Demokratie-Prostituierte: Verteidigung nur gegen Geld?

Die Demokratie liegt uns am Herzen. Deshalb kämpfen wir für die Demokratie, für die Rechte, die in der Demokratie verbürgt sind, für Meinungsfreiheit, für das Recht auf Eigentum, für Sicherheit und Ordnung in einem stabilen Gemeinwesen, in dem die Preisgabe individueller Freiheit nur in dem Maße erfolgt, wie sie notwendig ist, um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.

Und wir leben Demokratie. Im täglichen Leben, in Toleranz und Akzeptanz, dadurch, dass wir mit anderen reden, sie nicht ausgrenzen, dadurch, dass wir uns keine Vorteile auf Kosten Dritter verschaffen oder gar versuchen, uns auf dunklen Pfaden und auf Kosten der Allgemeinheit von Ministerien durchfüttern zu lassen.

Wir leben Demokratie im grundlegenden Prinzip des kategorischen Imperativs von Kant:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.”

Das tun wir.

aas_geld-oder-bustAndere sind nicht so altruistisch, wenn es darum geht, die Demokratie zu verteidigen. Andere verteidigen nur, wenn sie finanziert werden. Eigentlich kämpfen sie nur für die Demokratie, weil sie sich eine Nische geschaffen haben, in der sie sich vom Staat aushalten lassen können, dafür, dass sie vermeintlich die Demokratie gegen z.B. den Rechtsextremismus verteidigen oder gegen sonstige Fieslinge, die nur darauf warten, den Dolch in den Rücken der demokratischen Ritter zu stecken und dem demokratischen Spuk ein für allemal den Garaus zu machen. Dass die entsprechenden Demokratiekämpfer für die Demokratie kämpfen, ist ein historischer Zufall. Wären sie z.B. in der DDR geboren oder würden sie noch in der DDR leben, sie ließen sich vom DDR-Staat dafür bezahlen, den real existierenden Sozialismus gegen den Klassenfeind zu verteidigen, denn sie sind keine Kämpfer für Demokratie, sondern Prostituierte, die sich dem anbieten, der am besten bezahlt.

Und dann gibt es die Amadeu-Antonio-Stiftung, die „seit vielen Jahren eine engagierte Mitstreiterin für unsere demokratische Kultur in Deutschland ist“. Seit vielen Jahren arbeitet die Stiftung „gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus … Sexismus“ und Sonstismus. Alles, was nicht Demokratie ist, dagegen arbeitet die Amadeu-Antonio-Stiftung.

Und deshalb haben sich die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland und der Bund der Katholischen Jugend in Person von Lisi Maier gerade aus dem Fenster gelehnt, um der Amadeu-Antonio-Stiftung den Rücken zu stärken. Denn es brauen sich dunkle Wolken über der Stiftungszentrale in Berlin zusammen. Hat doch ein Journalist die Stiftung in der FAZ kritisiert, nein Vorwürfe hat er erhoben. Das ist schlimm. Verheerend ist jedoch, dass „sogar von Mitgliedern des Deutschen Bundestages“, wie Lisi Maier erfahren hat, eine „Forderung nach Streichung der öffentlichen Förderung der Amadeu-Antonio-Stiftung“ erhoben wird.

Das also ist des Pudels Kern. Die Verteidigung der Demokratie findet nur statt, wenn öffentliche Gelder dafür fließen. Keinen Finger machen die Demokratiekämpfer in Berlin krumm, wenn die staatlichen Moneten nicht bei ihnen im Säckchen klingeln. Lisi Maier (warum fällt uns immer Clyde Bruckman ein: Am I supposed to think that this a real name?) weiß das ganz genau:

“Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren kämpfen häufig ums Überleben. Sie sind in ihrer Finanzierung oftmals auf Spenden und kurzfristige Projektmittel angewiesen. Eine dauerhafte Absicherung demokratischer Strukturen bedarf aber einer langfristigen und dauerhaften Finanzierungsgrundlage“.

Im Klartext: Kein Geld, kein Kampf für die Demokratie.

Der Kampf für die Demokratie oder gegen den Rechtsextremismus ist also eine wirtschaftliche Transaktion, hinter der vielleicht, aber nicht in erster Linie die Überzeugung steht, dass es ganz gut ist, eine Demokratie zu haben, wesentlich wichtiger ist es jedoch eine üppige Sicherung des eigenen Lebensunterhalts auf Kosten der Steuerzahler zu erreichen [Was verständlich ist, denn wenn man nichts Richtiges gelernt hat, kommen staatliche Zuwendungen gerade richtig und man will sie natürlich nicht verlieren]. Entsprechend ist der bekämpfte Gegenstand austauschbar, sind es nicht die Rechtsextremisten, sind es eben die Systemfeinde. Hauptsache der Rubel rollt. Man könnte vor diesem Hintergrund von Demokratie-Prostitution sprechen, Demokratie-Prostitution mit einem Hang zur Erpressung der Art, dass mit einer Einstellung des Kampfes gegen Rechtsextremismus, der doch den Bekämpfern eine Herzensangelegenheit ist, gedroht wird.

Schon erstaunlich.
Ebenso erstaunlich wie die Tatsache, dass man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung derzeit offensichtlich mit ernsthaften Problemen zu kämpfen hat, mit für die Stiftung existenziellen Problemen. Die Zeichen stehen wohl auf Trockenheit, auf ein Versiegen der Quellen öffentlicher Finanzierung. Das ist gut so. Denn die Erziehung der Bevölkerung hat nicht Gegenstand von Politik zu sein, und wer sich gegen z.B. Rechtsextremismus engagieren will, der kann dies auf eigene Rechnung und jederzeit mit den Spenden derer tun, denen der Kampf genauso wichtig ist, genauso eine Herzensangelegenheit.


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7 Responses to Demokratie-Prostituierte: Verteidigung nur gegen Geld?

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  2. lernender says:

    “Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren kämpfen häufig ums Überleben. Sie sind in ihrer Finanzierung oftmals auf Spenden und kurzfristige Projektmittel angewiesen. Eine dauerhafte Absicherung demokratischer Strukturen bedarf aber einer langfristigen und dauerhaften Finanzierungsgrundlage“.

    Warum? …ich kann mich an Lichterketten erinnern, gefühlt vom Nordpol bis Südpol, gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine tolerante Zivilgesellschaft.
    Da gab es aber keine Finanzierung Dritter, das war irgendwo in den Neunziger.
    Frei nach Porter..
    https://de.wikipedia.org/wiki/Porter-Hypothese
    ..ist der Markt “gegen Rechts” gesättigt, die Cashcow hat sich zu einem poorDog entwickelt, wie eine Handelsware.
    Der Grund liegt im Überangebot und mangelnder Differenzierung.
    Übrigens ähnlich wie im Feminismus.

  3. Welehamm says:

    Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, solange das Maasmännchen noch rumschwirrt.

  4. Livia says:

    Sicherheit gibt es im Grunde genommen nicht. Aber es gibt immer einige, die – vermeintliche – Sicherheit anbieten und dafür nicht nur das Geld, sondern auch die Freiheiten der Betreffenden einkassieren. Das höchste Maß an Sicherheit suchen sie (natürlich) für sich selber. Leider lassen sich mit dem Argument auch viele Leute über den Tisch ziehen – siehe den Ablaßhandel um 1500 (Sicher gegen das Fegefeuer)

    Die AAS hat soviel mit Demokratie zu tun, wie weiland Metternich und seine Behörde.
    Beides sind / waren nur Handlanger, die die Aufgabe hatten den Status Quo – und damit die Sicherheit – der jeweils Herrschenden zu schützen.
    Damals saßen die Statsfeinde eher – aus heutiger Sicht – links, heute rechts; denn viel weiter links, als die heutigen Herrschenden sitzen, geht kaum noch! Beide Male aber gehör(t)en die Gefährder der Sicherheit der Eliten zum Volk, welches berechtigt unzufrieden mit ihnen war/ist. – Und so die Gefahr bot, sie aus ihren Pfründen zu vertreiben.

  5. Volker says:

    Weniger als Kommentar, eher auch als Anregung, sich damit zu beschäftigen, dieser Hinweis:

    Propaganda der Amadeu-Antonio-Stiftung findet man nun auch in der kostenlosen Apothekenzeitschrift “Baby&Familie”, Ausgabe Februar 2016: “Gefahr von rechts”.

    Darin die bei Sciencefiles bereits – wenn ich mich recht erinnere, eine Suche lieferte kein Ergebnis – kritisierten Äußerungen:

    Rechtsextreme Eltern von Kindern im Kindergarten seien “Unauffällig, blond, nett, engagiert”. Usw.

    Ein Artikel der Epoch Times beschäftigt sich damit (dort ist auch ein Link zur betreffenden eingescannten Zeitschrift), siehe http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/so-erkennen-sie-eine-nazi-familie-blond-nett-unauffaellig-antideutscher-rassismus-in-apothekenblatt-a1937215.html, daraus folgende Zitate:

    >>
    “Erstmal sind sie nett und engagiert“, beschreibt Michaela Köttig, Soziologin und Rechtsextremismus-Forscherin an der Frankfurt University of Applied Sciences, die Merkmale angeblicher rechter Familien. Das Gefährliche bei den rechtsradikalen Eltern sei es, dass sie gerne Ämter im Elternbeirat oder in ähnlichen Gremien übernehmen würden, warnt Köttig.

    Aber, wenn die Gesinnung auffällig werde, hätten viele dieser Eltern bereits so gute Beziehungen aufgebaut, dass sie trotz rechtsextremer Äußerungen „nicht mehr ausgegrenzt werden und im schlimmsten Fall sogar Unterstützung bekommen“, fügt die Sozialarbeiterin Eva Prausner hinzu.

    […]

    Kitas würden immer öfter Hilfe suchen, weil sie es mit „rechten Eltern“ zu tun hätten. „Rechts-sein hat viele Formen. Die Abgrenzung, was extrem ist und was nicht ist schwierig,“ heißt es in dem Bericht. Tatsache sei, so weiter, „dass diese Gesinnung in der Mitte der Gesellschaft ihren Ursprung hat.“ Und diese Mitte der Gesellschaft träfe man eben auch auf dem Spielplatz oder in der Kita.

    „Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel, weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind,“ erklärt Heike Radvan, Leiterin der „Fachstelle Gender und Rechtsextremismus“ aus dem Team der Amadeu Antonio Stiftung. […]

    Die „rechten Kinder“ wären meist von klein auf daran gewöhnt, ihren Alltag geheim zu halten. Sie tragen „vielleicht bestimmte Kleidermarken,“ erklärt die Rechtsextremismus-Forscherin Prausner. Kinder solcher Eltern würden oft keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung tragen.

    Es gebe aber durchaus „Symbole“ auf den Kleidungsstücken „rechter Kinder“. „Jemanden der sich damit nicht auskennt“, werde diese aber nicht unbedingt bemerken, fährt Prausner fort. „Akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke“ wären schon ein Warnsignal und Hinweis auf „rechte Eltern“.

    […]

    „Auch, wenn es schwierig ist, man sollte sofort Grenzen setzen und sagen, dass man so etwas nicht hören will“, sagt Soziologin Köttig. Ihre linksengagierte Kollegin Radvan meint: „Verständnis hat keinen Platz in solchen Situationen“.
    <<

    Die genannten Merkmale sind fast auf dem Niveau, wie die von Nazis genannten "Merkmale", anhand derer man menschenunwürdiges Leben erkennen und aussortieren könne. Man ist zwar erst beim "den Mund verbieten" und Ausgrenzen sowie "keinen Platz für Verständnis" bieten, aber von diesem dümmlichen intoleranten Verhalten hin zur Verfolgung ist es nur noch ein kleiner Schritt…

    Zudem hat man doch erkannt, "dass diese Gesinnung in der Mitte der Gesellschaft ihren Ursprung hat." Da sollten sich diese Leute doch mal fragen, wieso sie als von der Mitte der Gesellschaft weit nach links abgedriftere Minderheit hier der Mitte der Gesellschaft Vorschriften machen können soll, oder ob sie nicht selbst bereits ins Extreme gerutscht sind und den Weg in die Mitte der Gesellschaft einfach nicht mehr finden.

  6. Pingback: Spiegel Online und die negativen Einflüsse | DiskursKorrekt im Tagesspiegel

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