Gleichschaltung auf evangelisch: Die EKD hat Toleranzprobleme

Das ganze Elend der heutigen religiösen Funktionäre hat im 16. Jahrhundert damit begonnen, dass Francis Bacon den Empirismus als Grundlage eines rationalen Denkens durchgesetzt hat. Die Aufklärung, die daraus entstanden ist, sie hat das Offenbarungsmodell der Erkenntnis, wie es Hans Albert nennt, einfach vom Tisch gewischt.

Albert TraktatDer Frust der religiösen Funktionäre muss entsprechend gewesen sein. Man muss sich das in der Realität vorstellen: Bis gestern waren Sie noch der einzige in der Gemeinde, der lateinisch lesen konnte und der die Bibel mit Blick auf die Realität so auslegen konnte, wie es (für sie) richtig ist. Und dann kommen dieser Bacon und seine Anhänger und behaupten, jeder Mensch sei selbst in der Lage, zu erkennen, was in der Realität richtig ist. Man könne Theorien über die Wirklichkeit unabhängig von der Bibel und durch Wahrnehmung, nicht durch Auslegung der heiligen Schrift aufstellen. Vom damit einhergehenden Bedeutungsverlust haben sich religiöse Funktionäre bis heute nicht erholt.

Bis heute kämpfen religiöse Funktionäre damit, dass es „vielfältige Interpretationsmöglichkeiten und Auslegungen der Bibel“ (154) gibt und gläubige Menschen die Bibel einfach vor dem Hintergrund ihrer eigenen „religiösen Überzeugungen“ (154) also selbst auslegen. Was dadurch passieren kann hat die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) gerade durch eine qualitative Studie herausgefunden: Die evangelischen Christen vor Ort, sie kommen zu anderen Schlüssen und Ergebnissen, wenn sie die Bibel auslegen, als die EKD.

Man muss sich das einmal vorstellen: Die EKD verkündet Positionen, die Synode der EKD segnet sie ab und die Gläubigen vor Ort, sie glauben sie nicht. Sie denken selbst, übernehmen nicht, was ihnen vorgegeben ist. Alles wegen dieser sch… Aufklärung und diesem elendiglichen britischen Empiristen, der den Menschen eingeredet hat, sie könnten unabhängig von der EKD und nur auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrung zu Erkenntnissen über die Welt gelangen.

Diese erschreckenden Ergebnisse einer missglückten Gleichschaltung, hat eine qualitative Studie zum Vorschein gebracht, aus der die Zitate von oben stammen.

Die qualitative Studie wurde von Olaf Lobermeier, Jana Klemm und Rainer Strobl im Auftrag der EKD durchgeführt. Die drei gehören zur Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Analyse, Beratung und Evaluation (proVal). Dass eine qualitative Studie durchgeführt wird, bedeutet in der Regel, dass die Autoren die Absicht haben, weitreichende Behauptungen auf dünner Basis aufzustellen und vor allem keine Lust haben, sich der Fachkontrolle zu stellen, der man sich stellen müsste, wäre die Studie auf Basis quantitativer Daten erstellt worden. Jedoch haben qualitative Studien den Vorteil, dass man viel Geld für viel Text und wenig Erkenntnis verlangen kann, wobei die Erkenntnis, dass der christliche Glaube nicht „per se vor Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie schützt“ (151), der absolute Brüller ist. Hat das jemand geglaubt?

Wie dem auch sei, wir sind beim Thema der teuren Studie (wir schätzen die Kosten im sechsstelligen Bereich), die zeigt, auch die EKD hat keine anderen Sorgen als die drei genannten: Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie, das sind die Themen, die den bestbezahlten Funktionären der evangelischen Kirche besonders am Herzen liegen.

Und um herauszufinden, ob Mitglieder der evangelischen Kirche in Dorf, Kleinstadt und Großstadt und auf Basis ihres gelebten Glaubens anfällig sind, anfällig für Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie, deshalb haben die EKD-Funktionäre wohl einen sechsstelligen Betrag locker gemacht und die drei von proVal beauftragt, die wiederum 25 (!sic) Interviews durchgeführt und in drei Fokusgruppen insgesamt 48 Hanseln zusammengetrommelt haben. Selbstverständlich kann man auf Grundlage von drei Fokusgruppen und 25 Interviews keinerlei Aussagen machen, die Unterschiede zwischen Dorf, Kleinstadt und Großstadt generalisieren, aber man kann es den EKD-Funktionären dennoch verkaufen.

Fokusgruppen sind der Schrei in der qualitativen Forschung, denn dafür kann man so richtig viel Geld verlangen. 18 Mitglieder aus einer evangelischen Gemeinde einer Großstadt müssen z.B. an einen Ort gekarrt werden, dort verpflegt werden, sie müssen mit intelligenten Fragen wie „Was halten Sie vom Islam?“ traktiert werden, ihre Antworten gefilmt, anschließend transkribiert und das ganze dann ausgewertet werden, viel Zeit, viel Text, viel Geld. Da wird so mancher Sozialforscher zum Dagobert Duck mit Eurozeichen in den Augen.

Die Ergebnisse, die am Ende stehen, sind zwar in der Regel sehr dürftig, denn was will man auf Grundlage von drei Fokusgruppen und 25 qualitativen Interviews groß aussagen und vor allem erschließen, aber es geht ja nicht um Ergebnisse, sondern um Aufwand, denn nur Aufwand kann abgerechnet werden.

Grounded TheoryDie Show derart qualitativer Sozialforschung verlangt dann noch einen methodischen Popanz, der im vorliegenden Fall mit der Grounded Theory geliefert wird, einer Methode, die – wäre sie von den Autoren angewendet worden, mit Sicherheit 10Mal so viel Papier gefüllt hätte, als sie mit ihrem Abschlussbericht gefüllt haben. Die Grounded Theory ist vermutlich die am häufigsten missbrauchte und verbogene Methode, einfach deshalb, weil sich nicht einmal ihre beiden Erfinder Barney Glaser und Anselm Strauss mehr darüber einig sind, was damit eigentlich gemacht wird und wie es gemacht wird. Allerdings wären beide entsetzt, wenn man ihnen erklären würde, dass das Herz der Grounded Theory „der ständige Vergleich“ sei, eine Meinung, der die drei von proVal anhängen.

Wie dem auch sei, die drei von proVal haben den religiösen Funktionären der EKD erzählt, sie hätten die Grounded Theory zur Anwendung gebracht und Letztere haben es geschluckt. Klingt auch gut. Grounded Theory. Wieso eigentlich Theory? Nun, das hat damit zu tun, dass die Methode eigentlich entwickelt wurde, um von qualitativen Interviews, also von viel Text, durch ständige Abstraktion und auf induktivem Wege zu einer Theorie zu gelangen, die man dann am eigenen Material und durch ständigen Vergleich testen kann. Nun ja, bei proVal ist die Theorie eben unten durchgefallen.

Herausgekommen ist eine qualitative Untersuchung über die 25 Gemeindemitglieder der evangelischen Kirche und 48 Gemeindemitglieder, die sich in drei Fokusgruppen eingefunden haben, mit der sich die Autoren ihre eigenen Vorurteile bestätigt haben, nämlich dahingehend, dass in evangelischen Gemeinden Antisemiten und Homophobe sitzen, die auch den Islam nicht gut finden. Letzteres ist nützlich für Nachfolgeaufträge, mit denen die evangelischen Christen „fachlich“ dabei unterstützt werden, die richtige Meinung, also die der EKD-Funktionäre zu erlernen, denn die evangelischen Christen haben Meinungen, die man nicht tolerieren kann.

So haben die angeblichen Sozialforscher festgestellt, dass die 25 Interviewten und 48 Fokusgegruppten nicht nur die Informationen der EKD, die dazu da sind, die richtige Position festzulegen, ignorieren und sich statt dessen eine eigene Meinung bilden, nein, sie haben auch festgestellt, dass die Interviewten dies auf Basis von keinen eigenen Erfahrungen und auf Grundlage einer geringen Informiertheit tun.

Es ist eine häufig anzutreffende Tendenz in qualitativen Studien, dass die angeblichen Forscher ihre Befragten nur dazu benötigen, um ihnen allerlei Gemeinheiten zu unterstellen und im vorliegenden Fall letztlich zu homophoben, islamhassenden und antisemitischen Fundamentalchristen zu stilisieren. Es ist nur selten so einfach, dieses Ansinnen zu entlarven, wie im vorliegenden Fall.

Nehmen wir z.B. den Befragten 7 aus der Fokusgruppe „Dorf“, den proVal im Namen der EKD befragt hat, als Beispiel für die geringe Informiertheit und nicht vorhandene eigene Erfahrung, die sein Urteil so idiotisch macht. B7 sagt:

„Also als Deutscher ist man ja so ein bisschen drauf erzogen, sage ich mal in Anführungszeichen, nicht so israelkritisch zu sein. Aber … Vielleicht war ich das auch mal ein bisschen so und habe das immer so auch eher so betrachtet: ’Die haben den Holocaust erlebt‘ und so. Bis ich mal unten war und das selber erlebt habe. Also muss ich das sehr negativ beurteilen, wie Israel das macht. Die machen ja im Prinzip mehr oder weniger jetzt das, was ihnen angetan wurde“ (121).

Man fragt sich, ob die drei proValer, die B7 als Antisemitien abstempeln, der die Häresie begangen hat, einen Verbindung zwischen der Art und Weise, wie Juden im Dritten Reich behandelt wurden und der Art und Weise, wie der Staat Israel heute Palästinenser behandelt, herzustellen, ihre Urteil „B7 sei Antisemit“ auch mit eigener Erfahrung, die sie vor Ort gesammelt haben, begründen können. Tatsächlich macht B7 eine empirische Aussage auf Grundlage eigener Beobachtung und Erfahrung, eine Aussage, die man prüfen kann. Und da ist er wieder, dieser britische Empirismus, der davon ausgeht, dass jeder Mensch in der Lage ist, sich ein eigenes Urteil auf empirischer Grundlage zu bilden, so dass man, wenn man zu unterschiedlichen Urteilen kommt, erst einmal prüfen müsste, ob die empirische Basis dieselbe ist, bevor man das Gegenüber als Antisemit beschimpft. Mit Prüfen haben es die drei proValer nicht so. Sie stigmatisieren lieber: Antisemit lautet das Etikett im vorliegenden Fall.

Den am besten bezahlten religiösen Funktionären der EKD gefällt derartiges natürlich nicht. Sie haben nicht nur die Maxime ausgegeben, dass der evangelische Christ sich jeglicher Wertung dessen, was Israel in Palästina tut, enthält, sie haben auch erklärt, dass der evangelische Christ nicht antisemitisch und homophob ist.

Ist er aber, der evangelische Christ, jedenfalls einer, der die Fokusgruppe einer Kleinstadt bestückt hat, ist es nach Ansicht der proValer. Hat sich der evangelische Christ doch darüber beklagt, dass man mit seiner Meinung, nach der Homosexualität grundlegenden Werten von Familie und Zusammenleben widerspricht, gleich als „intolerant und … abgestempelt wird“ (99). Und wo wir gerade beim Abstempeln sind, natürlich wird der Fokusgruppenteilnehmer von den drei angeblichen Forschern als intolerant abgestempelt, äußert er doch Kritik, und zwar wertrationale Kritik, die die Folgen homosexueller Ehe für die Familie zum Gegenstand hat.

Dazu haben die drei proVals zu sagen:

ekd“Die Akzeptanz gegenüber Menschen mit homosexuellen Orientierungen wird hier sehr kritisch beurteilt. Ein nachfolgender Redner schließt sich dem an und verstärkt den ablehnenden Rahmen noch, indem er vor dem „Zerfall der Familie“ warnt. Darin wird er von einem anschließenden Sprecher bestätigt. Einer solchen Auffassung wird im weiteren Verlauf der Diskussion auch nicht widersprochen. Einem weiteren Teilnehmer zufolge bekommt das Thema „Homosexualität“ in den Medien zu viel Aufmerksamkeit. Beide Auffassungen, die einen ablehnenden Rahmen mit Blick auf Homosexualität unterstützen, werden in der eigentlichen Diskussionssequenz zum Umgang mit Homosexualität wieder aufgegriffen. Neben Homosexualität als Gegensatz zu einem „natürlichen Bild von Familie“ findet sich in ablehnender Weise der Verweis auf das Alte bzw. Neue Testament sowie die Auffassung, dass es sich um eine nicht gottgewollte sexuelle Orientierung handelt.“

Offensichtlich verbindet sich für gläubige Christen, selbst wenn sie evangelisch sind, ein Wertproblem mit der Heirat von Homosexuellen bzw. Homosexualität als solcher. Indes sagt keiner der Interviewten, er wolle Homosexualität verbieten. Die Befragten haben lediglich moralische Überzeugungen und hängen Werten an, die sich mit Homosexualität nicht vereinbaren lassen, und das ist offensichtlich falsch. Das kann nicht akzeptiert und vor allem nicht toleriert werden, da die EKD anscheinend das Ziel verfolgt, ihre Schäfchen in Lemminge zu transformieren und eine Gleichschaltung der Meinungen durchzuführen, die an die Zeit erinnert als es noch Priestern oblag, die Bibel auszulegen und das Leben der Menschen in ihrer Gemeinde zu strukturieren und zu bestimmen. Wahrlich, wir sagen Euch, wie Ihr zu denken habt, welche Meinungen ihr zu haben habt und welche Überzeugungen ihr zu vertreten habt.

Wir leben im 21. Jahrhundert, und im 21. Jahrhundert gilt ein Mensch, dessen Wertgerüst es ausschließt, christliche Institutionen wie die Ehe für Homosexuelle zu öffnen, als homophob und einer, der in den mittleren Osten gereist ist und vor Ort gesehen hat, wie der Staat Israel mit Palästinensern umgeht und deshalb eine kritische Sicht auf Israel einnimmt, gilt als Antisemit. Wir nähern uns in Windeseile der geistigen Haltung des Zeitalters der Kreuzzüge.


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Schreiben Sie uns.

Antidiskriminierungsstelle: Fast alle werden diskriminiert!

Werden Sie eigentlich diskriminiert?

Wie diskriminiert?

Diskriminiert eben: Sie werden doch wissen, ob Sie wegen ihres jungen oder alten Alters, wegen ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität, ihrer Religion oder Weltanschauung, aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, wegen Behinderung und Beeinträchtigung oder wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer sozioökonomischen Lage diskriminiert werden!

Stellen Sie sich einfach vor, Sie werden angerufen und eine gelangweilte Stimme rasselt einen vorgefertigten Text herunter, bei dem Sie etwas mit Anti und Stelle und Diskriminierung mitbekommen und an dessen Ende Sie gefragt werden, ob Sie teilnehmen wollen. Woran? Na an der Diskriminierungsumfrage der Antidiskriminierungsstelle, die XY in deren Auftrag durchführt. Mensch! (Fühlen Sie sich bitte nicht diskriminiert, dass gerade Sie bei diesem Unsinn mitmachen sollen.)

Aber sicher nehmen Sie daran teil – oder?

Und los geht’s

ADS_Umfrage

Die Ikonographie wird auch immer infantiler

„Ich lese Ihnen nun einige Eigenschaften vor, aufgrund derer Diskriminierung stattfinden kann. Bitte sagen Sie mir jeweils, ob Sie persönlich in den letzten 24 Monaten in Deutschland aufgrund dieser Eigenschaften diskriminiert wurden oder nicht:

  • wegen ihres zu niedrigen/ zu hohen Alters;
  • aufgrund des Geschlechts / der Geschlechtsidentität;
  • aufgrund der Religion oder Weltanschauung;
  • aus rassistischen Gründen oder wegen der (ethnischen) Herkunft;
  • wegen einer Behinderung, Beeinträchtigung oder chronischen Krankheit;
  • aufgrund der sexuellen Orientierung;
  • aufrgund ihrer sozioökonomischen Situation;

Wie – Ihr Gedächtnis reicht nicht 24 Monaten zurück? Sie werden doch wissen, ob Sie vor einem Jahr und 10 Monaten aus rassistischen Gründen oder wegen der (ethnischen) Herkunft diskriminiert wurden? Was rassistische Gründe sind? Ja, also: Sie werden doch wissen, was rassistische Gründe sind. Phantasieren Sie sich irgendetwas zusammen, was Sie für rassistische Gründe halten. Wir sind nur an den Zahlen interessiert. Halt, ich weiß etwas: Sind Sie vielleicht, Sie wissen schon, nun, undeutsch, übers Mittelmeer gekommen oder aus der Türkei. Ja? Prima. Dann qualifizieren Sie sich über ihre ethnische Herkunft. Sie wurden doch bestimmt diskriminiert, so als Türke … oder?

So oder so ähnlich wird die Umfrage, die die Antidiskriminierungsstelle offensichtlich in Auftrag gegeben hat, um so viele wie nur möglich Diskriminierte zu finden, wohl durchgeführt worden sein. Die Umfrage, die natürlich repräsentative Umfrage mit „gewichteten“ 992 Befragten, sie ist ein Musterbeispiel für eine Junk-Umfrage, mit der nahezu alle Regeln der empirischen Sozialforschung verletzt werden. Wenn mit der Umfrage überhaupt etwas über Diskriminierung zu erfahren ist, dann darüber, wo die Trennlinie verläuft, die ernstzunehmende und lautere Forschung von Junk-Umfragen wie der der Antidiskriminierungsstelle diskriminiert

Beginnen wir mit dem Thema „Diskriminierung“.

Man fragt nicht nach Diskriminierung. Das ist so ähnlich als würde man die Messung des IQ dadurch vornehmen, dass man Befragten eine Skala von 0 bis 230 vorlegt und sie bittet, ihren IQ einzutragen. Die EU-Kommission hat eine ähnliche innovative, aber völlig unlautere Strategie genutzt, um Rassismus mit der Frage: Wie rassistisch sind Sie? zu messen. Dr. habil. Heike Diefenbach hat die entsprechende Messung in einem wissenschaftlichen Beitrag zerlegt.

Aber selbst wenn man danach fragen könnte, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht, so müsste man doch sicherstellen, dass man eine ungefähre Vorstellung davon hat, was der Antworter unter Diskriminierung versteht und welche Erfahrungen er darunter fasst. Was fasst z.B. ein 14jähriger unter die Angabe, er sei wegen seines niedrigen Alters diskriminiert worden? Die Tatsache, dass er aus dem Spiele-Center geworfen wurde? Dass ihm der Kauf von Johnny Walker verwehrt wurde? Wer eine sinnvolle und lautere Umfrage machen will, deren Ziel nicht nur darin besteht, die Notwendigkeit der Antidiskriminierungsstelle zu belegen, der muss dafür Sorge tragen, dass er auch weiß, worauf die Befragten antworten und was sie ihm sagen.

Wer derart offen formuliert und dann noch anmerkt, dass man „subjektive Diskriminierungserfahrungen“ (4) erhoben habe, der kann nicht erwarten, dass er von auch nur einem Wissenschaftler ernst genommen wird. Wenn man „subjektive Diskriminierungserfahrungen“ erheben will, dann muss man auch sicherstellen, dass man das Subjektive daran versteht, also weiß, was ein 14jähriger unter Diskriminierung versteht und in welcher Situation sich der 55-Jährige diskriminiert gefühlt hat. Wenn es aber nur darum geht, viele Befragte mit subjektiver Diskriminierungserfahrung zu sammeln, dann ist es egal, ob die subjektive Diskriminierung aus dem verwehrten Kauf von Johnny Walker besteht oder daraus, dass ein 60-Jähriger von seinem Abgeordneten als Pack beschimpft wird, weil er an einem Spaziergang teilgenommen hat.

Prof FacepalmDass es der Antidiskriminierungsstelle ausschließlich darum gegangen ist, so viele selbsternannte Diskriminierte zu sammeln, wie nur möglich, egal wie, das zeigt sich nicht nur daran, dass es den 992 gewichteten Befragten überlassen bleibt, was sie denn nun einmal als Diskriminierung wegen z.B. zu niedrigem oder zu hohem Alter ansehen wollen, sondern auch daran, dass die Aussagen, zu denen die Befragten um Auskunft gebeten werden, mehrdeutig sind. Was nutzt eine Auskunft, man sei aus rassistischen Gründen oder wegen der (ethnischen) Herkunft diskriminiert worden? Wenn jemand sagt: Ja, das trifft auf mich zu, ist er dann aus rassistischen Gründen oder wegen seiner ethnischen Herkunft diskriminiert worden? Was bedeutet es, wenn jemand sagt, er sei aus rassistischen Gründen diskriminiert worden? Wenn jemandem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird und der jemand ist Roma und nimmt die total übel, macht eine subjektive Diskriminierung daraus, attribuiert es auf sein Romasein und nicht auf die Nachlässigkeit des Vorgängers, ist das Diskriminierung? Für die Antidiskriminierungsstelle ist es notwendiger Weise Diskriminierung, für jeden normalen Menschen nicht.

Aber im Bemühen, so viele Diskriminierte zusammenzutragen, wie nur möglich, hinterlässt die Antidiskriminierungsstelle ein Feld der methodischen Leichen, die sie zu allem Überfluss auch noch offen herumliegen lässt.

Entsprechend ist die Umfrage der Antidiskriminierungsstelle ein mit Steuergeldern finanzierter Versuch, die Öffentlichkeit über die Notwendigkeit der Antidiskriminierungsstelle zu täuschen und weitere Mittel für den Kampf gegen, na Diskriminierung eben, einzusammeln:

„Sie brauchten aber mehr Unterstützung. Deshalb müsse der gesetzliche Diskriminierungsschutz verbessert werden, etwa durch ein eigenes Klagerecht für Verbände sowie für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. So könnten laut Lüders Betroffene vor Gericht effektiv unterstützt werden …“

Die Antidiskriminierungsstelle ist eben auch nichts anderes als eine Lobbygruppe in eigener Sache, eine Mistelorganisation, die sich von Steuergeldern ernährt und sich selbst Gutes tut. Übrigens hat die Antidiskrminierungsstelle es bis heute nicht für notwendig erachtet, die zum Teil bösartige Täuschung von männlichen Bewerbern im Rahmen des Professorinnenprogramms auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Epilog

Wie sehr es der Antidiskriminierungsstelle darum geht, die Öffentlichkeit zu täuschen, zeigt sich auch an Formulierungen wie: „Fast jeder dritte Mensch in Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung erlebt„, Formulierungen, die von einer zu eigenem Urteil unfähigen Presse nur zu willig aufgenommen werden und in „Benachteiligung – Jeder Dritte fühlt sich diskriminiert“ sinnentleert werden. Tatsächlich haben 31,4% von 992 gewichteten Befragten gesagt, sie wären aufgrund einer der oben genannten Eigenschaften diskriminiert worden, also 311 Befragte. Von 311 Befragten zu jedem dritten Mensch in Deutschland (sind Touristen, die ja auch Menschen in Deutschland sind, eigentlich eingeschlossen?) ist es ein weiter Weg. Inwieweit die Aussage eines Befragten, er sei diskriminiert worden, etwas mit Diskriminierung zu tun hat, ist darüber hinaus eine Frage, deren Stellung bereits die kognitiven Fähigkeiten der meisten ADSler übersteigen dürfte.

Gewichten muss man übrigens dann, wenn die Stichprobe, die doch eigentlich repräsentativ sein soll, so verzerrt ist, dass selbst diejenigen, die routinemäßig behaupten, eine Stichprobe sei repräsentativ, sich unwohl fühlen, und das will etwas heißen. Wie verzerrt die angeblich repräsentative Stichprobe der ADS ist, kann man sich aufgrund der Tatsache, dass 55,4% der Befragten weiblich und 44,6% der Befragten männlich sind, lebhaft vorstellen. Wenn eine angeblich repräsentative Stichprobe es nicht schafft, ein dichotomes Merkmal, das in der Bevölkerung relativ gleichverteilt ist (50,9% Frauen, 49,1% Männer) zu repräsentieren, dann ist der einzige Schluss der, dass die Junk-Umfrage selbst für Repräsentativitätsfetischisten eine Junk-Umfrage ist.

Mehr zum Thema Repräsentativität:

Der Mythos der Repräsentativität

 

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Vergendereit noch Mal: Universität Graz im Sumpf politischer Korrektheit versunken

Ein ScienceFiles-Leser hat uns einen Aushang der Technischen Universität Graz zur Verfügung gestellt, mit dem wir unsere Leser in einen fröhlichen Feierabend entlassen wollen.

Der Aushang wurde rund 50 ausgesuchten Personen an deutschen und österreichischen Universitäten mit der Bitte übermittelt, ihn doch und ausschließlich an geeignete Bewerberinnen weiterzugeben oder wie es im Anschreiben heißt:

„Da die Technische Universität Graz eine Erhöhung des Frauenanteils insbesondere in Leitungsfunktionen und beim wissenschaftlichen Personal anstrebt, werden Sie höflich um Weitergabe an geeignete Bewerberinnen ersucht.“

Die politische Korrektheit, die die Stellenausschreibung durchzieht, sie fehlt im Anschreiben. Wenn sich Genderisten unter ihresgleichen wähnen, dann fällt die Maske der Vielfalt, dann weicht sie dem, worum es eigentlich geht, die Diskriminierung von Männern.

Gibt es eigentlich jemanden, außer Genderisten, der das nicht unmoralisch, widerlich und abstoßend findet?

Bewegen sich Genderisten in der Öffentlichkeit, dann sind sie so politisch korrekt, dass sie vor lauter politischer Korrektheit gar nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist, und so kommt es, dass sie nicht mehr wissen, wen sie wann wie nicht und wen wann und wo doch und dennoch nicht, oder so, diskriminieren wollen und dürfen oder nicht, vielleicht auch doch? Sie verfangen sich im Netz ihrer politischen Korrektheit und offenbaren dabei, worum es eigentlich geht: Die Diskriminierung von Männern.

Im Original:

Vergendereit noch mal„Die Technische Universität Graz bemüht sich aktiv um Vielfalt und Chancengleichheit. Insbesondere darf die Entscheidung bei Personalauswahlverfahren nicht zum Nachteil der Bewerberinnen und Bewerber auf Kriterien wie z.B. Lebensalter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Orientierung oder besondere Bedürfnisse aufgrund einer Behinderung gestützt werden.

Die Technische Universität Graz strebt eine Erhöhung des Frauenanteils, insbesondere in Leitungsfunktionen und beim wissenschaftlichen Personal an und lädt deshalb qualifizierte Frauen ausdrücklich zur Bewerbung ein. Bis zur Erreichung eines ausgewogenen Zahlenverhältnisses werden bei gleicher Qualifikation Frauen vorrangig aufgenommen.

Allgemeine Voraussetzungen:
Die Beherrschung der deutschen und englischen Sprache in Wort und Schrift in dem für die jeweilige Verwendung erforderlichen Ausmaß.

Reisekosten, die im Zusammenhang mit dem Auswahlverfahren entstehen, werden von der TU Graz nicht ersetzt.“

Oh, diese Grazer Universitäts-Korrekten, die vor lauter Nicht-Diskriminierungsbemühung diskriminieren, was das Zeug hält:

  • Bewerber, die nicht in Graz wohnen, werden benachteiligt. Ihnen entstehen Reisekosten. Und trägt  die „aktiv um Vielfalt und Chancengleichheit“ bemühte Universität Graz die Reisekosten? Nein. Wie soll Vielfalt entstehen, wenn die Bewerber alle aus Graz stammen, weil die Reisekosten nicht erstattet werden?
  • Bewerber, die der deutschen und englischen Sprache nicht mächtig sind, die z.B. nur Deutsch und Niederbayerisch oder Englisch und Suaheli oder Suaheli und Deutsch oder Türkisch und Deutsch sprechen, werden benachteiligt. Die Universität Graz ist nicht an Sprach-Diversität interessiert. Nur Deutsch- und Englischssprecher erwünscht. Skandalös. Lasst das nicht den Herrn Hollande lesen!
  • Frauen werden „bis zur Erreichung eines ausgewogenen Zahlenverhältnisses“ bevorzugt, was auch immer ein ausgewogenes Zahlenverhältnis ist. Wir, bei ScienceFiles, wir finden 5:1 ausgewogen. Bei Real Madrid ist man der Ansicht 1:2 sei gar nicht ausgewogen, und bei Abstimmungen innerhalb des Vorstands der GDL wird nur ein Zahlenverhältnis von alle für und niemand dagegen als ausgewogen angesehen. Wie dem auch sei. Das Zahlenverhältnis bei der Universität Graz hat zur Folge, dass Alter, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Orientierung oder besondere Bedürfnisse hinter dem Geschlecht zurückstehen müssen.
  • Wir finden entsprechend eine klare Besetzungspräferenz für: alte, katholische, sozialistische, lesbische, behinderte Frauen mit Migrationshintergrund. Auf wen genau diese Diversität der Eigenschaften zutrifft, in Graz bewerben. Die Chancen stehen gut.
  • Die Chancen für Chancengleichheit stehen übrigens nicht gut, denn Chancengleichheit kann nur verwirklichen, wer auf keinerlei Eigenschaften, die in der Person der Bewerber begründet liegen, einen Bonus verteilt, also weder auf Alter, noch auf ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, besondere Bedürfnisse oder Geschlecht. Man kann, mit anderen Worten, Chancengleichheit nicht herstellen, indem man Bewerbern mit bestimmten Eigenschaften bessere Chancen einräumt als anderen – auch in Graz nicht.
  • Man kann indes nach einem willkürlichen Merkmal gleichstellen, auch so lange bis ein vermeintlich „ausgewogenes Zahlenverhältnis“ hergestellt ist. Das ist dann aber das Gegenteil von Chancengleichheit, denn Chancengleichheit ist blind im Hinblick auf das Ergebnis, legt also gerade keinen Wert auf ein angeblich „ausgewogenes Zahlenverhältnis“, denn nur so können gleiche Chance gewahrt werden.
  • Daher muss man feststellen, dass die Ausschreibung der Universität Graz ein herausragendes Beispiel für politisch korrekten Unsinn ist, das in zukünftigen Generationen für erhebliche Heiterkeit sorgen wird, ob der Dummheit, die aus den Zeilen quillt.

Ach ja, bei all der politischen Korrektheit wäre es fast verloren gegangen: Gesucht wird ein Doktorand „zur Verstärkung des Teams ‚Embedded Automotive Systems‘.

Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Nick Drydakis wird langsam zu einem Dauergast auf ScienceFiles.

In der Vergangenheit hat er bereits herausgefunden, dass die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr das Verdienst in die Höhe treibt. Warum das so sein soll? Niemand weiß es.

Dann hat Drydakis herausgefunden, dass Homosexuelle weniger mit ihrer Arbeit zufrieden sind als Heterosexuelle, umso weniger, wenn sie sich geoutet haben, und – schlimmer noch – dass Homosexuelle schlechter bezahlt werden als Heterosexuelle.

Drydakis ist „A Man on a Mission“ wie es scheint.

junk_scienceNun hat Nick Drydakis die Reihe der Junk Science um einen weiteren Beitrag bereichert, in dem er aus seiner Sicht nachweist, dass Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Der Beitrag ist in Human Relations erschienen und wird von Sage umsonst feil geboten. Wer ihn haben will: Hier ist der Link.

Die Schlussfolgerungen im Beitrag, sie sind voller Generalisierungen:

Sexuelle Minderheiten sind mit schwerwiegenden Fehlwahrnehmungen und Hürden auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.

Schwule werden beim Versuch, einen männerdominierten Berufe zu ergreifen, diskriminiert, Lesben beim Versuch, einen frauendominierten Beruf zu ergreifen.

Es gibt einen statistisch signifikanten und negativen Effekt, der von einer homosexuellen Orientierung auf die Berufschancen ausgeht.

Kurz: Homosexuelle werden am Arbeitsmarkt diskriminiert, und zwar alle.

Diese allgemeinen und weitreichenden und hoch generalisierten Schlussfolgerungen basieren auf 5549 Bewerbungsschreiben, die 144 Studenten von 12 Universitäten im Vereinigten Königreich an potentielle Arbeitgeber verschickt haben. Dabei haben sich immer Paare von Studenten auf dieselbe Stelle beworben, Paare, die sich durch eine Angabe im Lebenslauf unterschieden haben: Einer, der beiden Studenten hatte in seinem Lebenslauf den Hinweis, er habe Fähigkeiten (finanzielle und organisationale) im Rahmen seiner Tätigkeit für die Schwulen und Lesben Union an seiner Hochschule erworben, der andere hatte entweder einen Hinweis auf die entsprechende Tätigkeit im Rahmen einer Studenten-Union, die mit Menschenrechten befasst ist oder keinen entsprechenden Hinweis, das geht aus dem Text von Drydakis nicht genau hervor.

Wie dem auch sei, Schwule und Lesben (die sind für Drydakis mit den Aktivisten in schwulen und lesbischen Studenten-Unionen identisch) werden seltener zu Job-Interviews eingeladen als die Vergleichsgruppe (wer auch immer die Vergleichsgruppe sein mag). Und dieses Ergebnis ist die Grundlage, auf der die oben zitierten weitreichenden Aussagen basieren.

Eine ziemlich dünne Grundlage.

Setzt die entsprechende Interpretation doch eine Reihe von Annahmen voraus.

Versetzen wir uns in die Rolle eines Angestellten einer Personalabteilung, denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht „Unternehmen“, wie Drydakis meint.

Dieser Angestellte ist mit einer Reihe von Bewerbungen auf Stellen konfrontiert, darunter zwei, die Herr Drydakis lanciert hat. Angesichts der Arbeitsmarktlage sind es vermutlich zwei Bewerbungen unter mindestens 50 Bewerbungen.

Unser Angestellter ist also mit in jedem Fall mehr als zwei Bewerbungen konfrontiert.

Er beginnt den Filterprozess.

Er sucht nach geeigneten Kandidaten anhand einer Kriterienliste, die er hoffentlich vorliegen hat, die er aber nicht immer anwenden kann, weil die Anschreiben und Lebensläufe, die er erhält, unterschiedlich sind, weil manche Lebensläufe Angaben, die er bräuchte, nicht enthalten, während andere die entsprechenden Angaben und noch mehr Angaben enthalten, die er für relevant und wichtig erachtet.

DrydakisIIIIrgendwann während er die Bewerbungen durchsieht, stolpert er über die beiden Bewerbungen der Drydakis-Dummies, die sich nach Ansicht von Drydakis nur darin unterscheiden, dass eine der beiden Bewerbungen, den Hinweis auf den Aktivismus in einer Schwulen und Lesben Union enthält (woraus der Personaler dann schließen muss, dass der entsprechende Bewerber schwul oder lesbisch ist).

Dass die beiden Bewerbungen zudem Lichtbilder enthalten, die nicht identisch sind, lassen wir außen vor, und dass belegte Kurse, Ethnizität und Familienstand, selbstberichtete Persönlichkeitscharakteristiken, Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten ausreichende Kriterien sind, um zwei Studenten als gleich bis auf den schwulen oder lesbischen Aktivismus anzusehen, das wollen wir auch mit ihm zusammen annehmen.

Machen wir alle diese sehr großzügigen Annahmen, dann müssen wir für unseren Angestellten in der Personalabteilung annehmen, dass ihm diese Gleichheit im Bewerberprofil auffällt.

Wir müssen ferner annehmen, dass ihm nicht nur diese Gleichheit auffällt, sondern auch der für Drydakis entscheidende Unterschied, der in der sexuellen Orientierung, also im schwul-lesbischen Aktivismus bestehen soll.

Zudem müssen wir annehmen, dass dieser Unterschied und nur dieser Unterschied dazu führt, dass die Bewerbung des schwulen und lesbischen Aktivisten ausgesondert wird, während die des Bewerbungs-Partners nicht ausgesondert wird.

Wir müssen darüber hinaus annehmen, dass es keine anderen Gründe für diese Aussonderung gibt, dass der Angestellte in der Personalabteilung also in ähnlicher Weise auf die sexuelle Orientierung fixiert ist, wie Herr Drydakis.

Ziemlich viele Annahmen, wie wir finden.

Geht man seinen Analysen vor diesem Hintergrund etwas auf den Grund, dann ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Für männliche Bewerber:

  • In 64,5% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 58,7% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 8,6% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Für weibliche Bewerber:

  • In 65,9% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 60,1% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 5,7% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Es sind die 8,6% bzw. die 5,7%, die Drydakis stören. Sie sind der Ausdruck von Diskriminierung, so meint er.

Nun muss man bedenken, dass die 5549 Bewerbungsschreiben von nur 144 Studenten, darunter 72 heterosexuelle und 72 homosexuell aktivistische Studenten verschickt wurden.

knoweldge gapJeder Student hat somit bis zu 39 Bewerbungen verschickt. Jeder Bewerber geht mit maximal 39 Bewerbungen in die Berechnungen von Nick Drydakis ein. Rechnerisch wäre es daher möglich, dass die insgesamt 312 Fälle, in denen kein homosexuell-aktivistischer Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, immer die selben 8 Bewerber betroffen hat, denn 312 / 39 = 8.

Ob dem so ist, könnte man leicht prüfen, hätte Drydakis seine Ergebnisse im Hinblick darauf dokumentiert, ob sich die Einladungen über die Bewerber gleich verteilen. Das hat er aber nicht getan. Das an sich ist schon erstaunlich, denn eine Angabe der Verteilung des Einladungserfolgs über die Bewerber, z.B. als Mittelwert mit Standardabweichung, ist eigentlich Standard. Fehlt die Angabe, dann muss man Schlimmes befürchten.

Aber selbst wenn eine Gleichverteilung der Einladungen bzw. Ablehnungen über die Bewerber zu beobachten wäre, so ist die Annahme, dass es ausgerechnet der homosexuelle Aktivismus gewesen sein soll, auf den Angestellte in Personalabteilungen fixiert sind, doch eine eher gewagte Annahme.

Aber selbst wenn die Angestellten in Personalabteilungen die Fixierung von Drydakis auf die sexuelle Orientierung teilen und nicht etwa negativ auf studentische Aktivisten reagieren, dann wäre noch zu zeigen, dass Diskriminierung und nicht andere Erwägungen hinter ihrer Entscheidung stehen, vermeintlich homosexuelle Bewerber nicht einzuladen.

Möglicherweise hat man im Unternehmen negative Erfahrungen mit homosexuellen Bewerbern gemacht, negative Erfahrungen, die man nie und nimmer der sexuellen Orientierung zugeschrieben hätte. Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.

Und um den Reigen zu schließen: Wenn manche Homosexuelle nicht mögen, dann ist auch das zu akzeptieren. Man kann freie Bürger ebenso wenig dazu zwingen, einem homosexuellen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben, wie man sie dazu zwingen kann, einem feministischen, sozialistischen, rechtsextremen oder natonalistischen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben. Eine Demokratie muss das aushalten und sich damit abfinden, dass für viele z.B. Personalverantwortliche bereits das Bekenntnis eines Bewerbers zu einem beliebigen Aktivismus ausreicht, um sich für andere Bewerber zu entscheiden.

I had a dream

I had a dream.

I had a dream that social scientists would be scientist.

I had a dream that social scientists would unite in the quest for knowledge.

Get up stand upI had a dream that they would rise and fight for freedom and fight those who want to use science for other purposes than acquiring knowledge.

I had a dream that social scientists would take their social responsibility seriously.

Und dann bin ich aufgewacht.

Und die Realität mit all ihrer grauen Phantasielosigkeit des deutschen universitären Alltags war zurück. All die Gestalten, die sich auf Lehrstühlen herumdrücken und darauf warten, dass sich die eine Idee einstellt, auf die sie nun schon seit Jahrzehnten erfolglos warten, all die Aktivisten, die Lehrstühle besitzen, um von der Ikea-Kanzel aus das Heil der Welt zu verkünden, und all die Opportunisten, die Wissenschaft nutzen, um sich in Positionen zu sonnen, die sie nicht einmal ausfüllen würden, wenn sie adipös wären, all sie, sie sind mir wieder in den Sinn gekommen.

Und nicht nur sie, auch die Professoren, die sich an Universitäten durchzudrücken versuchen, ohne ein klares Statement darüber zu geben, wie sie es mit den Versuchen, Universitäten zu Stätten, an denen man zu Straftaten aufrufen kann, oder den Versuchen, Universitäten zu Stätten institutionalisierter Diskriminierung von Männern zu machen, halten.

Sie schweigen lieber und nehmen in Kauf, dass man sie für Feiglinge und Drückeberger hält. Und das, das nehmen wir nicht mehr hin:

We have a dream, den Traum des erwachsenen, aufrechten, mutigen Sozialwissenschaftlers mit Rückgrat und sozialer Verwantwortung.

BeccariaNun sollte dieser Traum-Sozialwissenschaftler eigentlich die Norm sein, so dass man viele der derzeitigen Sozialwissenschaftler als Abweichung von der Norm, als Deviante ansehen muss. Das erleichtert die Aufgabe, die vor uns liegt. Denn: Auf dem Weg zum erwachsenen, aufrechten, mutigen Sozialwissenschaftler mit Rückgrat und sozialer Verantwortung können wir uns Ergebnisse der Devianzforschung zu Nutze machen, die schon Cesare Beccaria im 18. Jahrhundert formuliert hat.-

Damit Akteure ihr abweichendes Verhalten unterlassen, muss man ihnen die Kosten für abweichendes Verhalten erhöhen und den Nutzen von nicht-abweichendem Verhalten deutlich machen oder steigern. Nun sollte die Vorstellung, als erwachsener, aufrechter, mutiger Sozialwissenschaftler mit Rückgrat und sozialer Verantwortung erkennbar zu sein, eigentlich schon Nutzen genug sein, ist es aber nicht, wenn die Feigheit, die Angst davor, als erwachsener, aufrechter, mutiger Sozialwissenschaftler mit Rückgrat und sozialer Verantwortung erkennbar zu sein, größer ist.

Was also tun?

Zurück zu Beccaria: abweichendes Verhalten wird von denen gezeigt, die keine Entdeckungswahrscheinlichkeit fürchten, weil sie z.B. denken, die Position, die sie besetzen, schütze sie vor bestimmten Sanktionen, erlaube es ihnen z.B. eMails zu ignorieren, denn: in ihrer Position wähnen sie sich zu wichtig, als dass sie sich mit schnöden eMails von Personen beschäftigen würden, die ihnen aus ihrer (irrigen) Sicht und in ihrem verbeamteten Status keine Kosten verursachen können (selbst dann, wenn es sich dabei um Fachkollegen handelt oder wenn es Bürger sind, die mit ihren Steuermitteln die Position der entsprechenden Inhaber finanzieren).

Um diesen Fehlschluss aus falscher Selbstzuschreibung von Arroganz für diejenigen, die ihm erliegen, aufzuklären, ist es daher notwendig, das was Beccaria Härte und Geschwindigkeit der Strafe nennt, für die vorliegende Aufgabe zu operationalisieren, und zwar auf eine Weise, die geeignet ist, den Fehlschluss deutlich sichtbar und damit bearbeit- und beherrschbar zu machen.

Wir haben die perfekte Möglichkeit gefunden, den vom Fehlschluss Betroffenen zu helfen und fordern hiermit alle unsere Leser auf, uns bei der Therapie zur Hand zu gehen.

Wie?

Ganz einfach.

Im folgenden haben wir zwei Textbausteine erstellt.

Textbaustein 1 enthält die eMail-Adressen der Professoren, bei denen der oben beschriebene Fehlschluss das längst fällige Coming-Out verhindert.

Textbaustein 2 enthält den eMail-Text mit den Fragen, die wir von den entsprechenden Professoren beantwortet haben wollen. Wie sich Stammleser erinnern werden: Es geht darum, dass eine Untersuchung nachgewiesen hat, dass männliche Bewerber auf einen Lehrstuhl in der Soziologie diskriminiert werden. Wir verlangen einfach nur eine Stellungnahme von den Positionsinhabern, die den Vorstand der deutschen Gesellschaft für Soziologie besetzen.

Die Therapie besteht nun darin, so viele wie nur möglich eMails mit dem Bausteintext von oben, an die Positionsinhaber zu schicken, um sie von ihrer irrigen Vorstellung, sie seien zu wichtig, als dass sie sich mit berechtigten Fragen von außen auseinander setzen müssten, zu heilen.

Hier die Cut und Paste-Textbausteine

Textbaustein 1: eMail-Adressen:

peter.berger@uni-rostock.de; nicole.burzan@fk12.tu-dortmund.de; stephan.lessenich@soziologie.uni-muenchen.de; michaela.pfadenhauer@univie.ac.at; uwe.schimank@uni-bremen.de; Paula.Villa@soziologie.uni-muenchen.de ;vobruba@sozio.uni-leipzig.de; sciencefiles@textconsulting.net

Textbaustein 2: eMail-Text:

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie,

Mark Lutter und Martin Schröder vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln haben eine Vollerhebung der Berufungen auf Lehrstühle der Soziologie, die im Zeitraum von 1980 bis 2013 besetzt wurden, durchgeführt und auf Grundlage dieser Daten, für 1.260 Soziologen die Variablen bestimmt, die einen Effekt auf die Besetzung eines Lehrstuhls haben (Veröffentlicht als MPIfG Discussion Paper 14/19 unter dem Titel: „Who Becomes a Tenure Professor, and Why“).

Dabei haben sie eine systematische Diskriminierung von männlichen Soziologen festgestellt, die jedem Wissenschaftler, der sich mit Diskriminierung oder mit sozialer Ungleichheit oder mit der Erforschung von Stereotypen, Vorurteilen und darauf basierenden Ismen, wie Rassismus oder Sexismus beschäftigt, den blanken Schrecken ins Gesicht treiben muss.

Hier ein Auszug der wichtigsten Ergebnisse.

1. Weibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.

2. Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: „… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‚gray‘ literature as women“.

3. Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse beschreiben eine unhaltbare Situation systematischer und insofern wohl institutioneller Diskriminierung von männlichen Bewerbern. Dass eine solche Situation ausgerechnet in der Soziologie mit ihrer Tradition der Erforschung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit eingetreten ist, kann man wohl nur als Ironie der Geschichte bezeichnen.

Ich nehme diese Situation zum Anlass, um Sie als Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zu bitten, die folgenden Fragen zu beantworten:

1. War Ihnen bekannt, dass männliche Bewerber auf eine Professur in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?

2. Halten Sie die systematische Diskriminierung von männlichen Bewerbern im Verlauf einer universitären Karriere für hinnehmbar?

3. Wenn ja, warum?
4. Wenn nein: Was gedenken Sie dagegen zu unternehmen?

5.Was raten Sie männlichen Abiturienten, die sich mit dem Gedanken tragen, Soziologie zu studieren?

6. Was raten Sie männlichen Absolventen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine wissenschaftliche Karriere in der Soziologie anzustreben?

7. Was halten Sie von der Tatsache, dass männliche Bewerber in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?

Ich bedanke mich für Ihre Antworten und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Wir haben die eMail-Adresse von ScienceFiles zum Zweck der Generierung von Leverage angefügt, wie man das im Englischen nennt.

„If you are a big tree, we are a small axe, ready to chop you down, to chop you down.“

Soziologen, setzt Euch zur Wehr gegen systematische Diskriminierung!

Gestern haben wir die Ergebnisse der Unterschung von Mark Lutter und Martin Schröder  „Who Becomes a Tenure Professor, and Why?“ dargestellt. Die Ergebnisse von Lutter und Schröder basieren auf einer Analyse aller Lehrstuhlbesetzungen für den Zeitraum 1980 bis 2013 für das Fach Soziologie und entsprechend auf Informationen über 1.260 Soziologen und 297 ordentliche Lehrstuhlbesetzungen.

PopitzSoziologen, das sind (oder waren einmal) WIssenschaftler, die sich unter anderem mit Fragen der sozialen Ungleichheit oder der Sozialstruktur befasst haben, die untersucht haben, wie vertikale Mobilität verhindert wird, also dafür gesorgt wird, dass Kinder aus Unterschichtsfamilien selbst Unterschichts- und nicht MIttelschichtsfamilien gründen, oder die die Mechanismen des alltäglichen Lebens untersucht haben, mit denen z.B. in Bildungsinstitutionen für soziale Segregation gesorgt wird. Entsprechend war Soziologie eine kritische Wissenschaft, die gesellschaftliche Prozesse analysiert und unerwünschte Entwicklungen aufgezeigt hat.

Zwischenzeitlich ist Soziologie in vielen Teilen zu einer Legitimationswissenschaft verkommen, d.h. Soziologen sehen es nicht mehr als ihre Aufgabe an, die Folgen politischer Entscheidungen auf die Gesellschaft zu analysieren. Die meisten Soziologen sehen es heute als ihre Aufgabe an, die nämlichen politischen Entscheidungen zu legitimieren.

Als Folge hat sich die Soziologie von einer empirischen zu einer Lehnstuhl-Wissenschaft entwickelt. An die Stelle der Analyse dessen, was ist, ist die mehr oder weniger gelangweilte Betrachtung darüber getreten, was man gerne hätte.

Diese Entwicklung von einer kritischen zu einer selbstgefälligen und langatmigen Wissenschaft, deren Vertreter der sie umgebenden Welt nichts mehr zu sagen haben, hat nach unserer Ansicht u.a. mit dem Staatsfeminismus zu tun, mit der Installation von Gender Studies in der Soziologie und mit einer systematischen Untergrabung der Standards der Soziologie dadurch, dass nicht mehr nach Leistung in Positionen berufen wird, sondern nach Geschlecht.

Das hat, wie Lutter und Schröder mit ihrer Untersuchung deutlich gemacht haben, dazu geführt, dass männliche Bewerber auf einen Lehrstuhl in Soziologie massiv und systematisch diskriminiert werden:

  • MPIfG_LutterWeibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: „… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‚gray‘ literature as women“.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Eine solche Situation in einem Fach, zu dessen wichtigsten Aufgaben einmal die Analyse sozialer Ungleichheitsstrukturen gehört hat und nach Anspruch der Soziologen, die von sich behaupten, sie würden nach wie vor soziale Ungleichheit oder gar Diskriminerung untersuchen, immer noch gehört, ist der Gipfel der Ironie. Sie wirkt auf uns als wäre ein Gärtner, dessen Aufgabe darin bestanden hat, Unkraut aus einem Park zu entfernen, dazu übergegangen, das Unkraut systematisch anzupflanzen.

Aber ganz davon abgesehen, dass es gerade für die Soziologie eine erstaunliche Transformation darstellt, vom Kritiker sozialer Ungleichheit und von Diskriminierung zum praktischen und Legitimations-Ort sozialer Ungleichheit und Diskriminierung geworden zu sein, ist Diskriminierung und soziale Ungleichheit, da wo sie nicht durch das meritokratische Prinzip gerechtfertigt ist, also dadurch, dass ein Bewerber, der einem anderen vorgezogen wird, nachvollziehbar besser ist als der Bewerber, dem er vorgezogen wurde, immer eine Frage von Moral und Anstand.

Moral insoweit, als es moralisch verwerflich ist, Dritte wegen Eigenschaften zu benachteiligen, die für die vorliegende Entscheidung irrelevant sind. Anstand insoweit, als ein anständiger Mensch sich nicht der Beihilfe zur Diskriminierung schuldig macht.

Deshalb haben wir die Ergebnisse von Lutter und Schröder zum Anlass genommen, um alle Mitglieder des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie anzuschreiben und zu fragen, wie sie zu der systematischen Benachteiligung von Männern in der Soziologie stehen, was sie jungen Männern, die die Soziologie als Ausbildungsfach gewählt haben, raten und welche Schritte sie einzuleiten gedenken, um die systematische Benachteiligung von Männern in der Soziologie zu beenden.

Sehr geehrter …

dgs2

Mark Lutter und Martin Schröder vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln haben eine Vollerhebung der Berufungen auf Lehrstühle der Soziologie, die im Zeitraum von 1980 bis 2013 besetzt wurden, durchgeführt und auf Grundlage dieser Daten, für 1.260 Soziologen die Variablen bestimmt, die einen Effekt auf die Besetzung eines Lehrstuhls haben (Veröffentlicht als MPIfG Discussion Paper 14/19 unter dem Titel: „Who Becomes a Tenure Professor, and Why“).

Dabei haben sie eine systematische Diskriminierung von männlichen Soziologen festgestellt, die jedem Wissenschaftler, der sich mit Diskriminierung oder mit sozialer Ungleichheit oder mit der Erforschung von Stereotypen, Vorurteilen und darauf basierenden Ismen, wie Rassismus oder Sexismus beschäftigt, den blanken Schrecken ins Gesicht treiben muss.

Hier ein Auszug der wichtigsten Ergebnisse.

  • Weibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: „… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‚gray‘ literature as women“.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse beschreiben eine unhalbare Situation systematischer und insofern wohl institutioneller Diskriminierung von männlichen Bewerbern. Dass eine solche Situation ausgerechnet in der Soziologie mit ihrer Tradition der Erforschung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit eingetreten ist, kann man wohl nur als Ironie der Geschichte bezeichnen.

Wir nehmen diese Situation zum Anlass, um Sie als Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zu bitten, die folgenden Fragen zu beantworten:

  1. War Ihnen bekannt, dass männliche Bewerber auf eine Professur in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?
  2. Halten Sie die systematische Diskriminierung von männlichen Bewerbern im Verlauf einer universitären Karriere für hinnehmbar?
  3. Wenn ja, warum?
  4. Wenn nein: Was gedenken Sie dagegen zu unternehmen?
  5. Was raten Sie männlichen Abiturienten, die sich mit dem Gedanken tragen, Soziologie zu studieren?
  6. Was raten Sie männlichen Absolventen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine wissenschaftliche Karriere in der Soziologie anzustreben?
  7. Was halten Sie von der Tatsache, dass männliche Bewerber in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?

Wir bedanken uns für Ihre Antworten und verbleiben mit kollegialen Grüßen,

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein
ScienceFiles.org

Die eMail ging an:
Peter Berger, Universität Rostock;
Nicole Burzan, Technische Universität Dortmund;
Stephan Lessenich, Ludwig-Maximilians-Universität München;
Michaela Pfadenhauer, Universität Wien;
Uwe Schimank, Universität Bremen;
Paula Irene Villa, Ludwig-Maxilimians-Universität München;
Georg Vobruba, Universität Leipzig;

Gesetzes Grenze oder: Die Gedanken sind frei

Wir konnten uns nicht entscheiden, wie wir den vorliegenden Post einleiten sollen. Deshalb gibt es jetzt drei alternative Anfänge:

In der Kriminologie ist die Verdrängung von Kriminalität ein bekanntes Phänomen. Wenn durch z.B. verstärkten Polizeieinsatz in einem räumlich begrenzten Gebiet, z.B. der Taschendiebstahl schwieriger gemacht wird, dann wandern die Taschendiebe in angrenzende Gebiete ab und gehen dort ihrem Handwerk nach.

Oder Alternative 2:

DDR Grenze

Staatlich geförderte Wahl des Wohnsitzes

In der DDR herrschte eine offizielle Meinung, die Parteimeinung, und es war der eigenen Karriere nicht förderlich, wenn man den Genossen Honnecker als senilen Alten oder Genosse Stalin als pathologischen Mörder bezeichnet hat. Geschweige denn, dass es ratsam war, die aus Parteiräson entsprungene Planwirtschaft ob der Tatsache, dass kein Zement, dafür aber doppelt so viel Ziegelsteine wie notwendig, produziert wurden, zu kritisieren. Deshalb gab es in der DDR die private Meinung im Freundeskreis derer, die sich nachträglich häufig als IM – inoffizielle Mitarbeiter der Stasi entpuppt haben.

Oder Alternative 3:

Verträge, und Gesetze sind letztlich Verträge, sind notwendiger Weise unvollständig, da es einerseits Folgen der Gesetze gibt, die man bei Gesetzeslegung nicht gekannt hat, andererseits Reaktionen auf die Gesetze, die man nicht geplant hat, die sich unbeabsichtigt ergeben. Entsprechend sind Gesetze keine 100%tigen Regelungen, sondern Regelungsabsichten, die sich zum Teil ganz anders, als beabsichtigt, entwickeln.

Gesetzgebung, die das Ziel hat, eine Gleichstellung oder eine Gleichheit herzustellen, Gesetzgebung, die nicht Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit zum Ziel hat, Gesetzgebung, die bei Minderheiten mit affirmative action arbeitet, diesen also einen Vorteil einräumt oder Gesetzgebung, die Gleichstellung sicherstellen will, z.B. durch die bekannte, aber vollkommen leere Floskel: „Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt“ oder wahlweise Behinderte, Gesetzgebung, die sich aufschwingt gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen und entsprechend Gender mainstreamed oder Diversity garantieren will, derart angeblich gut gemeinte Gesetzgebung war Gegenstand einer qualitativen Untersuchung, die an der University of Sheffield durchgeführt wurde.

30 Interviewte machen die Grundgesamtheit der Studie aus, die sich mit Gleichheits-Gesetzgebung, dem Equality Act (2010) im vorliegenden Fall, und vor allem mit den Konsequenzen dieser Gesetzgebung aus dem Vereinigten Königreich befasst hat. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein herber Rückschlag für alle, die denken, sie könnten Menschen einfach das verordnen, was sie für richtig halten, könnten die Hearts and Minds derjenigen erobern, die sie aus ihrer Sicht richtigen Regelungen unterziehen.

Weit gefehlt. Man kann Menschen nicht per Gesetz zum angeblich Besseren bekehren.

Schlimmer noch. Derart vermeintlich gutgemeinte Gesetze verschlimmern die Situation, die zu verbessern sie angetreten sind.

Konsequenz einmal mehr: Sozialtechnologie funktioniert nicht.

Im Einzelnen hat die Untersuchung gezeigt, dass

  • Sheffield Universitydie Befragten keine Detailkenntnisse über den Equality Act (2010) hatten;
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz als Form politischer Korrektheit angesehen wurde;
  • die Schaffung von Gleichheit als unfair und ungerechtfertigt angesehen wurde;
  • das Gesetz zur Schaffung von Gleichheit dazu geführt hat, dass die Befragten eine öffentliche und eine private Meinung entwickelt haben, d.h. in der Öffentlichkeit und vor allem am Arbeitsplatz haben sie gesagt, was politisch korrekt ist und von ihnen erwartet wurde, was aber in keiner Weise ihrer Meinung entsprochen hat. Im privaten Kontext haben sie ihrer wirklichen Meinung dann freien Lauf gelassen, wobei die Vorurteile gegen Minoritäten, die sie im öffentlichen Raum nicht mehr äußern dürfen, im privaten Raum um so deutlicher geäußert wurden.
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz, die damit verbundene politische Korrektheit und das davon ausgehende Sprechverbot für die eigene, nicht politisch korrekte Meinung hat Ärger und Frustration und das Gefühl, zum Schweigen gebracht und aus dem öffentlichen Raum verdrängt worden zu sein, zur Folge.

Letztlich, so Gill Valentine, Autor des Berichts, habe man mit der Gesetzgebung eine Situation geschaffen, die keinem helfe, aber alle schlechter stelle. Diejenigen, denen geholfen werden sollte, sehen sich nunmehr Ressentiments gegenüber, die nicht mehr öffentlich diskutiert werden können, die sie vielmehr im Privaten treffen. Diejenigen, deren Meinung als nicht mehr politisch korrekt angesehen wird, fühlen sich aus dem öffentlichen Raum abgedrängt und reagieren mit Ärger und Frustration, was ihre Vorurteile intensiviert.

Kurz: Ein Gesetz zur Schaffung von Gleichheit mag diejenigen zufrieden stellen, die damit zufrieden sind, sich als vermeintliche Guttuer in der eigenen Gutheit suhlen zu können, diejenigen, die damit eine Veränderung herbeiführen wollten, können damit nicht zufrieden sein, denn sie haben das Gegenteil dessen erreicht, was sie erreichen wollten:

  • Sie haben Vorurteile gegen Minoritäten wo sie vorhanden waren, verschärft, wo sie nicht vorhanden waren, neu geschaffen.
  • Sie haben dafür gesorgt, dass die Gruppen, denen durch die gesetzliche Schaffung von Gleichheit geholfen werden sollte, im Rampenlicht stehen und Dank der größeren Sichtbarkeit und der mit dem Gleichheitsgesetz einhergehenden Wahrnehmung von Unfairness noch größere Resentiments hervorgerufen haben, als zuvor.
  • Und Sie haben es letztlich geschafft, dass eine öffentliche Auseinandersetzung darüber, ob Vorurteile gegen Schwarze, Asiaten, Deutsche oder Schotten eine empirische Basis haben oder schlicht nicht gerechtfertigt sind, verunmöglicht wurde.

Die Vorurteile sind nun privat und für die Sozialtechnologen nicht mehr erreichbar.

Somit kann man schließen:

Die Gedanken sind frei und nicht durch Gesetze veränderbar.

Wer dies dennoch versucht, wird eine vorhandene Situation nur verschlimmern.

Und was für den Equality Act im Vereinigten Königreich gilt, gilt für das Gender Mainstreaming und die Myriaden Programme zur Bevorteilung von Frauen in Deutschland. Am Ende wird sich eine Situation einstellen, die Bürger in öffentlichen Situationen die Versatzstücke aufsagen lässt, die sie auswendig und als politisch korrekt gelernt haben, und in privaten Situationen werden sie ihrem Frust und ihrem Ärger freien Lauf lassen. Wie lange es wohl dauert, bis diese explosive Mischung knallt … ?

Es gibt keine positive Diskriminierung

Die Wortmagie des Staatsfeminismus hat den Begriff der „positiven Maßnahmen“ geschaffen. Positive Maßnahmen sind in Artikel 5 des angeblichen Gleich-Behandlungs-Gesetzes gefasst:

ADS„Ungeachtet der in den §§ 8 bis 10 sowie in § 20 benannten Gründe ist eine unterschiedliche Behandlung auch zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile wegen eines in § 1 genannten Grundes verhindert oder ausgeglichen werden sollen.“

Mit positiven Maßnahmen ist also nichts anderes gemeint als eine staatlich sanktionierte Diskriminierung und somit eine Maßnahme, die es in Deutschland schon einmal gab, damals wurde sie in den Nürnberger Rassegesetzen niedergelegt.

Auch mit den Nürnberger Rassegesetzen sollte ein angeblich vorhandenes Unrecht revidiert werden, entsprechend qualifizieren sich die Nürnberger Rassegesetze als positive Maßnahme im Sinne des AGG, da mit dem Rassegesetz Juden aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden (eine Null-Quote, wenn man so will), um die bestehenden Nachteile von Reichsdeutschen auszugleichen und die Prosperität und den Wohlstand des deutschen Volkes auch in Zukunft zu sichern.

„Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre

Ein zeitgemäßer Titel wäre – Gesetz zur Förderung der Gesundheit der deutschen Bevölkerung

Vom 15. September 1935
Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird.“

Deutsche Parlamentarier waren in der Lage, die Nürnberger Rassegesetze zu verabschieden. Etwas genereller formuliert muss man daraus den Schluss ziehen, dass es notwendig ist, den allgegenwärtigen Opportunismus und die allgegenwärtige ideologische Verblendung unter Parlamentarieren zu kontrollieren und in Grenzen zu halten.

Dazu bedarf es einer funktionierenden civic society, d.h. es braucht Individuen, die dem, was Parlamentarier verabschieden, die dem, was Regierungen durchsetzen wollen, kritisch gegenüberstehen und dann, wenn es nicht anders verhindert werden kann, Widerstand gegen das leisten, was angeblich in ihrem Namen beschlossen wurde.

Der logische Widerspruch im Artikel 5 des AGG, der trotz der gewählten schwammigen Formulierung deutlich zu erkennen ist, als Behauptung man könne nicht näher qualifizierte Nachteile durch aktive Benachteiligung („positive Maßnahmen“) beseitigen.

Das selbe trifft auf Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes zu:

„(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Artikel 3 Absatz 2 ist nichts anderes als ein Ermächtigungsgesetz, das staatliche Akteure eine Vollmacht dahingehend erteilt, Diskriminierung von Männern nach Gusto zu betreiben, denn wie sonst sollte auf die Beseitigung vermeintlich bestehender Nachteile von Frauen hinwirken wollen als durch die angblich positiven Maßnahmen, die im AGG genannt sind?

Dies zeigt, wie einfach es doch ist, demokratische Grundlagen außer Kraft zu setzen und durch Klientelpolitik zu ersetzen. Man braucht dazu ein Gesetz, das einen wohlklingenden Namen hat. Man benötigt darüber hinaus, einen leeren Passus, der einen rechtsfreien Raum der bestehenden Nachteile schafft, von denen es keine Konkretisierung gibt, lediglich eine wage Umschreibung. Auf Basis der wagen Umschreibung vermeintlicher Nachteile können dann die unterschiedlichsten Nachteile erfunden und als Ausgangspunkt dafür genutzt werden, konkrete und handfeste Diskriminierungsmaßnahmen, wie z.B. das Professorinnenprogamm in die Tat umzusetzen.

untertan_kurfuerstErleichtert wird dieses durschsichtige Verfahren durch die Rechtsgläubigkeit von Deutschen. Vielen von ihnen kann man wohl alles vorsetzen, und sie akzeptieren, was ihnen von der Staatsmacht vorgesetzt wird. An die Stelle der Kontrolle und kritische Prüfung dessen, was ihnen vorgesetzt wird, tritt für viele die uneingeschränkte Akzeptanz, die soweit geht, dass Deutsche in die Rolle des Gesetzgebers schlüpfen und für diesen überlegen, wie man ein Programm, das offensichtlich nichts mit Chancengleichheit und Gerechtigkeit, sondern mit Privilegierung, Gewährung von Sonderrechten und Diskriminierung zu tun hat, aus rechtlicher Sicht doch noch legitimiern kann.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat dies zum Anlass genommen, um in einem Kommentar die Argumente zusammen zu fassen, mit denen man ein unsinniges und unlogisches Gesetz wie das AGG, das die Beseitigung vermuteter Diskriminierung durch tatsächliche Diskriminierung rechtfertigen soll und seine Konsequenzen kritisieren und normalerweise (in rationalen Kulturen) beseitigen kann:

(1) Wenn ein Gesetz wie das Antidiskriminierungsgesetz offensichtlich jeder Logik widerspricht und man an der geistigen Gesundheit derer, die solchen Unsinn formulieren, zweifeln muss, dann kann man das vermeintliche Gesetz nur als groben Unfug oder Ausdruck von Gehirnkrebs qualifizieren, das keinerlei Anspruch auf Geltung für normal Intelligente haben kann: Es ist logisch unmöglich, Diskriminierung durch diskriminierende Maßnahmen – tja, was eigentlich? Ich weiß es nicht. Also versuchen wir es anders: es ist logisch unmöglich, mit diskriminierenden Maßnahmen vorher beobachteten Phänomenen zu begegnen, die ex-post facto als Diskriminierung interpretiert werden, und zwar

  • (1a) weil erst einmal empirisch nachgewiesen werden müsste, dass diese Interpretation zutreffend ist und
  • (1b) weil selbst dann, wenn das gelänge, jemand von vornherein unglaubwürdig ist, der angeblich Diskriminierung so sehr verurteilt, dass er sie ausgleichen – oder sonst irgendwie etwas, was man in ein nebulöses Verb gießen kann – möchte, sich aber keineswegs zu schade ist, just dies, also Diskriminierung, ganz bewußt einzusetzen, wenn es ihm gerade in den Kram passt.

Der Kampf gegen Diskriminierung ist damit zur Farce geworden, die niemand ernst nehmen kann; statt dessen lautet die Botschaft: Diskriminierung ist bloß ein Kampfbegriff, der von jedem benutzt werden kann, der für die eigene Klientel etwas herausschlagen will.

Das ist sehr, sehr bedauerlich, denn Fälle nachweisbarer (!) Diskriminierung als Benachteiligung sind eine ernsthafte Angelegenheit, besonders, wenn sie institutionell und nicht durch irgendeine einzelne Person, erfolgt.

  • (2) Diskriminierung bedeutet Benachteiligung, und diskriminierende Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung (allein dies zu tippen, bereitet mir Kopfschmerzen wegen des logischen Schwachsinns!) zu treffen, bedeutet eine Bevorteilung. Nun ist die Frage, wie sich Benachteilung und Bevorteilung zueinander verhalten, Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass mit jeder Bevorteilung bestimmter Personen notwendigerweise eine Benachteiligung bestimmter anderer Personen einhergeht. Genau dies wird von den institutionalisierten Diskriminierern in unserer Gesellschaft aber gewöhnlich bestritten. Möglicherweise gibt es tatsächlich irgendeine Konstellation, in der es sich hier nicht um ein Nullsummenspiel handelt, aber die institutionellen Diskriminierer sind den entsprechenden Nachweis (logisch und empirisch) bislang schuldig geblieben,

Empirisch besehen ist der Fall des Professorinnenprogramms jedenfalls ein Nullsummenspiel, denn wenn die Finanzierung nur für weibliche Bewerber vorgesehen ist, also für sie exklusiv reserviert ist, dann sind männliche Bewerber von der Finanzierung ausgeschlossen. Wenn im Grundgesetz (immer noch) steht, dass niemand (u.a.) aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden darf, dann handelt es sich bei dem Bevorteilungsprogramm weiblicher Bewerber im Rahmen des Professorinnenprogramms also notwendigerweise um einen Verstoß gegen das Grundgesetz, weil die Bevorteilung von Frauen hier eine Benachteiligung von Männern notwendig impliziert.

Das wird nicht dadurch anders, dass man im Zuge eines wirklich unzumutbar primitiven rhetorischen Tricks zulässige und unzulässige Diskriminierung zu unterscheiden versucht (positive Maßnahmen): dadurch wird lediglich Diskriminierung als solche zum Verschwinden gebracht (s. Punkt 1b).

civic cultureEs geht hier auch gar nicht um Diskriminierung, sondern um Nutznießerei durch Herstellung von Ergebnisgleichheit. Die Gleichheit, die im Grundgesetz garantiert ist, ist aber eine Chancengleichheit und eine prozedurale Gleichheit (= Verfahrensgleichheit), keine Ergebnisgleichheit! Eine so umfassende Uminterpretation grundlegender Gesetze und entsprechend der gesellschaflichen Verhältnisse ist in Deutschland zu keinem Zeitpunkt offen diskutiert und demokratisch legitimiert worden.

  • (3) Selbst unter Nicht-Beachtung der Punkte 1 und 2 – und eine solche Nicht-Beachtung ist nur Toten und solchen mit Gehirnkrebs verzeihlich – gilt, dass es logisch nicht möglich ist, Diskriminierungen angeblich und irgendwie wieder gut zu machen, wenn man sie kollektivistisch auffasst:

Wenn einem Kind sein Ball gestohlen wurde, wäre es gut, den Dieb zu identifizieren, ihm den Ball abzunehmen und ihn dem Kind, von dem er gestohlen wurde, zurückzugeben. Das ist Widergutmachung im Sinn des Wortes. Alles andere ist gesellschaftliche Konstruktion, die bis hin zum Betrug gehen kann, wenn er opportun erscheint, so z.B. wenn die Eltern des Kindes Geld von den Eltern des Kindes fordern würden, das den Ball gestohlen hat, sozusagen als Schadensersatz, ohne Betrachtung der Frage, wer durch wen welchen Schaden erlitten hat und wie der Schaden de facto ausgeglichen werden kann. Dies wäre ein Fall von Vorteilsnahme über den Schadensausgleich hinaus.

Wenn nun ganze Gruppen von Menschen – die Hälfte der Bevölkerung! – gegenüber einer anderen schlechtergestellt wird, um vermeintliche Diskriminierung auszugleichen, die die gesamte erste Gruppe durch die gesamte zweite Gruppe einmal erfahren haben soll, und die beiden Gruppen heute personell so gut wie keine Schnittmenge mit den beiden Gruppen von vor 20, 40, 60, 100, 120, … 50.0000, 100.000 Jahren aufweist, dann ist das die verheerendste und dümmste Art von Kollektivstrafe und historischer Gruppenfehde, die ich mir vorstellen kann. Dagegen wirkt das alte Testament wie ein tröstliches Märchen zur Bettzeit.

Die institutionellen Diskriminierer in unserer Gesellschaft sind von uns niemals für diese Art von Volksverhetzung verantwortlich gemacht worden – und das ist für mich ein echtes Unding! Zumindest ist erstaunlich, dass sich nicht viel mehr Leute in unserer Gesellschaft fragen, wie man eine solche umfassende Verfolgung im Rahmen eines empirisch völlig unbelegten, angeblichen Geschlechterkampfes rechtfertigen will.

Rechtfertigen kann man ihn überhaupt nicht. Aber die historischen Wurzeln dieser Menschenverachtung und dieses Ausmaßes an Hass lassen sich aufzeigen. Einen kleinen Beitrag hierzu habe ich in meinem Artikel über das Patriarchat zu leisten versucht. In jedem Fall wäre es dringend notwendig, dass wir alle uns um diese Spurensuche bemühen – damit wir endlich klar sehen, mit wem wir es bei unseren institutionellen Diskriminierern zu tun haben!

Vorsicht Falle: Professorinnenprogramm Update

Seit mehreren Jahren bemühen sich die Verantwortlichen des Professorinnenprogramms in den Landesministerien, im Bundesministerium für angeblich Bildung und Forschung und bei den jeweiligen Hochschulen darum, einen Ausschreibungstext zur Besetzung wissenschaftlicher Positionen an Hochschulen, vornehmlich von Professuren zu entwerfen, der geeignet ist, männliche Bewerber zu täuschen und gleichzeitig auf die Herkunft der Mittel aus dem Professorinnenprogramm zu verweisen.

Vorsicht falleSeit mehreren Jahren scheitern die entsprechenden Bemühungen. Täuschen will eben gelernt sein. Nicht jede, die versucht, männliche Bewerber zu täuschen, ist dazu in der Lage.

Wir haben in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von abstrusen Versuchen dokumentiert, den Anschein zu erwecken, die Ausschreibung für eine Stelle, auf die nur weibliche Bewerber berufen werden können, richte sich an männliche und weibliche Bewerber, diskriminiere entsprechend keine männlichen Bewerber und sei mit dem Antidiskriminierungsgesetz konform. Alle Versuche sind mehr oder weniger kläglich gescheitert, was aber nichts daran ändert, dass weiterhin mit mehr als 300 Millionen Euro die Diskriminierung von Männern an Universitäten vorangetrieben wird.

Das liegt zum einen daran, dass mit der Antidiskriminierungsstelle eine Stelle geschaffen wurde, deren Zweck darin besteht, da zu sein, nicht jedoch darin, etwas zu tun, und es liegt daran, dass die politisch Verantwortlichen zum einen nichts daran finden, Männer zu diskriminieren und sich zum anderen um Gesetze wie das Antidiskriminierungsgesetz nur dann scheren, wenn es ihnen in den Kram passt. Kurz: Deutschland ist eine Banananrepublik in der die Willkür der Behörden darüber bestimmt, wann ein Gesetz gerade genehm und anzuwenden ist und wann nicht.

Die beiden neuesten, lächerlichen Versuche, die Männerdiskriminierung, die planmäßig und in voller Verantwortung der zuständigen Kultur- und Bildungsminister betrieben wird, als etwas anderes erscheinen zu lassen, stammen von der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Erfurt.

Uni Wuppertal ppAn der Bergischen Universität Wuppertal soll eine „Univeristätsprofessur für das Lehr- und Forschungsgebiet Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Diversität“ besetzt werden. Die übliche Schulterklopf-Orgie zu Beginn der Ausschreibung lautet wie folgt:

„Die Bergische Universität Wuppertal ist eine moderne, dynamische und forschungsorientierte Campusuniversität mit interdisziplinär ausgerichteten Profillinien in Forschung und Lehre.“

Und weiter:

„im Fachbereich G – Bildungs- und Sozialwissenschaften ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt – vorbehaltlich der Zuweisung der im Rahmen des Professorinnenprogramms II beantragten Mittel – eine Universitätsprofessur“ … zu besetzen.

An der Bergischen Universität Wuppertal mag man modern und dynamisch und forschungsorientiert und interdisziplinär ausgerichtet sein, was Ausschreibungstexte betrifft, so ist man jedoch eines nicht: ehrlich.

Wie zwischenzeitlich hinreichend bekannt ist, so dass ein entsprechender Täuschungsversuch eigentlich sinnlos ist, werden aus den Mitteln des Professorinnenprogramms nur und ausschließlich weibliche Bewerber auf Professuren finanziert. Wenn die Besetzung der ausgeschriebenen Stelle also „vorbehaltlich“ an die „Zuweisung der im Rahmen des Professorinnenprogramms II beantragten Mittel“ geknüpft ist, dann bedeutet dies: es wird entweder ein weiblicher Bewerber berufen, denn nur dann fließen die Mittel oder keiner.

Das würde eigenlich als Täuschungsversuch reichen. Aber die kriminelle Energie der Verantwortlichen an der Bergischen Universität Wuppertal erschöpft sich nicht in diesem Täuschungsversuch. Vielmehr wird noch ein Versuch drauf gesetzt, um möglichst viele arglose männliche Bewerber an der Nase herumzuführen:

„Frauen werden nach Maßgabe des Landesgleichstellungsgesetzes bei gleicher Qualifikation bevorzugt berücksichtigt. Die Rechte der Schwerbehinderten, bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt zu werden, bleiben unberührt.“

So als gäbe es zwischen Frauen und Männern, Behinderten und Frauen im Professorinnenprogramm zu wählen, erwecken die Verantwortlichen den Eindruck, als wäre es nicht bereits ausgemachte Sache, dass entweder eine Frau oder eine behinderte Frau, aber niemand sonst, auf die ausgeschriebene Stelle berufen wird. Das verdient eine Auszeichnung, am besten in Form von 91 Tagessätzen wegen versuchten Betrugs.

Die gleiche Masche findet sich bei der Universität Erfurt, so dass man sich fragt, ob das BMBF neue Täuschungsrichtlinien erlassen hat, die bislang in Wuppertal und in Erfurt getestet wurden.

In Erfurt ist ein „Annemarie-Schimmel-Fellowship für eine Postdoktorandin / einen Postdoktoranden (wissenschaftliche Mitarbeiterin / wissenschaftlicher Mitarbeiter)“ ausgeschrieben.

Die Ausschreibung erfolgt im „Rahmen des Professorinnenprogramms II des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen“, und zwar durch Diskriminierung von Männern, die auf die entsprechende Stelle nicht berufen werden.

Uni Erfurt ppAbermals findet sich in der Ausschreibung der doppelte Täuschungsversuch, dieses Mal unter der Überschrift „Anmerkungen“ und in folgender Formulierung:

„Die Universität Erfurt strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an. Entsprechend qualifizierte Wissenschaftlerinnen werden um ihre Bewerbung gebeten. Sofern die Voraussetzungen vorliegen, ist eine Finanzierung der Stelle aus den Mitteln für zusätzliche Gleichstellungsmaßnahmen im Rahmen des Professorinnenprogramms II vorgesehen. Schwerbehinderte haben bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Qualifikation Vorrang bei der Einstellung.“

Die geforderten Voraussetzungen bestehen darin, weiblich zu sein, behinderte, weibliche Bewerber haben auch in Erfurt die besten Aussichten berufen zu werden. Männliche Bewerber, egal, ob behindert oder nicht, haben keine Aussicht, berufen zu werden.

Wir haben uns schon des öfteren über die Normalität gewundert, in der an deutschen Hochschulen männliche Bewerber getäuscht, an der Nase herumgeführt und schlicht betrogen werden. Warum männliche Bewerber sich auf die beschriebene Art und Weise arglistig täuschen lassen, ist uns ein Rätsel.

Wozu die Antidiskriminierungsstelle Steuerresourcen aufzehrt, ist hingegen kein Rätsel, die Legitimationsstelle für die Abzocke auf Basis der stereotypen weiblichen Opferrolle hat genau diesen Zweck und erfüllt ihn bislang hervorragend und dem Maß an Integrität der dort Beschäftigten entsprechend.

Betrachtungen eines Mehrfachdiskriminierten

Heute ist es mir so richtig klar geworden: Ich werde diskriminiert!

Nicht einmal, nein x-Mal; diskriminiert in Wort und Tat und das täglich, 24/7 – eine Ende ist nicht absehbar.

Wie lebt man, wenn man gleich mehrfach diskriminiert wird?

Eigentlich ganz gut, nur das Wissen um die Diskriminierung, das Wissen um diese tägliche Ungerechtigkeit, das nagt und nagt und so.

Es muss etwas getan werden – eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme.

Diskriminierung ist, wenn man wegen seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Herkunft oder seiner Rasse oder sonstiger Merkmale, die man nicht los wird, schlechter gestellt oder gar beleidigt oder beschimpft wird.

Da geht es schon los:

Ich werde beschimpft.

discrimination2Ich sei bildungsfern, weil ich aus der Arbeiterschicht komme. Und die Arbeiterschicht, das weiß man offensichtlich und vor allem, wenn man aus der Mittelschicht kommt, die ist bildungsfern.

Mittelschicht, das sind übrigens diejenigen, die sich geschmacklose Kleckse an die Wand hängen, um damit zu zeigen, wie modern und gebildet sie sind. Natürlich keine Originalkleckse, das können sie sich nicht leisten. Dazu ist ihr Lebensstandard zu prekär. Nein, Reproduktionen, Drucke, Drucke, die 1000fach produziert werden – damit man als Bildungsferner sofort sieht, dass man eine Mittelschichtswohnung betritt.

Außerdem, das muss jetzt gesagt werden, gelte ich rechts. Wir bei ScienceFiles gelten alle als rechts, denn wir fragen Genderisten danach, was sie an Universitäten verloren haben. Das reicht um als Rechter bezeichnet zu werden. Wer kritisiert, dass sich bestimmte Leute auf Kosten anderer bereichern, der gilt heute als rechts.

Was zur Konsequenz hat, dass jeder rechts ist, der ein selbstbestimmtes Leben führt. Und wer ein selbstbestimmtes Leben führt, der wird konsequent diskriminiert, der wird ausgeschlossen aus dem Transfer der Mittel, Beihilfen, Zuwendungen und sonstigen Vergünstigungen, die das staatstreue Leben so mit sich bringt.

Die multiple Diskriminierung nimmt ihren Lauf.

Ich bin männlich. Bad luck: Kein Anspruch auf Mutterschaftsurlaub, kein Geld für Fertilität, so genanntes Mutterschaftsgeld, eine Prämie für vermeintlich erfolgreich ausgeführten Geschlechtsverkehr – Geld für das, was man früher die eheliche Pflicht genannt hat: Nachwuchsproduktion. Eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle emanzipierten Frauen. Aber kennen sie eine, die sich nicht von ihrem Staat für den Einsatz ihrer Geschlechtsteile bezahlen lässt? Mutterschaft als Prostitution. Wie auch immer, ich werde diskriminiert.

Schon weil die Produktion von Nachwuchs die Eintrittskarte in die Förderkarriere ist. Elterngeld winkt, Elterngeld plus für all diejenigen, die kein oder wenig Humankapital haben, das man als Fähigkeit im Beruf und gegen gutes Geld verkaufen kann. Kindergeld für die Sprößlinge ab Tag 1, Kinderzuschlag für Geringverdiener, Wohngeld, die Möglichkeit, familienunterstützende Leistungen von der Steuer abzusetzen, Familienurlaub in Familienferienstätten. Und wäre ich alleinerziehend, ein wahres Hilfe-Paradies wäre meins. Aber statt Einlass ins Hilfe-Paradies gibt es für mich Diskriminierung.

All die Geschenke, die das BMFSFJ im Tausch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde verteilt, ich bekomme sie nicht. Ich werde diskriminiert.

Und Bauer bin ich auch nicht.

Kein Geld von der EU, kein Geld vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Geld dafür, dass ich meinem Erwerb nachgehe. Ich gehe meinen Erwerb unsubventioniert, aber voll besteuert nach. Steuerliche Vorteile für mich? Pustekuchen. Ich bin kein Bauer, kein Schiffsbauer, kein Elternteil. Ich bin bildungsfern und rechts! – und männlich, fast hätte ich es vergessen.

Und arbeitslos war ich auch nie. Ich bin selbstständig: Arbeit ohne Ausgleichszahlung, kein Anspruch auf Urlaubsgeld, Übergangsgeld, Trennungsgeld oder 13. Monatsgehalt. Nichts. Nicht einmal Insolvenzgeld. Ich werde diskriminiert.

Das macht fast depressiv, und fast hätte ich es in die nicht diskriminierende Öffentlichkeit des Behandlungszimmers in der Klink für psychisch Kranke geschafft. Aber eben nur fast. Und das heißt: Kein Geld von der Krankenkasse und weiter diskriminiert.

Not macht bekanntlich erfinderisch – naja, nicht erfinderisch, aber doch zumindest nachdenklich.

Nachdenken über Subventionen führt zuweilen zu in Vitro Fertilisation. 50% trägt die Krankenkasse. Eine Chance zumindest zum nur noch halb Diskriminierten zu werden. Man gehe einfach zum Arzt, lasse sich Sperma abzapfen, hoffe auf die ärztliche Kunst und darauf, dass kein Blindgänger eingepflanzt wird. Schon steht einem die diskriminierungsfreie Welt der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen offen.

Aber im Tauch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde? Ja, Würde: Wer will schon zum Samenspender werden, zum spasslosen Erzeuger steriler Empfängnis?

discriminationBleibt noch ein letzter verzweiflter Akt, bei 100prozentiger Kostenübernahme durch die Krankenkasse und anschließender garantierter Transferexistenz: Werde doch Trans, also nicht Trans, sondern das, was nach der Operation herauskommt! Ausgangspunkt: Spannungsverhältnis zwischen Geschlechtsidentität und tatsächlichem Geschlecht – etwas Einbildung reicht vermutlich. Voraussetzung: Zwei Jahre gescheiterte Psychotherapie – kein Problem – und keine Linderung meiner Qual. Resultat: Fast wie beim Geheimdienst – Neuer Name, neue Identität, neuer Mensch. Ein sagenhaftes Angebot. Und die Nachsorgebehandlung garantiert ein Leben in Abhängigkeit.

Aber…

wenn ich es mir so recht überlege – vielleicht ist es gar nicht so schlecht mehrfachdiskriminiert zu sein, selbstbestimmt, selbstwirksam, selbstbewusst und in Würde zu leben; in jedem Fall besser als sich an einen Staat zu verkaufen, der nur darauf wartet, Selbstbestimmung durch Vor- oder Nachsorge zu beenden, Selbstwirksamkeit durch Zugehörigkeit zur Gruppe der Transferempfänger zu zerstören, Selbstbewusstsein durch Bezahlung für Prostitution zumindest zu erschweren und Würde zu einem Begriff zu machen, der demnächst aus dem Duden gestrichen wird.

Ich werde diskriminiert! Und Klein heiß‘ ich auch noch.

Aber es gibt noch Solidarität, zumindest in der ScienceFiles-Redaktion. Wir sitzen zusammen und sinnieren, sinnieren über die Diskriminerung, über das Leben, das Universum und darüber, dass Heike Diefenbach auch diskriminiert wird, Bach ist walisisch und heißt: klein … und aus der Arbeiterschicht ist sie auch – per definitionem die erste promovierte und habilitierte Bildungsferne.