Mittleres Landtagsbeben: AfD einziger Gewinner der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

Die Wahllokale sind geschlossen. Die Gesichter bei Politikern etablierter Parteien sind lang, und das Zetern hat begonnen. Bevor das, was sich in Mecklenburg-Vorpommern gerade wieder ereignet hat (zur Erinnerung, es hat sich in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schon einmal ereignet) unter dem Berg an Aussagen begraben wird, mit dem Anhänger des Berliner Parteiensystems ihre kognitiven Dissonanzen bekämpfen, Dissonanzen, die sich daraus ergeben, dass die Wählerbasis der Parteien des Berliner Parteiensystems immer kleiner wird, hier die Fakten der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die die Richtigkeit unserer These vom Niedergang des Berliner Parteiensystems belegen:

Alle im alten Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertretenen Parteien haben zum Teil erheblich an Wähleranteilen verloren.

Um gut 20% geringer fallen die Anteile der im letzten Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertretenen Parteien im neuen Landtag aus.

Die linken Parteien haben erheblich mehr verloren als die CDU, wobei man sich fragen muss, ob man in der CDU nicht auch eine linke Partei sehen muss. Die folgende Abbildung zeigt die Erosion der Wähleranteile der im letzten Landtag vertretenen Parteien:

MV LTW verluste

Die Unterstützung für die Politik der Grünen und der Linken ist in Mecklenburg-Vorpommern erheblich zusammengeschmolzen, die Anteile der Grünen haben sich nahezu halbiert. Die grünen Tage, sie sind wohl ebenso gezählt, wie die Tage des Berliner Parteiensystems, dessen Niedergang wir seit längerem beobachten.

Der einzige Gewinner der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD, die aus dem Stand auf gut 21% der Stimmen gekommen ist (Basis: Hochrechnung des ZDF; 19.00 Uhr). Der Mobilisierungseffekt, den die AfD auf Wähler ausübt, die bei der letzten Wahl nicht gewählt haben, ist auch in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen: Die AfD profitiert von einer höheren Wahlbeteiligung.

Bei der Frage, wie dieser Erfolg zu erklären ist, werden wieder eine Vielzahl von Stereotypen und Vorurteilen zum Einsatz kommen, u.a. (1) die einfachen Antworten der Rechtspopulisten (meint: Mecklenburg-Vorpommerner sind Idioten, die auf einfache Antworten wie: „Wir schaffen das“ hereinfallen), (2) der angeblich zunehmende Rassismus in Deutschland, (3) die Angst von Teilen der Bevölkerung vor gesellschaftlichem Wandel usw.

Wie wir in einer Vielzahl von Beiträgen und auf Grund von Daten aus zwischenzeitlich rund 7000 Interviews mit Wählern der AfD wissen und sagen können: Die Wahl der AfD ist keine Wahl, die auf Themen oder auf bestimmte Inhalte konzentriert ist. Die Wahl der AfD ist in erster Linie eine Abwahl der etablierten Parteien, eine Wahl gegen das „Weiter so“ im Nepotismus des Berliner Parteiensystems, eine Wahl gegen die zunehmende Bevormundung der Bevölkerung, wie sie von Studienabbrechern und Halbgebildeten ausgeht, eine Wahl gegen die politischen Idiotien wie sie aus den Ecken derer kommen, die meinen, man können die Welt durch den Zusatz von Innen und das Unterdrücken von vermeintlichen Hasskommentaren verändern. Letztlich ist die Wahl der AfD ein deutliches Zeichen dafür, dass große Teile der Bevölkerung die Politiker der etablierten Parteien einfach nicht mehr sehen können.


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