Wenn man sich wiederholt mit den unterschiedlichsten Themen, die Jungen betreffen, beschäftigt, dann kann man nicht anders als eine Hypothese wie die folgende zu formulieren: Die staatsfeministische Kultur in Deutschland wirkt sich in vielen Bereichen des Lebens zum Schaden von Jungen und schädlich auf die davon betroffenen Jungen aus.
- Die staatsfeministische Kultur, mit der Jungen im Kindes- und Jugendalter konfrontiert sind, duldet keine Abweichung von der Vorgabe dessen, was nach staatsfeministischer Ansicht richtig und gut ist.
- Ein Maß, das häufig Anwendung findet, um Abweichung vom „staatsfeminitisch Richtigen bzw. Guten“ zu bestimmen und zu sanktionieren, trägt die Bezeichnung „sozial-emotionale Störung“.
Sozial-emotionale Störungen sind die häufigste Ursache dafür, (nicht nur, aber vornehmlich) Jungen von der Schule zurückzustellen, und sie sind die schwächste Begründung, die man für einen derartig tiefen Einschnitt in und die damit verbundenen Folgen für das Leben von Jungen überhaupt geben kann.
Sozial-emotionale Störungen sind die häufigste Ursache dafür, Jungen nach ihrer Einschulung auf eine Sonderschule abzuschieben, und sie sind die schwächste Begründung, die man für einen deratig tiefen Einschnitt in und die damit verbundenen Folgen für das Leben von Jungen überhaupt geben kann (Kottmann, 2006).
Sozial-emotionale Störungen sind die häufigste Ursache dafür, Jungen zu pathologisieren und ihnen eine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung zu attestieren, eine Diagnose, die auf Kriterien basiert, die man nur als weich bezeichnen kann und die zur nachfolgenden Behandlung mit Psychopharmaka (z.B.: Ritalin) in keinem Verhältnis stehen.
Als sozial-emotional gestört gilt ein Kind, wenn es zu Hause oder im Kindergarten den Anweisungen von Eltern oder Kindergartenpersonal nicht Folge leistet oder sich häufig mit anderen Kindern “prügelt”. Oder ein Kind hat die Möglichkeit, sich als sozial oder emotional gestört zu qualifizieren, wenn es häufig von anderen Kindern gehänselt wird und vor anderen Kindern Angst hat (Horstschräer & Muehler, 2010, S.22). Eine weitere Möglichkeit, den psychiatrischen Tatbestand einer sozial-emotionalen Entwicklungsstörung zu erfüllen, besteht darin, sich leicht ablenken zu lassen und nervös oder zappelig zu sein. Geben Eltern oder Kindergärtnerinnen oder Lehrer an, ein Kind lasse sich leicht ablenken und sei zappelig, dann haben sie ihm damit ADHS, also eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) so gut wie attestiert.
| Klassifikation nach ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases der Weltgesundheitsorganisation) |
| G1: Unaufmerksamkeit |
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| AHDS: Mindestens 6 Monate lang mindestens 6 der Symptome in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht angemessenen Ausmaß; |
| G2: Überaktivität |
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| ADHS: Mindestens 6 Monate lang 3 der Symptome, in einem mit dem Entwicklungsstand der Kinder nicht zu vereinbarenden Ausmaß |
| G3: Impulsivität |
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| ADHS: Mindestens 6 Monate lang mindestens eines der Symptome in einem mit dem Entwicklungsstand der Kinder nicht zu vereinbarenden Ausmaß |
ADHS Diagnose basiert auf folgenden Kriterien
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Es fällt auf, dass die Diagnose „ADHS“ vollständig auf Einschätzungen darüber basiert, was ein mit einem erreichten Entwicklungsstand zu vereinbarendes und nicht zu vereinbarerndes Verhalten ist, was „häufig“ ist, was „exzessiv“ ist, was „angemessen“ ist, kurz: die Diagnose von ADHS basiert, wie Roggensack (2012, S.15), das in ihrem Buch thematisiert hat, auf einer sozialen Übereinkunft darüber, welche Ausprägungen ein korrektes Verhalten annehmen soll und welche es nicht annehmen darf. Es ist an dieser Stelle, dass die genderistische Propaganda über die Jungen-Machos, die sich in nicht-adäquater Weise in der Schule benehmen, die sich nicht an die Vorgaben, die ihnen mit Blick auf ihr Verhalten gemacht werden, anpassen wollen, z.B. weil sie als Jungen sich in ihrem Verhalten von Mädchen unterscheiden wollen, es hier, dass die Pathologisierung von Verhaltensweisen von Jungen ihren Ausgangspunkt nimmt.
Und wie die folgende Abbildung zeigt, ist die Pathologisierung von Jungen als ADHS-Kind massiv auf dem Vormarsch. Betrachtet man die Anzahl der Jungen, die in Krankenhäusern mit ADHS diagnostiziert wurden, dann ist deren Zahl von 3758 im Jahre 2000 (85,6% aller ADHS-Diagnosen in Krankenhäusern) auf 7368 im Jahre 2010 gestiegen (82,4% aller ADHS-Diagnosen in Krankenhäusern). Die in der Abbildung dargestellten Steigerungsraten sprechen eine deutliche Sprache.
Wenn Diagnosen in der Weise ansteigen, wie es die Abbildung zeigt, dann stellt sich die Frage nach den Ursachen für diesen Anstieg. Im Falle von ADHS kann der Anstieg in den Diagnosen einen tatsächlichen Anstieg von ADHS widerspiegeln, es kann auch sein, dass die Anzahl der Diagnosen, nicht aber die Anzahl von ADHS-Kindern zunimmt. Gerade bei Diagnosen wie der auf ADHS, die auf den weichen und subjektiven Kriterien basiert, die oben genannt wurden, liegt der Verdacht nahe, dass soziale Einflussfaktoren, dass das gesellschaftliche Klima, dass das staatsfeministische Bemühen, Jungen zu Mädchen umzuerziehen, einen Effekt auf die Anzahl der diagnostizierten Fälle von ADHS hat.
Im Fall von ADHS kommt erschwerend eine Konsequenz der Diagnose hinzu, denn obwohl die Diagnose auf wackeligen subjektive Füssen steht und obwohl es bislang nicht gelungen ist, einen biologischen Marker für ADHS zu finden, d.h. mit klinischen Untersuchungen einen eindeutigen Nachweis für ADHS zu erbringen, etwa in der Art, in der man Krebs nachweisen kann, wird auf ADHS mit schweren Geschützen, und in zunehmendem Maße wie die folgende Abbildung zeigt, mit Psychopharmaka geschossen. Dies ist ein Unterfangen, das in höchstem Maße ethisch problematisch ist, denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als darum, Kinder, in der Mehrzahl Jungen, zu einem Verhalten durch die Gabe von Methylphenidat (Ritalin) um zu programmieren und somit eine Verhaltensänderung herbeizuführen, auf die die betroffenen Kinder keinerlei Einfluss haben, gegen die sie sich nicht zu Wehr setzen können. Was die verschreibenden Ärzte wohl dazu sagen würden, wenn man sie täglich unter die Wirkung von Barbituraten setzen würde, um sie an einem allzu schnellen Verschreiben von Ritalin zu hindern? Oder was wohl Lehrer sagen würden, wenn man sie täglich unter Beruhigungsmittel setzt, damit sie die „Lebhaftigkeit“ ihrer Schüler besser ertragen?
Es soll nicht bestritten werden, dass es schwierige Kinder gibt, Kinder, die einem massiv auf die Nerven gehen können. Es soll allerdings bestritten werden, dass es eine Lösung für dieses Problem darstellt, die entsprechenden Kinder zu pathologisieren, ihnen ein Handicap mit auf den Weg ins schulische und berufliche Leben zu geben, sie ihrer Willensfreiheit zu berauben und ihnen Psychopharmaka zu verabreichen, deren Wirkung sie nicht absehen können. Es ist schon verwunderlich, dass in der kinderliebenden staatsfeministischen Kultur Deutschlands, in der der Verweis auf „Kinder“ immer dazu gut ist, Steuergelder „für“ Kinder loszueisen, eine große Anzahl von Jungen ohne mit der Wimper zu zucken, ihrer Individualrechte beraubt werden, und es ist umso erstaunlicher, dass dies in einer Kultur geschieht, die die Beschneidung von Jungen mit eben dem Verweis auf die nämlichen Individualrechte ablehnt.
Literatur:
Horstschräer, Julia & Muehler, Grit (2010). School Entrance Recommendation: A Question of Age or Development?
Kottmann, Brigitte (2006). Selektion in die Sonderschule. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf als Gegenstand empirischer Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.
Roggensack, Claudia (2012). Mythos ADHS. Konstruktion einer Krankheit durch die monodisziplinäre Gesundheitsforschung. Heidelberg: Carl Auer Verlag.
Bildnachweis:
Caleb Marsh
