Volksverräter und Kartoffelkäfer: Von der Relevanz des Irrelevanten

Es ist wissenschaftlich wirklich interessant. Jährlich seit 1991 trifft sich ein Häuflein von angeblichen Sprachwissenschaftlern, nennt sich Jury und kürt das Unwort des Jahres. Und jährlich wiederholt sich der Auftrieb in den Medien. Kein Medium, das sich nicht mit den in Darmstadt ansässigen Unwort-Umtriebigen gemein macht und deren Mahnung über der Deutschen Wortgebrauch an die versammelte Lesegemeinde und zumeist ohne redaktionelle Mehrarbeit weitergibt.

Welche Theorie man bemühen muss, um zu erklären, wie ein kleines Häuflein von Sprachwissenschaftlern, das sich Jury nennt, es jedes Jahr aufs Neue in die Medien schafft, ist eine Frage, die man nicht einfach beantworten kann. Zunächst fällt uns dazu die alte Theorie des Gatekeepings ein, deren Vertreter der Ansicht sind, Medien hätten eine Auswahlfunktion, d.h. sie würden aus dem Meer der Meldungen, das ihnen täglich auf den Tisch kommt, diejenigen auswählen, von denen sie annehmen, sie würden die Mehrheit der Leser/Seher interessieren.

Das ist eine sehr naive Theorie nimmt sie doch an, Medienvertreter hätten keine eigenen Interessen, die sie bevorzugt Meldungen verbreiten lässt, die diesen eigenen Interessen dienlich sind.

Der Agenda Setting Ansatz, der auf McCombs und Shaw zurückgeht und letztlich je nach Vertreter mehr oder weniger deutlich besagt, dass Medien aus Informationen auswählen und den ausgewählten Informationen durch die Auswahl Aufmerksamkeit und Bedeutung, also Salience zuweisen, scheint hier etwas passender, jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass die Auswahl der Informationen durch Medienvertreter auf Basis des Interesses der entsprechenden Medienvertreter getroffen wird.

potthoff-medienwirkungsforschungNehmen wir daher an, dass Interesse und Motivation, die die Unwort-Jury treiben, mit denen der Medienschaffenden übereinstimmen, dass also beide: „sprachkritisch“ sein wollen, allerdings nur gegenüber „Pegida, AfD oder ähnlichen Initiativen“, wie es dieses Jahr in der Unwort-Wahlbegründung der Jury heißt. Ein Blick auf die Unworte der Jahre seit 1991 zeigt, dass die Feinde der Sprachkritik auf drei Begriffe gebracht werden können: Kapitalismus, Rechte und Eigentümer.

Kurz: Die Agenda, die die Jury mit ihrer Unwortwahl setzen will, ist eine sozialistische Agenda. Hier treffen sich die Unwort-Setzer wohl mit den Medienvertretern, deren Agenda eine ähnlich sozialistische zu sein scheint. Zudem wollen die Unwort-Juroren die „Grenzen des öffentlich Sagbaren“ anmahnen. Sie wollen nicht zensieren, nein, nur mahnen und dafür sorgen, dass bestimmte Begriffe nicht mehr verwendet werden oder ein öffentliches Klima schaffen, das die Nutzung der entsprechenden Begriffe nicht mehr erlaubt. Das ist natürlich keine Zensur, eher Sprachdiktatur. Auch hier treffen sich die Unwort-Geber mit den Unwort-Nehmern in den Mainstream Medien, die mit dem Advent des Internets ihre Deutungshoheit haben dahinschwinden sehen und sich mittlerweile mit so garstigen Dingen wie Kritik an ihrer Berichterstattung und Richtigstellung von öffentlich-rechtlichen Falschmeldungen, ganz zu schweigen von Begriffen wie Lügenpresse konfrontiert sehen. Wie gut, dass man mit Hilfe der Unwort-Geber einen Moment der moralischen Hoheit wiedererlangen und sich zum Opfer rechter Gesinnung stilisieren kann. Auch hier treffen die Unwort-Juroren mit ihrer Motivation den Kern dessen, was Medienschaffende zu motivieren scheint.

Und natürlich stehen Medienvertreter immer in der ersten Reihe, wenn es darum geht, „faschistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund”, wie er sich z.B. in der Geschichte der deutschen Autobahnen, die Aufmarschrouten für den Zweiten Weltkrieg waren, darstellt, aufzuzeigen. Und so bekommen wir dieses Jahr das Wort „Volksverräter“ aufgetischt, ein wahrhaft faschistisches und fremdenfeindliches Wort, wenn man der essentialistischen Ansicht ist, der sich die Unwort-Jury angeschlossen hat, dass das Wort Volk nur Blutsverwandte und seit der Schlacht im Teutoburger Wald auch keinerlei Neuankömmlinge mehr umfasst und umfassen kann, dass Volk einmal und immer dasselbe Volk bezeichnet und deshalb alle, die nicht in 10ter Generation einen reindeutschen Vorfahren haben, ausschließt.

Es ist schon erstaunlich, welche Nachwirkungen die Nürnberger Rassengesetze in den Köpfen mancher auch noch im Jahre 2017 haben.

Volksverräter ist also das Unwort des Jahres 2016.

Wir haben es in der Redaktion vernommen und uns zunächst einmal betroffen angeblickt. Denn: In welchen Teilen der Unterwelt sind die Unwort-Geber nur unterwegs, um ausgerechnet auf den Begriff des Volksverräters zu kommen? Um die Irrelevanz des zum Unwort aufgebauschten Begriffs, der im Darmstädter Unwort-Echozimmer wohl hallt und hallt und hallt, aber außerhalb halt nicht, einmal deutlich zu machen, haben wir auf Google Trends nach der Häufigkeit von Suchen nach „Volksverräter“ (blau) gesucht und die entsprechende Häufigkeit mit der Häufigkeit von Suchen nach „Kartoffelkäfer“ (rot) verglichen.

kartoffelkafer

Das Ergebnis ist eindeutig und zeigt: Die Unwort-Geber zeichnen sich durch eine ungesunde Fixierung auf Begriffe aus, die außer ihnen kaum jemand zu benutzen scheint. Insofern sich die Medienschaffenden der öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien brav in den Dienst der unguten Unwort-Sache gestellt haben, haben sie dazu beigetragen, dass ein Begriff aus den verstaubten Archiven des tausendjährigen Reiches, der ansonsten nur im Echozimmer der Unwort-Geber hallt, eine bundesweite Verbreitung und entsprechende Normalisierung gefunden hat. Wenn es das Ziel war, den Begriff „Volksverräter“ wieder salonfähig zu machen, dann haben die Unwort-Juroren dieses Ziel mit Bravour erreicht.

Die Gutmenschen des Jahres 2015

Kennen Sie:

Prof. Dr. Nina Janich (Sprecherin); Stephan Hebel, Dr. Kersten Sven Roth, Prof. Dr. Jürgen Schiewe und Prof. Dr. Martin Wengeler?

Nein?

Dann wird es Zeit, denn die fünf Mitglieder der Unwort-Jury wurden von den Jurymitgliedern der eigens ins Leben gerufenen ScienceFiles “Gutmensch-des-Jahres-Jury” zu Gutmenschen des Jahres 2015 gewählt.

Die fünf Mitglieder der Jury “Unwort des Jahres”, so lautet es in der Begründung der ScienceFiles-Jury, setzen sich seit Jahren und vollkommen wirkungslos dafür ein, Sprachhygiene zu betreiben und Worte, die der Jury nicht gefallen, zu ächten und aus dem Wortschatz des guten, braven und politisch-korrekten Deutschen zu streichen.

So hat sich die Unwort-Jury bereits im Jahre 2011 bemüht, das Wort “Gutmensch” aus dem deutschen Sprachschatz zu tilgen, damals mit der folgenden Begründung:

darwin-great“Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des “guten Menschen” in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationale Diskussionen gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.”

Die gerügte Weise der deskriptiven Beschreibung einer bestimmten Gattung Mensch, nämlich solcher, die andere mit ihrem guten Tunwollen verfolgen und zum richtigen politisch-korrekten Dasein reformieren oder missionieren wollen, hat natürlich nichts mit einer Abqualifizierung zu tun, denn der deskriptive Gebrauch des Begriffs “Gutmensch” zur Bezeichnung derer, die sich im warm glow ihrer eigenen Gutheit sonnen wollen, hat mit Bewertung nichts zu tun.

Vielmehr werden Bewertungen wie “in hämischer Weise”, “abzuqualifizieren” oder “in diffamierender Absicht” von der Unwort-Juri in hämischer Weise an die Benutzer des Begriffs “Gutmensch” herangetragen, um diese in diffamierender Absicht abzuqualifizieren. Hätte die Unwort-Jury nicht diese Absicht, sie hätte die Definitionen, die dem Begriff “Gutmensch” und damit auch seinem Gebrauch zu Grunde liegen, sicher gewürdigt und nicht in Bausch und Bogen alle, die den Begriff benutzen, über den ihr genehmen Kamm geschoren.

Entsprechend ist sich die ScienceFiles-Jury darin einig, dass dem Gutmenschentum der Unwort-Jury in all seiner Selbstprofilierung und Selbstbeweihräucherung Rechnung getragen werden muss, wenngleich wir erst durch die neuerliche Unwort-Wahl der Unwort-Jury zu dem Schluss gekommen sind, dass die Unwort-Jury nun den Titel Gutmenschen des Jahres 2015 redlich verdient hat, denn: Die Unwort-Jury hat sich nicht vom vollkommenen Misserfolg des Jahres 2011 entmutigen lassen und ist weiter den Weg der Sprachmissionierung sprachlicher Unwort-Verwender geschritten.

Gutmensch des JahresNun im Jahr 2015 hat die Jury die einmalige Möglichkeit, den Begriff “Gutmensch” abermals zum Unwort zu erklären und ihn nunmehr mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen und ihn auf die Unterstellung, er sei nur dazu da, “Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd” zu “beschimpfen”, reduziert, und zwar ohne sich mit den Argumenten derer, die von Gutmenschen sprechen, auseinanderzusetzen. Diese Form der Pauschalisierung einer Begriffsverwendung, die einerseits im Widerspruch zur Pauschalisierung des Wortes durch die Unwort-Jury aus dem Jahre 2011 steht, anderseits zeigt, dass die Unwort-Jury es wirklich mit ihrem Missionarstum ernst meint und, wenn der Begriff “Gutmenschen” nun nach dem neuerlichen Unwort-Angriff weiterhin Verwendung findet, vermutlich im Jahre 2019 abermals auf das Wort “Gutmensch” zugreifen wird, um abermals mit neuer und widersprüchlicher Begründung ihr immerselbes Anliegen durchzusetzen.

Warum ist die Unwort-Jury so akribisch damit beschäftigt, eine Diskussion über den Begriff “Gutmensch”, seine Definition und Verwendung zu verhindern und will ihn statt dessen aus dem Sprachgebrauch tilgen?

Wir wissen es nicht. Es sind halt Gutmenschen, die gutes tun wollen, wenn sie auch nicht wissen, warum und wozu. Und deshalb gebührt ihnen der Titel:

Gutmenschen des Jahres 2015!

Denn nur an solchen Gutmenschen wie der Unwort-Jury kann eine Demokratie wirkungsvoll (und natürlich nachhaltig) zu Grunde gehen.

 

Forschung zu Gutmenschen:

 

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Von der Lügenpresse

Da ist es wieder, das Unwort des Jahres.

Vier Germanisten, Linguisten oder Sprachwissenschaftler und ein Journalist haben es bestimmt – in Darmstadt bestimmt (Was für ein Name: Darm-Stadt – ob die Wahl des Bestimmungsortes auf die Qualität dessen schließen lässt, was dort hervorgebracht wird?).

Warum haben die Darm-Städter das Unwort des Jahres bestimmt?

Weil es ein jährliches Ritual ist, das Unwort des Jahres zu bestimmen. Manche Dinge haben eben keinen, über traditionales Handeln hinausgehenden und damit intersubjektiv bestimmbaren Sinn.

Unwort des JahresDas Motiv des traditionalen Handelns ist leichter zu bestimmen, geht es doch darum lehrsam und belehrsam zu wirken, die dummen Wortverwender, die Unworte in ihrem Wortschatz führen, mit der Keule der sprachlichen Rechtschaffenheit zu schlagen, und zwar so lange, bis sie geläutert und ihr Wortschatz von Unworten, also von den Worten, die die Darm-Städter zu Unworten erklärt haben, gereinigt ist.

Das Unwort des Jahres 2014 lautet: Lügenpresse.

Tara!

Und so wird die Wahl begründet:

“Das Wort „Lügenpresse“ war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien. Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als „besorgte Bürger“ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen. Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ aber werden Medien pauschal diffamiert, weil sich die große Mehrheit ihrer Vertreter bemüht, der gezielt geschürten Angst vor einer vermeintlichen „Islamisierung des Abendlandes“ eine sachliche Darstellung gesellschaftspolitischer Themen und differenzierte Sichtweisen entgegenzusetzen. Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik
und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.

Lügenpresse ist also ein Unwort,

  1. weil es bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff war.
  2. weil es den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien diente.
  3. weil es von fiesen Schweinen, die sich als besorgte Bürger maskieren, skandiert wird oder von Trotteln die sich als besorgte Bürger vor den Karren der fiesen Schweine spannen lassen, mitskandiert wird.
    1. Die fiesen Schweine sind fiese Schweine, weil sie wissen, dass Lügenpresse bereits im Ersten Weltkrieg und von den Nationalsozialisten benutzt wurde, und sie das Wort dennoch benutzen.
    2. Die Trottel sind Trottel, weil sie nicht wissen, dass Lügenpresse bereits im Ersten Weltkrieg und von den Nationalsozialisten benutzt wurde, und sie das Wort dennoch benutzen.
  4. weil die pauschale Bezeichnung “Lügenpresse” eine fundierte Medienkritik verhindert.
  5. weil die pauschale Bezeichnung “Lügenpresse” eine akute Bedrohung für die Pressefreiheit darstellt.

Diese Begründung muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, nicht nur weil sie tautologisch ist. Da gibt es also fünf Gestalten in Darm-Stadt, die besorgte Bürger, die “Lügenpresse” skandieren oder auf Plakaten mit sich tragen, als Trottel bzw. als fiese Schweine klassifizieren. Erstere wissen nicht um die Verwendung von Lügenpresse im Ersten Weltkrieg und durch die Nationalsozialisten, Letztere wissen darum und nutzen Erstere, die Trottel, um das, was außer Ihnen und den meisten Teilnehmern der Demonstration niemand weiß, zu verbreiten, nämlich das Erste-Weltkriegs-Nazi-Wort “Lügenpresse”.

Was sie davon haben, einen Begriff aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu entlehnen, der auch von den Nationalsozialisten gebraucht wurde, ist nicht ganz klar, da die meisten ja Trottel sind und nicht wissen, dass der Begriff in der Zeit des Ersten Weltkriegs schon einmal verwedent wurde und auch die Nationalsozialisten (also alle, oder handelt es sich hier um eine grobe Pauschalisierung der Darm-Städter?) ihn nicht verschmäht haben.

Diese Verwendung eines Begriffes, den die Nationalsozialisten verwendet haben (und der in der Zeit des Ersten Weltkriegs verwendet wurde), diskreditiert die Verwender und beschert ihnen ironische Anführungszeichen als: “besorgte Bürger”, was natürlich meint, dass die besorgten Bürger, nur von sich behaupten, besorgt zu sein, denn tatsächlich sind sie fiese Schweine, die ganz bewusst Begriffe, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs und von den Nationalsozialisten (also von allen) verwendet wurden, verwenden oder Trottel, weil sie Begriffe benutzen, von denen sie nicht wissen, dass sie von den Nationalsozialisten und während der Zeit des Ersten Weltkrieges verwendet wurden.

Und diese Verwendung macht angeblich Medienkritik unmöglich und gefährdet Meinungsfreiheit, so die Darm-Städter. Hier kann man eigentlich nur “Ha” sagen, denn: Der Begriff “Lügenpresse” ist Medienkritik, eine ziemlich pauschale, sofern er sich auf alle Medien richtet, eine ganz konkrete, wenn er z.B. die ARD oder andere politisch beeinflussbare öffentliche Sender meint. Wieso es die Meinungsfreiheit gefährden soll, dass jemand seine vielleicht pauschale Meinung (was zu klären wäre) kundtut, er also von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch macht, das ist ein Geheimnis, für das die Darm-Städter auch bei langem Nachdenken keine Begründung finden werden, die auch nur ansatzweise mit Logik und Denken vereinbar ist.

Lügenpresse?

Lügenpresse?

Auf die Behauptung, dass es die Freiheit der Presse gefährden soll, wenn der Wahrheitsgehalt der täglich verbreiteten Meldungen geprüft und bewertet wird, ob die Bezeichnung Lügenpresse zu allgemein, nur in Teilen oder gar nicht gerechtfertigt ist, kann nur jemand kommen, der die Prämisse hat, dass Kritik an der Presse, in welcher allgemeinen Form auch immer, sie geäußert wird, an sich schädlich ist.

Das wiederum ist entweder eine Kritikfeindlichkeit, die die Frage aufkommen lässt, was die entsprechenden Kritikfeinde an Universitäten zu suchen haben. Oder es ist Ausdruck eines erhabenen, prätentiösen Elitegefühls, das man vielleicht am besten als Bewusstsein einer sprachlichen Vorhut der Schwallerklasse bezeichnen kann, abermals ist es nicht mit der Position eines Wissenschaftlers an einer Universität zu vereinbaren.

Entsprechend hat man wieder einmal, wie so oft, wenn das Unwort aus Darm-Stadt auf uns niederkommt, das begründete Gefühl, dass hier politische Animositäten, im vorliegenden Fall gegen die Teilnehmer von Pegida Märschen, ausgelebt und als Wahl zum Unwort des Jahres maskiert werden sollen, was vollkommen unnötig ist, denn es ist hinreichend bekann, und zwar auch außerhalb der Lügenpresse, dass die Darm-Städter Wortwächter dem linken politischen Spektrum zuzuordnen sind.

Wäre es nicht Zeit, diesem paternalistischen, manipulativen, arroganten, antidemokratsichen, unsinnigen Unwort-Spuk ein für alle Mal Ende zu setzen?

Wettbewerb: Wer schreibt den Unsatz des Jahres?

Weil es manche Quereinsteiger nicht zu merken scheinen, der Anlass für diesen Wettbewerb ist das alljährliche Treffen eines Grüppchens von selbsternannten Sprachwächtern, die die Sprachwelt nach Unworten durchsuchen. Das Treffen erfährt in den deutschen Medien eine derart unangemessene Aufmerksamkeit, dass man sich eigentlich fragen müsste, wie es das Ergebnis der absurden Veranstaltung aus Darmstadt jedes Jahr wieder durch die Unmenge täglicher Meldungen auf die ersten (Online-)Seiten der Qualitätsmedien in Deutschland schafft. Ausführlich ist die Darmstädter Groteske im letzten post zum Unsinn der Woche bearbeitet.

Wer die meisten Unwörter des Jahres in einen sinnvollen Satz packen kann, dem verleihen wir den Titel ScienceFiles Master of taboo words, MA sF. ta. wo.!

Master of Taboo Words

Na wenn das kein Anreiz ist!

Und im Gegensatz zur offiziellen Prozedur muss sich bei uns niemand durch öde und verschulte Bologna-Seminare sitzen, nein, es reicht einen sinnvollen Satz zu bauen, der so viele Worte wie möglich aus der Liste der Unworte der Jahre 1991 bis 2011 enthält, die uns die Darmstädter Unwort-Masochisten beschert haben.

Zur Auswahl stehen demnach die folgenden Worte (in zeitlicher Reihenfolge):

Ausländerfrei Etnische Säuberung Überfremdung Peanuts
Diätenanpassung Rentnerschwemme Wohlstandsmüll Sozialverträgliches Frühableben
Kollateralschaden National befreite Zone Gotteskrieger Ich-AG
Tätervolk Humankapital Entlassungsproduktivität Feiwillige Ausreise
Herdprämie Notleidende Banken Betriebsratverseucht Alternativlos
Döner-Morde Opfer-Abo

Die eingegangenen Sätze  werden dann in diesem Post veröffentlicht!

Ich mache schon einmal den Anfang mit dem folgenden Satz:

Michael Klein: Da das Humankaptikal einer Reihe von Gotteskriegern nicht ausgereicht hat, um eine Ich-AG zu gründen, und notleidende Banken sich geweigert haben, ihnen eine Herdprämie zu zahlen, haben sich die Alternativlosen entschlossen, sich nicht mit Peanuts zu begnügen und eine Jury zur Benennung des Unworts des Jahres zu gründen – Zwar konnten sie auf diese Weise bislang der (Früh-)Rentnerschwemme entgehen, doch hat der von ihnen produzierte Wohlstandsmüll nunmehr, quasi als Kollateralschaden dazu geführt, dass Ihnen das Opfer Abo gekündigt wurde.

Ok, das sind eigentlich zwei Sätze (wir sehen das nicht so eng), aber es sind 11 Unwörter auf engstem Satzraum. Das gilt es erst einmal zu schlagen.

Soziologe [Name ist der Redaktion bekannt]: Im Zuge der Döner-Morde betrachteten insbesondere mit Opfer-Abo und Herdprämie ausgestattete Gotteskrieger ihre freiwillige Ausreise als alternativlos, da die ethnische Säuberung und Schaffung national befreiter Zonen in von Überfremdung betroffenen Gebieten durch das Tätervolk das sozialverträgliche Frühableben ihres Humankapitals je nach politischem Standpunkt und in Relation zur Rentnerschwemme lediglich als Wohlstandsmüll oder Kollateralschaden, in jedem Fall aber als Peanuts gegenüber der von betriebsratsverseuchten notleidenden Banken ausgehenden Gefahr der steigenden Anzahl an Ich-AGs erscheinen ließ.

Damit geht Soziologe nach quantitativer Bewertung mit 19 Unworten in nur einem Satz in Führung.

Hart auf den Fersen ist ihm T.R.E. Lentze mit 15 Unworten in einem Satz:

T.R.E. Lentze: Angesichts der Überfremdung und der Döner-Morde, sowie im Bewußtsein der Alternativlosigkeit, hat das Tätervolk der Gotteskrieger beschlossen, ethnische Säuberung und freiwillige Ausreise deutschen Humankapitals zum Leitbild einer effektiven Entlassungsproduktivität zu erheben, nebenbei den Wohlstandsmüll und die Rentnerschwemme zu eliminieren und den Kollateralschaden notleidender Banken und Ich-AGs als Peanuts zu bewerten.

Und ein neuer Beitrag von T.R.E. Lentze, mit dem er zumindest, was die Anzahl der Worte anlangt, die pole position einnimmt (Es sind 20!):

T.R.E. Lentze: Angesichts der Überfremdung, der Döner-Morde und falsch verteilter Herdprämien, sowie im Bewußtsein der Alternativlosigkeit, hat das Tätervolk der Gotteskrieger beschlossen, ethnische Säuberung und freiwillige Ausreise deutschen Humankapitals zum Leitbild einer effektiven Entlassungsproduktivität zu erheben, zumindest aber ausländerfreie Zonen zu schaffen, sozialverträgliches Frühableben zu begrüßen, und nebenbei den Wohlstandsmüll, d.h. die Rentnerschwemme zu eliminieren und den Kollateralschaden betriebsratverseuchter, notleidender Banken und Ich-AGs, beide mit Opfer-Abo, als Peanuts zu bewerten.

Nicht nur auf WordPress wird um den M.A. Sf ta. wo. konkurriert, auch auf unserem Facebook-Account gibt es ernstzunehmende Konkurrenz (Toller Satz, aber im Hinblick auf die PI-Quote (Anteil politisch unkorrekter Worte) noch entwickelbar:

Hans Joachim Ruth: “ALTERNATIVLOS für das sowohl durch die gestiegene ENTLASSUNGSPRODUKTIVITÄT freigesetzte HUMANKAPITAL als auch die RENTNERSCHWEMME, ist die FREIWILLIGE AUSREISE oder ein als SOZIALVERTRÄGLICHES ABLEBEN bezeichnetes Goodbye, da die beabsichtigte Einbeziehung der beiden Gruppierungen in die HERDPRÄMIENregelung, wegen einer dringend erforderlichen DIÄTENANPASSUNG, nicht mehr finanzierbar ist. Die BETRIEBSRATVERSEUCHTEN und daher NOTLEIDENDEN BANKEN können zu einer Vorfinanzierung nicht einmal mehr PEANUTS beitragen.

Und hier der Beitrag von Phaidros52, dessen Sinn sich dem gelehrten Hermeneutiker allerdings erst nach mehreren Zirkeln, hermeutischen Zirkeln, erschließt (PI = 18):

[Phaidros52:]Die ausländerfreie, durch Überfremdung erfolgte, ethnische Säuberung machte jede Diätenapassung zu Peanuts der Rentnerschwemme, die sich durch sozialverträgliches Frühableben auf den Bergen des Wohlstandsmülls zum Kollateralschaden der national befreiten Zone der Gotteskrieger und jeder Ich-Ag einer freiwilligen Ausreise des Humankapitals im Tätervolk entgegenstellte, was auch die betriebsratsverseuchte Herdprämie der notleidenden Banken, speziell im Lichte der alternativlosen Dönermorde an Literatur- und Sprachprofessoren mit Opfer-Bonus, leichter erklärbar macht.

Interessant an all den Beiträgen ist, dass die inhaltliche Richtung der Aussagen immer dieselbe ist. Das sagt auch etwas, über die ideologische Ausrichtung der Sprachwächter – oder? Der nächste Beitrag von JCK5000 setzt den neuen Standard: PI=22, der neue Highscore, an dem es sich jetzt zu messen gilt, wenngleich die betriebsratsverseuchte Ich-AG doch etwas zu denken gibt!

JCK5000: Das Tätervolk mit Opfer-Abo aus der national befreiten Zone, die dank ethnischer Säuberung ausländerfrei ist, hat zwar keine Probleme mit Überfremdung oder Döner-Morden mehr, aber als Kollateralschaden der alternativlosen freiwilligen Ausreise aller Gotteskrieger unglaublichen Wohlstandsmüll und einen Mangel an Humankapital, dem weder durch die hohe Entlassungsproduktivität notleidender Banken noch durch betriebsratsverseuchte Ich-AG’s begegenet werden kann, sodass unnötige Zuwendungen wie Diätenanpassungen oder die Herdprämie wie Peanuts wirken im Vergleich zum Finanzbedarf der Rentnerschwemme durch all diejenigen, die sich einem sozialverträglichen Frühableben verweigern.

Ab jetzt geht es darum, besonders schöne sinnvolle Unsätze zu schreiben.

Das erste, wie wir meinen, schöne Beispiel, das auf Grundlage eines PI von 22 erstellt wurde, stammt vom Clochard:

Clochard: Das betriebsratverseuchte Tätervolk wollte entweder mittels ethischer Säuberung oder freiwilliger Ausreise eine ausländerfreie, national befreite Zone ohne Gotteskrieger unter inkaufnahme von Kollateralschäden erschaffen, welche sowohl die Überfremdung als auch die Döner-Morde bekämpfen sollte, wobei sich jedoch bald zeigte, daß die zunächst alternativlos scheinende Tat weder positive Effekte auf notleidende Banken, die Rentnerschwemme, den Wohlstandsmüll, ein sozialverträgliches Frühableben noch auf sich in ihrem Opfer-Abo suhlenden Ich-AGs hatte weswegen man es bald darauf mit Herdprämien und Diätanpassungen versuchte, um die Entlassungsproduktivität des Humankapitals zu steigern, was sich gegen den ersten Vorschlag wie Peanuts anhörte, dann aber dennoch zum Erfolg führte.

Einen sehr schöner Satz, in dem eigene Erfahrungen verarbeitet werden, liefert Mathias Mala und zeigt damit, dass man in Deutschland auch mit einem PI-Gehalt von 22 (oder nur mit einem solchen) leben und Satzbau betreiben kann.

Matthias Mala: Zur Herdprämie gab es Peanuts und das alternativlose Opferabo des ausländerfreien und deshalb nicht überfremdeten Tätervolkes für die freiwillige Ausreise aus der betriebsratsverseuchten national befreiten Zone der Gotteskrieger und notleidenden Banken, die dank ihrer Entlassungsprodukitivität das Humankapital meiner Ich-AG entgegen der wohlstandsvermüllten Rentnerschwemme und ihrem sozialverträglichen Frühableben sowie der gleichzeitigen ethnischen Säuberungen und Döner-Morde ohne weitere Kollateralschaden derart zu steigern vermochten, dass ich leichthin auf die nächste Diätenanpassung verzichten konnte.

Nach dem sechsten hermeneutischen Zirkel sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der folgende Satz eine Kritik an den in Deutschland herrschenden Zuständen und der vielfältigen Aktivitäten zur eigenen Bereicherung in der politischen Klsse darstellt (PI = 22):

FSiodrunsi: Aus Anlass der Döner-Morde, der faktischen und nachträglichen Ethnischen Säuberung des deutschen Tätervolkes, komme ich mir vor wie in einer Ich-AG, schreibe von Überfremdung und Gotteskriegern, keinesfalls Peanuts, die das Humankapital, alternativlos zur freiwilligen Ausreise, in eine ausländerfreie Gesellschaft transformieren und lieber den notleidenden Banken die Herdprämie in den Hintern stecken, um betriebsratverseucht die Rentnerschwemme durch sozialverträgliches Frühableben und selbstgefälliger Diätenanpassung zu begegnen, ohne auf Kollateralschäden Rücksicht zu nehmen, dabei den Wohlstandsmüll als Argument für die Entlassungsproduktivität des deutschen Volkes nutzen, um ihr Opfer Abo in der national befreiten Zone zu sichern.

Hier der neueste Satz, der uns von Captian Chilli erreicht hat (PI = 22): Chilli his name, chilling his contribution:

Captain Chilli: “Ausländerfreie Peanuts aus dem Wohlstandsmüll der Überfremdung von betriebsratsverseuchten notleidenden Banken alternativlos mit Kollateralschaden im entlassungsproduktiven Opfer-Abo angeboten, fördern die freiwillige Ausreise der in Ich-AGs organisierten Gotteskrieger aus national befreiten Zonen ohne ethnische Säuberungen und Döner-Morde, ergänzend wirken sie positiv auf das sozialverträgliche Frühableben der Rentnerschwemme des Tätervolkes und erleichtern diesem die Diätenanpassung, was trotz Herdprämie dem Humankapital dient.”

Der folgende Beitrag von Sundro Ganser wird von der mittlerweile sehr versierten ScienceFiles-Jury mit sehr gut beginnend und etwas nachlassend bewertet (PI = 22). Bislang besteht die Jury von ScienceFiles aus uns . Wer sich als Juror selbsternennen will, was, wie man aus Darmstadt hört, ja die Regel ist, der möge sich bei uns melden und wie Jck5000 einen Vorschlag für die Wahl des Unsatzes des Jahres aus der bestehenden Liste unterbreiten.

Sundro Ganser: Nach der ETHNISCHEN SÄUBERUNG von ÜBERFREMDETEN Bereichen durch das TÄTERVOLK und seine hohe ENTLASSUNGSPRODUKTIVITÄT, FREIWILLIGE AUSREISEN und ALTERNATIVLOSEN DÖNER-MORDEN, war die NATIONAL BEFREITE ZONE endlich von BETRIEBSRATSVERSEUCHTEN GOTTESKRIEGERN, die ihr OPFER-ABO aus der Tasche zogen und eine ICH-AG zum Abkassieren der HERDPRÄMIE für ihren WOHLSTANDSMÜLL gründen wollten, befreit, waren somit AUSLÄNDERFREI und konnten ihre Stadtviertel für die erwartete RENTNERSCHWEMME freiräumen, was zwar gewisse KOLLATERALSCHÄDEN hinterließ, durch das SOZIALVERTRÄGLICHE FRÜHABLEBEN dieser aber für die den NOTLEIDENDEN BANKEN nur PEANUTS waren und spätestens mit der nächsten DIÄTENANPASSUNG ihreS HUMANKAPITALS wieder vergessen waren.

Unsinn der Woche: Wiederholungstäter aus Darmstadt

scully facepalmAlle Jahre wieder trifft sich ein kleines Häuflein von Leutchen, nennt sich selbst “Jury” und rügt Worte oder deren Verwender oder deren Verwendung, so richtig weiß das niemand. Dieses kleine Häuflein, das da Worte rügt und von dem niemand weiß, woher es die Berechtigung nimmt, diese Worte zu rügen, hat eine unglaubliche Wirkung in den deutschen Qualitätsmedien. Im Verlauf eines Jahres findet sich in den beitragsfinanzierten Medien zwar so gut wie kein Bericht über eine wissenschaftliche Untersuchungen, die dem Bereich der Sozialwissenschaften zuzurechnen ist – ich rede von ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen, nicht von Professoren, deren Mid-Life-Crisis sich darin niederschlägt, dass sie ihre Liebe zu armen Menschen entdeckt haben und jetzt lautstark und medienwirksam für alleinerziehende Mütter zumindest verbal dasein wollen, ich rede also von Untersuchungen, die zu Ergebnissen kommen wie: Es gibt keine gläserne Decke, Staatsbedienstete sind fauler als Arbeiter in der freien Wirtschaft, viele Deutschen haben nicht einmal rudimentäre Kenntnisse über ökonomische Zusammenhänge usw. Und dennoch findet das Häuflein von sechs Männlein aus Darmstadt willige und aufnahmebereite Ohren in den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, wenn sie jährlich ihren gemeinsamen Geschmack verkünden und ein Unwort des Jahres kühren.

Warum ist das so? Das ist eine leicht zu beantwortende Frage: Die sechs selbsternannten Juroren kühren jährlich den Begriff, der der politischen Korrektheit, deren Fahne sie zu tragen scheinbar geschworen haben, am meisten Probleme verursacht. Schon im letzten Jahr hatten die Darmstädter Wortwächter Worte wie Gutmensch auf ihre Agenda gesetzt und sich über deren Verwendung beklagt. Vielleicht aus eigener Betroffenheit? Wer weiß. Dieses Jahr haben die Wortwächter in die Justiz eingegriffen und haben sich in besonderer Weise und sehr direkt über Jörg Kachelmann, also jemanden, den man mit Fug und Recht als Justizopfer bezeichnen kann, jemanden, der wegen einer falschen Beschuldigung im Gefängnis saß, beschwert. Damit hier Chancengleichheit hergestellt wird, will ich die Akteure aus Darmstadt, die in der folgenden Groteske die Hauptrolle spielen, vorstellen:

  1. Prof. Dr. Nina Janich (Sprecherin) besetzt den Lehrstuhl für germanistische Linguistik an der TU-Darmstadt;
  2. Stephan Hebel, ist (war?) politischer Autor bei der Frankfurter Rundschau;
  3. Dr. Kersten Sven Roth ist Assisstent am Deutschen Seminar der Universität Zürich;
  4. Prof. Dr. Jürgen Schiewe sitzt auf dem Lehrstuhl für germanistische Sprachwissenschaft an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald;
  5. Prof. Dr. Martin Wengeler hat sich den Lehrstuhl für germanistische Linguistik an der Universität Trier erobert;
  6. Ralph Caspers, Moderator beim WDR (“Wissen macht Ah!”);

Logo TU DarmstadtDamit ist die Liste der Darsteller benannt. Und der erste und einzige Akt des Trauerspiels, nein, der Groteske, sieht die Sechs das Unwort des Jahres bestimmen. Stellen Sie sich also sechs Gestalten in einem verrauchten, nein, das ist politisch nicht korrekt, in einem luftdurchfluteten Raum an der Universität Darmstadt vor (die normalen baulichen Mängel, die an deutschen Universitäten vorhanden sind, lassen wir unberücksichtigt). Stellen Sie sich die Sechs also dabei vor, wie sie beim Kräutertee sitzen und dazu selbstgebackene Keckse knabbern, die das ökologische Reinheitssiegel besitzen, den grauen Star oder blauen Engel oder so, stellen Sie sich also die Sechs vor, wie sie über einer fast endlos langen Liste voller politisch unkorrekter Worte brüten und fast schon am verzweifeln sind. Da plötzlich kommt einem die rettende Idee, nein, das rettende Wort vor die Nase: Opfer-Abo! Und stundenlanges Bleistiftkauen und stundenlanges Haareraufen ob der vielen Worte, die die Stirn der sechs Wortwächter in tiefe Falten gelegt haben, hat endlich ein Ende: Opfer-Abo ist es, das Unwort des Jahres 2012.

So muss man sich die Auswahl wohl vorstellen, die selbst den Direktor des Instituts für Deutsche Sprache überrascht hat. Ja, Direktor, die Sechs aus Darmstadt sind halt immer für eine Überraschung gut, sie finden selbst Unworte des Jahres, die kaum jemand gehört hat und an deren Brandmarkung nur wenige ein Interesse haben. Und um der Wahl nunmehr einen offiziellen Anspruch zu geben, wird die Wahl begründet, und zwar so:

“Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews (z.B. im Spiegel vom 8.10.2012) davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein “Opfer-Abo” hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltiguung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort “Opfer-Abo” stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.”

Logo Uni GreifswaldNiemand hat gesagt, dass Germanisten und Lehrstuhlbesetzer eine Idee davon haben müssten, was Logik ist – oder? Sicher, es hilft bei der Verwendung von Sprachen weiter, wenn man eine Idee davon hat, wie die Struktur einer Sprache, wie ihr logischer Aufbau ist, aber in Zeiten des Konstruktivismus kann man das getrost beiseite lassen. Schnee von Gestern ist das, heute sprechen wir unlogisch und machen den Irrsinn hoffähig.

Fangen wir zunächst mit dem Faktischen an. Was hat Jörg Kachelmann in dem Gespräch mit dem Spiegel gesagt:

SPIEGEL: Es ist doch sinnvoll, sich und sein Tun mitunter zu hinterfragen.
… Jörg Kachelmann: Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.

Man muss diese Passage wirklich genau suchen. Und wenn man sie dann gefunden hat, dann muss man sich fragen, was da eigentlich gesagt wird. Offensichtlich gibt Jörg Kachelmann hier seine Einschätzung ab, nach der Frauen sich leichter zu Opfern erklären können als Männer. Nichts Neues, also, sondern eine uralte Weisheit ungleicher Rollenzuschreibungen, die sich im “Frauen und Kinder zuerst” ebenso findet, wie im von vielen Frauen so gerne in Anspruch genommenen Kavalier, der ihnen die Tür aufhält. Nun muss man in Rechnung stellen, dass Herr Kachelmann im Gefängnis saß, weil eine Frau sich zu seinem Opfer erklärt hat und weil ein Staatsanwalt und ein Ermittlungsrichter eher bereit waren, der Frau als dem Kachelmann zu glauben, obwohl Aussage gegen Aussage stand. Na wenn das kein Beleg für ein Opfer-Abo ist.

Logo-Uni-TrierInteressant ist indes, was die Darmstädter Germanisten daraus machen, dass hier jemand seine eigene Erfahrung generalisiert und nicht nur die Frau, die ihn zum Opfer gemacht hat, sondern Frauen als solchen bei Institutionen einen Glaubwürdigkeitsbonus bekundet (Merkt ihr was, ihr Darmstädter Wortkünstler, die Kritik richtet sich nicht gegen Frauen, sondern gegen Vertreter von Institutionen, die Glaubwürdigkeit nach Geschlecht verteilen, also wer weiblich ist, ist glaubwürdiger. Das ist eine strukturelle Diskriminierung!). Bei den Darmstädtern wird daraus die Behauptung, Kachelmann habe generell allen Frauen unterstellt, sie seien fies und würden Straftaten erfinden, und er habe generell allen Frauen unterstellt, dass sie ihre Interessen mit fiesen Mitteln durchsetzen würden.

Dies ist jedoch allein und ausschließlich die fiese Phantasie von sechs Personen, die für sich in Anspruch nehmen, sie könnten Deutsch nicht nur verstehen, sondern auch schreiben, ja, schlimmer noch: lehren. Welch Graus! Professoren, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Assoziationen von Inhalten fernzuhalten, die sie lesen, werden in Darmstadt, Greifswald und Trier auf arglose Studenten losgelassen. Mehr noch, Lehrstuhlinhaber, die nicht in der Lage sind, Konzepte und Strukturen zu erfassen, wie sie z.B. darin zum Ausdruck kommen, dass man, in diesem Fall Herr Kachelmann, eine Kritik an Institutionen richtet und sagt, die Instititionen, in diesem Fall die Strafverfolgungs-Institutionen würden Strukturen schaffen, die es fiesen Frauen erlauben, ihre fiesen Pläne mit Leichtigkeit umzusetzen. Damit ist weder gesagt, dass alle Frauen fies sind, noch ist damit gesagt, dass es keine fiesen Männer gäbe, noch ist damit bestritten, dass es durchaus Frauen und Männer gibt, die Opfer von Gewalttaten werden. (In der Logik ist dieser Unterschied in der Unterscheidung zwischen “alle” und “manche” ausgedrückt. Und das, was die Germanisten hier begehen, ist ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens. Aber, wie gesagt, Logik muss man als Germanist ja nicht kennen oder beherrschen.)

Wer dies dennoch in die Aussagen hineinlesen will, ist entweder krank oder er verfolgt eine Agenda, die er offiziell, aus welchen Gründen auch immer, nicht offenlegen will, in jedem Fall ist er nicht geeignet, einen Lehrstuhl zu besetzen, und deshalb sollten die Universitäten Darmstadt, Greifswald und Trier die entsprechenden Inhaber vor die Tür setzen, schon um Schaden von sich abzuwenden, denn die drei Lehrstuhlbesetzer treffen die Wahl zum Unwort des Jahres ganz offen als Professoren ihrer jeweiligen Universität und somit als Angestellte einer öffentlichen Institution, die weitgehend aus Steuermitteln finanziert wird.

Und noch ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach:

Bereits die Wahl von “Opfer-Abo” zum Unwort des Jahres, zeigt, dass das Wort kein Unwort ist, sondern einen korrekten Tatbestand wiedergibt, wäre dem nämlich nicht so, die Germanisten-Jury hätte vermutlich daran gedacht, dass es nicht nur weibliche, sondern auch männliche Opfer gibt und entsprechend davon abgesehen, in der Begründung zu versuchen, Frauen als alleinige Opfer zu präsentieren und Männer generell zu diskreditieren. Wer davon ausgeht, dass Dominanzstreben, wie es in Gewalt zum Ausdruck kommt, vornehmlich Frauen trifft, der ist der beste Beleg dafür, dass man auch ohne rudimentäre Kenntnisse sozialer Zusammenhänge Professor an einer deutschen Universität werden kann und dafür, dass das Opfer-Abo, also die Behauptung einer strukturellen Bevorzugung von Frauen und Diskriminierung von Männern, zutrifft.

P.S.
Wer bis hierhin noch Zweifel daran hat, dass die Germanisten Professoren ungeeignet sind, ihre Lehrposition auszufüllen, dem will ich noch ein weiteres Schmankerl präsentieren, dieses Mal stammt es aus der Begründung für die Aufnahme von “Pleite-Griechen” als weiteres Unwort des Jahres 2012:

“Der im Kontext der Euro-Stabilitäts-Debatte von der Springer-Presse in den vergangenen Jahren geprägte Ausdruck “Pleite-Griechen” wurde 2012 weiterhin und unreflektiert verwendet. Er diffamiert ein ganzes Volk und damit auch einen Teil der in Deutschland lebenden Bevölkerung …”

Nun, was lernen wir daraus: Erstens, dass die Germanisten Essentialisten sind, die denken, einmal Grieche immer Grieche, also ihr Griechen, die ihr in fünfter Generation in Deutschland lebt, bildet Euch nicht ein, ihr würdet jemals “deutsch”. Zweitens lernen wir daraus, dass die sechs Wortwächter nicht besonders intelligent sein können, denn wie sonst ist es zu erklären, dass sie “Pleite-Griechen” als Form der “Diffamierung eines ganzes Volkes” anprangern können und im gleichen Satz “Springer-Presse” als Form der Diffamierung der gesamten Arbeiterschaft, die sich unter dem Dach des Springerverlags eingefunden hat, benutzen? Und solche Personen besetzen Lehrstühle! Es ist wirklich unterirdisch.

Wettbewerb: Wer schreibt den Unsatz des Jahres?

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