Grüne sind dümmer als der Durchschnitt …

vielleicht sind sie auch nur die Speerspitze anti-intellektueller Isomorphie, die politische Kader erfasst hat.

Das folgende Fundstück stammt aus einer kleinen Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Luise Amtsberg, Cem Özdemir, Monika Lazar, Katja Keul, Renate Künast, Irene Mihalic, Dr. Konstantin von Notz, Hans-Christian Ströbele und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN; Bundestagsdrucksache 18/11897. In der kleinen Anfrage geht es um das Geschäft mit Flüchtlingen. Genau: Um die Werterziehung von Flüchtlingen, denn Flüchtlingen muss ja beigebracht werden, was sie offenkundig selbst weder wissen noch zu lernen im Stande sind, jedenfalls aus Sicht von Bündnis90/Grüne.

In der kleinen Anfrage fragen die Abgeordneten Folgendes:

„Gehören folgende Aspekte nach Auffassung der Bundesregierung zu der Wertebildung im Integrationsprozess:

– die Freiheit, gewaltfrei in einer Familie aufwachsen zu dürfen;
– die Freiheit, Ehe- bzw. Lebenspartnerinnen und -partner frei und ohne Zwang auswählen zu dürfen oder auf Ehe und Lebenspartnerschaft zu verzichten;
– die Freiheit in selbstbestimmten Partnerschafts- oder Familienstrukturen zu leben“

Wir haben schon öfter über den verbreiteten Versuch von Politdarstellern geschrieben, philosophische Konzepte zu verwenden. Auch dieses Mal ist es beim Versuch geblieben, wie schon im Hinblick auf Gerechtigkeit und Gleichheit, so zeigen die Grünen, dass sie auch keine Idee davon haben, was Freiheit bedeutet.

FreedomFreiheit wird gewöhnlich über die Abwesenheit äußerer Hindernisse definiert und ist immer dann gegeben, wenn ein Akteur seinen Willen ohne Rücksicht auf Randbedingungen umsetzen kann. Entsprechend wird Freiheit im Liberalismus in der Regel als Abwesenheit von Zwang definiert (Hayek spricht von Freiheit als einem Zustand, der sich dadurch auszeichnet, dass man nicht dem willkürlichen Zwang anderer unterworfen ist).

In Demokratien hat sich Freiheit meist als Grundrecht in Verfassungen verirrt. Entsprechend garantiert z.B. das Grundgesetz die Meinungs-,Versammlungs- oder die Religionsfreiheit. Diese Garantie hätte Philosophen wie Thomas Hobbes, die eine rechtspositivistische Auffassung von Freiheit haben, nach der Menschen die Freiheit zu allem haben und nur ihr Verstand sie davon abhält, in der Regel davon abhält, von ihrer Freiheit im vollen Umfang Gebrauch zu machen, zum Lachen gebracht. Dass nach rechtspositivistischer Ansicht der Verstand ein Bollwerk gegen die Ausübung der Freiheit auf alles darstellt, ist ein Gedankengang, der leicht nachvollziehbar wird, wenn man bedenkt, dass umfassende Freiheit auch die Freiheit zu Mord und Diebstahl einschließt.

Zwischen dieser Definition absoluter Freiheit und der zuerst gegebenen Definition, seinen Willen ohne Berücksichtigung von Randbedingungen umsetzen zu können, liegt das, was man als real-existierende Freiheit bezeichnen könnte, nämlich in pessimistischer Formulierung die Illusion, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das nur an die Grenzen der Selbstbestimmung anderer oder die Grenzen von Regeln stößt, die z.B. die Freiheit, über das volle Gehalt, das man erarbeitet hat, zu verfügen, beschneiden. In optimistischer Formulierung wird Freiheit von der Illusion zur Käfighaltung, d.h. in heutigen Gesellschaften ist Freiheit da möglich, wo sie nicht durch Regeln und andere ausgeschlossen ist, die Freiheit der Wahl des Fernsehsenders, die Freiheit aus fünf Kneipen eine aussuchen zu können, die Freiheit, zwischen mehreren nahezu identischen Parteien wählen zu können, die Freiheit, den Urlaubsort weitgehend selbst bestimmen zu können. Moderne Menschen sind bescheiden, wenn es um Freiheit geht. Für diese Bescheidenheit erhalten sie Sicherheit, im Tausch, oder die Illusion von Sicherheit, je nachdem, ob man zur pessimistischen oder zur optimistischen Sichtweise neigt.

In jedem Fall ist Freiheit ein individuelles Konzept, das sich auf den Möglichkeitsraum bezieht, den man durch eigenes willentliches Handeln ausnutzen kann.

Somit muss man die oben genannten Grünen in die nächste Integrationsmaßnahme der Bundesregierung stecken: Sie haben keine Ahnung davon, was Freiheit bedeutet.

Denn:

a) – die Freiheit, gewaltfrei in einer Familie aufwachsen zu dürfen;

Friedman Capitalism and FreedomEs kann keine Freiheit, gewaltfrei in einer Familie aufzuwachsen, geben, denn erstens wird dadurch die Freiheit dessen, der Gewalt in Familien tragen will, meistens sind das die Mütter, in Abrede gestellt und wer hätte je davon gehört, dass die Grünen Frauen etwas in Abrede stellen wollen? Zweitens ist Freiheit wie gesagt ein individuelles Recht, was dazu führt, dass die Grünen hier ein Absurdum formuliert haben, denn man kann Freiheit nicht verordnen, wie es den Grünen vorschwebt. Jeder hat die Freiheit, sich Gewalt zu entziehen, niemand kann die Freiheit haben, etwas zu dürfen. Dürfen setzt die Gewährung eines Rechts durch Dritte voraus und ist somit das Gegenteil individueller Freiheit. Aber das verstehen die grünen Kollektivisten vermutlich nicht.

b) – die Freiheit, Ehe- bzw. Lebenspartnerinnen und -partner frei und ohne Zwang auswählen zu dürfen oder auf Ehe und Lebenspartnerschaft zu verzichten;

Es gilt, was oben bereits gesagt wurde. Freiheit ist etwas, das man hat und sich nimmt. Zuweilen kann man auch auf Freiheit verzichten. Manche, wie Thomas Hobbes haben es geradezu als Grundlage einer Gesellschaft gesehen, dass alle Mitglieder auf bestimmte ihrer Freiheiten (z.B. die auf Mord und Diebstahl) verzichten. Es gibt aber keine Freiheit von Grünen Gnaden, die dadurch definiert wird, dass man etwas darf.

c) – die Freiheit in selbstbestimmten Partnerschafts- oder Familienstrukturen zu leben“

Da Freiheit gewöhnlich als Abwesenheit von Zwang definiert ist, ist Selbstbestimmung eine Anwendung von Freiheit. Deshalb formulieren die Grünen hier eine weitere Absurdität: Die Freiheit, den Partner zu wählen, kann niemand nehmen. Es mag Regime geben, die Menschen zu bestimmten Handlungen zwingen wollen, aber durch diesen Zwang, etwas zu tun und anderes zu unterlassen, wird den entsprechenden Menschen nicht die Freiheit genommen, zu handeln, wie sie das gerne wollen. Dass Zwang nichts daran ändert, dass Menschen frei sind, belegt die Existenz von Kriminalität. Trotz des Zwangs, der eingesetzt wird, um Menschen daran zu hindern, andere zu ermorden oder zu bestehlen, gibt es Diebstahl und Mord, entscheiden sich Menschen, ihre entsprechende Freiheit auch zu leben.

Die Grünen mit ihrem Unverständnis von Freiheit, mit ihrer Ansicht, Freiheit sei gegeben, wenn der große Pater Familias seinen Kindern einräumt, dass sie bis 21 Uhr aufbleiben dürfen, sie wirken wie ein Relikt aus der Zeit des gewalttätigen Katholizismus, der Zeit, als versucht wurde, Freiheit auf Scheiterhaufen und in Folterkammern zu beseitigen. Aber vielleicht ist das ja der intellektuelle Status, den man bei den Grünen derzeit erreicht hat.

Schuhe für die Gottlosen…

Das Bedürfnis, die personale Identität, für die man sich bekanntlich abmühen, die man sich erarbeiten muss, gegen eine soziale „Ich bin“ Identität zu tauschen, eine, die man frei Haus und ohne eigene Anstrengung, einfach durch Zuordnung erhalten kann, scheint – jedenfalls nach unserer Beobachtung – zuzunehmen.

Tajfel. social identityDas beginnt an Universitäten, an denen Personen, die normalerweise nicht einmal in die Nähe einer höheren Bildungsinstitution kämen, tönen, sie seien Wissenschaftler oder Professor oder Inhaber einer statushohen Position und geht weiter über die unterschiedlichsten Formen der sozialen Ich-bin-Zuordnung, z.B.:

Ich bin Charlie,
Ich bin Antifaschist,
Ich bin für die Umwelt,
Ich bin gegen Atomkraft;
Ich bin gegen Trump;
Ich bin Deutscher;
Ich bin ein Berliner;
Baby an Board;
Ich bin Homosexuell oder anders sexuell;

Der Drang danach, den eigenen Lebensstil oder die eigene Werthaltung anderen Menschen auf die Nase zu drücken und sich selbst als das zu inszenieren, was man als überlegene Vegetationsform ansieht, ist so weit verbreitet, dass ihn auch das Marketing entdeckt hat. Das ist nichts Neues, denn die menschlichen Litfaßsäulen, die für Hugo Boss oder Benetton Reklame laufen, gibt es nicht erst seit heute.

Die soziale Ich-bin-Identität (anstelle der ich-tue-Identität) nimmt derzeit jedoch eien dezidiert Lebensstil-wertorientierungs-Form. Neuestes Beispiel sind Schuhe, mit denen man seinen Atheismus zum Ausdruck bringen kann.

“ The first „ATHEIST Shoe“ was created as an art project. We felt the world might be a better place, if non-believers were more open about their godlessness, so we carved the words „ICH BIN ATHEIST“ on a shoe sole – just as a cheeky little provocation.

Auch Kunst ist heute billig zu haben, drei Worte reichen: Ich bin Atheist, fertig ist die Kunst. Und die Masche zieht. Die Nachfrage von Schuhträgern, die sich gerne als Atheist zu erkennen geben wollen, damit ihre Mitmenschen auch wissen: „Aha, das ist ein Atheist!“, sie wächst und Atheist-Schuhmacher wachsen mit.

atheist-shoesAtheist-Schuhe sind – so ein Slogan – für Leute, die auf ihren Füssen und nicht auf ihren Knien leben. Markige Sprüche zeichnen erfolgreiche Werbestrategeme aus. Geschmack spielt dabei oft keine Rolle, Geschmacklosigkeit schon eher. Man fragt sich unwillkürlich, was ist das für eine Generation ist, die dermaßen einfach zufrieden zu stellen ist, der es reicht, verbal etwas zu sein, die nicht einmal auf die Idee kommt, etwas zu tun.

Tajfel hat soziale Identität definiert als: als „the individual’s knowledge that he belongs to certain social groups together with some emotional and value significance to him of the group membership” Im Gegensatz dazu versammelt eine personale Identität die biographischen Leistungen und Überzeugungen, Charakteristika und Eigenschaften eines Menschen. Die Willigkeit, sich einer Gruppe atheistischer Schuhträger öffentlich zuzuordnen, muss man dann wohl als Abwahl des Versuchs ansehen, als eigenständige Persönlichkeit zu gelten, die auch etwas tut.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Von Werten, Wertigkeit und Logik

einige klärende Bemerkungen zur Diskussion anlässlich des ScienceFiles-Textes „Menschen sind nicht gleichwertig!“

Im Text „Menschen sind nicht gleichwertig!“ haben wir aus einem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag berichtet, in dem verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung u.a. von „Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen“ gefordert werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Bündnis 90/Die Grünen für sich in Anspruch nehmen, Verfechter der These zu sein, nach der Menschen gleichwertig sind.

B90GDabei bleibt völlig unklar, was die These von der Gleichwertigkeit von Menschen genau bedeuten soll: Mit Bezug worauf werden von Bündnis 90/Die Grünen Menschen für gleichwertig erklärt? Von wem, für wen und in welchen Kontexten wird Gleichwertigkeit bestimmt, und vor allem: mit welcher Begründung und welcher Legitimation wird von einigen Menschen die pauschale, unspezifizierte These von der Gleichwertigkeit von Menschen aufgestellt? Und wie ist es möglich, dass das ausgerechnet solche Menschen tun, deren gesamter Text – d.h. der oben erwähnte Antrag – von Unterstellungen gegen andere, abfällige Bezeichnungen von anderen und Diskreditierungen von anderen Menschen nur so strotzt?

Man muss vermuten, dass die Verfasser des Antrages, die die Gleichwertigkeit von Menschen postulieren, diese Gleichwertigkeit auch gleich wieder bestreiten, denn die Rede ist u.a. von „populistischen Kräften“, die „lautstark“ „in unserem [!] Land“ „rassistische, völkische, homophobe und sexistische Deutungsmuster“ „bedienen“ (S. 2 im Antrag). Explizit wird z.B. die Bürgerbewegung PEGIDA als ein „klare[s] Warnsignal[…]“ dafür bezeichnet, dass sich „die rechte Szene mobilisiert“ (S. 4 im Antrag), obwohl empirische Forschung über die PEGIDA längst gezeigt hat, dass es sich bei ihr um Bürger mit ganz verschiedenen Anliegen handelt, die sich bei PEGIDA sammeln, um ihrer Unzufriedenheit mit dem derzeit herrschenden System in Deutschland kundzutun. Soviel Lautstärke ist für Bündnis 90/Die Grünen in einer Demokratie nicht erträglich, und deshalb wollen sie von der Bundesregierung Drohungen gegen die Bevölkerung ausgesprochen sehen wie die folgende: „Auch braucht es ein konsequentes Vorgehen gegen jede Form von Fraternisierung, Kumpanei, Durchstecherei zu Gunsten von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten durch einzelne Beschäftigte in Sicherheitsbehörden“ (S. 4 im Antrag).

U.a. um die Bigotterie, die diesen Antrag kennzeichnet, auf den Punkt zu bringen, haben wir unserem Text die Überschrift gegeben: „Menschen sind nicht gleichwertig!“ – mit Sicherheit gilt dies nämlich in den Augen von Bündnis 90/Die Grünen, deren Antrag in jedem einzelnen Absatz genau die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ – die Autoren mögen diesen Ausdruck sehr; er findet sich in dem sechsseitigen Antrag dreimal auf S. 2, einmal auf S. 3 und einmal auf S. 5 – propagiert und Hassrede gegen bestimmte Gruppen der Bevölkerung führt, die sie angeblich stärker bekämpft sehen wollen.

So viel zu unserem Text, der in Reaktion auf die im Antrag von Bündnis 90/Die Grünen dokumentierte Bigotterie verfasst wurde.

Unser Text hat erfreulich viele Kommentatoren gefunden. Zwei oder drei von ihnen haben in ihren Kommentaren mitgeteilt, dass es ihnen unangenehm sei, Menschen mit Wertigkeiten zu verbinden, und im Anschluss hieran hat sich ein Kommentaraustausch zwischen ihnen und nicht nur, aber hauptsächlich, uns ergeben, der wie wir meinen, als solcher recht aufschlussreich war – zumindest für uns selbst.

Aufschlussreich fanden wir vor allem, dass zwei Kommentatoren – vermutlich unabhängig voneinander, aber hierüber können wir nicht sicher sein – darauf hingewiesen haben, dass sie von „Wert“ oder „Wertigkeit“ mit Bezug auf Menschen nicht sprechen wollten, weil diese Begriffe ökonomisch konnotiert seien und Menschen „zur Ware“ machten. Einer dieser Kommentatoren hat berichtet, dass in seinem „soziokulturellen Umfeld“ diese Begriffe sogar „verpönt“ seien, und dass sie „allgemein“ so aufgefasst würden wie von ihm, d.h. als ökonomisch konnotierte Begriffe. Er hat weiter behauptet, dass der Duden seine bemerkenswert enge Interpretation des Begriffes „teile“.

Weil dies eine für uns überaus überraschende (wenn auch für die Argumentation nicht weiter relevante) Behauptung war, nehmen wir sie zum Anlass zur Klärung

  1. der Frage, was nach dem Duden „Wertigkeit“ und „Wert“ bedeuten sollen, und
  2. der Frage, ob es logisch möglich ist, sich der These von Bündnis 90/Die Grünen

von der Gleichwertigkeit der Menschen anzuschließen, wenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt.

Vorweg sollten wir vielleicht erklären, warum uns die oben berichteten Behauptungen überrascht haben:

Wir sind selbst deutsche Muttersprachler, haben mehrere Jahrzehnte in Deutschland verbracht. Wir wissen daher, dass es vollkommen üblich ist, davon zu sprechen, dass einem etwas oder jemand „etwas wert“ ist, ohne dass der Sprecher plant, dieses oder diese Person in die Sklaverei zu verkaufen o.ä. Wir wissen auch, dass Leute gewöhnlich Vorstellungen wie die von Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Empathie etc. als ihre Werte bezeichnen, der Begriff „Wert“ also meist gerade nicht im ökonomischen Sinn gebraucht wird.

Wir sind außerdem Teil des öffentlichen gesellschaftspolitischen Diskurses und Sozialwissenschaftler, für die die Rede vom Wertewandel und materiellen und nicht- oder immateriellen Werten eine Selbstverständlichkeit ist. Die Vorstellung, nach der die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ „verpönt“ sein sollen, weil sie ökonomisch konnotiert sein sollen, war für uns deshalb ein Novum und so bizarr, dass wir uns diese Vorstellung nur dadurch erklären können, dass es irgendwo Ewig-Gestrige gibt, die meinen, durch ein von ihnen kreiertes Neusprech Menschen bestimmte Sprachgewohnheiten aufoktroyieren zu können, in der vergeblichen Hoffnung, dass damit bestimmte Gedanken oder Bewertungen verschwinden mögen. Wir sagen „Ewig-Gestrige“, weil das eine Vorstellung ist, auf die vor langer Zeit, z.B. im kommunistischen China recht drastische, aber (auch dort) offensichtlich vergebliche Versuche der Gehirnwäsche aufgebaut wurden, und wir sagen „vergebliche“ Hoffnung, weil die Sapir-Whorf-Hypothese, nach der die Struktur einer Sprache einen großen Einfluss auf die Denkart und das Verhalten von Menschen haben, die diese Sprache sprechen, in dieser simplen Form so oft falsifiziert worden ist, dass wir kaum glauben können, dass es noch irgendjemanden gibt, der Neusprech für eine Möglichkeit hält, Menschen zu manipulieren!

Wir haben uns also gefragt, woher eine so skurrile Vorstellung wie die, nach der die Begriffe „Wert“ und „Wertigkeit“ ökonomisch konnotiert seien, kommen kann. Die einzig plausiblen Kandidaten für solche Clownerien sind für uns besonders unaufgeklärte, aber auch besonders extremistische Zirkel, in denen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gepflegt wird, wobei die verhassten Gruppen Liberale, Ökonomen, Demokraten und der so genannte Konsumbürger schlechthin sein dürften – eigentlich alle Leute außer ihnen selbst.

Wir können und wollen uns nicht weiter mit diesen Zirkeln und ihren Clownerien befassen, aber wir wollen zu ihrer und nicht nur ihrer Aufklärung die beiden oben genannten Fragen beantworten.

Die Antwort auf die erste Frage lautet wie folgt:

Im Online-Duden ist nachzulesen, dass die Begriffe „Wert“ und „Wertigkeit“ das Folgende bedeuten sollen:

Wert, der
Wortart: Substantiv, maskulin
Häufigkeit: ▮▮▮▮
RECHTSCHREIBUNG
Worttrennung: Wert
Beispiele: auf etwas Wert legen; von Wert sein

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  1. einer Sache innewohnende Qualität, aufgrund deren sie in einem gewissen Maße begehrenswert ist [und sich verkaufen, vermarkten lässt]
  2. (marxistisch) in einer Ware vergegenständlichte, als Tauschwert erscheinende gesellschaftliche Arbeit, deren Maß die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist
    • zu einem Satz gehörende Briefmarke mit einem bestimmten aufgedruckten Wert
    • in Zahlen oder Zeichen ausgedrücktes Ergebnis einer Messung, Untersuchung o. Ä.; Zahlenwert
    • positive Bedeutung, die jemandem, einer Sache zukommt
    • Dinge, Gegenstände von großem Wert, die zum persönlichen oder allgemeinen Besitz gehören
    • Kurzform für: Wertpapier

Wer­tig­keit, die

Wortart: Substantiv, feminin
Häufigkeit: ▮▮▯▯▯
RECHTSCHREIBUNG
Worttrennung: Wer|tig|keit

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  1. (Chemie) Verhältnis der Mengen, in denen sich ein chemisches Element mit einem anderen zu einer Verbindung umsetzt; Valenz
  2. (Sprachwissenschaft) Valenz
  3. [höherer] Wert

Damit ist für jeden nachlesbar die Behauptung des Kommentators, nach dem im Duden stehe, dass diese Begriffe ökonomisch (und nicht bzw. nicht überwiegend anders) konnotiert seien, falsch.

Nun zur zweiten Frage:

Ist es logisch möglich, sich der These von Bündnis 90/Die Grünen von der Gleichwertigkeit der Menschen anzuschließen, wenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt?

Die Antwort lautet eindeutig „nein“, und zwar deshalb:

Logik f dummiesWenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt, dann lehnt man eben ihre Verwendung ab. Und wenn man das tut, dann macht es keinerlei Unterschied, ob jemand von Gleichwertigkeit oder Ungleichwertigkeit spricht, denn in jedem Fall legt er nach Auffassung derer, die die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnen, eben diese Begriffe und damit die – unterstellte – ökonomische Sichtweise auf den Menschen zugrunde.

Deshalb muss jemand, der die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe mit Bezug auf Menschen ablehnt, die These von Bündnis 90/Die Grünen von der Gleichwertigkeit von Menschen ablehnen. Und da wir das auch tun, stimmen wir in der Ablehnung dieser These überein (wenn wir dies auch aus gänzlich unterschiedlichen Gründen tun).

Die erwähnten Kommentatoren scheinen sich hierüber nicht klar gewesen zu sein, und wir haben unsererseits versäumt, das in unseren eigenen Kommentaren explizit klarzustellen. Um weitere Verwirrungen im Umgang mit den Begriffen „Werte“ und „Wertigkeit“ und deren Implikationen zu verhindern, haben wir uns entschlossen, dies hier nachzuholen.

Für diejenigen, die das nicht verstehen oder daran interessiert sind, ihren Kindern oder Schülern Logik beizubringen, mag die folgende Analogie hilfreich sein:

  • Person A lehnt es ab, dass Menschen Kuchen essen und an andere verteilen, weil er damit die Zufuhr von Zucker und leeren Kohlehydraten befördert.
    1. Person B verteilt an vier Personen vier gleich große Stücke Kuchen.
    2. Person C verteilt an vier Personen vier ungleich große Stücke Kuchen.
    3. Person D verteilt nur an eine von vier Personen ein Stück Kuchen unbekannter Größe.

Preisfrage: Mit welchen der Personen B, C oder D stimmt Person A überein?

Richtig – mit keiner dieser Personen, eben weil Person A das Essen und Verteilen von Kuchen ablehnt. Für jemanden, der dies tut, ist die relevante Frage, ob jemand Kuchen ißt/verteilt oder nicht. Es ist für ihn aber eine völlig irrelevante Frage, wer wie viel an wen und zu welchen Teilen verteilt – es sei denn, er wäre selbst bigott und meinte nicht, was er sagt.

Vor diesem Hintergrund können wir nur hoffen, dass die Kommentatoren, die uns haben wissen lassen, dass sie die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ mit Bezug auf Menschen ablehnen, weil sie ökonomisch konnotiert seien, dies auch Bündnis90/Die Grünen wissen lassen werden und ihnen ihren Antrag aus diesem Grund um die Ohren hauen werden, der ein Grund unter vielen ist, warum man ihnen diesen Antrag um die Ohren hauen sollte!

Freiheit, Gleichheit, Gleichwertigkeit: Die Neusprech neuer deutscher Medienmacher

Matthias Mala hat uns auf einen Beitrag hingewiesen, der bei Roland Tichy erschienen ist. Dort setzt sich Hugo Müller-Vogg mit den Neuen Deutschen Medienmachern auseinander. Die Neuen Deutschen Medienmacher nennen sich wirklich so und sind angetreten, die Sprache in Medien zu standardisieren, zu vereinheitlichen, in politisch korrektes Deutsch zu übersetzen.

Ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt, es handelt sich vorwiegend um Journalisten mit Migrationshintergrund, die angetreten sind, an der Tatsache, dass die Vielzahl der Personen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland lebt, in keinem Verhältnis zu ihrer öffentlichen Repräsentation steht, etwas zu ändern, zunächst in ihrem Bereich des Journalismus.

Ein löbliches Unterfangen.

Leider haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher beim Versuch, ihr Ansinnen umzusetzen, in schlechte Gesellschaft begeben und sind nun instrumentalisiert worden, instrumentalisiert, um politisch korrektes Neusprech in Medien zu verankern und einem Sprachpluralismus den Garaus zu machen.

Schmuddelkinder

Das ist die wohlwollende Interpretation des Auftauchens der Neuen Deutschen Medienmacher.

Die nicht so wohlwollende Interpretation geht wie folgt: Wenn man eine Gesellschaft sprachlich gleichschalten will und nur noch die Begriffe in einer Neusprech zulassen will, die die Prüfung „politisch korrekt“ bestanden haben und als zertifizierte Worthülsen ohne abweichenden Charakter und ohne den Keim von Veränderung freigegeben worden sind, dann bietet es sich an, eine gesellschaftliche Gruppe vorzuschicken, die – wenn überhaupt – zurückhaltend kritisiert wird. Juden hätten sich hier angeboten, denn jeder, der in Deutschland Personen jüdischen Glaubens kritisiert, begibt sich in die Gefahr zum Antisemitisten erklärt zu werden. Aber eine Gruppe jüdischer Neuer Deutscher Medienmacher wäre im Hinblick auf den Gegenstand der Neuen Deutschen Medienmacher verfehlt, da man z.B. im Hinblick auf Islam und Islamismus, ein Kapitel dessen sprachliche Behandlung den Medienmachern ganz besonders am Herzen liegt, etwas irritiert darauf reagieren würde. Die nächstbeste Gruppe sind Deutsche mit Migrationshintergrund, die man vorschicken kann, um die schmutzige Arbeit der sprachlichen Gleichschaltung für die, die dahinter stehen, zu machen.

Was die Frage aufwirft, wer steht dahinter?

Es sind „the usual suspects“, wie ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt:

NDMedienmacher

Um politisch korrektes Neusprech in den Medien zu verankern, um die sprachliche Gleichschaltung von Medien zu erwirken, haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher nicht nur vor den Karren entsprechender Interessenvertreter spannen lassen (oder es wurden extra Willige rekrutiert, um diesen Karren zu ziehen), sie haben auch ein Glossar entwickelt, in dem die richtige, die politisch korrekte Benutzung von Begriffen, wie sie ein guter einheimischer oder „mehrheimischer“ Journalist, wie die im Text zu findende korrekte Bezeichnung für „Eingewanderte“ lautet, auswendig lernt und verwendet.

Es ist an sich schon eine bemerkenswerte Angelegenheit, dass sich Institutionen, wie z.B. die Amadeu-Antonio-Stiftung, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, aufschwingen, ein Glossar der korrekten Sprache zur Verwendung in Medien zu schreiben (bzw. im Falle der Amadeu-Antonio-Stiftung: zu finanzieren (aus Steuergeldern versteht sich)), es wird unglaublich, wenn man den Inhalt der Neusprech genauer betrachtet.

Neue deutsche MedienmacherWir haben uns auf das Kapitel „Kriminalitätsberichterstattung“ beschränkt und die darin zusammengefassten „Formulierungshilfen“ der Neusprech betrachtet. Neben einem Bias dahingehend, dass Kriminalität bei den Neuen Deutschen Medienmachern vornehmlich aus Blutrache, Ehrenmord, Rechtsextremismus und Hasskriminalität besteht und somit aus Marginalien im 0,001% Bereich der Polizeilichen Kriminalstatistik, die nach wie vor von Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung, ganz zu schweigen von Verkehrsdelikten beherrscht wird, sind uns zwei Dinge besonders negativ ausgestoßen:

Dass das „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher“, dass „die Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ einen extremen ideologischen Stallgeruch absondern, dass sie sich entsprechend als ideologischer Versuch der Einflussnahme auf die Art und Weise der Berichterstattung diskreditieren, wird spätestens da deutlich, wo von „subtileren Codes“ die Rede, ist „subtilere Codes“, die man nicht benennen kann und die entsprechend nicht von Einbildung unterscheidbar sind, die aber dennoch „Formen des Rechtsextremismus“ sind, die es „in der Mitte der Gesellschaft gibt“, denn auch in der Mitte der Gesellschaft gibt es „Menschen mit rechtsextremer und/oder neonazistischer Gesinnung“ (24).

Die neuen deutschen Medienmacher sind also angetreten, die politikwissenschaftliche Forschung der letzten 50 Jahre  zum Unsinn zu erklären, die politische Farbenlehre dahingehend umzugestalten, dass braun bereits in der Mitte der Gesellschaft beginnt und entsprechend nur rot, alles, was sich links von der Mitte befindet, den ideologischen Lackmustest besteht und als unbedenklich gelten kann. Es ist schade, dass sich Journalisten mit Migrationshintergrund in ihrem Bemühen, dazu zu gehören, vor einen so schäbigen Karren spannen lassen.

Der seit einiger Zeit zu beobachtende Versuch, die Gesellschaft in gute Linke und in alle anderen, jedenfalls aber nicht gute bzw. nicht als unbedenklich geltende Nicht-Linke zu differenzieren, ein Versuch, zu dem Leipziger Wissenschaftler mit einer unterirdisch schlechten Studie die Munition geliefert haben, die steuerzahlerfinanzierte Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung nun in Richtung Mitte der Gesellschaft verschießen, wobei sie genau die anvisieren, die sie finanzieren, gehört mit zu den bedenklichsten Formen der Brunnenvergiftung, die derzeit zu beobachten ist.

Aber es ist nicht der einzige Versuch. Ein weiterer Versuch besteht darin, unter der Hand den Begriff der Gleichwertigkeit einzuführen und in eine Reihe mit Gleichberechtigung zu stellen. Und damit auch klar ist, dass Gleichwertigkeit sakrosankt ist, wird Rechtsextremismus als „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ bezeichnet (24), und es werden „Ideologien der Ungleichwertigkeit als „Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden“ (23) definiert.

Nun gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Ersteres ist ein objektives Prinzip, Letzteres eine subjektive Behauptung.

Gerechtigkeit beschreibt ein Equitätsprinzip, in dessen Kern Fairness steht. Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn jeder die seiner Leistung angemessene Auszahlung erhält. Wer mehr leistet, der erhält auch eine höhere Auszahlung. Wer mehr leistet, der hat entsprechend im Hinblick auf die Leistung mehr Wert, er ist mehrwertig im Vergleich zu Personen mit geringerer Leistung.

Zu behaupten, dass Menschen gleichwertig seien, kommt entsprechend einer vollständigen Verleugnung von Leistung gleich und negiert somit jede Anstrengung, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens unternommen hat. Ein Nobelpreisträger für Physik ist mit einem Professor für Genderforschung gleichwertig, ein Straftäter mit seinem Richter, ein alter Mensch, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit den Neugeborenen, ein psychisch Gestörter  mit seinem Irrenarzt, ein Faulenzer mit einem Strebsamen usw.

Menschen sind entsprechend nicht gleichwertig. Sie sind gleich geboren, aber sie entwickeln sich unterschiedlich und je nach Art und Umfang der Investitionen in sich, sind sie in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens schlicht mehr wert als andere. Wer das nicht glaubt, der möge sein Verhalten an seinen Behauptungen ausrichten und z.B. nach einem Unfall keinen Arzt rufen, denn es genügt die Hausfrau von nebenan, mit der Versorgung des gebrochenen Beines zu beauftragen, denn sicherlich ist sie dem Arzt in allem gleichwertig.

Wenn Gleichwertigkeit ein dermaßen offensichtlicher Unsinn ist, wieso findet er sich dann im Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher? Offensichtlich gibt es Gruppen, die sich einen Vorteil davon versprechen, Gleichwertigkeit als Prinzip zu etablieren, wohlwissend, dass man die Gleichwertigkeit bestimmen muss, wie dies bereits im Zusammenhang mit der Bevorzugung von Frauen der Fall ist. Hier wird nicht mehr gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Was gleichwertige Arbeit ist, wird natürlich von denselben Interessenvertretern bestimmt, die den Begriff der Gleichwertigkeit eingeführt haben: Hausarbeit, also die normalen Verrichtungen im Haushalt werden entsprechend zu gleichwertiger Arbeit, die mit einer produktiven Tätigkeit in der Industrie gleichgesetzt werden soll.

Gleichwertigkeit öffnet so die Büchse der Pandora, die Büchse der Willkür, denn mit der Behauptung, Menschen wären ungeachtet ihrer Anstrengungen und ihrer Kompetenzen gleichwertig, wird nicht nur jede Leistung von Menschen in Frage gestellt, deren Anerkennung verweigert, es wird auch deutlich, wer sich als Mitglied der Neuen Deutschen Medienmachergesellschaft diskreditiert hat: Alle diejenigen nämlich, die darauf beharren, dass ein Mensch, der etwas leistet, mehr Wert hat als ein Mensch, der nur nimmt. Alle diejenigen, die eine Gesellschaft wünschen, in der Leistung belohnt wird, deren erstes Interesse darin besteht, sich und nicht nutznießende Interessenvertreter durch eigene Leistung zu belohnen. Aber für derartige Menschen hat man im Neusprech-Glossar auch schon eine Kategorie vorgesehen: Sie sind die Rechtsextremen, die Mitte der Gesellschaft, die – wie man früher gesagt hat – Stützen der Gesellschaft.

Obwohl einem, angesichts solcher Machwerke der Humor im Hals stecken bleiben kann, wollen wir diesen Post mit einer humoresken Einlage von Seite 24 des Glossars der Neuen Deutschen Medienmacher abschließen.

Dort steht:

„Opfer _ ist in der Kriminaliätsberichterstattung gängig als Bezeichnung für Betroffene von Diskriminierung oder Gewalt. Mit dem Begriff werden allerdings Eigenschaften wie Hilflosigkeit oder
Versagen assoziiert. Eine sinnvolle Alternative ist: Betroffene.“

Wenn sie demnächst von Unfallbetroffenen und Mordbetroffenen lesen und sich fragen, ob ein Unfallbetroffener nun ein Zuschauer am Wegrand ist, der betroffen ist, ob dessen, was er sieht oder ob der Mordbetroffene der Erbe des Ermordeten ist, dann wissen sie, wem sie diesen neuen deutschen Unsinn zu verdanken haben, dessen vermutlich betroffenes Opfer sie gerade geworden sind.

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Zeit der Kindsköpfe

Es war 1977 als Ronald Inglehart die stille Revolution ausgerufen hat. Die stille Revolution beschreibt einen Wertwandel, einen Wandel vom Materialismus zum Post-Materialismus.

InglehartRonald-1977In Anlehnung an Maslow und seine Bedürfnishierarchie, die bei der Befriedigung biologischer Bedürfnisse beginnt und über Sicherheitsbedürfnisse und kognitive Bedürfnisse zur Transzendenz fortschreitet, also spirituellen Bedürfnissen, „sich mit dem Kosmos in Einklang zu bringen“, wie Zimbardo (1994: 415) das formuliert, hat Inglehart eine Entwicklung beschrieben, deren Zeitzeuge er zu sein glaubte.

Die Entwicklung sieht einen Übergang von materialistischen Werte, wie (1) Preisstabilität und (2) Sicherheit, gemessen als Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung, zu den post-materialistischen Werten von (3) Mitbestimmung und (4) Meinungsfreiheit. Die Messung des Wertewandels über diese vier Werte hat Inglehart viel Kritik eingebracht, an seiner grundlegenden Beobachtung, dass ein Wertewandel stattfindet, hat jedoch kaum jemand gerüttelt.

Denn: Zu offensichtlich ist der Wandel, der der zunehmenden Sicherheit der Lebensweisen geschuldet ist. Da wo frühere Generationen um ein Dach über dem Kopf und geregeltes Essen kämpfen mussten, wo darauffolgende Generationen für Wohlstand durch das so genannte Wirtschaftswunder gesorgt haben, haben heutige Generationen ein bereits gemachtes Bett vorgefunden und konnten sich, weitgehend bar jeglicher Sorge um ihre materielle Existenz, für die zunehmend der Staat sorgt, auf andere Dinge konzentrieren, ihre Selbstverwirklichung, Mitbestimmung im politischen Prozess, Meinungsfreiheit.

Ingleharts Wertewandel, seine stille Revolution, sie ist damit jedoch nicht am Ende. Wir sind der Ansicht, der Wertewandel ist weiterhin im Gange, er vollzieht sich derzeit vom Postmaterialismus zum Infantilismus.

Infantilismus ist eine Degenerationserscheinung, die wir darauf zurückführen, dass die realen materiellen Knappheiten und die tatsächliche materielle Lage für die meisten Menschen u.a. durch Umverteilung und Transferleistungen so verdeckt werden, dass sie sich keine Sekunde mit Fragen der existentiellen Sicherung befassen. Gleichzeitig sind die postmaterialistischen Werte zur Normalität geworden: Meinungsfreiheit wird als gegeben behauptet und Mitbestimmung als Selbstverständlichkeit angesehen.

Diese scheinbaren Normalitäten und Selbstverständlichkeiten machen den Weg frei für den Infantilismus, der sich vor allem durch zwei Kriterien beschreiben lässt:

  • Bedürfnis-Atomismus und
  • Verlust des Urteilsvermögen.

Bedürfnis-Atomismus äußert sich darin, dass immer mehr Menschen der Ansicht sind, sie hätten Rechte auf irgendetwas, meist auf etwas, das sie gerne hätten. Diese Ansicht geht mit einem fast vollständigen Fehlen von Bewusstsein dafür einher, dass das, was sie gerne hätten, von anderen bereitgestellt werden muss, dass andere dafür arbeiten müssen, dass andere überhaupt für das eigene Leben relevant sind. Entsprechend geht Bedürfnis-Atomismus mit einer Aufkündigung reziproker Beziehungen einher.

Der Bedürfnis-Atomist reklamiert Rechte für sich, lehnt aber gleichzeitig jede Pflicht, die ihm aus seinem Recht erwachsen könnte, ab. Der Bedürfnis-Atomist fordert und will nicht geben. Er sieht seine Existenz als höchstes Gut, das erreicht werden kann und verlangt eine entsprechende Huldigung seiner Existenz. Wie ein kleines Kind, das mit rotem Kopf brüllt, wenn es nicht bekommt, was es will, sitzt der Bedürfnis-Atomist auf seinem Küchenstuhl und brütet Maßnahmen aus, um einzuklagen, was ihm nach seiner Ansicht vorenthalten wird.

Verlust des Urteilsvermögens

Nanny state 3Mit dem Bedürfnis-Atomismus geht die Überzeugung einher, dass man nicht nur das Recht habe, zu fordern, was man gerne hätte, sondern auch das Recht, wann immer es das eigene Bedürfnis erfordert, herauszuplatzen und seinen Senf zu allem und jedem zu geben. Der Verlust des Urteilsvermögens, er setzt bei der eigenen Beschränktheit an und führt im ersten Schritt zu der Überzeugung, man habe zu allem und jedem eine Meinung.

Diesem Irrtum folgt der nächste auf dem Fuss, der darin besteht, dass jeder diese Meinung hören will. Das Bild wird durch den dritten Irrtum abgerundet, der in der Überzeugung besteht, dass Aussagen wie, „Das finde ich nicht“, „Das sehe ich anders“, die für sich stehen bleiben, eine Meinung darstellen. Hier greift abermals der Bedürfnis-Atomismus, der die entsprechend Infantilen glauben macht, die Statisten der Umwelt, sie würden nur darauf warten, eine Bewertung zu hören, würden sie gierig aufsaugen und in die Welt tragen. Es ist dies eine Form der Selbstüberschätzung, wie sie nur Kleinkinder haben.

Und wie Kleinkinder, so sind die Infantilen nicht in der Lage, ihre angebliche Meinung zu begründen. Wie bei Kindern basiert ihre Meinung auf Affekten. Sie mögen etwas nicht und missverstehen ihr unbegründetes Gefühl als Meinung. Sie wollen etwas haben und missverstehen ihr Bedürfnis als Meinung, die ein Recht konstituiert.

Kurz: Die Infantilen, die durch den Wertwandel zur Infantilisierung hervorgebracht werden bzw. durch das Konzept der Infantilisierung beschrieben werden, sie sind nicht lebensfähig und qualifizieren sich, nimmt man alte Philosophen wie Kant zum Ausgangspunkt, nicht einmal zum Menschen, denn um als Mensch zu gelten, braucht man ein Urteilsvermögen, wer dies nicht hat, bleibt infantil.

Gute und schlechte Mörder?

Im letzten Post haben wir den Kulturkampf beschrieben, der derzeit im Gange ist.

Anstand, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Respekt und Verantwortlichkeit, das waren die fünf Werte, mit denen wir den Kulturkampf beschrieben haben.

Anhand eines Beispiels aus dem Vereinigten Königreich kann man sich noch einmal vergegenwärtigen, worum es im Wesentlichen geht.

Nehmen wir Omar al-Bashir, den Präsidenten des Sudan. Er wird von Luis Moreno Ocampo, Ankläger am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl gesucht. Es werden ihm Genozid, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit zur Last gelegt.

Offensichtlich ist Luis Moreno Ocampo der Meinung, dass Tote, die Omar al-Bashir zugerechnet werden können, Beleg für die entsprechenden Anklagen sind – nennen wir sie Genozid-Opfer oder Opfer von Kriegsverbrechen.

Modern Concentration Camp?

Modern Concentration Camp?

Wechseln wir den Schauplatz und gehen in den Gaza-Streifen.

Ermittler der UN haben Indizien dafür gefunden, dass beide Seiten, Israel wie die Hamas, Kriegsverbrechen begangen haben.

Ein Report von Defense for Children International kommt zu dem Ergebnis, dass israelische Soldaten im letzten Gaza-Krieg gezielt palästinensische Kinder erschossen haben.

Mehr als ein Jahr nach dem letzten Gaza-Krieg leben die Bewohner von Gaza weiter in menschenunwürdigen Verhältnissen, in zerbombten Häusern, die nicht repariert werden können, weil Israel verhindert, dass Baumaterialien in den Gaza Streifen geliefert werden.

Die Aufrichtigkeit und der Respekt für die Toten würden es verlangen, dass die Liste der Kriegsverbrecher, die vom Den Haager Internationalen Strafgerichtshof gesucht werden, um Benjamin Netanyahu ergänzt wird, der ebenso wie dies für Omar al-Bashir mit Blick auf den Sudan der Fall ist, die politische Verantwortung für die Kriegsverbrechen trägt, die in Gaza von israelischen Soldaten begangen worden sind. Da Hamas bereits als terroristische Vereinigung gilt, ist Netanyahu der einzige, der bislang keine Konsquenzen für sein Verhalten zu tragen hat.

Nähme man in Den Haag den eigenen Auftrag Ernst, übernähme man die Verantwortung dafür, dass nicht die Person des Mörders, sondern die Ermordeten Grundlage der Einordnung von Verbrechen als Genozid oder Kriegsverbrechen sind, dann müssten auch Ermittlungen gegen den Regierungschef Israels als denjenigen aufgenommen werden, der die Verantwortung für die Handlungen israelischer Soldaten trägt.

Offensichtlich gibt es unterschiedliche Wertigkeiten bei Toten.

Gegen diese Inkonsistenz oder Bigotterie wird derzeit im Vereinigten Königreich mit einer Petition gekämpft, deren Ziel darin besteht, Benjamin Netanyahou wegen Kriegsverbrechen zu verhaften, wenn er zum Staatsbesuch in das Vereinigte Königreich kommt.

Die Petition ist ein Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement und ein Beispiel dafür, dass sich Bürger die doppelte Morale und die Untergrabung von Werten und Prinzipien durch Politiker nicht mehr gefallen lassen wollen.

Netanyahu

Genetisches Enhancement – Genetisches Doping

Religion und Politik, so die Benennung eines so gernannten Exzellenzclusters an der Universität Münster, aus dem eine interessante Arbeit zum Thema „Genetisches Enhancement“ stammt, die gerade bei Springer veröffentlicht wurde.

Genetisches Enhancement oder, wie wir lieber sagen, weil es treffender ist: genetisches Doping, wird in diesem Buch, das Lioba Welling verfasst hat, wie folgt definiert:

genetisches Enhancement„Als ‚Enhancement‘ werden somit Eingriffe bezeichnet, welche die menschliche Gestalt über das Maß hinaus verbessern sollen, das für die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit erforderlich ist. Dies kann die Verbesserung einer Funktionsweise bedeuten, aber auch das Hinzufügen neuer Eigenschaften und Fähigkeiten umfassen (20).“

Pointiert formuliert ist unter genetischem Enhancement also eine Form des umfassenden Dopings zu verstehen, etwa so:

  • Sie sind strunzdumm, wollen aber hyperintelligent sein? Genetisches Enhancement fügt ein paar Gensequenzen ein, die für etwas mehr „Sparkle“ im Gehirn sorgen.
  • Sie sind feige und wollen die Eigenschaft „Mut“ ihrem Repertoire hinzufügen? Genetisches Enhancement fügt das Mut-Gen in die Sequenz der Einstellungen gegenüber der Außenwelt ein und entfernt die Angst-Sequenz.
  • Sie haben es satt, krank zu sein? Genetisches Enhancement macht sie zum ewig Gesunden.

Inwieweit diese Beispiele der Realität des genetischen Enhancements entsprechen, wie weit die Möglichkeiten genetischen Dopings bereits gediehen sind, das ist eines dieser Tabus, das im öffentlichen Diskurs besteht, so dass über das, was möglich ist, nicht diskutiert wird.

Deshalb sind Bücher, wie das von Welling wichtig, denn sie machen auf Dinge aufmerksam, zeigen Entwicklungen auf, die unter unserer aller Nase weitgehend unbemerkt stattfinden. Der Markt für genetisches Enhancement, so es denn serienreif werden sollte, ist nach Ansicht von Welling vorhanden: „Der Wunsch nach genetischen Verbesserungen“, so sagt sie, „kann bei vielen Menschen aufkommen [oder auch nicht]. … Dahinter stehen ähnliche Motive wie bei Schönheitsoperationen, Doping oder hohen Bildungsinvestitionen: die Hoffnung auf Schönheit, Gesundheit, Leistung und Erfolg“.

Wer also mit sich nicht zufrieden ist, weil seine Leistung im Fussball hinter der von Gareth Bale zurückbleibt, dem macht genetisches Enhancement Hoffnung. Na ja, indirekte Hoffnung, denn im Moment ist das alles noch Zukunftsmusik, wenngleich kurzfristige Zukunftsmusik, die sich in 10, vielleicht 20, vielleicht 30 Jahren zum realen Konzert entwickelt haben wird, und die durch das Grundgesetz nicht verboten ist. Denn: wie Welling im siebten Kapitel ihres Buches ausführt, Verbesserungen am Erbgut verletzen dann keine Grundrechte, wenn sie mit hinreichender Sicherheit ausgeführt werden können, wenn Ärzte also garantieren können, dass die Verbesserung, das genetische Doping, den gewünschten Effekt auch hat.

Gibt es also bald ein Volk bestehend aus Superfussballern und Denk-Monstern? Nun, genetisches Doping wird nicht billig. Entsprechend wird es eine soziale Schichtung bei den Gedopten geben: Wer mehr Geld hat, kann sich genetisch verbessern, wer wenig Geld hat, nicht. Eine Herausforderung für die AOK. Gleichzeitig verbinden sich mit der Ko-Existenz von Gedopten und nicht Gedopten normative Probleme, denn wie soll man die Leistung des Gedopten (des Genverbesserten) im Vergleich zur Leistung des nicht Gedopten (nicht Genverbesserten) honorieren? Ersterem fällt seine höhere Leistung ja leichter, und er hat einen unfairen Startvorteil.

Fragen über Fragen, die Welling anspricht und ansatzweise diskutiert, und es kommt ihr sicher das Verdienst zu, ein Buch veröffentlicht zu haben, das, sofern es wahrgenommen wird, dazu führen könnte, dass selbst in Deutschland die Konsequenzen aus einer Entwicklung diskutiert werden, die nicht mehr aufzuhalten ist.

Nur eine Frage, die naheliegt, aber in deutscher Literatur systematisch fehlt, fehlt auch bei Welling, nämlich die Frage staatlicher Eingriffe. Wie immer, kommt der Staat nur als guter Hirte vor, der entweder seine Hände schützend über seine Schäfchen legt und das Erbgut eines Menschen für unantastbar erklärt oder seinen Schäfchen verbietet, Schöpfer ihrer selbst zu sein. Der Staat, als Konglomerat von Akteuren, die nach ihrem Vorteil suchen und somit eigene Interessen haben, kommt nicht vor, jener Staat, der genetisches Doping einsetzen könnte, um seine Gesellschaft zum Beispiel zu stratifizieren, in Arebitsdrohnen und Arbeiterverwalter, indem man Letztere genetisch verbessert und erstere genetisch verschlechtert, denn was in die eine Richtung geht, geht natürlich auch in die andere Richtung.

supersoldierUnd was wäre dienlicher als eine soziale Klasse der Arbeiterdrohnen, denen man zudem die Sprachfähigkeit genetisch ab-verbessern könnte, damit sie nicht maulen und ihr Los schweigend ertragen und sich vor allem nicht zusammenschließen und Aufwiegelungsreden halten, die all die Arbeiten tun, die diejenigen, die mit dem Verwalten beschäftigt sind und sich für zu wichtig halten, als dass sie ihre Hände benutzen könnten, nicht tun wollen, schon weil sie gerade mit erheblichen Menschheitsproblemen beschäftigt sind, z.B. mit der Frage, wie man seine eigenen Deprivationen in einen Forschungsgegenstand umwidmet, der ein Auskommen verspricht.

Und natürlich fällt x-files Kennern der Super-Soldier ein, jener genetische Mutant, der nicht schlafen muss und dem das moralische Bewusstsein ab-verbessert wurde, damit er beim Töten keine Skrupel hat. Auch eine sehr nützliche genetische Verbesserung, die einmal mehr zeigt, dass die Frage, was als genetische Verbesserung als akzeptables genetisches Doping zu gelten hat, relativ zu den Interessen derjenigen ist, die die Verbesserung vornehmen.

Und deshalb ist es so wichtig, darüber zu diskutieren, gerade in Deutschland.