Abschließende Stellungnahme zum Thema “Beschneidung von Jungen”

Dr. habil. Heike Diefenbach und ich haben die Reaktionen auf meine Beiträge zum Thema “Beschneidung von Jungen” mit einer Mischung aus Erstaunen und Erschrecken zur Kenntnis genommen. Ich will im weiteren Verlauf und nunmehr das Thema abschließend, beide Formen der Reaktion auf die weitgehende Abwesenheit einer rationalen Diskussion zum Thema “Bescheidung”, begründen. Zuvor jedoch, will ich mich, auch im Namen von Dr. habil. Heike Diefenbach bei all denjenigen bedanken, die einen Beitrag zur Diskussion geleistet haben, der jenseits persönlicher Angriffe, emotionaler Schmähungen und jenseits der Enttäuschung angesiedelt ist, einen Führer verloren zu haben.

Es sei all den anderen noch einmal in Erinnerung gerufen, dass wir dieses Blog als ein wissenschatfliches Blog betreiben, das liberalen Ideen einer kritischen Wissenschaft verschrieben ist. Unser Verständnis von liberal besteht darin, dass (1) Menschen selbstbestimmt leben, (2) Dritte kein Recht haben, in das selbstbestimmte Leben von Menschen einzugreifen, (3) jeder die Verantwortung für die Konsequenzen seiner Handlungen tragen muss, (4) die meisten Menschen keine irrationalen Spinner sind (auch die meisten Muslime und Juden nicht), die danach trachten, andere zu schädigen und (5) dass Kooperationen, Verträge und jede Form der Einigung zwischen Menschen nur ein Ergbnis von Verhandlungen sein können, an denen Vertreter widerstreitender Interessen in gleichberechtigter Weise teilgenommen hat.

Ein solches Verständnis schließt es aus, sich selbst als Herrscher über die letzte Wahrheit, als geheimer Kenner dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält zu definieren und auf dieser Basis in das Leben anderer intervenieren zu wollen. Eine solche Intervention negiert die Selbstbestimmungsrechte anderer, sie negiert deren Relevanz und, last but not least, sie negiert deren Recht auf gleichberechtigte Verhandlung über Dinge, die ihre ureigendsten Interessen betreffen. Ich will es einmal provokativ formulieren, damit es auch noch der letzte Begriffsstutzige versteht: Mit welchem Recht maßen sich selbsternannte und zumeist anonyme Vertreter der “Männerbewegung” an, über die Handlungen Dritter bestimmen zu wollen? Und wem das noch nicht reicht, den bringt vielleicht die nächste Frage zum Nachdenken: Warum haben sich besagte “Männerrechtler” so sehr über die “Expertise” von Hinrich Rosenbrock ereifert? Herr Rosenbrock hat sich schließlich und lediglich das Recht genommen, über Dritte und deren moralische Integrität ein Urteil zu fällen. Genau das nehmen die Herren Männerrechtler doch für sich auch in Anspruch.

Es ist offenkundig, dass man auf einer inhaltlichen Ebene nicht weiterkommt. Deshalb waren meine Beiträge dazu gedacht, die Diskussion auf eine grundsätzliche, eine Meta-Ebene, auf der die Form einer Argumentation, die Implikationen, die sich aus dieser formalen Argumentation ergeben, im Zentrum des Erkenntnisinteresses und der Kritik stehen. Dieser Versucht ist gescheitert. Die meisten Kommentatoren hier und in den Foren der Männerbewegung sind nicht willig oder nicht fähig, über den Tellerrand ihrer eigenen Erregung zu blicken. Sie onanieren verbal und gießen ihren Schaum über mich als denjenigen aus, der sich aus Ihrer Sicht wohl als Verräter geoutet hat. Michael Klein, dessen Beiträge man in der Vergangenheit immer so gut fand; auf die man aus den verschiedensten Foren verlinken konnte, um die eigenen Behauptungen zu belegen, ausgerechnet dieser Klein zeigt nun sein “wahres Gesicht”. Und Dr. habil. Heike Diefenbach ist nicht anders. Obwohl die Männerrechtsbewegung seit Jahren von ihren Arbeiten zehrt, viele Themn gar nicht erst entdeckt hätte, gäbe es die Arbeiten von Dr. habil. Heike Diefenbach nicht, fühlen sich manche berechtigt, uns beide in Bausch und Bogen zu verdammen. Die Vorhaut von kleinen Jungen wird zum Rubikon, wer die Beschneidungsgrenze überschreitet, mit dem teilt man nichts mehr, alle Gemeinsamkeiten der Vergangenheit sind vergessen und zählen nichts mehr.

Ich will es an dieser Stelle und abschließend ganz deutlich sagen: Dieses blog ist ein liberales blog und entsprechend werden alle nicht-liberalen Tendenzen und Irrtümer in diesem blog in der gleichen Weise addressiert und kritisiert. Dass die Männerbewegung in weiten Teilen nicht in der Lage ist, auf rationale Kritik zu reagieren und, um es deutlich zu sagen, schwanz- und nicht hirngesteuert ist, ändert gar nichts daran, dass wir auch weiterhin die Fahne des Liberalismus hochhalten werden. Und, um die Diskussion in Deutschland einmal von meiner Insel aus einzuordnen: Ich hatte gestern Gelegenheit, mit einer Reihe von Leuten zu reden, im House of Lords und im Institute of Economic Affairs, die man in Deutschland wohl als Sympathisanten, wenn nicht Mitglieder einer Männerbewegung ansehen würde. Ich kann deren Irritation in Wort und Mimik, die sie aufgrund meiner kurzen Schildung dessen, worum es im “Beschneidungsstreit” in Deutschland geht, gezeigt haben, nicht in Worte fassen, könnte ich es, die meisten, so befürchte ich, würden es dennoch nicht verstehen. So bleibt mir abschließend, und das ist nun wirklich das Ende dieses Themas für mich, nur die Feststellung, dass es weltweit mehr als eine Milliarde beschnittener Männer gibt, die offensichtlich alle das Opfer ihrer gehässigen Eltern geworden sind und dass die deutsche Männerrechtsbewegung nunmehr auszieht, um das Unrecht zu missionieren. Am deutschen Wesen soll einmal mehr die Welt genesen.

Bildnachweis
Ideas inspiring Innovation
Atheist Missionary

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