Vorlesetag: Mit W.I. Lenin „Parasiten“ erschießen und Judensterne erfinden

Da heute Vorlesetag ist, haben wir auch einen Text herausgesucht, den wir vorlesen, also vorschreiben, nein zum Lesen vorschlagen. Nicht als ganzes, dazu ist der Text zu tröge, zu weitschweifig und letztlich zu dumm, aber in Teilen, in Teilen, die zeigen, wie eng Sozialismus, Hass, Mordlust, ein Welt, die in Unter- und Herrenmenschen eingeteilt ist, verflochten sind.

Der Text: „Wie soll man den Wettbewerb organisieren?“, den Wladimir Iljitsch Lenin passender Weise über Weihnachten 1917 geschrieben hat, lässt keine Zweifel daran übrig, wie mit denen, die Lenin zu Parasiten erklärt, zu verfahren ist. Er zeigt, wie Sozialisten sich der Figur der „Armen“ bzw. „der armen Familien“ bedienen, um ihre Mordlust zu legitimieren und wie sie Wettbewerb für sich umdefinieren, zu einem Wettbewerb darüber, welche Kommune, welcher Sowjet, welcher Deputierte die beste Methode findet, um die von Lenin zu Parasiten erklärten Menschen loszuwerden. Für Lenin ist das Rechnungsführung.

Wer heute über Hate Speech schwadroniert, sollte deren Ursprünge in den Urwerken des Sozialismus kennen, und sie vorlesen, damit nicht vergessen wird, wie eng Sozialismus und Nationalsozialismus nicht nur im Begriff, sondern im Geiste verwandt sind. Selbst der Judenstern ist keine wirklich originäre Erfindung der Nazis. Lenin hat das Prinzip bereits 1917 vorweggenommen.

Lassen wir Wladimir Iljitsch selbst zu Wort kommen:

„Die Reichen und die Gauner – das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille, zwei Hauptarten von Parasiten, die der Kapitalismus großgezogen hat, sie sind die Hauptfeinde des Sozialismus; diese Feinde müssen unter die besondere Aufsicht der ganzen Bevölkerung gestellt werden; gegen sie muß rücksichtslos vorgegangen werden, sobald sie die Regeln und Gesetze der sozialistischen Gesellschaft auch nur im geringsten übertreten. Jede Schwäche, jedes Schwanken, jede Sentimentalität in dieser Hinsicht wäre das größte Verbrechen am Sozialismus. Um die sozialistische Gesellschaft vor diesen Parasiten zu sichern, muß man eine allgemeine, von Millionen und aber Millionen Arbeitern und Bauern freiwillig, energisch, mit revolutionärem Enthusiasmus unterstützte Rechnungsführung und Kontrolle über die Menge der Arbeit, die Produktion und die Verteilung der Produkte organisieren.

[…]

Tausenderlei Formen und Methoden der praktischen Rechnungsführung und Kontrolle über die Reichen, über die Gauner und Müßiggänger müssen von den Kommunen selbst, von den kleinen Zellen in Stadt und Land ausgearbeitet und in der Praxis erprobt werden. Mannigfaltigkeit ist hier eine Bürgschaft für Lebensfähigkeit, Gewähr für die Erreichung des gemeinsamen, einheitlichen Ziels: der Säuberung der russischen Erde von allem Ungeziefer, von den Flöhen – den Gaunern, von den Wanzen – den Reichen usw. usf. An einem Ort wird man zehn Reiche, ein Dutzend Gauner, ein halbes Dutzend Arbeiter, die sich vor der Arbeit drücken (ebenso flegelhaft wie viele Setzer in Petrograd, besonders in den Parteidruckereien), ins Gefängnis stecken. An einem anderen Ort wird man sie die Klosetts reinigen lassen. An einem dritten Ort wird man ihnen nach Abbüßung ihrer Freiheitsstrafe gelbe Pässe aushändigen, damit das ganze Volk sie bis zu ihrer Besserung als schädliche Elemente, überwache. An einem vierten Ort wird man einen von zehn, die sich des Parasitentums schuldig machen, auf der Stelle erschießen. An einem fünften Ort wird man eine Kombination verschiedener Mittel ersinnen und zum Beispiel durch eine bedingte Freilassung eine rasche Besserung jener Elemente unter den Reichen, den bürgerlichen Intellektuellen, den Gaunern und Rowdys erzielen, die der Besserung fähig sind. Je mannigfaltiger, desto besser, desto reicher wird die allgemeine Erfahrung sein, desto sicherer und rascher wird der Erfolg des Sozialismus sein, desto leichter wird die Praxis — denn nur die Praxis ist dazu imstande.

[…]

In welcher Kommune, in welchem Viertel einer großen Stadt, in welcher Fabrik, in welchem Dorf gibt es keine Hungernden, keine Arbeitslosen, keine reichen Müßiggänger, keine Halunken, Lakaien der Bourgeoisie, Saboteure, die sich Intellektuelle nennen? Wo ist mehr getan worden für die Steigerung der Produktivität der Arbeit, für den Bau neuer guter Häuser für die Armen, für ihre Unterbringung in den Häusern der Reichen, für die regelmäßige Versorgung jedes Kindes armer Familien mit einer Flasche Milch? Das sind die Fragen, um die sich der Wettbewerb der Kommunen, der Gemeinden, der Konsum- und Produktivvereine und -genossenschaften, der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten entfalten muß.“

W.I. Lenin (1917). Wie soll man den Wettbewerb organisieren?

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3 Responses to Vorlesetag: Mit W.I. Lenin „Parasiten“ erschießen und Judensterne erfinden

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Vorlesetag: Mit W.I. Lenin „Parasiten“ erschießen und Judensterne erfinden

  2. Das Entscheidende an dieser Theorie: Sie wurde zur mörderischen Praxis. Und sie wurde zu deren Rechtfertigung: Ein System der Selbstverstärkung – bis zum bitteren Ende. Da berühren sich Leninismus, Faschismus, Nationalsozialismus, Maoismus… als totalitäre Doktrin.

  3. Holger says:

    “Lernen,lernen und nochmals lernen” W.I.Lenin

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