Kulturstaatsministerin Grütters heimliche Bewunderin von Akif Pirincci?

Eigentlich, wir geben es offen zu, eigentlich wollten wir in diesem Post wieder eine Gedenkminute für die Logik einlegen, jene Logik, auf der nicht zuletzt die Sprache basiert, jene Logik, die dafür sorgt, dass Sprache nicht zum sinnentleerten Gebrabbel verkommt und eine Information transportiert, jene Logik, die in den Äußerungen von Monika Grütters so häufig und so beklagenswert fehlt.

Das beklagenswerte Fehlen hat beklagenswerte Überschriften in Pressemeldungen zur Folge, Überschriften wie: „Kulturstaatsministerin Grütters: LIT-potsdam macht Literatur zum sinnlichen Erlebnis„.

Wie lesen Sie?

Sinnlos? Bar aller sinnlichen Erlebnisse oder unter Einsatz ihrer Augen durch Dechiffrierung der lustigen Zeichen, in die ein anderer seine Information verpackt hat?

Es ist nicht vorstellbar, dass jemand so ganz ohne Einsatz zumindest eines seiner sieben Sinne etwas erlebt. Auf irgend einem Weg muss die Information von der Außenwelt ja in das Gehirn vordringen.

Pirincci cave canemAber schon Plato hat in seinem Höhlengleichnis darauf hingewiesen, dass alles Erleben eine Illusion sein kann, dass es nur philosophische Bildung gibt, um sicherzustellen, dass das sinnliche Erleben, das wir uns gerade einbilden, Sie, der Sie denken, sie würden diesen Post hier lesen und entsprechend sinnlich erleben, auch tatsächlich einen Gegenstand in der Außenwelt hat.

Was macht Sie eigentlich so sicher, dass Sie das hier lesen? Vielleicht träumen Sie? Vielleicht sind sie ein „brain in the wet“, das den Körper, den sie behaupten zu haben, nur simuliert, recht erfolgreich, wie wir sehen?

Vielleicht sind sie Monika Grütters, die nur dann sinnlich Literatur erleben kann, wenn sie nach Potsdam, zur LIT:potsdam fährt, wie sie glaubt, um sich dort mit vielen anderen der Tatsache zu versichern, dass sie erlebnisfähig ist, in kollektiver Halluzination das sinnlich Erfahrbare erfährt, denn: „Inspirierende Festivals wie LIT:potsdam machen Literatur als sinnliche Freude erlebbar“.

Oh weh, auch LIT:potsdam hilft nicht, die Illusion der eigenen Existenz zu vertreiben und Letztere als Faktum zu etablieren. Auch in Postdam, bei LIT:potsdam kann man nur „sinnliche Freude“ erleben, also sich einbilden, dass man sich freut, sich als abgeschlossenes System erleben, das von sich denkt, es würde Literatur erleben und sich deshalb freuen.

Aber lassen wir das, denn, wie gesagt, wir wollten eigentlich nur eine Gedenkminute für die Logik einlegen, eigentlich deshalb, weil wir, durch sinnliches Erlesen des Textes, den Monika Grütters für die Teilnehmer der kollektiven Halluzination in Potsdam wohl gesprochen hat, zum akkustischen Erhören, zu einem Erlebnis gelangt sind, das man nur als „sinnliche Freude“ bezeichnen kann, schon weil wir nicht wissen, wie man es sonst bezeichnen soll.

„Sinnliche Freude“ hat, wie wir erleben, eine Erinnerung an einst, zum Eingang dieses Textes  sinnliche erfahrbar gemachte Aussagen zur Folge, Aussagen über Logik und deren Gedenken, in Minuten. Also gedenken wir in Minuten im Minutentakt logischer Schlüsse wie dem der Bejahung des Konsequens, einem Fehlschluss, dessen sinnlich erfahrbares Potential, dessen Kapazität für sinnliche Freude so massiv unterschätzt wird:

Monika Grütters: „Die Lust am Lesen wird uns erhalten bleiben, wenn wir sie pflegen und kultivieren wie hier in Potsdam. Aber die Freiheit des Wortes, die literarische Vielfalt müssen wir mit allen politischen Kräften schützen und verteidigen. Denn wir brauchen sie, die mutigen Dichter, die sprachgewaltigen Schriftsteller, die verwegenen Vordenker, die Geistesgrößen einer Gesellschaft. Sie sind der Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft, der verhindert, dass intellektuelle Trägheit und politische Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.“

Erleben Sie? Spüren die das sinnliche Erleben des Erlesenen in ihrem Gehirn sich zur sinnlichen Freude steigern?

Sind sie endlich sinnlich erfreut? Beeilen Sie sich: Wir haben nicht alle Zeit der Welt!

Denn: Wer hätte das gedacht?
Wer hätte gedacht, dass sich hinter der biederen Sprachfassade der Monika Grütters, derartige Untiefen verstecken?
Wer hätte die sprachliche Euphorie vorhergesehen, die Wallung der Überraschung, ja die sinnlich kaum mehr zu steigendernde Freude darüber, dass Monika Grütters zu den Bewunderern von Akif Pirincci gehört?

Wie anders kann man die zitierte Stelle verstehen als als sinnliche Erklärung an die Adresse von Akif Pirincci, als literarische Liebeserklärung an den so häufig Gescholtenen und durch den Schmutz Gezogenen?

Was ist Pirincci anderes als ein „Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft“?

Was ist Pirincci anderes als ein Antidot gegen geistige Trägkeit und politische Bequemlichkeit?

Niemand bringt Gutmenschen, Sozialisten, Feministen und Politiker derart in Wallung sinnlichen Erlebens wie Akif Pirincci mit seiner einmaligen Art sinnliche Erfahrung in Schriftzeichen zu kodieren, eine Art, die man am besten als Expletives Schreiben bezeichnet, ein neues Genre, das der sprachgewaltige Pirincci geschaffen hat, ein expletives Stachel-im-Fleisch der Gesellschaft Genre, eines verwegenen Vordenkers!

Endlich wird „dem kleinen Akif„, wie er sich selbst nennt, die entsprechende Wertschätzung, die auf tiefempfundener sinnlicher Freude bei Grütters beruhen muss, zuteil. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Preise von Buchhandel und allen anderen sinnlich freudalen Preisverteilern auf Pirincci einstürzen.

Welch‘ sinnliche Freude und so schön logisch fehlgeschlossen, in voller Bejahung des Konsequens.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

7 Responses to Kulturstaatsministerin Grütters heimliche Bewunderin von Akif Pirincci?

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Kulturstaatsministerin Grütters heimliche Bewunderin von Akif Pirincci?

  2. meier, hans (kempten) says:

    Köstlich!

    Nichts ist herrlicher als Phrasen, die ganz naiv und schelmisch ernst genommen werden – wer etwas sagt, soll gefälligst auch merken, was er sagt. Jeder hat das Recht, durch seine Aussagen sich selbst vorzuführen. Und jede auch.

    Köstlich!

  3. hgb says:

    Sinnend sinne ich mit Sinnen über sinnleere Sinnhaftigkeit sinnlos vor mich hin. Nirwana!

    Welche Freude beim Lesen. Der Vorteil: Ich muss die Sprache nicht kennen, denn die Freude liegt im Lesen und nicht im Wort. Das Wort ist zudem frei und schwach und muss gehegt und gepflegt werden. Maaaama!

    Grütter: da ist wirklich kein „Z“ drin.

    Akif, ich komme! Von Sinnen (oder hinnen), einfach zu heiss heute.

  4. Peter Merbitz says:

    Ach naja, nun seien Sie mal nicht so kleinlich. Lese ich, lese ich mit meinen optischen Sinnen und dem Interpretengeist im Großhirn vorne rechts. Da das inhärenter Teil des Lesens ist, muss man die Tatsache nicht beschreiben. Steht geschrieben: Sie sah durch das Fenster auf die Wiese, muss man sich auch nicht über die Selbstverständlichkeit mokieren, dass sie nicht hätte durch die Wand sehen können.
    Sinnliches Lesen ist doch eher ein die-Sinne-anregendes-Lesen, und zwar die Sinne, die für das profane Lesen üblicherweise nicht zuständig sind. Ekel, Angst, Faszination oder irgend welche anderen sinnlichen Dinge, die sich bei mir beim Lesen einer Beschreibung der neuesten Steuergesetze schlichtweg nicht einschalten. Wobei…

  5. Florian Geyer says:

    Wer von den roten „Widerstandskämpfern“ der staatsknetefinanzierten „Furzen gegen Rechts“-Industrie wissen will, was ZIVILCOURAGE wirklich ist, der sollte sich den „Kleinen Akif“ gönnen!
    Täglich.

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