Ein Fall für die Psychiatrie? Verfassungrichterin sieht überall Geschlecht

Die wahnhaften Störungen (paranoiden Störungen) zählen zu den faszinierendsten und erschreckendsten Erscheinungsformen der Psychopathologie. Es gibt bei einer paranoiden Störung nur ein typisches Symptom: einen anhaltenden Wahn. Ein Wahn ist eine Überzeugung, an der starr festgehalten wird. Trotz gegenteiliger Information über ihren Inhalt und Mangel an sozialer Unterstützung für ihre Realitätsangemessenheit hat sie sich festgesetzt” (Zimbardo, 1995, S.626)”

Stellen Sie sich vor, sie laufen durch die Welt und sehen überall nur Geschlecht, nein, nicht Geschlecht, Gender (Gender ist nämlich konstruiert und Geschlecht ist nicht konstruiuert, oder so). Sie werden morgen von einem Wecker geweckt. Typisch männlich hegemonialer Wecker (der Wecker!), der keinen Widerspruch duldet und klingelt, bis man ihm den Garaus macht. Angenehme Emotionalität vermittelt dagegen die Zahnbürste, ein Gefühl von Reinheit und Sauberkeit, ebenso wie die Wäsche, bei der nur der Kragen stört, kein Wunder, den der Kragen ist ja auch männlich. Das Frühstück zeigt weitere gerndertypische Verhaltensweisen, der Kaffee ist natürlich wieder zu heiß, der tägliche Anschlag auf ihren Gaumen. Die Butter ist streichzart, die Käsescheibe ein Beispiel domestizierter Männlichkeit, und der Orangensaft ist wie immer zu sauer. Und dann treten Sie hinaus in die vergenderte Außenwelt, die Welt voller Fremder, Anderer, Andersgeschlechtlicher, die Welt in der Geschlecht, nein Gender, die grundlegende Kategorie ist, die Brille, durch die wir die Welt betrachten, wie Verfassungsrichterin Susanne Baer vermutlich aus eigener Erfahrung zu berichten weiß.

Danisch_FrauenquoteWenn Sie bislang gedacht haben, ich scherze und schreibe hier eine Glosse: Weit gefehlt! Alles hier ist toternst, so ernst, dass es in den Gewerkschafts-Blättern für deutsche und internationale Politik abgedruckt wurde und so ernst, dass Susanne Baer, deren Weg zur Verfassungsrichterin von Hardmut Danisch so detailgetreu nachgezeichnet wurde, die Verfassung ändern will. Denn, falls sie es noch nicht gewusst haben, die Verfassung ist männlich.
Um die Tragweite dieser Enthüllung bessser verdauen zu können, hier das weibliche Mitglied des Bundesverfassungsgerichts, die Richterin Susanne Baer, im Original:

Ansonsten bezieht sich das Grundgesetz … weithin nur auf Männer, denn es ist expiizit männlich formuliert: ‘Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.’ … ‘Jeder hat das Recht, seine Meinung (…)’ … ‘jedermann hat das Recht’ zur Petition. Sprachlich eindeutig auf Männer bezogene Formulierungen finden sich auch im staatsorganisationsrechtlichen Teil der Verfassung: die Einwohner (Art. 29), die Staatsbürger (Art. 33), die Vertreter des ganzen Volkes (Art. 38)…”

Ist das manisch? Da sage noch einer, Verfassungsrichter, nein, Verfassungsrichterinnen müssen Deutsch können. Ich fange am besten mit dem Indefinitpronomen (unbestimmte Fürworte) an: Jeder. Jeder bezieht sich auf eine Gesamtmenge und hebt einzelne Bestandteile hervor (was “jeder” von “alle” unterscheidet). Für Frau Baer ist “jeder” nun kein Indefinitpronomen, sondern männlich, nicht etwa baergrammatikalischen Geschlechts männlich, nein, biologischen Geschlechts männlich, denn nach Ansicht von Frau Baer meint “jeder” nur Männer. Wenn ich also schreibe: Jeder Verfassungsrichter, der nicht in der Lage ist, zwischen einem grammatikalischen und einem biologischen Geschlecht zu unterscheiden, ist zu entlassen, dann fühlt sich Frau Baer nicht angesprochen, denn nach ihrer Vorstellung ist sie kein Verfassungsrichter, sondern eine Verfassungsrichterin. Um sie los zu werden, müsste man also jeder Verfassungsrichterin, die kein Deutsch kann, den Stuhl vor die Tür stellen. Nein, jetzt hat sich doch das ‘jeder’ glatt im Dativ eingeschlichen. Im Dativ werden wir Susanne Baer also nicht los, da hilft nur der Akkusativ. Mehr als Akkusativ werden wir in der Welt von Baer auch nicht haben, jedenfalls dann nicht, wenn wir ihrer Geschlechtsmanie gerecht werden wollen (Genitiv geht auch noch, wie ich sehe)., In jedem Fall ist die Deklination von Indefinitpronomen, die das Pronomen ein männliches grammatikalisches Geschlecht annehmen sieht, verboten: Wer Baer loswerden will, braucht Akkusativ.

Nun zu den Einwohnern, den Staatsbürger, bei denen die Verfassunsrichterin Baer den weiblichen Anhang vermisst. Deshalb weiß Baer, die Einwohner sind so männlich wie die Ameisen, die Kartoffeln, die Besserverdiener oder die Katholiken. Bei den betreffenden Kollektivbegriffen ist es wie bei den Indefinitpronomen, sie bezeichnen eine Menge, die Menge der Einwohner, der Katholiken, der Kartoffeln. Über die Zugehörigkeit zur entsprechenden Menge entscheidet das Kriterium “Kartoffel”, “Einwohner von X” oder “Religionszugehörigkeit: katholisch”, aber nicht das Geschlecht, auch wenn sich Frau Baer in ihrer Gendermanie das gar so sehr wünscht.

Angesichts dieser Verballhornung der deutschen Sprache, die uns weit hinter die Gebrüder Grimm zurückwirft, kann man eigentlich nur hoffen, dass irgend jemand (noch so ein Indefintivpronomen, dieses Mal im Nominativ und für Frau Baer vermutlich nicht weiblich genug) die Texte von Frau Baer Korrektur liest, jedenfalls dann, wenn irgend jemand verhindern will, dass sich das Bundesverfassungsgericht lächerlich macht; so lächerlich wie Frau Baer, die in ihrem Beitrag zu den “Blättern für nationale und internationale Politik” die folgenden Sätze veröffentlicht:

‘Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.’ Nicht nur sprachlich bezieht sich dieser Satz auf Männer. Auch faktisch war und ist die freie Entfaltung der Persönlichkeit vergeschlechtlicht. Das zweite Rechtssubjekt, der Bürger als Grundrechtsträger, als Mann, hatte historisch völlig andere Entfaltungsmöglichkeiten als die Frau…”

Es ist dies eine doch massive Verallgemeinerung, was etwas überraschend ist, da Baer in ihrem Text (zu Beginn des Textes und nach einigen Seiten des Fabulierens ist das offensichtlich vergessen) vor einer “stereotype[n] Reduktion auf das Geschlecht” auf “die Frauen” gewarnt hat (Männer darf man offensichtlich stereotypisieren). Davon weiß Frau Baer ein paar Seiten weiter und gemäß dem Motto, was kümmert mich mein Geschwätz von vor zwei Seiten, nichts mehr. Und erst einmal in Fahrt beglückt sie ihre Leser gleich mit weiteren Einsichten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

language_is_key“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Da steht der Mensch im Mittelpunkt, endlich und gegen die Schrecken nationalsozialistischer Herrschaft mit ihrem völkischen Rassismus [So jetzt haben wir das Dritte Reich endlich auch unter. Das ist immer gut, wenn man Punkte für sich machen will, die affektiv und nicht inhaltlich sind… Bei manchen klappt’s.]. Das ist ein entscheidender Schritt in der großen Geschichte der Moderne, des Rechtsstaats, des Konstitutionalismus mit der Bindung an die Grundrechte. Doch muss auch dieses Fundament kritisch reflektiert werden. Historische Untersuchungen zeigen sehr deutlich, dass ‘Würde’ ein durchaus geschlechtsspezifisches Konzept ist: die Würde des Mannes, die schnell zur errungenen Ehre wird, ist dann ganz verschieden von der Würde der Frau, die schnell zu Tugend, Sittsamkeit und Scham muitiert.”

Wir lernen, dass manche Abstrakta empirisch unterschiedlich gefüllt werden können. Wir lernen, dass diese Unterschiede Frau Baer nicht passen, weil sie offensichtlich mit Sittsamkeit und Tugend und mit Scham ein Problem hat und mit Ehre vermutlich auch. Vor allem aber hat sie ein Problem mit Individualität und damit, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge in ihrem Leben wichtig und richtig und würdevoll finden. Frau Baer träumt offensichtlich von einer gleichgeschalteten Welt, vom umfassenden Sozialismus, in dem es keine Unterschiede mehr gibt, in der sich die Intersektionalität, wie das in Genderkreisen heißt, aufgelöst hat, in der sich also keine sozialen Unterschiede mehr finden.

Ich finde diese Idee in genau einem Punkt ansprechend, verspricht sie doch eine Möglichkeit, Genderisten wie Frau Baer loszuwerden. Nun, da wir wissen, dass das Amt des Verfassungsrichters für weibliche Richter nicht mit Würde, sondern mit Scham und Tugend verbunden ist, und Frau Baer davon nichts hält, wäre es doch sinnvoll, das entsprechende Amt ganz ohne Scham abzuschaffen – oder? Das wäre auch ein Beitrag, um die sozialen Verwerfungen in der Gesellschaft, wie sie durch Intersektionalität entstehen, also dadurch, dass Frau Baer für ihren Unsinn fürstlich entlohnt wird, während Karl X täglich bei der Müllabfuhr Schwerstarbeit verrichtet und nur einen Bruchteil dessen verdient, was Frau Baer für die Bereitstellung von Unsinn als Mitglied des Bundesverfassungsgerichts erhält, zu beseitigen.

bearOder setzen wir Richterinnen wie Frau Baer auf Wasser und Brot bis sie gelernt haben, die deutsche Sprache zu bedienen. Aber das wird wohl nicht gehen, und deshalb wird Frau Baer auch weiter versuchen, uns einen Baeren aufzubinden, und weiterhin werden wir lesen müssen, dass Frau Baer auf den ersten Seiten ihrer Beiträge z.B. gegen die Versorgerehe ins Feld zieht, um gegen Ende ihrer Beiträge zu enthüllen, dass sie eigentlich nichts gegen das Arrangement einzuwenden hat, das Frauen zu Hause bleiben und Kinder aufziehen sieht, während Männer das Geld verdienen. Das einzige, was Frau Baer daran stört ist, dass die “Care”-Arbeit der Frauen, die zuhause bleiben [wozu sie übrigens niemand gezwungen hat] nicht bezahlt wird: “Erziehungsarbeit, Pflegearbeit, Beziehungsarbeit, Hausarbeit, also das gesamte Spektrum der Reproduktionsarbeit”. Wie gut Frau Baer sich vermutlich bei dieser Forderung fühlt und wie schlecht sie sich fühlen würde, würde man von ihr verlangen, dass sie ihrer Haushaltshilfe ein Gehalt zahlt, das nicht in unmittelbarer Nähe zum Mindestlohn rangiert, also z.B. 30 Euro pro Stunde, ist jedermanns “guess”. Ich meine dennoch, wenn man die Beseitigung der Intersektionalität der Gesellschaft, der sozialen Ungleichheit auf seine Fahnen geschrieben hat, dann sollte eine angemessene Bezahlung der eigenen Haushaltshilfe doch möglich sein, oder?

Aber natürlich wird Frau Baer nichts von ihrem Gehalt abzwacken, um die sozialen Unterschiede in Deutschland, von denen sie so gut lebt, zu beseitigen. Darum geht es ihr auch nicht. Sie will nichts in der Empirie ändern, sondern ihre fixen Ideen durchsetzen und damit wäre ich wieder bei der Definition angekommen, die diesen post eingeleitet hat. Und so bleibt nur zu fragen, was Genderisten als nächstes entwürdigen wollen. Lehrer will kein anständiger Mensch mehr werden, Politiker wollte ein anständiger Mensch sowieso nur widerstrebend werden und Verfassungsrichter will nun auch niemand mehr werden, der noch alle fünf Sinne beisammen hat. Insofern – um einmal Dr. habil. Heike Diefenbach zu zitieren – hat Frau Baer nicht nur Frauen, sondern uns allen einen Baerendienst erwiesen.

P.S.

Ich danke Arne Hoffmann dafür, mich auf den Unsinn von Verfassungsrichterin Baer aufmerksam gemacht zu haben. Arne hat das Thema in seinem Blog auch schon behandelt.

Frau Baer und der von Ihr verbreitete Unsinn hat auch Hadmut Danisch zu einem post inspiriert: Über die Lächerlichkeit des Bundesverfassungsgerichts

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25 Responses to Ein Fall für die Psychiatrie? Verfassungrichterin sieht überall Geschlecht

  1. T.R.E.Lentze says:

    Wer hat es denn soweit kommen lassen, daß Frau Baer in Amt und Würden versetzt wurde? Da haben doch wohl einige Männer ihre Aufsichtspflicht verletzt. Dafür werden sie sich irgendwann zu verantworten haben, vermute ich. Zumindest wird die Geschichte ihr Urteil über sie sprechen.

    Aber nun ist es passiert. Wir Deutsche haben immer mehr wirkliche Gründe, uns zu schämen. Denn die Unmündigkeit, aus der wir handeln und die wir durch Unterlassung noch multiplizieren, ist selbstverschuldet.

    • Jürgen says:

      Es waren die Grünen.

      Leute, die Sache ist nicht mehr lustig!
      Noch mehr solcher Figuren am Verfassungsgericht, und das Grundgesetz ist de-facto abgeschafft!

      Diese Person muß raus!

  2. qed says:

    Geschichte wiederholt sich- als Farce

    Hier:
    http://www.politplatschquatsch.com/2012/12/todesstrafe-fur-klimaleugner.html

    hat just ein ordentlicher Professor an einer austriakischen Universität die ‘prophylaktische Todesstrafe’ für Klimaleugner gefordert.

    Das Standardwerk “SCUM, Manifesto for cutting up men” der feministischen Heldin Solanas mit den ekelhaftesten Massenmordphantasien an Männern ist seit Jahrzehnten auf den feministischen Bestsellerlisten, illustre Figuren wie diese hier sind langjährig Vorsitzende von Womans Lib in USA:
    http://wikimannia.org/Andrea_Dworkin
    “Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel im Maul eines Schweins.”

    Hier “Normalfälle” der bundesdeutschen Justiz:
    http://wikimannia.org/WikiMANNia:Hauptseite
    In die Millionen geht die Zahl der Männer, die seit der ‘Jahrhundertreform des Ehe- und Familienrechts’ durch den rechtsethisch nicht begründbaren Molloch “Geschiedenenunterhalt” zu bis unter das Existenzminimum gepressten Zahlsklaven, ebenso viele Kinder zu persönlichkeitsdepravierten Psychokrüppeln wurden im Namen des Alleinerziehendenfetischismus.
    Karrieren- eine reine Frage des Geschlechtsteils:
    DAS ist die Ideologie der Gesinnungs- Stalinistin Baer.

    Wir sehen: Der linke ökologisch- genderistisch- industrielle Komplex hat die Grenzen der “repressiven Toleranz” ihres Gurus Marcuse längst überschritten. “Wird schon nicht so schlimm werden”- so der Selbstbetrug deutscher Juden 1933.
    Auswandern aus dem Chaos einer sich auflösenden Kultur ist eine nahezu zwingende Alternative. Individuelle Bewaffnung bis an die Zähne und Militanz eine andere!

  3. Reinecke54 says:

    Die frau hat doch recht. Es heisst im Art. 12A ja auch: Jeder kann vom vollendeten 18. lebensjahr zum dienst an der waffe herangezogen werden. Oder doch nicht?

  4. …leider habe ich nicht herausfinden können, auf welche Weise ein Artikel versandt werden kann (per eMail). Geht das überhaupt (wäre ja sinnvoll)? Dankbar für Hinweise: Ihr Dr. Fritz Baur

  5. Michel Houellebecq says:

    Nur so aus tropischer Ferne betrachtet (hier haben wir z. Z. gut 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bei etwas über 30 Grad Celsius): Gleichheit fordern diese Exponentinnen- und sie werden in ihrem Wahn (=fixe Idee im pathologischen Sinne) nicht eher ruhen, bis alle und alles buchstäblich dem Erdboden gleich gemacht worden ist! Die abendländische Kultur in Zeiten der Cholera- mir graust’s..! Ich halte den Poststrukturalismus- und den damit zwangsläufig verbundenen Kulturrelativismus- für eine veritable Geisteskrankheit unserer Zeit.

  6. Pingback: Feministin schützt Verfassung — Agens e.V.

  7. TheMan says:

    “Baer träumt offensichtlich von einer gleichgeschalteten Welt, vom umfassenden Sozialismus…”

    Liebe maskulistische Freunde, bei aller Wertschätzung – malt doch bitte nicht immer diesen sozialistischen Teufel an die Wand. Damit treibt ihr die Feministen und Sozis nur noch enger zusammen, anstatt sie zu spalten. Die gehören nämlich überhaupt nicht zusammen. Das war vor hundert Jahren vielleicht mal anders, als die Frauenbewegung noch emanzipatorisch war und nicht Gleichstellung, sondern Glechberechtigung anstrebte. Letztere ist aber seit vielen Jahrzehnten gegeben, trotzdem wird das tote Pferd aus Gewohnheit weiter geritten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass langsam immer mehr Linke verstehen, welche Nattern sie an ihrer Brust gesäugt haben. Alain Soral zeigt z.B. recht eindrucksvoll, dass Feminismus eigentlich schon lange keine linke Angelegenheit mehr ist, sondern eine bourgeoise. Arne Hoffmann und andere Linke demaskieren den faschistoiden Kern des modernen Feminismus. Andererseits zeigen immer mehr rechte/konservative Politiker, wie sehr sie sich bereits dem Feminismus und Genderismus verschrieben haben, während Alice Schwarzer ungeniert mit Rechtskonservativen in ein gemeinsames Horn bläst. Das alles zeigt doch, dass die Grenze des Feminismus nicht mehr zwischen Links und Rechts verläuft.

    • TheMan,

      ich wünschte, ich könnte Deine Träume teilen. Feminismus ist nichts anderes als Sozialismus, wie sich schon daran zeigt, dass es den Feministen um Verteilungsgleichheit und nicht um Gerechtigkeit geht, wie es auch Sozialisten immer um Verteilungsgleichheit geht. Beide teilen den Disrespekt vor Individuen und beide sind kollektive Ideologien, die nichts dabei finden, wenn man Individuen eben einmal in Gruppen einteilt und auf Grund von Gruppenzugehörigkeit entweder diskriminiert oder bevorzugt. Und das ist nur ein Teil der Gemeinsamkeiten. Lies doch einfach einmal den Text, den Dr. habil. Heike Diefenbach über das Patriarchat geschrieben hat, dann gehen Dir vielleicht die Kronleuchter auf. Sozialismus war übrigens immer eine Bourgeoise Angelegenheit (vielleicht von 1878 bis 1880 nicht), nicht umsonst sind, vielleicht mit Ausnahme von Ernst Troller, die meisten sozialistischen Parteiaktivisten aus gut bürgerlichem Haus, Arbeiter findest Du eher selten bei Sozialisten.

      • Michel Houellebecq says:

        Stimmt, sowohl die Vordenker der Kommunisten als auch der Sozialisten stammten nie oder nur selten aus Arbeiterfamilien! Das ist eine ausgesprochen bemerkenswerte Feststellung!

    • qed says:

      Nun, ‘TheMan’, es wäre hilfreich, nicht andauernd Begriffsverpantschung zu betreiben: das alte ‘rechts’- ‘links’- Schema hat sich überlebt im Rahmen der allgemeinen Sozialdemokratisistisierung der Macht (dem Dr. Baur etwas weiter oben sagt das sicher was!), deren Erhalt nunmehr durch Gewährung vermeintlicher sozialer Wohltaten durch restriktive Umverteilung gewährleistet ist; ‘rechts’ in der ursprünglichen Bedeutung gibt es nicht mehr, sondern ist zum beliebig füllbaren Pfui- Wort der Meinungsbildner geworden. Oder wollen Sie die CDU als ‘rechts’ bezeichnen? Come on! Das ist allenfalls zulässig innerhalb der real exisitierenden SED der deutschen Parteienlandschaft.
      Genauso haben Begriffe wie ‘bourgeois’ einen Bedeutungswechsel erfahren- was ist denn bourgeoiser als die grünroten Parteigänger, die sich auf den sicheren Pöstchen des Öffentlichen Dienstes seit Jahrzehnten breitgemacht haben?
      Mit dieser biblischen Plage verschwand auch der Begriff ‘reaktionär’, der vor 40 Jahren noch jedes zweite Wort in den roten Postillen bildete: sie sind selbst Inbegriff des Reaktionären geworden!
      Es ist auch nicht hilfreich, mit solchen Allerweltsvokabeln wie ‘faschistoid’ nach alter linker Gutsherrenart um sich zu werfen: was soll das sein? ‘Hitlerfaschismus’- um eine beliebte Propagandavokabel aufzugreifen, hat es nie gegeben. Eine Erfindung der 68er um zu verschleiern, daß es sich lediglich um die nationalistische Variante des Sozialismus handelte. Wir buchstabieren: NSDAP. Was draufstand, war auch drinne.
      Faschismus gab es in Italien und Spanien und gut is.
      Es ist vielmehr angebracht, an die Wurzel des heutigen, ‘politisch korrekten’ Mainstreams zu gehen und das sind ohne jeden Zweifel die neomarxistischen Ideologismen der ‘Frankfurter Schule’- verblüffend ähnlich dem Genderismus, mit den gesellschaftszerstörerischen Dogmen eines Gramsci oder Lukas und von Adorno bis Marcuse wurde ‘die Frauenbewegung als neue Speerspitze der Weltrevolution’ proklamiert- wenn das mal nicht ‘links’ ist! Vielleicht lesen Sie mal nach, was es mit Begriffen wie ‘repressive Toleranz’ oder ‘polymorphe Perversion’ so auf sich hat und Sie finden sich augenblicklich in der Vorlesung eines Gender- Lee(h)rstuhls wieder.
      Alter Wein in neuen Schläuchen- neuerdings gewürzt mit dem Zyankali eines schuldenbasierten Finanzkapitalismus- Goldman- Sachs als Komplize der sozialdemokratistischen Machteliten- da dreht sich Marx nun wirklich im Grabe um und Adorno könnte ein neues Kapitel schreiben über die Perversionen des Machterhalts der roten Zaren.
      Und wieder hat Solschenyzin recht behalten:
      Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert.

      Arne Hoffmann und andere Linke demaskieren garnichts. Sie sind geduldeter Teil des Systems. Gelebte ‘repressive Toleranz’ halt.

      • TheMan says:

        Tut mir leid, aber “Sozialdemokratisistisierung der Macht” ist blanker Unsinn. Ich habe die Zeit unter den letzten sozialdemokratischen Kanzlern Brandt und Schmidt noch mit erlebt (Schröder zähle ich nicht dazu und natürlich erst recht nicht Merkel). Von dieser Zeit sind wir heute so weit entfernt, dass ich jedem, der die og. Behauptung aufstellt, vehement abspreche, einen klaren Verstand zu besitzen.

        • Ich lasse diesen Kommentar ausnahmesweise durch, auch wenn er lediglich aus Behauptungen und nicht einem einzigen Beleg besteht. In Zukunft bitte ich jedoch darum, die Kommentare mit Begründungen zu versehen, denn Gefühle und persönliche Zustände sind nichts, was man argumentativ bearbeiten kann.

          Als jemand, der mit Albrecht Müller, ehedem Chef im Kanzleramt unter Willy Brandt Wahlkampf gemacht hat, kann ich mich auch noch und Recht gut an die Zeit unter und kurz nach Schmidt erinnern und aufgrund dieser Erinnerung und aufgrund der Tatsache, dass mit dem Radikalerlass unter Schmidt das Ende einer freiheitlich orientierten und der Anfang einer sozialstaatlich ausgerichteten Sozialdemokratie eingeläutet wurde, halte ich die Aussage von QED für richtig. Wo vertritt denn eine Partei von links bis rechts etwas anderes als eine Politik sozialstaatlicher Wohltaten? Wo gibt es eine Partei, die freiheitlich orientiert ist und Individuen Freiheiten einräumt, anstatt sie in Gruppen einzuteilen und sie mit “Rechten” einzuschränken? Diese “Sozialdemokratisierung der Gesellschaft”, der Abbau von Freiheit und die Abkehr von einer freien Marktwirtschaft hat bereits unter Schiller angefangen, damals wurde die Marktwirtschaft in den Dienst sozialer Wohltaten gestellt und es wurde geplant und vorgegeben. Damit hat der Abbau von Freiheitsrechten seinen Anfang genommen und heute sehen wir die Folgen davon: einen gesellschaftlichen Niedergang, der dadurch getrieben wird, dass das Hauptaugenmerk von Parteien darauf liegt, die eigene Klientel zu bedienen, ihnen soziale Wohltaten angedeihen zu lassen. Das ist eine sozialdemokratische Politik, denn es war immer Inhalt sozialdemokratischer Politik, nach Gusto umzuverteilen.

        • TheMan says:

          Ihr scheint von einem anderen Land zu sprechen. Ich spreche von eine Land, das in abwechselnden Koalitionen neoliberaler Blockparteien herunter ge(vettern)wirtschaftet wurde. Ich spreche von einem (sowohl finanziellen wie auch kulturellen) Lumpenproletariat, das genau in diesen Jahren entstanden ist. Ich spreche von einer bis auf die Knochen verängstigten Mittelschicht, die sich krampfhaft an die ihr noch verbliebenen Besitztümer klammert. Ich spreche von einem Land, das zu großen Teilen in Angst verharrt und sich nicht mehr traut, den Mund aufzumachen. Wo sollen hier die sozialen Wohltaten sein, von denen Ihr phantasiert? Etwa die milden Gaben zur Euro-Rettung und für Griechenland (größtenteils zu Gunsten von Banken)?

          Brandt war der einzige und letzte Sozialdemokrat, den ich gewählt habe. Ich will ihn (und erst recht nicht Schmidt) aber bestimmt nicht zu Heiligen hoch stilisieren. Inzwischen weiß ich auch, dass sie die Verschuldungs-Büchse der Pandora geöffnet haben, die bis heute keiner mehr geschlossen kriegt. Ich weiß aber auch, dass unter Brandt weder Unternehmer noch Arbeiter Mangel leiden mussten. Jeder konnte es mit ein wenig Fleiß zu einer Villa oder zumindest zu einem kleinen Häuschen bringen. Heute können viele Männer nicht einmal eine Familie ernähren. Es ist bald wie mancherorts in der Dritten Welt, wo sich nur die Wohlhabenden Frau und Familie leisten können. Der Sozialismus, der Neoliberalismus und der Gender-Feminismus sind inzwischen einträchtig gemeinsame Diener der gesellschafts- und familienzerstörenden Agenda des globalisierten Großkapitals. Das ist es, was ich anprangere.

          • Oh Man, wie wäre es mit ein wenig Erweiterung des Horizonts, etwa durch die folgende Hypothese, dass sich der “kleine Mann” keine Villa mehr ersparen kann, liegt daran, dass ihm durch Steuern und Abgaben zu wenig bleibt, und das, was ihm bleibt… Das ist kein Ergebnis des Neoliberalismus, sondern des wuchernden Sozialstaats, den die SPD geschaffen hat … Was ist an Schröder eigentlich neoliberal? Hast Du irgend eine Ahnung, was Neoliberalismus ist? Schon mal was von Walter Eucken gehört? Von der Freiburger Schule?
            Als Arbeiterkind kann ich Dir sagen, dass Arbeiter sich einen freien Markt sehnlichst herbeiwünschen, einen Markt, auf dem sie ihre Arbeitskraft entsprechend ihrer Leistung verkaufen können und auf dem sie nicht mit Funktionären konfrontiert sind, die sie paternalisieren und daran hindern wollen, ihre Lebenssituation zu verbessern und die Arbeiter, die ich kenne, wollen auch keine Umverteilung, weil sie nämlich außer Spesen nichts davon haben, während mit ihrem Geld Genderlehrstühle und dergleichen überflüssiger Unsinn bezahlt wird.

        • qed says:

          Die übliche Begriffsverwirrung. Was ist ‘neoliberal’?
          Der Umstand etwa, daß Sozialdemokratisten mit dem Bösen an sich- Goldman- Sachs und Konsorten aus der Zockerszene gemeinsame Sache machen dürfen? Nö, denn ohne die Zockerszene und die ihnen (von Sozialdemokratisten!) gewährten Privilegien wäre eine derart alptraumhafte Verschuldung der westlichen Staaten schlicht nicht möglich gewesen- es ist ein Novum, daß Hardcore- Kapitalisten und sozialistische Wohltäter im Eigeninteresse zu siamesischen Zwillingen werden: in den Siebzigern nannte man dies Staatsmonopolkapitalismus.
          Erhard war neoliberal. Nach ihm niemand mehr.
          Das Schlimmste ist, ‘neoliberal’ auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu reduzieren. Es ist eine GEISTESHALTUNG, die natürlich die Hofschranzen einer seit Jahrzehnten widerlich am Mitregieren klebenden Elendstruppe wie der sog. FDP mit ihren Schießbudenfiguren nicht vermitteln. Das heißt einfach: WENIGER Staatin, WENIGER Politisches, mehr Privates und mehr SELBSTVERANTWORTUNG.

          Ich stamme aus der niedersten Schicht, der mittellosen, heimatvertriebenen Pariaszene, denen eine Schmarotza Grünrot- Rotz den Privilegiertenstempel aufzudrücken sucht: die hat im Gegensatz zu der gescheiterten Studentin Roth buchstäblich mit Nichts angefangen, unter harten Entbehrungen ihre Kinder zum Streben animiert, ohne pausenlos die Hand aufzuhalten und nach der Staatin zu greinen- eine gewissermaßen asiatische Geisteshaltung läßt grüßen. Meine Altvorderen würden sich zu Tode schämen, müßten sie ein Almosen von solch einer Staatin nehmen, die selbstverständlich Konsens verlangt dafür und ich mich, hätte ich ihre Erwartungen nicht erfüllt- mit Geldbesitz hat das nicht das Geringste zu tun, sondern mit sowas Altmodischem wie Ehre, Stolz und Selbstachtung- vielleicht ein wesentlicher Grund, warum debile, analphabetische Import- Schmarotzer die hiesige Gesellschaft ob des Mangels daran als feige, verfaulende Schweinefleischfresser verhöhnen dürfen. Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei der archaische Unterschied zwischen der männlichen Schamgesellschaft und der weiblichen Schuldgesellschaft, die uns dabei anspringt und zielsichere Prognosen hinsichtlich des Verfalls derselben zuläßt.

          Herbert Fram und den Tausendsassa Schmidt, der als bester CDU- Kanzler gehandelt wird, den wir je hatten, habe ich einst auch als SPD- Mitglied bejubelt und verehrt.
          Irgendwann sah ich es nüchterner: Brandt alias Fram war ein womanizerisch aufgelegter Alkoholiker mit zu sehr auf Geschlechtsteile und Brandy eingeschränktem Horizont und Schmidt ein selbstverliebter Egoman, der derzeit mit sabbernder Senilität den toten EUSSR- Gaul reitet, bis alles in Scherben fällt. Unter seiner Ägide als Mitherausgeber gerierte sich schließlich die “Zeit” als das niederträchtigste, genderistisch- linkssozialistische Lügenblatt, das die Welt je gesehen hat seit der ‘Prawda’: niemand kann behaupten, er hat diese Metamorphose zum Propagandablättchen für eso- grünrote LeererInnen nicht zu verantworten.

          Es ist ein Zeichen von Größe, derartigen Rattenfängern eben nicht mehr zu folgen.
          Somit folgt zwangsläufig die Frage, was Sie am Begriff ‘Sozialdemokratisistisierung’ auszusetzen haben.

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  9. Hans Meier says:

    Im nicht demokratisch legitimierten zentralen „EU-Machtapparat Brüssel“, spiegelt sich m.E. auch ein „Neo-Feudalismus“ eines „Kommissions-Adels“ wieder, der sich mit sozialistischen Verordnungen, zu unsinniger Bevormundung der Untertanen aufschwingt und seinen persönlichen finanziellen Vorteil weiter im Auge hat.
    Welche Motive diese „EU-Prinzen und Prinzessinnen“ zu ihrem „Verordnen“ verleiten oder wer sie steuert, sich als „politische Elite“ zu präsentieren, um der EU-Bevölkerung etwas aufzuzwingen, zeigt sich bei näherer Betrachtung, als weder tauglich noch sonst von echtem Nutzen für die Europäer mit gemeinsamen vernünftigen Anliegen.
    Weder die sektiererische Gender-Ideologie ist ein Fortschritt, eher nur ein Indiz für Verwirrtheit, und dass auf luxuriös hohem Niveau einer sich als „Mode-Wissenschaftler“ gebärdenden Zeit.
    Die „Klima-Katastrophen-Wissenschaft des IPCC“ lässt in Verbundenheit grüßen und hat sich schon viel effizienter vermarktet.
    Denn da geht’s ans große Geld, an die weiteren Umverteilungen von Visionären, nicht nur die Geschlechter und Privilegien anders zu arrangieren, sondern darum Geld zu „produzieren“ und in Umlauf zu setzen, was zwar nicht durch reale Wirtschaftsleistung entstand oder etwa gedeckt wäre – aber die „Verhältnisse“ der „Hof-Haltungen“ erhalten soll.
    Letztlich entpuppt sich auch diese „Eurovision“ als ein Experiment, was an der Realität scheitern wird.
    Eben an den Visionen, für die sowohl frühere wie heutige „Hofnarren + Närrinnen“ anfällig bleiben, in selbstverliebter Eitelkeit, Positionen zu besetzen denen sie nicht wirklich gewachsen sind, weil sie keine intelligenten Lösungen haben, aber die Probleme verursachen die ihre Inkompetenz entlarven.
    Wir werden Geduld haben müssen, und erleben wie sich die Dinge weiterentwickeln.
    Die Realität des Faktischen wird sich nicht verflüchtigen.

  10. user unknown says:

    > … Adorno bis Marcuse wurde ‘die Frauenbewegung als neue Speerspitze der Weltrevolution’ proklamiert-

    Darf ich fragen wo Adorno derartiges behauptet, ob geschrieben oder gesagt hat? Demnächst wird er wahrscheinlich noch als alter Jazzmusiker vorgestellt.

  11. qed says:

    Ich möchte die verehrte Leserschaft hinweisen auf einen weiteren Blog, der das Thema mit Brillanz bearbeitet:
    http://www.danisch.de/blog/2012/12/30/uber-die-lacherlichkeit-des-bundesverfassungsgerichts/

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