Die ewigen Dummchen: Das Frauenbild des Genderismus

Dass sich ScienceFiles regelmäßig mit Themen beschäftigt, die dem Bereich “Gender ” zuzuordnen sind, hat eine ganze Reihe von Gründen. Die wichtigsten dieser Gründe, sind die folgenden:

  1. Gender”forschung” ist eine Gefahr für die Wissenschaft, denn Gender”forschung” ist in weiten Teilen Ideologie und wird von Personen betrieben, die nicht einmal die rudimentärsten Formen wissenschaftlichen Arbeitens beherrschen.
  2. logo_fam_hochGender”forschung” ist Teil einer Staatsfeministischen Agenda, deren Ziel darin besteht, Universitäten von Stätten des Wissens zu Kindertagesstätten der ideologischen Indoktrination umzuformen, oder wie man mit Harold Garfinkel sagen kann: gender dopes zu entwicklen, also Gender-Trottel in Deutsch, Personen, die nur noch in “Innen” funktionieren können und das Denken gänzlich verlernt haben.
  3. Gender”forschung” erhebt den Anspruch, Wissenschaft zu sein und versucht diesen Anspruch, durch die angebliche Verwendung wissenschaftlicher Methoden und Konzepte zu belegen. Wer für sich in Anspruch nimmt, Wissenschaftler zu sein, hat also eine erhebliche Motivation (oder sollte sie doch zumindest haben), sich von Gender”forschung” zu differenzierung und Letztere als den Hokuspokus zu enttarnen, der sie nun einmal ist.
  4. Gender”forschung” ist ein Dauerthema an Universitäten, da unter dem Deckmantel der Gleichstellung immer mehr Ressourcen, die eigentlich für Bildung vorgesehen waren, in Gender”forschung” kanalisiert werden. Entsprechend drohen Genderthemen zum Karriere”maker” für Ideologen und Opportunisten in gleicher Weise zu werden. Dass diese Drohung real ist, zeigt die wachsende Menge des unter dem Dach der Gender”forschung” produzierten Unsinns.

Wir halten es vor diesem Hintergrund für unsere Pflicht, der Flut von Gender-Unsinn entgegen zu treten und die Mimikry der Wissenschaftlichkeit, die die entsprechenden Beiträge eint, zu beseitigen. In diesem Sinne wollen wir unsere Leser heute in die Welt der Gender”forschung” mitnehmen. Dieses Mal geht es um Teilzeitbeschäftigung.

Teilzeitbeschäftigung hat für Gender”forscher” eine besondere Bedeutung, denn Teilzeitbeschäftigung ist etwas, was vornehmlich Frauen ausführen. Zudem verbinden sich mit Teilzeitbeschäftigung, wie man in einem Beitrag von Lena Hipp und Stefan Stuth lernen kann, den die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie für veröffentlichungswert befunden hat, folgende Erkenntnisse:

“Teilzeitarbeit ist mit einem geringeren Einkommen verbunden und kann, vor allem in der Akkumulation über einen langen Zeitraum, zu Altersarmut führen. … Teilzeitbeschäftigte haben außerdem geringere Aufstiegschancen in Unternehmen und nehmen seltener an Weiterbildungen teil als Vollzeitbeschäftigte (Hipp & Stuth, 2013, S.104).”

teilzeit
Falls noch jemand gedacht hat, Gewerkschaften hätten Niveau …

Wir lernen hier etwas über die seltsame Logik des Genderismus, denn es wird offensichtlich als ungerecht oder doch zumindest veränderungsbedürftig angesehen, dass Teilzeitbeschäftigte weniger verdienen und schlechtere Karrierechancen haben als Vollzeitbeschäftigt. Entsprechend laufen die Bemühungen, Teilzeitbeschäftigung “aufzuwerten” und gegenüber Vollzeitbeschäftigung gleichzustellen, auf vollen Touren, wie man dem zitierten Absatz entnehmen kann, der noch vor wenigen Jahrzehnten, als es ganz normal war, dass wer sich mehr anstrengt, mehr arbeiten, besser verfügbar ist und mehr Einsatz zeigt, auch für dieses Mehr besser entgolten wird, nicht möglich gewesen wäre. Heute findet er sich ganz selbstverständlich in “wissenschaftlichen” Veröffentlichungen, deren Ziel darin besteht, die Determinanten von Teilzeitarbeit unter Managern zu bestimmen.

Ich will an dieser Stelle nur der Ordnung halber darauf hinweise, dass (1) niemand zur Teilzeitarbeit gezwungen wird, (2) es Vollzeitbeschäftigten gegenüber eher schwierig sein wird, ein gleiches Gehalt für Teilzeitbeschäftigte zu legitimieren oder gar als gerecht auszuweisen, und (3) vor allem wird es schwierig sein noch jemanden, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, zu Vollzeitbeschäftigung motivieren zu können, wenn er für Teilzeitarbeit dasselbe Einkommen und die selbe Rente erhalten soll.

Dieser “ordnungspolitische” Einwurf bezieht sich natürlich auf Gerechtigkeit. Aber für Genderisten geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Gleichheit, um Gleichstellung, also darum, Gerechtigkeit um der Gleichheit willen aufzugeben. Entsprechend wird Teilzeitarbeit, die zwar für Unternehmen weniger wert ist als Vollzeitarbeit, gleichgestellt, in dem z.B. die in Teilzeit stattfindende Fertilität in die Gleichung eingeführt wird und Vollzeitbeschäftigten nunmehr vorgerechnet wird, dass sich Teilzeitbeschäftigte in der Zeit, in der sie nicht wie Vollzeibeschäftigte arbeiten, um die Familie kümmern. In der Weltsicht der Genderisten fungiert dies als Work-Life-Balance und gemeint ist damit die nach ihrer Ansicht einzige Art, selig zu werden.

modern lifeDass man ihre Weltsicht nicht teilen könnte, ist indes etwas, das Genderisten für unmöglich ansehen, schon weil ihre Toleranz bereits den Gedanken, jemand könnte etwas anders sehen als sie, kaum zulässt und wenn ihnen der entsprechende Gedanke doch einmal kommt, dann reagieren sie regelmäßig und wie Pawlows Hund mit einem Reflex, der in 99 von 100 Fällen den Begriff “Sexismus” als Reaktionsform auswirft. Damit bin ich zurück bei den Teilzeitbeschäftigen, deren Relevanz für Genderisten natürlich daraus erwächst, dass sie in ihrer Mehrzahl weiblichen Geschlechts sind.

Weil Teilzeitbeschäftigte weiblichen Geschlechts sind, weil weibliches Geschlecht in der Religion der Genderisten das Geschlecht der Gesalbten ist und weil Teilzeitbeschäftigte weiblichen Geschlechts, die Teilzeitarbeit auf sich nehmen, um die Genderisten mit Nachwuchs zu versorgen und sich als fertil zu erweisen, deshalb ist es erste Genderistenpflicht, Teilzeitbeschäftigung vom Stigma des “hier arbeitet jemand weniger und bekommt deshalb weniger Gehalt und weniger Rente” zu befreien. Der Weg, auf dem die Entstigmatisierung geringerer Arbeit erreicht werden soll, ist dabei besonders interessant. Die Aufwertung von Teilzeitarbeit erfolgt nämlich nicht einfach darüber, dass die Vollzeiterwerbstätigkeit abgewertet wird, das auch, aber nicht nur. Vielmehr wird Teilzeiterwerbstätigkeit als weibliche Domäne definiert, die nunmehr auf Männer erweitert werden müsse. Teilzeitbeschäftigung soll zum gesellschaftlichen Standard erhoben werden, deshalb müssen zum einen Männer zur Teilzeitbeschäftigung bekehrt werden, zum anderen müssen vermeintlich männliche Normen, die immer noch die Leistung und die entsprechende Bezahlung vorsehen, beseitigt werden.

Und genau an diesem Unterfangen haben sich Lena Hipp und Stefan Stuth, beide am Wissenschaftszentrum in Berlin, das sich unter Jutta Allmendinger zum Zentrum zur Legitimation von Gender”forschung” zu entwickeln scheint, beteiligt. Sie wollen mit ihrem Beitrag “Management und Teilzeit” die Determinanten bestimmen, die die aus Sicht der Genderisten wichtigste Bastion männlicher Berufsnormen, die Unternehmesführung bzw. das Management für die Einnahme durch Teilzeitbeschäftigungs-Aktivisten anfällig machen, denn immer noch, so wissen die Autoren, widerspricht die “Teilung einer vollen in zwei Teilzeitstellen (Kooperation statt Konkurrenz) … jedoch dem Bild der männlichen Führungskraft” (Hipp & Stuth, 2013, S.105). Na denn, wenn dem so ist, dann müsste sich das ja empirisch zeigen lassen.

Und empirisch sind die Autoren unterwegs. Die Europäische Arbeitskräftestichprobe versorgt sie mit Daten zu 86.910 Managern aus 19 europäischen Ländern, und mehr noch, sie gibt ihnen die Möglichkeit, Kontextvariablen aus den Ländern zu berücksichtigen, wie z.B. die Anwesenheitskultur in einem bestimmten Land und den Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen. Mit beiden Anteilen verbinden die Autoren jeweils Hypothesen, wie sie in der Welt der Teilzeitfanatiker gebildet werden:

  • venn-diagramJe stärker die Anwesenheitskultur (also in Deutsch: Je mehr Wert Manager auf ihre Anwesenheit am Arbeitsplatz legen und je mehr Überstunden sie machen), desto geringer sind die Chancen der Manager in Teilzeit tätig zu sein. Das macht als Hypothese unmittelbar Sinn und, wenn man ein paar Venn-Diagramme malt, dann kommt man leicht zu der Erkenntnis, dass die Hypothese nahe an einer Tautologie entlangschrammt: Wenn unter sagen wir 90.000 Managern in Land A 89990 vollzeit arbeiten, dann ist die Wahrscheinlichkeit, in diesem Land Teilzeitmanager zu finden, in der Tat gering.
  • Je höher der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der unterschiedlichen Länder ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Manager Teilzeit arbeiten. Das ist die “Frauen sind besonders, und von Männer unterschieden und Frauen haben einen heilenden Einfluss auf die Vollzeiterwerbstätigkeits-Kultur von Männern” Hypothese, die unter Genderisten kursiert.

Nun zu der Wirklichkeit, wie sie sich in den Ergebnissen von Hipp und Stuth niederschlägt.

  • Wenig überraschend geht die Wahrscheinlichkeit, einen Teilzeit-Manager zu finden, mit der Anzahl der Überstunden, die Manager machen, zurück. Wäre etwas anderes herausgekommen, dann hätte man an der Validität der Analyse zweifeln müssen, denn wenn man Variablen (fast) mit sich selbst korreliert, dann muss etwas herauskommen.
  • Leider tun die Daten den Autoren nicht den Gefallen, auch ihre zweite Hypothese zu bestätigen. Im Gegenteil: Mit dem Anteil von Frauen in Führungsetagen von Unternehmen sinkt die Wahrscheinlichkeit Teilzeit-Manager anzutreffen. Soviel zum heilsamen Einfluss “der Frau” an sich.

Logik der ForschungEin Wissenschaftler, der mit einem Ergebnis wie dem berichteten konfrontiert ist, hätte die Falsifikation seiner Hypothese zum Anlass genommen, seine Hypothese zu modifizieren, da sie sich als falsch erwiesen hat. Das hätte natürlich verheerende Folgen für das “Frauen sind die besseren Menschen und an ihrem Wesen wird die männliche Welt genesen”-Gebot, das den Genderismus zusammenhält. Und deshalb ziehen Hipp und Stuth nicht den Schluss, den jeder Wissenschaftler gezogen hätte, sondern sie reagieren im Einklang mit der Gender-Religion, der sie anhängen und in der folgenden Weise:

“Mehr Frauen führen offensichtlich nicht zu einem geringeren Einfluss von ‘typischen männlichen” Normen. … Ein Mehr an weiblichen Führungskräften ändert nichts an den vorherrschenden männlich-geprägten Normen auf der Führungsebene. Anstatt Änderungen in der Organisations- und vorherrschenden Arbeitskultur zu bewirken, passen sich Frauen in Führungspositionen an die vorherrschenden Normen und Erwartungen der Chefetagen an” (Hipp & Stuth, 2013, S.117).

Besser kann man sich  als Ideologe nicht zu erkennen geben. Die Aussagen basieren auf der Prämisse, dass Frauen natürlich andere Werte in die Führung eines Unternehmens einbringen. Einmal in Führungsetagen  entpuppen sich die Frauen aber nicht als die Heilsbringerinnnen, die Genderisten sie zu sein erwartet haben, sondern als kleine Dummchen, die alles, was sie bislang geglaubt und für richtig befunden haben, aufgeben und sich dem Trott der männlichen Arbeitswelt unterwerfen. Statt die Welt am weiblichen Wesen genesen zu lassen, prostituieren sich diese Managerinnen und verraten die Idee des Genderismus! Aber vielleich passen Sie sich auch nur an die Erfordernisse einer Arbeitswelt an, die sich mit Gender-Phantasien nicht vereinbaren lässt oder sie haben gar dieselben Normen inkorporiert, die auch ihre männlichen Kollegen inkorporiert haben, Normen, die nichts mit Geschlecht, aber viel mit Effizienz zu tun haben, und somit mit etwas, das Genderisten nicht einmal von Ferne kennen. Wie auch immer die Erklärung aussehen mag, vom Gendermythos der weiblichen Heilsbringerinnen bleibt nichts übrig.

Der Essentialismus, der aus den Zeilen des Beitrags von Hipp und Stuth atmet, ist erschreckend und in seiner Dummheit atemberaubend: Ergebnisse, die eigenen Hypothesen widersprechen, werden eben einmal ideologisch unterfüttert und uminterpretiert, so dass die falschen Hypothesen aufrechterhalten werden können und bevor die Autoren auf die Idee kommen, dass es nicht “die Frau”, wie sie sich der Genderismus vorstellt, gibt, sondern Frauen, die viele unterschiedliche Eigenschaften und Interessen haben, erkären sie lieber alle Frauen zu biologisch determinierten Verfügungsmassen, die je nach Art und Ausgestaltung ihrer Umwelt benutz- und einsetzbar sind. Das also ist die schöne Welt des Genderismus.

Was ein Beitrag, wie der von Hipp und Stuth, der nicht einmal kleine Anstrengungen unternimmt, seine ideologische Färbung zu cachieren, in einer angeblich wissenschaftlichen Zeitschrift wie der Kölner Zeitschrift zu suchen hat, ist mir nicht klar, aber vielleicht ist die Kölner Zeitschrift ja auch gar keine wissenschaftliche Zeitschrift mehr, ähnlich wie das WZB kein wissenschaftliches Zentrum mehr zu sein scheint.

Der Beitrag hat erheblich davon profitiert, dass ich ihn mit Dr. habil. Heike Diefenbach diskutiert habe.

Hipp, Lena & Stuth, Stefan (2013). Management und Teilzeit? Eine empirische Analyse zur Verbreitung von Teilzeitarbeit unter Managerinnen und Managern in Europa. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Soziapsychologie 65(1): 101-128.

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