FakeNews II. Auschwitz, Schüler und die Falschmeldung der Welt

Wenn es darum geht, den moralingetränkten Zeigefinger in die Höhe zu halten, zu mahnen und zu fordern, dann sind viele Deutsche, vor allem viele deutsche Politiker oder Journalisten schnell bei der Hand. Oftmals hält die eigene kognitive Verarbeitung des Anlasses, der den Zeigefinger gesteift und gestellt hat, mit dem Drang, die vermeintlichen Defizite bei anderen zu beklagen, nicht Schritt.

So jammert die WELT heute: „Vier von zehn Schülern wissen nicht, was Auschwitz ist“. Weiter:

„Nur 59 Prozent der deutschen Schüler ab 14 Jahren wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrationslager der Nazis war. Vier von zehn Schülern kennen den Namen nicht. Das geht aus einer Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.“

Die Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung, ist eine Umfrage, die Forsa für den Stern durchgeführt und die Stiftung finanziert hat. Darin gibt es eine offene Frage: „Was war Auschwitz-Birkenau?“.

Die richtige Antwort: Ein Konzentrationslager oder ein Vernichtungslager gaben:

  • 86% der Gesamtbevölkerung
  • 59% aller Schüler, darunter:
  • 47% der 14- bis 16jährigen Schüler
  • 71% der Schüler ab 17 Jahren.

Die Daten, die Forsa erhoben hat, sind das, was Forscher als rechtszensierte Daten bezeichnen. Rechtszensiert sind Daten z.B. dann, wenn mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, zu sterben steigt, oder die Wahrscheinlichkeit, zu lernen. Im Fall der Schüler steigen beide Wahrscheinlichkeiten, aber die, zu lernen, wurde gemessen: 47% der 14-16jährigen Schüler wissen, was Auschwitz-Birkenau ist, aber 71% der Schüler, die 17 Jahre und älter sind.

Wie es in Schulen nun einmal so ist, wird Lernstoff nicht auf einmal in die Köpfe der Schüler befördert, sondern über Zeit. Auschwitz-Birkenau, so kann man aus der Befragung von Forsa schließen, ist ein Bestandteil des Geschichtsunterrichts, sofern die Kenntnis überhaupt etwas mit Geschichtsunterricht zu tun hat, dessen Wahrscheinlichkeit, vermittelt zu werden, mit dem Alter der Schüler steigt. Eben weil Lernen ein sukzessiver Prozess ist und bekannt ist, dass Schüler ab 17 Jahre zu 71% wissen, was Ausschwitz-Birkenau ist, muss man aus der Überschrift der WELT schließen, dass es dem verantwortlichen Redakteur, sofern er in der Lage ist, Datenblätter zu finden und zu lesen, darum ging, seine Leser mit einer – wie er glaubt – Schreckensmeldung zu traktieren. Ginge es nicht darum, er hätte sicher darauf hingewiesen, dass die Kenntnis von Auschwitz-Birkenau mit dem Alter der Schüler steigt.

Nehmen wir einmal an, der Redakteur der WELT sei kognitiv in der Lage, ein Datenblatt zu lesen, so müssen wir schließen, dass er bewusst versucht, seine Leser an der Nase herum zu führen, ihnen ein X für ein U vorzumachen, sie zu manipulieren. Nehmen wir an, der Redakteur der WELT ist nicht in der Lage, ein Datenblatt zu lesen, dann müssen wir die Falschmeldung in der WELT damit erklären, dass dort Redakteure beschäftigt werden, die ihrem Job kognitiv nicht gewachsen sind.

Dummheit oder boshafte Manipulation?
Was trifft zu?

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8 Responses to FakeNews II. Auschwitz, Schüler und die Falschmeldung der Welt

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  2. hgb says:

    Weder noch: Es ist einfach boshaft dumme Manipulation.

  3. Gereon says:

    Es soll wohl auch dazu führen, dass die bekannte deutsche Geschichte 1933 einsetzt.
    Die 4500 Jahre vorher sind irrelevant und brauchen wohl nicht mehr gelehrt werden.

    (1000 Jahre sind ja auch mehr als genug. )

    Aber so en passant gefragt: Die Anzahl der Schüler die nicht von Auschwitz wissen, korreliert nicht zufällig mit der Anzahl der Schüler mit Migrationshintergrund? Wie sterht es mit den Deutschkenntnissen dieser Schüler?

    Und wieviele Deutsche wissen, dass Auschwitz schon vor 1939 ein Straflager war und nach 1945 auch? Vorher von Polen betrieben, nachher von den Sowjets?

    Man kann sovieles unbeachet lassen….

    • ineitzke says:

      Barfüßler Gereon, welche Einstiegsquelle können Sie bitte jungen Nachholbedürftigen guten Gewissens empfehlen, also ohne Angst wegen der §§ 130 u. 131 vom SEK die Tür eingetreten zu bekommen? Kontschalowski?

      • Gereon says:

        Ich halte Geschichtsrevisionismus zwar für sehr wichtig, jedoch sollte man darauf achten wo man zu Gast ist, und welche Folgen das Thematisieren schwierige Themen hat.

        Diese Site ist zu wichtig, um sie den Blockwarten zum Frass vorzuwerfen.

        • ineitzke says:

          Das sehe ich auch so u. verweis deshalb auf eine Quelle, welche nicht von der offiziellen Gaskammerforschung abweicht.
          Da ich wegen anderer Prioritäten (der täglich rechtwidrig, staatl. org. u. nur noch verwaltete Raub, Mord u. Totschlag in DE (GAB Einzelfallinfos)) keine Tiefananalyse auf von mir genutzten Webseiten vornehme u. die Betreiber dieses Blogs mir die Entscheidung Moderation vs. Selbstzensur vs. Zensur nicht abnehmen möchten (u. Sie vermutlich ebenfalls nicht), bleibt mir hier wohl nur der Rückzug, da ich gelebte Selbstzensur nicht mit meinem Rückgrat u. Gewissen vereinbaren kann.

  4. ineitzke says:

    Da ich weder als IT-Forensiker, Historiker oder Journalist ausgebildet bin, suche ich einen nichtstaatlichen Dienstleister zur Materialprüfung bei Fälschungsverdacht. Wer hat bitte Empfehlungen mit Beispielen und Preisen?

  5. altermann says:

    Ich bin überzeugt, dass diese (niedrige) Zahl zum Anlass genommen wird, mal die Zeiten in den Lehrplänen an den Schulen zu überarbeiten: Altertum bis 1914: ein Jahr. 1914 bis 1945: ein Jahr und Bewältigung des Dritten Reiches incl. Faschismusbewältigung und Praktika beim Kampf gegen Rechts: zwei Jahre.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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