Seit Jahren finden es die Betreiber dieses blogs immer wieder erstaunlich, dass ungleiche Verteilungen, wie sie z.B. zwischen den Einkommen von Männern und Frauen bestehen, als Beleg für Diskriminierung bewertet werden, und zwar von zumeist denselben Personen, die nie auf die Idee kämen, z.B. das schlechtere schulische Abschneiden von Jungen, den höheren Frauenanteil ( rund 65%) im Bundesministerium für alles (außer Männer) oder den gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung geringeren Anteil von Kindern aus Arbeiterfamilien auf Gymnasien und Universitäten als Ergebnis von Diskriminierung anzusehen. Offensichtlich ist es nicht die ungleiche Verteilung, die Anlass zur Diskriminierungs-Hysterie gibt, offensichtlich steht hier etwas anderes Pate, wenn es um die Bewertung einer ungleichen Verteilung als Diskriminierung geht. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich mit den Daten beschäftigt, die die Diskriminierungs-Behauptung begründen sollen.
Aggregatdaten
Individualdaten
Individualdaten erlauben es im Gegensatz zu Aggregatdaten, Aussagen über Zusammenhänge auf der Individualebene zu machen. So könnte man, wenn man das wollte, eine Studie durchführen, deren Ziel darin besteht, die vermeintliche Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt zu messen, z.B. in dem man Diskrimierung als im Vergleich zu Männern ungleiches Gehalt bei identischer Leistung operationalisiert und dann in ausgewählten Unternehmen untersucht, wie es sich mit dem Einkommensunterschied und der individuellen Leistungverhält. Bezeichnender Weise gibt es eine entsprechende Studie meines Wissens nicht. Was es gibt, sind Studien von zumeist Ökonomen, die auf Grundlage individueller Datensätze (z.B. dem Sozio-Ökonomischen Panel oder dem Mikrozensus), also auf Grundlage von Datensätzen, denen entnommen werden kann, was Peter Meier und Lieschen Müller tatsächlich verdienen, das Gender Pay Gap zu erklären versuchen. Individualdaten erlauben es auf der einen Seite, die Einkommen individuell zu bestimmen, sie erlauben es auf der anderen Seite aber nicht, die Randbedingungen vollständig zu kontrollieren. So besteht eine Fehlerquelle in diesen Studien regelmäßig im groben Datenniveau. So kann Peter Meier Bankkaufmann und Lieschen Müller Bankkauffrau sein, aber Peter Müller arbeitet als Bankkaufmann in der Forschungsabteilung der Deutschen Bank und Lieschen Müller steht hinter der Theke bei der Sparkasse Südliche Weinstrasse. Beide gelten als Bankkaufmann (im Datensatz als Bankkaufmann gemessen), haben aber mit Sicherheit deutlich unterschiedliche Aufgaben, Verantwortlichkeiten und dementsprechend Einkommen (im Datensatz nur als Einkommen, nicht als Aufgabe, Verantwortungsbereich gemessen).
Der hysterische Aufschrei der Diskriminierung mag sich dazu eignen, Stellen für Genderisten zu schaffen, finanzielle Vorteile für sich und die Klientel gleichgesinnter Frauen zu schaffen, er eignet sich nicht, um die Ergebnisse der berichteten Analysen zu erklären. Eine neue Studie von Lechmann und Schnabel (2012) zeigt zudem, dass die Diskriminierungs-Hysterie wie sie in der Gender Pay Gap Debatte institutionalisiert wurde, nicht nur unangebracht ist, sondern nur bei Menschen ausbrechen kann, die entweder in der Verfolgung der eigenen Ziele keinerlei Skrupel kennen oder deren intellektuelle Auffassungsgabe dermaßen eingeschränkt ist, dass man sie fast schon zu den Debilen zählen muss.
Die Analyse der Autoren ergibt die folgenden Ergebnissen, die die gestellte Frage beantworten:
- Arbeitszeit,
- Erfahrung und Humankapital,
- Branche.
Selbständige Männer arbeiten deutlich mehr als selbständige Frauen, sie verfügen über mehr Erfahrung mit Selbständigkeit und haben vor ihrer Selbständigkeit auch mehr Erfahrung in mehr Bereichen der Wirtschaft gesammelt als Frauen, und Männer betreiben ihre Selbständigkeit in lukrativeren Branchen als Frauen.
Dies erklärt das Gender Pay Gap zwischen selbständigen Männern und Frauen erstaunlich gut. Doch wie immer, wenn Individualdaten die Grundlage einer Analyse bilden, bleibt ein Residuum, ein Teil nicht erklärter Varianz, ein Teil nicht erklärter Einkommensunterschiede. Wie kann man den verbleibenden Rest des Einkommensunterschieds, der nicht über Arbeitzeit, Erfahrung und Humankapital sowie die Branche erklärt werden kann, erklären?
Hören Sie die Genderisten bereits Diskriminierung schreien? Nun, bei Selbständigen ist dies schwierig, und hier zeigt sich das ganze Elend von ideologisch motivierten ad-hoc Erklärungen: Wer soll Selbständige diskriminieren? Die Bundesanstalt für Arbeit, in dem sie vornehmlich Männer mit Existenzgründungszuschüssen ausstattet? Die Kunden, die Produkte lieber von Männern als von Frauen (und vielleicht mit gutem Grund) nachfragen? Bereits diese beiden Fragen belegen die Absurdität der Erklärung des Gender Pay Gaps mit Diskriminierung. Statt dessen wäre es sinnvoll, nach Variablen Ausschau zu halten, von denen bekannt ist, dass sie einen Unterschied im täglichen Leben machen: Perönlichkeitsmerkmale schlagen Lechmann und Schnabel (2012) vor, also z.B. die Ehrlichkeit im Umgang mit Kunden, die Gewandtheit im Umgang mit Kunden oder die Fähigkeit, Marktentwicklungen und Neuerungen frühzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen. Der Spass am Wettbewerb, die Einstellung gegenüber riskanten Entscheidungen und die Freude an selbständiger Tätigkeit sind andere Faktoren, von denen man annehmen könnte, dass sie einen Einfluss auf das Einkommen haben.
In jedem Fall gibt es eine Menge von Variablen, die man untersuchen müsste, bevor man „Diskriminierung“ schreien kann. Aber so lange wollen Genderisten natürlich nicht warten (- schon weil die hohe Gefahr besteht, dass Diskriminierung nichts zur Erklärung des Gender Pay Gaps beiträgt). Sie wollen sich heute (finanzielle) Vorteile verschaffen, sie wollen heute ihre Taschen aus öffentlichen Töpfen füllen, und entsprechend schreien Sie hier und jetzt Diskriminierung – ungeachtet der Tatsache, dass es keinen Beleg für Diskriminierung gibt.
Technische Anmerkung
Ein Residuum beschreibt den Teil der Varianz in einem Erklärungsmodell, der nicht durch die Variablen erklärt wird, die sich im Modell befinden. Im Englischen spricht man von einer modelling-error variance oder einer prediction-error variance, was darauf verweist, dass die Erklärung nicht vollständig ist. Um die Erklärkraft eines Modelles zu erhöhen bzw. das Residuum zu verkleinern, ist es notwendig, Variablen, die bislang nicht im Modell berücksichtigt sind, in das Modell zu intergrieren und zu prüfen, wie sich die Erklärkraft durch ihren Einschluss verändert. Wer also behauptet, Diskriminierung sei die Erklärung für das Residuum, der muss Diskriminierung operationalisieren, in das Modell integrieren und den Einfluss von Diskriminierung prüfen. Und selbst wenn Diskriminierung, so in das Modell integriert, die Erklärkraft des Modells erhöhen würde, so würde Diskriminierung doch das Residuum nur verkleinern, nicht jedoch beseitigen. In knapp 100 Jahren Sozialforschung gab es noch kein Modell, das keinen nicht erklärten Teil enthalten hätte.
In keinem Fall reicht es also aus, Diskriminierung zu behaupten und das Residuum als Indiz für Diskriminierung anzugeben. Dieses Vorgehen gleicht dem Arzt, der nachdem er Blinddarm als Ursache der Bauchschmerzen seines Patienten ausgeschlossen hat, der Ansicht ist, es liege – da eine Blinddarmentzündung auszuschließen sei, ein Fall von Nierenversagen vor.
Literatur:
Lechmann, Daniel S. J. & Schnabel, Claus (2012). What Explains the Gender Earnings Gap in Self-Employment? A Decomposition Analysis with German Data. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Discussion Paper, IZA DP No.6435.
Weichselbaumer, Doris & Winter-Ebmer, Rudolf (2005). A Meta-Analysis of the International Gender Wage Gap. Journal of Economic Surveys 19(3): 479-511
