Volkstechnologie: Die Regierung backt sich ihr Volk

Die Bundesregierung weiß bekanntlich, was gut für die Bevölkerung ist, wie man als Deutscher richtig lebt, wie man nachhaltig und hetzfrei und im Einklang mit den Steuervorgaben und Plänen der Bundesregierung lebt, eben so, dass es der Regierung gefällt. Damit auch sichergestellt ist, dass alle richtig leben, so wie es der Bundesregierung gefällt, wird genudged. Wir haben schon mehrfach über diese neue Variante eines obrigkeitsgläubigen Sozialismus berichtet. Dieses Mal ist es nicht mehr die Partei, die Partei, die immer Recht hat, dieses Mal ist es gleich die Regierung – wozu vorgaukeln, es gäbe eine breite Basis der Mitbestimmung?

Und weil die Regierung immer Recht hat und weiß, was für die Bürger in Deutschland gut und richtig ist, deshalb hat die Regierung beschlossen, dass sie im Jahr 2020 auf deutschen Straßen eine Million Elektroautos fahren lassen will. Derzeit sind Elektroautos Ladenhüter, die einfach niemand kaufen will. Ganze 25.500 Elektroautos hat die Industrie absetzen können, zu wenig, damit sich das Unterfangen lohnt.

Wäre die deutsche Wirtschaft eine Marktwirtschaft – und es soll ja immer noch Phantasten geben, die das glauben – die Ladenhüter mit dem Akku unter der Haube, sie wären längst vom Markt verschwunden. Warum? Weil es keine Nachfrage nach ihnen gibt. Und wenn es keine Nachfrage nach einem Produkt gibt, dann gibt es auch niemanden, der dieses Produkt herstellt. Es sei denn, die Bundesregierung, die ja genau weiß, was die Zukunft bringt und was gut und richtig ist, es sei denn diese Bundesregierung beschließt, für den entsprechenden Ladenhüter eine künstliche Nachfrage zu schaffen.

Künstliche Nachfrage schafft man dadurch, dass man umverteilt. Man nimmt Geld von Steuerzahlern und gibt es an andere Steuerzahler, wenn diese Steuerzahler noch ein wenig von dem Geld, das ihnen nicht als Steuer entzogen wurde, einsetzen, um z.B. ein Röhrenradio zu kaufen. Röhrenradios sind auch vollkommen out, obwohl sie umweltfreundlich elektrisch betrieben werden können und unglaublich nachhaltig sind. Wir haben noch eines aus dem Jahre 1947 in der Redaktion stehen, und es funktioniert erstklassig. Aber nicht den Kauf nachhaltiger Röhrenradios will die Bundesregierung finanzieren, sondern nachhaltige Elektroautos, jene Ladenhüter, die in den Hallen der Autokonzerne darauf warten, dass ein grüner Radler oder ein linker Anti-Atomkraftler ein indirekt über Windkraft betriebenes Elektroauto kauft. Ganze 25.500 Elektroautofreaks haben sich bislang angefunden, um dieses einmalige Statement des eigenen Carings um die Umwelt, dieses Fanal des eigenen Umweltbewusstseins zu erwerben und sich dann auf die Suche nach einer Steckdose rechts und links der Autobahn zu machen.

Das soll sich ändern. 4.000 Euro will die Bundesregierung demjenigen zahlen, der sich bereit erklärt, ein E-Auto zu kaufen, sofern das E-Auto nicht mehr als 60.000 Euro kostet. Es sollen ja Volksfahrzeuge und nicht Luxusfahrzeuge gesponsert werden. 1.2 Milliarden Euro kostet diese Schaffung einer künstlichen Nachfrage, dieses Kennzeichen einer sozialistischen Planwirtschaft, die heutzutage nicht mehr Sozialismus, sondern Nudgismus heißt. Früher haben die Sozialisten die Bürger zum richtigen Bewusstsein bekehrt (zuweilen mit Gewalt), heute werden sie zum richtigen Bewusstsein bestochen. Die Planwirtschaft hinter beiden, ist dieselbe.

Maehlert kleine GeschichteUnd wie immer, wenn es um Planwirtschaft geht, gibt es das Problem, dass man zwar planen kann, was das Zeug hält, aber dennoch nicht vorhersagen kann, was die Zukunft bringt. 40 Jahre DDR haben eindrücklich gezeigt, dass der Plan von gestern das verfehlte Planziel von heute war, und entsprechend haben wir, damit die Bundesregierung nicht denselben Fehler macht, den alle Sozialisten bislang gemacht haben und dem Irrtum aufsitzt, sie könne vorhersehen und vorherbestimmen, wie sich die Bevölkerung verhält, beschlossen, zurück zu nudgen. Wir nennen das ein Korrektiv-Nudgen, um die schlimmsten Fehler des Regierungs-Nudgens, die der Uninformiertheit der Regierungs-Nudger geschuldet sind zu korrigieren.

Fangen wir damit an, dass Elektroautos, für diejenigen, die sie derzeit kaufen, ein Prestigeobjekt sind, das dem eigenen Image zuträglich ist. Besonders Grüne können sich mit dem E-Auto als besonders gute Umweltfreunde outen und entsprechendes soziales Prestige einfahren, und genau das macht die Bundesregierung mit ihrem Nudgen kaputt. Anstelle von Prestige gibt es Käuflichkeit: Man lässt sich für sein gutes Umweltbewusstsein bezahlen? Das geht nicht. Entweder man ist überzeugter E-Autofahrer oder man ist durch der Bundesregierung käuflich, ein E-Prostituierter. Diese unbeabsichtigte Folge der Intervention von Regierungen, die mit dem Nudgen zu endemischen Ausmaßen getrieben werden, sie wurden z.B. von Dan Ariely, Anat Bracha und Stephan Meier (2009) unter dem Stichwort der „image motivation“ beschrieben, und zwar so, dass es auch Regierungsvertreter verstehen müssten:

“To illustrate the point, consider the following scenario. An individual is considering buying a new environmentally friendly hybrid car which is more expensive than an equivalent car with a standard gasoline engine. Driving an automobile that is clearly a hybrid car would probably add to one’s positive image, especially in a community that values environmentally friendly technologies. Suppose the government introduces a well-publicized and large tax benefit for those who purchase a hybrid car. On the one hand, the tax incentive reduces the price of the hybrid car, making its purchase more attractive. On the other hand, the tax incentive decreases the image value derived from driving the hybrid. Without the tax incentive, buying a hybrid car definitely shows the individual cares for the environment (positive image); with the tax incentives, it does not”.

Ob die Regierung das versteht und einsieht, dass man Dinge nicht erzwingen kann?

In jedem Fall wird die Autoindustrie es der Regierung danken, so üppig gesponsert zu werden. Ein Leser von ScienceFiles, der wie wir der Meinung ist, dass es in Deutschland keine Marktwirtschaft mehr gibt, schon gar keine freie Marktwirtschaft, versorgt uns nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Zitaten, z.B. mit dem folgenden von Ludwig Erhard, den manche noch kennen werden. Wer ihn nicht mehr kennt: Erhard ist maßgeblich für die Möglichkeit verantwortlich, den gesellschaftlichen Reichtum zu schaffen, den heutige Generationen von Politikern zerstören. Er nannte diese Möglichkeit Freie Marktwirtschaft. Erhard hat zum Lobbyismus, wie ihn die Automobilindustrie im Hinblick auf die Ladenhüter-E-Autos gerade erfolgreich betrieben hat, Folgendes zu sagen:

„[…] ich erlebe es immer wieder, dass auf der einen Seite wirtschaftliche und unternehmerische Kreise ständig an den Staat mit der Bitte herantreten, er möchte ihnen doch auf diesem oder jenem Gebiet irgendwelche Hilfen oder Unterstützung zuteil werden lassen. Es müssen nicht immer Subventionen und Zuschüsse, sondern es können auch Kreditanforderungen und ähnliches sein. Ja woher soll denn der Staat solche Ansprüche befriedigen können? Ihm fällt das Geld und das Kapital, ja auch nicht vom Himmel, sondern alle Wohltaten, die er bezeugt, muss er weniger wohltätig ja dem Staatsbürger erst abnehmen. Wir kommen dann zu der grotesken Erscheinung, dass der überbesteuerte Staatsbürger als Bittsteller bei dem gleichen Staat erscheint und versucht, auf dem Kreditwege das zurückzuerhalten, was nach Recht und Moral eigentlich sein Eigentum aus dem Ertrag seiner Arbeit sein müsste.“ (aus „Das Prinzip Freiheit“)

Ariely, Dan, Bracha, Anat & Meier, Stephan (2009). Doing Good or Doing Well? Image Motivation and Monetary Incentives in Behaving Prosocially. American Economic Review 99(1): 544-555.

 

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6 Responses to Volkstechnologie: Die Regierung backt sich ihr Volk

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  3. fdominicus says:

    Hier mein Hinweis dazu:
    https://www.q-software-solutions.de/blog/2016/04/bin-gegen-jede-subvention/

    Es gibt wenige E-Fahrzeuge die billiger als 20 000 € sind und ab einem Preis von ungefähr 21 000 beträgt die MwSt mehr als 4000 €. Ich schlage daher vor, dieses als Maßstab für die – leider kann man es nicht anders schreiben – Blödheit der Deutschen zu nehmen.

    Man muß ja daran denken es geht nur um rechte Tasche/ linke Tasche. Nur eben das Geld muß man ja auch erst mal haben und willig es für ein E-Auto auszugeben.

    Ich möchte ja vorschlagen es wird wirklich mal nachgerechnet wie energetisch ungünstig es ist, den Strom erst mal mit – ja was? – zu produzieren. Dann nur so begrenzt speichern zu können, dazu eine Infrastruktur für eben die Ladung dieser E-Autos zu garantieren, vs den Kosten für die Herstellung von Benzin/Diesel.

    Ich kann mir da nicht vorstellen, daß es für E-Autos gut aussähe. Ich bin mir aber auch recht sicher wie es laufen wird. Es wird so gehen eine kwH kostet – keine Ahnung – 20 ¢. Mit einer Ladung kommt man xx km weit also kostet ein Km xx / whatever.

    Und es wird „gut“ sein – oder so.

  4. Michael Pflitsch says:

    Dem Vorbehalt des Nudgings stimme ich zu. Allerdings hat dieses Nudging auch einigen Technologien in deutschland zum Durchbruch verholfen. In einer zweiten Runde dieser Entwicklung sah man allerdings, dass das Angebot etwa von Windkraftanlagen und Solarparks auf der Abschöpfung von staatlichen Zuwendungen beruhte. Man vergaß, sich um ständige Verbesserungen zu bemühen, und bald darauf wurden die deutschen Anbieter von ausländischer Konkurrenz bis zum Ruin bedrängt.

    In der dritten Runde wird der Staat wiederum um Hilfe gebeten, um die einheimischen Anbieter vor vermeintlichen Dumpingpreisen zu schützen. Andernfalls drohen wertvolle Arbeitsplätze verloren zu gehen.

    Das Gebilde ist also von Anfang an fragil (s. Nassim Nicholas Taleb – „Antifragility“).

    Einen Aufreger kann man vielleicht entschärfen. Die Kaufprämie von bis zu € 4.000 für Elektroautos bis zur Preisobergrenze von € 60.000 finanziert sich leicht aus der Umsatzsteuer der gekauften Autos. Die kann ja bis zu € 11.400 bei Ausschöpfen der € 60.000-Grenze liegen. Da müsste der allergrößte teil der begünstigten E-Autos schon bei € 20.000 angeboten werden, ehe die öffentliche Hand drauflegt.

    Ähnlich verhielt es sich auch bei der Abwrackprämie kurz nach Ausbruch der Finanzkrise. Die Abwrackprämie finanzierte sich unmittelbar aus der Umsatzsteuer der neu gekauften Autos.

  5. Habnix says:

    Da scheisst der Teufel wieder auf den größten Haufen. Selbst wenn ich wollte, ich könnte nicht mir ein E-Auto kaufen. Hab nur ein mikrigen Leiharbeiter Lohn für zwei. Doch selbst wenn ich könnte, ich wollte das E-Auto nicht.

    Das E-Auto wird auch ein Teil für die komplett überwachte Gesellschaft.

  6. Habnix says:

    “[…] ich erlebe es immer wieder, dass auf der einen Seite wirtschaftliche und unternehmerische Kreise ständig an den Staat mit der Bitte herantreten, er möchte ihnen doch auf diesem oder jenem Gebiet irgendwelche Hilfen oder Unterstützung zuteil werden lassen. Es müssen nicht immer Subventionen und Zuschüsse, sondern es können auch Kreditanforderungen und ähnliches sein. Ja woher soll denn der Staat solche Ansprüche befriedigen können? Ihm fällt das Geld und das Kapital, ja auch nicht vom Himmel, sondern alle Wohltaten, die er bezeugt, muss er weniger wohltätig ja dem Staatsbürger erst abnehmen. Wir kommen dann zu der grotesken Erscheinung, dass der überbesteuerte Staatsbürger als Bittsteller bei dem gleichen Staat erscheint und versucht, auf dem Kreditwege das zurückzuerhalten, was nach Recht und Moral eigentlich sein Eigentum aus dem Ertrag seiner Arbeit sein müsste.” (aus „Das Prinzip Freiheit“)

    Das was Konzerne dem Arbeitnehmer ungerecht aber raffiniert genommen, das holt der Arbeitnehmer seiner Lebtage nicht mehr wieder rein.

    Verwechseln wir bitte nicht unseren vom Konzern-Kapital erlaubten Freiraum nicht mit Freiheit, denn der erlaubte Freiraum ist nur ein Knast ohne Gitter der mit Freiheit nichts zu tun hat, aber die Kunst zu beherrschen sich Unabhängig zu versorgen ist die wahre Freiheit. Wir, das sind über 90% der Weltbevölkerung, dürfen nicht von Freiheit reden, da über 90% der Weltbevölkerung Lohnabhängig sind, was gleichbedeutend ist mit Versklavung durch Lohnabhängigkeit.

    Und ich muss durch meinen mikrigen Leiharbeiter Lohn die Selbstversorgung versuchen so gut es geht.

    Das freut die Konzerne nicht.

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