Zahl der Vollzeitkräfte übertrifft, haben sie eine Fülle organisatorischer Probleme: In welchem Umfang können die Kolleginnen in der Projektwoche, auf der Klassenfahrt, am Elternsprechtag, bei der Pausen- und Mittagsaufsicht eingesetzt werden? Zu 100% oder nur anteilig? Kann man mit halber Stelle auch nachmittags eingesetzt werden?

Wenn man seine Unterrichtsverpflichtung reduziert, wird dann erwartet, dass die vielen Zusatzaufgaben in einer Schule nur den Vollzeitlehrern zugemutet werden dürfen? Für Vertretungsstunden können die TZ-Lehrer nur anteilig herangezogen werden, das aber auch nur nach Vorankündigung, da TZlehrer i.d.R. zur Unterrichtsstunde kommen und danach wieder gehen. Wenn sich ein plötzlicher Vertretungsbedarf ergibt, muss man zu Hause anrufen und verhandeln, ob die Kollegin morgen eine Stunde früher kommen könnte. Vertretungsunterricht ist ein täglich Brot, es wird also viel telefoniert.

Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit vor mehr als 50 Jahren: Da ging der Stundenplaner ins Lehrerzimmer und bat einen dort sitzenden Kollegen doch mal eben in die 7a zu gehen. Mein Lehrerzimmer – viele TZ-Kräfte – war während der Unterrichtszeit nahezu leer. Wer keinen Unterricht hatte, fuhr nach Hause oder anderswohin.

Zum Glück erinnert ein gelegentlicher Runderlass des Schulamtes oder gar ein Verwaltungsgericht daran, dass auch Teilzeitlehrer zu 100% an den, zugegeben häufigen, Lehrerkonferenzen teilnehmen müssen.

Gewiss arbeiten nicht alle Teilzeitlehrerinnen mit der Stoppuhr in der Hand und verlassen die Schule nach zwei Stunden um 10 Ur 15 fluchtartig. Man kann auch in Einzelgesprächen Kompromisse erreichen. Aber Schule wäre leichter zu organisieren, wenn es mehr Vollzeitlehrer und eine Anwesenheitspflicht (über den Unterricht hinaus) gäbe.“

Soziologie in der Schule? Himmel hilf!

Schade. Wirklich schade.

Hätte man uns vor rund 35 Jahren danach gefragt, ob Soziologie ein Fach ist, das in Schulen vermittelt werden und in dessen Grundlagen Lehrer firm sein sollen. Wir hätten vermutlich ja gesagt.

Aber: 35 Jahre später steht uns der kalte Schweiß auf der Stirn, wenn wir Bestrebungen sehen, Soziologie in der Schule als Schulfach und als Grundlage der Lehrerausbildung zu etablieren.

Esser_SoziologieDer Grund für die mittelmäßige Panik, die uns angesichts der Pläne, Soziologie ins schulische Curriculum zu integrieren, erfasst, ist schnell benannt: Die Soziologie hat sich wie die Politikwissenschaft auch zu ihrem Nachteil verändert (British understatement). Beide Fächer waren einst Vorzeigedisziplinen der Sozialwissenschaften. Sie hatten Methode, einen theoretischen Korpus, eine Epistemologie und eine Fragestellung. Studenten der Soziologie und der Politikwissenschaft konnten auf die Frage: „Was ist der Gegenstand der Soziologie?“ bzw. „Was ist der Gegenstand der Politikwissenschaft?“ präzise antworten (naja, zumindest die meisten), manche sogar im Original: „Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen; eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (Weber 1972: 1). Im Zentrum der Soziologie stehen somit der Handelnde und die Umstände seines Handelns, die Interkation von Handelnden und der Möglichkeitsraum für Handlungen, wobei von Handeln dann gesprochen werden soll, wenn „und insofern als der oder die Handelnden mit ihm [dem Handeln] einen subjektiven Sinn verbinden“ (Weber, 1972: 1).

Seither ist angeblich alles komplexer geworden. Die Komplexität moderner Gesellschaften, die man immer nur als Nominalkonstruktion, aber nie genau benennen kann, sie hat Einzug gehalten. Unter dem Deckmantel der „Komplexität“ und der späteren Ergänzung der „Vielfalt“ hat sich die Soziologie (und die Politikwissenschaft) weg von einem methodischen Unterfangen und hin zu einem Sammelbecken für Schwätzer aller Art entwickelt. Nicht mehr das soziale Handeln und dessen Erklärung bestimmte nun die soziologische Analyse. Vielmehr wurde alles zu Soziologie, was derjenige, der es aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf einen Soziologielehrstuhl geschafft hat, von sich gegeben hat. Weltbetrachtungen, Geschlechtslamentos, Armutsattacken, Rechtsextremismushysterien, Fremdenfeindlichkeitsphobien und grundlegende Ängste vor sozialem Wandel haben vermeintliche Soziologen inkubiert und fest in ihrem Griff. Viele Soziologen sind zu Kämpfern für die Umwelt, Frauen, sozial Benachteiligte, Arme, noch mehr sozial Benachteiligte, Homosexuelle, Ausländer oder sonstige Minderheiten und all diejenigen geworden, von denen die Lehrstuhlbesetzer denken, sie seien sozial unter ihnen angesiedelt. Andere Soziologen sehen ihre Aufgabe eher darin nicht für sondern gegen etwas zu kämpfen: gegen den Kapitalismus, gegen die Bonzen, gegen die AfD, gegen die Globalisierung, gegen Konsum, gegen Autos, gegen Kohlebergbau, gegen die Unterdrückung von Hans Peter Brügel und vieles mehr. Soziologen sind Kämpfer für und gegen, politische Aktivisten und Vorkämpfer für eine bessere Welt, also das, was sie für eine bessere Welt halten, nur eines sind sie mehrheitlich nicht mehr: Wissenschaftler.

Das heißt nicht, dass es nicht noch Soziologen gäbe, die wissen, wie man eine standardisierte Befragung konzipiert, was eine soziale Theorie ist und wer Emil Durkheim war. Aber es heißt, dass die Wissenschaftler unter den Soziologen in die Minderheit geraten sind, fast schon ein Schattendasein führen. In jedem Fall ist das in der öffentlichen Wahrnehmung so, die von den Gelegenheitsschwätzern und Soziologie-Aktivisten geprägt wird, die sich gerne bei Medien andienen.

Deshalb ist es für uns eine Drohung, Soziologie in Schulen zu lehren oder Lehrern beibringen zu wollen. Verstärkt wird diese Drohung noch durch Workshops wie den, der am 9. Juni 2017 im Schader-Forum in Darmstadt stattfinden soll, unter der Überschrift „Soziologie in der Schule?“. Bereits in der Ankündigung findet sich alles, was Wissenschaftlern die Haare zu Berge stehen lässt:

„Heranwachsende stehen vor enormen und vielfältigen Herausforderungen, die der aktuelle soziale Wandel und die Unübersichtlichkeit der modernen Gesellschaften mit sich bringen. Globalisierung, internationale Verflechtungen, Flucht und Migrationsprozesse, regierungspolitischer Steuerungsverlust, Digitalisierung, Unsicherheit, Orientierungsverlust und Ängste, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit, Homophobie und Extremismus einerseits, Solidarität, Zusammenhalt, Menschenwürde, Teilhabe, Sicherheit, Toleranz, Integration, Inklusion, Diversität und Heterogenität andererseits sind nur einige wenige Begriffe zur Beschreibung der öffentlich ausgetragenen Verhandlungen über derzeitige gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen.“

Einerseits kann man das Geschwätz abkürzen und feststellen: Es gibt eine Umwelt.
Andererseits kann man sich angesichts der Aufzählung dessen, was die veranstaltenden Soziologen als wichtig, für erschreckend oder für schulgegenständlich ansehen, ungefähr vorstellen, worum es im Fach Soziologe gehen soll: Nicht darum, dass Schüler formale Kriterien und Methoden erlernen, die es ihnen erlauben, sich ein begründetes Urteil über einen Gegenstand zu bilden, sondern darum, das Urteil, das andere vorgegeben haben, z.B. im Hinblick darauf, was gerecht, tolerant und solidarisch ist, auswendig zu lernen. Das ist politische Indoktrination auf Grundlage einer für wahr postulierten Heilslehre und hat mit Soziologie überhaupt nichts zu tun.

Und wer noch Zweifel hat, der muss nur weiterlesen:

Soziologie in der Schule„Sowohl in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern wie in der schulischen Vermittlung an die Lernenden geht es darum, gesellschaftliches Deutungs- und Orientierungswissen zu erwerben sowie zum Perspektivenwechsel und zum Umgang mit gesellschaftlicher Komplexität befähigt zu werden. Genau dadurch kann individuelle wie soziale Autonomie im gesellschaftlichen Kontext und auf der Grundlage unserer Grundwerte erworben werden.“

Damit man sich ein Bild von etwas, z.B. von Wahlkampfaussagen der AfD oder der SPD machen kann, benötigt man weder Deutungs- noch Orientierungswissen. Es reicht aus, eine Reihe von analytischen Fähigkeiten mitzubringen, die es ermöglichen, Geschriebenes auf Konsistenz, empirische Relevanz und inhaltliche Kongruenz zu prüfen. Deutungs- und Orientierungswissen ist nur dann notwendig, wenn man sicherstellen will, dass bestimmte Arten, die Welt zu sehen, etwa: „Diversität ist Klasse!“ zur alleinigen Wahrheit erklärt, besser: verklärt werden und jede kritische Auseinandersetzung verunmöglicht werden soll. Indoktrination nennt man das:

„Es wird deutlich, dass Lernende in der modernen Gesellschaft den Umgang mit gesellschaftlicher Komplexität und Vielfalt lernen müssen, die vor allem auch ein Merkmal pluralistischer demokratischer Gesellschaften sind“

That settles it: Die Komplexität, von der vermeintliche Soziologen in nominaler Konstruktion grenzenlos faseln können, die sich jedoch jeglichem Versuch einer konkreten Bestimmung, komplex wie sie nun einmal ist, entzieht, sie wird zum Anlass der Erziehung von „Lernenden“ genommen; zur Begründung dafür, dass Lernende nur eine bestimmte Art und keinerlei Abweichung davon, erlernen sollen, dass sie Inhalte, richtige Inhalte auswendig lernen sollen und eben nicht in die Lage versetzt werden sollen, selbständig und vor allem unabhängig zu denken und sich ein selbständiges und unabhängiges Urteil zu bilden. Wenn man sieht, wie heutige vermeintliche Soziologen zu Volkserziehern und Propheten des Heils geworden sind, das sie unverständlicher Weise für demokratisches Heil halten, dann kann man auf um himmlische Unterstützung hoffen, wenn es darum geht, sie von Schulen so fern wie nur möglich zu halten.

Rassistisches Gebet in der Schule – Politisch-korrekte Hysterie in Bayern

„(1) Zur Sicherung des Bildungs- und Erziehungsauftrags oder zum Schutz von Personen und Sachen können Erziehungsmaßnahmen gegenüber Schülerinnen und Schülern getroffen werden. Dazu zählt bei nicht hinreichender Beteiligung der Schülerin oder des Schülers am Unterricht auch eine Nacharbeit unter Aufsicht einer Lehrkraft. Soweit andere Erziehungsmaßnahmen nicht ausreichen, können Ordnungs- und Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Maßnahmen des Hausrechts bleiben stets unberührt. Alle Maßnahmen werden nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ausgewählt.“

So steht es im § 86 des Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen unter dem Stichwort, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“ (BayEuO).

Ein Bayerischer Schüler ist Gegenstand einer solchen Erziehungs- und Ordnungsmaßnahme geworden, weil er sich im Rahmen des Religionsunterrichts freiwillig zum Anfangsgebet gemeldet hat. Derart von der Motivation des Schülers überrumpelt, musste sich die wehrlose „Lehrperson“ dann ein „eindeutig stark rassistisch geprägt[es]“ und „menschenverachtendes“ Gebet anhören, das der Schüler der Klasse 09B auch noch selbst verfasst hatte.

Dies, so die „Lehrkraft“, „kann in der Schulgemeinschaft nicht geduldet werden.

Das menschenverachtende und rassistisch geprägte Gebet von Schüler Johannes lautet:

Lieber Gott, wir danken Dir,
dass die Neger hungern
und nicht wir!

Lieber Gott

Die Klassenleitung wurde zu Gunsten der „Klassleitung“ aufgegeben.

Rassismus, das zur Erinnerung, liegt dann vor, wenn ein Mensch aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit und nur wegen dieser abgewertet oder diskriminiert wird. Das Gebet von Johannes ist nicht rassistisch, denn er beschreibt, dass schwarze Menschen, die er Neger nennt, derzeit z.B. im Süden des Sudan von einer massiven Hungersnot heimgesucht werden.

Das Gebet ist auch nicht menschenverachtend. Es ist nur dann menschenverachtend, wenn die nicht hungernde Wir-Gruppe, die Johannes in Gegensatz zu den hungernden Negern setzt, nicht aus Menschen bestünde, also z.B. Johannes und sein Lehrer keine Menschen wären.

Schließlich kann das Gebet als erfolgreiche Vermittlung der christlichen Lehre angesehen werden, in der der Ursprung alles Guten in Gott gesehen wird und der Ursprung alles Leids im Teufel, wobei die Individuen nur durch Gebete Einfluss darauf haben, ob sie sich auf der guten oder der leidenden Seite der christlichen Wippe wiederfinden. Insofern hat sich Johannes als guter Schüler einer kollektiven Lehre erwiesen, die die individuelle Machtlosigkeit der göttlichen Allmacht gegenüberstellt.

Johannes hat somit nicht gegen die schulische Ordnung, bestenfalls gegen die Ideologie des Religionslehrers verstoßen.

Wenn es also einen Verweis auszusprechen gilt, dann für den Lehrer von Johannes, der weder eine Ahnung davon hat, was Rassismus ist, noch davon, was menschenverachtend ist und der zudem keinerlei Idee von der christlichen Lehre zu haben scheint, was für einen Religionslehrer eher bedenklich ist. Und verhältnismäßig wie in § 86 BayEuO gefordert ist die hysterische Reaktion der „Lehrkraft“ auf das Gebet des Schülers auch nicht. Somit kann er eigentlich „in der Lehrergemeinschaft nicht geduldet werden“.

Unfähig oder hinterhältig? Steuerzahler zahlen in jedem Fall

Was passiert, wenn Bildungsforscher, die nicht nur Standardlehrbücher, sondern auch viele empirische Artikel zur deutschen Bildungsforschung beigetragen haben, mit einem Text konfrontiert werden, der die Bildungsforschung hinter Pestalozzi zurückwerfen will, können sich nicht-Bildungsforscher vielleicht nicht vorstellen. Deshalb ist im Folgenden zu lesen, was. Dr. habil. Heike Diefenbach zum DIPF-Versuch, Wissenschaft zu betreiben, den wir im Beitrag „Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen“ besprochen haben, zu sagen hat:

MIgrantenfamilienSo langsam muss man es als Bildungsforscher persönlich nehmen, wenn Leute, die sich Bildungsforscher nennen und solchen Schwachsinn produzieren, mit ihrem Schwachsinn die gesamte Bildungsforschung lächerlich machen:

Was das DIPF hier ernsthaft behaupten will, ist, dass Söhne in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Arbeiterschicht haben und Töchter in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Mittelschicht haben, denn NUR DANN, also genau unter dieser Bedingung, ließe sich der Effekt von „Schülergeschlecht“ auf die verschiedenen Maße von Schulerfolg durch „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ gänzlich oder nahezu wegerklären (denn nur dann wäre die Korrelation zwischen „Schülergeschlecht“ und „soziale Schichtzugehörigkeit“ hinreichend eng, um diese Variablen füreinander einsetzen zu können) – dies würde dann allerdings auch UMGEKEHRT gelten: der Effekt von „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ auf verschiedene Maße von Schulerfolg ließe sich durch „Schülergeschlecht“ wegerklären. SELBST DANN, wenn die eingangs formulierte Annahme stimmen würde, wäre es also ein rein willkürlicher Akt, wenn man die Korrelation in die Richtung interpretieren würde, die dem DIPF ideologisch genehm erscheint. Würde man es vorziehen, die Richtung der Korrelation umgekehrt zu interpretieren, würde die Schlagzeile lauten:

„Soziale Schicht (nahezu) bedeutungslos für Schulerfolg! Vielmehr erklärt ‚Geschlecht‘ den Schulerfolg in Deutschland!“

Na, das wäre doch wenigstens einmal etwas Neues!

Aber die eingangs formulierte Annahme ist selbstverstänlich abstrus, und deshalb ist die grandiose Erkenntnis, die das DIPF hier produziert haben will, diejenige, dass Variablen, die man in ein statistisches Modell hineingibt, gewöhnlich mehr oder weniger stark miteinander korrelieren, und zwar nicht nur die erklärenden jeweils getrennt mit der zu erklärenden Variable, sondern auch die erklärenden Variablen untereinander. Das ist IMMER so, und es wäre ein echtes Novum in der Geschichte der mit Statstik arbeitenden Sozialforschung, wenn jemand ein statistisches Modell anhand empirischer Daten testen würde und herauskäme, dass alle erklärenden Variablen vollkommen unabhängig voneinander sind.

Oder anders formuliert:
Wenn man in der empirischen Sozialforschung NUR DANN von relevanten statistischen Zusammenhängen sprechen wollte, wenn ALLE erklärenden Variablen einen statistischen Zusammenhang von NULL untereinander aufweisen würden, dann gäbe es in der empirischen Sozialforschung KEINERLEI relevante Zusammenhänge.

Was das DIPF hier als großartige bildungsforscherisch relevante Nachricht verkaufen will, ist schlicht die Trivialität

dass auch in Bezug auf die Erklärung von Schulerfolg mehrere Variablen erklärungskräftig sind und diese Variablen untereinander in einem Zusammenhang stehen.

Wow!!!

Wen will das DIPF denn damit veralbern??? Solche Dummheiten sind bestenfalls an Mainstream- Medien und deren Angestellte zu verkaufen, die ohnehin immer automatisch den Mund öffnen, wenn ein voll gefüllter Löffel an ihrem Horizont auftaucht. Aber die nimmt ja ohnehin fast niemand mehr ernst. Was also soll dieser schwächliche Versuch der Manipulation und Indoktrination?

Und dass es sich hier um einen solchen Versuch handelt, kann man aus einer einfachen Tatsache ableiten:
Die grandiose „Erkenntnis“ der DIPF-Angestellten, deren fachliche Qualität offensichtlich dazu ausgereicht hat, um am DIPF eine Anstellung zu finden (was ein sehr schlechtes Licht auf das DIPF wirft), hätte sich bei ihnen auch schon einstellen können, als es darum ging, die vermeintlichen schulischen Nachteile von „Mädchen“ zu behaupten und zu beklagen. Aber seltsamerweise fiel es ihnen nicht ein, eine differenzierte Sicht auf die angeblichen Nachteil von „Mädchen“ anzumahnen. Warum nur?

Naja, für Mädchenförderung und die pseudowissenschaftliche Legitimation derselben gab es und gibt es immer noch Geld, und beim Geld hört die wissenschaftliche Rechtschaffenheit auf.

Oder ist es möglich, dass jemand die unsägliche Arroganz besitzt zu meinen, dass er trotz vollkommener statistischer Unkenntnis eben solche, d.h. statistische Mittel einsetzen könnte, um sein ideologisches Geschwätz als Wissenschaft erscheinen zu lassen? Anders formuliert: Kann man sich selbst so sehr fehleinschätzen?

Ich fürchte es läuft auf die Frage hinaus: Wollen diese Leute bewusst täuschen, oder sind sie so erschreckend unfähig?

Then again – in beiden Fällen ist es ein unhaltbarer Zustand, dass solche Leute auf von Steuerzahlern finanzierten Stellen sitzen, um just dieselben Steuerzahler hinters Licht zu führen.

Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen

Bald sind es 15 Jahre. Im Dezember 2017 sind es 15 Jahre. 15 Jahre seit wir „Bringing Boys Back In“ veröffentlicht haben, jenen Beitrag, der wie kaum ein anderer die deutsche Bildungsforschung aufgemischt hat. Denn wir haben den damals (wie heute) geltenden Mythos, Mädchen hätten irgendwelche Nachteile in der Schule, über den Haufen geworfen und auf Basis einer Vollerhebung für alle Absolventen allgemeinbildender Schulen für Deutschland gezeigt, dass Jungen deutlich schlechter abschneiden als Mädchen: Sie machen seltener das Abitur, landen häufiger auf Sonderschulen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss usw..

Hurrelmann BildungsverliererDass Jungen die Loser des deutschen Bildungssystems sind, hätte vermutlich keine großen Wellen geschlagen. Dass „Bringing Boys Back In“ es in alle regionalen und überregionalen Zeitungen Deutschlands geschafft hat und die Schulpleite der Jungen damit öffentlich wurde, hat einen einfachen Grund: eine Korrelation. Je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer, desto schlechter schneiden Jungen ab.

Zudem hat seit 2002 hat es eine Reihe von Studien gegeben, in denen gezeigt wurde, dass Jungen, bei gleichen Noten schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als Mädchen, dass Jungen bei gleicher Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen und vieles mehr, das belegt: im deutschen Schulsystem werden Jungen benachteiligt.

Das Bekanntwerden dieser sozialen Tatsachen ist natürlich ein Dorn im Auge der Genderisten, die von Ministerien finanziert werden, um die erfundenen Nachteile von Mädchen zu bekämpfen. Und es ist ein Schlag für den Mythos der blütenweißen Weste weiblicher affektiver Hingabe, der von denselben Aktivisten – Steuerzahler kostenpflichtig – verbreitet wird, die schon die Mär von den Nachteilen, die Mädchen angeblich im deutschen Bildungssystem haben sollen, verbreiten.

Deshalb hat sich eine wilde Diskussion darüber entsponnen, ob weibliche Grundschullehrer Schuld daran tragen, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt sind. Marcel Helbig hat sich hier besonders hervorgetan mit seinen Versuchen, als Beichtvater eine Generalabsolution zu erteilen (Marke: Jungen sind selbst schuld, Mädchen nicht und Lehrerinnen schon gar nicht), zu der ihn jedoch weder seine Kompetenzen noch seine Daten befähigt haben.

Die Diskussion der Schuldfrage setzt natürlich die Akzeptanz der Nachteile von Jungen voraus. Ein Fauxpas der Aufregungsforschung, der von Autoren wettgemacht werden sollte, die zu zeigen versuchen sollen, was man nicht zeigen kann, nämlich, dass Jungen gar keine Nachteile im deutschen Bildungssystem haben, gar nicht die Bildungsverlierer im deutschen Bildungssystem sind. Da man nicht in Abrede stellen kann, was auf Basis der Daten für alle Absolventen schulischer Jahrgänge seit 1995 an deutschen Schulen wieder und wieder gezeigt wurde, dass Jungen erhebliche Nachteile gegenüber Mädchen haben, haben die entsprechenden Untermineure lauterer Forschung eine andere Strategie: Sie versuchen, so viel Unsinn über die schulischen Nachteile von Jungen in die Welt zu setzen, dass man vor lauter Unsinns-Bäumen den Wald nicht mehr erkennen kann.

Das neueste Beispiel für diese Strategie, mit der geistige Verwirrung gestiftet und verbreitet werden soll, kommt vom DIPF, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Es liest sich wie folgt:

“Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das geht aus aktuellen Daten hervor, etwa vom Statistischen Bundesamt oder aus der PISA-Studie. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen, weswegen in der öffentlichen Diskussion oft ein schnelles Urteil gefällt wird: Von den „Jungen als Bildungsverlierern“ oder davon, dass Mathematik „kein Mädchenfach“ sei, ist immer wieder die Rede. „Dabei wird jedoch übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind“, gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet. Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein.“ [Es ist schon lustig, wie diejenigen, die sich jahrelang nicht an der Homogenität der Gruppe der Mädchen, für die sie allerlei Nachteile erfinden und erfunden haben, gestört haben, nun, da die empirischen Tatsachen die schöne Welt der rosaroten Vorstellungen zerstört hat, darauf bestehen, Heterogenität innerhalb der Gruppen herzustellen.]

Wir müssen uns korrigieren. Lühe verbreitet keinen Unsinn, sie verbreitet Blödsinn, den man nicht mehr steigern kann. Sie behauptet allen Ernstes: Wenn man den sozialen Hintergrund von Schülern betrachtet, dann werden die Geschlechtsunterschiede zweitrangig. Und sie tut dies im Brustton der Überzeugung, man habe mit dem Verweis auf den sozialen Hintergrund etwas Neues entdeckt. Nicht, dass PISA-Studien seit nunmehr Jahrzehnten zeigen, dass das deutsche Bildungssystem sozial segregiert und Kinder aus einem Arbeiterhaushalt seltener ein Abitur erreichen und seltener eine Hochschule besuchen als z.B. Kinder aus Akademiker- oder Beamtenhaushalten.

Manche Erkenntnisse müssen offensichtlich reifen, ehe sie beim DIPF aufgenommen werden. Wir wollen jetzt nicht darauf hinweisen, dass Ralf Dahrendorf die soziale Segregation in deutschen Schulen schon in den 1960er Jahren beschrieben hat …

Wie dem auch sei. Nun hat man im DIPF die soziale Herkunft, nein, den sozialen Hintergrund als Variable entdeckt, und versucht damit, die Geschlechtsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu relativieren.

Ein Akt statistischer Inkontinenz.

Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass von jeweils 100 männlichen und weiblichen Schülern eines Jahrgangs 60 weibliche und 45 männliche ein Abitur erreichen.

Die Ausgangsverteilung ist also 45 (m) : 60 (w).

Von den 45 (m) stammen 10 aus einem Arbeiterhaushalt, 35 nicht.
Von den 60(w) stammen 20 aus einem Arbeiterhaushalt, 40 nicht.

BenninghausVerwischen wir die geistige Nachvollziehbarkeit für die Lühes dieser Welt und interpretieren unsere Daten als Prozentwerte, dann kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Jungen, die ein Abitur erreichen, 45% beträgt, aber nur 22% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt. Bei den Mädchen erreichen 60% ein Abitur, 33% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt.

Die statistisch Illiteraten unter uns, die mit Prozentwerten hausieren gehen, sie aber nicht interpretieren können, mögen auf dieser Grundlage zu dem Schluss kommen, dass „sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistung je nach sozialem Hintergrund unterscheidet“. Man kann sogar, wenn man noch ein bisschen Regressionszinnober ergänzt, wie dies im DIPF geschehen ist, zu dem Schluss kommen, dass der „Effekt der Geschlechtszugehörigkeit … durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert“ wird, und damit suggerieren, dass der sozio-ökonomische Status wichtiger sei, als das Geschlecht der Schüler. Man kann vieles, wenn man sich das Gehirn mit Betas und Prozentwerten benebelt und nicht mehr weiß, welche Rohdaten den Berechnungen zu Grunde liegen.

Denn: All das, ändert nichts daran, dass 45% der Jungen und 60% der Mädchen ein Abitur erreichen: Jungen also einen Nachteil gegenüber Mädchen im Hinblick auf die schulische Bildung haben. Dass in den 45% der Jungen weniger Jungen aus Arbeiterfamilien enthalten sind als in den 60% der Mädchen, ändert nichts am Gesamtergebnis. Es deutet nur darauf hin, dass sich das Gesamtergebnis aus einer Reihe von Faktoren, die für Bildungserfolg nachteilig wirken, zusammensetzt, von denen neben Geschlecht auch sozialer Status einer ist.

Und das ist eine uralte Kamelle: Das deutsche Bildungssystem segregiert seit Jahrzehnten nach sozialem Status, es ist eine Bildungsinstitution der Mittelschicht, in der Angehörige der Mittelschicht als Lehrer (absichtlich oder unabsichtlich) darüber wachen, dass Kinder aus der Arbeiter- oder Unterschicht nicht in die Bildungsquere ihres eigenen Nachwuchses kommen und am Ende noch mit diesen konkurrieren. Die Methoden, die dabei angewendet werden, sind z.B. bei der Arbeiterkindern verweigerten Grundschulempfehlung für das Gymnasium die Behauptung, dass die entsprechenden Kinder wenig bis keine Unterstützung im Elternhaus erhalten könnten und an diese Behauptung Zweifel an der Fähigkeit der Kinder zu knüpfen, an einem Gymnasium erfolgreich zu sein. Eine andere Methode besteht darin, Kinder aus Arbeiterfamilien, die den Verhaltenskodex der (weiblichen Teile der) Mittelschicht nicht kennen und nicht wissen, dass Konflikte nicht offen, sondern hinter dem Rücken des jeweils anderen ausgetragen werden, ob ihrer vermeintlichen Aggressivität und wegen sozial-emotionaler Störung auf Sonderschulen abzuschieben, ein Schicksal, das vor allem Jungen aus der Arbeiterschicht trifft.

All das ist seit Jahrzehnten bekannt und wird von den verantwortlichen Schulämtern kontinuierlich ignoriert. Die Mär, in Deutschland habe jedes Kind die gleichen Start- und Bildungschancen, sie ist einfach zu schön, um aufgegeben zu werden.

Hurrelmann BildungsverliererWozu also veröffentlichen Mitarbeiter staatlich finanzierter Institute wie des DIPF Unsinn wie den zitierten? Die Antwort haben wir oben bereits gegeben. Es geht darum, die Tatsachen, nämlich die schulischen Nachteile von Jungen, die aus Benachteiligung durch mehrheitlich weibliche Schullehrer erwachen, zu verwischen, sie in einem Meer aus Unsinn zu versenken, so dass es möglich ist, das Ergebnis der staatlich verordneten Schuljahre z.B. auf die falschen Geschlechtsrollenbilder in Familien der Arbeiterschicht zu schieben, so wie diese Lühe tut, die Familien mit „niedrigerem sozio-ökonomischen Status“ unterstellt, sie hätten häufiger Vorstellungen wie „es [sei] unmännlich, fleißig für die Schule zu sein“.

Wir würden diese Lühe gerne schütteln. Vielleicht fällt das ein oder andere Neuron im Rahmen dieses Vorgehens in eine sinnvolle Synapse, eine, die die Verarbeitung von Erkenntnissen, wie sie die Bildungsforschung seit Jahrzehnten produziert, erlaubt: Jungen werden trotz besserer Leistungen schlechter benotet als Mädchen, Jungen erhalten trotz gleicher Leistungen als Mädchen, seltener eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium!

Wie passen diese empirischen Fakten zur Vorstellung, die Lühe Arbeiterfamilien unterstellt, in ihnen werde fleißig sein als unmännlich angesehen [Wie kommt Sie überhaupt auf die Idee, in Schulen würde Fleiß positiv bewertet?] Gar nicht. Sie zeigen, dass man im DIPF entweder nicht alle Tassen im Schrank hat, mit Sicherheit die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte nicht kennt oder ignoriert und offensichtlich versucht, die Tatsache, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt werden, und zwar von denen, die im Bildungssystem beschäftigt sind, unter einem Haufen Unsinn zu begraben.

Für alle, die es interessiert: Die Hierarchie im deutschen Bildungssystem sieht derzeit – wie bisherige Forschungergebnisse nahelegen – wie folgt aus:

  1. Deutsche Mädchen aus Mittel- und Oberschicht 
  2. Mädchen mit Migrationshintergrund
  3. Deutsche Jungen aus Mittel- und Oberschicht
  4. Mädchen aus der Arbeiterschicht (niedriges sozio-ökonomisches Milieu)
  5. Jungen aus der Arbeitschicht
  6. Jungen mit Migrationshintergrund

Literatur

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Dunkake, Imke, Kiechle, Thomas, Klein, Markus & Rosar, Ulrich (2012). Schöne Schüler, schöne Noten? Eine empirische Untersuchung zum Einfluss der physischen Attraktivität von Schülern auf die Notenvergabe durch das Lehrpersonal. Zeitschrift für Soziologie 41(2): 142-161.

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unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen/element5_ber.pdf

Lehmann, Rainer, Peek & Gänsefuß, Rüdiger (1997). Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern, die imi Schuljahr 1996/1997 eine fünfte Klasse an Hamburger Schulen besuchten. Bericht über die Erhebung im September 1996 (LAU 5)
unter: http://bildungsserver.hamburg.de/lau/

Weiterführende Texte auf ScienceFiles:

  1. Schulen sind jungenfeindliche Anstalten
  2. Jungen werden im deutschen Schulsystem benachteiligt
  3. Risse in der Meritokratie: Was wird in deutschen Schulen eigentlich bewertet?
  4. Es bleibt dabei: Je mehr männliche Lehrer desto besser schneiden Jungen ab
  5. Nachteile von Jungen im Bildungssystem
  6. Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem

Bildungsforschung: Bremer Schüler sind drei Jahre zurück

Manche Pressemeldungen muss man zwischen den Zeilen lesen. Z.B. die lange Pressemeldung, die mit „Bessere Chancen für Schüler, aber Unterschiede zwischen Bundesländern wachsen“ überschrieben ist. In dieser Pressemeldung findet sich der folgende Satz von Nils Berkemeyer von der FSU Jena:

„Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht.“

Weiter: Ein öffentliches Schulsystem müsse für vergleichbare Chancen sorgen und ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln, im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft.

Die Apokryphe von Berkemeyer, dem es trotz markiger Formulierung offensichtlich nicht darum geht, zu sagen, was ist, kann man wie folgt entziffern:

chancenspiegelBerkemeyer ist über das Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Jena an der Erstellung des Chancen-Spiegels beteiligt, den die Bertelsmann-Stiftung jährlich herausgibt. Ebenso beteiligt ist Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund. Sie sammeln Daten über die Schulsysteme, die die jeweiligen Kultusminister der Länder als eine Form „Bildungsprotektorat“ gegeneinander abschotten, und bewerten die Daten.

Gesammelt wurden z.B. Daten zum Leistungsstand der Schüler der neunten Klassen in den Bundesländern, und zwar für ihre Lesefähigkeit und ihr Leseverständnis und im Hinblick auf ihre Fähigkeiten im Fach Mathematik.

Dabei ist herausgekommen, dass ein durchschnittlicher Schüler der neunten Klasse in Bremen in seiner Lesefähigkeit, seinem Leseverständnis und in seinen Fähigkeiten und seinem Wissen im Fach Mathematik mehr als drei Schuljahre hinter einem durchschnittlichen Schüler aus Sachsen hinterher hinkt. Mit anderen Worten, würde ein Schüler der 9. Klasse aus Bremen nach Sachsen wechseln, dann würde er in Sachsen auf Grundlage seiner Kompetenzen in die 6. Klasse eingeschult.

Aber, wie gesagt, Kultusminister verwalten ihr Bildungsprotektora,t und deshalb erhält ein Schüler in Bremen trotz erheblich geringeren Wissens und trotz weit geringerer Fähigkeiten den gleichen Abschluss, den auch ein Schüler in Sachsen erhält. Dass sich hinter dem gleichen Abschluss riesige Unterschiede in Kompetenz und Fähigkeit verbergen, wäre entsprechend das, was unter Kultusministern als „Bildungsgerechtigkeit“ gehandelt wird. Gerecht ist anscheinend, dass ein schlechterer Schüler aus Bremen z.B. denselben Abschluss erhält, wie ein besserer Schüler aus Sachsen. Gerecht ist, dass in Bremen Schüler mit einem Abitur ausgestattet werden, die in Sachsen Mühe hätten, die Mittlere Reife zu erreichen.

„Achtung [[r]echter] Hinterhalt!“ – wie Jugendschutz.net Jugendliche zu manipulieren versucht

Gesellschaftliche Normalität in Deutschland 2017: Erwerbstätige zahlen Steuern. Aus den gezahlten Steuern werden Institutionen finanziert, die versuchen, im Einklang mit dem, was Parteien und staatliche Kommissionen oder Institutionen oder Ministerien für richtig halten, die Öffentlichkeit zu beeinflussen. Kurz: Erwerbstätige arbeiten dafür, von staatlichen Stellen erzogen und eines Besseren belehrt zu werden.

Früher waren Steuern dazu da, staatliche Dienstleistungen zu finanzieren, z.B. die Sicherung von Freiheit und Eigentum. Heute sind die Steuern dazu da, ein Heer von Missionaren zu unterhalten, dessen Ziel darin besteht, die bestehende Ordnung gegen alle Ideen zu schützen, die dieser Ordnung gefährlich werden können.

Jugendschutz.net ist eine der Organisationen, die ohne die Steuergelder der Erwerbstätigen, die üppig vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Kommission für Jugendschutzmedien der Landesmedienanstalten, der obersten Landesjugendbehörden, vertreten durch das Ministerium für Jugend, Integration und Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz als federführende Stelle, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Europäischen Union und dem Medienkompetenz Forum Südwest bereitgestellt werden, nicht bestehen würden.

Und da Jugendschutz-Netz von Parteipolitikern über Ministerien und von Landesmedienanstalten finanziert wird, deshalb wundert es nicht, dass Jugendschutz.net die Interessen von Mainstream-Parteien und Mainstream-Medien vertritt.

achtung-hinterhalt-1„Achtung Hinterhalt!“, so die Überschrift einer Broschüre, die angeblich auf Erkenntnissen basieren soll, die man bei Jugendschutz.net aus der Analyse von 612 Postings und 540 Kommentaren, die über eine Woche gesammelt wurden, gewonnen haben will. Postings und Kommentare auf Internetseiten rechtsextremer Gruppen natürlich. Welche Internetseiten von Jugendschutz.net wie analysiert wurden, wie die Postings und die Kommentare, die analysiert wurden, ausgewählt wurden, mit welchem Ziel und zu welchem Zweck sie ausgewählt wurden, das sind alles Fragen, deren Antworten von Jugendschutz.net gegeben werden würden, wäre man bei Jugendschutz.net an seriöser wissenschaftlicher Arbeit interessiert und nicht daran, Jugendliche zu manipulieren. Entsprechend soll mit dem Verweis auf die vielen Kommentare und Postings der Eindruck der gründlichen Analyse erweckt werden:

Manipulation 1: Vorspiegeln einer großen Basis von Beobachtungen, aus der Schlüsse gezogen werden, ohne dass die Basis dargestellt, beschrieben oder deren Auswahlkriterien dargelegt würden. Ziel: Seriös erscheinen.

Die angebliche Analyse, die auf Basis von 612 Postings und 540 Kommentaren, die nicht weiter spezifiziert werden können, erfolgt sein soll, führt zur ersten Erkenntnis: Nachrichten aus seriösen Quellen stünden auf den analysierten Internetseiten, (welche es auch immer gewesen sein mögen, es muss reichen, dass man bei Jugendschutz.net behauptet, die Internetseiten seien rechtsextrem oder würden überhaupt existieren), immer neben Verweisen auf „sogenannte alternative Medien. Sie stammten aus einem rechtsextremen Umfeld und verbreiteten bewusst „Falschmeldungen und Lügen, um gegen bestimmte Gruppen zu hetzen“. So wie es da steht, wäre es mit ein wenig Modifikation auch auf Jugendschutz.net zutreffend, verbreitet Jugendschutz.net doch bewusst „Falschmeldungen und Lügen, um gegen bestimmte Gruppen zu hetzen“, z.B. dadurch, dass alternative Medien generell und ohne Einschränkung in ein „rechtsextremes Umfeld“ gerückt werden.

Jugenschutz.net behauptet also auf Grundlage einer Analyse, von der wir nicht wissen, was, wozu und wie analysiert wurde (bzw. ob es sie überhaupt gibt), dass das, wovon wir nicht wissen, wozu und wie es analysiert wurde, seriöse Medien nutze, um auf alternative Medien, als solche in einem rechtsextremen Umfeld zu verlinken. Was alternative Medien sind? Und was ein rechtsextremes Umfeld auszeichnet? Niemand weiß es, und Jugendschutz.net verrät es auch mit Absicht, wie wir meinen, nicht, geht es den Betreibern von Jugendschutz.net doch darum, alternative Medien aus dem Internet in Gänze zu diffamieren und für Jugendliche in ein „rechtsextremes Umfeld“ und den „seriösen Medien“ gegenüber zu stellen. Die seriösen Medien, das sind natürlich ARD und ZDF, schließlich finanzieren ARD und ZDF über die Landesmedienanstalten Jugenschutz.net.

Manipulation 2: Nicht belegte Behauptungen aus unbekannten angeblichen Forschungen werden genutzt, um eine ganze Gruppe von Medien, die sich dadurch auszeichnen, dass sie keine öffentlich-rechtlichen Medien sind, zu diffamieren.

Für Jugendschutz.net sind übrigens reißerische Überschriften ein Indikator dafür, dass man es mit nicht-seriösen Medien zu tun hat, also Überschriften wie „Achtung Hinterhalt!“…

Weiter geht es mit dem Schwarz-Weiß Bild, das von Steuerzahlern finanziert wird und benutzt werden soll, um Jugendliche zu manipulieren.

“Nicht selten werden Beiträge eingeleitet mit Slogans wie ‚Das verschweigt die Lügenpresse‘. Das Ziel dahinter: Zweifel säen an der Glaubwürdigkeit seriöser Quellen und gleichzeitig eigene Angebote und ‚alternative Medien‘ als diejenigen promoten, die ‚endlich die Wahrheit verbreiten‘“

Die Primitivität dieser versuchten Manipulation ist eigentlich eine Beleidigung für den Intellekt. Aber seit in Hamburg Abiturnoten geschönt werden, sind wir nicht mehr so sicher, dass Jugendlichen in der Lage sind, derartige Manipulationsversuche zu erkennen und sie ins Leere laufen zu lassen.

Beginnen wir mit den wilden Behauptungen und freien Erfindungen von Jugendschutz.net:

achtung-hinterhalt-2Überschriften wie „Das verschweigt die Lügenpresse“ sind nicht per se falsch, wie dies Jugendschutz.net glauben machen will. Ob die Überschriften, es handelt sich dabei nicht um Slogans, zutreffen, ist eine empirische Frage, die man prüfen muss. Daran hat Jugenschutz.net natürlich kein Interesse, schon weil die Finanzierung von Jugenschutz.net von den Medien kommt, die als Lügenpresse bezeichnet werden.

Das Ziel hinter entsprechenden Überschriften kann man nur wissen, wenn man die Urheber der entsprechenden Überschriften zu ihren Zielen befragt hat. Aus einer Überschrift wie „Achtung Hinterhalt“ kann man Ziele nicht herauslesen, sondern nur vermuten. Die Behauptung, es ginge mit Überschriften wie: „Das verschweigt die Lügenpresse“ darum, „Zweifel an der Glaubwürdigkeit seriöser Quellen“ zu verbreiten, ist daher ein Fehlschluss, denn die Ziele können auch darin bestehen, über eine falsche Berichterstattung Aufklärung zu betreiben.

Damit sind wir am Kern des Problems, denn Jugendlichen soll durch Jugendschutz.net eingehämmert werden, dass es seriöse Medien gibt, also ZDF und ARD, die Jugendschutz.net finanzieren und dass diesen unseriöse Medien, alternative Medien in Gänze, gegenüberstehen, die versuchen, mit Begriffen wie Lügenpresse völlig unberechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der immer richtigen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien zu schüren. Derartigen Unfug kennt man eigentlich nur aus der DDR, in der die Partei immer Recht hatte oder aus dem Dritten Reich, in dem die Wahrheit über den Volksempfänger verkündet wurde. Kurz: Die Gegenüberstellung von seriösen, immer glaubwürdigen und vollkommen fehlerfreien öffentlich-rechtlichen Medien und fiesen, auf rechtsextreme Seiten lockende und mit Begriffen wie „Lügenpresse“ agierenden alternativen Medien ist gelebter Faschismus, von Steuerzahlern und GEZ-Gebührenentrichtern bezahlter, gelebter Faschismus.

Manipulation 3: Falsche Verallgemeinerungen und falsche Kontrastgruppen sollen genutzt werden, um das Reich des Bösen von der Berichterstattung der Guten zu unterscheiden, wobei alles, was nicht öffentlich-rechtlich ist, dem Reich des Bösen zugeordnet wird und der Begriff „Lügenpresse“ als generell unberechtigt dargestellt werden soll.

Und weil Faschismus ohne Esoterik nicht zu haben ist, gibt es auch bei Jugendschutz.net den entsprechenden Spritzer Esoterik:

“Während die Autorinnen und Autoren manipulierender Nachrichtenseiten ihre wahre Motivation meist verschleiern, werden in Kommentaren unverhohlen menschenverachtende Parolen geäußert …“

deutsche-volkserziehung-1937Abermals wird nur behauptet und nichts belegt. Dieses Mal haben sich die „Autorinnen und Autoren“ von Jugendschutz.net aber in den Kopf der „Autorinnen und Autoren“ von ihnen als rechtsextrem behaupteter Seiten gebohrt und im Gewirr der Neuronen, die wahre Motivation gefunden. Die Großinquisitoren des Jugendschutzes verfügen also über Erkenntnismöglichkeiten, die dem normalen mit nur sieben Sinnen begabten Menschen verschlossen bleiben: Sie können die wahre Motivation erkennen. Vermutlich handelt es sich bei diesem achten Sinn der Jugendschützer um den Un- oder den Wahnsinn. Dieser Wahnsinn macht auch nicht davor halt, einen Zusammenhang zwischen Autoren eines Beitrags und Kommentatoren zu schmieden, der verräterisch ist, denn: die wahre Motivation der Autoren erschließt sich den Jugendschützern daraus, dass Kommentare nicht zensiert werden, dass „drastische Sprachwahl“ [gemeint sind vermutlich Ausdrücke wie Pack, die Politiker pflegen, aber die Mehrheit der Bevölkerung ablehnt] geduldet wird. Das würden Jugendschützer natürlich nie tun. Sie würden „drastische Sprachwahl“ unterbinden, und sie würden alle Kommentare zensieren, die nicht ihrer Vorstellung von richtigen Kommentaren entsprechend. Denn: Sie haben keinerlei Konzept von Meinungsfreiheit, nur eines von Manipulation gepaart mit dem entsprechenden Quantum an missionarischem Eifer, das man an den Tag legen muss, um auch weiterhin von den Auftraggebern, für die man die Konkurrenz diskreditiert, finanziert zu werden.

Manipulation 4: Jugendlichen soll vorgegaukelt werden, Jugendschutz.net könnte die wahre Motivation erkennen und insofern als Hohepriester auftreten, der das Internetschrifttum auf Vereinbarkeit mit der Bibel der politischen Korrektheit prüft. Religiöse Floskeln werden als Argumente ausgegeben.

Insofern „Achtung Hinterhalt!“ selbstreferentiell gemeint ist, ist es ein guter Titel für die Broschüre mit dem Ziel, Jugendliche ganz offen zu manipulieren. Aufgrund dieser Offenheit benötigen wir keinerlei achten Sinn, um festzustellen, dass die Motivation hinter „Achtung Hinterhalt“, darin besteht, den Auftraggebern gefällig zu sein und Jugendliche zu manipulieren.

Fake-Abitur: Hamburger Schulsenator schönt Abiturnoten

Dass es die Genossen mit Fairness nicht so genau nehmen, kann man derzeit in Hamburg bewundern. Dort fälscht der derzeitige Schulsenator, Ties Rabe (SPD) derzeit Abiturnoten. Weil Hamburger Gymnasiasten dann, wenn die Aufgaben einer Mathematikklausur nicht dem Hamburger Standard, sondern einem allgemein vergleichbaren Standard entsprechen, miserabel und mit einem Notenschnitt von 3,9 abschneiden, hat der Schulsenator kurzerhand beschlossen, das Abitur in Hamburg zu schönen und die Noten, die auf dem Abiturzeugnis stehen, so zu fälschen, dass nicht die tatsächliche Leistung der Schüler abgebildet wird, sondern eine geschönte. Denn: Die miserable Klausur, die 40% der Endnote des Halbjahres ausmacht, wird um 3 Abiturpunkte, also um eine Note besser bewertet als es der Leistung des entsprechenden Schülers entspricht. Schüler, deren Leistung mangelhaft bewertet wurde, werden entsprechend ausreichend bewertet. Schüler, deren Leistung ausreichend war, wird nunmehr vorgemacht, ihre Leistung sei dennoch befriedigend gewesen. Schüler, deren Leistung gut war, bekommen eine sehr gute Leistung attestiert. Schüler, deren Leistung sehr gut war, werden eingeebnet: Ihre sehr gute Leistung wird nivelliert und einer guten Leistung gleichgestellt.

Motivation auf sozialemokratisch.

Ties Rabe.pngDass Schülergenerationen, die in Hamburg noch Noten erhalten haben, die zumindest dem Anschein nach der Leistung der Schüler entsprochen hat, dem 2017er Abiturjahrgang gegenüber aktiv benachteiligt werden, dass Hamburger Schüler im Vergleich zu Schülern aus anderen Bundesländern bevorteilt werden und Noten erhalten, die nicht ihren Leistungen entsprechen, das alles ist dem Schulsenator aus Hamburg egal. Ihm geht es um den Schein, schließlich soll niemand denken, in Hamburg würden an Gymnasien dann, wenn es um Mathematik geht, miserable Leistungen erreicht. Also wird geschönt, und wenn geschönt wird, dann interessiert es Sozialdemokraten, die ansonsten so gerne den Begriff „Gerechtigkeit“ im Mund führen nicht, dass sie gerade Schüler mit sehr guten Leistungen benachteiligen und Schüler vergangener Jahrgänge gegenüber dem 2017er Abiturjahrgang aktiv diskriminieren.

Sozialdemokraten sind schon ein lustiges Völkchen, bringen sie doch Schulsenatoren hervor, die für den Schein alle Werte, die andere Sozialdemokraten zu haben behaupten, in der Pfeife rauchen.

Lustig ist auch die Ursachensuche des Schulsenators, die zeigt, dass er nun wirklich keinerlei Ahnung davon hat (oder haben will), was an den Schulen, die seiner Zuständigkeit unterstehen, vor sich geht: „Wir wissen nicht“, so zitiert ihn das Hamburger Abendblatt, „ob es an den Schülern liegt oder die Aufgaben an sich zu schwer waren“.

Nun, wir wissen, dass der Schulsenator kein Deutsch kann, denn die Aufgaben können bestenfalls zu schwierig gewesen sein, nicht jedoch zu schwer. Vielleicht ist das ja das Problem in Hamburg, dass man denkt, die Lösung von Mathematikaufgaben sei eine Frage der Körperkraft und nicht eine Frage der Geisteskraft.

Aber lassen wir das, denn die Schuldzuweisung an Schüler oder Aufgaben zeigt, dass der Schulsenator versucht, von den Ursachen, die der Leistungsverfall an Hamburger Gymnasien hat, abzulenken.

Der Leistungsverfall, der von 2016 auf 2017 0,7 Noten beträgt, denn 2016 hatten es die Hamburger Gymnasiasten in der Mathematikprüfung noch auf einen Notenschnitt von 3,2 gebracht, auch schon kein Ruhmesblatt aber noch befriedigend, bildet wohl eine langfristige Entwicklung ab. Offensichtlich findet in Hamburg das statt, was man auch in anderen Bundesländern beobachten kann: Ein Bildungsverfall.

HH SPD Bildung.jpgUnd offensichtlich macht man auch in Hamburg alle Versuche, um die Gruppe, die dann, wenn es um den gescheiterten Versuch, Wissen zu vermitteln geht, auch eine Rolle spielt, nicht in den Fokus nehmen zu müssen. Nun, wer könnte das sein, Herr Schulsenator, der außer Schülern und Aufgaben noch einen Einfluss auf die Leistung von Schülern hat?

Nein, nicht das Internet und die Stunden, die Gymnasiasten in sozialen Netzwerken zubringen.

Nein, auch nicht die Eltern, die den Gymnasiasten zu wenig Unterstützung geben, wenn es um Stochastik und Analysis und Analytische Geometrie geht.

Nun, wer könnte das nur sein?
Auch nicht die AfD. Die AfD ist nicht schuld am schlechten Leistungsstand der Hamburger Gymnasiasten.
Und Donald Trump hat auch nichts damit zu tun.

Weil der Schulsenator in Hamburg aus alter Verbundenheit mit der GEW die naheliegende Variable nicht aussprechen mag, schon weil dann die Schulpolitik des Landes Hamburg auch in den Blick käme, deshalb wollen wir ihm auf die Sprünge helfen:

Es sind die:

L E H R E R!

Ja, Lehrer haben auch einen Einfluss darauf, welchen Leistungsstand Schüler erreichen. Das zeigen Schulstudien, keine deutschen, internationale Schulstudien, in denen wieder und wieder belegt wird, dass motivierte und gute Lehrer mit besseren Leistungen bei Schülern korrelieren. Je besser der Lehrer, desto besser die Schüler. Je motivierter der Lehrer, desto besser die Schüler.

Da Motivation auch eine Frage von Commitment ist und Commitment mit den Bedingungen von Lehre an Schulen zusammenhängt, liegt es nahe, alte Motivationstheorien von Hackman und Oldman, Lawler und Vroom bis Proter und Lawler und Adams zur Hand zu nehmen und vorherzusagen, dass die Anzahl der Arbeitsstunden (je mehr um so besser), die Ausstattung am Arbeitsplatz, das Klima am Arbeitsplatz und der Umfang der unterrichtsfremden Leistungen, die von einem Lehrer erwartet werden, einen Einfluss auf dessen Motivation und darüber auf die Leistung seiner Schüler haben. Und damit scheint es in Hamburg im Argen zu liegen.

Wir haben uns deshalb frei zugängliche Daten des Statistischen Bundesamts besorgt. Man muss etwas nach ihnen suchen und wissen, wo man nach ihnen suchen muss, aber prinzipiell sollten die Daten, da sie vom statistischen Amt der Stadt Hamburg erhoben werden, auch dem Schulsenator der SPD zugänglich sein. Und sofern er nicht die Probleme der Hamburger Schüler mit Mathematik teilt, sollte es ihm möglich sein, zu den Ergebnissen und damit zu potentiellen Ursachen des Hamburger Bildungsverfalls, wie er gerade in den Mathematikleistungen dokumentiert wurde, vorzustoßen. Es sind derer zwei Ursachen, die mit einander verschränkt sind, quasi eine Intersektionalität der Ursachen Feminisierung der Schule und Entprofessionalisierung der Schule.

Um das zu sehen, haben wir Daten für die Jahre 1992 und 2016 für die an Schulen beschäftigten Lehrer verglichen und präsentieren im Folgenden die Ergebnisse in drei Abbildungen:

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Abbildung 1 zeigt, das im Vergleich der Jahre 1992 und 2016 an Hamburger Gymnasien die Anzahl der männlichen Lehrer um 20,66% gesunken ist, während der Anteil der weiblichen Lehrer um 62,32% gestiegen ist.

Abbildung 2 zeigt, dass im Vergleich der Jahre 1992 und 2016 die Anzahl der vollbeschäftigten Lehrer um 8,83% gesunken ist, während die Anzahl der teilzeitbeschäftigten Lehrer um 48,74% und die Anzahl der stundenweise beschäftigten Lehrer an Hamburger Gymnasien um 105,88% gestiegen sind.

Abbildung 3 zeigt, dass die Anzahl vollzeit tätiger männlicher Lehrer an Hamburger Gymnasien im Vergleich der Jahre 1992 und 2016 um 34,72% zurückgegangen ist, während die Anzahl der weiblichen Vollzeitlehrer um 64,21% gestiegen ist. Die Anzahl der männlichen und weiblichen Teilzeitlehrer ist im Vergleich der beiden Jahre um 45,64% und 49,72% gestiegen, während die Anzahl der stundenweise an Hamburger Gymnasien beschäftigten Lehrer um 36,7% (männliche Lehrer) bzw. um 229,51% (weibliche Lehrer) gestiegen ist.

Daraus folgt eine Textaufgabe für den Hamburger Schulsenator:

Wenn man weiß, dass die schulischen Leistungen von Schülern im Vergleich der Schülergenerationen schlechter werden und gleichzeitig der Anteil der männlichen Lehrer geringer wird. Wenn man zudem weiß, dass zugleich der Anteil der vollzeitbeschäftigten männlichen Lehrer sinkt und der Anteil der teilzeitbeschäftigten und stundenweise beschäftigten Lehrer steigt, welche Faktoren kommen dann in Frage, um zu erklären, dass die Leistungen der Schüler von Jahr zu Jahr schlechter werden?

Als Hilfestellung: Teilzeitbeschäftigte Lehrer haben nicht dasselbe Commitment und auch nicht dieselbe Erfahrung, Kompetenz und dasselbe Humankapital wie vollzeitbeschäftigte Lehrer.

Eigentlich müsste der Schulsenator von Hamburg in der Lage sein, diese Aufgabe zu lösen, wenn er es nicht ist, dann muss das daran liegen, dass er sie nicht lösen will, weil die Lösung an die eigene Adresse geht und zeigen würde, dass die Hamburger Bildungskatastrophe hausgemacht ist. Genderismus und Entprofessionalisierung fordern eben ihre Opfer.

Literatur

Adams, J. Stacy (1965). Inequity in Social Exchange. In: Berkowitz, Leonard (ed.). Advances in Experimental Social Psychology – Volume 2. New York: Academic Press, pp.267-300.

Hackman, J. Richard & Lawler, Edward E. (1971). Employee Reactions to Job Characteristics. Journal of Applied Psychology 55(3): 259-286.

Hackman, J. Richard & Oldham, Greg R. (1980). Work Redesign. Reading: Addison-Wesley.

Hackman, J. Richard & Oldham, Greg R. (1976) Motivation Through the Design of Work: Test of a Theory. Organzational Behavior and Human Performance 16(2): 250-279.

Lawler, Edward E. (1981). Pay and Organization Development. Reading: Addison-Wesley.

Vroom, Vikctor H. (1964). Work and Motivation. New York: Wiley.

Daten

Hamburg 1992 2016 DIFF  %
vollzeit männlich 1797 1173 -624 -34,72
weiblich 637 1046 409 64,21
teilzeit männlich 287 418 131 45,64
weiblich 905 1355 450 49,72
stundenweise männlich 109 149 40 36,70
weiblich 61 201 140 229,51
vollzeit 2434 2219 -215 -8,83
teilzeit 1192 1773 581 48,74
stundenweise 170 350 180 105,88
männlich 2193 1740 -453 -20,66
weiblich 1603 2602 999 62,32

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PISA-Unsinn 2015 – Der turnusmäßige Bildungsgag der OECD

Die OECD hat einen Exportschlager: Die PISA-Studien. Im Abstand von drei Jahren finden die olympischen PISA-Spiele in Mathematik, Naturwissenschaft und Lesen statt. Eine nette Stange Geld kostet das. Und hinterher sind wir klüger.

Hinterher wissen wir, dassDeutsche Schüler besser als der Durchschnitt“ [von was auch immer] sind und dassDeutsche Schüler in Mathe schlechtersind [als wer auch immer]. Beide Meldungen finden sich fast zeitgleich bei ARD und ZDF.

Wie es scheint, ist man bei der ARD bemühter, dem durchschnittlichen Ergebnis etwas „Besseres“ abzugewinnen als beim ZDF, wo man eher eine pessimistische Sicht auf die selben Ergebnisse richtet. Die beiden unterschiedlichen Meldungen, die auf derselben Pressmeldung, den selben Testergebnissen und den selben PISA-Olympics basieren, machen den Unsinn, der hinter PISA steckt mehr als deutlich.

Es geht offensichtlich nicht darum, den Leistungsstand von Schülern zu erheben, sondern darum, eine Hitliste der besten Länder zu erstellen, die es Politikern, Funktionären und Journalisten in gleicher Weise erlaubt, sich zu freuen und auf die gute Bildungspolitik der Vergangenheit hinzuweisen bzw. sich erschreckt zu geben und mehr Mittel für die Bildungspolitik der Zukunft zu fordern. So betrachtet, ist PISA wirklich nützlich.

Nur eines sind die Ergebnisse nicht: vergleichbar – jedenfalls nicht in der dargestellten Weise, die es offensichtlich erlaubt, dieselben Ergebnisse unterschiedlich zu bewerten: positiv bei der ARD, negativ beim ZDF.

pisa-2015-schimaereBesonders verrückt wird die Angelegenheit, wenn man auf die von nahezu allen Medien, die wir zu PISA gescannt haben, verlinkte Seite geht. Dort finden sich keinerlei Werte mehr, sondern nur noch Relationen, lustige Linien, die suggerieren, die Ergebnisse von PISA aus den Jahren 2009 und 2012 seien den Ergebnissen von 2015 vergleichbar.

Das sind sie aber nicht.

Es sind nicht dieselben Schüler, die in den drei Jahren befragt wurden. Entsprechend kann man keine Entwicklung feststellen.

Es sind nicht dieselben Fragen, die den Schülern gestellt wurden. Entsprechend kann man die Ergebnisse nicht vergleichen.

Die PISA-Studien sind Querschnittstudien. Sie geben Auskunft über den Leistungsstand der Schüler, die im jeweiligen Jahr befragt wurden. Sie enthalten keinerlei Information über die Entwicklung, die die Leistungsfähigkeit von Schülern in den drei getesteten Bereichen in den einzelnen Ländern genommen hat. Denn: um es noch einmal zu sagen: Es wurden nicht dieselben Schüler befragt, es wurden nicht dieselben Fragen gestellt, und es wurden nicht dieselben Methoden benutzt, um die Antworten auf die gestellten Fragen mit Punktewerten zu versehen.

Um Letzteres zu sehen muss man nur die Ergebnisse für den HighScorer, die Schüler aus Shanghai in 2012 und Singapur in 2015 betrachten. Die höchsten Werte, die in den drei getesteten Bereichen erreicht wurden, unterscheiden sich deutlich:

[I]

  • Mathematik
    • 2012: 613 Punkte (Shanghai)
    • 2015: 564 Punkte (Singapur)
  • Naturwissenschaft
    • 2012: 580 Punkte (Shanghai)
    • 2015: 556 Punkte (Singapur)
  • Lesen
    • 2012: 570 Punkte (Shanghai)
    • 2015: 535 Punkte (Singapur)

Offensichtlich ist die Spannweite des Punktefelds 2015 viel geringer als sie es noch 2012 gewesen ist. Das kann darauf zurückzuführen sein, dass 2015 schwierigere Fragen gestellt wurden als 2012. Es kann das Ergebnis davon sein, dass 2015 die Forscher bewusst einen kleineren Punkterange verwendet haben, um die Unterschiede zwischen den Ländern geringer zu machen. Es kann darin begründet sein, dass die Schüler, die 2015 befragt wurden, nicht so leistungsstark sind, wie die Schüler, die 2012 befragt wurden, es waren.

All das ist möglich, und all das verhindert, dass man die Ergebnisse zwischen den einzelnen Jahren vergleichen kann.

Wie irrsinnig ein solcher Vergleich ist, zeigt sich, wenn man ein paar weitere Vergleiche für Deutschland anstellt.

[II]
PISA OECDZ.B. im Hinblick auf den Rangplatz, den Deutschland erreicht hat:

  • Mathematik
    • 2012: 16
    • 2015: 16
  • Naturwissenschaft
    • 2012: 12
    • 2015: 16
  • Lesen
    • 2012: 19
    • 2016: 11

Wer also etwas Positives in die Ergebnisse hineinlesen will, der kann sich erzählen, die Ergebnisse deutscher Schüler im Lesen seien 2015 besser als 2012. Wer etwas Negatives in die Ergebnisse hineinlesen will, der kann sich erzählen, die Ergebnisse deutscher Schüler in Naturwissenschaft seien 2015 schlechter als 2012.

Aber sind sie das tatsächlich?

Machen wir die Rechnung mit Blick auf den Abstand zum Spitzenreiter. Wie viele Punkte liegen in den drei Bereichen, zwischen dem Ergebnis deutscher Schüler und dem Ergebnis der Schüler aus dem Spitzenreiter-Land?

[III]

  • Mathematik
    • 2012: 99 Punkte
    • 2015: 58 Punkte
  • Naturwissenschaft
    • 2012: 56 Punkte
    • 2015: 47 Punkte
  • Lesen
    • 2012: 62 Punkte
    • 2015: 26 Punkte

Das Ergebnis dieser Betrachtung: Die Schüler, die im Jahr 2015 getestet wurden, sind in allen Bereichen näher am Spitzenreiter als die Schüler, die 2012 getestet wurden. Der Abstand zur Spitze ist also 2015 geringer als 2012. Aber sind die Schüler 2015 auch besser als die Schüler 2012?

Nein.
Ein Blick auf die durchschnittliche Punktezahl für Deutschland zeigt ein anderes Bild:

[IV]

  • Mathematik
    • 2012: 514 Punkte
    • 2015: 506 Punkte
  • Naturwissenschaft
    • 2012: 524 Punkte
    • 2015: 509 Punkte
  • Lesen
    • 2012: 508 Punkte
    • 2015: 509 Punkte

Im Lesen sind die deutschen Schüler, die 2015 getestet wurden, um einen mageren durchschnittlichen Punkt besser als die anderen deutschen Schüler, die 2012 getestet wurden – mit anderen Fragen. In Mathematik und Naturwissenschaft sind die deutschen Schüler, die 2012 getestet wurden, besser als die Schüler, die 2015 getestet wurden. Indes stellt sich der Abstand zum Spitzenreiter im Jahr 2015 in allen drei Bereichen als geringer dar als er es noch 2012 gewesen ist und nur in Naturwissenschaft erreichen deutsche Schüler 2015 einen schlechteren Rangplatz als ihn andere deutsche Schüler 2012 erreicht haben.

Machen wir eine letzte Rechenspielerei und setzen den Punkteabstand zum Spitzenreiter zum erreichten Spitzenwert in Beziehung und rechnen die unterschiedliche Spannweite der Punkteskala, die sich zwischen 2012 und 2016 ergibt, mit ein. Dann ergibt sich für Deutschland folgender prozentualer Rückstand auf den Spitzenreiter:

[V]

  • Mathematik
    • 2012: 16,2% Rückstand
    • 2015: 18,3% Rückstand
  • Naturwissenschaft
    • 2012: 9,6% Rückstand
    • 2015: 12,5% Rückstand
  • Lesen
    • 2012: 10,8% Rückstand
    • 2015: 11,0% Rückstand

Und schon sind die Leistungen der Schüler im Jahre 2015 rundum schlechter als die Leistungen der Schüler 2012.

Das PISA-DilemmaSie sind Gewerkschaftsfunktionär und wollen mit PISA die Notwendigkeit begründen, mehr Geld für Lehrer, Schulsozialarbeiter und GEW-Funktionäre auszugeben? Wir empfehlen die zuletzt dargestellten Ergebnisse: PISA zeigt: Bund muss mehr in Bildung investieren!

Sie sind Regierungspolitiker und wollen zeigen, dass die Bildungspolitik in Deutschland auf dem richtigen Weg ist? Wir empfehlen die unter [III] dargestellten Ergebnisse, die zeigen, dass deutsche Schüler in allen Bereichen 2015 besser abgeschnitten haben als 2012.

Sie wollen ein gemischtes Bild zeichnen, mehr Bundesmittel für Bildung abzwacken, sich aber auch für das bereits erreicht auf die Schulter klopfen, z.B. weil sie Vertreter des Deutschen Lehrerverbands sind? Nichts leichter als das: Wir empfehlen [IV] mit der Betonung der Verbesserung im Lesen und geben dazu den Hinweis, dass die Ergebnisse deutscher Schüler in Mathematik und Naturwissenschaft im Jahr 2015 über den Durchschnitt aller Ländern, die an PISA teilgenommen haben, liegen.

Und so bietet PISA für jeden etwas, jeder kann seine Schäfchen damit ins Trockene bekommen. Und darum geht, wenn man nationale Förderung einsammeln will, wie dies die OECD mit PISA sehr erfolgreich tut: Keinem wehtun und jedem das liefern, was er benutzen kann. In dieser Hinsicht ist PISA ein Erfolg. In wissenschaftlicher Hinsicht ist es ein Fiasko.


Hinweise für ScienceFiles?
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Was ist an Schulen los? Das ist an Schulen los! Erfahrungsbericht eines Gymnasiasten

Wir fragen auf ScienceFiles häufig: Was ist an deutschen Schulen los? Angesichts von Anti-Rassismus-Kampagnen und an US-Wahlergebnissen verzweifelnden Schülern, angesichts von schulischen Leistungstests, die zeigen, warum Unternehmen über den Ausbildungsstand von Schülern klagen, und angesichts von immer mehr Belegen dafür, wie Schulen zur ideologischen Indoktrination genutzt werden, ist dies eine logische Folge.

Heute geben wir eine erste Antwort auf diese Frage, das heißt nicht wir, sondern ein Gymnasiast aus Baden-Württemberg gibt diese Antwort, in dem er aus seinem schulischen Alltag berichtet, von den kleinen und großen Indoktrinationen, denen Schüler ausgesetzt sind, von Lehrern, die intellektuell von so manchem ihrer Schüler abgehängt werden und von Ethiklehrerinnen, deren Ethik soweit reicht, dass sie auf missliebige Fragen durch den Ausschluss des Fragestellers aus dem Unterricht reagieren.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag eine kleine Serie starten zu können und andere Schüler, die uns bislang still mitlesen dazu zu motivieren, ihre Erfahrungen mit ScienceFiles-Lesern zu teilen.


Dieser Artikel ist aus der Sicht eines Schülers der 12. Klasse/erste Jahrgangsstufe (also meiner Wenigkeit) verfasst, er ist sozusagen ein Insiderbericht. Eine letzte Information dieser „Einführung zur Einführung“: ich besuche eine gegliederte Schule, darunter befinden sich die Gymnasien: BTG(=BioTechnologisches Gymnasium) meine Schulart, TG(=Technisches Gymnasium) WG(=Wirtschaftliches Gymnasium) und schließlich SG(=Sozialwissenschaftliches Gymnasium)

meinungsfreiheitIm Folgenden beschreibe ich anhand von Lehrmaterialien und freilich subjektiven, wobei ich versuche möglichst deskriptiv in meinen Ausführungen zu bleiben, Tatsachenberichten wie man sich den „indoktrinatorischen Alltag“ eines (biotechnologischen-)Gymnasiasten ungefähr vorzustellen hat. Das Partikel „biotechnologisch“ ist dabei bewusst hinzugefügt, weil ich ein naturwissenschaftliches Gymnasium besuche, meiner Erfahrung nach ist der Einfluss diverser Ideologien an den sozialwissenschaftlichen Gymnasien wesentlich stärker, über das wirtschaftliche Gymnasium liegen mir bedauerlicherweise keine direkten Informationen vor. Meine Erfahrung ist allerdings, dass, je „härter“ sprich auf Empirie und Experiment, also auf Naturwissenschaft eine Schulform ausgerichtet ist, desto geringer wird der direkte Ideologische Einfluss. Ich beschränke mich daher fast ausschließlich in diesem Artikel auf „weichere“ Fächer, also Deutsch, Englisch, GGK(=Geschichte-Gemeinschaftskunde) und Ethik. Das ganze ist von meiner Wenigkeit oft humoristisch aufgelockert, aber keineswegs übertrieben.

Ursprünglich hatte ich vor, mich auf Schulmaterialien und einige subjektive Beispiele für Indoktrination zu beschränken, die vergangenen Wahlen in den USA haben allerdings wieder für einige…Verwerfungen gesorgt, um es vorsichtig auszudrücken. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen. Da gibt es zum Beispiel einen Lehrer, er unterrichtet Informatik, und scheint ein Bildungs-Idealist zu sein, seine Arbeit ernst zu nehmen und uns (seine Schüler also) bilden zu wollen. Das Wörtlein „scheinen“ ist hierbei essentiell wichtig, denn wenn es um ideologische Feinde, in diesem Falle Donald Trump, geht, dann lässt er jegliche Hemmungen seines Scheinliberalismus fallen, dann will er seinen Schülern erzählen, was sie für gut zu befinden haben.

Formuliert hat er es etwa so: „Das hier (Bildung, Schule) ist wichtig. Seht nach Amerika, ihr müsst verstehen, wie die Welt funktioniert, dass wird euch hier beigebracht. Damit so etwas (Trump-Wahlsieg) nicht noch einmal passiert.“

Wir lernen also: Es ist sehr wichtig, über die Welt Bescheid zu wissen, gebildet zu sein, aber vor allen anderen Dingen: Die korrekte Ansichten zu vertreten. Ein Antichrist wie Donald Trump, der rechtfertigt nicht einmal eine Argumentation, nein, den darf man wann immer es einem beliebt als Drohmittel für seine Schutzbefohlenen verwenden.

Denn nichts anderes wird doch mit solchen billigen Manipulationstechniken bezweckt: Lernt brav, sonst kommt Donald Trump und….ja, was eigentlich? Auf jeden Fall nichts Gutes, so scheint es. Wir können also folgern: Lehrer zu sein ist eine Sache, Denken zu können eine Andere. Könnte er es nämlich, er würde nicht davon reden, Schülern „helfen“ zu wollen, die Welt zu verstehen, er wäre sich bewusst, dass ein gebildeter Mensch vor allem in der Lage ist, kritisch zu hinterfragen, unabhängig zu sein und nicht auf irgendjemanden vertrauen zu müssen, der einem die Welt erklärt, einem sozusagen die „Meinung bildet“. Am liebsten hätte ich ihn auf diese an Faschismus grenzende, auf jeden Fall „schülerverachtende“ Frechheit hingewiesen, aber ich war bedauerlicherweise nicht in der Stimmung dazu.

Ich bin an sich ein streitbarer, schwer von Autorität zu beeindruckender Mensch, aber gelegentlich brauche auch ich eine Auszeit, sich ständig und überall mit jedem anzulegen, ist Verschwendung. Den rationalen Widerstand spare ich mir für wichtige Gelegenheiten auf.

Kommen wir aber zunächst zu einem weiteren Punkt: Ideologische, nennen wir sie Verunreinigungen des Lehrplans bzw. von Lehrmaterialien. Vorbei sind die Zeiten, in denen man als Schüler mit einem Anspruch an Schulung in logischem Denken und vor allem an Philosophie in den Ethik-Unterricht kam. Heute sind es „feministische Ethikerinnen“ wie Carrol Gilligan, denen man erlaubt ihre essentialistischen Wortgirlanden auf Schüler, man muss es sagen, zu ejakulieren.

Der Text „Gerechtigkeit und Fürsorge“, wurde von ihr verfasst und findet sich in „Standpunkte der Ethik- Lehr- und Arbeitsbuch für die Gymnasiale Oberstufe“, herausgegeben vom Schöningh-Verlag.

Ich konnte den Text bedauerlicherweise nicht vollständig im Internet finden und ehrlich gesagt ist es mir zu schade, dafür extra Geld auszugeben, deshalb werde ich einiges handschriftlich kopieren um dem geneigten Leser eine Vorstellung zu verschaffen, worum es geht.

gibberish1„Mit dem Entwurf eines alternativen Standpunkts möchte ich die moralische Entwicklung aus zwei moralischen Perspektiven rekonstruieren […] Die Gerechtigkeitsperspektive, die man oft mit moralischen Urteilen schlechthin gleichsetzt, wird neu verstanden als eine Art und Weise, moralische Probleme aufzufassen; als alternativer Bezugsrahmen wird eine Perspektive der Fürsorge entwickelt“

An dieser Stelle unterbreche ich kurz. Lassen Sie es auf sich wirken, und vor allem: versuchen Sie, dieses Satzungetüm in einem einzigen Satz zusammenzufassen. Geht nicht? Oh doch: „Meiner Ansicht nach gibt es zwei verschiedene Arten von Moral: Gerechtigkeits- und Fürsorgemoral, bisherige ( wie wir gleich erfahren männliche) Moral, ist reine Gerechtigkeitsmoral.“

Das ist die Quintessenz dieses sätzelangen Umherschwafelns. Ein bisschen wollen wir uns noch in Gilligans Lyrik vertiefen:

„Die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Fürsorge als alternative Perspektiven oder moralische Orientierungen ist empirisch auf die Beobachtung gegründet, dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert und dazu führt, dass die gleiche Situation auf unterschiedliche Weise wahrgenommen wird.“

I’m astonished! Unterschiedliche moralische Einstellungen führen zu einer unterschiedlichen Sicht auf moralische Probleme? Wer hätte das gedacht. Aber das Wörtlein „empirisch“ stört mich ein wenig. Denn es folgt kein Verweis auf ein Experiment, auf eine Beobachtung, sonder nur „dass ein Wechsel der Aufmerksamkeitsfokussierung von Gerechtigkeitserwägungen zu Fürsorgeerwägungen die Definition dessen, was ein moralisches Problem konstituiert, verändert […]“ Wie genau Carol Gilligan die telepathische Leistung erbracht hat, in die Köpfe von Menschen zu sehen und Ihre gerade eben konstruierten (man könnte auch sagen: ausgedachten) Moralperspektiven zu entdecken und so zu dieser für mich schwer nachvollziehbaren Schlussfolgerung zu kommen, diese Antwort bleibt sie leider schuldig, vermutlich auch deshalb, weil sie die beiden Perspektiven im gesamten Text nicht definiert.

Kommen wir zum feministischen Teil des Textes, der uns darüber aufklärt, dass Männer und Frauen völlig unterschiedliche Moralvorstellungen haben, und deswegen die gesamte bisherige Philosophie damengerecht umgedacht werden muss:

„Wenn die Moraltheorie eine kohärentere und begrifflich besser durchgearbeitete Perspektive der Fürsorge zur Verfügung stellen könnte, dann würde sie es den Frauen leichter machen, über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen zu sprechen, und sie könnte andere befähigen, zuzuhören und zu verstehen“

Wir lernen: Frauen sind, obwohl als Menschen zur sprachlichen Kommunikation fähig, nicht in der Lage, sich verständlich zu machen, aufgrund einer ominösen „Fürsorgeperspektive“, die sie vermutlich sogar daran hindert, deskriptive Aussagen zu treffen. Wie muss ich mir das als gerechtigkeitsorientierter Macho vorstellen? „Das schöne rote Haus hat einen tiefen bedrohlichen Keller, in dem arme Katzenbabys aufgepeppelt werden“. Fürsorglich genug? Ansonsten klingt Gilligans Text für mich ein bisschen wie die Neuauflage des Rufes nach dem „neuen Mann“ der sich immer und zu jeder Zeit her every whim anpasst. Aber das ist nur mein Eindruck. Wer trotzdem eine Idee hat, darf und soll sie gerne als Kommentar kund tun.

Das ist nur ein Beispiel für äußerst wirre Texterzeugnisse, von denen ich nicht genau weiß, was sie in einem Ethik-Lehrbuch verloren haben. Schulung in Wortmagie? Beliebiges Herummeinen als Ersatz für belastbare Beweise? Ich weiß es wie gesagt nicht.

Nun ist aber Schluß mit harmlosen Wortonanierern. Kommen wir zu den harten Ideologen und Genderisten, die insbesondere in einem gewissen Schulbuch ihr Unwesen treiben. Die Rede ist von Crossover, einem ergiebigen Fundus an seltsamen Schlussfolgerungen, Ideologie und Indoktrination. Wem dieses Englisch-„Lehrbuch“ nichts mehr sagt, der möge sich den Artikel „Schlimmer als im Dritten Reich: Indoktrination in Schulen dieses Mal von links“ auf Sciencefiles zu Gemüte führen.

Auf Seite 29 findet sich etwa der folgende Text. Der Titel, „Stay-at-home-Dads“ lässt bereits Schlimmes erahnen:

„When Christine Black dated photographer Mark Howells ten years ago, he told her that someday he wanted to raise their kids. Christine, a lawyer, thought that was just great. Nine years later, Christine Howells was a successful partner at a San Francisco law firm, while Mark spent his time at home with their 5-year old son, Micky, and infant daughter, Sarah. The 2006 US census reported that there were about 143,000 stay-at-home dads, a tiny number next to the 11 million stay-at-home mums. These men are social entrepreneurs challenging traditional definitions of manliness by throwing over one of the key measures of masculinity: the size of the paycheck. Men have to be tolerant. The solo stroller-pushing dad remains a target for unwanted advice.“

Die Zusammenfassung auf Deutsch: Bestimmte Männer sehen den Sinn des Lebens offenbar darin, sich an ihrem Nachwuchs auszurichten, in dem sie zuhause bleiben und Kinderwägen schieben, während Mutti (in diesem Fall sogar als Rechtsanwalt) den Familienunterhalt verdient. Allerdings stellen die Hausmänner nur die Minderheit dar, wenn man sie mit den Hausfrauen vergleicht(laut US census 143.000 zu 11 Millionen). Das macht diese Männer zu „social entrepeneurs“, einen Begriff, den es im Deutschen auch gibt, gemeint sind Unternehmer, die sich für die Lösung sozialer Probleme einsetzen. Hausmänner als Revolutionäre? Wie dem auch sei, nun schreibt sich der Autor zum ideologischen Orgasmus, denn nicht nur „social entrepeneurs“ , nein, auch Kämpfer gegen traditonelle Rollenbilder sind sie, Rollenbilder, deren Eckstein unter anderem die Höhe des Lohnauszugs ist. Und tolerant müssen Männer gegenüber dieser Entwicklung auch sein, schließlich würden sie wohl ohne diesen (vermutlich weiblichen Hinweis) jeden Kinderbuggy schiebenden und -fläschchenwärmenden „social entrepeneur“ wohl sofort traditionell maskulin verwemsen. Okay, einige Einschübe konnte ich mir nicht verkneifen, aber die Quintessenz dürfte klar sein.

Wir hatten vorhin ja eine „feministische Ethikerin“ zum Thema. Ob dort eine Begriffsverwandtschaft zu „arischer Physik“ oder „kommunistischer Mathematik“ besteht, ist nicht klar. Klar ist jedoch, dass Englischbuchverfasser(?) in Gestalt von Shaunessy Ashdown und Marilyn Clifford-Grein um einiges schlimmer sind, können sie es doch nicht lassen, ihre ideologischen Griffel von Statistiken zu lassen und Zahlenwerte in ihrem Sinne frei herum zu interpretieren. Was hat bitte die Anzahl an Hausmännern mit traditionellen maskulinen Rollenbildern die sich angeblich am Lohn ausrichten zu tun? Verschwinden jene dann einfach? Und was ist mit den Karrierefrauen? Mutiert der Lohn dann nicht plötzlich auch zu einem „key measure“, nur eben für Femininität als eine Art „Karrierefemininität“ oder wechselt dann das Geschlecht? Mal im Ernst: Wie dämlich muss man denn bitte sein, um diesen einfachen Widerspruch nicht zu erkennen.

Wie ideologisiert muss man sein, um in anderen Lebensentwürfen etwas Anderes zu sehen, als eben einen anderen Lebensentwurf. Das ist doch wieder genderistischer Essentialismus erster Güte. Wenn ich mich statt in die Toilette in das Waschbecken übergebe, ob des täglichen Unsinns den ich lesen muss, „challenge“ ich dann auch traditionelle Rollenmuster von Toiletten? Darüber sind Ashton et al bestimmt schon dabei einen Text zu verfassen.

crossover-2Crossover, so wird langsam klar, ist tatsächlich eine Überführung, eine Überführung in den Wahnsinn möchte ich schon sagen. Wahnsinn der einem in Lohnauszügen Eckpfeiler der Maskulinität und in Hausmännern Sozialunternehmer sehen lässt.

Nach einigen Beispielen (ich will den Leser nicht langweilen) komme ich nun einer Frage, um deren Beantwortung mich die Sciencefiles-Redaktion gebeten hat: Die Frage, wie ich mit dem täglichen Angriff auf meinen Intellekt umgehe?

Eine gute Möglichkeit ist meiner Erfahrung nach die direkte Konfrontation. Das ist nicht unbedingt die Methode, die einem immer Sympathien einbringt, aber zumindest mich entspannt es, unerträgliche logische Widersprüche in sich zusammenfallen zu lassen, das ist ein wenig wie ein Muskelkrampf, der sich löst.

Aber ich kenne auch einige Klassenkameraden, die noch kritisch zu denken in der Lage sind und gut finden, was ich mache. Ich glaube auch eher, dass sich bei Manchen eine gewisse passive Duldung nach dem Motto „lasst mich einfach in Ruhe“ einstellt, was ich gut nachvollziehen kann. Auch eine Methode, mir aber zuwider, weil ich Passivität gegen offensichtlichen Schwachsinn einfach nicht halten kann, das ist in etwa so, wie wenn ich lügen würde, ein schlechtes Gewissen, nichts getan bzw. gesagt zu haben.

Wie gesagt, nicht immer die sozial sinnvollste Methode. Ich bin zum Beispiel letztes Jahr im November mit meiner Ethik Lehrerin aneinander geraten. Es ging um Beispiele für Menschenrechtsverletzungen bzw. Verfassungsbrüche in Deutschland und Europa und da habe ich selbstverständlich die Frauenquote ins Spiel gebracht, die wenn ich mich nicht irre, auch bereits was ihre Verfassungs(nicht)konformität angeht auf diesem Blog thematisiert wurde. Ich erntete sehr schnell heftigen Gegenwind, der mich sehr überrascht hat, offenbar hatte ich einen wunden Punkt getroffen. Ich blieb in der für mich typischen kühlen, neutralen Art und stellte für mich logisch dar, was die Frauenquote verfassungsfeindlich und vor allem diskriminierend macht.

Die Lehrkraft steigerte sich dabei immer mehr in einen Zustand der Erregung hinein, der dann schließlich seinen Klimax im Märchen vom Patriarchat hatte (systematische Frauenunterdrückung, aber das ist ja das Gleiche in der feministischen Terminologie), es ging noch etwas weiter, endete dann mit meinem wohl ideologisch motivierten Ausschluss aus dem Unterricht für den Rest der Doppelstunde. Im Ethikunterricht wohlgemerkt, wo man von den Lehrkräften eigentlich eine besondere Toleranz bzw. Konfliktfähigkeit erwarten dürfte. Ich bin jedenfalls nicht ausfällig geworden, was man mir auch bestätigt hat.

Wie dem auch sei, ich will einfach meine Hochschulreife, der ganze Rest ist für mein zukünftiges Leben nahe an der Bedeutungslosigkeit.

Danke an alle Leser, die meine Ausführungen bisher durchgestanden haben, es war mein erster Artikel dieser Art, deshalb bin ich äußerst offen für Kritik, ansonsten hoffe ich, dass er einen Einblick gewähren konnte, wie es um den schulischen Alltag in Baden Württemberg/Deutschland aus der Sicht eines Schülers bestellt ist.

Zum Abschluss möchte ich auch noch ausdrücklich der ScienceFiles-Redaktion danken für die Möglichkeit, mich an meinem ersten Artikel überhaupt versucht haben zu dürfen.