An Hochschulen herrscht Klima der Angst und Unterdrückung

„Während der Friedlichen Revolution 1989 spielten Hochschulen in der DDR nur eine geringe Rolle. Das hatte seinen Grund. SED und Stasi hatten die Universitäten “entschärft” und ein Klima der Angst erzeugt.“

So beginnt ein Beitrag der Bundeszentrale für Politische Bildung mit dem Titel „Lehren und Lernen unter MfS [Ministerium für Staatssicherheit] Kontrolle: Lähmung der Universitäten”.

In der Durchführungsanweisung Nr. 1 zur Dienstanweisung Nr. 4/66 des Ministeriums für Staatsicherheit heißt es:

„Der Gegner hat die Bedeutung der planmäßigen Entwicklung unseres Hochschulwesens und der Volksbildung für die weitere Stärkung der DDR erkannt und organisiert … eine systematische Zersetzung.

Das Ziel besteht darin,

  • Unter der studentischen Jugend Zweifel an der Richtigkeit der Politik der Partei und Regierung zu erzeugen;
  • […]
  • Die Sieghaftigkeit des Sozialismus in Frage zu stellen.“

Ersetzen Sie das Wort „Sozialismus“ durch die derzeit modernen Ismen, den Genderismus / Feminismus, den LGBTxxxmus, den Anti-Rassismus und Sie kommen der Ist-Zeit recht nahe.

Weiter steht in der Durchführungsanweisung:

„Die klassenmäßige Erziehung ist noch nicht in ausreichendem Maße gesichert. Eine Lehrkräfte verhalten sich gegenüber den Studenten und Schülern liberal [heute: verlangen z.B. keine Genderschreibweise, laden die falschen Vortragenden ein], kommen nicht ihren Pflichten zur politischen Erziehung nach […]

Personen, die feindliches Gedankengut verbreiten oder auf der Grundlage ihrer feindlichen Ideologischen Grundeinstellung in anderer Form gegen die sozialistische Ordnung tätig werden, sind durch kurzfristige Erarbeitung ausreichenden Beweismaterials strafrechtlich bzw. in Zusammenarbeit mit den Partei- und staatlichen Organen sowie gesellschaftlichen Organisationen durch disziplinarische Maßnahmen zur Verantwortung zu ziehen und von den Universitäten, Hoch-, Fach- und Erweiterten Oberschulen zu entfernen“.

Ersetzen Sie „sozialistische Ordnung“ durch den Kanon der derzeitigen (sozialistischen) Gesinnungs-Heiligkeiten, Genderismus, Anti-Rassismus, gegen Rechts, gegen jeden, der vermeintlich falsch spricht, eine abweichende Meinung hat, ergänzen Sie die vielfältigen Aktionen von AStA-Vertretern an deutschen Universitäten, die gegen Personen, Dozenten, Professoren oder Gastredner vorgehen, die nicht die nach Ansicht von AStA und verbundenen Totalitären korrekte Gesinnung haben, füttern sie noch Hexenjagden gegen Professoren, die sich erdreistet haben, auf biologische Fakten zu verweisen oder Geschichte im historischen und nicht im gewünschten ideologischen Kontext darzustellen, wie sie in Berlin oder Kassel geführt werden an, und sie sind in der IST-Zeit angekommen.

Erschreckend, was?

Aber natürlich ist das überzeichnet, was wir hier schreiben. Kein Dozent wird gezwungen, Genderismus zu predigen. Niemand hat Nachteile zu befürchten, weil er den akzeptierten Gesinnungskanon kritisiert.

Oder?

Nun, die Realität vermittelt ein anderes Bild, eines der Angst, der Einschüchterung, der Studentenfurien, die mit hassverzerrten Gesichtern Lehrveranstaltungen niederbrüllen, der Universitäten, an denen homoneurotische Intoleranz, ein Klima von Angst und Unterdrückung herrscht, auf das man im Ministerium für Staatssicherheit stolz gewesen wäre.

Woher wir das wissen?

Es gibt Belege, die man kaum anders deuten kann.

Jeff McMahan, Professor für Moralphilosophie an der Universität Oxford, ist einer von mehreren Akademikern, die hinter der Gründung einer neuen Zeitschrift stehen: Dem Journal of Controversial Ideas (Zeitschrift der abweichenden Ideen).

Das Besondere am „Journal of Controversial Ideas” ist: Autoren sollen anonym publizieren (können). Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Wissenschaftler, die Ideen haben, die der Gesinnungsmob, der Hochschulen in westlichen Ländern in der Hand zu haben scheint, negativ sanktioniert, diese Ideen nicht veröffentlichen können, dass sie bei Veröffentlichung nicht Gefahr laufen, zum Ziel von Attacken durch AStA und andere Gesinnungswächter zu werden, dass ihnen berufliche Nachteile drohen, weil sie es z.B. gewagt haben, Genderismus / Feminismus zu kritisieren oder dass sie zum Gegenstand von Stalking und Mobbing an Hochschulen werden, wie sie nicht nur in Deutschland normal geworden sind.

Wenn Sie nicht wissen, wovon wir reden, dann fragen sie Werner J. Patzelt, Herfried Münkler, Jörg Barberowski oder Ulrich Kutschera danach – um nur einige zu nennen.

Es ist also wieder so weit, dass es Sozialisten geschafft haben, an Hochschulen ein Klima der Angst und Unterdrückung durchzusetzen, als dessen Folge sich viele Wissenschaftler nicht mehr trauen, abweichende Ideen vorzubringen, aus Angst vor der Vernichtung ihrer sozialen Existenz.

Dass sich derartige totalitäre Tendenzen entsprechender faschistoider Ideologien zuerst an Universitäten zeigen, hat seine Ursache darin, dass niemand so prekär beschäftigt ist, wie Hochschullehrer, die nicht umsonst zu solchen in ihren Anstellungsverträgen degradiert wurden. In ihrer produktiven Phase, die Hochschullehrer im Allgemeinen und mit ganz wenigen Ausnahmen durchleben, bevor sie es auf eine Professur und somit eine Daueranstellung geschafft haben, sind Akademiker prekär beschäftigt, hangeln sich von halber zu dreiviertel und ganzer Stelle, alles zeitlich begrenzt und leben von der Hand in den Mund und der Hoffnung, irgendwann Platz eins einer Besetzungsliste zu erreichen. Gerade in dieser Phase sind Akademiker, die schon seit Jahrhunderten sowieso nicht mehr für Widerspruch und Widerstand bekannt sind, für sozialen Druck, wie er durch Gesinnungskommissare, wie sie heute in ASten, Gleichstellungsbüros und sonstigen Reinkarnationen der politischen Kommissare Lenins zu finden sind, anfällig.

Folglich schweigen sie lieber, damit sie in „nichts hineinkommen“.

Folglich halten Sie Ideen zurück, publizieren lieber nichts Kontroverses, um ihrer Karriere nicht zu schaden.

Und so geht die Wissenschaft vor die Hunde, zugrunde gerichtet von denen, deren einzige Idee und einzige Leistung darin besteht, anderer Gesinnung zu überwachen.

Frank Furedi, emeritierter Professor der Soziologie, hat auf Spiked dem Mut das Wort gesprochen und darauf hingewiesen, dass eine anonyme Publikation selbst noch so guter Ideen niemanden überzeugen wird und der Sache der Wissenschaft, die darin besteht, für Ideen einzustehen und sie gegen Kritik zu verteidigen mehr schaden als nutzen muss.

Damit hat Furedi sicher Recht, aber er macht seine Rechnung eben ohne die Feigheit, die gerade an Hochschulen so prävalent ist, den Hochschulen, die zu staatlich überwachten Karrierepfaden verkommen sind, die den prämieren, der sich am besten anbiedern kann und den bestrafen, der sich abweichend äußert, verkommen sind. Das Schlimme an der geplanten Zeitschrift ist deshalb auch nicht der Beleg für das Klima der Angst und Unterdrückung an Hochschulen, sondern der noch klarere Beleg dafür, dass die Bereitschaft, für seine Ideen einzustehen, bei vielen, die überhaupt noch abweichend denken können, nicht mehr vorhanden ist. Furedi ist der Meinung, noch sei etwas zu retten, noch seien Hochschulen von einem illiberalen und nicht von einem totalitär-faschistoiden Klima geprägt.

Und genau diese Ansicht Furedis können wir nicht mehr uneingeschränkt teilen.

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