“Jugend rettet” zum Glück keine Flüchtlinge mehr: Die Schäden, die Gutmenschen anrichten

Kennen Sie Tanaland? „Tanaland ist ein Gebiet irgendwo in Ostafrika. Mitten durch Tanaland fließt der Owanga-Fluss, der sich zum Mukwa-See verbreitert. Am Mukwa-See liegt Lamu, umgeben von Obstplantagen und Gärten und von einer Waldregion. In und um Lamu wohnen die Tupi, ein Stamm, der von Ackerbau und Gartenwirtschaft legt. Im Norden und im Süden gibt es Steppengebiete. Im Norden, in der Gegend um den kleinen Ort Kiwa leben die Moros. Die Moros sind Hirtennomaden, die von Rinder- und Schafzucht leben“ (Dörner, 1996: 22). Bislang leben die Tupi und die Moros ein gutes, wenngleich kein luxuriöses Leben. Aber das soll sich ändern. Dietrich Dörner, der Tanaland für ein psychologisches Experiment erfunden hat, ist dabei, eine Horde wohlmeinender Probanden auf die Tupi und die Moros loszulassen. Die 12 Probanden haben diktatorische Vollmacht und sollen die Lebenssituation der Tupi und der Moros verbessern.

Alle 12 Probanden haben sich voll motiviert und voller guter Absichten ans Werk gemacht und fast alle 12 Probanden haben Tanaland in Windeseile ruiniert: Sie haben das Land versteppt, die Bevölkerung explodieren lassen und eine Hungerkatastrophe als logisches Ende produziert. Alle haben ein Tanaland zurückgelassen, das nicht mehr bewohnbar war.

Sechs Ursachen für die verursachte Katastrophe, hat Dietrich Dörner bei seinen Probanden identifiziert, darunter die folgenden drei:

Drauflos handeln; Die gute Absicht lässt eine umfassende Situationsanalyse überflüssig erscheinen;

Nichtberücksichtigung von Fern- und Nebenwirkungen; Die gute Absicht, kann nach Ansicht der Probanden gar nicht in negative Fern- und Nebenwirkungen münden;

Nichtberücksichtigung der Tatsache, dass Veränderungsprozesse nicht immer so verlaufen, wie man sie geplant hat;

Wir bezeichnen die drei Mechanismen als Gutmenschen-Überheblichkeit. Beseelt von der Vorstellung, anderen gutes zu tun, kommen Gutmenschen überhaupt nicht auf die Idee, ihre Handlungen könnten der Situation, die sie vorfinden, unangemessen sein, schließlich sind es gute Handlungen. Sie kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass sie mit ihren Handlungen Schäden anrichten könnten, dass sie Neben- und Fernwirkungen auslösen könnten, die unbeabsichtigt und destruktiv sind. Und sie kommen nicht auf die Idee, dass sie mit ihrem Handeln in einen laufenden Prozess eingreifen, dass sie die Systematik eines vorhandenen Prozesses verändern. Man könnte Gutmenschen vor diesem Hintergrund als naive Beseelte bezeichnen. Das wird ihnen, wie Tanaland belegt, aber nicht gerecht: Sie sind gefährliche Autokraten, die keinen Zweifel an ihrer Gutheit dulden.

Die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer durch die guten Menschen von NGOs, deren Finanzierung nicht so offen ist, wie sie sein sollte, ist ein hervorragendes Beispiel für eine Neuauflage von Tanaland. Vermutlich wohlmeinende Mitarbeiter von NGOs oder solche, die in der Öffentlichkeit als wohlmeinend und gut erscheinen wollen, schwärmen ins Mittelmeer um dort Menschen in Seenot zu retten: Flüchtlinge, die auf Schiffen unterwegs sind, die kaum seetauglich zu nennen sind.

Ein Mitglied der NGO „Jugend rettet“, Julian Pahlke, hat die Naivität oder die boshafte Lust, sich auf Kosten von Menschen, die man in der Hierarchie unter sich wähnt, zu profilieren, gerade in Worte gepackt. „Jugend rettet“ ist die NGO, deren Schiff Iuventa von italienischen Behörden sichergestellt wurde und denen ein italienischer Staatsanwalt vorwirft, mit Schleppern zusammen zu arbeiten.

Pahlke (von „Jugend rettet“), dem die ARD gerade einen sehr mitfühlenden und positiven Beitrag gewidmet hat, hat es geschafft, in nur wenigen Sätzen all das zu verpacken, was letztlich die Ursache für die Katastrophe ist, die Dörners Probanden in Tanaland angerichtet haben oder NGOs heute im Mittelmeer anrichten:

„Pahlke von “Jugend rettet” hält diesen Einsatz auch nach wie vor für wichtig, denn es geht um Menschen in Seenot: “Diese Boote sind einfach unfassbar seeuntauglich, völlig überladen und untermotorisiert. Die Menschen befinden sich in desaströsem Zustand – ohne Essen, ohne Wasser.” Seine Organisation könne sich nur wundern, wie diese Situation nicht als Seenotfall beschrieben werden könne.“

Julian Pahlke ist sicherlich noch nie auf die Idee gekommen, die eigene Rolle im Spiel mit Flüchtlingen zu reflektieren. Die NGOs, die im Mittelmeer Flüchtlinge aufnehmen, sie verändern den Prozess der Flüchtlingshilfe, sie produzieren Neben- und Fernwirkungen, aber sie haben sich dennoch nie dafür interessiert, auf welche Situation sie im Mittelmeer eigentlich treffen.

Die Situation ist einfach beschrieben. Es gibt Schlepper, die an Migranten verdienen. Es gibt Migranten, die in die EU gelangen wollen. Es gibt Boote, mit denen das bewerkstelligt werden soll. Und es gibt die NGOs, die angelockt, vom desaströsen Zustand der Menschen, ohne Essen, ohne Wasser und voller guter Absichten (wenn wir es einfach einmal glauben, dass es den NGOs natürlich nur um die Menschen und nicht um die eigenen Spendeneinnahmen und die Publicity geht) „die Menschen“ aus den „unfassbar seeuntauglichen“ Booten retten wollen.

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll, angesichts von solcher Naivität oder solchem Zynismus, wie ihn Pahlke hier zur Schau stellt.

Versetzen wir uns in die Lage eines Migranten.
Wir haben ein paar Tausend US-Dollar an Schlepper bezahlt, um nach Europa zu gelangen. Nun stehen wir vor dem Mittelmeer und sehen: Wasser. Im Wasser dümpelt ein Boot, das nicht den Eindruck macht, die paar Hundert Seemeilen nach Italien durchzuhalten, denn es ist „unfassbar seeuntauglich“. Wir sind nicht, wie Pahlke denkt, Vollidioten, die auch in ein Boot steigen würden, das schon zur Hälfte mit Wasser vollgelaufen ist. Wir sind nicht bis Libyen geflohen, um hier das sichere Schicksal, im Mittelmeer zu ertrinken, in Kauf zu nehmen. Wieso um aller Götter willen gehen wir auf dieses Boot? Wieso drehen wir dem Schlepper nicht den Hals um, angesichts des Betrugs in Form eines „unfassbar seeuntauglichen“ Boots? Wieso bemängeln wir nicht die schlechte Versorgung mit Wasser und Nahrung?

Was kann einen rationalen und mit allen Sinnen ausgestatteten Menschen dazu veranlassen, ein „unfassbar seeuntaugliches“ Schiff zu besteigen und sich diesem „unfassbar seeuntauglichen“ Schiff mehrere Hundert Seemeilen anzuvertrauen? Was kann einen Schlepper, der ja die finanziellen Früchte seiner Arbeit genießen will, dazu veranlassen, ein solches „unfassbar seeuntaugliches“ Boot zu besteigen und zumindest vorzugeben, es nach Italien zu navigieren?

Rationale Menschen wählen keine Handlungsalternative, die den sicheren Tod zum Ergebnis hat. Wenn die Wahl zwischen Ertrinken im Mittelmeer und Festsitzen in Libyen besteht, was wählen Sie?

Sie wählen Libyen. Es sei denn, es gibt eine Variable, die die Wahrscheinlichkeit, im „unfassbar seeuntauglichen“ Boot dem sicheren Ende entgegen zu schippern, verändert. Die Wahrscheinlichkeit, von einer NGO aus dem „unfassbar seeuntauglichen“ Boot gerettet zu werden. Wenn Ihr Schlepper Ihnen mitteilt, dass nur wenige Seemeilen vor der Libyschen Küste die NGOs darauf warten, Sie zu retten, dann ändert das ihre Bereitschaft auf das „unfassbar seeuntaugliche“ Boot zu steigen und lässt sie zudem die Reklamation wegen der ausbleibenden Nahrung aufschieben.

NGOs sind somit die Ursache dafür, dass Lybische Schlepper dauerhaft nicht in seetaugliche Boote investieren müssen, und es sich leisten können, „unfassbar seeuntaugliche“ Boote einzusetzen. Gäbe es keine NGOs, würden die „unfassbar seeuntauglichen“ Boote untergehen, die Menge der Flüchtlinge, die bereit sind, in den sicheren Tod zu schippern, sie würde immer kleiner werden. Die Schlepper ständen vor dem Ruin.

Aber die NGOs sind nicht nur daran schuld, dass die Schlepper nicht in seetaugliche Boote investieren. Sie sind nicht nur daran schuld, dass Flüchtlinge in „unfassbar seeuntaugliche“ Boote steigen, sie sind auch daran schuld, dass der Strom der Flüchtlinge nicht geringer wird, denn die Kunde, dass man kurz vor der Lybischen Küste gerettet und in einigem Komfort nach Italien befördert wird, dass man, recht gut über das Mittelmeer in die EU einreisen kann, diese Kunde verbreitet sich natürlich. Die Fernwirkung der NGOs und ihrer guten Absichten besteht also darin, immer mehr Flüchtlinge zur Flucht über das Mittelmeer anzureizen.

Und als Nebenwirkung ihres Einsatzes erhöhen NGOs den Umsatz von Schleppern, einmal dadurch, dass sie für Nachfrage nach Schlepperleistungen sorgen, einmal dadurch, dass sie die Fixkosten für Schlepper, wie sie für z.B. seetaugliches Gefährt oder Nahrung für die Flüchtlinge anfallen würden, gering halten.

Kurz: NGOs sind der Hauptgrund dafür, dass Flüchtlinge in „unfassbar seeuntaugliche“ Boote steigen, Schlepper „unfassbar seeuntaugliche“ Boote einsetzen, dafür, dass Flüchtlinge in großer Zahl die Reise über das Mittelmeer antreten und dafür, dass der Strom von Flüchtlingen nicht abreißt. Sie schaffen also das Problem, das sie angeblich lösen wollen, erst. Aber vielleicht wollen sie ja auch kein Problem lösen, sondern eines schaffen.

Um diesen beschriebenen Prozess zu unterbrechen, ist es notwendig, die NGOs daran zu hindern, Flüchtlinge, wie sie meinen, zu retten. Deshalb ist es gut, dass „Jugend“ nicht mehr „rettet“.

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Aufstand der Realitätsverweigerer: Peter Tauber und der Minijob- Shitstorm

„Wenn Sie etwas [O]rdentliches gelernt haben, dann brauchen Sie kein drei Minijobs“.

Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, hat den Stein des Anstoßes gezwitschert und der Gutmenschen-Lynchmob er hat nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem der Tagesschau ist der Shitstorm, den Tauber geerntet hat, einen Beitrag wert. Wen wundert’s.

“Nicht nur Minijobber fühlten sich dadurch angegriffen. Zahlreiche kritische Antworten folgten auf den Tweet. “Es gibt Leute, die ohne ‘Ausbildung’ gute Arbeit finden und behalten. Und was ‘Ordentliches’ schützt nicht vor Minijobs”, meinte ein Nutzer etwa. Auch die politische Konkurrenz griff das Thema rasch auf. “Da weiß man eben, was man kriegt, wenn man CDU wählt: Menschenverachtung und Abgehobenheit”, schrieb der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat auf Twitter. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann kommentierte knapp: “Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär.”

Nur: Peter Tauber hat Recht!

Der Zusammenhang zwischen einer höheren Bildung und einem höheren Einkommen ist stabil, wird von Sozialwissenschaftlern seit Jahrzehnten nachgewiesen, und zwar seit er 1961 von Theodore Schultz erstmals argumentiert und empirisch mit Daten belegt wurde. Sein Argument geht vom Konzept des Humankapitals aus: Wer mehr Humankapital hat, der ist im Hinblick auf das Einkommen, das er erwirtschaftet, erfolgreicher als derjenige, der vergleichsweise wenig davon hat. Humankapital wird heute von vielen auf den Erwerb eines Bildungstitel verkürzt. Meint aber weit mehr als ein Bildungszertifikat. Der Zusammenhang zwischen Humankapital und Höhe des Einkommens besteht auf der Ebene eines Aggregats von Personen.

Für alle Mitglieder dieses Aggregats, z.B. der deutschen Gesellschaft gilt, dass ihre Wahrscheinlichkeit, ein hohes Einkommen zu erzielen, mit dem Humankapital, das sie akkumuliert haben, wächst.

Aber: Alle bedeutet nicht jeder.

Trotz des Zusammenhangs auf der Aggregatebene, gibt es Leute, die mit Blick auf ihr Humankapital weniger Einkommen erwirtschaften als der generelle Zusammenhang erwarten ließe. Hier kommen dann individuelle Motive, Motivationen und Einstellungen ins Spiel und die berühmten singulären Es-gibt-Sätze: Es gibt Menschen, die beziehen lieber Hartz IV, als dass sie arbeiten. Es gibt Menschen, die machen Minijobs, weil sie lieber wenig als viel arbeiten. Es gibt Menschen, die machen Minijobs, weil sie nichts anderes bekommen oder sie beziehen Hartz-IV. Für diese zuletzt genannte Gruppe kann man wieder einen All-Satz formulieren, denn die Wahrscheinlichkeit, auf Minijobs reduziert zu sein oder keinen Fuß auf den Arbeitsmarkt zu bekommen, ist für diejenigen am höchsten, die über wenig Humankapital verfügen.

Das kann man jetzt bedauern.

Man kann es negativ bewerten.

Man kann rot anlaufen und mit den Füßen aufstampfen.

Aber das ändert nichts daran, dass ein Zusammenhang zwischen Minijobs, Hartz-IV auf der einen und einem geringen Humankapital auf der anderen Seite besteht.

Und weil alle nicht jeder ist, gibt es – um es noch einmal zu wiederholen – auch diejenigen, die obwohl sie mit ihrem Humankapital einen guten Job erhalten könnten, einen solchen nicht anstreben – aus welchen Gründen auch immer.

Die Welt, die Motive von Menschen, die Gründe, nicht am Arbeitsmarkt teilzunehmen, sie sind vielfältig. Dass ausgerechnet Linke das nicht verstehen, die sich doch so gerne zu Experten für Diversität aufblasen, ist erstaunlich.

Nun hat Peter Tauber in seinem Tweet ein Einfallstor für den Gutmenschen-Lynchmob geliefert. Er hat von „etwas Ordentlichem“, das man gelernt haben müsse, als Voraussetzung für das Vermeiden von drei Minijobs gesprochen.

Wie haben „ordentlich Gelerntes“ wissenschaftlich und somit deskriptiv operationalisiert, über Humankapital, also Bildungszertifikat plus Erfahrung plus Motivation plus Fähigkeiten usw.

Aber „odentlich“ hat auch eine normative Konnotation. Deshalb können Linke wie Niema Movassat und Thomas Oppermann sich an der Aussage von Tauber festbeißen. Sie haben zwar keinerlei Ahnung davon, was unter „ordentlich“ fällt, nutzen aber den normativen Gehalt für ihre Zwecke aus, jenen Gehalt, der ordentlich als menschliche Grundfähigkeit auszeichnet. Wie so oft, wenn Normen ins Spiel kommen, sind die Bewertungen darüber, was ordentlich im täglichen Leben ausmacht, unterschiedlich.

Für Thomas Oppermann, der in diesem Zusammenhang von Anstand schreibt, liegt „Ordentlichkeit“ offensichtlich dann vor, wenn man Fakten verschweigt. Dass es einen Zusammenhang zwischen Humankapital als Indikator für eine ordentliche Ausbildung (etwas Ordentliches gelernt haben) und Einkommen gibt, ist ein Faktum. Wenn Tauber dieses Faktum ausspricht und Oppermann dies als gegen den (sozialdemokratischen) Anstand verstoßend auffasst, dann muss man daraus schließen, dass (sozialdemokratischer) Anstand darin besteht, die Wahrheit zu verschweigen und vielleicht sogar Lügen zu erzählen. Letzteres müsste indes noch als Hypothese geprüft werden.

Für Niema Movassat, der im Zusammenhang mit dem Tweet von Tauber von Menschenverachtung und Abgehobenheit spricht, gilt tendenziell dasselbe, wobei Menschenverachtung nach unserer Ansicht eher dann gegeben wäre, wenn man Menschen, jungen Menschen erzählte, ob sie im späteren Leben erfolgreich sind und ein hohes Einkommen erzielen können, sei nicht von ihrer Ausbildung abhängig. Movassat scheint nahelegen zu wollen, dass dem so sei, was wohl seiner Abgehobenheit als Abgeordneter, der vom Studium direkt in die Politik gewechselt ist und entsprechend keinerlei Erfahrungen mit einer richtigen – oder “ordentlichen” Arbeit ins Feld führen kann, geschuldet ist.

Letztlich dreht sich der ganze Streit darum, was unter „etwas Ordentliches lernen“ zu verstehen ist. Wenn man wie wir, etwas Ordentliches lernen als etwas operationalisiert, das einen gesellschaftlichen Nutzen erbringt, einen Mehrwert produziert, dann kommt man z.B. zu der folgenden Liste von Berufen, die man als ordentliche Berufe, die nach aller Erfahrung kein Hartz-IV und keinen Minijob nach sich ziehen, bezeichnen kann:

Maurer, Klempner, Dachdecker, Chemie-Facharbeiter, Dreher, Software-Entwickler, IT-Spezialist, Ingenieur, Architekt, Fernfahrer, Zugführer, Arzt, usw.

Wir kommen zu einer zweiten Liste von Berufen, von denen man sagen muss, dass sie sich als ordentlich oder unordentlich qualifizieren können. Das liegt vor allem daran, dass in modernen Gesellschaften die Verwaltung in einer Weise aufgebläht wurde, die an die Endphase sozialistischer Plansysteme erinnert, als ein Sack Zement auf fünf Träger verteilt werden mußte. Und es gibt die Berufe, die systematisch durch das Senken von Ansprüche entwertet wurden, ein Phänomen, das unter dem Begriff der Gleichstellung gefasst wird.

Manager, Mitarbeiter der Verwaltung, Sozialarbeiter, Lehrer, Hochschuldozenten, Rechtsanwälte, Psychologen, Politiker, usw.

Schließlich gibt es die Liste derer, die nach aller Wahrscheinlichkeit auf Minijobs oder Hartz-IV verwiesen werden, weil sie auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden (eine Aussage, die nach Ansicht von Oppermann und Movasaat, anstandslos, menschenverachtend und abgehoben ist. Beide machen Menschen lieber vor, dass sie auch ohne Ausbildung und Arbeit  zum Milliardär werden können. Abermals ist die letzte Aussage eine Zusammenhangsaussage. Sicher gibt es den einen Milliardär, der keine Ausbildung hat. Ihm stehen aber die Millionen gegenüber, die keine Ausbildung haben und kein Milliardär sind.) Die Liste kann über die folgenden Kriterien gefüllt werden:

Kein Schulabschluss, keine Ausbildung, keine abgeschlossene Lehre, Studium von Gender Studies oder sonstiger nutzloser Hochschulangebote, keine Motivation, zu arbeiten (früher. Faulenzer, soll es auch heute noch geben), politische Aktivisten der Antifa, die wochenlang Demonstrations-Urlaub z.B. in Hamburg und auf Kosten von Steuerzahlern machen können usw.

Letztlich wäre nach dieser deskriptiven Vorgehensweise die letzte Gruppe als das zu beschreiben, was Karl Marx in der ihm zeitweise eigenen Derbheit als Lumpenproletariat bezeichnet hat. Wenn man Peter Tauber und seinem Gezwitscher also etwas vorwerfen kann, dann dass er sich in einer ideologischen Nähe zu Karl Marx befindet, die einem Generalsekretär der CDU nicht ziemlich ist.

P.S.

Schade, dass Tauber nun zurückrudert und es bedauert, dass er manche verletzt haben könnte, weil er “so blöd formuliert” habe. Als Politiker kann man es nicht allen Recht machen. Man muss Rückgrat beweisen und zu dem stehen, was man für richtig hält. In Taubers Fall wäre das, wozu der Politiker Tauber steht, einmal etwas, was faktisch korrekt ist. Hier vor Netzwerk-Hysterikern zu kuschen, ist in jedem Fall unwürdig.

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Neo-Orientalismus im Bundestag – Ressourcenverschwendung im Extrem

Vorrede: Ressourcen sind begrenzt. Die Ressourcen, die man für eine Sache einsetzt, stehen nicht mehr für eine andere Sache zur Verfügung. Wenn man also Ressourcen für eine unwichtige Sache verschwendet, dann fehlen die entsprechenden Ressourcen, um eine wichtige Sache anzugehen.

Erving Goffman hat wie kein Anderer das Soziale als Schauspiel beschrieben und durchschaut. Wir alle spielen Theater ist die deutsche Übersetzung seines Klassikers, der mit „The Presentation of Self in Everyday Life“ einen wesentlich besseren Titel trägt: Die Selbstdarstellung im täglichen Leben, wäre ein sinnvollerer Titel gewesen.

Das tägliche Leben, es besteht aus der täglichen Inszenierung von sozialen Rollen, aus der Errichtung einer Fassade vor oder hinter der die dramatische Gestaltung der Selbstinszenierung erfolgen kann, es besteht aus Ausdruckkontrolle und Idealisierung und vor allem aus dem Versuch, glaubwürdig zu erscheinen.

Gutmenschen, also Menschen, die als „gute Menschen“ erscheinen wollen, denen es wichtig ist, sich als das zu inszenieren, was sie für einen guten Menschen halten, sie haben es heute schwer. Gerade noch haben sie in einer modernen Variante des Orientalismus des 18. und 19. Jahrhunderts, die man als Neo-Orientalismus bezeichnen kann, Flüchtlinge als Form kleiner schwarzer Kinder, um die man sich kümmern muss, idealisiert, da haben sich die idealen Flüchtlinge, die zu Millionen nach Deutschland kommen, als gar nicht ideal, sondern als menschlich entpuppt. Sie haben andere Bedürfnisse als von den Gutmenschen für sie vorgesehen, sie bringen andere kulturelle Traditionen mit, sie haben andere Wertvorstellungen, in denen weder Homosexualität einen Platz hat noch eine öffentliche Exposition von Sexualität, sie sind zuweilen gar kriminell und mögen die deutsche Küche nicht. Wenn Gutmenschen auf die Realität treffen, dann passiert, was immer passiert: Ihre Idealisierung zerfällt zu Staub, ihre Inszenierung als Gutmensch ist entsprechend in Gefahr, ihre mühsam errichtete Fassade, sie bröckelt.

Da wiederum die Inszenierung als Gutmensch nicht um ihrer selbst willen, sondern deshalb erfolgt, weil die eigen Persönlichkeit davon abhängt, bringen die undankbaren Flüchtlinge, die sich als normale Menschen entpuppen, nicht nur die Fassade der Gutmenschen-Darstellung, sondern die ganze Persönlichkeit des Gutmenschen in Gefahr.

Folglich muss ein neues Feld her, auf dem sie sich als Gutmenschen dramatisieren können. Sie benötigen eine neue Gruppe, derer man sich bemächtigen kann, die man idealisieren kann, der man sich überlegen fühlen kann und auf deren Rücken man sich gut fühlen und als gut inszenieren kann. Die entsprechende Gruppe darf nicht zahlreich sein, sonst besteht zum einen die Gefahr, dass die Idealisierung durch Konfrontation mit dem real existierenden edlen Wilden in sich zusammenfällt, zum anderen lebt die ganze Dramaturgie, das ganze Signalisieren der eigenen Gutheit, das virtue signalling, und somit die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit davon, dass das für die Gutheit ausgewählte Objekt, sich nicht als etwas anderes entpuppt als es zu sein hat.

Da Flüchtlinge, undankbare kleine Braune, die sie sind, sich als normale Menschen erwiesen haben, haben sich die Gutmenschen auf eine Gruppe zurückbesonnen, die ihnen schon einmal als Objekt gedient hat: Homosexuelle.

Homosexuelle sind optimal, wenn man sich als guter Mensch inszenieren will. Man erklärt, dass Homosexuelle nicht benachteiligt werden dürfen. Kämpft dafür, dass sie nicht diskriminiert werden. Macht sie zu einer idealen Lebensform, einer von der heterosexuellen Mehrheit unterdrückten Lebensform, in der sich nicht etwa Männer in Leder mit einem Hang zu Sado-Masochismus treffen oder Männer, die ihre finanzielle Position ausnutzen, um sich mit Crystal-Meth auszurüsten und Strichjungen zu kaufen, oder Frauen, die ihre Faszination und gleichzeitige Angst vor Männlichkeit hat eine Psychose entwickeln lassen, nein, Homosexuelle sind rein wie kleine Kinder. Sie haben kein erhöhtes Aids-Risiko, sind mindestens genau so gute Eltern wie heterosexuelle Eltern und in jeder Hinsicht die überlegene Lebensform, schon weil sie wie die Kindlein sind – jedenfalls in der Idealisierung derer, die sich auf dem Rücken von Homosexuellen ausleben.

[Ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Homosexuelle sind auch deshalb optimal, weil es kaum welche von ihnen gibt, und die, die es gibt, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell inszenieren, sie werden als Ikonen eines Befreiungskampfes aufgebaut, der dieses Mal keine unterdrückten Minderheiten zum Gegenstand hat, die in stattlicher Anzahl vorhanden sind, wie z.B. die Palästinenser, die um staatliche Anerkennung kämpfen, sondern eine so kleine Minderheit, dass man sie einerseits mit der Lupe suchen muss, um sie zu finden, andererseits die Gefahr reduziert ist, dass sie sich als normale Menschen erweisen, die von der Idealisierung von Homosexualität, auf der die öffentliche Diskussion basiert, abweichen.

Um die Idealisierung auf die Spitze zu treiben, unterstellen die Kämpfer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen Letzteren, dieselbe Spießigkeit, die sie selbst auszeichnet, eine Spießigkeit, die das eigene Leben in die Obhut des Staates und den rechtlichen Schutz seiner Gesetze legen will, eine Spießigkeit, für die Partnerschaft so gefährlich und bedrohlich ist, dass man sie nur eingeht, wenn klar ist, welche Rechte und Pflichten damit einhergehen. Selbstverständlich wollen Homosexuelle nichts lieber als heiraten, um zu zeigen, dass sie zwar anders, aber nicht zu anders sind.

So sehen es die Gutmenschen und so kommt es, dass der Bundestag über die Ehe für Alle abstimmen wird, dass er seine Ressourcen einsetzen wird, um ein Recht zu schaffen, von dem, wenn man annimmt, dass der Anteil der Homosexuellen, die heiraten werden, dem Anteil der Verheirateten in der Bevölkerung entspricht, gerade einmal 0,23% der Haushalte in Deutschland etwas haben werden.

Wie das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt hat, gibt es rund 94.000 homosexuelle Partnerschaften. Gemessen an den 24.099.000 Haushalten, in denen zwei oder mehr Personen zusammenleben, macht dies einen Anteil von 0,4%. Rund 61% der Deutschen im Alter von 27 bis 59 Jahre sind verheiratet. Unterstellt man Homosexuellen dasselbe Heiratsverhalten, dann stimmt der Bundestag über Rechte ab, die von 0.23% der deutschen Haushalte wahrgenommen werden.

[Noch ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Dieser Irrelevanz homosexueller Ehen im gesellschaftlichen Kontext steht die Nützlichkeit von Homosexualität für Virtue Signalling gegenüber. Kein anderes Thema hat es in den letzten Wochen und Monaten geschafft, die Phantasie derer, die in Medien und Politik sitzen, so zu beflügeln, wie Homosexualität, jene Verhaltensweise, von der die meisten nicht mehr wissen als sie in ihrer Phantasie sich auszumalen, im Stande sind. Wobei diese Phantasie in den meisten Fällen kein gutes Licht auf den Charakter der Phantasten werfen wird. Homosexualität, die Vorstellung vom edlen Schwulen, sie steht somit in einer direkten Reihe mit dem Orientalismus, jener Bewegung, die Deutschland schon einmal im Griff hatte, damals mit Blick auf die arabischen Staaten, die die Phantasie mancher Deutscher in einer Weise beflügelt haben, die umgekehrt reziprok zu den Kenntnissen besagter Deutscher von arabischen Ländern stand.

Aber, wie schon mit Blick auf die Flüchtlinge festgestellt, es geht nicht darum, die Realität zu beschreiben. Es geht darum, sich als Gutmensch zu inszenieren, eine dramatische Darstellung zu liefern, die zeigt, man ist der Samariter, auf den selbst die Bibel umsonst gewartet hat. Die Realität stört dabei nur. Sie stört den Neo-Orientalismus und die von ihm versprochene Möglichkeit, der eigenen Phantasie Flügel zu verleihen, die Grenzen überwindet, Grenzen der Moral, Grenzen des guten Geschmacks, des pfleglichen und verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen …

P.S.
Wenn Homosexuelle zusammenleben wollen und sich ihrer nicht sicher sind, so dass sie eine rechtliche Sicherheit benötigen, steht ihnen jederzeit die Möglichkeit zur Verfügung, einen privatrechtlichen Vertrag mit einander abzuschließen. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, homosexuelle Partnerschaften per Zugang zur Ehe unter den Schutz des Grundgesetzes und nachfolgend in den Genuss der damit verbundenen steuerlichen Vorteile, staatlichen Subventionen und sonstigen finanziellen Zuwendungen kommen zu lassen. Wenn es um Gerechtigkeit geht, bestünde der sinnvollere Weg darin, die Privilegierung von Lebensentwürfen abzubauen, anstatt den privilegierten Lebensentwürfen neue hinzuzufügen, denn: auch finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Die Staatsknete kommt nicht aus der Steckdose, sie muss erwirtschaftet werden, von denen, die nach wie vor dumm genug sind, ein Erwerbs- und kein Transferleben zu leben.

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[Zugabe: Ein weiterer Aspekt homosexueller Kultur:]

Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch – heute: Chancenungerechtigkeit

Die Wortschöpfungen, mit denen sich immer mehr als Gutmenschen outen wollen, sie werden immer abenteuerlicher. Offensichtlich führt die neue Mode, sich als guter Mensch, der sich um das Schicksal von denen sorgt, die er sozial unter sich verortet, zu einer gewissen begrifflichen Armut, die durch innovative Schöpfungen, die sich regelmäßig als Blödsinn erweisen, bekämpft werden muss.

Heute ist es „Minister a.D, Walter Hirche“, auf den die Zeit als Minister so prägend gewirkt hat, dass er den sprachlichen Unsinn, der sein Amt ausgezeichnet haben muss, bis heute nicht los wird, der sich in die Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch einträgt.

Nachdem die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz die Chancengerechtigkeit erfunden hat, einen Begriff ohne Inhalt, kann die UNESCO nicht zurückstehen. Da man bei der UNESCO lamentieren und nicht fordern will, wird nicht von Chancengerechtigkeit, sondern von Chancenungerechtigkeit fabuliert. Hier ein Teil des Dummdeutschen, das aus den Hallen der UNESCO kommt, und zwar unter der irrsinnigen Überschrift: “UNESCO-Studie fordert: Chancenungerechtigkeit in der tertiären Bildung beseitigen“.

Studien fordern bekanntlich nichts, und wenn diejenigen, die eine Studie erstellt haben, etwas fordern, dann belegen sie damit, dass sie keine Studie ausgeführt haben, in der es um Wissenschaft geht, sondern eine Auftragsarbeit, in der es darum geht, Politiker oder Gutmenschen-Organisationen mit Material zu versorgen, an dem sie ihr Dummdeutsch ausprobieren können, etwa so:

facepalm orang utan“Im Einklang mit dem weltweiten Trend studieren auch in Deutschland immer mehr junge Erwachsene. Über eine halbe Million junger Menschen haben im vergangenen Jahr ein Studium begonnen. Doch trotz dieser deutlichen Expansion wirken auch bei der Studienaufnahme soziale Herkunftseffekte. Diese Chancenungerechtigkeit müssen wir beseitigen. Chancengerechtigkeit beginnt bei der frühkindlichen Bildung und kann auch im Hochschulwesen nur durch systematische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungsbiografie geschaffen werden. Nur so kann das Potenzial von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung voll genutzt werden“, betont Walter Hirche, Minister a.D., Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Chancenungerechtigkeit ist ein ebensolches sprachliches Unding wie Chancengerechtigkeit. Es kann Chancengleichheit geben, aber keine Chancengerechtigkeit.

Und jetzt alle:

Gerechtigkeit ist ein relationales Konzept, das sich auf die Bewertung prozeduraler Erträge bezieht. Wenn Kinder in der Schule für die gleiche Leistung die gleiche Note bekommen, dann ist das (verfahrens-)gerecht. Wenn sie, wie es in deutschen Schulen der Fall ist, mehr leisten müssen, weil sie männlich sind, um die selben Noten zu erhalten, wie weibliche Schüler oder wenn sie, weil sie aus Familien kommen, die die Mittelschichts-Lehrer als Schicht unterhalb ihrer eigenen ansehen, selbst bei gleicher Leistung schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als die Kinder der Mittelschicht, dann ist das ungerecht. In keinem Fall hat es etwas mit Chancen zu tun.

Wollte man Sinn aus dem Begriff „Chancenungerechtigkeit“ machen, dann müsste man annehmen, dass Chancen nicht gleich verteilt sind, aber dafür gibt es schon die Begriffe der Chancengleichheit bzw. -ungleichheit. Chancengerechtigkeit ist schlichter Blödsinn, den man nur im Mund führen kann, wenn man nichts sagen, nichts kommunizieren will oder kann, was Sinn und Bedeutung hat, sondern affektive Ladungen transportieren will: Seht her, wie gut ich bin, ich sorge mich um die Kinder der Unterschicht. Ich habe zwar keine Ahnung, warum die Unterschichtskinder aus dem Bildungssystem ausscheiden und noch weniger Ahnung habe ich, warum ich den Trend, nachdem immer mehr studieren, gut finde, aber das macht nichts, ich will mich produzieren, als guter Mensch, als einer, der keine Ahnung, aber viel Empathie mit was oder wem auch immer hat.

In der Pfalz nennt man derartige Produzenten kurz und knapp: Dummbabbler.

Zum Verteilen und Auswendig lernen, besonders Ministern, Ministern a.D. und Politikern empfohlen: Unser Idiotentest für Verteilungsfragen.

Unser Häupling Seattle meint (an Genderisten und Politiker gewandt): “Erst wenn der letzte Begriff sinnentleert, das letzte Wort bedeutungslos, der letzte Satz entstellt und das letzte Konzept verballhornt ist, werdet ihr feststellen, dass Blödsinn weder sprachlich noch praktisch brauchbar ist.”

„Psychopathologisch gestörte links-grüne Gutmenschen“: Ein Xing-Sturm im deutschen Kindergarten

Man könnte auch sagen, Linke entdecken die Vorteile des freien Marktes, denn diejenigen, die beleidigt sind, weil Jürgen Fritz auf Tichys Einblick argumentiert hat, dass [die meisten, viele, alle???] grünen und linken Gutmenschen psychopathologisch gestört sind, sie verlassen XING, löschen dort ihr Profil, denn XING betreibt auch XING News, und XING News wird von Roland Tichy herausgegeben, der auch Tichys Einblick herausgibt. Auf Tichys Einblick wiederum wurde der Beitrag von Jürgen Fritz veröffentlicht, jener Beitrag, in dem grüne und linke Gutmenschen als psychopathologisch gestört bezeichnet werden und in dem in einer Mischung aus Erkenntnistheorie und Freud argumentiert wird, warum (1) Fritz der Ansicht ist, grüne und linke Gutmenschen seien psychopathologisch gestört und (2) warum man deshalb nicht mit den psychopathologisch Gestörten reden soll.

Die Vergangenheitsform „wurde veröffentlicht“ ist hier auch insofern relevant, als der Beitrag zwischenzeitlich verschwunden ist. An seiner Stelle steht nun:

„Der Beitrag
“Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“
hätte hier nicht erscheinen dürfen.
Unterstellung von Pathologie ist für TE keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.
Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.“

Das ist schade. Doch der Reihe nach.

Zunächst einmal: Dass alle, die sich irgendwie von dem Beitrag, den Jürgen Fritz auf Tichys Einblick veröffentlicht hat, angesprochen fühlen, nun Xing verlassen, ist ihr gutes Recht. In einer freien Marktwirtschaft wird niemand gezwungen, Produkte zu kaufen, die er nicht will. Wer also nicht mehr Mitglied bei XING sein will, weil auf der Seite von Roland Tichy ein Beitrag von Jürgen Fritz veröffentlicht wurde, der ist zwar nicht unbedingt ein logischer Zeitgenosse, aber das ändert nichts daran, dass er seine Mitgliedschaft jederzeit beenden kann. Diese Freiheit hat er z.B. den zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Verurteilten voraus, die – selbst wenn sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nutzen, sich ihm entziehen, weil sie Beiträge, die dort veröffentlicht werden, nicht mögen, keine Möglichkeit haben, ihre Zwangsmitgliedschaft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beenden. Demgemäß müssten eigentlich all diejenigen, die nun ihre Mitgliedschaft bei XING beenden, für eine Abschaffung der GEZ-Zwangsgebühren eintreten, um die Freiheit auch denen zu verschaffen, die nicht in die Vorzüge des freien Marktes privater Unternehmen kommen.

Dann muss man jedoch feststellen, dass all diejenigen, die, weil Jürgen Fritz auf Tichys Einblick von „psychopathologisch gestörten Gutmenschen“ geschrieben hat, nun ihre Mitgliedschaft bei XING kündigen, weil XING News von Roland Tichy herausgegeben wird, mehrere Fehlschlüsse begehen. Denn auf XING News ist in der Vergangenheit offensichtlich kein Beitrag erschienen, der ihren ideologischen Groll geweckt hat, denn wäre in solcher Beitrag erschienen, dann hätten sie ihre Mitgliedschaft ja bereits in der Vergangenheit gekündigt. Sie bestrafen somit XING, obwohl XING gar nichts dafür kann. Damit liegt ein Verstoß gegen die erste der drei Regeln für die Überprüfung der Gültigkeit von Syllogismen vor, der besagt: „Der Mittelausdruck muss genau einmal distribuiert sein“. Für alle die es nachvollziehen wollen. Wer in Salmon Wesleys „Logik“ die Seiten 104 bis 110 liest, und zwar vor dem Hintergrund, dass die Aussagen „Roland Tichy ist Herausgeber der XING News“ und „Roland Tichy ist Herausgeber von Tichys Einblick“ Mittelausdrücke darstellen, dem sollte es nicht schwerfallen, nachzuvollziehen, warum die Kündigung der XING-Mitgliedschaft auf einem Fehlschluss beruht.

Wenn es also das Ergebnis eines Fehlschlusses darstellt, XING dafür abzustrafen, dass Jürgen Fritz auf Tichys Einblick einen Beitrag veröffentlicht hat, der den Abstrafern nicht gefällt, dann stellt sich die Frage, was sie erreichen wollen, denn die einzig logisch korrekte Reaktion wäre gewesen, Tichys Einblick nicht mehr zu lesen. Entsprechend wollen diejenigen, die XING kündigen, weil Tichy Herausgeber ist, wohl erreichen, dass XING seinerseits Tichy kündigt. Letztlich wollen die Abstrafer also gar nicht XING kündigen. Vielmehr hoffen sie, durch ihre Kündigung XING dazu zu veranlassen, Tichy zu kündigen.

Da es, wie oben festgestellt wurde, bislang keinen Artikel auf XING News und unter der Verantwortung von Roland Tichy gegeben hat, der als Anlass für eine aufgeregte und empörte Kündigung der XING Mitgliedschaft hätte dienen können, muss man schließen, dass der Beitrag von Jürgen Fritz auf Tichys Einblick als willkommener Vorwand benutzt wird, um die eigene Abneigung gegen Roland Tichy als Herausgeber von XING News publikumswirksam zu inszenieren. Trifft dies zu, dann haben wir es mit gefühlsgeleiteten, nicht rationalen (was schon durch den Fehlschluss eigentlich belegt ist) Akteuren zu tun, was wiederum die Argumentation von Jürgen Fritz bestätigen würde.

Die Argumentation von Jürgen Fritz: Man muss sie nicht teilen. Man muss sie nicht gut finden. Man muss sie nicht einmal lesen. Aber man sollte doch den Anstand aufbringen, (1) den eigenen Ärger darüber, dass etwas veröffentlicht wurde, was einem ideologisch nicht passt, nicht an unschuldigen Dritten auszuleben, (2) den eigenen Ärger, der sich am Begriff „grün–linke psychopathologisch gestörte Gutmenschen“ entzündet, zu begründen und (3) sich nicht als beleidigte Leberwurst im Kinderzimmer einzuschließen, sondern sich wie ein vernünftiger Mensch zu verhalten, wenn man nicht den Schluss nahelegen will, man sei psychologisch gestört.

Und aus diesen drei Gründen ist es schade, dass der Beitrag von Jürgen Fritz von Tichy gelöscht wurde und nur noch im Webcache (und in unserer Sicherung) zu finden ist.

Wir können uns noch an unsere Schulzeit erinnern, in der das Bonmot der „Streitkultur“, der „deutschen Streitkultur“ verbreitet war. Deutschland, so die Behauptung, sei eine Demokratie, in der man sich über alles, was begründet wurde, auseinandersetzen und streiten könne. Deutschland habe eine öffentliche Streitkultur.

Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, als die Idee, in Deutschland gäbe es eine irgendwie geartete Streitkultur.

Es gibt in Deutschland bestenfalls eine „Beleidigte-Leberwurst-Kultur“. Wir können Sie derzeit auf Twitter im vollen Schwung sehen und XING sieht an der Zahl der Kündigungen von Mitgliedschaften, welche Ausmaße die Beleidigte-Leberwurst-Kultur hat.

Wenn alle, die in öffentlich-rechtlichen Medien als Wutbürger beschimpft wurden, als Problembürger abgestempelt wurden, die von Politikern als Pack bezeichnet oder als rechter Bodensatz abgekanzelt wurden, sich derart zieren wollten, wie es derzeit diejenigen tun, die auf Grundlage von Fehlschlüssen und motiviert über psychologische Befindlichkeiten, ihre XING Mitgliedschaft kündigen, was wohl in Deutschland los wäre. Derartige psychologische Befindlichkeiten, meint Fritz wohl, wenn er schreibt: „Grün-linke Gutmenschen meinen, wenn sie die Vorstellung unterschiedlicher Bewertungen, damit auch der Wertigkeit, mithin das Negieren von etwas zulassen, dass dann das Negative in sie hineinkäme und dies ihr Harmoniebedürfnis und ihr Bedürfnis mit allem verbunden, mit allem eins zu sein … und das eigene ich aufzulösen, konterkariert…“.

Wir stimmen mit dieser Argumentation insofern nicht überein als wir das Bedürfnis, die Umwelt so zu kontrollieren, dass Kritik und Argumente, die das ideologische Gefühlchen des Möchtegern-Kontrolleurs stören, beseitigt oder (auch beliebt) geblockt werden, nicht oder nicht nur das Ergebnis einer Psychopathologie darstellt. Es beschreibt zudem das, was Wilhelm Heitmeyer eine mangelnde Ambiguitätstoleranz genannt hat. Derartige Menschen sind nicht in der Lage, andere Meinungen und Ansichten, andere Deutungen und Theorien über die Welt zuzulassen, die die eigene gefährden. Sie sind deshalb nicht dazu in der Lage, weil sie kognitiv nicht in der Lage sind, ein Argument für die Richtigkeit der eigenen Weltsicht, die eigene Ideologie zu machen. Deshalb lehnen sie alles ab, was ihrer Weltsicht widerspricht, unabhängig davon, ob es argumentiert und begründet ist oder nicht.

Jürgen Fritz hat sich bemüht zu argumentieren. Er behauptet nicht einfach „grün-linke Gutmenschen“ wie er schreibt, seien psychopathologisch, er begründet dies. Damit geht er weit über das hinaus, was diejenigen dargeboten haben, die Menschen pauschal als Wutbürger bezeichnet haben oder bezeichnen. Bis heute gibt es keinerlei Versuch, die Behauptung X seien Wutbürger auch nur ansatzweise zu begründen. Fritz versucht dagegen, seine Ansicht zu begründen.

 

Wenn man also, wie viele derjenigen, die nun ihre XING Mitgliedschaft kündigen, tatsächlich einen Grund zur Kündigung hat, ob der begründeten Bewertung grün-linker Gutmenschen als psychopathologisch gestört, der jenseits des Beleidigten-Leberwurst-Syndroms liegt, der jenseits des Opportunismus liegt, der die Gelegenheit nutzt, um Tichy bei XING News auszuboten bzw. Druck auf XING auszuüben, um einen, den man ideologisch nicht mag, auszuboten, dann läge nichts näher, als sich argumentativ mit dem auseinanderzusetzen, was Jürgen Fritz schreibt, seine Prämissen zu hinterfragen, seine Schlüsse zu prüfen, die Schwächen an seinem Beitrag offenzulegen, die es in einiger Menge gibt (z.B. weil nicht klar ist, gegen wen sich Fritz genau wendet und was einen grün-linken Gutmenschen nach seiner Ansicht auszeichnet – außer der Beschreibung, die Fritz vornimmt), dann läge nichts näher als den Text von Fritz zu kritisieren, den Beitrag öffentlich zu widerlegen, die Aussagen über die Realität, die Fritz aus seinen Hypothesen über grün-linke Gutmenschen ableitet, zu falsifizieren, den logischen Zusammenhang seiner Argumentation zu hinterfragen…

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Wer sich um die öffentliche Kultur in Deutschland verdient machen will, dazu beitragen will, dass die vielbeschworene Streitkultur der 1980er Jahre zumindest in Ansätzen Wirklichkeit wird, der kann sich jederzeit mit dem Beitrag von Fritz auseinandersetzen und zeigen, dass alles, was Fritz schreibt, falsch ist. Wer den Beitrag nur dazu nutzt, seine Empörung zu veröffentlichen und sich zum XING-Selbstmörder zu machen, der sein Konto kündigt, um seine reine Gesinnung zur Schau zu tragen, der ist offensichtlich nicht daran interessiert, in Deutschland einen Dialog zu etablieren, eine Streitkultur, in der man auch über pointierte Texte diskutieren kann, die Begründungen und eine Argumentation enthalten. Er ist vielmehr daran interessiert diesen Dialog gerade zu unterbinden und sich in seine Schmollecke zurückzuziehen, in der Hoffnung, dass das große XING nun den bösen Roland in die Wüste schickt, so dass man mit zufrieden-verschlagener Miene wieder aus der Schmollecke in die ideologisch gesäuberte XING-Welt zurückkehren kann.

Willkommen im offenen ideologischen Vollzug Deutschlands, an dem sich leider auch Tichy durch die Löschung von Beiträgen und halbwarme Begründungen für die Löschung beteiligt.

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