In Großbritannien greift man nach den Sternen

Glasgow, Llanbedr, Newcay, Prestwick oder Campbeltown, an einem dieser fünf Orte soll sich schon 2020 ein Weltraumbahnhof, ein britischer Weltraumbahnhof befinden, von dem aus Starts und Landungen britischer Raumfahrzeuge stattfinden.

Die britische Raumfahrtindustrie, schon jetzt einer der major player weltweit, mit einem Marktanteil von 10% in der Satellitenproduktion (vor allem Kleinsatelliten) alleine, sie hat in der jährlichen Queen’s Speech vom 18. Mai 2016, einer Form Regierungserklärung der britischen Regierung, erheblich Fahrt aufgenommen. Wie immer in Britannien in sprachlich kleinen Brötchen:

My Ministers will ensure the United Kingdom is at the forefront of technology for new forms of transport, including autonomous and electric vehicles.”

So sprach die Queen und bezog sich damit auf die Transport Bill, in der, wie den Anmerkungen zur Queen’s Speech zu entnehmen ist, u.a. folgendes Ziel steht:

“Setting the framework for the UK’s first spaceport and autonomous vehicles, paving the way for commercial spaceflight and drone operations in the UK and boosting our world-leading satellite industry.”

virgin galacticSo unverbindlich, wie es sprachlich erscheint, ist die Idee mit dem Weltraumbahnhof nicht. Die fünf Orte, die eingangs genannt wurden, sie befinden sich in der engeren Wahl und wurden bereits geprüft. Großbritannien ist auf dem nationalen Weg in den Weltraum, unabhängig von ESA und Europäischer Union und zudem auf dem Weg, Zukunftstechnologien in Großbritannien zu etablieren.

Mit Virgin Galactic verfügt Großbritannien bereits über eines der bekanntesten Unternehmen im Bereich ziviler Raumfahrt. Die Grundlagen dafür, Großbritannien zum europäischen Hub für Raumfahrt zu machen, sie sind somit gelegt, privatwirtschaftlich gelegt, was die Katallaxie des Marktes, die Hayek einst beschrieben hat, schön verdeutlich.

Gemeint ist damit, dass ein Markt deshalb der Planwirtschaft überlegen ist, weil ein Planer oder mehrere Planer mit ihrem begrenzten Wissen sich immer im Nachteil gegenüber dem auf einem Markt und somit unter vielen Akteuren verstreuten Wissen befinden werden. Während Planer Ihr Augenmerk auf etwas richten, entwickelt sich in Nischen des Marktes etwas Neues, von Planern nicht Vorhergesehenes, ja für sie nicht Vorhersehbares, zivile Raumfahrt zum Beispiel, die seit Jahren von privaten Unternehmen vorangetrieben wird, so dass Regierungen nur noch die Infrastruktur bereitstellen müssen, um einen neuen Weltraumbahnhof errichten zu können.

Wohl dem, der entsprechende Privatinitiative und private Unternehmen hat.

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7 Responses to In Großbritannien greift man nach den Sternen

  1. gunst01 says:

    Echte Weltraumbahnhöfe müssen nahe am Äquator liegen. Auch Engländer schaffen es nicht den nach Schottland zu verlegen. Deshalb: Sinnentleeretes Zuckerbrot für treudoofe Schotten, damit sie sich nicht unabhängig erklären.

    • Ist das ein Beitrag der Marke, ätsch Britten sind blöd?

      Sind Sie nicht:

      Getting satellites into space from the UK won’t mean necessarily huge Cape Kennedy-style launch pads and towers for giant rockets dominating the horizon in a remote UK location. The UK’s northerly location means spacecraft launched here wouldn’t get as much of a “free boost” from the Earth’s rotation as they would at the Equator, so high-orbit launches of large vehicles are likely to remain at established sites where this effect is maximised.

      Instead, experts expect to see space planes dominating traffic out of a UK space port, which can take the lighter, small satellites Britain specialises in, or paying passengers.

      “Horizontal flights from runways are likely to dominate,” said one expert who is involved in the process. “We’re talking about space planes that either take off like normal aircraft or are attached to them, like Virgin Galactic is using.”

      Wieder was gelernt. Übrigens: Newcay liegt in Cornwall und Llanbedr in Wales. Mit den “treufdoofen Schotten” ist also auch nichts. Dumm gelaufen.

      • Plan B says:

        Es handelt sich um die Entwicklung von Raketenflugzeugen:

        = Ebenfalls im Jahr 2004 gründeten Rutan und Branson die Firma Virgin Galactic, die als Teil der Virgin Group die Vermarktung des Systems übernimmt. Eine Tochterfirma Virgin Galactics, The Spaceship Company TSC, ist seit 2005 für den Bau der Fluggeräte verantwortlich. Das erste ausgelieferte Raketenflugzeug mit dem Eigennamen Enterprise stürzte bei einem Testflug am 31.10.2014 ab, nur einer der beiden Piloten konnte sich retten. Das zweite Raketenflugzeug, die Unity, wurde am 19.2.2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Seine Flugerprobung soll noch in diesem Jahr beginnen. =

        Peter Hellers kompletter Beitrag hier:
        http://www.rolandtichy.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/im-sturzflug-um-die-halbe-welt/

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  3. Andre Kubu says:

    “Wohl dem, der entsprechende Privatinitiative und private Unternehmen hat.”

    Da habt ihr was vergessen, dabei erwähnt ihr es einen Satz vorher noch, es fehlt: “wohl dem, der einen Staat hat, der solche Unternehmer mit Infrastruktur unterstützt”.

    Keine Selbstverständlichkeit, zumindest nicht in Deutschland, wo man lieber noch Brocken in den Weg wirft. Außerdem kann ich Hayek nicht ausstehen, er hatte ja durchaus Recht, wenn er Planwirtschaften kritisierte. Aber mittlerweile ist deren Zusammenbruch bereits wieder Geschichte und die aktuelle Entwicklung geht eher ins gegenteilige Extrem, welches m.E. mindestens genauso gefährlich ist. Diese ganze EU-Zentralisierung verdanken wir ja gerade dem Kapital, es ist das einzige, welches nennenswert davon profitiert, Freihandel auf der einen Seite, Steuer- und Rechtskonkurrenz auf der anderen.

    Und lassen wir uns vom symbolischen Kampf gegen Steuerbetrug nicht blenden, der dient auch nur dazu, um den Kleinen noch effektiver das Geld aus der Tasche zu ziehen.

  4. Roland says:

    Wozu sind Weltraumtransporte gut?

    • Andre Kubu says:

      Um Satelliten hochzubringen oder die internationale Weltraumstation zu versorgen.

      Mehr fällt mir spontan auch nicht ein. Potential wird aber seit jeher hineininterpretiert, vom Weltraumtourismus über interplanetare Flüge bis zur Ressourcennutzung etwa des Mondes oder der Solarenergie.

      Dass für solche Transporte ein Bedarf besteht, ist unzweifelhaft. Die Amis kaufen ja mittlerweile Trägersysteme von den Russen und haben ein eigenes Programm aufgelegt, um irgendwann mal wieder technisch aufzuschliessen. Weltweite Militärpräsenz war ihnen nach dem Ende des kalten Krieges irgendwie wichtiger und so eine Überdehnung ist kostspielig 😉

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