Vom Elend der Selbstsucht

In seiner Erzählung “Der Hügel” schildert H.P. Lovecraft die Erlebnisse des “Edlen Panfilo de Zamacona y Nunez”, der im Rahmen – wenn man so will – archäologischer Studien die  im wahrsten Sinne des Wortes versunkene Kultur “Tsath” entdeckt hat, die in den Tiefen der Erde ein bislang durch andere Menschen ungestörtes Leben und Dasein führte und noch fristet. Zamacona beschreibt die “neuen” Kultur wie folgt: “Was die Regierungsform anging, so war Tsath eine Art kommunistischer oder semi-anarchistischer Staat; die Gesellschaftsordnung beruhte mehr auf Gewohnheit als auf Gesetzen. Das wurde möglich durch die jahrtausende alten Erfahrungen und die lähmende Langeweile der Rasse, deren Wünsche und Bedürfnisse sich auf körperliche Grundbedürfnisse und auf neue Empfindungen beschränkten” (296). In diese Welt sieht sich Zamacona hinein versetzt und von ihr, so ist es der Wille der Menschen von Tsath, soll er ein Teil sein: “Er sollte an Riten und Schauspielen teilnehmen – es sei denn, er verzichtete ausdrücklich darauf -, und es würde ihm auch Zeit für die aufgeklärten Vergnügungen und emotionalen Reize beliben, die im Alltagsleben der Leute von Tsath eine so beherrschende Rolle spielten. Man würde ihm ein Haus in einem Vorort oder eine Stadtwohnung zur Verfügung stellen und ihn in eine der großen Zuneigungsgruppen einführen …” (310).

Lovecraft beschreibt hier – wie in vielen seiner Geschichten – eine dekadente, dem Niedergang geweihte Kultur. Die Mitglieder der Kultur von Tsath leben in Langeweile, können ihrem Leben keinen Sinn geben, wissen nichts mit sich anzufangen und erleben sich nur in Zuneigungsgruppen, in hoch standardisierten Versammlungen, die dem Ziel dienen, die verkümmerten Fähigkeiten zur Empfindung mit immer neuen und immer größeren Monstrositäten zu stimulieren. Leben in Tsath ist ein Leben in geistiger Einöde, die nur durch künstliche Emotionalität und nur kurz durchbrochen werden kann.

witches roasting a child

Viele der Reaktionen, die auf meinen letzten Beitrag in der Kategorie “Unsinn der Woche” eingetroffen sind, haben micht an die Geschichte von Lovecraft und seine Beschreibung der leeren Existenzen von Tsath erinnert. Mein Beitrag handelt von einem Gesetzentwurf des Bundesrates, der sich durch logische Widersprüche und ein gerüttelt’ Maß an Heuchelei auszeichnet. Ein Widerspruch besteht darin, dass Möchte-Gern-Eltern, die versuchen, einen Kinderwunsch, den sie bei sich entdeckt haben, durch in-vitro Fertilisation (ivF) zu verwirklichen, einerseits attestiert wird, sie seien zu arm um sich den entsprechenden Kinderwunsch zu erfüllen, denn ivF kostet Geld. Derhalb müssen Steuerzahler, nach Ansicht des Bundesrates die Erfüllung des Kinderwunsches bezahlen. Andererseits sieht derselbe Bundesrat kein Problem darin, dass die selben Möchte-Gern-Eltern, ob ihrer Armut nach Geburt ihrer test tube babies weitgehend von Transferzahlungen der Steuerzahler abhängig sein werden, wären sie das nicht, sie hätten die ivF selbst bezahlen können. Ein weiterer Widerspruch besteht darin, dass ein angeblicher Wunsch nicht einmal so stark ist, dass die wünschenden Möchte-Gern-Eltern alle ihnen zur Verfügung stehenden Spar- und Verdienstmöglichkeiten ausschöpfen würden, um sich den Wunsch zu erfüllen. Entsprechend kann der Wunsch nicht sonderlich stark sein. Die Heuchelei im Gesetzentwurf des Bundesrates besteht darin, dass erzählt wird, es ginge darum, medizinische Hindernisse bei der Fertilität zu überwinden, es aber ausschließlich darum geht, finanzielle Hindernisse zu überwinden.

Das ist  in aller Kürze, was im post steht.

In kurzer Zeit ist der post, zu einem in-post geworden, der die rankings von Worldpress gestürmt hat, und eine Welle entrüsteter betroffener “Möchte-Gern-Eltern” (oder schlimmer noch tatsächlicher Eltern), deren Nicknames in fast allen Fällen auf weibliche Möchte-Gern-Eltern verweisen, gespült hat. Sie müssen sich durch den Beitrag grundlegend in Frage gestellt gesehen haben und haben  ihren Emotiönchen freien Lauf gelassen. Die entsprechenden Kommentare stehen gut dokumentiert am Ende des Beitrags und können vom interessierten Leser nachgelesen werden. Für alle anderen, die auf die Lektüre von Unsinn verzichten können, will ich hier zusammenfassen, was sich so regelmäßig gefunden hat, dass man es als Reaktionsmuster bezeichnen kann:

  • Bis auf einen der entrüstet Kommentierenden hat keiner auch nur auf eine einzige Stelle in meinem Text Bezug genommen.
  • Alle der entrüstend Kommentierenden haben sich furchtbar darüber echauffiert, dass ich die Berechtigung, mit Steuer- oder Beitragsgeldern die “Wünsche” anderer zu befriedigen, in Frage gestellt habe.
  • Keiner der entrüstend Kommentierenden hat auch nur ein einziges Argument vorgerbacht bzw. anhand einer Stelle im post dargestellt, dass an meiner Argumentation etwas falsch wäre.
  • Alle der entrüstend Kommentierenden sind davon ausgegangen, dass es eine Außenwelt gibt, die sich für ihren emotionalen Auswurf interessiert.
  • Alle der entrüstend Kommentierenden denken, sie hätte ein Recht darauf, auf die Allgemeinheit als Finanzquelle für die Erfüllung ihrer ureigensten Wünsche zurückzugreifen.
  • Keiner der entrüstend Kommentierenden hat auch nach mehrfacher Aufforderung einen Grund dafür angeben können, warum dieses Recht gegeben sein soll.
  • Keiner der entrüstend Kommentierenden ist auf die Idee gekommen, dass das reklamierte Recht für andere die Pflicht nach sich zieht, Steuern für den Kinderwunsch anderer zu entrichten.
  • Alle der entrüstend Kommentierenden scheinen der Auffasung zu sein, die Gesellschaft müsse Ihnen dafür dankbar sein, dass sie ihren Kinderwunsch verwirklichen wollen.
  • Es liegt  nahe zu vermuten, dass alle  entrüstend Kommentierenden  Kinder in erster Linie als Mittel der Selbstbefriedigung oder Gesundheitsbewahrung ansehen, wie z.B. aus einem Kommentar deutlich wird, in dem behauptet wird, Kinderlosigkeit habe ein erhöhtes Krebsrisiko zur Folge.

Diese Reaktionsmuster sind es, die mich an das Volk von Tseth erinnert haben, bei dem andere nur noch als Gegenüber in der Zuwendungsgemeinschaft vorhanden sind, also als Mittel dessen man sich bedient, bei dem Rationalität nicht vorhanden ist, weil damit notwendiger Weise Ziele im Leben verbunden sind. Die fehlende Rationalität führt dazu, dass momentane Emotionalität, wie sie sich z.B. in einem entrüsteten Kommentar ausdrücken lässt, Feste feiert, und die fehlende Rationalität mündet in eine lähmende Langeweile, aus der man sich selbst nur ab und zu durch überbordende emotionale Erlebnisse befreien kann: In Lovecrafts Erzählung bestehen die emotionalen Erlebnisse aus der Verstümmelung von Sklaven, bei den entrüstend Kommentierenden aus spontaner Emotion und langfristig aus erhofftem Kinderbesitz, der den Höhepunkt der eigenen emotionalen Erlebnisfähigkeit und gleichzeitig das Ende derselben darstellt.

Was zudem an die Gesellschaft von Tseth erinnert, ist die Abgeschlossenheit dieses “Kinderwunsch-Kultes”. Sie verstecken sich ausnahmslos hinter einem Pseudonym, aus dem heraus es sich bestens beleidigen lässt, gewinnen ihre eigene Identität durch die unbedingte Einordnung in den Kinderwunsch-Kult, dem sie alles, vor allem alle anderen, unterordnen, und sie finden Bestätigung u.a. in dem von Gruner und Jahr (Der Stern) betriebenen Forum “urbia.de”, das Deutschlands größte Familiencommunity umfassen soll,und dort insbesondere im Forum “unterstützter Kiwu”, wo sie sich hinter Pseudonymen wie “kathy-80”, schmusi83, Iphiegenie, gelbo1o1, sparemint, ilna1512, sunnysunshine oder urmeline75 verstecken um vornehmlich mit Emoticons (womit auch sonst) zu kommunizieren und dazwischen Brocken auszutauschen wie: “… ohne Worte!”, “Ich war sprachlos”, “es ist unglaublich, man fühlt sich echt im Stich gelassen vom Staat und dann kommen noch solche Artikel..:”, “Boah, mir platzt gleich der Kragen…” oder: “Dazu fällt mir nichts mehr ein.” oder: “Dieser frustrierten Person wünsche ich von Herzen dieses Leiden erleben und diesen verdammt harten Weg gehen zu müssen”.

Angesichts derartig kompetenter sprachlicher Äußerungen und angesichts derart gehässiger Äußerungen könnte man fast zum Soziobiologen werden und feststellen, dass es offensichtlich von der Natur gewollt ist, dass sich Menschen wie die zitierten, nicht fortpflanzen. Da ich aber kein Soziobiologe bin, bleibt mir nur die Erschütterung darüber, dass derartige Personen sich im Stande sehen, Kinder zu erziehen, und als soziologische Erklärung fällt mir für diese Form der Selbstüberschätzung nur ein, dass es offensichtlich ausschließlich darum geht, Kinder als Trophäe des eigenen Lebens und als Symbol der eigenen – was auch immer – zu besitzen. Mit Kindern verbindet sich entsprechend keine Verpflichtung, und es geht nicht darum, ihnen Moral, Anstand und ein Leben in Würde zu ermöglichen, denn ginge es darum, die entsprechenden Möchte-Gern-Eltern hätten sich nicht verhalten, wie sie sich verhalten haben. Die Erziehungsziele dieser Möchte-Gern-Eltern bestehen offensichtlich aus Hass, krankhafter Konkurrenz und Irrationalität, was man mit Steuergeldern nicht unterstützen darf. Und man kann nur hoffen, dass sich die Eltern, die Ihre Kinder zu Anstand und moralischem Verhalten erziehen, von derartigen Möchte-Gern-Eltern distanzieren.

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14 Responses to Vom Elend der Selbstsucht

  1. jck5000 says:

    Ich bin ja gerade erstaunt darüber, dass der heutige Abend noch nicht dazu genutzt wurde, auch diese Argumentation durch pauschalisierende und ins ad hominem gehende Vorwürfe vollzumüllen…

    Naja, Inhalt: Ich denke, wie ja schon angesprochen wurde und auch hier deutlich wird, dass rationalen logischen Argumenten gegenüber eigentlich jedem “ismus” von dessen Anhängern immer nur die eigene, dogmatische “Richtigkeit” entgegengesetzt wird, und seltenst (eher nie) Argumente gebracht oder gar die “angreifenden” Agumente widerlegt werden. Kinder haben wollen ist nun noch kein ausformulierter “ismus” (zumindest kenne ich keinen), aber das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen… Die Symptome stimmen ja.

    Das traurige ist eigentlich, dass man weder mit rationalen Argumenten weiterkommt, noch dadurch, dass man den dogmatischen Diskutanden die Unhaltbarkeit ihrer eigenen Argumentation nahebringt. Denn die war spätestens bei “wie kann man den Wunsch nach einem Kind mit dem Wunsch nach Materiellem vergleichen” zuende, da ja nicht der Kinderwunsch per se kritisiert wurde, sondern dessen öffentliche Finanzierung – aber das wird ja im weiteren Verlauf der, äh, “Diskussion” dann großzügig ignoriert. Gleiches gilt für die “psychischen Folgen” der ungewollten Kinderlosigkeit – was ist denn mit den psychischen Folgen des gewollten Kinderhabens? Die sind ja nun auch nicht so ganz ignorierbar.

    Aber lassen wir das rationale Argumentieren, fordern wir doch einfach selbst – die Argumentation der Dogmatiker lässt sich so schön für alles benutzen: Es ist “das ureigenste Bedürfnis des Menschen”, zur See zu fahren (eines der ersten Dinge, die Menschen gebaut haben, als sie etwas bauen konnten, waren nicht etwa stabile Häuser, sondern stabile Boote). Und es wurde ja dargelegt, dass “die Psyche leidet, wenn der ureigenste, revolutionsbedingte Wunsch eines jeden Menschen nicht erfüllt werden kann” (ich nutze hier den orthografischen Fehler bewusst, da die Seefahrt deutlich häufiger revolutionär war als irgendwelche Kinder…), also fordere ich jetzt bitte staatliche Unterstützung für meine Yacht. Das kann sich ja so kaum jemand leisten, und bitte keine Gegenargumente, sonst sage ich “denn was denken Sie denn wie hoch die Kosten für … [eine Yacht] (einzeln und gesamt) [sind]. Ich vermute, Sie haben keine Ahnung”. Mir würde auch jemand einfallen, der das bezahlen könnte: Leute, die ganz sicher nichts davon haben, welche mit kleinen Kindern zum Beispiel. Denn so ziemlich der einzige Ort, wo man einen ruhigen, kinderlärmfreien Urlaub verbringen kann ist das offene Meer…

    Das wird so nicht funktionieren, da das ja “was ganz anderes” ist – und das ist es wirklich, als freier Kinderloser subventioniere ich ja den Kinderlärm, während ich als Ausgleich für diese Externalitäten überhaupt nichts zurückbekomme… und meine Forderung würde ja in eine begründbare Richtung verteilen.

    Schade.

    Zum Schluss noch eine Sache: Ich halte es nicht für sinnvoll, die Verwendung von Pseudonymen im Internet zu kritisieren. Das mache ich auch, aus diversen Gründen. Herr Klein wird schon aus meinen Initialen wissen, wer ich bin, und Leute, die ich nicht anderweitig kenne, geht das nichts an. Echt nicht. Und so sehr ich gegen Zensur bin, einige Kommentare haben es einfach nicht verdient, veröffentlicht oder gar beantwortet zu werden.

    • Simon Neuer says:

      Hallo jck5000,
      ihr Vergleich mit der Yacht ist gut. Denn es zeigt doch eines, was ich auch in der andere Chaosdiskussion anführte. Es geht gar nicht um den Kinderwunsch, sondern nur um die Banalität der Finanzierung von Bedürfnissen bzw. im Kinderwunschbeispiel um die Subvention von medizinischen Leistungen.
      Ob es nun eine Zahnbehandlung ist oder ein Kinderwunsch durch IVF – oder wie in meinem Fall vor vielen Jahren – eine LASIK Augen-OP (die ich natürlich selbst zahlen musste, total ca 4500 Euro – es gilt immer noch als sog. Schönheitsoperation, also für die Eitelkeit – ich bin nicht eitel, ich wollte mehr Lebensqualität, und das war es mir wert), es ist im Grundsatz immer das gleiche Spiel.

      Ich sehe also die Gretchenfrage(n) eher darin:
      1) Hat man einen Anspruch auf eigen geborene Kinder?
      2) Ist die Allgemeinheit zu einer Finanzierung medizinischer Lesitungen verpflichtet, welche a) nicht lebensnotwendig ist und b) dem ausschliesslichen Interesse dieser einen Person bestimmt ist?

      Wenn Sie 1) mit nein beantworten, hat sich die Diskussion erübrigt. Was bleibt ist die verallgemeinerte Frage (2)). Dies ist jedoch ungleich schwerer zu beantworten, da man hier den gesamten Leistungskatalog der GKV auf den Prüfstand stellen müsste – und da ich kein Mediziner bin ist es weit ausserhalb meiner Kompetenz.

      • dummerjan says:

        Hi, nun sind jedoch die meisten Krankheiten nach (2) nicht behandlungsnotwendig … warum sollte also die gesetzliche Krankenversicherung z.B. den Beinbruch eines Versicherten behandeln, ist dieser doch meist weder lebensbedrohlich noch durch gesellschaftliche Notwendigkeit unmittelbar notwendig zu behandeln.

        Es ist sowieso argumentativ ausgesprochen problematisch Krankheiten derart in “gesellschaftlich notwendig zu behandelnde” und “desellschaftlich irrelevante” Krankheiten zu unterteilen. Für mich gehört z.B. Dämlichkeit zu den behandlungswürdigen Zuständen eines Menschen – Deppen gehören ins Krankenhaus. Andere finden vielleicht dass Personen mit einem IQ>130 eine Gefährdung der Gesellschaft sind – “Hirn raus, Semmel rein, dann wird er wieder artig sein”.

        • Simon Neuer says:

          Da haben Sie völlig recht, das ist das Problem der Defintion. Ich habe mich vielleicht falsch oder missevrständlich ausgedrückt. Mit lebensnotwendig meinte ich nicht als für das “Überleben notwendig”, sondern für das Leben an sich. Mit einem gebrochenen Bein überleben Sie, aber ein kaputtes Bein hindert ihr Leben – denn ist ist für Ihr Leben notwendig, nicht fürs Überleben. Ich weiss nicht, wie ich den richtigen Begriff hierfür finde – ich meine aber nicht das Überleben!

          Kinder sind sicherlich nicht für das Überleben (der eigenen Person) notwendig, genauso wenig für das Leben per se. Kinder stellen eine schöne und oft glückliche Ergänzung dar. Und wie schhon mehrfach genannt, es ist paradox, aber Kinder hindern eigentlich das eigene Leben: Man hat weniger Geld, weniger Zeit, mehr Stress, usw.
          Dennoch habe ich vor jeder Entscheidung Respekt, ob man Kinder will/hat oder nicht. Aber es ist die ureigene Entscheidung und damit auch das ureigene Problem – inkl. der Finanzierung und allen Folgen.

          so what?

          Es ist moralisch verwerflich, aber Herr Klein hat im Grundsatz recht. Und genau weil es so ist, ist der Aufschrei umso grösser un die Argumentation umso “lappiger”. Ich kanns nur wiederholen, der Artikel über die Moral erklärt vielleicht schon sehr vieles.

  2. Hans Meier says:

    Lieber Herr Klein, Sie und Frau Diefenbach, haben gestern erlebt was für eine Entrüstung auf Ihren Artikel Ihnen entgegenschlug.
    Ob diese von den üblichen Lesern Ihres Blogs stammt oder in den Kreisen derer, die Sie kritisierten, weil ein Anliegen gestört wurde, als eine „Adresse“ herum gereicht wurde, wo es gelte, seine „Notdürftigkeit“ zu hinter lassen, sei mal dahin gestellt.
    Sie haben diesen Shit-Storm souveräner gemeistert, als Ihnen zumute ist.
    Und Sie haben mehr Leser erreicht als die üblichen, die sich mit Ihnen „zanken“.

    Gestern war Vatertag oder Christi Himmelfahrt, in Deutschland ist das mittlerweile ein Anlass das sich Männer öffentlich betrinken, also was wollen wir und wo sind wir?

    Meine Töchter haben mir vermittelt, das sie mich mögen oder ich sie mal morgen im Ausland abhole, weil sie anders wurden, als die, mit denen wir uns wünschen, eine lebenswerte und konstruktive Realität zu organisieren, und das ist es was für mich zählt, für das ich mich einsetze, indem ich mich sogar hier privat und Mut mache.

    Ich denke Ihr seid besser als Ihr Euch vorkommt.

  3. Eike Scholz says:

    Gratulation,

    Shitstorm erfolgreich gemeistert. Ich meine ich trete ja auch in der Regel als Kritiker auf, aber gestern dachte ich auch nur WTF?. Wie kann Kinder haben wollen und gleichzeitig 4-10k für eine
    nicht finanzierbare Menge an Geld halten. Ich meine ich will mit meiner Frau Kinder haben, wenn soweit alles geregelt ist. Nur würde ich nie auf die Idee kommen, dass dafür der Staat zuständig ist.
    Aber ich bin für die meisten “Sozialisten” eh ein schlechter Verbündeter, auch wenn ich bereit bin
    bei dem ein oder anderen Thema auf sie “zuzugehen”.

    Eigentlich würde ich gerne mal die Rollen umdrehen und versuchen einige Vorstellungen von mir, bezüglich eines im liberalen Rahmen vertretbaren Sozialsystems von dir Kritisieren lassen. Nur muss ich dazu etwas Zeit investieren.

    Gemäß eines der letzten Kommentare von Dir, sollte dieses System eines sein, dass

    (1) Asymmetrien zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern weitgehend vermeidet
    (2) unverantwortliches Verhalten nicht prämiert und so weit möglich nicht für die dadurch entstandenen Kosten aufkommt
    (3) Egalitär ist und keine Privilegien verteilt.

    weiter sollte es

    (4) Kriterien liefern, an denen zumindest grob unterschieden werden kann, welche Kosten
    von dem System (mindestens) übernommen werden müssen, um Freiheit von Individuen gegen
    die Zufälligkeiten der Natur zu erhalten, und welche nicht übernommen
    werden dürfen, da dadurch 1,2 oder 3 signifikant verletzt würden.

    Ich denke ich habe zumindest konzeptionell eine Vorstellungen wie das funktionieren kann, und wäre interessiert das im Detail auszuarbeiten. Das ist nur ohne externe Kritik extrem schwer.

    Beste Grüße,

    Eike

    • Dummerjan says:

      @eike: Siehe John Rawls “Eine Theorie der Gerechtigkeit” und Ken Binmore “Games and the social contract” – die eine entsprechende philosophische und logische Fundierung für den Sozialstaat liefern, die auchr relativ nahe an einer ökonomischen und politischen Implementierung sind. Diese kommen zu ähnlichen Anforderungen.

  4. Goofos says:

    Das Reaktionsmuster ist mir doch schon von etlichen Kommentarspalten bekannt. Was noch fehlt ist, wieviele Leute mithilfe des Beitrags von Herrn Klein auf einmal völlig unerwartet festgestellt haben, dass sie überhaupt einen Kinderwunsch haben. Eigentlich sollte man dafür Herrn Klein danken, dass sein Beitrag ihnen die Augen geöffnet hat.

  5. jck5000 says:

    Bisher (neben Herrn Kleins wie immer gutem Beitrag) finde ich die Aussage von Eike Scholz diejenige, die es am besten auf den Punkt bringt: Wenn man sich “nichtmal” 10000 Euro für die IVF leisten kann, wie will man dann das Kind durchbringen? Das sind ja so etwa die sowieso jährlich wieder folgenden Kosten….

    Interessanter wird es nochmal dadurch, dass die Diskussion ja eigentlich ums Sozialsystem geht (was immer mehr finanziert, dafür immer mehr gängelt), und da sind die “Gretchenfrage” Nr. 2 von Simon Neuer und Punkt 4 von Eike Scholz doch ganz ähnlich – und beides rekurriert irgendwie auf Herrn Kleins Moral-Artikel: Wo endet die “Sozialgesellschaft” und wo beginnt mein Privatleben? Ich mag das nicht so wirklich beantworten, so wie die meisten Politiker, aber mein Standpunkt geht deutlich mehr in Richtung “mehr Privatleben” als dahin, dass ich ernsthaft meine Yachtfinanzierung sozialisiert haben will.

    Zur ersten “Gretchenfrage”, ob man einen Anspruch auf eigen geborene Kinder hat: Natürlich, werden auch die Leute auf Gofeminin oder urbia antworten. Und dem schließe ich mich gerne an: Natürlich hat man einen Anspruch auf eigene, _natürlich_ geborene Kinder.

    Kinder in die Welt setzen sollte aber (jetzt mal evolutionär gesehen) dem Fortbestehen einer Spezies dienen, und irgendwo habe ich gelesen, dass sich die Spezies dabei durch Genvermischung weiterentwickeln sollte, da sie sich ja sonst einfacher durch Zellteilung vermehren könnte – macht ja vielleicht auch Spaß. Und wenn man, was ja viele der Kritiker gemacht haben, in dieser Richtung mit “Trieben” und “natürlich” argumentiert, dann endet das (nicht persönliche, wohlgemerkt aber gesellschaftliche) Recht auf Kinder da, wo die Natur (!) “nein” sagt.

    Das heißt also eben nicht, dass man einen Anspruch auf “unnatürliche” Kinder hat – oder? Was momentan betrieben wird, ist reverser Sozialdarwinismus, man fördert die Fortpflanzung der Schwachen, zu Lasten der Starken. Nun mag man Sozialdarwinismus mit Recht kritisch gegenüberstehen, aber das ist doch bitte kein Grund, das Gegenteil zu machen!

    An anderer Stelle sammeln sich Tausende Menschen und spenden Millionen Euro, um gegen menschliche Eingriffe in die Natur zu demonstrieren (naja, meistens nur, wenn sie betroffen sind, aber trotzdem), und hier wird das “normalisiert”? Nicht dass ich “pro” Umweltverschmutzung wäre, ich halte Umweltschutz sogar für sehr wichtig, aber nicht deswegen, weil er einen politisch gewollten Selbstzweck hat, sondern weil ich sehr, sehr überzeugt bin, dass es die Menschheit nicht schaffen wird, den Planeten zu zerstören. Das kann man offensichtlich probieren, aber schaffen? Meiner Meinung nach gewinnt da der Planet.

    Leider, und sorry dafür, ging das jetzt doch sehr weit von Herrn Kleins eigentlichem Thema weg: Der Perversion der gesellschaftlichen Ansprüche. Geht ja immer nur in die Richtung “mehr haben wollen” – und immer weniger dafür geben. Und dass Eltern immer schlechtere Eltern werden. Das aber scheint mir ein Wohlstandsgesellschaftsproblem zu sein, die Mütter wetteifern darum, die Mega-Übermutter zu sein. Die Kinder bekommen alles – nur keine Regeln oder Grenzen. Und, wie das in meinem Bekanntenkreis der Fall ist, wenn Eltern mal ihr Kind praxisnah erziehen (man kann einem 2-jährigen offenbar sehr erfolgreich beibringen, nicht alles in den Mund zu nehmen, wenn man ihn in aller Ruhe auf eine Chilischote beßen lässt, statt sie ihm überhastet aus dem Mund zu reißen), kann man sich ja im Kreis der “fürsorglichen” Mütter gar nicht mehr sehen lassen. Gesellschaftsdruck vom Feisten: Kinder sind doch das wertvollste, was wir haben, denen darf doch nichts passieren. Als würde der Kleine irgendeinen Schaden davontragen. Da frage ich mich ehrlich, wie ich es geschafft habe, in ein Alter zu kommen, in dem ich (kinderlos) einen so langen Text schreiben kann, ohne Plötzlicher-Kindstot-Warnmatte, 4-Punkt-Kindersitzgurte, Knieschoner, Fahrradhelme, einer Tempo 10-Zone vor meiner Schule, der Pille für 12jährige, Warnhinweise auf Zigarettenschachteln oder begleitetem Autofahren… nein, das geht ja gar nicht. Vielmehr verklagt man die Schule, wenn die Tochter von der Schaukel fällt und dann blutet. Und das schlimme ist: Solche Leute sind in meinem Alter.

    • Simon Neuer says:

      jck5000
      Ihr letzter Abschnitt bringt es auf den Punkt. Ich sehe diese Entwicklung ebenso. Aber ich kann die Frage nicht endgültig beantworten, warum es so ist.

      Meine Vermmutung:
      Dass einem die Industrie täglich erzählt, man brauche dies und jenes, und immer zum Wohl der Kinder – das zieht natürlich und ist auch ein gigantischer Markt. Denn man kann sehr gut mit den Ängsten (oder eher Unsicherheiten) der Eltern Geld verdienen. Viele sind leichtgläubisch und besonders beim Erstgeborenen leicht zu beeinflussen. Und ich denke es ist ein gesellschaftlicher Druck: Überlegen Sie die Situation dass Sie das Kind alleine rutschen lassen und es fällt hin. Dann sind Sie Sie für alle Ewigkeit bei den anderen Eltern stigmatisiert. Obs gleich ne Chilischote sein muss, ok, das ist dann schon sehr hart. Aber sicherlich wirksam. Ich würde es meinem Kind nicht antun, denn so eine Methode kann nach hinten losgehen – ins kalte Wasser zu werfen kann auch bewirken, dass das Kind davor Angst bekommt. Und das will man eigentlich nicht.

      Aber zur Gretchenfrage: Der Anspruch auf natürlich geborene, eigene Kinder ist nur dann gegeben, wenn hiermit alle Folgen und Verpflichtungen einhergehen. Dann würde ich zustimmen. Dies beinhaltet aber auch Verantwortung! Und das vergessen viele bei sehr moralischen Themen wie diesen.

  6. Simon Neuer says:

    Guten Abend Herr Klein,
    mich würde folgendes interessieren:
    Sie haben 75 Kommentare beim Artikel erhalten und veröffentlicht. Wieviele habe Sie insgesamt erhalten?

  7. Pingback: “Sind wir alle Nazis?” « Kritische Wissenschaft – critical science

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