Sozial Extra: Jungen fördern, kein „ganzer Junge“ zu sein

Sozial Extra: Eine ganze Zeitschrift voller Junk.

Wir konnten uns heute nicht für einen Titel entscheiden, und wir haben heute kein Erbarmen mit unseren Lesern!

sozial-extraEs gibt jetzt die volle Ladung „Sozial Extra“. Sozial Extra ist eine Zeitschrift aus dem Springer-Verlag, in der alles gedruck wird: jeder Junk.

Fünf Kostproben:

Harry Friebel schreibt in Heft 2 aus dem Jahre 2016 über “„Wir“ und „die“: Alltäglicher Rassismus in Schulbüchern”.

Hier das, was er für die wesentlichen Erkenntnis hält:

Rassismen werden immer gleichzeitig individuell und gesellschaftlich erzeugt (Komplexität der Frage) [,] und sie werden im historischen Prozess immer wieder neu bedingt und gestaltet (Kontext der Frage).

Was will der Mann uns sagen? Any ideas? Es kommt wohl auf die Gleichzeitigkeit an, mit der ein Rassismus individuell und gesellschaftlich erzeugt wird. Also wenn wir jetzt eine rassistische Äußerung tätigen, dann wird das zeitgleich zu einem gesellschaftlichen Rassismus und wenn in einer Gesellschaft ein Rassismus vom kollektiven Himmel fällt, dann haben ihn alle Individuen der Gesellschaft. Kein Wunder, dass Friebel meint, hier eine Komplexität der Frage beschrieben zu haben, angesichts dieses Unsinns kann man kaum anders als Komplexität reklamieren, wenn man nicht als gestört angesehen werden will. Besonders schön auch die Erkenntnis im letzten Satz: Die Welt verändert sich. Wer hätte das gedacht.

Dass sich die Welt verändert, ist eine Erkenntnis, die in Sozial Extra des Öfteren Autoren zu treffen scheint. Michael Cremers und Jens Krabel untersuchen „MEHR Männer in Kitas: Von der Wissenschaft entdeckt“. Die Öffentlichkeit, so die beiden Autoren, habe längst das Interesse an der männlichen Kita-Sau, die per Kampagne durchs Land getrieben wurde, verloren. Deshalb wurde die Kita-Sau nun in dem geparkt, was Cremers und Krabel als Wissenschaft ansehen. Das ist gut so, gibt es doch die Möglichkeit, Erkenntnisse wie die folgende zu gewinnen:

Oh No!“Ein Forschungsergebnis ist, dass männliche Fachkräfte zu einer Diversifizierung und Bereicherung der pädagogischen Arbeit beitragen können“.

Wer hätte das gedacht. Wenn man etwas anderes zu ansonsten Gleichem gesellt, dann erhöht das die “Diversifizierung”: Also ein Pferd unter 100 Eseln, ein Auto unter 100 Lkws, ein Mann unter 100 Frauen, ein roter Hut unter 100 schwarzen Hüten, ein Intelligenter unter 100 Idioten. Kein Wunder, dass von derart überraschender Diversifizierung eine Bereicherung selbst der pädagogischen Arbeit ausgehen „kann“.

Kira Gedik erntet Widerspruch und Widerstand. Oder sind es nicht näher spezifizierte Fachkräfte, die Widerspruch und Widerstand ernten, von Familien?

“Widerspruch und Widerstand stellen für Familien wie für Fachkräfte vor große Herausforderungen dar [Lektoriert wird bei Springer auch nicht]. Sie können aber – sowohl als Ausdruck von Autonomie und Selbstbehauptung als auch als Hinweis auf tieferliegende Konflikte – genutzt werden für eine gelingende Hilfeprozessgestaltung in der Demokratie.“

facepalm-GodzillaOb Sozial Extra ein Rehabilitationsprogramm für ehemalige oder aktuelle Drogensüchtige ist? Wir wissen es nicht. So wenig wie wir wissen, wo der Widerspruch und der Widerstand herkommt, der Familien und Fachkräfte in gleicher Weise zu ereilen scheint und auf Konflikte hinweist. Wer hätte das gedacht: Jemand, der Widerstand leistet, befindet sich im Konflikt mit dem, wogegen er Widerstand leistet. Gut, dass wir dank Kira Gedik und dem großzügigen Forum für Junk aller Art „Sozial Extra“ nun wissen, dass Konflikt die Mutter allen Widerstands ist – oder war es umgekehrt? Widerstand die Grundlage allen Konflikts? Wie dem auch sei, Widerstand ist immer auch Ausdruck von Autonomie (Der traut sich was) und von Selbstbehauptung (Mit mir nicht!). Konflikt eben: Und am Ende will jemand gar nicht Gegenstand von Hilfeprozessgestaltung sein? – Vor allem nicht in der Demokratie

Prof FacepalmJan-Wulf Schnabel verdanken wir die Erkenntnis, dass „Der breiten Männermehrheit … die Verhältnisse in der Sozialen Arbeit nicht attraktiv genug“ sind. Ja. Endlich einmal ein nachvollziehbares Ergebnis. Indes, wenn man bedenkt, dass soziale Arbeit schon seit Jahrzehnten kein Studienfach mit relevantem Männeranteil mehr ist, wäre man fast geneigt, den Schluss, dass soziale Arbeit für Männer nicht attraktiv ist, auch ohne Beihilfe von Sozial Extra zu ziehen. Zumal die einzig neue Erkenntnis, die Schnabel hat, die Wort-Schöpfung „breite Männermehrheit“ ist. Was, so fragen wir uns, unterscheidet die breite, von der schmalen Männermehrheit, die schmale Männermehrheit von der breiten Männerminderheit und die schmale Männerminderheit von der breiten oder schmalen Männermehrheit und von der breiten oder schmalen Frauenmehr- oder minderheit?

Safe the best for last.

Wie können wir Jungen fördern, kein “ganzer Junge” zu sein? Diese Frage stellt sich Fritjof Bönold, der wohl nur ein halber Mann ist, wenn er sich kompetent zur Frage der halben Jungen zu äußern können glaubt. Bönold hinterfragt vor „dem Hintergrund eines Verständnisses der aktuellen Geschlechterverhältnisse als spezifische Herrschaftsverhältnisse“ die „Zielformulierungen der Jungenarbeit“. Entsprechend muss Bönold für sich eine hierarchische Position reklamieren, die ihn zum Hinterfragen befähigt, die ihn höherstellt als diejenigen, die er mit seinem Hinterfragten zu konfrontieren gedenkt. Bönold selbst zeigt sich somit als Vertreter der „spezifischen Herrschaftsverhältnisse“, die er hinterfragen will.

Double facepalmAber eigentlich will er auch nicht hinterfragen, sondern „plädieren“: „für eine geschlechtskritische Bildungsarbeit, die auf einem konstruktivistischem und einem herrschaftskritischen Geschlechterverständnis aufbaut“, was insofern schwierig sein wird, als Bönold einen Satz weiter feststellt, dass sich beides, also das konstruktivistische und das herrschaftskritische Geschlechterverständnis widersprechen.

Kein Problem für einen Bönold. Aus dem Widerspruch macht er ein Dilemma und zeigt eben einmal, dass er auch keine Ahnung davon hat, was der wissenschaftliche Begriff des Dilemma zum Gegenstand hat (dass Bönold einer der Letzten ist, die dem Blödsinn eines Patriarchats aufsitzen, wollen wir einmal nicht annehmen), und wenn er schon einmal dabei ist, Unsinn zu steigern, dann gleich richtig, in dem er das Dilemma des Widerspruchs zwischen konstruktivistischem und herrschaftskritischem Geschlechterverständnis dadurch auflöst, dass sie in der Jungenarbeit nicht gleichzeitig, sondern nacheinander Anwendung finden sollen.

Also erst erzählt man den Jungen sie seien Machos und versorgt sie mit den Insignien von Machotum und dann erzählt man ihnen, nachdem sie sich Muskeln antrainiert und Boxsport erlernt haben, dass sie eigentlich keine Machos, sondern kleine Würmer sind, die auf Grund ihres Geschlechts Herrschaft über andere ausüben. Ein echter Bönold, und einer, bei dem man sich fragt, ob er im Krankenhaus endet.

Unsere Auswahl von Junk, Sozial Extra Junk macht deutlich, dass soziale Arbeit in weiten Teilen nichts mit Wissenschaft gemein hat. Statt Wissenschaftler finden wir Weltverbesserer, die für sie unverständlicherweise auf Widerstand stoßen. Anstelle von Forschungsergebnissen finden wir Versuche, die Welt so zu machen, wie sie die Sozialen Extras gerne hätten. Springer verlegt damit eine Zeitschrift, die man getrost als Junk Journal einordnen kann und jedem Studenten, der wissen will, was keine Wissenschaft ist, nur empfehlen kann.

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