Die Banken sind an der AfD schuld – ARD-Verschwörungstheorie

Immer wenn man denkt, der Unsinn könne nicht mehr gesteigert werden, kommt ein in öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Tätiger daher, und überzeugt einem vom Gegenteil.

Marcus Bornheim ist in der ARD angetreten, die Geschichte der Finanzkrise neu und die Entstehung der AfD den Bank-Managern zuzuschreiben, die nach seiner Ansicht auch die Finanzkrise zu verantworten haben. Wir zitieren wörtlich aus dieser bemerkenswerten Zusammenstellung von Halbwissen aller Art:

„Das Gefühl, dass Bank-Manager, die den Karren in den Dreck gefahren haben, mit ihren Boni-Zahlungen weiterhin in Luxus leben und die Normalverdiener die Zeche zahlen, [Die Verwendung von Begriffen wie „Gefühl ist nicht Jedermanns Sache.] das ist der Nährboden für radikale Kräfte und Stimmungen.

So ist auch die AfD ja als Anti-Euro-Partei gestartet und sammelt seither den ganzen Frust ein.

Viele haben in dieser Zeit damals das Vertrauen in die Gerechtigkeit verloren, [Der Begriff „Gerechtigkeit“ ist für öffentlich-rechtlich Angestellte auch ein Fremdwort, wie seine Verwendung hier zeigt.], in den Staat, der sie und ihr Erspartes schützt und in ‚die da oben“, die im Zweifel eher die Banken retten.

Das alles hat den Populisten genutzt, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten.

Mit dem Blick von heute zurück sind für mich die Banken die Hauptschuldigen an der Finanzkrise, die ziemlich genau wussten, was sie da taten – und die manchmal auch naive Politiker an der Nase herumführten.

Damals wurde zwar wirtschaftlich das Schlimmste verhindert, aber der Preis – auch der gesellschaftliche – der ist immer noch ziemlich hoch.“

Am besten hat uns der Teil gefallen, in dem Bornheim sagt: „Das alles hat den Populisten genutzt, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten“. Wenn Bornheim die Finanzkrise zur Schuld der Banker erklärt und die Banken gleich noch für die Entstehung der AfD verantwortlich macht, dann ist das natürlich keine einfache Lösung, sondern ein komplexer Bornheimscher Gedanke, der der Erklärung der Finanzkrise gerecht wird. Zwischen „komplexen Borheimschen Gedanken“ und „einfachen Lösungen“ besteht somit eine Äquivalenz.

In Kreisen derer, die sich links im politischen Spektrum verorten, deren Ideologie einen unbegründeten Hass auf Kapitalismus, den sie in Banken und Bankern symbolisiert sehen, umfasst und mit einem gerüttelt‘ Maß an Extremismus gegen all diejenigen einhergeht, die Meinungen vertreten, die diese linken Wahrzeichen des intellektuellen Niedergangs für rechtspopulistisch halten, grassiert offensichtlich die Verzweiflung. Verzweiflung, die in Absurditäten wie die Behauptung von Bornheim müden, die Banken seien nicht nur für die Finanzkrise von 2007/2008, sondern auch dafür verantwortlich, dass 2018 rund 20% der Bevölkerung die AfD wählen wollen. Denn: Die AfD ist ihnen verhasst, die Banken als Symbol des Kapitalismus sind ihnen verhasst. Das reicht, um beide in kausale Beziehung zu bringen.

Man soll Ideologen ja nicht in ihrem Glauben erschüttern, weil sie dann wie räudige Hunde nach allem schnappen, was sich in ihrer Nähe befindet, dennoch stellen wir an dieser Stelle den einfachen und vollkommen unbegründeten Behauptungen von Marcus Bornheim, die Finanzkrise hätten Banken zu verantworten und deshalb seien Banken und Banker auch für die AfD verantwortlich, eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Ursachen der Krise, die bekanntlich als Subprime-Mortgage-Krise in den USA begann, gegenüber. Der PDF kann von allen Interessierten hier heruntergeladen werden.

P.S.
Damit ist ein Narrativ geschaffen, das genügend Potential hat, um eine neue Lügenspirale in Gang zu setzen, von der man erwarten kann, dass sie die sechs Schritte zur Verdummung spielend nimmt und am Ende bei dem bekannten und falschen Narrativ ankommt, dass das Großkapital die Nazis (hier die Banken die AfD) nicht nur ermöglicht, sondern auch finanziert hat.

P.P.S.
Offensichtlich ist Bornheim auch ein Anhänger des simplen Stimulus-Response-Modells, der, wenn man so sagen darf, einfachen Lösung der Erklärung menschlichen Verhaltens. Für Bornheim ist nur vorstellbar, dass Individuen von Rechtspopulisten zur Wahl einer von ihm für rechts gehaltenen Partei verleitet werden können, und dies auch nur in Situationen, in denen sie aufgrund adverser Bedingungen (wie sie Finanzkrisen schaffen) gerade besonders für „einfache Lösungen“ anfällig sind. Diese Vulgär- oder Primitivvorstellung der Art und Weise, wie Meinungsbildung bei Bürgern funktioniert, ist eine der Hauptursachen dafür, dass sich öffentlich-rechtliche Medien so unfähig zeigen, die ideologische Schlagseite ihrer Angebot zu beseitigen und das Niveau ihrer Angebote zu erhöhen.

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