Kritik verboten: Fortschreitende Dogmatisierung Deutschlands

Die verbissene Art und Weise, in der Linke derzeit versuchen, ihr Dogma „Linke sind friedlich – Linke benutzen keine Gewalt“ durchzusetzen, ist ein neuerlicher Beleg dafür, dass die Dogmatisierung des öffentlichen Raums in Deutschland voranschreitet. Es ist sicher kein Wunder, dass die Ideologen des Sozialismus dabei in erster Reihe stehen, sind es doch immer Sozialisten gewesen, die gesellschaftliche Schließungsprozesse, gesellschaftliche Dogmatisierung, die Verkündung öffentlicher Wahrheiten und die Verfolgung abweichender Meinungen zur Staatsmaxim erhoben haben.

Die Dogmatisierung in Deutschland findet sich in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Sie beginnt bereits im Kindergarten, in dem Drei- und Vierjährigen abweichende Meinungen ausgetrieben werden sollen, sie setzt sich in Versuchen, Sprache den vorgegebenen Pseudo-Wahrheiten anzupassen fort, hat Säuberungen von Straßennamen zum Gegenstand und richtet sich ganz generell gegen all diejenigen, die die verkündete Wahrheit nicht 1:1 teilen.

Hans Albert hat die Anfälligkeit von Menschen für dogmatische Inhalte vor allem auf deren Angst vor einem eigenständigen und verantwortlichen Leben zurückgeführt. Hier gibt das Dogma Sicherheit, stellt die Wahrheit bereit und kommt in der Regel, wie die sozialistische Religion noch mit einem Erlösungsversprechen: Wer „Bullenschweine“ wie Polizisten in der linken Szene heißen, mit Steinen bewirft, wer vorgibt, gegen Armut zu sein, die ihm persönlich unbekannten Kapitalisten bekämpft und ansonsten so lebt, wie es dem Katechismus der linken Gutmenschen entspricht, dem winkt das sozialistische Paradies, in dem niemand alles und alle nichts haben.

Wir wollen an dieser Stelle einen Auszug aus dem Traktat für kritische Vernunft von Hans Albert wiedergeben, in dem er die Dogmatisierung als soziale Praxis beschreibt. Ähnlichkeiten mit Deutschland sind der analytischen Stärke des Intellekts von Hans Albert geschuldet, denn das Traktat wurde bereits Ende der 1960er Jahre verfasst.

„Zum sozialen Aspekt des Dogmatismus gehören vor allem institutionelle Vorkehrungen, die von Gruppen mit dogmatischen Überzeugungssystemen im Rahmen ihrer Möglichkeiten geschaffen werden, um ihre Mitglieder gegen den Einfluss abweichender Auffassungen und gefährlicher Ideen und Informationen zu immunisieren. Auch in sozialer Hinsicht hat die Dogmatisierung also eine Abschirmungsfunktion. Der Zweck der Installierung von Dogmen ist nicht so sehr die Lösung von Problemen der Erkenntnis oder der Moral als die Zurückweisung inadäquater, das heißt: von den betreffenden Autoritäten als gefährlich angesehener Lösungen, die Diffamierung von Alternativen. Sie richtet sich gegen die freie Erwägung solcher alternativer Lösungen und soll der Fixierung der von diesen Autoritäten akzeptierten Problemlösungen und damit gleichzeitig der Existenzsicherung der mit dem betreffenden Glaubenssystem verbundenen Institutionen durch Abschaffung von Andersgläubigen, also von Individuen, die sich den betreffenden Autoritäten nicht unterwerfen wollen, dienen. Der Glaube an die Adäquatheit bestimmter Problemlösungen wird damit zu einer rechtlich absicherbaren Verpflichtung erhoben.

[…]

Es bedarf kaum besonderer Betonung, dass institutionelle Strukturen und soziale Mechanismen solchen Charakters nicht an ein spezielles Glaubenssystem gebunden sind, nicht einmal an theologische Konzeptionen im eigentlichen Sinne dieses Wortes. Auch säkulare Ideologien können bekanntlich Glaubenspflichten und Gehorsamsanspruch in dieser Weise institutionell verankern und ihre Glaubensätze, beziehungsweise die jeweiligen Deutungszumutungen legitimierter Interpreten, durch Strategien der logischen, psychischen und sozialen Immunisierung vor jeder Kritik zu schützen suchen. Die dazu in Betracht kommenden Vorkehrungen reichen von der Erziehung von Kindern unter einseitiger Information, Abschirmung gegen alternative Anschauungen und dogmatischen Gesichtspunkten, ihrer Abschließung gegen Personen, die andere Gesichtspunkte verfechten oder gefährliche Ideen vermitteln könnten, bis zu in gleicher Weise wirksamen Führungs- und Abschirmungspraktiken Erwachsenen gegenüber, etwa durch glaubensmäßige ‚Gleichschaltung‘ aller für sie in Betracht kommenden intermediären Gruppen [z.B. Medien]. Solche Praktiken lassen sich im allgemeinen nur durchführen, wenn eine Führungshierarchie vorhanden ist, die für die Entscheidung von Glaubensfragen und damit zusammenhängenden Problemen ein Monopol in Anspruch nehmen kann“ (Albert, 1991: 117-118).

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