Eindeutige Männerdiskriminierung: FU-Berlin ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle

Ach ja, die Antidiskriminierungsstelle (ADS), jene Stelle, die eine ganz wichtige Stelle ist, wenn es um die Diskrminierung im täglichen Leben geht. Das glauben Sie nicht? Dann haben Sie nicht gelesen, wie die ADS für sich und ihre Wichtigkeit wirbt:

ADSDie Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist eine unabhängige Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Sie wurde 2006 eingerichtet, nachdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft getreten ist. Die und ihre Aufgaben sind in diesem “Antidiskriminierungsgesetz” festgeschrieben und entsprechen den EU-Gleichbehandlungsrichtlinien.

Jeder Mensch kann sich an uns wenden und beraten lassen – ein Angebot, das bereits viele genutzt haben: Wir erhalten täglich E-Mails und Telefonanrufe von Bürgerinnen und Bürgern mit Informationsbedarf. Wenn Sie Diskriminierung erleben, scheuen Sie sich nicht, uns ebenfalls zu kontaktieren.

Man soll sich ja bekanntlich von dem gönnerhaft paternalisierenden Ton öffentlicher Institutionen nicht abschrecken lassen und auch keinen Anstoß daran nehmen, dass eine Institution, die eingerichtet wurde, um eine Serviceleistung für Bürger zu erbringen, sich selbst in einer Weise darstellt, die vermuten läßt, dass man bei der ADS der Meinung ist, Bürger müssten froh sein, wenn man ihnen Informationen angedeihen lässt und nicht etwa, die ADS-Mitarbeiter müssten froh sein, dass sie von Bürgern bezahlt werden.
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Entsprechend empfehlen wir den Herren:

  • Dr. Lars Behrisch (Amsterdam),
  • Prof. Dr. Marcus Sandl (Konstanz),
  • Prof. Dr. Alexander Schunka (Erfurt) und
  • Prof. Dr Sven Trakulhun (Zürich)

bei der ADS eine Beschwerde einzureichen, und zwar deshalb, weil sie von der FU-Berlin und dem dortigen Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften diskriminiert werden, und zwar ganz offen.

Dies geht aus Aushängen hervor, die uns von einem Leser zugeschickt wurden. Bei diesen Aushängen handelt es sich um Einladungen zu “Vorstellungsvorträgen für die Besetzung der W2-Universitätsprofessur für Geschichte der Frühen Neuzeit”. Die Vorstellungsvorträge finden an drei aufeinander folgenden Tagen statt, und zwar am 17., am. 18. und am 19. Februar.

Das erste, was auffällt, ist die Geschlechtersegregation bei den Vorstellungsvorträgen. Statt des Durcheinanders der Geschlechter herrscht an der FU-Berlin Zucht und Ordnung: die sechs eingeladenen weiblichen Bewerber tragen entsprechend am Montag, den 17. Februar, und am Vormittags des 18. Februar vor. Die Mittagspause des 18. Februars fungiert als Rubikon, der die Geschlechter voneinander trennt, denn nach der Mittagspause des 18. und am Vormittag des 19. Februars tragen die vier Herren vor, die oben bereits genannt wurden. Und damit die Geschlechtertrennung auch wirklich 100%ig ist, gibt es nicht einmal einen gemeinsamen Aushang: weibliche und männliche Bewerber finden sich auf getrenntem Papier, genaus so wie ein berühmter Kapitän einmal gesagt hat: “In my ship, there is no, repeat no, hanky-panky between the sexes”. Und was bei Miss Marple’s Mörder Ahoi lustig ist, ist an der FU-Berlin bierernst.

Fu-Vorstellung_Neuzeit_w1Dort geht es offensichtlich nicht nur darum, den Eindruck von den vortragenden weiblichen Bewerber nicht durch dazwischen vortragende männliche Bewerber beflecken zu lassen, es geht auch darum, Männer ganz offen zu diskriminieren. Dazu wollen wir unsere Leser auf die drei Zeilen unter der “Einladung” verweisen. Dort steht bei der Ankündigung der Vorträge der weiblichen Bewerber: “zu den Vorstellungsvorträgen für die Besetzung der W2-Universitätsprofessur für Geschichte der Frühen Neuzeit”, während für männliche Bewerber die identische Professur wie folgt ausgeschrieben ist: “zu den Vorstellungsvorträgen für die Besetzung der W2-Universitätsprofessur auf Zeit für Geschichte der Frühen Neuzeit.

Noch vor 15 oder 20 Jahren hätten wir gedacht, es handelt sich hier um ein Versehen, die Ausschreibung der selben Stelle, einmal als unbefristete Stelle für weibliche Bewerber und einmal als befristete Stelle für männliche Bewerber, sei ein Versehen oder ein Fehler begangen von demjenigen, der die Ankündigungen verfasst hat. Heute sind wir durch das Professorinnenprogramm eines Besseren belehrt worden. Die Diskriminierung von Männern ist Alltag an deutschen Hochschulen, und sie ist gewollt. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sich bei dem “auf Zeit” um einen Fehler handelt, sehr gering.

Fu-Vorstellung_Neuzeit_w2Da das Professorinnenprogramm nur weibliche Bewerber und nur unbefristete Stellen fördert , ist es hoch wahrscheinlich, dass die Geschlechtertrennung an der FU-Berlin die Idee eines findigen Verwaltungsbeamten ist, der versucht, sich die Arbeit zu erleichtern und die Bewerber, denen er sowieso in Kürze wird absagen müssen, bereits vorsortiert. Denn: wie sich eine Fakultät entscheiden wird, die die Wahl hat, zwischen einem voll von außen finanzierten weiblichen Bewerber und einem aus dem eigenen Deputat teilfinanzierten männlichen Bewerber ist angesichts der Mittelkürzungen, denen sich immer mehr Hochschulen gegenüber sehen, recht klar.

In jedem Fall kann es nichts schaden, wenn die vier oben genannten Herren sich gegen die Art, in der sie hier vorgeführt werden sollen, wehren und sich an die ADS wenden.

Wir haben Sie in jedem Fall auf den Beitrag auf ScienceFiles aufmerksam gemacht.

Und man hört nicht auf, sich zu wundern:

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10 Responses to Eindeutige Männerdiskriminierung: FU-Berlin ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle

  1. Meier, Hans (Kempten) says:

    Das mit dem “auf Zeit” macht Sinn, wenn es sich um eine Vorgriffsprofessur handelt, die im Falle der Besetzung dank des Professorinnenprogramms mit einer Frau in die Nachfolge einer regulären Professur umgewandelt werden kann. Gilt natürlich nicht für die männlichen Bewerber, für die das Programm nicht zieht.

    • Illen says:

      Innerhalb der verqueren Logik des Professorinnenprogramms macht das sicherlich Sinn, aber das ist ja nicht der Punkt.

    • Marcel Elsener says:

      Zweifellos macht das innerhalb der bizarren Gleichstellungslogik Sinn.

      Gleichzeitig macht es als fähiger Mann Sinn, sich an einer Uni zu bewerben, an der ein solcher Sexismus nicht herrscht sondern für alle Bewerber dieselben (fairen) Regeln gelten.

      Die fähigen Männer bewerben sich halt woanders und die fähigen Frauen mit der Zeit auch, weil kein Fähiger an einer Uni voller (un-)wissenschaftlicher Tölpel Professor werden will, um den die anderen Fähigen einen grossen Bogen machen.

      Hat eine Uni erst einmal ihren Ruf der MInderwertigkeit redlich erarbeitet, wird sie ihn nur schwer wieder los. Aber solange die fetten Subventionen weiter sprudeln, ist das ja nicht weiter schlimm.

      • Meier, Hans (Kempten) says:

        Nee, kampflos aufgeben würde ich nicht. Es gibt Fälle, da werden Verfahren eingestellt, weil die männlichen Bewerber so gut sind, dass das Professorinnenprogramm nicht angewendet werden kann. Das ist dann natürlich eine Ohrfeige – aber das Programm verleitet dazu, Stellen auszuschreiben, für die Geld nur aus diesem Programm da ist, d.h. es muss eine Frau gefunden werden. Ist ein Mann besser, wrds peinlich.

        In der Regel wird dann das Verfahren OHNE ERGEBNIS eingestellt, worans lag, erfährt man nicht, banalstenfalls heißt es “kein Geld”.

        D.h. Männer haben keine positive Chance, können aber das schlimmste verhindern, wenn sie den Aufwand einer Bewerbung auf sich nehmen.

        Ich kenne welche, die bewerben sich extra, um die Ungerechtigkeit zu torpoedieren, und andere, die sagen: Da bewerb ich mich nicht, denn mit diesen Stellen sind wenigstens die Frauen raus aus anderen Verfahren.

        • Marcel Elsener says:

          Natürlich ist es von Nutzen, wenn beherzte Männer den wissenschaftsfeindlichen Unsinn solcher ‘Förderprogramme’ demaskieren. Ich anerkenne deren Engagement durchaus.

          Aber letzten Endes muss jeder Akademiker selbst entscheiden, ob er seine Zeit und Energie mit aussichtslosen Bewerbungen und nachfolgenden Gerichtsklagen vergeuden will oder sich lieber pragmatisch an Unis mit ausschliesslich fachbezogenen Qualifikationskriterien bewirbt und dadurch seine Energien und Ressourcen voll in die eigene fachliche Karriere stecken kann.

          Deswegen ist eine Aufklärung über die universitären Machenschaften so wichtig, damit der Bewerber für eine Professorenstelle bzw. auch der angehende Student rechtzeitig etwas über die Qualität der anvisierten Uni erfährt. Der Kluge kann mit dem durch diese Aufklärung erlangten Wissen seine eigene Handlung in Bezug auf die zu erreichenden (Karriere-)Ziele optimieren.

          Die Abstimmung mit den Füssen war schon immer sehr wirkmächtig. Die Spreu (minderwertige Unis) wird sich mit der Zeit vom Weizen (hochwertige Unis) trennen. Dazu braucht es weder politischen Aktionismus noch endlose Gerichtsverhandlungen.

  2. karstenmende says:

    Wie sehr wünscht man sich, angesichts solcher Zustände, dass das ganze System crasht. So bitter das erscheinen mag, aber dann wird sich zeigen, was in den “Pauerfrauchen” steckt, die sich, gefördert und befördert, in einer Umwelt bewegen, der sie nicht gewachsen sind. Die Umstände nach einem Zusammenbruch bedürfen nämlich eines besonders hohen Maßes an Kompetenz, Wagnis und Cleverness, um wieder auf’s Pferd zu kommen. Da werden wohl einige “Professorinnenprogramm-Pfofessorinnen” und anders geförderte Vorzeige-Damen freiwillig einen Schritt zurücktreten und sich, um Hilfe flehend, an Männer wenden, die es für sie richten.

    Das akademische Wesen in Deutschland ist allerdings schon so tief gefallen, dass der Aufschlag auf dem Boden der Realität nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte. Das allein macht Hoffnung…

  3. Lernender says:

    http://aussoehnen-mit-deutschland.de/

    Verantwortung – Heilung – Transformation
    Eine Konferenz im Gleichklang von Wissenschaft, Kunst und Spiritualität.

    Ja, alles klar, Message angekommen..

    • Momo says:

      Aus dem Programm der Konferenz:

      “Welche Kräfte der Transformation sind am Werk, die uns helfen, kollektiv und individuell eine neue Kultur gelebter Verantwortung zu gestalten?”

      Schön gesagt, alles überfällig. Nun überkommt mich jedoch das dumpfe Gefühl, dass die Zeitenwende diese hehren Ziele und uns alle überrollen wird und wir zur “gelebten Verantwortung” gezwungen werden, kollektiv und individuell. Und wahrscheinlich ist das auch alles richtig so, denn:

      Verantwortung entwickelt immer nur der, dem man Verantwortung überträgt.

      Leider hat sich das nicht einmal bis in unsere Schulen oder unsere Arbeitsämter herumgesprochen. Kollektive Schwäche der Gesellschaft durch Bevorzugung der “Schwachen” und der “Randgruppen”, staatliches Pampern so weit das Auge reicht. Entmündigung, geförderte Dekadenz, Gottlosigkeit, mangelndes Gottvertrauen, Angstkrankheiten.

      Ora et labora.

      • jck5000 says:

        Boah die haben ja total einen an der Waffel. Sorry. Ich meine, das mit dem Professorinnenprogramm wundert mich ja langsam nicht mehr, aber die verlinkte Konferenz… Aussöhnen mit Deutschland? Ich bin jetzt ein “Kriegsenkel”? Liebe alte Politiker, vor allem liebe Frau Schwan: Ich habe weder jemals einen Krieg oder Genozid geführt, einen gutgeheißen oder war daran auch nur indirekt beteiligt. Das wart ihr. Nur ihr. Oder eure Eltern, meine sicher nicht. Dafür zahle ich bis an mein Lebensende Steuern für Reparations – und Zinszahlungen (hierzu sind übrigens keinerlei offizielle Zahlen zu finden). Das kann mir aber egal sein, da es mir trotzdem (noch) gut geht in diesem Land. Aber ihr habt in einem Punkt Recht: Ich als Kriegsenkel suche nach Antworten. Allerdings nicht darauf, wie ich mich “der Verantwortung vor der Geschichte und der Verantwortung für die Zukunft zu stellen” habe, sondern warum mir das nicht sinnvollerweise scheißegal sein sollte. Macht doch ruhig weiter die Universitäten kaputt (um hier wenigstens ein klein wenig zum Thema beizutragen), zeigt mir jeden Tag, dass meine Grundrechte nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen, aber bitte, bitte glaubt nicht eine Sekunde daran, dass ich mich dafür verantwortlich fühle. Ich habe euch nicht gewählt (ja, ich war wählen). Es ist eure Schuld, und wenn sich für euren Mist keiner verantwortlich fühlt, liegt das daran, dass ihr euch für euren eigenen Mist nicht verantwortlich fühlt. Wir anderen sind dafür nicht verantwortlich. Wir sagen euch sogar, dass das blöde Ideen sind. Ihr hört uns nur nicht zu.

        Sorry, das musste mal sein.

        • Lernender says:

          http://www.welt.de/politik/ausland/article124661961/Gauck-lockt-Inder-Wir-haben-Platz-in-Deutschland.html

          Ich weiß, es ist Off-Topic, vielleicht kann man es diese mal durchgehen lassen..

          “Wir haben Platz in Deutschland”, sagte er am Samstag in Bangalore. Die deutsche Bevölkerung werde immer kleiner, weil viele Familien nur noch ein Kind oder gar keinen Nachwuchs hätten. “Deshalb warten wir auch auf Menschen aus anderen Teilen der Welt, die bei uns leben und arbeiten wollen. Darauf freuen wir uns schon.”

          “Gauck sagte vor den Schülern: “Deutsch ist eine Sprache, die nicht jedem leicht fällt, auch nicht jedem, der in Deutschland wohnt.”

          Ich versuche Antworten zu finden. Eine Antwort darauf dass die alleinige Schlussfolgerung unseres Bundespräsidenten auf die Frage der Kinderlosigkeit und Familienverweigerung darin liegt, Indiens Nachwuchs zu klauen.

          Sollte das Staatoberhaupt – bevor er Indiens Nachwuchs klaut, die Frage warum die Deutschen keine Familie mehr gründen, nicht an die deutsche Regierung und Gesetzesgebung stellen? Und wiederum denke ich, es gibt Fragen, die man stellen darf und es gibt Fragen, die sollte man nicht stellen, wenn einem der Job als Grüßaugust lieb ist.

          Frage zehn Menschen, warum diese keine Familie gründen, werden zehn von zehn sagen, kein Geld und wenn Geld vorhanden ist, die Angst (Männer) bei einer Scheidung zu verarmen und auf lange Sicht keine Lebensperspektive zu haben. Diese Ängste zu verhöhnen, wie es u.a. Gauck macht, unter anderem von anderen Ländern mit dem Argument, Einheimische bekommen *aus irgendwelchen und der Regierung nicht nachvollziehbaren* Gründen keine Nachwuchs mehr – ist Zynismus pur. Ekelhaft.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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