Gleichstellung und Gleichschaltung früher und heute

Menschen sterben, Ideen leben fort.

Weil Ideen fortleben und regelmäßig Menschen geboren werden, die aus den Fehlern derjenigen, die vor ihnen gelebt haben, nichts gelernt haben und auch nichts lernen wollen und weil diese Menschen in der Regel über einige wenige Persönlichkeitsmerkmale beschreibbar sind, deshalb haben Ideen, die in ihrem Kern faschistoid sind, Lebenszyklen:

Sie setzen sich bei den entsprechend Beeiflussbaren im Hirn fest, werden in die Realität übertragen, münden im schlimmsten Fall in ein Gesetz, mit dem der geistige Niedergang, der erst das Gesetz möglich gemacht hat, beschleunigt wird, so dass am Ende die (intellektuelle) Katastrophe steht, die die Idee diskreditiert, bis sie dann – sagen wir – 60 Jahre später wiederentdeckt wird und sich der Zirkus wiederholt.

Gestern:

Gleichstellung als Gleichschaltung:

sinus curve“Zur Durchführung der Gleichschaltung forderte Bethke in einem ersten Rundbrief an die einzelnen Vereine: Wenn es unsere Bundesvereine – getreu der 70jährigen Tradition des Deutschen Sängerbundes auch nicht nötig haben, sich umzustellen, so soll andererseits nicht verkannt werden, daß die Mitarbeit an der nationalen Gestaltung der Volksgemeinschaft und an der Pflege des deutschen Kulturgutes heute ganz besonders die nationale Führung jedes Vereins bedingt. Ich ersuche in diesem Sinne, die 51prozentige Gleichschaltung bis 1. Juni 1933 durchzuführen, d.h. die Mitglieder des Vorstandes müssen zu 51 Prozent (darunter der 1. Vorsitzende) der NSDAP, dem Stahlhelm oder der NSBO angehören”.

Bethke ist der Vorsitzende des Lippischen Sängerbundes, der im Auftrag von Gaukommissar Steineke, die Durchführung der Gleichschaltung der bürgerlichen Chöre im Gau Westfalen-Lippe organisiert hat. Das Zitat entstammt: Schmidt, Christoph (2002). Nationalsozialistische Kulturpolitik im Gau Westfalen-Lippe. Paderborn, Schöningh, S.414.

Heute:
Gleichstellung als “Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe”

Neufassung des Paragraphen 10f Aktiengesetz

(1) Ergibt im Fall des § 96 Absatz 2 Satz 3 des Aktiengesetzes die Auszählung der Stimmen und ihre Verteilung auf die Bewerber, dass die Vorgaben des § 5a nicht erreicht worden sind, ist zu gewährleisten, dass unter den Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmer von Konzernunternehmen sind, in einem Aufsichtsrat mit 15 Mitgliedern mindestens eine Frau und mindestens ein Mann und in einem Aufsichtsrat mit 21 Mitgliedern mindestens zwei Frauen und mindestens zwei Männer sowie unter den Aufsichtsratsmitgliedern der Gewerkschaften jeweils eine Frau und ein Mann vertreten sind.

(2) Um diese Verteilung der Geschlechter nach Absatz 1 zu erreichen, ist die Wahl derjenigen Bewerber um einen Aufsichtsratssitz der Arbeitnehmer unwirksam, deren Geschlecht in dem jeweiligen Wahlgang nach der Verteilung der Stimmen auf die Bewerber mehrheitlich vertreten ist und die

1. bei einer Mehrheitswahl in dem jeweiligen Wahlgang nach der Reihenfolge der auf die Bewerber entfallenden Stimmenzahlen die niedrigsten Stimmenzahlen erhalten haben oder

2. bei einer Verhältniswahl in dem jeweiligen Wahlgang nach der Reihenfolge der auf die Bewerber entfallenden Höchstzahlen die niedrigsten Höchstzahlen erhalten haben. Die durch unwirksame Wahl nach Satz 1 nicht besetzten Aufsichtsratssitze werden im Wege der gerichtlichen Ersatzbestellung nach § 104 des Aktiengesetzes oder der Nachwahl besetzt.“

Paragraph 5a lautet:

Unter den in § 4 Absatz 1 Buchstabe b bezeichneten Mitgliedern des Aufsichtsrates eines in § 1 genannten, börsennotierten Unternehmens müssen im Fall des § 96 Absatz 2 Satz 3 des Aktiengesetzes Frauen und Männer jeweils mit einem Anteil von mindestens 30 Prozent vertreten sein.

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… concerned with and about science

14 Responses to Gleichstellung und Gleichschaltung früher und heute

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Gleichstellung und Gleichschaltung früher und heute | netzlesen.de

  2. hgb says:

    Und sie wiederholt sich doch. Mein Eindruck bei der sogenannten Wiedervereinigung war, daß wir damit irgendwo in den zwanziger Jahren gelandet waren.

  3. meier, hans (kempten) says:

    Traurig treffende historische Analogie…

  4. St. Elmo says:

    Ist das Gesetz echt?
    Das kann doch nur Satire sein.
    Wie kann eine Regierung in einem Rechtsstaat in dem Gleichberechtigung herrscht ein Gesetz schreiben in denen die Wahl einer Person für ungültig erklärt wird, wenn sie das falsche Geschlecht hat?

  5. jsbielicki says:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

  6. Pingback: Der Unterschied zwischen Gleichstellung und Gleichschaltung

  7. klawenzel says:

    Ideen überleben nicht unbedingt – gerade wir in Deutschland leben mit einer Ideenvernichtung oder zumindest -verhinderung, die beispiellos ist und allerseits Schaden anrichtet, weil nicht jede Idee KONFORM ist.

  8. Chaeremon says:

    Freier Wille einmal gaaanz anders: research suggests that evolution tends to select for genes that increase individuality by making it more difficult for predators [superior] to predict what the prey [inferior] will do next,
    https://www.quantamagazine.org/20150512-fruit-flies-individuality/

    Kein Wunder dass sich Individuen früher oder später gegen die Gleichschalterei wehren, es entspringt wohl dem unwiderlegbaren Lebenswillen. Wäre jetzt auch noch lustig wenn ein “me too” Gen gefunden würde oder als Fehlen des Individuality-Gens festzustellen ist …

  9. lernender says:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/anonyme-studenten-blogger-greifen-professor-der-hu-berlin-an-13587819.html

    Neues vom “Stasinachwuchs”

    “Im Falle Münklers wurde leider ein watteweiches Statement ausgehandelt. Zwar steht dort, dass er „einer der herausragenden Professoren“ sei und die Universität hinter ihm stehe. Doch dann werden die krausen Klassenkampfparolen zum „wissenschaftlichen Dialog“ aufgewertet. Nur dürfe der nicht anonym geführt werden, doch seien „unterschiedliche Meinungen“ selbstverständlich und gern gesehen. Distanzierung von den Zensoren und Denunzianten? Fehlanzeige. Das klingt insgesamt mehr wie eine Einladung zum permanenten Unfrieden oder, wie es einige Hochschullehrer formulierten, zur vollen „Verleumdungsfreiheit“.”

  10. Ralle says:

    *LOL* Dies ist unsere “unfreiheitlich- demokraturte” Grundunordnung, die sich gegen die grundlegenden Fundamente des menschlichen Zusammenlebens wendet, jedes logische Vorgehen ad absurdum führt und einen weiteren Untergang für die Bevölkerung heraufbeschwört – geopfert der “political correctness”, dem “transatlantischen F(r)eind” und der eigenen “Nabelschau und eurozentrischen Betrachtung seiner selbst!
    up up on the way!

    Die Schlesischen Weber.

    Im düstern Auge keine Thräne,
    Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
    Deutschland, wir weben Dein Leichentuch,
    Wir weben hinein den dreifachen Fluch –

    Wir weben, wir weben!

    Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
    In Winterskälte und Hungersnöthen;
    Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
    Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –

    Wir weben, wir weben!

    Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
    Den unser Elend nicht konnte erweichen,
    Der den letzten Groschen von uns erpreßt,
    Und uns wie Hunde erschießen läßt –

    Wir weben, wir weben!

    Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
    Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
    Wo jede Blume früh geknickt,
    Wo Fäulniß und Moder den Wurm erquickt –

    Wir weben, wir weben!

    Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

    Wir weben emsig Tag und Nacht –
    Altdeutschland, wir weben Dein Leichentuch,
    Wir weben hinein den dreifachen Fluch,

    Wir weben, wir weben!

    vG Ralf

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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