Toxic-Genderism: Krieg gegen Jungen und Männer

Ein Beispiel: Krankenhaus X hat seit zwei Jahren eine unglaublich hohe Sterberate. 40% der Operierten leben zwei Tage nach der Operation nicht mehr. Der Chefarzt ruft seine Abteilungsleiter, Ärzte und Pfleger zusammen, um die Ursache zu finden. Keiner der Anwesenden hat jedoch ein Interesse daran, die Ursache zu finden. Alle beteuern sie, dass sie, dass ihre Abteilung nicht die Schuld an der hohen Sterberate trägt. Schließlich einigen sich die Anwesenden darauf, dass die Toten selbst schuld daran sind, gestorben zu sein, dass sie sich nicht ordentlich um ihre Genesung bemüht haben, sich aus Faulheit lieber in die virtuelle Welt eines Komas flüchteten als aktiv an ihrer Genesung zu arbeiten, dass die hohe Sterberate eine gerechte Strafe für all die Versäumnisse, die Generationen von Patienten im Hinblick auf ihre Pflicht, gesund zu bleiben, aufzuweisen haben, darstellt.

Das Sterben an Krankenhaus X geht ungestört weiter.

Jeder normale Mensch wird bei einer solchen Geschichte den Kopf schütteln und sein gesunder Menschenverstand wird ihm sagen, dass es so etwas im wirklichen Leben nicht gibt.

So kann man sich irren.

Als wir vor nunmehr fast 15 Jahren unseren Beitrag „Bringing Boys Back In“ veröffentlicht und damit die Diskussion um die Nachteile von Jungen im Bereich der Schulbildung ausgelöst haben, konnten wir uns nicht vorstellen, dass sogar bei Wissenschaftlern anstelle einer Suche nach den Ursachen für die Nachteile von Jungen, anstelle der Beseitigung dieser Ursachen, die Schuldfrage, nein, die Unschuldsfrage so ins Zentrum rückt, dass jene Jungen, deren Biographie bereits mit der Einschulung zerstört wird, in Vergessenheit geraten.

Seit 15 Jahren bemüht sich das Herr der Feministen und Genderisten darum, die 90% weiblichen Grundschullehrer und rund 80% weiblichen Lehrer von jeder Schuld am schulischen Misserfolg von Jungen reinzuwaschen und jede Verantwortung auf die Jungen abzuwälzen, die die Nachteile direkt haben, weil sie auf Sonderschulen abgeschoben wurden, weil sie Hauptschulen ohne Abschluss verlassen, weil sie bei der Grundschulempfehlung nur mit besserer Leistung dieselbe Empfehlung erhalten wie Mädchen. Sie sind an ihrer Misere in der Weise selber Schuld, wie die Opfer der Behandlung in unserem fiktiven Krankenhaus X. Seit 15 Jahren interessiert es niemanden, welche Ursachen die Nachteile von Jungen bei der Schulbildung haben, geschweige denn, wie man die Ursachen, so man sie denn kennen wollte, beseitigen könnte. Den Gipfel der Boshaftigkeit stellt dabei eine Äußerung dar, die aus dem Kontext des Deutschen Jugendinstituts kommt und Benachteiligung die Jungen heute erleiden als gerechte Strafe für die vermeintliche Benachteiligung ansehen, die Mädchen vor Hunderten von Jahren zu erleiden gehabt haben sollen.

Nachteile/Benachteiligung von Jungen im Vergleich zu Mädchen:
  • Jungen werden häufiger mit ADHS diagnostiziert;
  • Jungen werden häufiger von der Einschulung zurückgestellt;
  • Jungen bleiben häufiger sitzen;
  • Jungen werden häufiger auf eine Sonderschule abgeschoben;
  • Jungen müssen für dieselbe Grundschulempfehlung bessere Leistungen erbringen;
  • Jungen bleiben häufiger ohne Schulabschluss
  • Jungen erwerben häufiger einen Hauptschulabschluss, seltener ein Abitur oder die Fachhochschulreife;
  • Jungen begehen häufiger Selbstmord;
  • Jungen werden häufiger straffällig und landen häufiger im Gefängnis;

Die Bereitschaft, aktuell lebende Menschen einem kollektiven Ziel zu opfern, egal, ob dieses Ziel ein Hirngespinst oder eine andere Utopie ist, sie ist unter Sozialisten immer sehr verbreitet gewesen und Feministen sind Sozialisten. Sie teilen deren Hass auf Individuen, deren Neid auf den Erfolg von anderen und deren Missgunst und Boshaftigkeit.

Deshalb sprechen wir ab sofort von Toxic-Genderism.

Philip Zimbardo, der Psychologe, den die meisten, wenn nicht alle Studenten der Psychologie kennen, er tut das noch nicht, aber bis er es tut, ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit. Im Moment beklagt er die mangelnde Empathie, die in der Gesellschaft, in seinem Fall in der US-Amerikanische Gesellschaft Jungen gegenüber herrscht. Jahrzehnte des Genderismus haben diese Ignoranz, ja Boshaftigkeit gegenüber dem, was Jungen an Schwierigkeiten erwartet, an Nachteilen, an Benachteiligung, wenn sie versuchen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, zu verantworten. Die neustes Stufe feministischer Boshaftigkeit ist mit der Dämonisierung männlicher Lebensentwürfe erreicht worden: „Being a young adult“, so schreibt Zimbardo, “is hellish enough without the added burden of being demonized by society“. Das schreibt Zimbardo nachdem er Ergebnisse einer Befragung von mehr als 20.000 Personen zusammengetragen hat.

Jungen erhielten in Medien, Schulen, von Eltern, von Peers, von ihrem sozialen Umfeld widersprechende Meldung dazu, was „männliche Verhaltensweisen“ seien. Männlichkeit als solche, werde durch Diskussionen wie die um „toxic masculinity“ in Frage gestellt. Jungen wüchsen weitgehend in einem weiblichen Umfeld auf: Väter seien selbst in Nicht-Scheidungsfamilien nur wenig in die Erziehung von Jungen eingebunden. Entsprechend würden Jungen von einem weiblich beherrschten heimischen Umfeld in ein weiblich beherrschtes schulisches Umfeld überwechseln. In keinem Bereich, in dem sie sich aufhielten, hätten sie ein positives männliches Rollenmodell. In allen Bereichen tritt ihnen Ablehnung, Hinterfragung, ja Feindseligkeit gegenüber. Mehrere Jahrzehnte Feminismus haben dazu geführt, dass Jungen sich für ihre Männlichkeit rechtfertigen müssen: „Thus we see … the rise of movements such as Men Going Their Own Way (MGTOW). Who can blame them for wanting to opt out?“

Eigentlich sollte man denken, dass eine Gesellschaft, die damit konfrontiert ist, dass immer mehr ihrer jungen Männer sich aus dem öffentlichen Leben oder dem, was man bislang als die Normalbiographie angesehen hat, zurückziehen, die Ursachen dafür erforschen will. Fehlanzeige.

Insbesondere Wissenschaft hat hier bislang und weitgehend versagt, was angesichts der Infiltration von Bildungsinstitutionen mit Toxic Genderism mit Boshaftigkeit und Missgunst, die beide an die Adresse von Jungen gerichtet sind, kein Wunder ist. Darsteller in Ministerrollen gefallen sich besser darin, weibliche Absolventen zu bevorteilen als darin, die Ursachen für den Rückzug von Männern aus dem öffentlichen Leben zu untersuchen. Die Männerfeindlichkeit, die Paul Nathanson und Katherine K. Young schon Anfang der 2000er Jahre in ihren Büchern „Spreading Misandry“ und „Legalizing Misandry“ beschrieben haben, sie ist gesellschaftliche Wirklichkeit geworden. Die gehässige und boshafte Furie ist das Logo moderner Gesellschaften.

Vielsagend sind die Untertitel, die Nathanson und Young für ihre beiden Bücher gewählt haben: Die 2001 erschienene Monographie „Spreading Misandrie (Die Verbreitung von Männerfeindlichkeit/Männerhass)“ trägt den Untertitel: „The Teaching of Contempt for Men in Popular Culture“ (Die Erziehung zur Verachtung von Männern in der Alltagskultur), während das Buch „Legalizing Misandry“,  (Die Legalisierung von Männerfeindlichkeit/Männerhass), das 2006 erschienen ist, den Untertitel trägt: „From Public Shame to Systemic Discrimination Against Men“ (Von der öffentlichen Bloßstellung zur systematischen Diskriminierung von Männern). Nathanson und Young arbeiten in ihren Büchern systematisch die Bedingungen auf, die den Männerhass, der heute nicht nur in der boshaften Ignoranz gegenüber der Zerstörung männlicher Biographien oder absurder Debatten über Gleichstellung von Mittelschichtsfrauen in Vorständen von Unternehmen zum Ausdruck kommt, ermöglichen.

Wer sich also nicht für Schuldfragen, sondern für Ursachen interessiert, dem seien die beiden Bücher wärmstens empfohlen, auch deshalb, um sich auf den Stand einer beginnenden und um sich greifenden Diskussion über die Benachteiligung von Jungen und Männern, die Diskussion von toxic genderism zu bringen, denn immer mehr Wissenschaftler haben die Nase voll und wollen nicht mehr dabei zusehen, wie eine Horde gehässiger Genderisten all die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften zerstört, die in Jahrhunderten mühsamer Arbeit aufgebaut werden mussten.

Es wird Zeit, das gesellschaftliche Klima eines toxic genderism zu beseitigen und Empathie für andere Menschen an die Stelle von Boshaftigkeit und Gehässigkeit zu setzen.

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Unfähig oder hinterhältig? Steuerzahler zahlen in jedem Fall

Was passiert, wenn Bildungsforscher, die nicht nur Standardlehrbücher, sondern auch viele empirische Artikel zur deutschen Bildungsforschung beigetragen haben, mit einem Text konfrontiert werden, der die Bildungsforschung hinter Pestalozzi zurückwerfen will, können sich nicht-Bildungsforscher vielleicht nicht vorstellen. Deshalb ist im Folgenden zu lesen, was. Dr. habil. Heike Diefenbach zum DIPF-Versuch, Wissenschaft zu betreiben, den wir im Beitrag „Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen“ besprochen haben, zu sagen hat:

MIgrantenfamilienSo langsam muss man es als Bildungsforscher persönlich nehmen, wenn Leute, die sich Bildungsforscher nennen und solchen Schwachsinn produzieren, mit ihrem Schwachsinn die gesamte Bildungsforschung lächerlich machen:

Was das DIPF hier ernsthaft behaupten will, ist, dass Söhne in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Arbeiterschicht haben und Töchter in Deutschland immer oder stark überwiegend Eltern aus der Mittelschicht haben, denn NUR DANN, also genau unter dieser Bedingung, ließe sich der Effekt von „Schülergeschlecht“ auf die verschiedenen Maße von Schulerfolg durch „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ gänzlich oder nahezu wegerklären (denn nur dann wäre die Korrelation zwischen „Schülergeschlecht“ und „soziale Schichtzugehörigkeit“ hinreichend eng, um diese Variablen füreinander einsetzen zu können) – dies würde dann allerdings auch UMGEKEHRT gelten: der Effekt von „soziale Schichtzugehörigkeit der Eltern“ auf verschiedene Maße von Schulerfolg ließe sich durch „Schülergeschlecht“ wegerklären. SELBST DANN, wenn die eingangs formulierte Annahme stimmen würde, wäre es also ein rein willkürlicher Akt, wenn man die Korrelation in die Richtung interpretieren würde, die dem DIPF ideologisch genehm erscheint. Würde man es vorziehen, die Richtung der Korrelation umgekehrt zu interpretieren, würde die Schlagzeile lauten:

„Soziale Schicht (nahezu) bedeutungslos für Schulerfolg! Vielmehr erklärt ‚Geschlecht‘ den Schulerfolg in Deutschland!“

Na, das wäre doch wenigstens einmal etwas Neues!

Aber die eingangs formulierte Annahme ist selbstverstänlich abstrus, und deshalb ist die grandiose Erkenntnis, die das DIPF hier produziert haben will, diejenige, dass Variablen, die man in ein statistisches Modell hineingibt, gewöhnlich mehr oder weniger stark miteinander korrelieren, und zwar nicht nur die erklärenden jeweils getrennt mit der zu erklärenden Variable, sondern auch die erklärenden Variablen untereinander. Das ist IMMER so, und es wäre ein echtes Novum in der Geschichte der mit Statstik arbeitenden Sozialforschung, wenn jemand ein statistisches Modell anhand empirischer Daten testen würde und herauskäme, dass alle erklärenden Variablen vollkommen unabhängig voneinander sind.

Oder anders formuliert:
Wenn man in der empirischen Sozialforschung NUR DANN von relevanten statistischen Zusammenhängen sprechen wollte, wenn ALLE erklärenden Variablen einen statistischen Zusammenhang von NULL untereinander aufweisen würden, dann gäbe es in der empirischen Sozialforschung KEINERLEI relevante Zusammenhänge.

Was das DIPF hier als großartige bildungsforscherisch relevante Nachricht verkaufen will, ist schlicht die Trivialität

dass auch in Bezug auf die Erklärung von Schulerfolg mehrere Variablen erklärungskräftig sind und diese Variablen untereinander in einem Zusammenhang stehen.

Wow!!!

Wen will das DIPF denn damit veralbern??? Solche Dummheiten sind bestenfalls an Mainstream- Medien und deren Angestellte zu verkaufen, die ohnehin immer automatisch den Mund öffnen, wenn ein voll gefüllter Löffel an ihrem Horizont auftaucht. Aber die nimmt ja ohnehin fast niemand mehr ernst. Was also soll dieser schwächliche Versuch der Manipulation und Indoktrination?

Und dass es sich hier um einen solchen Versuch handelt, kann man aus einer einfachen Tatsache ableiten:
Die grandiose „Erkenntnis“ der DIPF-Angestellten, deren fachliche Qualität offensichtlich dazu ausgereicht hat, um am DIPF eine Anstellung zu finden (was ein sehr schlechtes Licht auf das DIPF wirft), hätte sich bei ihnen auch schon einstellen können, als es darum ging, die vermeintlichen schulischen Nachteile von „Mädchen“ zu behaupten und zu beklagen. Aber seltsamerweise fiel es ihnen nicht ein, eine differenzierte Sicht auf die angeblichen Nachteil von „Mädchen“ anzumahnen. Warum nur?

Naja, für Mädchenförderung und die pseudowissenschaftliche Legitimation derselben gab es und gibt es immer noch Geld, und beim Geld hört die wissenschaftliche Rechtschaffenheit auf.

Oder ist es möglich, dass jemand die unsägliche Arroganz besitzt zu meinen, dass er trotz vollkommener statistischer Unkenntnis eben solche, d.h. statistische Mittel einsetzen könnte, um sein ideologisches Geschwätz als Wissenschaft erscheinen zu lassen? Anders formuliert: Kann man sich selbst so sehr fehleinschätzen?

Ich fürchte es läuft auf die Frage hinaus: Wollen diese Leute bewusst täuschen, oder sind sie so erschreckend unfähig?

Then again – in beiden Fällen ist es ein unhaltbarer Zustand, dass solche Leute auf von Steuerzahlern finanzierten Stellen sitzen, um just dieselben Steuerzahler hinters Licht zu führen.

Pädagogen lügen: Wie Bildungsnachteile von Jungen aus der Welt geredet werden sollen

Bald sind es 15 Jahre. Im Dezember 2017 sind es 15 Jahre. 15 Jahre seit wir „Bringing Boys Back In“ veröffentlicht haben, jenen Beitrag, der wie kaum ein anderer die deutsche Bildungsforschung aufgemischt hat. Denn wir haben den damals (wie heute) geltenden Mythos, Mädchen hätten irgendwelche Nachteile in der Schule, über den Haufen geworfen und auf Basis einer Vollerhebung für alle Absolventen allgemeinbildender Schulen für Deutschland gezeigt, dass Jungen deutlich schlechter abschneiden als Mädchen: Sie machen seltener das Abitur, landen häufiger auf Sonderschulen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss usw..

Hurrelmann BildungsverliererDass Jungen die Loser des deutschen Bildungssystems sind, hätte vermutlich keine großen Wellen geschlagen. Dass „Bringing Boys Back In“ es in alle regionalen und überregionalen Zeitungen Deutschlands geschafft hat und die Schulpleite der Jungen damit öffentlich wurde, hat einen einfachen Grund: eine Korrelation. Je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer, desto schlechter schneiden Jungen ab.

Zudem hat seit 2002 hat es eine Reihe von Studien gegeben, in denen gezeigt wurde, dass Jungen, bei gleichen Noten schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als Mädchen, dass Jungen bei gleicher Leistung schlechtere Noten erhalten als Mädchen und vieles mehr, das belegt: im deutschen Schulsystem werden Jungen benachteiligt.

Das Bekanntwerden dieser sozialen Tatsachen ist natürlich ein Dorn im Auge der Genderisten, die von Ministerien finanziert werden, um die erfundenen Nachteile von Mädchen zu bekämpfen. Und es ist ein Schlag für den Mythos der blütenweißen Weste weiblicher affektiver Hingabe, der von denselben Aktivisten – Steuerzahler kostenpflichtig – verbreitet wird, die schon die Mär von den Nachteilen, die Mädchen angeblich im deutschen Bildungssystem haben sollen, verbreiten.

Deshalb hat sich eine wilde Diskussion darüber entsponnen, ob weibliche Grundschullehrer Schuld daran tragen, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt sind. Marcel Helbig hat sich hier besonders hervorgetan mit seinen Versuchen, als Beichtvater eine Generalabsolution zu erteilen (Marke: Jungen sind selbst schuld, Mädchen nicht und Lehrerinnen schon gar nicht), zu der ihn jedoch weder seine Kompetenzen noch seine Daten befähigt haben.

Die Diskussion der Schuldfrage setzt natürlich die Akzeptanz der Nachteile von Jungen voraus. Ein Fauxpas der Aufregungsforschung, der von Autoren wettgemacht werden sollte, die zu zeigen versuchen sollen, was man nicht zeigen kann, nämlich, dass Jungen gar keine Nachteile im deutschen Bildungssystem haben, gar nicht die Bildungsverlierer im deutschen Bildungssystem sind. Da man nicht in Abrede stellen kann, was auf Basis der Daten für alle Absolventen schulischer Jahrgänge seit 1995 an deutschen Schulen wieder und wieder gezeigt wurde, dass Jungen erhebliche Nachteile gegenüber Mädchen haben, haben die entsprechenden Untermineure lauterer Forschung eine andere Strategie: Sie versuchen, so viel Unsinn über die schulischen Nachteile von Jungen in die Welt zu setzen, dass man vor lauter Unsinns-Bäumen den Wald nicht mehr erkennen kann.

Das neueste Beispiel für diese Strategie, mit der geistige Verwirrung gestiftet und verbreitet werden soll, kommt vom DIPF, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Es liest sich wie folgt:

“Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das geht aus aktuellen Daten hervor, etwa vom Statistischen Bundesamt oder aus der PISA-Studie. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen, weswegen in der öffentlichen Diskussion oft ein schnelles Urteil gefällt wird: Von den „Jungen als Bildungsverlierern“ oder davon, dass Mathematik „kein Mädchenfach“ sei, ist immer wieder die Rede. „Dabei wird jedoch übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind“, gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet. Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein.“ [Es ist schon lustig, wie diejenigen, die sich jahrelang nicht an der Homogenität der Gruppe der Mädchen, für die sie allerlei Nachteile erfinden und erfunden haben, gestört haben, nun, da die empirischen Tatsachen die schöne Welt der rosaroten Vorstellungen zerstört hat, darauf bestehen, Heterogenität innerhalb der Gruppen herzustellen.]

Wir müssen uns korrigieren. Lühe verbreitet keinen Unsinn, sie verbreitet Blödsinn, den man nicht mehr steigern kann. Sie behauptet allen Ernstes: Wenn man den sozialen Hintergrund von Schülern betrachtet, dann werden die Geschlechtsunterschiede zweitrangig. Und sie tut dies im Brustton der Überzeugung, man habe mit dem Verweis auf den sozialen Hintergrund etwas Neues entdeckt. Nicht, dass PISA-Studien seit nunmehr Jahrzehnten zeigen, dass das deutsche Bildungssystem sozial segregiert und Kinder aus einem Arbeiterhaushalt seltener ein Abitur erreichen und seltener eine Hochschule besuchen als z.B. Kinder aus Akademiker- oder Beamtenhaushalten.

Manche Erkenntnisse müssen offensichtlich reifen, ehe sie beim DIPF aufgenommen werden. Wir wollen jetzt nicht darauf hinweisen, dass Ralf Dahrendorf die soziale Segregation in deutschen Schulen schon in den 1960er Jahren beschrieben hat …

Wie dem auch sei. Nun hat man im DIPF die soziale Herkunft, nein, den sozialen Hintergrund als Variable entdeckt, und versucht damit, die Geschlechtsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu relativieren.

Ein Akt statistischer Inkontinenz.

Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass von jeweils 100 männlichen und weiblichen Schülern eines Jahrgangs 60 weibliche und 45 männliche ein Abitur erreichen.

Die Ausgangsverteilung ist also 45 (m) : 60 (w).

Von den 45 (m) stammen 10 aus einem Arbeiterhaushalt, 35 nicht.
Von den 60(w) stammen 20 aus einem Arbeiterhaushalt, 40 nicht.

BenninghausVerwischen wir die geistige Nachvollziehbarkeit für die Lühes dieser Welt und interpretieren unsere Daten als Prozentwerte, dann kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Jungen, die ein Abitur erreichen, 45% beträgt, aber nur 22% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt. Bei den Mädchen erreichen 60% ein Abitur, 33% davon stammen aus einem Arbeiterhaushalt.

Die statistisch Illiteraten unter uns, die mit Prozentwerten hausieren gehen, sie aber nicht interpretieren können, mögen auf dieser Grundlage zu dem Schluss kommen, dass „sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistung je nach sozialem Hintergrund unterscheidet“. Man kann sogar, wenn man noch ein bisschen Regressionszinnober ergänzt, wie dies im DIPF geschehen ist, zu dem Schluss kommen, dass der „Effekt der Geschlechtszugehörigkeit … durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert“ wird, und damit suggerieren, dass der sozio-ökonomische Status wichtiger sei, als das Geschlecht der Schüler. Man kann vieles, wenn man sich das Gehirn mit Betas und Prozentwerten benebelt und nicht mehr weiß, welche Rohdaten den Berechnungen zu Grunde liegen.

Denn: All das, ändert nichts daran, dass 45% der Jungen und 60% der Mädchen ein Abitur erreichen: Jungen also einen Nachteil gegenüber Mädchen im Hinblick auf die schulische Bildung haben. Dass in den 45% der Jungen weniger Jungen aus Arbeiterfamilien enthalten sind als in den 60% der Mädchen, ändert nichts am Gesamtergebnis. Es deutet nur darauf hin, dass sich das Gesamtergebnis aus einer Reihe von Faktoren, die für Bildungserfolg nachteilig wirken, zusammensetzt, von denen neben Geschlecht auch sozialer Status einer ist.

Und das ist eine uralte Kamelle: Das deutsche Bildungssystem segregiert seit Jahrzehnten nach sozialem Status, es ist eine Bildungsinstitution der Mittelschicht, in der Angehörige der Mittelschicht als Lehrer (absichtlich oder unabsichtlich) darüber wachen, dass Kinder aus der Arbeiter- oder Unterschicht nicht in die Bildungsquere ihres eigenen Nachwuchses kommen und am Ende noch mit diesen konkurrieren. Die Methoden, die dabei angewendet werden, sind z.B. bei der Arbeiterkindern verweigerten Grundschulempfehlung für das Gymnasium die Behauptung, dass die entsprechenden Kinder wenig bis keine Unterstützung im Elternhaus erhalten könnten und an diese Behauptung Zweifel an der Fähigkeit der Kinder zu knüpfen, an einem Gymnasium erfolgreich zu sein. Eine andere Methode besteht darin, Kinder aus Arbeiterfamilien, die den Verhaltenskodex der (weiblichen Teile der) Mittelschicht nicht kennen und nicht wissen, dass Konflikte nicht offen, sondern hinter dem Rücken des jeweils anderen ausgetragen werden, ob ihrer vermeintlichen Aggressivität und wegen sozial-emotionaler Störung auf Sonderschulen abzuschieben, ein Schicksal, das vor allem Jungen aus der Arbeiterschicht trifft.

All das ist seit Jahrzehnten bekannt und wird von den verantwortlichen Schulämtern kontinuierlich ignoriert. Die Mär, in Deutschland habe jedes Kind die gleichen Start- und Bildungschancen, sie ist einfach zu schön, um aufgegeben zu werden.

Hurrelmann BildungsverliererWozu also veröffentlichen Mitarbeiter staatlich finanzierter Institute wie des DIPF Unsinn wie den zitierten? Die Antwort haben wir oben bereits gegeben. Es geht darum, die Tatsachen, nämlich die schulischen Nachteile von Jungen, die aus Benachteiligung durch mehrheitlich weibliche Schullehrer erwachen, zu verwischen, sie in einem Meer aus Unsinn zu versenken, so dass es möglich ist, das Ergebnis der staatlich verordneten Schuljahre z.B. auf die falschen Geschlechtsrollenbilder in Familien der Arbeiterschicht zu schieben, so wie diese Lühe tut, die Familien mit „niedrigerem sozio-ökonomischen Status“ unterstellt, sie hätten häufiger Vorstellungen wie „es [sei] unmännlich, fleißig für die Schule zu sein“.

Wir würden diese Lühe gerne schütteln. Vielleicht fällt das ein oder andere Neuron im Rahmen dieses Vorgehens in eine sinnvolle Synapse, eine, die die Verarbeitung von Erkenntnissen, wie sie die Bildungsforschung seit Jahrzehnten produziert, erlaubt: Jungen werden trotz besserer Leistungen schlechter benotet als Mädchen, Jungen erhalten trotz gleicher Leistungen als Mädchen, seltener eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium!

Wie passen diese empirischen Fakten zur Vorstellung, die Lühe Arbeiterfamilien unterstellt, in ihnen werde fleißig sein als unmännlich angesehen [Wie kommt Sie überhaupt auf die Idee, in Schulen würde Fleiß positiv bewertet?] Gar nicht. Sie zeigen, dass man im DIPF entweder nicht alle Tassen im Schrank hat, mit Sicherheit die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte nicht kennt oder ignoriert und offensichtlich versucht, die Tatsache, dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt werden, und zwar von denen, die im Bildungssystem beschäftigt sind, unter einem Haufen Unsinn zu begraben.

Für alle, die es interessiert: Die Hierarchie im deutschen Bildungssystem sieht derzeit – wie bisherige Forschungergebnisse nahelegen – wie folgt aus:

  1. Deutsche Mädchen aus Mittel- und Oberschicht 
  2. Mädchen mit Migrationshintergrund
  3. Deutsche Jungen aus Mittel- und Oberschicht
  4. Mädchen aus der Arbeiterschicht (niedriges sozio-ökonomisches Milieu)
  5. Jungen aus der Arbeitschicht
  6. Jungen mit Migrationshintergrund

Literatur

Berg, Detlef, Scherer, Lucas, Oakland, Thomas & Tisdale, Timothy (2006). Verhaltensauffälligkeiten und schwache Leistungen von Jungen in der Schule – die Bedeutung des Temperaments. Otto-Friedrich Univeristät Bamberg: Professur für Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt.

Cornwell, Christopher M., Mustard, David B. & Van Parys, Jessica (2011). Non-Cognitive Skills and the Gender Disparities in Test Scores and Teacher Assessments: Evidence from Primary School. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No. 5973.

Diefenbach, Heike (2012). Gegen den kollektiven Aktionismus! In: Hurrelmann, Klaus & Schultz, Tanjev (2012). Jungen als Bildungsverlierer. Brauchen wir eine Männerquote in Kitas und Schulen? Weinheim: BeltzJuventa, S.125-143.

Diefenbach, Heike (2010). Jungen – die ‘neuen’ Bildungsverlierer. In: Quenzel, Gudrun & Hurrelmann, Klaus (Hrsg.). Bildungsverlierer. Neue Ungleichheiten. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.245-272.

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Dunkake, Imke, Kiechle, Thomas, Klein, Markus & Rosar, Ulrich (2012). Schöne Schüler, schöne Noten? Eine empirische Untersuchung zum Einfluss der physischen Attraktivität von Schülern auf die Notenvergabe durch das Lehrpersonal. Zeitschrift für Soziologie 41(2): 142-161.

Entorf, Horst & Minoiu, Nicoleta (2005). Waht a Difference Immigration Policy Makes. A Comparison of PISA Scores in Europe and Traditional Countries of Immigration. German Economic Review 6(3): 355-376.

Geißler, Rainer (2005). Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn. Zum Wandel der Chancenstruktur im Bildungssystem nach Schicht, Geschlecht, Ethnie und deren Verknüpfungen. In: Berger, Peter A. & Kahlert, Heike (Hrsg.). Institutionalisierte Ungleichheiten. Wie das Bildungswesen Chancen blockiert. Weinheim: Juventa, S.71-100.

Gomolla, Mechtild & Radke, Frank-Olaf (2009). Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenzen in der Schule. Wiesbaden. VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Kottmann, Brigitte (2006). Selektion in die Sonderschule. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf als Gegenstand empirischer Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Lehmann, Rainer & Lenkeit, Jenny (2008). ELEMENT. Erhebung zum Lese- und Mathematikverständnis. Entwicklungen in den Jahrgangsstufen 4 bis 6 in Berlin.
unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen/element5_ber.pdf?start&ts=1229526638&file=element5_ber.pdf

Lehrmann, Rainer & Nikolova, Roumiana (2005). Lese- und Mathematikverständnis von Grundschülerinnen und Grundschülern am Ende der Klassenstufe 5.
unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulqualitaet/schulleistungsuntersuchungen/element5_ber.pdf

Lehmann, Rainer, Peek & Gänsefuß, Rüdiger (1997). Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern, die imi Schuljahr 1996/1997 eine fünfte Klasse an Hamburger Schulen besuchten. Bericht über die Erhebung im September 1996 (LAU 5)
unter: http://bildungsserver.hamburg.de/lau/

Weiterführende Texte auf ScienceFiles:

  1. Schulen sind jungenfeindliche Anstalten
  2. Jungen werden im deutschen Schulsystem benachteiligt
  3. Risse in der Meritokratie: Was wird in deutschen Schulen eigentlich bewertet?
  4. Es bleibt dabei: Je mehr männliche Lehrer desto besser schneiden Jungen ab
  5. Nachteile von Jungen im Bildungssystem
  6. Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem

Wissenschaftliche Anklageschrift – öffentliche Zustellung

SciencefilesHiermit erheben wir

wissenschaftliche A N K L A G E

gegen

Dirk Baier, Hochschule Zürich, Soziale Arbeit, Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich, zuvor Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen;

Thomas Mößle, Kriminologisches Forschungsinstut Niedersachsen, Lützerodestraße 9 30161 Hannover;

Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Lützerodestraße 9 30161 Hannover;

wegen

Fälschung wissenschaftlicher Quellen, 
in Tateinheit mit Unterschlagung von wissenschaftlichen Quellen, 

in Tateinheit mit Missbrauch wissenschaftlicher Dienstleistungen und Erzeugnisse,
in Tateinheit mit wissenschaftlicher Unlauterkeit;

 

Begründung

In der 2014 im Nomos Verlag erschienen Publikation „Die Krise der Jungen“ veröffentlichten die Angeklagten einen Beitrag mit dem Titel „Liegt in männlichen Lehrkräften der Schlüssel zum Schulerfolg von Jungen? Befunde aus Schülerbefragungen“.

Auf Seite 146 dieses Beitrags findet sich die folgende Passage:

“Dass das Geschlecht der Lehrkraft mit dem Schulerfolg in Zusammenhang stehen könnte, lässt sich in zweierlei Weise begründen. Eine erste Argumentation besagt, dass die Identifikation mit einer Lehrkraft die schulische Bindung stärkt und dazu motiviert, sich in der Schule anzustrengen. Durch die Zunahme des Anteils an Frauen im Lehrpersonal mangelt es „Jungen an Rollenmodellen bzw. Vergleichspersonen […], an denen sie ihre Fähigkeitsselbsteinschätzungen ausrichten und aus denen sie ihre Motivation beziehen können“ (Diefenbach, 2010, S. 261).

Mit diesem Zitat erwecken die Angeklagten vorsätzlich den falschen Eindruck, Dr. habil. Heike Diefenbach vertrete die entsprechende These, nach der fehlende Rollenmodelle für Jungen Ursache des im Vergleich zu Mädchen geringeren Schulerfolgs von Jungen sei.

Dies ist nachweislich falsch.

An der von den Angeklagten zitierten Stelle findet sich der folgende Text:

“Wenn [!sic] Gleichgeschlechtlichkeit ein wichtiger Faktor ist, anhand dessen ein Kind sich ein Bild davon zu machen versucht, was es in einer bestimmten Domäne zu leisten im Stande ist, so ist plausibel, dass Jungen in der Person ihrer Lehrerin weniger als Mädchen einen Vergleichsmaßstab bzw. ein Rollenmodell mit Bezug auf das, was sie selbst im schulischen Bereich zu leisten vermögen, sehen (und entsprechend Mädchen in Lehrern). Wenn als Haupteffekt der Feminisierung der Schule gesehen wird, dass es Jungen an Rollenmodellen bzw. Vergleichspersonen mangelt, an denen sie ihre Fähigkeitseinschätzungen ausrichten und aus denen sie ihre Motivation beziehen können, stellt sich die Argumentationskette für die Erklärung durch die Feminisierung der Schule wie folgt dar …“(Diefenbach, 2010: 261).

Wie der zitierte Absatz und die Tatsache, dass eine Implikation formuliert ist, deutlich machen, diskutiert Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrem Text mögliche Erklärungen für die Nachteile von Jungen. In keiner Weise legt sie den Schluss nahe, den die Autoren erwecken wollen, die entsprechende „Argumentation“ zu vertreten. Die Handlung der Angeklagten erfüllt entsprechend den Tatbestand der Fälschung wissenschaftlicher Quellen in Tateinheit mit wissenschaftlicher Unlauterkeit.

doctors-tribunalIm weiteren Verlauf ihres Beitrages geben die Angeklagten vor, die Frage diskutieren zu wollen, ob das Geschlecht der Lehrkraft einen Einfluss auf den schulischen Erfolg von männlichen Schülern hat. Dass sie diese Frage nicht wirklich diskutieren wollen, sondern ihren Beitrag einzig mit der Zielsetzung geschrieben haben, zu dem Ergebnis zu kommen, dass das Geschlecht einer Lehrkraft keinen Einfluss auf den Schulerfolg von Jungen hat, ergibt sich aus zwei Tatsachen, die für sich genommen die Tatbestände der wissenschaftlichen Unterschlagung und des Missbrauchs wissenschaftlicher Erzeugnisse begründen.

(I)
Die Forschung hat in einer Vielzahl von Studien (LAU-Studie, ELEMENT-Studie, Diefenbach, 2007) nachgewiesen, dass männliche Schüler bessere Leistungen erbringen müssen, um dieselben Noten zu erhalten wie weibliche Schüler. Die Forschung hat darüber hinaus nachgewiesen, dass der Schulabschluss männlicher Schüler mit dem Geschlecht ihrer Grundschullehrer variiert, angesichts der Bedeutung, die der Grundschulempfehlung im deutschen Schulsystem zukommt, ist dies von erheblicher Wichtigkeit: So zeigt sich, dass männliche Schüler, die einen männlichen Grundschullehrer hatten, eher ein Abitur erreichen und seltener ohne einen Schulabschluss bleiben als männliche Schüler, die einen weiblichen Grundschullehrer hatten. Die für den Schulerfolg von Jungen nachteilige Wirkung der Grundschulempfehlung, die für Jungen dann, wenn sie die gleiche Leistung aufweisen wie Mädchen, seltener für ein Gymnasium ausgesprochen wird, wurde zudem u.a. in der LAU-Studie belegt. Es kann somit als gesichert angesehen werden, dass Jungen bessere Leistungen erbringen müssen, um dieselbe Bewertung zu erhalten wie Mädchen. Es kann darüber hinaus als jedem, der sich mit Bildungsforschung auch nur rudimentär auskennt, bekannt vorausgesetzt werden, dass Jungen im deutschen Bildungssystem an unterschiedlichen Stellen aus dem System fallen: Sie werden häufiger von der Einschulung zurückgestellt als Mädchen, sie werden oft später eingeschult als Mädchen, bleiben häufiger sitzen als Mädchen, werden häufiger auf Sonderschulen überwiesen als Mädchen, erhalten seltener eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium als Mädchen, bleiben dafür häufiger ohne einen Schulabschluss als Mädchen und erreichen seltener ein Abitur als Mädchen. Diese Fakten sind in Literatur und Bildungsstatistik ausreichend belegt. Sie stellen ein Allgemeingut der Bildungsforschung dar. Wer sie, wie die Angeklagten unterschlägt, verstößt nicht nur gegen die wissenschaftliche Lauterkeit. Vielmehr muss von ihm angenommen werden, dass er den Tatbestand der vorsätzlichen wissenschaftlichen Unterschlagung erfüllt hat.

Auf Grundlage der Unterschlagung wissenschaftlicher Fakten wollen die Angeklagten in ihrem Beitrag herausgefunden haben, dass „das Geschlecht der Lehrkraft für die Vergabe von Schulnoten weitgehend irrelevant“ sei und deshalb „eine Zunahme des männlichen Lehreranteils [nicht] zu besseren Schulleistungen [beim männlichen Schülern] führt“ (163). Zu dieser Erkenntnis wollen die Angeklagten dadurch gelangt sein, dass die den Zusammenhang zwischen Noten, die Schüler in 4. und 9. Klassen berichten und dem Geschlecht des Klassenlehrers analysiert haben. Dabei wollen sie nach eigenen Angaben zu dem Ergebnis gekommen sein, dass „sich [die These, nach der sich] das Lehrergeschlecht auf die Notenvergabe auswirkt“ nicht bestätigt habe.

Nach Kenntnis der Vertretung der wissenschaftlichen Anklage gibt es außer einigen fehlgeleiteten Autoren aus dem Kontext der Universität Mannheim und des Wissenschaftszentrums Berlin niemanden, der je behauptet hätte, dass sich das Lehrergeschlecht auf die Notenvergabe auswirkt. Das hat deshalb niemand behauptet, weil Bildungsforscher wissen, dass die schulische Leistung und die Schulnoten sich nicht äquivalent zueinander verhalten. Anders formuliert: Schulnoten spiegeln die schulischen Leistungen von Schülern nur sehr eingeschränkt wieder. Auch hier gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Analysen, die belegen, dass die Notenvergabe nicht den Leistungsstand von Jungen und Mädchen wiederspiegelt, wobei regelmäßig Jungen unter- und Mädchen überbewertet werden (z.B. Diefenbach, 2007). Es ist gerade der Kern der oben beschriebenen Nachteile von Jungen im schulischen Bildungssystem, dass sie entweder mehr leisten müssen, um dieselben Noten zu erhalten oder trotz gleicher Noten bei z.B. Grundschulempfehlungen benachteiligt werden. Der Nachteil, der Jungen dadurch entsteht, dass sie häufiger auf Sonderschulen oder Hauptschulen landen als Mädchen kann nicht dadurch untersucht werden, dass man die Noten von 4. und 9. Klässlern mit dem Geschlecht des jeweiligen Klassenlehrers in Korrelation setzt und schon gar nicht dadurch, dass man die Korrelation dann als Kausalität ausgibt. Wer dies tut, macht sich des Missbrauchs wissenschaftlicher Erzeugnisse schuldig, denn er will seinen Lesern Ergebnisse vortäuschen, die er überhaupt unter Einsatz der von ihm gewählten Mittel gar nicht erreichen konnte. Insofern die Angeklagten behaupten, sie könnten zeigen, dass das Lehrergeschlecht sich nicht auf die schulische Leistung von Jungen auswirkt und diese Behauptung in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlichen, haben sie den Tatbestand des Missbrauchs wissenschaftlicher Erzeugnisse erfüllt.

behind-barsDie Angeklagten sind entsprechend schuldig zu sprechen und mit der vollen Härte des wissenschaftlichen Ehrenkodex‘ zu bestrafen. Nach derzeitigem Stand der Dinge besteht die härteste Strafe darin, den Angeklagten jegliche öffentliche Förderung zu entziehen und sie mit einem Publikationsboykott in wissenschaftlichen Erzeugnissen für die Dauer von 5 Jahren zu belegen. Zum Abschluss dieser fünf Jahre haben die Angeklagten dann unabhängig von einander den Nachweis ihrer zwischenzeitlich erlangten Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten zu führen.

Die Möglichkeit einer Stellungnahme, die dem Angeklagten Baier stellvertretend für die drei Angeklagten durch Dr. habil. Heike Diefenbach im Vorfeld dieser Anklageerhebung zweifach eingeräumt wurde, wurde von den Angeklagten nicht genutzt, so dass davon ausgegangen werden muss, dass den Angeklagten auch keine Reue und somit mildernde Umstände zu Gute gehalten werden können.


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Der nächste Amoklauf kommt bestimmt: Jungenkrise als Ursache?

Walter Hollstein hat sich in einem Kommentar im Tagesspiegel zu Wort gemeldet. Amokäufe, wie der in München [von dem man sich mittlerweile fragen muss, ob ein Amoklauf mit einem Jahr Planung noch als solcher eingeordnet werden kann], so argumentiert er, seien das Ergebnis von jungen Männern „mit Problemen“, die „häufig in therapeutischer Behandlung, sozial schlecht integriert, einsam, mit dem PC als bestem Freund“ seien, Gewaltspiele dürfen nicht fehlen, Gewaltfantasien nimmt Hollstein zusätzlich an und natürlich die schlechte Berufschance aufgrund „mieser Schulkarriere“, sie vervollständigt die Zutatenliste. Woher Hollstein seine intime Kenntnis von Amokläufern hat, ist übrigens sein Geheimnis.

Die so beschriebenen Amokläufer, sie sind für Hollstein die Spitze eines Eisberges, des Eisberges der Jungenkrise. Im Vergleich zu Mädchen: Mehr Jungen als Täter in der Kriminalstatistik, ein höherer Anteil von Jungen an Förderschulen, mehr Jungen als Klienten in Erziehungsberatungsstellen, schlechtere Schulleistungen, mehr Suizidtote, so die Diagnose von Walter Hollstein.

Und die Behandlung: „Wenn wir weitere Katastrophen verhindern wollen, müssen wir uns überlegen, wie wir unseren Jungen neue Ziele, konstruktive Wege und ein anderes Männerbild vermitteln können.“

Schade, kann man da nur sagen.

Schade, dass Walter Hollstein dem Reiz nicht widerstehen kann, den Amoklauf von München zu instrumentalisieren.

Schade, dass er einen individualistischen Fehlschluss begeht und ein Einzelereignis mit gesellschaftlichen Problemen in Verbindung bringt, die damit nichts gemein haben.

Schade, dass er so tut, als wäre die Diagnose, mehr Jungen in der Kriminalstatistik, mehr Jungen auf Förderschulen, schlechtere Schulleistungen, mehr Suizidtote, ein individuelles Problem der jeweiligen Jungen und nicht ein hausgemachtes Systemproblem, der Genderista.

Schade, dass er den Jungen, die er aus der Krise retten will, einen Bärendienst erweist, wenn er nahelegt, dass ihr Männerbild die Ursache von Amokläufen wie dem in München sei.

Und besonders schade, dass er all denen in die Hände spielt, die Amokläufe wie den in München nutzen wollen, um brachiale Kausalisierungen zu verbreiten, die Zusammenhänge zwischen Fahrradschläuchen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Gewaltspielen und dem Erscheinen von Hui Buh zwischen dem Schusswechsel mit der Polizei herstellen wollen.

Das haben die Jungen nicht verdient, und Walter Hollstein sollte es besser wissen.

Er sollte wissen, dass die Kriminalstatistik seit Menschen Gedenken mehr Jungen als Täter ausweist als Mädchen. Das hat einerseits kulturelle Gründe, z.B. den, dass Jungen sich vor anderen beweisen müssen und einem Gangleben zugänglicher waren als Mädchen (das operative Wort hier ist: waren, denn der Anteil der Mädchen unter Tatverdächtigen steigt seit Jahren steil an). Und es hat Gründe der Visibilität und der Polizeipraxis, die dazu führen, dass wiederkehrend die selben Jungen als Täter ermittelt werden.

Hollstein sollte darüber hinaus wissen, dass Jungen nicht freiwillig auf Förderschulen gehen, sondern auf Förderschulen abgeschoben werden, meist unter dem Vorwand einer sozial-emotionalen Störung, worunter sich alles verbergen kann, was einem Lehrer so einfällt, um einen missliebigen Jungen loszuwerden.

Er sollte wissen, dass Schulnoten von Lehrern vergeben werden und entsprechend nicht unbedingt die Leistung von Jungen widerspiegeln. Tatsächlich zeigen entsprechende Studien, dass Mädchen selbst bei schlechterer Leistung bessere Noten erhalten als Jungen. Immerhin ist er Herausgeber des Sammelbandes “Soziale Arbeit mit Jungen und Männern, in dem Dr. habil. Heike Diefenbach entsprechende Ergebnisse veröffentlicht hat:

Hier ein Auszug: Soziale Arbeit mit Jungen und Maennern“Berechnet man weiter die Anteile von Jungen und Mädchen, die gemessen an den erreichten Punktzahlen im Mathematiktest [in PISA] über- oder unterbewertet sind [also keine korrespondierenden Noten erhalten], so zeigt sich, dass der Anteil derer, die bei der Benotung unterbewertet wurden, unter den Jungen deutlich größer ist als unter Mädchen (26,9% vs. 19,7%), während der Anteil derer, die der erreichten Punktezahl entsprechend benotet (19,8% vs. 22,5%) oder überbewertet (53,3% vs. 57,8%) wurden, unter Mädchen größer ist als unter Jungen.” (104)

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Er sollte vieles besser wissen und entsprechend deutlich benennen, dass die Indikatoren, die er für eine Jungenkrise anführt, die Konsequenz eines jungenfeindlichen Klimas sind, das Mädchenförderung zum Heil erhoben hat, an dem die Welt genesen soll.

Nun hat all das, was man als Jungenkrise beschreiben kann, überhaupt nichts mit dem Amoklauf in München zu tun und auch nichts mit dem Selbstmordattentat in Ansbach. Auch das sollte Walter Hollstein wissen, so wie er wissen sollte, dass nicht ein Männerbild, das Hollstein zwar nicht benennen kann, das aber – in was auch immer – geändert werden muss, für Handlungen verantwortlich ist, sondern Handlungsoptionen und entsprechende –gelegenheiten. Niemand handelt sprengt sich in die Luft, weil er sich für Rambo hält, so wie niemand um sich schießt, weil er die Förderschule besucht oder sozial schlecht integriert ist.

Demgegenüber haben Jungen erhebliche Nachteile in der deutschen Gesellschaft, und zwar deshalb, weil ihnen eine Genderista im Weg steht, die Mädchenförderung auf Basis von Jungenbenachteiligung durchsetzt. Das hat mit Amokläufen überhaupt nichts zu tun.

Auch das sollte Walter Hollstein wissen.

Aus welchem Grund begeht er also einen individualistischen Fehlschluss? Und warum ist ihm so daran gelegen, die Genderista aus ihrer Verantwortung dafür, dass vielen Jungen die Biographie zerstört wird, zu entlassen?


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