Survival of the Fittest

Nur: Wer sind die Fittesten?

Für die Sozialisten waren die Fittesten die Arbeiter und Bauern, die sich im Klassenkampf gegen den Kapitalismus durchsetzen werden: Deshalb fand u.a. August Bebel den Darwinismus so praktisch, bot er doch angeblich eine theoretische Grundlage um sozialistische Phantasien auszuleben. Was Bebel nicht bedacht hat, Darwin hat eine biologische Theorie aufgestellt, keine soziale.

Für die Nationalsozialisten waren die Fittesten diejenigen, die arisches Blut in ihren Adern hatten, was auch immer arisches Blut sein mag: die reine Rasse der Deutschen. So findet sich in „Mein Kampf“ die folgende Darstellung des Werts der Rassenreinheit, die auf einer Hierarchie der Rassen aufbaut, die die deutsche Rasse an der Spitze sieht:

“Somit kann man folgenden gültigen Satz aufstellen: Jegliche Rassenkreuzung führt zwangsläufig früher oder später zum Untergang des Mischproduktes, solange der höherstehende Teil dieser Kreuzung selbst noch in einer reinen irgendwie rassenmäßigen Einheit vorhanden ist. Die Gefahr für das Mischprodukt ist erst beseitigt im Augenblick der Bastardierung des letzten höherstehenden Rassereinen. Darin liegt ein, wenn auch langsamer natürlicher Regenerationsprozeß begründet, der rassische Vergiftungen allmählich wieder ausscheidet, solange noch ein Grundstock rassisch reiner Elemente vorhanden ist und eine weitere Bastardierung nicht mehr stattfindet. (Hitler: Mein Kampf)

Dass Hitler hier Unsinn schreibt wird schon daran deutlich, dass er der Inzucht das Wort redet. Hitler ist eines der vielen Beispiele, die zeigen, was passiert, wenn sich Personen Ideen oder Theorien aneignen, die sie nicht ansatzweise verstanden haben und dann mit ihnen dilettieren.

darwin-origin-of-speciesDas Schicksal, von vielen Dilettanten aufgegriffen und entstellt zu werden, ist auch der Idee des „Survival of the Fittest“ widerfahren, die Charles Darwin entwickelt hat und die er in der fünften Auflage seiner „Origin of Species“ als zusätzliche Überschrift der schon vorhandenen „Natural Selection“ angefügt hat. Dazu schreibt Darwin: „This preservation of favorable variations and the rejection of injurious variations, I call Natural Selection or the Survival of the Fittest“ (Darwin, Origin of Species IV, 2).

Die Idee von Darwin sagt nicht mehr und nicht weniger, als dass sich auf lange Sicht und aufgrund biologischer Anpassung die Fittesten durchsetzen. Wie Thomas Huxley eigentlich schon zu Darwins Zeiten festgestellt hat, sind nicht notwendig die Besten oder die Größen oder die Stärksten die Fittesten, die Fittesten sind diejenigen, denen es am besten gelingt, sich an die Randbedingungen, die ihre biologische Umwelt setzt, anzupassen. Das müssen nicht diejenigen sein, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als die „Besten“ angesehen werden, denn was Darwin formuliert, ist kein Gesetz der moralischen oder sozialen Entwicklung, sondern ein biologisches Entwicklungsgesetz.

Aber hier beginnt der Missbrauch der von Darwin formulierten Idee des „Survival oft he Fittest“: „For those who could not distinguish between biological and social evolution, Darwin’s theory offered the public authority of science by which they could attempt to legitimize their private version of human progress” (Rogers, 1972: 280).

Für sie, die die entsprechende Unterscheidung nicht treffen wollten oder konnten, wurde der Darwinismus zum Selbstbedienungsladen. Aus der Tatsache, dass die existierenden Spezies Beleg einer erfolgreichen Anpassung sind und von Darwin als Ergebnis eines evolutionären Prozesses beschrieben wurden, dass sie „the fittest“ sind, während die Spezies, die z.B. nur noch als Fossil vorhanden sind, offensichtlich eine Anpassung nicht geschafft haben, haben sie gefolgert, dass man den Spieß umdrehen könne und diejenigen, die auf Basis ihrer Bewertung als unfit anzusehen sind, ausmerzen könne oder solle oder müsse.

Wir treffen hier im Kern den selben sozialtechnologischen Machbarkeitsglauben, der sich heute im so genannten liberalen Paternalismus, der auch als Nudgen bekannt ist, findet: Die private Bewertung dessen, was das Beste, das Richtige, das Gute ist, wird verallgemeinert und genutzt, um all das, was gerade nicht als das Beste, Richtige und Gute angesehen wird, zu beseitigen (oder auszumerzen).

natural-selection3Nun gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einer deskriptiven und post-hoc gewonnenen Theorie, wie sie Charles Darwin formuliert hat, einer Theorie die Zusammenhänge aufführt und Konsequenzen benennt und einer normativen Utopie, wie sie Sozialisten und Faschisten so gerne aufstellen: Erstere kann anhand von Fakten geprüft und notfalls modifiziert oder falsifiziert werden, Letztere ist Widersprüchen gegenüber immun, da die Vertreter der entsprechenden Utopie mit einem Wahrheitsanspruch auftreten. Sie versuchen nicht, ihre Überzeugung zu prüfen und zu modifizieren, wenn sie sich als falsch herausgestellt hat, sie suchen nach Belegen dafür, dass ihre Ansicht richtig ist und natürlich finden sie unzählige Belege dafür, wie der Missbrauch des Darwinismus belegt.

Weil dem so ist, ist es so schlimm, das sich an Universitäten wieder Personen einnisten können, die nach Verifikation streben bzw. deren einziger Beitrag darin besteht, eine religiöse Lehre zu verkünden und jeden, der sie kritisiert, als Häretiker zu verfolgen.

Menschen, sind an biologische Fakten gebunden, und sie sind sozialen Konventionen unterworfen. Erstere sind nicht verhandelbar, weshalb es so lächerlich ist, wenn Menschen herumtollen und der Ansicht sind, sie könnten sich ihr Geschlecht aussuchen. Letztere sind Ergebnis von Verhandlungen, von Verhandlungen, die zuweilen irrationale Ergebnisse zeitigen, z.B. dann, wenn Menschen auf Unisex-Toiletten gezwungen werden oder wenn die Abweichung zur Norm gemacht wird, auf die die Mehrheit Rücksicht nehmen muss oder wenn versucht wird, biologische Grundlagen in Frage zu stellen oder sozial zu überformen, wie dies z.B. im Rassenkonzept der Fall war, das den Nazis dazu gedient hat, Menschen in Über- oder Untermenschen zu unterscheiden.

Weil soziale Fakten verhandelbar sind, deshalb finden sich in menschlichen Gesellschaften Versuche, die Verhandlungen dazu zu nutzen, sich gegenüber anderen Vorteile zu verschaffen, z.B. dadurch, dass man anderen weiszumachen versucht, die Zukunft sei von Menschen planbar und eindeutig gestaltbar, ohne dass dabei unbeabsichtigte und negative Folgen entstünden und ohne dass der schöne Plan sich als nicht durchsetzbar erweisen könne.

Darwin hatte das Pech, eine Theorie zu formulieren, die denen, die so gerne über das Los und die Zukunft anderer bestimmen, die Grundlage geliefert hat, ihre Ideologie in die Tat umzusetzen, entweder in Form der historischen Überlegenheit der Arbeiterklasse oder der arischen Rasse oder in Versuchen, durch Programme der Euthanasie die Qualität der eigenen Bevölkerung zu erhöhen.

Nichts davon geht auf Darwin zurück oder kann mit seiner Theorie begründet werden, denn: Darwin hat eine deskriptive Theorie formuliert, die keinerlei Bewertung enthält. Dagegen ist die Frage, ob bestimmte Individuen aufgrund ihrer Eigenschaften fitter oder weniger fit oder gar nicht fit sind, um den menschlichen Bestand einer Gesellschaft und dessen Qualität zu befördern, eine moralische Frage und noch dazu eine Frage, wie sie sich nur in kollektiven Ideologien, in Faschismus, Sozialismus oder Nationalsozialismus stellen kann.

Wer nicht in Kollektiven, sondern in Individuen denkt, wird schnell bei der Erkenntnis ankommen, dass derjenige, der gerade aufgrund eines bestimmten Kriteriums als unfit angesehen wird (z.B. körperliche Stärke), seinerseits auf eine Vielzahl von Kriterien zurückgreifen kann, um die nicht vorhandene Fitness derjenigen zu beschreiben, die ihn als „unfit“ bezeichnet haben (z.B. einen IQ von mehr als 130).

Wer individuell denkt, ist immun gegenüber Faschismen aller Art. Nur wer in Gruppen und Kollektiven denkt, ist anfällig für Ideen der Rassenhygiene oder der Minderwertigkeit anderer Menschen, deren Bezug eine statische Eigenschaft ist, die entweder zugeschrieben ist wie Nationalität oder phantasiert, wie germanische Abstammung, und weder mit Leistung noch mit Strebsamkeit zu tun hat.

Und selbst wenn man am Kollektiv orientiert ist und kollektive Ziele erreichen will, ist die Konsequenz aus dem „survival of the fittest“ nicht der Eingriff in die menschliche und soziale Entwicklung: “Darwin himself opted for living with the bad consequences of the less capable outbreeding what he called ‘the better class of men’. In the end, he could sanction neither a withdrawal of charity nor active intervention with human breeding” (Paul 2003: 241).

Darwin, Charles (1859). On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life. London: John Murray.

Paul, Diane B. (2003). Darwin, Social Darwinism and Eugenics. In: Hodge, Jonathan & Radick, Gregory (Hrsg.): The Cambridge Companion to Darwin. Cambridge: Cambridge University Press, S. 214-239.

Rogers, James Allen (1972). Darwinism and Social Darwinism. Journal of the History of Ideas 33.2: 265-280.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Virale Impfung: Stell‘ Dir vor Du wirst geimpft und weißt gar nichts davon

Unvorstellbar?

Mitnichten. Die Entwicklung von viralen Impfstoffen, die sich selbstständig verbreiten, die von Mensch zu Mensch überspringen, ohne dass Mensch etwas davon bemerkt, ist so gut wie abgeschlossen:

vaccine-yes_no“ This concept may sound like science fiction, but the oral polio vaccine already does this to a limited extent [8], and transmissible vaccines have now been developed and deployed in wild animal populations [6]. For instance, recombinant transmissible vaccines have been developed to protect wild rabbit populations against myxomatosis [9] and to interrupt the transmission of Sin Nombre hantavirus in reservoir populations of deer mice [10,11]. In addition, a transmissible vaccine is currently being developed to control Ebola within wildlife reservoirs [12]. Given the current pace of technological advance in genetic engineering, it is only a matter of time before transmissible vaccines can be easily developed for a wide range of infectious diseases.”

Das schreiben Scott L. Nuismer und seine sechs Ko-Autoren in einem gerade erschienenen Beitrag für die Proceedings B der Royal Society. Die Verbreitung viraler Impfstoffe, die sich wie ein Krankheitserreger von Mensch zu Mensch ausbreiten, nur dass sie ihn nicht krank machen, sondern resistent gegen Viren, ist nach den Ergebnissen von Nuismer et al. ein lohnendes Unterfangen, mit dem es gelingen kann, selbst mit sehr schwachen Impfstoffen, die mehrfach verbreitet werden müssen, Geißeln der Menschheit wie Polio oder die Masern auszurotten, so wie das z.B. mit den Pocken gelungen ist:

“ Our results show that even a weakly transmissible vaccine can substantially facilitate efforts to control or eradicate infectious disease.”

Nuismer et al. haben ihr Modell absichtlich mit einem schwachen Impfstoff gerechnet, denn letztlich ist ein Impfstoff nichts anderes als ein Virus in abgeschwächter Form, auf den der aufnehmende Organismus durch die Ausbildung einer Resistenz reagiert bzw. reagieren soll, denn wenn der Impfstoff zu stark bemessen ist, bewirkt er sein Gegenteil, er schützt nicht vor z.B. Masern, er hat Masern zur Folge. Die Polio-Schluckimpfung hatte solche negativen Konsequenzen.

Der Vorteil von viralen Impfstoffen, die ein Man Hopping betreiben, liegt auf der Hand: Impfverweigerer, die z.B. die Ausrottung von Kinderlähmung oder Masern verhindern und den entsprechenden Viren Rückzugsorganismen bereitstellen, so dass die Viren überleben können, könnten trotz Verweigerung und ohne ihre Wissen und Zutun, geimpft werden. Die Ausrottung der entsprechenden Viren hätte dann zur Folge, dass zukünftige Generationen keine Impfung gegen z.B. Masern mehr benötigen.

Derartige Aussichten sind für Wissenschaftler, für Genforscher insbesondere, natürlich verlockende Aussichten. Man kann quasi die Welt über die Köpfe anderer hinweg und nur dadurch verändern, dass man einen Impfstoff im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt setzt.

Nur für die, über deren Köpfe hinweg, entschieden wird, dass sie nun per viraler Impfung, gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen geimpft werden, für die hat das Idyll, sagen wir: einen bitteren Beigeschmack, denn ihr Recht auf Selbstbestimmung wird schlicht ignoriert.

Nun kann man sagen, die Ausrottung einer Krankheit wie Masern rechtfertige es, die Impfmuffel gegen ihren Willen zu impfen, wegen dem größeren Guten, das der Allgemeinheit in einer masernfreien Welt winkt. Aber hat die Allgemeinheit ein Recht auf eine masernfreie Welt? Ist es statthaft, Menschen gegen ihren Willen einer Behandlung zu unterziehen, von der sie nicht einmal etwas wissen?

Die ethischen Fragen, die sich mit viralen Impfstoffen verbinden, sind erheblich und rühren an der Grundlage von Gesellschaften, die durch das derzeit so modische Nudging, also das Schubsen von Bürgern in die nach Ansicht von Regierungen richtige Richtung, sowieso schon Abstand vom Liberalismus und vor allem von der Achtung des Einzelnen genommen haben.

Letztere gebietet es natürlich, dass man niemanden ohne sein Wissen, sein Einverständnis und vor allem nicht gegen seinen Willen impft. Ein derartiger Übergriff auf die Integrität anderer ist auch dann nicht zulässig, wenn sich damit ein angebliches gesamtgesellschaftliches Gutes erreichen lässt. Er ist deshalb nicht zulässig, weil damit ein Präzedenzfall geschaffen wird, der es Regierungen erlaubt, regelmäßig Individualismus und Selbstbestimmung mit Füßen zu treten, und zwar mit der Begründung, das sei notwendig für ein höheres Gutes (wohin das führt, ist hinlänglich bekannt, anhand des regelmäßigen Kampfes für das Wohl des Vaterlands, dem Millionen individueller Leben ohne Sinn und ohne Zweck geopfert wurden).

Letzten Endes ist individuelle Selbstbestimmung ein Wert, der mehr wiegt als die Aussicht auf eine masernfreie Welt.

Schockbilder auch bald auf Fleischerzeugnissen

Heute tritt die neue EU-Tabakrichtlinie in Kraft: Ab sofort sehen Raucher beim Kauf einer Packung schwarze Zahnstümpfe, zerfressene Lungen und schwarze Raucherbeine. Die Schockbilder-Advokaten hoffen, mit den Bildern Raucher vom Rauchen abzuschrecken.

smoking cancerNun ist Rauchen eine Angewohnheit, die nicht umsonst unter der Bezeichnung „Sucht“ läuft, was darauf hinweist, dass die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, bei vielen Abhängigen nicht unbedingt eine Option ist. Hinzu kommt, dass viele Raucher eine soziale Verpflichtung verspüren, nicht nur den Finanzminister über die Tabaksteuer glücklich zu machen, sondern auch die Raucher-Entwöhnungsindustrie auszuhalten. Was soll aus all den Sozialarbeitern, Sozialpädagogen, Medizinern, aus all den Entwöhnungshelfern werden, wenn einfach alle Raucher vom Rauchen abgeschreckt werden? Zum Glück produzieren Raucher das, was Ökonomen eine nicht elastische Nachfrage nennen, d.h. sie Rauchen unabhängig von Preis und Schockbildern auf der Packung.

Es geht auch nicht um die Raucher, sondern um die vielen Jugendlichen, die mit dem Rauchen gar nicht erst anfangen sollen. Sie abzuschrecken, ist das Ziel der Schockbilder, so hört man von den Schockbildphilen. Nun, verbotene Dinge und vor allem mit Schockbildern abschreckende Dinge, sie üben einen besonderen Reiz auf Jugendliche aus, die versuchen, ihre eigene Identität in Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft zu bilden. Insofern wird sich in den nächsten Jahren zeigen, in welche Richtung das Nudgen der noch nicht-Raucher weist. Für die Forscher, die sich mit den unbeabsichtigten Folgen von Entscheidungen befassen, sind die Schockbilder in jedem Fall ein willkommenes quasi experimentelles Setting.

Nun, da die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen als neue Richtlinie in Kraft getreten sind, brechen die Brüsseler Bürokraten, die ja nun eine gewisse Regelungsleere verspüren, zu neuen Ufern auf. Und weil Schockbilder in Brüssel und nicht nur dort so beliebt sind, scheint es erste Bestrebungen zu geben, die Verwendung von Schockbildern auszuweiten.

Die Forschung hat eine Unzahl von Belegen dafür angehäuft, dass Fleischkonsum schädlich ist, vor allem rotes Fleisch erfreut das Wachstum der Krebszellen in Organismen und gilt entsprechend als die Ursache hinter einer Vielzahl von Krebserkrankungen. Fleischkonsum ist somit der Gesundheit schädlich, erhöht die Kosten der Gesundheitsversorgung und muss daher eingedämmt werden. Schockbilder bieten sich an, um die Bevölkerung zu gesünderen Nahrungsmitteln zu nudgen.

Gleichzeitig setzt Fleischkonsum eine mit ethischen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringende Massentierhaltung voraus, die letztlich eine Objektivierung von Lebewesen zur Folge hat und die menschliche Fleischeslust auf Basis der Qual anderer Kreaturen befriedigt.

Zudem ist Massentierhaltung einer der größten Verschmutzer der Umwelt, trägt Methan in die Atmosphäre und verstärkt damit die Erderwärmung und verseucht Grundwasser mit Phosphaten und Nitraten.

Der Tatbestand ist eindeutig: Fleischkonsum ist schädlich, Fleischerzeugung ist barbarisch und ethisch nicht vertretbar, Massentierhaltung umweltschädlich.

Um Europäer nicht nur vom schädlichen Tabakkonsum fernzuhalten, sondern auch vom noch viel schädlicheren Fleischkonsum, scheint man bei der EU-Kommission nun Pläne in der Schublade zu haben, die nur darauf warten, dass ein Kommissar seinen Mut zusammennimmt, um sie herauszuholen.

Folgerichtig müssten Verbraucher von Fleisch und Fleischerzeugnissen in Zukunft mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, mit Bildern aus der Massentierhaltung, auf den Verpackungen von Schnitzel und Steaks: Bilder davon, wie Küken gleich nach Geburt geschreddert werden, Bilder von Hähnchen, die mit dem Kopf nach unten in ihren Tot gefahren werden. Live-Aufnahmen aus Schlachthäusern dürften besonders geeignet sein, um europäische Konsumenten vom weiteren massenhaften Verzehr von Fleisch abzuhalten. Zudem sollte der Besuch von Schlachthöfen und von Abdeckereien für Kinder im Grundschulalter verpflichtend sein, um sie über die Lebensgrundlagen ihrer nachhaltigen und grünen Gesellschaft aufzuklären. Und natürlich dürfen auch Bilder von durch Krebs infolge von Fleischkonsum zerfressenen menschlichen Verdauungsträckten nicht fehlen.

Volkstechnologie: Die Regierung backt sich ihr Volk

Die Bundesregierung weiß bekanntlich, was gut für die Bevölkerung ist, wie man als Deutscher richtig lebt, wie man nachhaltig und hetzfrei und im Einklang mit den Steuervorgaben und Plänen der Bundesregierung lebt, eben so, dass es der Regierung gefällt. Damit auch sichergestellt ist, dass alle richtig leben, so wie es der Bundesregierung gefällt, wird genudged. Wir haben schon mehrfach über diese neue Variante eines obrigkeitsgläubigen Sozialismus berichtet. Dieses Mal ist es nicht mehr die Partei, die Partei, die immer Recht hat, dieses Mal ist es gleich die Regierung – wozu vorgaukeln, es gäbe eine breite Basis der Mitbestimmung?

Und weil die Regierung immer Recht hat und weiß, was für die Bürger in Deutschland gut und richtig ist, deshalb hat die Regierung beschlossen, dass sie im Jahr 2020 auf deutschen Straßen eine Million Elektroautos fahren lassen will. Derzeit sind Elektroautos Ladenhüter, die einfach niemand kaufen will. Ganze 25.500 Elektroautos hat die Industrie absetzen können, zu wenig, damit sich das Unterfangen lohnt.

Wäre die deutsche Wirtschaft eine Marktwirtschaft – und es soll ja immer noch Phantasten geben, die das glauben – die Ladenhüter mit dem Akku unter der Haube, sie wären längst vom Markt verschwunden. Warum? Weil es keine Nachfrage nach ihnen gibt. Und wenn es keine Nachfrage nach einem Produkt gibt, dann gibt es auch niemanden, der dieses Produkt herstellt. Es sei denn, die Bundesregierung, die ja genau weiß, was die Zukunft bringt und was gut und richtig ist, es sei denn diese Bundesregierung beschließt, für den entsprechenden Ladenhüter eine künstliche Nachfrage zu schaffen.

Künstliche Nachfrage schafft man dadurch, dass man umverteilt. Man nimmt Geld von Steuerzahlern und gibt es an andere Steuerzahler, wenn diese Steuerzahler noch ein wenig von dem Geld, das ihnen nicht als Steuer entzogen wurde, einsetzen, um z.B. ein Röhrenradio zu kaufen. Röhrenradios sind auch vollkommen out, obwohl sie umweltfreundlich elektrisch betrieben werden können und unglaublich nachhaltig sind. Wir haben noch eines aus dem Jahre 1947 in der Redaktion stehen, und es funktioniert erstklassig. Aber nicht den Kauf nachhaltiger Röhrenradios will die Bundesregierung finanzieren, sondern nachhaltige Elektroautos, jene Ladenhüter, die in den Hallen der Autokonzerne darauf warten, dass ein grüner Radler oder ein linker Anti-Atomkraftler ein indirekt über Windkraft betriebenes Elektroauto kauft. Ganze 25.500 Elektroautofreaks haben sich bislang angefunden, um dieses einmalige Statement des eigenen Carings um die Umwelt, dieses Fanal des eigenen Umweltbewusstseins zu erwerben und sich dann auf die Suche nach einer Steckdose rechts und links der Autobahn zu machen.

Das soll sich ändern. 4.000 Euro will die Bundesregierung demjenigen zahlen, der sich bereit erklärt, ein E-Auto zu kaufen, sofern das E-Auto nicht mehr als 60.000 Euro kostet. Es sollen ja Volksfahrzeuge und nicht Luxusfahrzeuge gesponsert werden. 1.2 Milliarden Euro kostet diese Schaffung einer künstlichen Nachfrage, dieses Kennzeichen einer sozialistischen Planwirtschaft, die heutzutage nicht mehr Sozialismus, sondern Nudgismus heißt. Früher haben die Sozialisten die Bürger zum richtigen Bewusstsein bekehrt (zuweilen mit Gewalt), heute werden sie zum richtigen Bewusstsein bestochen. Die Planwirtschaft hinter beiden, ist dieselbe.

Maehlert kleine GeschichteUnd wie immer, wenn es um Planwirtschaft geht, gibt es das Problem, dass man zwar planen kann, was das Zeug hält, aber dennoch nicht vorhersagen kann, was die Zukunft bringt. 40 Jahre DDR haben eindrücklich gezeigt, dass der Plan von gestern das verfehlte Planziel von heute war, und entsprechend haben wir, damit die Bundesregierung nicht denselben Fehler macht, den alle Sozialisten bislang gemacht haben und dem Irrtum aufsitzt, sie könne vorhersehen und vorherbestimmen, wie sich die Bevölkerung verhält, beschlossen, zurück zu nudgen. Wir nennen das ein Korrektiv-Nudgen, um die schlimmsten Fehler des Regierungs-Nudgens, die der Uninformiertheit der Regierungs-Nudger geschuldet sind zu korrigieren.

Fangen wir damit an, dass Elektroautos, für diejenigen, die sie derzeit kaufen, ein Prestigeobjekt sind, das dem eigenen Image zuträglich ist. Besonders Grüne können sich mit dem E-Auto als besonders gute Umweltfreunde outen und entsprechendes soziales Prestige einfahren, und genau das macht die Bundesregierung mit ihrem Nudgen kaputt. Anstelle von Prestige gibt es Käuflichkeit: Man lässt sich für sein gutes Umweltbewusstsein bezahlen? Das geht nicht. Entweder man ist überzeugter E-Autofahrer oder man ist durch der Bundesregierung käuflich, ein E-Prostituierter. Diese unbeabsichtigte Folge der Intervention von Regierungen, die mit dem Nudgen zu endemischen Ausmaßen getrieben werden, sie wurden z.B. von Dan Ariely, Anat Bracha und Stephan Meier (2009) unter dem Stichwort der „image motivation“ beschrieben, und zwar so, dass es auch Regierungsvertreter verstehen müssten:

“To illustrate the point, consider the following scenario. An individual is considering buying a new environmentally friendly hybrid car which is more expensive than an equivalent car with a standard gasoline engine. Driving an automobile that is clearly a hybrid car would probably add to one’s positive image, especially in a community that values environmentally friendly technologies. Suppose the government introduces a well-publicized and large tax benefit for those who purchase a hybrid car. On the one hand, the tax incentive reduces the price of the hybrid car, making its purchase more attractive. On the other hand, the tax incentive decreases the image value derived from driving the hybrid. Without the tax incentive, buying a hybrid car definitely shows the individual cares for the environment (positive image); with the tax incentives, it does not”.

Ob die Regierung das versteht und einsieht, dass man Dinge nicht erzwingen kann?

In jedem Fall wird die Autoindustrie es der Regierung danken, so üppig gesponsert zu werden. Ein Leser von ScienceFiles, der wie wir der Meinung ist, dass es in Deutschland keine Marktwirtschaft mehr gibt, schon gar keine freie Marktwirtschaft, versorgt uns nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Zitaten, z.B. mit dem folgenden von Ludwig Erhard, den manche noch kennen werden. Wer ihn nicht mehr kennt: Erhard ist maßgeblich für die Möglichkeit verantwortlich, den gesellschaftlichen Reichtum zu schaffen, den heutige Generationen von Politikern zerstören. Er nannte diese Möglichkeit Freie Marktwirtschaft. Erhard hat zum Lobbyismus, wie ihn die Automobilindustrie im Hinblick auf die Ladenhüter-E-Autos gerade erfolgreich betrieben hat, Folgendes zu sagen:

“[…] ich erlebe es immer wieder, dass auf der einen Seite wirtschaftliche und unternehmerische Kreise ständig an den Staat mit der Bitte herantreten, er möchte ihnen doch auf diesem oder jenem Gebiet irgendwelche Hilfen oder Unterstützung zuteil werden lassen. Es müssen nicht immer Subventionen und Zuschüsse, sondern es können auch Kreditanforderungen und ähnliches sein. Ja woher soll denn der Staat solche Ansprüche befriedigen können? Ihm fällt das Geld und das Kapital, ja auch nicht vom Himmel, sondern alle Wohltaten, die er bezeugt, muss er weniger wohltätig ja dem Staatsbürger erst abnehmen. Wir kommen dann zu der grotesken Erscheinung, dass der überbesteuerte Staatsbürger als Bittsteller bei dem gleichen Staat erscheint und versucht, auf dem Kreditwege das zurückzuerhalten, was nach Recht und Moral eigentlich sein Eigentum aus dem Ertrag seiner Arbeit sein müsste.” (aus „Das Prinzip Freiheit“)

Ariely, Dan, Bracha, Anat & Meier, Stephan (2009). Doing Good or Doing Well? Image Motivation and Monetary Incentives in Behaving Prosocially. American Economic Review 99(1): 544-555.

 

Helfen Sie uns dabei, ScienceFiles vom Hobby zum fest etablierten Blog zu machen. Machen Sie mit beim ScienceFiles-Projekt.

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass wir uns nicht mehr nur nebenbei um ScienceFiles kümmern können und uns dem, was wir investigative Wissenschaft und angewandte Sozialwissenschaft nennen, voll widmen können.

Paypal:

PAYPAL

Spendenkonto:
Wir empfehlen Transferwise, um die horrenden Bankgebühren deutscher Banken zu vermeiden.

  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Kein Entkommen: Öffentlich-rechtliche Manipluation per Zwangsgebühren für alle

Rundfunkbeiträge für private Haushalte sind mit dem Grundgesetz vereinbar.

Das hat das Bundesverwaltungsgericht gestern verkündet.

Das Urteil, das die Pflicht, Rundfunkgebühren zu entrichten, an die Wohnung bindet, einmal mehr für rechtens erklärt, es steht am Ende einer Reihe von Maßnahmen und Entscheidungen, die seit Jahren gegen jede Vernunft durchgeführt, getroffen und durchgesetzt werden.

I

ARD auftrag.jpgEs beginnt alles mit der aberwitzigen Idee, das Programm in öffentlich-rechtlichen Sendern sei durch eine besondere Vielfalt gekennzeichnet. In einer Vielzahl von absurden Urteilen hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass nur öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Lage sei, die Vielfalt der Meinungen und Ideen, von deren freiem Zugang zu Sendezeit eine Demokratie lebt, zu gewährleisten.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat entsprechend einen Auftrag: Seine Mitarbeiter sind angehalten, die gesellschaftliche Vielfalt in Pixel zu übersetzen. Ob sie das schaffen oder gar wollen, diese Frage kann sich jeder selbst beantworten, in dem er sich z.B. die Art und Weise in Erinnerung ruft, mit der in öffentlich-rechtlichen Sendern mit politischer Vielfalt verfahren wird.

II

Der beschriebene Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die besondere Rolle, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk angeblich spielt, sie wird regelmäßig dadurch begründet, dass private Sender private und somit partikulare Interessen vertreten und diese in ihrem Programm zum Vorschein kommen. Tatort “Zorn Gottes” oder “Kudamm 56” repräsentieren somit öffentlich-rechtliche Vielfalt, während “Die Monster Uni” oder “Total Recall” private Interessen zum Ausdruck bringen.

Zudem finanzieren sich private Sender über Werbeeinnahmen, und das ist schlecht, denn Werbeeinnahmen tendieren dazu, bei populären Sendungen höher zu sein als bei unpopulären. Unpopuläre sind aber Bestandteil der deutschen Vielfalt und müssen daher auch gezeigt werden. Private Sender bringen nichts Unpopuläres, weil es niemand sehen will, weil sie damit keine Werbeeinnahmen erzielen können. Auf wen entfällt somit die Aufgabe, unpopuläre Sendungen, die niemand sehen will, zu senden? Richtig, auf öffentlich-rechtliche Sender.

Öffentlich-rechtliche Sender sind somit die einzigen, die der Vielfalt Deutschlands gerecht werden können und weil es wichtig ist, die Vielfalt Deutschlands im Fernsehen abzubilden, deshalb ist es wichtig, dass es öffentlich-rechtliche Sender gibt.

Und jetzt kommt das eigentliche Ziel der zirkulären Argumentation des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts. Nun, nachdem vom blauen Himmel herunter die Notwendigkeit öffentlich-rechtlicher Sender behauptet, aber nicht begründet wurde, um Vielfalt auf Fernsehern herzustellen, nun muss diese Notwendigkeit natürlich auch finanziert werden.

Prinzipiell, so argumentiert das Bundesverwaltungsgericht, ist es in jedes Deutschen und Deutschen mit Migrationshintergrund und Zuwanderers Interesse, dass es das Angebot öffentlich-rechtlicher Vielfalt im Fernsehen gibt. Weil es in jedermanns Interesse ist, deshalb muss auch jedermann dafür bezahlen. Die Frage ist nun, wie man jedermann zum Bezahlen öffentlich-rechtlicher Vielfalt bekommt. Das ist eine technische Frage. Die Idee, die Rundfunkgebühren an die Wohnung zu binden und jeden Eigentümer oder Mieter von Wohnung oder Haus zur Zahlung von 17,50 Euro im Monat zu verurteilen, ist nach Ansicht der Richter des 6. Senats des Bundesverfassungsgerichts, das sind die Richter Werner Neumann (Vorsitz), Dr. Carsten Tegethoff, Dr. Thomas Heitz, Dr. Knut Möller und Carsten Hahn, nicht zu beanstanden, weder damit, dass Wohnung und Fernsehbesitz nicht identisch sein müssen noch damit, dass auf diese Weise Alleinlebende höher zur Kasse gebeten werden als Eltern mit sieben Kindern.

Aus dieser richterlichen Logik, die eine Verbindung zwischen der Sicherung der Darstellung von Vielfalt in Medien und der Finanzierung der dazu alleine fähigen öffentlich-rechtlichen Anstalten herstellt, muss man somit schließen, dass Menschen, die alleine leben, die Demokratie mehr am Herzen liegt als z.B. Familien und man muss daraus schließen, dass das Gut, “öffentlich-rechtliche Vielfalt” ein so hohes Gut ist, dass es sich selbst denen mitteilt, die es nicht über einen Fernseher empfangen können.

GEZ nein danke.jpgWessen Verstand sich weigert, diese logischen Kapriolen mitzumachen, der kann Okham’s Razor anwenden und feststellen, dass Parteien, die Jahrzehnte darauf verwendet haben, die Rundfunk- und Verwaltungsräte zu besetzen und unter sich aufzuteilen, damit sie direkten Zugriff auf die Manipulation von Zuschauern nehmen können, es nicht gerne sehen, wenn sie dieses Manipulationswerkzeug dadurch aus den Händen genommen bekommen, dass die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sich an der Nachfrage nach dessen Angeboten richtet. Wie sonst könnte man erklären, dass das bei Politikern so beliebte “Nudgen”, mit dem z.B. Menschen, so lange sie sich nicht wehren, zu Organspendern erklärt werden, bei öffentlich-rechtlichem Rundfunk nicht gelten soll?

Warum wollen Politiker Deutschen nicht das demokratische Recht zugestehen, einen Austritt aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem zu erklären (opt-out) und dies damit zu bezahlen, dass sie auf die vielfältigen Beiträge der entsprechenden Sender verzichten müssen?

Haben die entsprechenden Politiker etwa Angst, ein Instrument der Manipulation aus den Händen genommen zu bekommen?

Ob Bundesverwaltungsrichter hier als politische Marionetten Handlangerdienste verrichten oder das neuerliche Urteil Ergebnis der unter Juristen so beliebten Fortschreibung höchst-richterlichen Unsinns in Urteilsform ist, die fortgesetzte Anbiederung also vor Rechtsprechung geht, ist eine Frage, die ebenfalls offen ist.

 

Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

 

error: Content is protected !!
Skip to toolbar