Homosexualität, Diskriminierung, Selbstmord: Die Inszenierung eines Zusammenhangs

Nicht-Heterosexuelle sind eine schutzbedürftige Lebensform – oder?

Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man Erzeugnisse der vermeintlichen Zivilgesellschaft und des angeblichen Qualitätsjournalismus zur Kenntnis nimmt:

Lesbische und schwule Jugendliche haben eine vier- bis siebenmal höhere Suizidrate.

Junge Schwule sind häufiger suizidgefährdet [als?].

Hohes Suizidrisiko bei jungen Homosexuellen.

Selbstmordgefahr [!sic] bei Homosexuellen viel häufiger [als?]

Risikofaktor für Suizid: Homosexualität.

Homo- und Bisexuelle sind besonders suizidgefährdet.

Die Regierung will trotz erhöhter Suizidrate schwule und lesbische Jugendliche nicht extra unterstützen.

Frage der Bundestagsfraktion der Grünen: “Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Ausmaß und Erscheinungsformen gesellschaftlicher Diskriminierungen, mit denen lesbische und schwule Jugendliche konfrontiert sind, sowie über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Lebenssituation der Jugendlichen?”

suicide attemptAntwort der Bundesregierung: “Lesbische und schwule Jugendliche erleben gesellschaftliche Diskriminierung zum einen in Form von verbaler und psychischer Gewalt. […] In dieser Studie gaben mehr als zwei Drittel der befragten schwulen jungen Männer im Alter von 15 bis 25 an, dass sie wegen ihres Schwulseins mit größeren Belastungen fertig werden müssten als gleichaltrige heterosexuelle männliche Jugendliche. […] In der Mehrzahl der bisher veröffentlichten Befunde zur psychosozialen Situation schwuler und lesbischer Jugendlicher wird zudem eine hohe Suizid(Versuchs)rate ausgewiesen. […] Damit ist das Suizidrisiko bei gleichgeschlechtlich orientierten Jugendlichen viermal höher als bei Jugendlichen mit heterosexueller Orientierung.”

Daran anknüpfende Frage der Bundestagsfraktion Die LInke: “Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung eingeleitet, um das von ihr konstatierte vierfach höhere Selbstmordrisiko bei lesbischen und schwulen Jugendlichen zu minimieren (Bundestagsdrucksache 16/4818, S. 87)?”

Antwort der Bundesregierung: “Die Minimierung des Selbstmordrisikos bei lesbischen und schwulen Jugendlichen in Deutschland kann gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Kräfte in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen am Abbau bestehender Benachteiligungen arbeiten, mit Nachdruck gegen Diskriminierung eintreten und sich aktiv für eine Kultur der Vielfalt und die Entwicklung von ‘Diversity-Strategien’ einsetzen”.

Es gilt als sicher: Homosexuelle sind eine zu schützende Lebensform. Sie sind Diskriminierung ausgesetzt, leiden unter Diskriminierung, leiden so sehr, dass sie sich das Leben nehmen, und zwar häufiger als Nicht-Homosexuelle. Die Links, die zu Beginn dieses Beitrags gesammelt sind, verweisen auf entsprechende Beiträge, in denen die vermeintlich sichere Erkenntnis, nach der Homosexuelle sich häufiger das Leben nehmen als Nicht-Homosexuelle, und zwar deshalb, weil sie diskriminiert werden, verbreitet wird.

Der in der Folge dargestellte Dialog zwischen Regierung und Grüner Opposition zeigt, wozu die Inszenierung der besonderen Gefährdung Homosexueller, deren gesellschaftlicher Diskriminierung und im Ergebnis deren hoher Suizidrate notwendig ist. Sie dient dazu, den Einsatz finanzieller Mittel zum Aufbau einer Schutz-Infrastruktur, die exklusiv der Gruppe der Nicht-Heterosexuellen gewidmet ist, zu legitimieren.

Aber ist es wirklich so, dass Nicht-Heterosexuelle diskriminiert werden, dass sie ein höheres Selbstmordrisiko haben als Heterosexuelle?

Dr. habil. Heike Diefenbach hat die Forschungsliteratur zu diesem Thema aufgearbeitet, die wissenschaftlichen Befunde zusammengetragen und ein Gutachten zur gesellschaftlichen Situation von Nicht-Heterosexuellen erstellt, das die Inszenierung ihrer besonderen Schutzwürdigkeit als ebensolche bloßstellt, denn:

  • Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen in nennenswertem Ausmaß besteht,
  • Es gibt keine wissenschaftilchen Belege dafür, dass Gefühle der Stigmatisierung und Diskriminierung mit Bezug auf psychische Erkrankungen oder Probleme Nicht-Heterosexueller eine nennenswerte Rolle spielen,
  • Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Nicht-Heterosexuelle im Vergleich mit Heterosexuellen ein erhöhtes Suizidrisiko haben.

Wir freuen uns, das entsprechende Gutachten als Band 3 der Blauen Reihe von ScienceFiles veröffentlichen zu können. Es kann kostenlos (bzw. bitte in Verbindung mit einer kleinen Spende an das Tierheim Arzberg) heruntergeladen werden.

Nach dem Lesen des Gutachtens von Dr. habil. Heike Diefenbach sollte auch dem Letzten klargeworden sein, dass alles Reden über die angeblichen Diskriminierungserfahrungen von Nicht-Heterosexuellen, die ein hohes Suizidrisiko und mehr Selbstmorde als bei Heterosexuellen zur Folge haben, eine reine Inszenierung ist, mit der Steuergelder losgeeist werden sollen. Und mit welchen Taschenspielertricks die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion arbeitet, wird bei der Gelegenheit auch gleich aufgeklärt.

Wir wünschen allen Lesern viel Spaß beim Lesen dieses informativen und umfassenden Gutachtens von Dr. habil. Heike Diefenbach:

Homosexualität und Suizidrisiko
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23 Responses to Homosexualität, Diskriminierung, Selbstmord: Die Inszenierung eines Zusammenhangs

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  2. ernst lübberstedt says:

    Ich empfinde diese Beiträge als sehr wichtig, um sich in der heutigen ( fast ) total verlogenen Welt einigermassen orientieren zu können. # herzlichen Dank dafür #

  3. Theresia Schmelzer says:

    Welche Forscher waren denn hier mal wieder am Werk? Die Grünen fordern gleich wieder unreflektiert ein Gegensteuern der Politik. Als vor zwei Wochen darüber berichtet wurde, dass die meisten Suizidfälle bei Menschen ab dem 60. Lebensjahr begangen werden, habe ich von den Grünen nix gehört oder gelesen. Sciencefiles hat mal wieder recht, hier soll wieder ein Fass mit Steuergeldern aufgemacht werden, damit einige Trantüten an den Universitäten, eine Daseinsberechtigung finden.

  4. Hosenmatz says:

    Und dass eine vermeintlich erhöhte Suizidgefahr einfach in der betreffenden Person begründet sein kann, das kommt niemandem in den Sinn? Gibt es Untersuchungen, ob eine gestörte sexuelle Orientierung auch mit einer gestörten Psyche einhergeht?
    Nein, es muss immer ein anderer daran schuld sein, am besten ein heterosexueller, weißer Nazi!

    Und was hat man davon? In fast jedem Fernsehkrimi/-spiel wird einem ein schwules Pärchen präsentiert und die “Ehe für Alle” wird gefordert. Und so etwas wird dann noch als Kunst verkauft:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/sex-projekt-save-the-date-von-mischa-badasyan-365-tage-365-maenner-a-1051426.html
    Was ja wieder die Forderung nach der “Ehe für Alle” etwas ad absurdum führt.

    Und wie sieht es mit der erhöhten Suizidgefahr bei Fettleibigen, Kleinwüchsigen oder Hartz4-Empfängern aus. Da könnten sicher noch einige Förderprogramme losgetreten werden. Dass die Grüninnen darauf noch nicht gekommen sind!

    • Ron says:

      Hosenmatz, Sie haben gar nichts verstanden: Ich würde nie behaupten, ein Kleinwüchsiger oder ein Kind in einer Harz-4-Familie hätte nicht ein ebenso grosses Suizid-Risiko wie ein Homosexueller. Aber die Realität sieht doch so aus: In der Pubertät sind viele Jugendlichen verwirrt und müssen sich selbst finden. Da ist schon bei vielen Jugendlichen das Suizidrisiko, meistens aus nicht wirklich relevanten Gründen, z.B. Liebeskummer, sehr hoch. Ist man homosexuell, ist diese Lebensphase noch viel schwieriger, weil man mit Leuten und Meinungen wie der ihren konfrontiert ist, welche denken man sei gestört oder krank, weil man homosexuell ist. Man beginnt sich selbst zu hinterfragen. Ich finde diese Argumentation der gesteigerten Suizidgefahr völlig nachvollziehbar, aber natürlich gibt es viele andere Selbstmordgründe. Allerdings gibt es für mich Gründe, welche ich einfacher akzeptieren kann (genug vom Leben, schwere Krankheit, Gewissensbisse für schlimme Taten, etc.). Bei Jugendlichen ist das leider oft eine Kurzschlussreaktion auf objektiv nicht wirklich tragische Ereignisse. Daher finde ich auch, dass man bei Jugendlichen aktiver sein sollte, als bei Erwachsenen Personen. Allerdings gibt es da auch viele andere Auslöser neben Homosexualität. Und nein, es ist kein anderer Mensch (weisser Nazi) schuld! Aber man kann trotzdem versuchen diesen jungen Leuten zu helfen. Daneben ist Fettleibigkeit ein selbst angefressenes Übel. Die sexuelle Orientierung aber nicht! Stellen Sie sich einmal vor, es wäre normal dass alle nur gleichgeschlechtlichen Sex haben. Wie hätten Sie sich wohl in der Jugend als Hetero gefühlt? Oder denken Sie, Frauen hätten Sie nicht interessiert und Sie hätten sich einfach der Masse gebeugt und würden heute mit Männern ins Bett gehen? Wenn Sie so flexibel in ihrer eigenen sexuellen Orientierung sind: meine Hochachtung!

      • hgb says:

        ” Ich finde diese Argumentation der gesteigerten Suizidgefahr völlig nachvollziehbar,..”
        Sie können dieser Ansicht sein. Eine Argumentation, die auf nicht belegbare Vorstellungen abhebt, ist keine und damit auch für keinen zielführend.

      • Theresia Schmelzer says:

        Ron, Sie haben recht, bei Jugendlichen in der Pubertät gibt es viele Gründe, weshalb man traurig, unzufrieden oder lebensmüde ist. Was mich bei dieser Studie wieder einmal auf die Palme bringt ist, dass alles über einen Kamm geschoren wird und geschrieben wird, dass die meisten Suizide von Homosexuellen und Lesben begangen werden sollen. Und das auf Grund einer Studie bei homosexuellen jungen Männern im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Wer sagt das diese Studie repräsentativ ist? Was ist mit lesbischen Mädchen? Diese Studie entbehrt m.E. jeder Realität und wurde von einem Schreibtischtäter verbrochen. Der mehr Fördergelder für seine unnötige Arbeit benötigt.

      • Der/Anarchist says:

        @Ron

        Es gibt keinen grundlegenden Beweis, dass Schwulsein/Lesbischsein angeboren ist. Bei eineiigen Zwillingen beispielsweise kommt es vor, dass der eine schwul/lesbisch ist, der andere nicht. Wie kann das sein? Daher ist die Aussage, dass ein/e Schwuler/Lesbe dies von Geburt an sei, problematisch.

        Dann, wie sie schon richtig erkannt haben, gibt es für einen Jugendlichen mannigfaltige Gründe, Suizid zu begehen, zumindest in unserer westlichen Konsumgesellschaft, in der die Vorbildrolle des Vaters zerstört wurde. Aber warum ist dann das Problem der Fettleibigkeit eines Jungen unproblematischer als seine Sexualität? Denn verbirgt sich hinter der Fettleibigkeit nicht eine Ursache, die möglicherweise psychischer Natur ist? Und ist dieses Problem, wenn es nicht in der jugendlichen Phase behandelt wurde, weiterhin dominierend in der Zukunft? Einfach nur die Erklärung: der frisst zu viel, ist nicht ausreichend.

        Was die Schwulen/Lesben allgemein angeht, halte ich deren Probleme für überwertet, vor allem dann, wenn deren “Orientierung” (Sexualität hat nichts mit Orientierung zu tun) zu Privilegien innerhalb der Gesellschaft führt. Oder wie erklären Sie sich das, dass fast sämtliche Feministinnen lesbisch sind! Und das Heterosexualität allmählich pathologisiert wird?

        Und warum soll ich als Heterosexulle, ein Konzept der Evolution vergessen und mir vorstellen, dass die Reproduktion nur von einer Minderheit innerhalb Art fortgeführt wird? Selbst in der Tierwelt (die oftmals hinhalten darf, wenn Ideologen “beweisen”) ist die Verschwulung nur bei einer Minderheit zu finden, wenn man die Artenvielfalt vor Augen hat.

        Man kann sagen, dass die Gesellschaft Schwule/Lesben hinzunehmen hat, wenn diese tatsächlich von Geburt dies sind. Nur hat diese Minderheit kein Recht auf Privilegien auf Grund ihrer Minderheit. Und ich denke, dass eher Sie den Artikel nicht ganz verstanden haben.

        • Der/Anarchist says:

          @Ron

          Reiben Sie sich nicht an meinen Flüchtigkeitsfehlern, sondern, wenn, gehen Sie auf den Inhalt ein. Es ist kurz vor 06:00 Uhr, der Schlaf steckt noch in den Augen!

        • kaivonderkueste says:

          Wenn bei eineiigen Zwillingen der eine homo-, der andere aber hetereosexuell orientiert (und diese Orientierung auch praktisch umsetzt) erscheint, so liegt dies vermutlich daran, dass der homosexuelle orientierte sich frei entfalten konnte, der heterosexuell orientierte nur in Anpassung an die hetero-normative Gesellschaft und wahrscheinlich aufgrund von Diskriminierungserfahrungen (tatsächlich eigenen oder aus Angst vor solchen) so erscheint.

          kai

      • @Ron

        Ich glaube, niemand hier im thread ist der Meinung, dass man Menschen, die Probleme haben, nicht helfen sollte. Das steht also, glaube ich, hier gar nicht zur Debatte.

        Zur Debatte stehen aber Sachfragen nach in der Realität beobachtbaren Zusammenhängen, die Forderungen nach Hilfsangeboten begründen sollen.

        Und was diese Begründung mit Bezug auf den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Suizidgefahr betrifft, so habe ich getan, was ich konnte, um zu einer vernünftigen Einschätzung aufgrund der bislang vorliegenden Forschungsergebnisse zu kommen. Dies alles ist in meinem Text in der Blauen Reihe nachzulesen.

        Und dabei geht es nicht darum, was wir “nachvollziehbar” finden, z.B. Ihre Auffassung, nach der gilt:

        ” Ist man homosexuell, ist diese Lebensphase noch viel schwieriger, weil man mit Leuten und Meinungen wie der ihren konfrontiert ist, welche denken man sei gestört oder krank, weil man homosexuell ist. “

        Sie formulieren hier, wie Sie sich etwas vorstellen, aber Ihre Vorstellung kann zumindest derzeit nicht durch empirische Forschung begründet werden; sie ist eben bis auf Weiteres einfach Ihre Vorstellung.

        D.h. es gibt bislang keinen Grund, die Verallgemeinerung, nach der die Jugendphase “noch viel schwieriger” sei, wenn man homosexuell ist, weil man mit Leuten konfrontiert ist, die eine bestimmte Meinung haben, vorzunehmen, denn

        1. gibt es keine empirische Evidenz dafür, dass es da draußen in der Welt eine große Anzahl von Menschen gibt, die meinen, Homosexualität wäre eine Krankheit; vielmehr gibt es Evidenzen dafür, dass die Einstellungen der Menschen insgesamt betrachtet zur Homosexualität in den vergangenen Jahrzehnten positiver geworden sind – und das ist doch etwas, worüber man sich als liberaler Mensch freuen kann! Wie kann sich jemand, gegen diese Evidenzen wehren wollen, der angeblich Solidarität oder Verständnis mit Homosexuellen fühlt? Kann er dies nur fühlen, wenn Homosexuelle möglichst Schwierigkeiten haben und unglücklich sind? Ich persönlich habe überhaupt kein Verständnis für die, die um ihren Verständnis- und Hilfstrieb ausleben zu können, bestimmte Menschen in Schwierigkeiten sehen oder zumindest hineinreden wollen;

        2. selbst dann, wenn es sehr viele Menschen gäbe, die gegenüber Homosexualität sehr negativ eingestellt wären, dies offensichtlich in aller Regel zu keinerlei “Konfrontation” zwischen ihnen und Homosexuellen (wie auch immer man sie definieren will und woran auch immer sie erkennbar sein sollten) führt, weil die meisten Menschen ihre ablehnende Haltung nämlich schlicht für sich behalten. Wäre das anders, ließen sich handfeste Daten hierüber finden; es lassen sich aber keine finden.

        Wenn Menschen Ablehnung oder Verwunderung zeigen, dann sind die Gesten, mit denen sie sie ausdrücken, gewöhnlich so vage, dass sie leicht fehlzuattribuieren sind. Ich z.B. glaube grundsätzlich, wenn ich angestarrt werde, dass jemand mich als Ausländer oder Nicht-Zugehöriger, irgendwie “Gemischter” einordnet wegen meiner relativ starken natürlichen und eher dunklen Locken in Kombination mit weißer Haut (tatsächlich werde ich manchmal auf Italienisch angesprochen, trotz blauer Augen und dunkelblonder Haare – es ist seltsam!); dabei finden die Leute vielleicht nur meinen knallroten Pullover fehl am Platz. Wenn man jugendliche Sexualität schon unbedingt definieren, festlegen und bezeichnen muss, dann sollte man sich darüber klar sein, dass man damit die Jugendlichen sensibilisiert, die Welt durch die Brille zu sehen, die man ihnen aufgesetzt hat, nicht durch ihre eigenen Augen, und dass man ihnen damit nicht unbedingt einen Gefallen tut. Selbst, wenn sie korrekterweise annehmen würden, dass sie irgendwie abgelehnt oder diskriminiert werden, weil jemand sie für homosexuell hält (Sie würden vielleicht sagen: erkennt), dann ist das eben so, und jeder von uns stößt bei irgendjemandem wegen irgendetwas auf Ablehnung. Die Leute haben ein Recht auf ihre Meinung und darauf, ihre Meinung zu äußern, genau wie ich selbst! Und warum auch nicht? Mir steht frei, nicht zu mögen, wer mich nicht mag. Was soll’s? Was ist daran so schlimm? Statt Leute in die Opferrolle hineinzureden, sollte man ihnen Resilienz beibringen, denn die kann man im Leben immer und überall brauchen und nicht nur mit Bezug auf irgendeine sexuelle Orientierung;

        3. last, but not least – es ist naiv zu meinen, dass jemand in der Jugendphase, die sie mit Recht als Phase der Selbstfindung bezeichnen, sich selbst als definitiv homosexuell betrachtet/beschreibt, noch dazu als sozusagen von Natur aus homosexuell; vielmehr dürfte für die Mehrheit der Jugendlichen, die homosexuelle Erfahrungen gemacht haben, gelten, dass sie eben diese sexuellen Erfahrungen und vermutlich auch andere sexuelle Erfahrungen gemacht haben, und sie von außen, Erwachsenen, Pädagogen, Sozialarbeitern, Lobbyisten etc., Angebote darüber gemacht bekommen, wie sie ihre Erfahrungen einzuordnen, zu gewichten, zu bewerten und zu bezeichnen hätten und welche Art von Mensch sie daher seien bzw. welche sexuelle Orientierung sie hätten. Gerade diese Einordnung macht aber vermutlich Schwierigkeiten, und es wäre zweifellos für Jugendliche besser, wenn man sie ihre sexuellen Erfahrungen – welcher Art auch immer – machen ließe, ohne dass labels vergeben werden oder die Jugendlichen mit der Last von Fragen beschwert werden, die WIR im Zusammenhang mit Homosexualität haben mögen, aber die wir nicht automatisch als relevant für alle Jugendlichen unterstellen können, die homosexuelle Erfahrungen gemacht haben. Nicht umsonst sind “echte” Homoexuelle (auch) unter Erwachsenen so selten, dass Studien über Zusammenhänge zwischen Homosexualität und irgendetwas fast immer Bisexuelle beinhalten, die umstandslos Homosexuellen zugeschlagen werden, was deren gelebte sexuelle Realität und deren Identifikation aber gleichermaßen NICHT abbildet;

        In jedem Fall sehe ich nicht, mit welcher vernünftigen Begründung (und Nachvollziehbarkeit ALLEIN ist keine vernünftige Begründung!) Sie dem widersprechen möchten, was die vorliegende empirische Forschung ergibt.

        Und wie gesagt verstehe ich einfach nicht, wie jemand sich über die Forschungsergebnisse nicht freuen kann. Ich hätte gedacht, dass es eine gute Nachricht ist, dass es keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen sexuellen Präferenzen oder meinetwegen Orientierungen und Suizidrisiko gibt!

  5. Hans4711 says:

    Dank an sciencefiles.org für all die treffenden Artikel und speziell auch für diesen hier. Ist die Politik schon zu oft verlogen, so setzen die Grünen und Gender-Befürworter hier noch eins obendrauf. Gut zu wissen, wie die Verhältnisse tatsächlich sind.

  6. hgb says:

    Passend hierzu das heutige Fernsehprogramm DAS ERSTE (richtig wäre eigentlich DAS LETZTE):
    “Wer hilft mir beim Sterben? Im November entscheidet sich, ob Ärzte künftig offiziell Beihilfe beim Suizid leisten dürfen. Die Mehrheit der Deutschen hofft darauf.” (Zitat aus TV Direkt)
    Dies ist wohl auch im Zusammenhang mit “…wenn alle gesellschaftlichen Kräfte in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen am Abbau bestehender Benachteiligungen arbeiten…” zu sehen.

  7. Pingback: Die Nicht-Heterosexuellen und der Selbstmord - NICHT-Feminist

  8. zrwd2 says:

    nach erfolgter Lektüre kann ich die Diefenbach Studie sehr empfehlen. Eine gelungene und extrem wichtige Methodenkritik, die sehr deutlich macht, dass die politische Position der ‘anderen Seite’ mal wieder rein auf dumpfen Ahnungen und von keinerlei Sachkenntnis getrübten Gewissheiten besteht.

  9. Billinger says:

    “Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen in nennenswertem Ausmaß besteht.”

    Meines Wissens ist “Schwuler” oder “Schwuchtel” eine gängige Beschimpfung zB in Berlin. Sie wäre keine Beschimpfung, wenn “Schwuler” oder “Schwuchtel” nicht allgemein abwertend im Sinne von “unmännlicher Mann” verstanden würden.

    Ich stütze meine Aussage auf empirische Beobachtung.

    • … und woher wissen Sie, dass “Schwuler” “allgemein” als “unmännlicher Mann” verstanden wird? Und welche quantitativen Daten genau verbergen sich hinter dem von Ihnen gewählten Begriff “allgemein”?

      Mir ist nicht ersichtlich, auf welche empirische Beobachtung” Sie sich mit Ihrer Behauptung stützen? Sie meinen ja wohl kaum Ihren persönlichen gusto, oder!?

      Und selbst wenn Sie Recht hätten:

      Was ist mir der Stigmatisierung und Diskriminierung von z.B. heterosexuellen Männern als “geiler Bock” o.ä.

      Oder ist das vielleicht eine Bezeichnung zur Anerkennung von “Eroberungserfolg”? Wer weiß!?

      Und warum ist es so schlimm, dass Leute Begriffe gebrauchen, die Sie oder ich persönlich vielleicht nicht gebrauchen würden – aus welchen Gründen auch immer?

      Andere Leute haben ein Recht auf ihre Weltanschauung, ihre Meinung, ihren Sprachgebrauch, ganz so, wie Sie und ich unser Recht hierauf in Anspruch nehmen wollen und davon ausgehen, dass uns das auch möglich ist. Das ist in Ordnung, und die Welt wird nicht dadurch netter, schöner oder friedfertiger, dass wir alle im Stillen brüten und irgendwelche Übereinstimmungen oder Nicht-Übereinstimmungen mit anderen Menschen phantasieren und uns sozusagen präventiv schon ‘mal stigmatisiert, abgelehnt, gehasst, diskriminiert fühlen – im Gegenteil! Also warum solches phantasieren – ohne jede Not?!?

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