Die a-sozialen (öffentlichen) Medien

Und sie zucken noch.
Aus einer Pressemeldung des NDR:

Der Verwaltungsrat des NDR hat sich in seiner heutigen Sitzung unter anderem mit dem Unternehmensgegenstand Fernsehen befasst. In einer Zeit “alternativer Fakten”, zunehmender medialer Angebote in den Sozialen Netzwerken und abnehmender publizistischer Vielfalt komme dem glaubwürdigen Qualitätsjournalismus eine Schlüsselrolle für die Meinungsbildung in der Gesellschaft zu, so Dagmar Gräfin Kerssenbrock, Verwaltungsratsvorsitzende des NDR“.

Nun, da man sich beim NDR von „sozialen Netzwerken“ abgrenzen zu müssen glaubt und man dort immer noch nicht bemerkt hat, dass wir im Zeitalter des Internet und nicht mehr im Zeitalter des Einrichtungs-Funks, der öffentlichen ein Weg Bestrahlung und Beschallung von Menschen leben, ist es an der Zeit, eine geniale Idee von Dr. habil. Heike Diefenbach unter die Leser zu bringen und zu verbreiten.

Das Kennzeichen dessen, was von öffentlich-rechtlichen Profiteuren des Zwangsbeitrags in Abgrenzungsabsicht als „soziale Netzwerke“ bezeichnet wird, ist die Möglichkeit der Internation. Tim O’Reilly hat die Eigenschaft von „neuen Medien“ eine Interkation und eine Beteiligung, nein Partizipation der Nutzer dieser Medien bereit zu stellen, bereits 2005 mit dem Begriff „Web 2.0“ bezeichnet. Ein Begriff, den viele benutzen und von dem wenige wissen, was er bedeutet. Er beschreibt bestimmte Technologien, die Nutzer zu Mitarbeitern machen, die Inhalte beisteuern, Informationen per „crowd-sourcing“ zusammentragen, Nutzern vielfältige Möglichkeiten bereitstellen, miteinander in Austausch zu treten und über diesen Austausch an einem gemeinsamen Ganzen zu arbeiten. Dan Bricklin hat die beschriebenen Eigenschaften u.a. von „sozialen Netzwerken“ als Cornucopia (Füllhorn) bezeichnet: „What we see here is that increasing the value of the database by adding more information is a natural by-product of using the tool for your own benefit“.

Medien, die die beschriebenen Eigenschaften nicht anbieten, die ihre Nutzer belehren, aufklären und per Einbahnstraße und widerspruchslos informieren wollen, die ihren Nutzern keine Möglichkeit geben, zu Informationen beizutragen, an Programmen und Formaten mitzuarbeiten, sich einzubringen und gemeinsam neue Informationen zu erarbeiten, Medien, die somit alle Insignien vermissen lassen, die soziale Medien auszeichnen, müssen entsprechend a-soziale Medien sein, die die Interaktion zwischen Menschen, die ein menschliches Verhalten erst zu einer sozialen Handlung macht, nicht leisten wollen bzw. unterbinden wollen.

Kein Wunder also, dass die öffentlich-rechtlichen Einbahn-Medien, deren Angestellte sich immer noch als Medienmacher ansehen, die Anderen etwas mitteilen, Andere belehren, Andere aufklären, die eine wichtige Rolle in der Meinungsbildung der Bevölkerung spielen sollen, soziale Medien zu ihrem Hauptfeind erklärt haben, jene Medien, die all die Freiheiten und Möglichkeiten offerieren, die öffentlich-rechtliche als Sündenfall und Eingriff in ihre Programmhoheit ansehen. Die Zuschauer, Leser und Hörer öffentlicher Medien sind und bleiben wenn es nach den Verantwortlichen geht, passive Konsumenten, die hören, sehen, lesen und schlucken. Mehr nicht. Formen der Beteiligung, die soziale Medien auszeichnen, kommen bei öffentlich-rechtlichen Medien nicht vor. Deshalb handelt es sich zwangsläufig bei Ihnen um a-soziale Medien.

Und dass sie a-soziale Medien sind, das zeigt sich auch daran, dass bei ihnen nicht Nachfrage den Preis regelt, sondern ein Preismonopol besteht, das egal welcher Mist produziert wird, die Kosten auf die Zwangs-Beitragszahler abwälzt. Während soziale Medien von Spenden und Einnahmen leben, die sie nur generieren können, wenn sie interessante Inhalte und Möglichkeiten der Partizipation schaffen, die die Nutzer sozialer Medien ansprechen und sie deshalb nachfragen, agieren öffentlich-rechtliche Medien nach dem Ludwigs- oder dem Stalin-Prinzip: Das Programm sind wir! Wem das nicht passt und wer die Zwangszahlung verweigert, der geht in den Bau. Auch das sind Markenzeichen a-sozialer Medien, die gegen die Interessen derer produzieren, die sie finanzieren.

Aber, wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Die Musik spielt im Internet. Den Print- und öffentlich-rechtlichen Medien laufen die Nutzer davon. Nur diejenigen, die sich im von Zwangsbeitragszahlern üppig ausgestatteten Positionen finden und nachdem sie Leerformeln im Verwaltungsrat ausgetauscht haben, am kalten Buffet laben, haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.

“Qualitätsjournalismus ist personal- und damit kostenintensiv, eine Betrachtung unter reinen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten verbietet sich in der Sache”, sagte Gräfin Kerssenbrock weiter. “Unabhängiger Journalismus und verlässliche Informationen sind ein originäres Qualitätsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.”

Im Internetzeitalter informieren sich Mediennutzer längst nicht mehr nur aus einer Quelle. Die Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Anstalten ein unbestrittenes Monopol auf die Darstellung der oder ein Zerrbild der Wirklichkeit hatten, sind vorbei. Nunmehr konkurrieren Darstellungen im Internet. Nutzer finden sich in der schönen Lage wieder, sich aus unterschiedlichen Informationsquellen ein Bild über die Wirklichkeit machen zu können, eigenverantwortlich, ohne Vorgaben, ohne den öffentlich-rechtlichen Meinungsvorkauern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, wie dies vor der Verbreitung des Internets der Fall war. Das WeltWeiteNeuland, das die meisten politischen Akteure immer noch nicht überblicken können, es bietet unzählige Informationsquellen, nicht mehr nur eine, Informationsquellen, die professionell gestaltet sind, die von einer neuen Art von Journalisten (nämlich von unabhängigen, die keiner Senderweisung unterliegen) zusammengetragen werden (wie Blogs), die von einer Anzahl von Nutzern gemeinsam geschaffen werden (wie Wikis) und die Nutzern die Möglichkeit der Interaktion und Partizipation bieten (wie Foren). Es sind eben neue, moderne und SOZIALE Medien, die mit ihrem Angebot überzeugen wollen und nicht durch den monotonen und abgedroschenen Verweis auf den angeblichen Qualitätsjournalismus, der offenkundig nur überleben kann, weil Menschen gezwungen werden, Beiträge zu entrichten und Staaten Steuergelder zweckentfremden um maroden Verlagen ein Überleben zu sichern. Die Zeit der a-sozialen Medien ist vorbei.

Die Vertreter der a-sozialen Medien haben es nur noch nicht gemerkt. Sie sind noch mit dem kalten Buffet beschäftigt, das die Zwangsbeitragszahler finanzieren.


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3 Responses to Die a-sozialen (öffentlichen) Medien

  1. Markus Meier says:

    Ich finde es besonders witzig, dass es ja nun gerade unsere Habermasfreunde waren, die von den etablierten Medien als “Lügenpresse” sprachen (der Ausdruck ist um 1968 sehr verbreitet !!) und dagegen Grassroot-democracy, Participation, kommunikative Herrschaftsfreiheit für Frauen, arme Urwaldindianer etc. etc. setzen wollten. Jetzt ist das technisch machbar durch das Netz, man selbst aber längst beim Langen Marsch (übrigens ein Mussolini-Ausdruck) in die Institutionen ganz oben angekommen – und schwupps, ist Opposition, die sich ihre Kanäle sucht des Teufels. Das ist doch alles so oberdurchsichtig, noch nicht einmal satirewürdig.

  2. Umadbro says:

    Und es funktioniert auch zuverlässig: Gerade im Politbarometer. 87 % der Befragten sind “der Auffassung, dass in Deutschland Frauen und Männer für die gleiche Arbeit nicht die gleiche Bezahlung erhalten.” Also, so der Moderator, ist es damit bewiesen. Die Menschen glauben, was ihnen gepredigt wird und somit sind alle weiteren Fakten irrelevant, zumal diese dann für einige Verwirrungen in Teilen der Bevölkerung führen könnten. Es geht um Gefühle, gefühlte Wirklichkeit und Wahrheit.

  3. corvusalbusberlin says:

    Während ich mir dieses Video ansah und anhörte, konte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Herr Augstein eventuell unter Drogen stand. Er schien sich auf einem anderen Planeten befunden zu haben. Hoffentlich mit Rückfahrkarte . Oder auch nicht ?

    https://www.phoenix.de/content/425300

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