Ulkig oder Absicht: Bei der Süddeutschen berichten Esoteriker über die Wissenschaft

“Zeitverträge treiben die Wissenschaft ins Verderben”, so verkündet Roland Preuß in der Überschrift seines Beitrags in der Süddeutschen Zeitung.

In diesem Beitrag entwirft Preuß das Bild des gebeutelten (Nachwuchs-)Wissenschaftlers, der von Professoren ausgenutzt wird, die ihre “Mitarbeiter mit Zeitverträgen kurz[halten]”. Aber nicht nur das: der willenlos ihn ausnutzenden Mächten preisgegebene Wissenschaftler aus dem entsprechenden Nachwuchs, er wird vom “verschärften Wettbewerb” dazu verleitet, “eigene Erkenntnisse zu übertreiben, unliebsame Ergebnisse wegzulassen – und manchmal sogar dazu, Daten zu fälschen”.

Doch nicht nur dazu zwingt der Wettbewerb die willenlos treibenden Wesen des wissenschaftlichen Nachwuchses: “Viele meinen, wegen der hohen Anforderungen auf Kinder verzichten zu müssen, was vor allem Frauen von einer Karriere in der Wissenschaft abschreckt”.

Die böse Macht des Wettbewerbs von bösen Professoren an Universitäten unterstützt, sie ist der Teufel, der Ausgangspunkt allen Übels. Ihr ist der Garaus zu machen durch “Dauerstellen und Daueraufgaben”, denn: “Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen”.

SZ Wissenschaft zeitvertragWir verlassen an dieser Stelle den esoterischen Prediger der Süddeutschen Zeitung, der im Kampf gegen die Übel von Wettbewerb und Konkurrenz noch so viel zu sagen hätte, wenn es ihm einfallen würde, und wenden uns der rationalen Welt der Wissenschaft zu.

Wir tun dies zunächst mit einem Aufruf:

Falls es an deutschen Universitäten einen Professor gibt, der auf die zeitliche Befristung einer Mitarbeiterstelle, die zu seinem Deputat gehört, einen Einfluss hat, er möge sich bei uns melden.

Herr Preuß offenbart hier ein erschreckendes Maß an Unkenntnis, das nicht einmal auf die Professoren des Kaiserreichs zutreffen dürfte, denn schon damals war die Verwaltung der Herr im Ring, der über Anzahl, Umfang und zeitliche Konditionen der Vergabe öffentlicher Mittel bestimmt hat. Aber: das sei Herrn Preuß zugestanden, es mag den ein oder anderen Professor gegeben haben, der Verhandlungsmacht hatte und die Anzahl seiner Mitarbeiterstellen zumindest mitbestimmen konnte, so wie es heute den ein oder anderen neu berufenen Professor gibt, der es schafft, einen Bürostuhl seiner Wahl für sich herauszuschlagen.

Wissenschaft braucht, um nicht ins biblische Höllenfeuer des Verderbens zu treiben, das Preuß wohl in seiner Hieronymus-Bosch-Phantasie vor Augen hat, nicht weniger, sondern mehr Wettbewerb, z.B. durch eine zeitliche Befristung von Professuren.

Wissenschaft ist ein Prozess des Erkenntnisgewinns. Es ist kaum zu erwarten, dass stationäre Professoren auf Dauer zum Erkenntnisgewinn beitragen. Vielmehr ist zu erwarten, dass Professoren, die zum Erkenntnisgewinn beitragen wollen, Weltenbummler werden, wie dies z.B. Karl Dieter Opp nach seiner Emeritierung geworden ist, heute die USA und morgen China und immer um sich wissenschaftlich auszutauschen, um sich mit neuen Ideen im neuen Umfeld vertraut zu machen.

Seßhaftigkeit hat noch selten zu etwas anderem als zunehmenden Durck durch einen Bevölkerungszuwachs geführt.

Wären Professuren befristet, man könnte offensichtliche Fehlbesetzungen, die von Wissenschaft keine Idee und noch weniger Ahnung haben, z.B. das Lann in Berlin wieder loswerden, müsste sie nicht als Beamte bis zu ihrer Pensionierung ertragen.

Schließlich: Wissenschaft ist ein Wettbewerb der Ideen. Der Wettbewerb ist Wissenschaft inhärent. Insofern verwundert es, dass Preuß den Wettbewerb als Weg in die Hölle des Verderbens ausmalt. Man stelle sich nur den Einheitsbrei der Wissenschaft vor, der entstünde, wenn nicht Wettbewerb um Fördermittel vorhanden wäre, wenn Fördermittel nicht aus mehreren Quellen eingeworben werden könnten, wenn, sagen wir, die Bundesregierung ein Monopol auf die Vergabe von Fördermittel hätte, Fördermittel, die dann dauerhaft beschäftigte wissenschaftliche Abhängige für politisch-korrekte Forschungsanträge erhalten. Es wäre ein Fest der Anbiederung – etwa so, wie man es derzeit beobachten kann, wenn sich einige Hochschulen prostituieren, um vom BMBF für die Einrichtung einer weiblichen Bewerbern vorbehaltenen Professur bezahlt zu werden.

Irgendwie scheint Herr Preuß nicht so wirklich zu wissen, wovon er schreibt. Vermutlich ist er getrieben von einer geheimen Macht, die ihm eingibt, dass Wettbewerb ins Verderben führt, die ihn in der Weise willenlos durch die Textzeilen seiner Beiträge treibt, wie er sich das für Wissenschaftler ausmalt. Die ihn Dinge zweifelhafter Qualität schreiben lässt, falsche Dinge, nicht überlegte Dinge, so wie die Wissenschaftler in Preußschen Träumen durch den Wettbewerb zum Lügen und Betrügen getrieben werden, alles durch den Einfluss dieser geheimen Macht von Wettbewerb oder Anti-Wettbewerb.

Man kann von den esoterischen Anwandlungen eines Roland Preuß befremdet sein, man kann seine Behauptung, dass Wissenschaftler willenlose Wesen sind, die von geheimen Mächten zu etwas getrieben werden, weil sie weder über Moral noch über Verstand verfügen, mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, aber um eines wird man nicht herumkommen, um die Feststellung, dass Preuß von Wissenschaft keine Ahnung hat.

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