Bildungsforschung: Bremer Schüler sind drei Jahre zurück

Manche Pressemeldungen muss man zwischen den Zeilen lesen. Z.B. die lange Pressemeldung, die mit „Bessere Chancen für Schüler, aber Unterschiede zwischen Bundesländern wachsen“ überschrieben ist. In dieser Pressemeldung findet sich der folgende Satz von Nils Berkemeyer von der FSU Jena:

„Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht.“

Weiter: Ein öffentliches Schulsystem müsse für vergleichbare Chancen sorgen und ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln, im Interesse der Jugendlichen und der Gesellschaft.

Die Apokryphe von Berkemeyer, dem es trotz markiger Formulierung offensichtlich nicht darum geht, zu sagen, was ist, kann man wie folgt entziffern:

chancenspiegelBerkemeyer ist über das Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Jena an der Erstellung des Chancen-Spiegels beteiligt, den die Bertelsmann-Stiftung jährlich herausgibt. Ebenso beteiligt ist Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund. Sie sammeln Daten über die Schulsysteme, die die jeweiligen Kultusminister der Länder als eine Form „Bildungsprotektorat“ gegeneinander abschotten, und bewerten die Daten.

Gesammelt wurden z.B. Daten zum Leistungsstand der Schüler der neunten Klassen in den Bundesländern, und zwar für ihre Lesefähigkeit und ihr Leseverständnis und im Hinblick auf ihre Fähigkeiten im Fach Mathematik.

Dabei ist herausgekommen, dass ein durchschnittlicher Schüler der neunten Klasse in Bremen in seiner Lesefähigkeit, seinem Leseverständnis und in seinen Fähigkeiten und seinem Wissen im Fach Mathematik mehr als drei Schuljahre hinter einem durchschnittlichen Schüler aus Sachsen hinterher hinkt. Mit anderen Worten, würde ein Schüler der 9. Klasse aus Bremen nach Sachsen wechseln, dann würde er in Sachsen auf Grundlage seiner Kompetenzen in die 6. Klasse eingeschult.

Aber, wie gesagt, Kultusminister verwalten ihr Bildungsprotektora,t und deshalb erhält ein Schüler in Bremen trotz erheblich geringeren Wissens und trotz weit geringerer Fähigkeiten den gleichen Abschluss, den auch ein Schüler in Sachsen erhält. Dass sich hinter dem gleichen Abschluss riesige Unterschiede in Kompetenz und Fähigkeit verbergen, wäre entsprechend das, was unter Kultusministern als „Bildungsgerechtigkeit“ gehandelt wird. Gerecht ist anscheinend, dass ein schlechterer Schüler aus Bremen z.B. denselben Abschluss erhält, wie ein besserer Schüler aus Sachsen. Gerecht ist, dass in Bremen Schüler mit einem Abitur ausgestattet werden, die in Sachsen Mühe hätten, die Mittlere Reife zu erreichen.

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14 Responses to Bildungsforschung: Bremer Schüler sind drei Jahre zurück

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  2. Nulpe says:

    Das ist doch in Bremen/Bremerhaven nicht weiter schlimm.
    Da lebt sowieso jeder 4. von Stütze.
    Der typische Werdegang: Kindergarten – Schulgarten – Stadtgarten – Tafel – Friedhof.
    Der Leher Markt war früher mal eine angesehene Wohngegend mit vernünftigem Publikum.

    Au Backe, was ist daraus geworden

  3. corvusalbusberlin says:

    Und wie ist der Unterschied zwischen Bremen und dem Freistaat Bayern?

  4. Sven Kuchary says:

    Die Daten lassen sich auch durch Unterschiede der Schüler erklären. Demografisch unterscheiden sich die beiden Bundesländer in der Tat deutlich. Nulpe deutet das an.
    Gehen wir davon aus, dass es in Bremen anders als in Sachsen einen höheren Anteil weniger leistungsstarker Schüler gebe, messbar anhand von Intelligenztests. (Ja, ich weiß, der Zusammenhang von Schulleistung zu Intelligenz ist noch mal ein Thema für sich.) Ich erwarte keinen Intelligenzunterschied, der 3 Jahren Alter entspricht, aber eine breitere Streuung. Bremen brüstet sich ja, die schwächeren Schüler „gemeinsam“ mit den anderen zu unterrichten. Das ist die Nivellung nach unten. An welchem Leistungsperzentil richtet die sich das Unterrichtsniveau aus? CDU fordert 30%, die SPD fordert 5%, die Linken unterbieten auch das noch. Es lebe das differenzierte Schulsystem wie in Sachsen, das den grauen Zellen der Kinder ausreichend Futter gibt.

  5. chris says:

    Dass diese Nachricht ausgerechnet am #ZeroDiscrimination Day erscheint, an dem Hessens Grüne behaupten, dass „Vielfalt Hessen stark macht“ oder andere zur „schulischen Inklusion“ aufrufen, weckt fast den Verdacht, dass das gar nicht als Problem erachtet wird sondern gewollt ist. Vllt. wird ja auch in Bremen jeder nach seinen Fähigkeiten gefördert, wohin auch immer.
    Lustig wird es hiermit:
    1. http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-deputat-pflichtstunden/4370
    2. http://www.oeffentlichen-dienst.de/news/69-gehalt/300-grundschullehrer-gehalt-lehrergehalt.html
    3. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/FinanzenSteuern/SchuldenGesamthaushalt2013_102014.pdf;jsessionid=353A3BDFE5E1BB3F7C69814466E45561.cae3?__blob=publicationFile (Seite 619)

    Denn dann sieht man, dass die Sachsen die bessere Leistung im Gymnasium mit einer Pflichtstunde weniger hinbekommen, die entsprechenden Lehrer (zumindest die, die beim Staat angestellt sind) für die bessere Leistung dafür aber auch konsequent mit deutlich weniger Netto nach hause gehen, die Bremer Lehrer also eine Prämie für schlechte Bildungsleistungen kassieren. Das ganze findet in Bremen auch noch im Bundesland mit der höchsten pro Kopf Verschuldung statt, gegenüber Sachsen mit der niedrigsten: Man lässt sich seine schlechten Schüler ordentlich was kosten.

  6. Livia says:

    In der Entwicklung der Bildungspolitik ist in der 2. Hälfte des 20.Jh. nur Blödsinn gemacht worden – der gröbste mit den „Reformen“ der Regierung Brandt und danach.
    Als meine Großväter Abitur machten, war es im deutschen Kaiserreich zumindest in den Reichsprovinzen / Fürstentümern einheitlich.
    In der Zwischenkriegszeit wurde die Bildung sogar so einheitlich gestaltet, daß im gesamten deutschen Reich der selbe Bildungsplan galt. Das hatte „nebenher“ den Vorteil, daß Eltern im gesamten Gebiet den Wohnsitz (und Arbeitsplatz) wechseln konnten, ohne zu riskieren, daß die Kinder dadurch zu Schulversagern wurden. Ja, sogar die Schulbücher waren reichseinheitlich, was zu riesigen Auflagen und damit zu niedrigen Preisen und dazu zu der Möglichkeit, daß diese von allen Geschwistern benutzt werden konnten, sodaß die Eltern sie sich leisten konnten, führte. (Riesengewinne der Schulbuchverlage, wie heute, waren so natürlich nicht möglich.)

    Mit Gründung der BRD wurde die Bildung Ländersache, in den 1960ern waren schon die Schulbücher zumindest zwischen – auch benachbarten Städten – verschiedene, wurden teuer und die staatliche Schulbuchfinanzierung, zuerst für Kinderreiche, da Geschwister kaum noch Schulbücher weiterbenutzen konnten, kam auf. Heute können sie innerhalb einer Stadt, ja sogar einer Schule unterschiedlich sein.

    Bis dahin war aber garantiert, daß:
    Ein Hilfsschulabsolvent einigermaßen lesen und schreiben konnte, sowie die Grundrechenarten beherrschte und sich im täglichen Leben zurechtfand.
    Ein Volksschulabsolvent (mit 14!) dazu in der Lage war, eine gewerbliche Ausbildung anzufangen und erfolgreich abzuschließen.
    Ein Mittelschulabsolvent (mit 16) dazu in der Lage war, eine Ausbildung gehobener Qualifikation erfolgreich abzuschließen, sowie eine Aufbauausbildung, wie z.B. zum Ingenieur.
    Ein Abiturient in der Lage war, ein Hochschulstudium aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen.
    Die Erziehung zu gewissen zivilisatorischen Normen gehörte selbstredend auch dazu.

    Die SPD unter Brandt wollte, daß mehr Menschen Abitur machen und hat das durch Absenken des Niveaus erreicht – und dieses Spielchen hat sich seitdem durch alle Bildungsebenen lustig fortgesetzt! Dabei richtet es sich nach dem Durchschnitt der Leistungsfähigkeit der Schüler, wodurch solche Unterschiede noch verstärkt werden.

    Ist das allgemeine Niveau niedrig, wie in abgehängten, ehemaligen Industriehochburgen, wie z.B. Bremerhaven oder auch Duisburg-Marxloh, reicht eben das Abitur noch gerade für die Lehre im Handwerk, was woanders noch die Mittlere Reife erfüllt. Die Hauptschule hingegen entspricht oft nicht einmal dem 60er Jahre Standart der Hilfsschule. Die Kinder werden auch nicht mehr ausschließlich durch den Lehrkörper auf die weiterführenden Schulen selektiert – und das führt zum Versagen und Ausbildungsabbruch als Jugendlicher und / oder junger Erwachsener, was zu frustrierten Menschen, Sucht, psychischen Krankheiten, Fanatiesierung, uä. führt. Mit 10 Jahren ist einem Kind eher zu vermitteln, daß es nicht aufs Gymnasium kann, als nach 10 Semestern endgültig durch die Prüfung zu fallen.
    Und die Zahl der Ausbildungsabbrecher und mehrfachausbildungen war noch nie so hoch.
    Auch hat man sämtliche Ausbildung zur Lebensmeisterung wegfallen lassen, statt dessen diese unsäglichen Sexualkunde hinzugenommen – als ob der Schmuddelkram das Hauptziel, die wichtigste Qualifikation im Leben wäre …

    Man kann nur hoffen, daß Trump, der ja erklärt hat, das US-Bildungssystem auf Vordermann zu bringen, sich das alte preussische zum Vorbild nimmt, und damit eine allgemeine Umkehr zu Leistung und Basisfähigkeiten einläutet. Denn bisher hat man doch den Eindruck gehabt, das alles auf das Erreichen des schlechten US-Systems hinausläuft. (Bis 18 allgemeinbildend schulpflichtig, Fächer, für die man sich Mühe geben müßte, wählt man ab – also notfalls Schulabschluß ohne Lesefähigkeit mit Sport und Religion …)

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  8. hgb says:

    Da wird doch gerade wieder von dem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten gesprochen. Warum soll dies nicht auch bei der Schulen gelten dürfen?

  9. elljott moog says:

    …heute Morgen hatte Radio Energy in Sachsen aus dem „Chancenspiegel“ als offenbar „wirklich relevantes“ Extrakt nichts besseres zu berichten, als „Ausländer haben es in Sachsens Schulen schwer: Jeder vierte Ausländer schafft in Sachsen keinen Schulabschluss.“
    So macht man Lügenpresse.

  10. willy-winzig says:

    Dieses Phänomen ist in allen Bundesländern anzutreffen in denen die SPD mit den Grünen bzw. die Linke einmal die Regierung stellte. In Berlin und NRW ist das genauso wie in Bremen. Man muß nur einmal mit einem schulpflichtigen Kind von Berlin nach Sachsen oder gar Bayern umziehen, dann weiß man bescheid.
    Die SPD (Juso) und später die Grünen Pädagogen haben doch seit 45 Jahren an der Abwertung des Schulabschlusses gearbeitet. Das fing alles mit der Deutsch-Polnischen Schulbuchkonferenz 1972 an, in der nach dem Deutsch-Polnischen Grenz-Abkommen 1971, in der die deutschen Schulbücher gesäubert wurden!
    Man vergleiche die Schulbücher für den Geschichtsunterricht von 1970, mit dem von 1980, dann kann man den Unterschied sehr leicht feststellen.
    Danach wurden dann die „Kopfnoten“ abgeschafft und jedes Kind in die nächsthöhere Schulklasse versetzt. Das Ergebnis dieser Schulpolitik seit 1972 erleben wir heute, wo viele Studenten nicht einmal mehr die deutsche Sprache fehlerfrei beherrschen.
    Durch die jetzt hinzukommenden Flüchtlingskinder wird die ganze Situation dann auch nicht gerade besser.
    Der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland ist durch diese Bildungspolitik massiv bedroht.

  11. caesar4441 says:

    Die Bremer sind auf einem guten Weg (nach Professor Schäuble) zum NWO Sklaven.Weit voran.

  12. asisi1 says:

    in Bremen sind ca. 70 jahre die sozi der SPD am ruder.aus den schulen werden kinder entlassen die weder rechnen noch richtig schreiben können. die Justiz und Polizei hat es aufgegeben die miri sippe zu zügeln. 50% der Bevölkerung lebt vom Staat.
    das traurige dabei ist , das Volk wählt diese nullen immer noch!

  13. myosotis says:

    Da hätte ich mir mein Abitur in Sachsen sparen können und stattdessen mit der mittleren Reife in Bremen studieren sollen.

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