„Gumbelkrawalle“ – Studierende sind wieder auf dem Kreuzzug für das Wahre und Richtige

Jugendlichen gesteht man in der Regel das Recht zu, sich in Ideen und Ideologien zu verrennen und im Verlauf eines Prozesses, in dem sie Maturität, Denkfähigkeit und Rationalität erwerben, wieder auf dem Boden der Normalität anzukommen. Eine Voraussetzung für dieses Zugeständnis besteht darin, dass Jugendliche keine Externalitäten für den Rest der Gesellschaft produzieren, dass ihre ideologischen Narreteien die Gesellschaft nicht schädigen.

Die ideologischen Narreteien, die derzeit aus Frankfurt oder aus Heidelberg zu berichten sind, die Narreteien, die sich in eine Reihe stellen mit dem aus Berlin und Kassel Bekannten, sie schädigen die Gesellschaft. Sie schädigen die Wissenschaft, und sie können somit nicht mehr geduldet werden. Eigentlich.

In Frankfurt laufen organisierte Studenten gegen eine Tagung Sturm, bei der es um häusliche Gewalt gehen soll, und in Heidelberg ist es organisierten Studenten gelungen, den Fehlschluss ad auctoritatem zur Handlungsgrundlage bei der Durchführung universitärer Veranstaltungen zu machen. Wir zitieren aus einem Post von Dr. Malte Kaufmann.

Im Juni findet die Konferenz “BASIQ 2018” statt, organisiert von der Uni Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsuniversität Bukarest- die Uni, an der ich 2010-2015 meine Promotion durchgeführt habe. Meine damalige Doktormutter ist die Programmverantwortliche und lud mich als Key Note Speaker ein. Ich sollte einen Vortrag zum Thema meiner Dissertation halten: Soziale Verantwortung von Unternehmen. Nach schriftlicher Bestätigung trug ich den Termin in meinen öffentlichen Terminkalender auf meiner Webseite ein. Kurz darauf startete die linksradikale Seite “AfD Watch Heidelberg” eine Hetzkampagne. Im gewohnten linksradikalen Duktus wurde gefordert, die Universität dürfe nicht einen “astreinen völkisch-nationalistischen Redner” zu Wort kommen lassen.

Mit Erfolg: Das “Institut für Politische Wissenschaft” intervenierte, setzte die Programmverantwortliche von der Wirtschaftsuniversität Bukarest unter Druck und ich wurde wieder ausgeladen, ja darf nicht einmal an der Konferenz teilnehmen.

Ausgeladen aus politischen Gründen!”

Was wir immer wieder erstaunlich finden, ist die Tatsache, dass Studenten und Dozenten, die sich auf der richtigen Seite wähnen, ihrer selbst so unsicher sind, dass sie eine Auseinandersetzung, eine verbale Auseinandersetzung, ein Streitgespräch mit denen, die sie auf der von sich aus falschen Seite verorten, meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es ist zwar schwierig vorstellbar, dass ein Vortrag, in dem es um die „Soziale Verantwortung von Unternehmen“ geht, also um das Modethema der Corporate Social Responsibility zu einer politischen Kundgebung umgestaltet wird, aber für den Fall dass, was hindert die nach eigener Ansicht kritischen Studenten vor Ort zu sein und sich argumentativ zu streiten, was, wenn nicht ihre eigene Unfähigkeit, Argumente zu machen, eine Unfähigkeit, die sich in der Bereitschaft niederschlägt, ein Fehlargument gegen die Person zu machen.

Universitäten sollen Orte sein, an denen ohne Ansehen der Person nur die Qualität von Argumenten zählt. Dass Universitäten neuerdings wieder von Studenten zu Orten gemacht werden sollen, an denen nicht die Qualität von Argumenten, das Wissen und die Kompetenzen von Bedeutung sind, sondern ein politischer Lackmustest darüber entscheiden soll, ob ein Rederecht oder eine Betätigung an einer Universität positiv sanktioniert wird, steht in einer schlimmen Tradition und ist mit dafür verantwortlich, dass deutsche Universitäten immer mehr zu Schwatzbuden, an denen sich Spinner über ihr Geschlecht streiten, und zu Orten der politischen Agitation, an denen politische Krieger gegen den politischen Feind zu Felde ziehen, werden.

Damit steht gerade die Heidelberger Universität und ihre Studentenschaft in einer unheiligen Tradition.

Emil Julius Gumbel.

Wer kennt Emil Julius Gumbel?

Emil Julius Gumbel war ein Mathematiker.

Im Jahre 1923 wurde er in Heidelberg habilitiert und fand dort als Privatdozent für mathematische Statistik eine Anstellung.
1930 wurde er vom damaligen Badischen Kultusminister Willy Hellpach, einem Liberalen, zum Professor ernannt.
Die Folge waren die Gumbelkrawalle, in deren Verlauf Mitglieder des AStA der Universität Heidelberg sich Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten und die Universität besetzten.

Um die Abbildung an heutige Verhältnisse anzupassen, reicht es, die Liste der Unterzeichner aus dem Grüne-Linken Milieu zusammen zu sammeln.

Gumbel war neben seiner Tätigkeit als Mathematik-Dozent auch ein flammender Pazifist, der mit seiner Meinung nicht zurückhaltend war. So hat er 1924 während eines Vortrags bei der Deutschen Friedensgesellschaft vom „Feld der Unehre“ gesprochen, und brachte damit den nationalen Teil Deutschlands gegen sich auf. Da er seine Meinung zudem in zwei Büchern mit dem Titel „Verschwörer“ (1924) und „Verräter verfallen der Feme“ (1929) kund getan hatte und sich anschließend in Prozessen wegen Landesverrat verteidigen musste (Prozesse, die ohne Konsequenz blieben), machten die Studentenvertreter Heidelbergs im AStA gegen Gumbel Stimmung und forderten seine Entfernung von der Universität Heidelberg. Die „Hetzkampagne der Studenten“ nahm dabei solche Ausmaße an, dass der Badische Kultusminister Remmele dem AStA die staatliche Anerkennung entzog (Wolgast 2006: 58). Der Entzug der Anerkennung wurde von Remmeles Vorgänger im Amt, Willy Hellpach wie folgt kommentiert:

” Wer sein Spielzeug kaputt macht, kriegt zunächst kein neues. Das sollte doch wohl selbstverständlich sein. Laßt doch ’Studentenschaften‘ sich auftun, wieviel ihrer Lust haben! Die Universität braucht sie nicht. Es ist jahrhundertelang ohne Selbstverwaltung der Studenten gegangen. Jedes krampfhafte Bemühen der Universitätsbehörde, rasch eine neue Selbstverwaltung aufzubauen, kann diese neue nur ähnlichen Schicksalen entgegenführen, wie die alte sie erfahren hat. Man nehme doch endlich die jungen Leute nicht gar so tragisch! Man dränge ihnen nicht auf, was sie gar nicht haben wollen und womit sie nichts anzufangen wissen . . . Gelassenheit! Gelassenheit! Und nur wo sie ihre Schranken überschreiten, dort unbeugsame Abweisung. Aber nicht ein Ernst, über den sie selber lachen (und das mit Recht!)“

Während sich politische Vertreter noch 1931 gegen den vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund unterwanderten AStA der Universität Heidelberg gestellt haben, um den Zweck von Wissenschaft und die Wissenschaftlichkeit vor dem Ansturm der ideologischen Horden zu bewahren, ist es heute gerade andersherum, Politiker beeilen sich, auf den ideologischen Karren, den die ideologischen Horden in den Studentenvertretungen ihnen bereitstellen, aufzuspringen und mitzujohlen.

Dass Studentenvertretungen, die gegen die Freiheit von Lehre, Meinung und Argument vorgehen, weil ihnen die politische Einstellung mancher Menschen nicht passt, damit die Wissenschaft unmöglich machen und beerdigen, denn ohne Liberalismus ist Wissenschaft nicht möglich, das stört heutige Politiker, Kultusminister oder Stadtverordnete wenig. Ihr Rückgrat hält keinen Vergleich mit liberalen Politikern aus, die noch 1931 eindeutig gegen die ideologischen Horden Stellung bezogen haben, wohlwissend, dass sie damit eine Gefahr an Leib und Leben eingehen.

Die Zeiten ändern sich bekanntlich, nur eine Konstante scheint unveränderlich: Politische Horden, die in ihrer Dummheit das beseitigen wollen, was Wissenschaft erst ermöglicht, hat es zu allen Zeiten gegeben. Neu ist, dass sie sich außerhalb totalitärer Systeme, sofern man Deutschland als nicht totalitäres System ansieht, der politischen Schützenhilfe sicher sein können.


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Lob des Reichtums: Ungleiche Einkommen und Vermögen sind für Gesellschaften überlebenswichtig

Die Reichen und die Armen – kein Gegensatzpaar hat mehr Geschichte gemacht. Ein Grund dafür: Karl Marx hat es in seinem historischen Materialismus mit allerlei Macht- und Herrschaftsphantasien gemixt.

Mit dem Motiv der zu reichen und der zu armen gehen sozialistische Parteien seit Jahrhunderten auf Stimmenfang, ohne dass sie daran etwas ändern würden – im Übrigen. Denn verglichen mit dem 19. Jahrhundert als der Sozialismus als politische Heilslehre erfunden wurde, ist der Abstand zwischen Reich und Arm kaum anders geworden – trotz sozialistischer Regierungs-Parteien.

Und das ist gut so, denn Reiche und Arme, ungleiche Einkommen, ungleiches Vermögen sind für Gesellschaften überlebenswichtig. Dass es Reiche gibt, gilt denen, die gerne reich wären, als Motivation für eigene Leistung mit dem Ziel, auch reich zu werden. In kapitalistischen und funktionierenden Gesellschaften ist dies möglich. In sozialistischen Gesellschaften ist es regelmäßig so, dass man erhält, ohne etwas zu leisten und dass die, die dennoch leisten wollen, einen Punkt erreichen, ab dem ihre Bereitschaft, andere durchzufüttern, ausgeschöpft ist. Das ist dann in der Regel der Moment, ab dem sozialistische System zum Mittel des Terrors greifen und Mauern um ihr Staatsgebiet bauen.

Von unngleicher Einkommens- und Vermögensverteilung, von Luxus gehen noch weitere positive Effekte aus, wie Ludwig von Mises in seinem 1927 in Jena erschienenen Buch „Liberalismus“ schreibt. Sein Argument in kurz: Alle Massenwaren haben einmal als Luxus von Reichen angefangen. Nimmt man den Reichen das Geld, um im Luxus zu leben, dann hat dies unabersehbare Folgen für die Fähigkeit und Willigkeit der Mitglieder einer Gesellschaft, innovative Güter zu produzieren.

Von Mises hat das in der ihm eigenen Kürze und mit Beispielen versehen, auf den Seiten 27 bis 29 von „Liberalismus“ argumentiert. Das Argument ist bis heute nicht widerlegt. Im Gegenteil, es wird ständig durch das Versagen sozialistischer Systeme aufs Neue bestätigt, so dass man feststellen muss, dass sozialistische Projekte der Umverteilung von Einkommen und Vermögen zu den Sargnägeln moderner Gesellschaften gehören.

 

Pop-Oligarchen und Heuchler: Petition gegen den Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Eigentlich ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ein Lobbyverband des Buchhandels – ein erfolgreicher Lobbyverband, dem hohe Buchpreise und rigide Preispolitik geschuldet sind. Dann ist der Börsenverein noch ein politischer Verein, der mit Feuer und Flamme für die Meinungsfreiheit kämpft. Wir zitieren aus der Selbstbeschreibung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

„Die Freiheit des Wortes ist Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft und Voraussetzung für künstlerisches und publizistisches Schaffen. Für Verlage und Buchhandlungen sind Meinungs- und Publikationsfreiheit ideelle und wirtschaftliche Grundlagen ihrer Tätigkeit. Darüber hinaus verbreiten Buchhandlungen und Verlage das freie Wort, stoßen Debatten an und fördern den gesellschaftlichen Dialog. Dadurch haben sie maßgeblichen Anteil an der Gestaltung des gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozesses. An vielen Orten der Welt sind Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit bedroht. Autorinnen und Autoren, Journalistinnen und Journalisten werden unter Druck gesetzt, verfolgt oder inhaftiert. Medien, Verlage und Buchhandlungen werden zensiert oder gar geschlossen.”

Schließlich ist der Deutsche Börsenverein eine Veranstaltung der Alten im Geiste, eine Ansammlung von Pop-Oligarchen, die noch nicht bemerkt haben, dass sie den Anschluss an die Moderne und die modernen Ideen verpasst haben. Vielmehr hat man beim Börsenverein Angst vor Wandel, vor politischem Wandel, der mit einer Veränderung liebgewonnener Strukturen, nepotistischer Strukturen einhergeht, und das führt dann zwangsläufig zur Heuchelei, dazu, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die salbungsvollen Worte über den eigenen Kampf für die Meinungsfreiheit ganz schnell vergisst, wenn es um Meinungen geht, die den Pop-Oligarchen fremd sind, die sie befremdlich und vielleicht sogar falsch finden, vorausgesetzt, sie haben sich je damit befasst und das, womit sie sich befasst haben, auch noch verstanden.

Und so kommt es, dass die Kämpfer für die Meinungsfreiheit, die ja eine „ideelle und wirtschaftliche Grundlage“ für die Tätigkeit von Verlagen ist, keine Debatten anstoßen wollen, wenn sie nicht „gut zu heißendes Gedankengut“ bei Verlagen ausgemacht haben. Vielmehr addiert der Börsenverein dann ohne mit der Wimper zu zucken, die eigene Buchmesse in Frankfurt zu den Orten „der Welt“, an denen Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit bedroht“ sind. Es werden Verlage und deren Autoren unter Druck gesetzt. Die abweichenden Verlage werden stigmatisiert und öffentlich gemacht, so dass es den Freiheitskämpfern der Antifa und anderen linken Überzeugungstätern oder Opportunisten möglich wird, die abweichende Meinung aus der Einheitsfront der Meinungsfreien zu entfernen, um anschließend wieder im Meinungsgleichschritt mit dem Börsenverein marschieren und sich als Hüter der Meinungsfreiheit inszenieren zu können.

Diese Heuchelei und dieser unanständige Umgang, den die Pop-Oligarchen mit Verlagen pflegen, deren „Gedankengut“, sie nicht gutheißen (immer vorausgesetzt, sie haben es verstanden), ist einer Reihe von Autoren, Buchhändlern und Verlegern so sehr aufgestoßen, dass sie eine Petition begonnen haben, die man unter das Stichwort „Wehret den Anfängen“ stellen kann. Wie wir alle aus dem Geschichtsunterricht wissen (sollten), ist die Gleichschaltung von Meinungen der Anfang allen Totalitarismus‘. Damit es nicht soweit kommen kann und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in seinem Bemühen, Heuchelei salonfähig zu machen, nicht erfolgreich ist, ist es wichtig, dass die angesprochene Petition, deren Begründung jeder vor Ort nachlesen kann, von möglichst vielen unterstützt wird.

Zur Zeichnung der Petition geht es hier.

Der ewige Untertan: Deutsche wollen zensiert werden

Heinrich Mann hat sich über ihn lustig gemacht. Der Kaiser hat ihn millionenfach in den Tod geschickt. Die Nazis haben ihn höchst effektiv eingesetzt und sterben lassen.

Die Rede ist vom Untertan. Der Untertan, er ist keine rein deutsche Erscheinung, aber er ist doch eine Erscheinung, deren Auftauchen man in Deutschland nach all den Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht erwartet. Und dennoch, nie war der Untertan verbreiteter als heute, heute, da der deutsche Sozialstaat nicht nur die Erziehung und Finanzierung übernommen hat, sondern auch gleich die richtige Gesinnung mitliefert.

three-men-on-the-bummelDeutsche Untertanen, sie müssen nicht einmal mehr denken: Get yourself born, we do the rest. So hat Jerome K. Jerome bereits Anfang des 20. Jahrhunderts den deutschen Untertan beschrieben, dessen unbedingten Glauben an das Schild „Das Betreten des Rasens ist verboten“, er nicht nachvollziehen konnte, unter vielen anderen Dingen, die er nicht nachvollziehen konnte. Gut 100 Jahre später sollte man das Motto: Schau‘ zu, dass Du Dich geboren kriegst, wir erledigen den Rest, als Motto des deutschen Interventionsstaates in Gold gesticktem Brokat über deutschen Betten aufhängen, auf dass der deutsche Untertan auch wahrlich nicht anfängt, selbst zu denken und die Verantwortung für das zu übernehmen, was er da gedacht hat.

Der Liberalismus, die Gefahr des freien Denkens bei gleichzeitiger Haftung für das Gedachte, er war nie das Ding der meisten Deutschen. Sie wollen Vorgaben, wollen wissen, was richtig ist, die richtige Gesinnung nicht nur vorgegeben, sondern auch durchgesetzt haben. Das wollen sie. Wo kämen wir hin, wenn jeder seine begründete oder weniger begründete Meinung zu allem sagen könnte, was ihn bewegt und womit er sich beschäftigt hat? Über kurz oder lang in Widerspruch zu staatlichen Gesinnungsvorgaben, und das darf nicht sein.

Europe More Supportive Than U.S. of Censoring Statements Offensive to Minorities

Und so sind 70% der Deutschen, die an einer Befragung von PEW teilgenommen haben, bereit, ihr Recht auf Redefreiheit an die Regierung abzugeben, damit die Regierung, wer auch immer es ist, der sich gerade zur Regierung berufen fühlt, verhindert, dass z.B. beleidigende Dinge über Minderheiten ausgesprochen werden. Derartige Dinge, also das, was man heute als Hasskommentar bezeichnen würde, sie müssen von der Regierung verboten, die, die sie sagen wollen, am sagen gehindert werden.

So schnell ist man Freiheit los.
Und so schnell hat man den Bock zum Gärtner gemacht.

Ausgerechnet in der Regierung sehen die modernen Untertanen einen unabhängigen Richter, denjenigen, der im Besitz der ultimativen Erkenntnis darüber ist, welche Aussage über Minderheiten für letztere beleidigend ist. Denn natürlich ist die Beleidigung als solche, jedenfalls müssen das die 70% der Deutschen, die in der PEW-Studie den Offenbarungseid leisten und von ihrer Redefreiheit nichts mehr wissen wollen, denken, in Stein gemeißelt und eindeutig bestimmbar. Jeder weiß doch, dass die Aussage, Zigeuner sind Diebe, eine falsche Verallgemeinerung ist, eine Beleidigung, die nicht in den öffentlichen Diskurs gehört. Aber wie ist das mit: Die Mehrheit der Zigeuner sind Diebe? Oder: Relativ mehr Zigeuner als nicht-Zigeuner stehlen? Wie ist es mit: Flüchtlinge fallen den deutschen Sozialkassen zur Last? Die Mehrheit der Flüchtlinge fällt den deutschen Sozialkassen zur Last? Mehr Flüchtlinge als Deutsche fallen den Sozialkassen zur Last? Oder was ist mit: Der Feminismus hat dazu geführt, dass Unfähige in Positionen gekommen sind, die ohne Frauenquote und sonstige Fördermaßnahmen nicht einmal in die Nähe eines gut bezahlten Jobs gekommen wären? Beleidigung und nicht? Was ist mit: Homosexuelle sind ein AIDS-Risiko? Beleidigung oder nicht? Was ist mit: Die AfD ist eine Partei voller rechtsextremem Pack? Beleidigung oder nicht? Was ist mit: Die Grünen sind eine Partei voller Ökofaschisten? Beleidigung oder nicht? Und was ist mit: Die Linke ist eine Partei voller linksextremem Pack? Beleidigung oder nicht?

Es scheint, die Frage, wann eine Beleidigung vorliegt und wann nicht, ist nicht so einfach zu beantworten und oftmals eine Frage des Geschmacks oder der Ideologie. Und ausgerechnet über Geschmacksfragen wollen 70% der Deutschen ihre Regierung entscheiden lassen. Deutschen ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Mit ihrem freiwilligen Verzicht auf Meinungs- und Redefreiheit befinden sich die 70% der befragten Deutschen in der Gesellschaft von Ländern wie dem Libanon, der Türkei, Indonesien, Malaysia, Pakistan, Uganda, dem Senegal, Burkina Faso und Russland. In diesen Ländern legt wie in Deutschland mindestens eine zwei Drittel Mehrheit der Befragten keinen Wert auf die Redefreiheit.

Der Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit oder: Umverteilung ist Freiheitsberaubung

Umverteilung ist gerecht! Wer sich gegen diese Prämisse stellt, hat in Wohlfahrtsstaaten schlechte Karten, denn die Umverteilung von den Reichen zu den Armen ist zur Frage der sozialen Gerechtigkeit stilisiert worden. Stilisiert deshalb, weil Umverteilung nicht an sich gut ist und schon gar nicht gerecht. Wenn einem genommen wird, der erfolgreich ist und seinen Erfolg mit harter Arbeit verdient hat, um einem, der in seinem Leben noch keinen Finger krumm gemacht hat, zu geben, dann kann man dies kaum als irgendeine Form von Gerechtigkeit ansehen. Es sei denn, man steht auf die Perversion von Werten wie Gerechtigkeit.

Entsprechend wird man zu dem Ergebnis kommen, dass Umverteilung dann, wenn sie als Gerechtigkeit ausgegeben wird, notwendig in eine unfreie, eine totalitäre Gesellschaft führen muss, schon weil über die Köpfe derer hinweg, denen genommen wird, entschieden wird, wie viel ihnen genommen wird, sie also einer Zwangsmaßnahme unterzogen werden.

Entsprechend ist Umverteilung immer ein Angriff auf die individuelle Freiheit und muss folglich mit Bedacht und mit Maß eingesetzt werden, sofern man überhaupt auf dieses Mittel der Freiheitsberaubung zurückgreifen will.

Milton Friedman hat diese Notwendigkeit schon vor Jahrzehnten formuliert und die Position, die Liberale gegenüber Gleichheit und Umverteilung einnehmen, formuliert, die bis heute gilt.

Friedman Capitalism and Freedom“The heart of the liberal philosophy is a belief in the dignity of the individual, in his freedom to make the most of his capacities and opportunities according to his own lights, subject only to the proviso that he not interfere with the freedom of other individuals to do the same. This implies a belief in the equality of men in one sense; in their inequality in another. Each man has a equal right to freedom. This is an important and fundamental right precisely because men are different, because one man will want to do different things with his freedom than another, and in the process can contribute more than another to the general culture of the society in which many men live.

The liberal will therefore distinguish sharply between equality of rights and equality of opportunity, on the one hand, and material equality or equality of outcome on the other. He may welcome the fact that a free society in fact tends toward greater material equality than any other yet tried. But he will regard this as a desirable by-product of a free society, not its major justification. He will welcome measures that promote both freedom and equality – such as measures to eliminate monopoly power and to improve the operation of the market. He will regard private charity directed at helping the less fortunate as an example of the proper use of freedom. And he may approve state action toward ameliorating poverty as a more effective way in which the great bulk of the community can achieve a common objective. He will do so with regret, however, at having to substitute compulsory for voluntary action.

The egalitarian will go this far, too. But he will want to go further. He will defend taking from some to give to others, not as a more efficient means whereby the ‘some’ can achieve an objective they want to achieve, but on grounds of ‘justice’. At this point, equality comes sharply into conflict with freedom; one must choose. One cannot be both an egalitarian, in this sense, and a liberal.”
(Milton Friedman; Capitalism and Freedom, p.195).

[Unsere Übersetzung] Der Kern einer liberalen Philosophie ist der Glaube an die Würde des Einzelnen, der Glaube an die Freiheit eines jeden, seine Fähigkeiten nach eigenem Gutdünken so einzusetzen, und die sich im bietenden Möglichkeiten so zu nutzen, wie es ihm am besten erscheint, immer vorausgesetzt, dass er mit seinen Handlungen nicht die Freiheit anderer einschränkt. Das impliziert die Überzeugung, dass Menschen in einer Hinsicht gleich sind, in einer anderen Hinsicht ungleich. Jeder Mensch hat das selbe Recht auf Freiheit. Freiheit ist ein wichtiges und grundlegendes Recht, genau deshalb, weil Menschen verschieden sind, weil ein Mensch seine Freiheit zu anderen Handlungen nutzen wird als ein anderer und damit mehr als ein anderer zur Kultur der Gesellschaft beitragen kann, in der viele Menschen leben.

Deshalb wird ein Liberaler scharf zwischen Gleichheit in Recht und Chancen auf der einen Seite und materieller Gleichheit oder Ergebnisgleichheit auf der anderen Seite unterscheiden. Ein Liberaler wird die Tatsache begrüßen, dass eine freie Gesellschaft dazu tendiert, größere materielle Gleichheit zu erreichen, als jede andere Gesellschaftsform, die bislang probiert wurde. Aber er wird dies als wünschenswerten Nebeneffekt einer freien Gesellschaft ansehen, nicht als ihre Legitimation. Er wird Maßnahmen begrüßen, die sowohl Freiheit als auch Gleichheit fördern – zum Beispiel Maßnahmen die auf die Beseitigung von Monopolen zielen oder darauf, die Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern. Er wird Mildtätigkeit, die darauf abzielt, denen zu helfen, die in einer freien Gesellschaft weniger erfolgreich sind, als angemessene Nutzung von Freiheit ansehen. Und er mag sogar staatliches Handeln, das darauf zielt, Armut zu reduzieren, als einen effektiven Weg betrachten, auf dem die Mehrheit der Gesellschaft ein gemeinsames Ziel erreichen kann. Er wird dies jedoch mit Bedauern tun, weil er Freiwilligkeit mit Verpflichtung ersetzen muss.

Ein Sozialist wird dies ebenfalls alles wollen. Aber er wird weiter gehen wollen. Er wird das Nehmen von einigen, um es anderen zu geben, nicht als ein effizientes Mittel ansehen, das es den anderen ermöglicht, bestimmte Ziele zu erreichen, sondern als Gerechtigkeit verteidigen. Und hier tritt Gleichheit in Konflikt mit Freiheit: Man muss sich entscheiden. Man kann nicht beides gleichzeitig sein, ein Sozialist in diesem Sinne oder ein Liberaler.


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