Inszenierte Kinderarmut: Zuwanderung in die Statistik überfordert redaktionelle Gehirne

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, nicht mehr über Kinderarmut zu schreiben. Die Hysterie, die dieses Luxusproblem in einem Land umgibt, in dem selbst Hartz-IV-Empfänger meilenweit davon entfernt sind, in Armut zu leben, wie man leicht erfahren kann, wenn man beim nächsten Club Med Urlaub die Schutzzone verlässt und einmal eine Wohngegend der einheimischen Bevölkerung in Tunesien, Algerien oder Marokko oder in Ägypten besucht, widert uns an. Wer sich tatsächlich an das Thema „Armut“ herantraut, der möge sich in den Slums von Rio, von Brazzaville, Libreville oder Kinshasa umsehen. Das hilft weiter.

Obwohl es in Deutschland faktisch keine Kinderarmut gibt, ist das Thema ein Dauerbrenner. Kinder, die in Hartz-IV leben, denen im Rahmen von Hartz IV monatlich 240 Euro (0 bis 5 Jahre), 296 Euro (6 bis 13 Jahre) bzw. 316 Euro (14-18 Jahre) zugestanden werden, sollen in Deutschland in Armut leben, weil sie, wie wir vor einiger Zeit berichtet haben, nicht wöchentlich ins Restaurant gehen oder ein Kino besuchen können. Der Irrsinn, der sich mit der angeblichen Kinderarmut in Deutschland verbindet, bricht sich heute in einem Beitrag der Tagesschau Bahn, der mit „Zahlen zu Kinderarmut“ und „Immer mehr Kinder leben von Hartz-IV“ überschrieben ist.

Tatsächliche Armut

Kinder, deren Eltern Hartz-IV beziehen und für die zusätzlich Hartz-IV bezahlt wird, leben nicht in Armut. Wer es nicht glaubt, die Slums der Erde stehen demjenigen, der sich für soziale Probleme wirklich interessiert und nicht einfach soziale Probleme zur eigenen Bereicherung inszenieren will, offen.

Hartz-IV-Bezug ist auch kein Schicksal, wie bei der Tagesschau zu lesen, sondern ein Zustand, den man aus eigener Kraft verändern kann. Kinder sind deshalb nicht „jung, aber schon arm“, wie es weiter heißt, sondern sie werden oft genug als Kinder von Hartz-IV-Beziehern geboren, um die Hartz-IV-Bezüge der eigenen „Bedarfsgemeinschaft“ zu erhöhen. Gut 40% der Hartz-IV-Bezieher beziehen seit mehr als vier Jahren Hartz-IV. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Hartz-IV hat sich von 555 Tagen (2011) kontinuierlich auf 629 Tage (2016) erhöht. Gut 40% der Kinder von Hartz-IV-Beziehern sind im Alter zwischen 0 und 5 Jahren und haben eine gute Chance in eine bestehende Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft hinein geboren worden zu sein. Wenn man dieses Thema unter „Kinderarmut“ diskutieren will, dann muss man nach der Verantwortung von Eltern fragen, die obwohl sie Hartz-IV-Bezieher sind, ihrer Fertilität freien Lauf lassen, oder man muss die Möglichkeit zulassen, dass Kinder in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften geboren werden, um deren Einkommen zu erhöhen, dass sie ein Wirtschaftsfaktor in diesen Gemeinschaften sind, der Einkommen generiert und einen zusätzlich Bedarf schafft.

Der Gipfel des Irrsinns ist jedoch erreicht, wenn man eine statistische Kategorie schafft „Hartz-IV-Bezieher“, die den empirischen Tatbestand beschreibt, dass der Erfasste aufgrund von Arbeitslosigkeit Grundsicherung bezieht bzw. in einer Bedarfsgemeinschaft lebt und dort einen Regelbedarf an Grundsicherung anmelden kann (wie dies für Kinder der Fall ist), dann eine große Zahl von Menschen importiert, die, weil sie keiner Arbeit nachgehen bzw. keine Ausbildung mitgebracht haben, die ihnen die Aufnahme einer Arbeit ermöglicht, diese Menschen zu Berechtigten von Grundsicherung macht, sie entsprechend statistisch erfasst und dann ein Lamento darüber anstimmt, dass die Kinderarmut so sehr gestiegen sei.

Tatsächlich ist eine Zuwanderung von Kindern und Erwachsenen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern in die Grundsicherung von Hartz-IV und die damit verbundene statistische Erfassung erfolgt. Davon, dass damit keine Armut verbunden ist, kann sich jeder überzeugen, der die Wohnmöglichkeiten, die für Zuwanderer geschaffen wurden, in Augenschein nimmt.

Warum angebliche Journalisten wie die der Tagesschau in Beiträgen behaupten, sie würden „die jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit“ verarbeiten, wenn sie Daten bis Juni 2017 berücksichtigen, die jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aber bis zum Dezember 2017 reichen, ist eine Frage, die man nur mit einer der Optionen Unkenntnis oder Dilettantismus beantworten kann.

Wir haben ein paar der neuesten Daten der Bundesagentur für Arbeit zusammengestellt, aus denen deutlich hervorgeht, dass die Anzahl der deutschen Bezieher von Hartz-IV seit Mitte 2010 kontinuierlich zurückgeht, während die Anzahl der ausländischen Bezieher von Hartz-IV seit Mitte 2014 und ab 2015 deutlich ansteigt. Das spiegelt die Zuwanderung von Hartz-IV-Beziehern aus Krisenregionen der Erde wider.

Die nächste Abbildung zeigt die Verteilung der Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Hier finden sich Anstiege seit Mitte 2014, die bei Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren und von 0 bis 3 Jahren am deutlichsten ausfallen. Die jeweilige Steigerung kann man einmal mit einer erhöhten Fertilität unter Hartz-IV-Beziehern erklären und einmal mit einer Zuwanderung von Kindern in Hartz-IV, die die Zuwanderung von Erwachsenen, die wir schon gezeigt haben, begleitet.

Es gibt also keine Zunahme von Kinderarmut in Deutschland, zum einen, weil es eine Armut von Kindern, die diesen Namen verdient, in Deutschland nicht gibt. Smartphonebesitzer, die regelmäßige Mahlzeiten erhalten könnten, wenn ihre oft alleinerziehenden Hartz-IV-Mütter kochen würden, sind nicht arm. Es gibt eine Zuwanderung in die Hartz-IV-Statistik, von Flüchtlingen, die man ebenfalls nur dann als arm bezeichnen kann, wenn man den Begriff der Armut so entleert, dass er auch diejenigen umfasst, die sich keinerlei Sorgen um ihr Dasein (mehr) machen müssen.


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Berliner Schleim – Richtige Sykophanten und falsche Straßennamen

Lüderitz als Straße in Berlin ist „rassistische Kackscheiße“. Aktivisten, so die Berliner Zeitung, würden mit „rassistischer Kackscheiße“ deutlich machen, was sie von der Ehrung „Lüderitz‘ mit einem Straßennamen“ halten. Wir sind eher der Ansicht, dass sie damit ihre eigene geistige Beschränkung und ihren dazu passenden kleinen Wortschatz zum Ausdruck bringen.

Lüderitz als Stadt liegt im Süden Namibias an der dortigen Küste und ist, wie das National Tourism Bureau von Nambia schreibt, „a small town with a lot to see“, vor allem, weil es viel „quaint old German-style architecture“ zu bestaunen gibt. Während in Deutschland der Name von Adolf Lüderitz für „rassistische Kackscheiße“ steht, ist man in Namibia der Ansicht, am Namen sei nichts auszusetzen, er eigne sich vielmehr hervorragend für touristische Zwecke.

Dinge sind eben relativ und Intelligenz ist normalverteilt, wobei die Korrelation zwischen Intelligenz und der Verwendung “rassistischer Kackscheisse” sicher negativ ist.

Die Lüderitz-Speed-Challenge ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, deren Ziel darin besteht, den Weltrekord im Speed-Windsurfen zu brechen. Abermals ist der Name Lüderitz kein Problem. Vielmehr ist er ein in der Szene eingeführter Name.

Ein Problem ist der Name Lüderitz nur in Deutschland, besonders in Berlin Wedding. Die dortige Lüderitzstraße „rassistische Kackscheiße“, wie man in den entsprechenden Debilitätskreisen bellt, sie soll umbenannt werden.

Adolf Lüderitz, der schon 132 Jahre tot ist, ist dennoch lebendig genug, um denen, die immer in der ersten Reihe stehen und die Finger ganz hoch strecken, wenn es darum geht, sich als guter Mensch zu inszenieren, als Folie für das zu dienen, was sie „rassistische Kackscheisse“ bezeichnen. Man muss nicht Hellseher sein, um zu wissen, dass keiner derjenigen, die heute „rassistische Kackscheiße“ schreien, etwas über Adolf Lüderitz den erfolglosen Bremer Händler, der durch den Meilenschwindel bekannt wurde und auf der Suche nach einem Einkommen aus seinen Landerwerbungen in Südwestafrika verschwunden ist, irgendetwas von Adolf Lüderitz weiß. Aber darum geht es auch nicht.

Es geht darum, einen politisch-korrekten Zirkus aufzuziehen, um sich selbst einmal mehr als guter Mensch ausgeben zu können. Ausgeben ist ein Verb, das auf Lokalpolitiker attraktiv wirkt. Sie geben sich gerne als kompetent aus, und vor allem geben sie gerne Geld aus, das Geld der Steuerzahler.

Namen von Straßen, die angeblich „rassistische Kackscheiße“ darstellen, sind perfekt dazu geeignet, dass Lokalpolitiker sich als kompetent und notwendig ausgeben können und heutzutage sind sie auch geeignet, um Geld der Steuerzahler, das eigentlich dazu genutzt werden sollte, um u.a. die Infrastruktur aufrecht zu erhalten (oder Instand zu setzen) auszugeben.

Und so haben die Fraktionen von LINKE, Grünen, SPD, FDP und Piraten nicht gezögert, Steuergeld aus dem Fenster zu werfen und vermeintlich wissenschaftliche Gutachten in Auftrag zu geben, um politisch-korrekte Namen, die keine „rassistische Kackscheisse“ darstellen, zu finden.

Das muss man sich einmal vorstellen, nicht einmal Straßennamen können Lokalpolitiker selbständig finden. Dazu benötigen sie die Unterstützung institutionalisierter Wissenschaftler und vermutlich auch deren Legitimation, denn lokale Parlamente und deren politisch-korrekte Mitglieder haben einen erstaunlichen Mangel an Rückgrat nebst zugehörigem Verantwortungsbewusstsein, wie sich schon am freigiebigen Umgang mit Steuergeldern zeigt.

Aber man kommt gar nicht aus dem Staunen heraus.
Die Berliner Zeitung berichtet über den Vorgang, als wäre es das Normalste der Welt, Steuergelder aus dem Fenster zu werfen, um vermeintliche Wissenschaftler damit zu beauftragen, einen Namen für eine Straße zu finden.
Und es haben sich tatsächlich Willige unter den institutionalisierten Wissenschaftlern gefunden, also unter jenen, die eine Position in der Wissenschaft besetzen, was nicht notwendig bedeutet, dass sie auch Wissenschaftler sind, die bereit sind, sich für Steuergelder anzudienen.

Ein Afrika-Historiker der Humboldt-Universität, die Prorektorin der Universität von Namibia, ein deutscher Soziologe, eine Ethnologin der Humboldt-Universität zu Berlin, sie alle sind sich nicht zu schade, sich für diesen Namensfindungsunsinn zu verdingen. Wie tief kann die institutionalisierte Wissenschaft eigentlich noch fallen? Was kommt nach der Legitimation von (Lokal-)Politiken und dem Andienen an (Lokal-)Politiker?

Die Vorschläge reichen von Rudolf Manga-Bell, dem Enkel von King Bell, der den Schutzvertrag mit Deutschland über das Gebiet des heutigen Kamerun unterzeichnet hat, über Mama Afrika (Miriam Makeba) bis zu Jakob Morenga und Simon Kooper, den beiden Anführern der Nama, die den deutschen in Südwestafrika, also in Namibia, jahrelang mit ihrem Guerillakrieg zugesetzt haben. Erst als man Kooper eine Rente von zunächst 100 Pfund jährlich geboten hat, war er bereit, das Kriegsbeil zu begraben und fortan vom Geld der Schutzmacht zu leben.

Überhaupt ist Simon Kooper eine gute Wahl für einen Straßennamen in Deutschland. Es werden sich ungefähr so viele Deutsche darüber bewusst sein, wie bekannt Kooper während des Krieges gegen die Herero und die Nama aber vor allem wie bekannt er in der Weimarer Republik in Deutschland war, wie wissen, dass die Lüderitz-Straße auf Adolf Lüderitz zurückgeht. Kein anderer als Hans Grimm hat in seinem Klassiker, der vor allem von den Nazis aufgenommen wurde, „Volk ohne Raum“, Kooper ein Denkmal gesetzt und nicht wenig Bewunderung für die Krieger der Nama durchblicken lassen, jene afrikanischen Naturburschen, die hart wie Baobab und flink wie Krik’s Dig Dig sind und sich an die harten Bedingungen der Kalahari so hervorragend angepasst haben.

Oder macht die Verbindung von Kooper über Grimm zu den Nazis, den Anführer der Nama auch zur „rassistischen Kackscheisse“.

Wir sind gespannt auf die Antwort.

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Rent Seeking – Die von Anderen leben

„Rent Seeking“ beschreibt im Wesentlichen die Kunst, von der Arbeit anderer zu leben. Gordon Tullock hat den Begriff geprägt und definiert Rent Seeking als: jedes aus Steuergeldern geförderte Projekt, das einen sozialen Schaden zur Folge hat (2005: 9). An anderer Stelle (2005: 30) wird Tullock konkreter und definiert Rent seeking als ein Verhalten, das auf die Manipulation von Regierungen ausgerichtet ist, mit dem Ziel finanzielle Privilegien für sich selbst zu ergattern, wobei Rent Seekinig da einsetzt, wo der Schaden der Allgemeinheit, der durch die Gewährung der (finanziellen) Privilegien entsteht, größer ist als der Nutzen, den der oder diejenigen gewinnen, denen die Privilegien zugewiesen werden.

Das klingt komplizierter als es ist.
Eigentlich ist es alles ganz einfach.

Man erfindet z.B. eine soziale Wichtigkeit, einen sozialen Brennpunkt, ein soziales Problem, etwas, das unbedingt der staatlichen Aufmerksamkeit, also der Förderung oder Besserstellung bedarf, Transsexualität zum Beispiel.

Wer soziale Probleme erfinden will, tut gut daran, sie für weitgehend irrelevante, weil zahlenmäßig nicht einmal den Promillebereich erreichende Gruppen zu erfinden. Das macht den Mitleidfaktor größer, weil diejenigen, die Mitleid mit denen haben, für die gerade ein soziales Problem erfunden wurde, rund 99% der Bevölkerung ausmachen, und es reduziert die Gefahr, dass das gerade erfundene soziale Problem als Fake ausgewiesen wird, da seltene Populationen einer wissenschaftlichen Untersuchung nur mit viel Aufwand und Geduld zugänglich sind.

Wurden soziale Probleme erst einmal erfunden und hat man Politiker, die immer auf der Suche nach Ausgaben sind, mit denen sie ihre moralische Tugend belegen können, ihre Tugend signalisieren können (virtue signalling) dafür begeistert, ihre Tugendhaftigkeit mit vielen Steuereuros unter Beweis zu stellen, dann ist die erste Stufe auf dem Weg zum Rent Seeking genommen.

Die nächste Stufe besteht nun darin, sich selbst ein Auskommen zu verschaffen, z.B. in dem man das nicht vorhandene Problem hochredet und in seiner Bedeutung maßlos übertreibt, wie dies derzeit all diejenigen tun, die mit dem Kampf gegen den Rechtsextremismus ihr Geld verdienen, der schon aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Kämpfer für das Gute, längst mit der Ausmerzung des Rechtsextremismus hätte enden müssen, wenn es ihn denn in nennenswertem Ausmaß gäbe und dessen Bekämpfung tatsächlich das Ziel wäre (aber wer gräbt sich schon die Quelle ab, aus der sein finanzielles Überleben sprudelt?).

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die marginale Gruppe, für die man zu kämpfen beschlossen hat, als Gruppe zu beschreiben, die aus lebensunfähigen, dummen, ignoranten, ständig verfolgten, geborenen Opfern besteht, die man vor der unwirtlichen Welt der normalen Anderen retten und beschützen und behüten muss, auf die die normalen Anderen Rücksicht nehmen müssen und für die sie kleine Biotope schaffen müssen, damit diese geborenen Opfer, die a-normalen Anderen dort gedeihen können. Wie man diese Biotope schafft, wie man auf die a-normalen Anderen Rücksicht nehmen, sie hätscheln kann, wie man ihrer  konstruierten Lebensunfähigkeit gerecht werden kann, das wiederum wird in Seminaren, Vorträgen oder Workshops vermittelt, die natürlich nicht umsonst sind, sondern einen kleinen Obolus erfordern, schon damit sich das Rent Seeking auch lohnt.

Ein Beispiel für die zuletzt genannte Art und Weise, ein soziales Problem für eine gesellschaftliche Gruppe zu erfinden, die so klein ist, dass sie weder ins Gewicht fällt noch die Gefahr besteht, dass sie tatsächlich von einer relevanten Anzahl der normalen Bevölkerung wahrgenommen wird, und dieses erfundenen Problem dann zu nutzen, um Hilfestellung für den Umgang mit den lebensuntüchtigen a-Normalen zu geben, haben wir heute bei der Humboldt-Universität in Berlin gefunden.

Es ist nicht nur ein Beispiel für Rent Seeking, es ist auch ein Beispiel dafür, wie man dann, wenn man zu sehr unter der eigenen Käseglocke begraben wird, die Tuchfühlung zur Wirklichkeit, zur Welt derer verliert, die sich den eigenen Verstand nicht mit *_ und sonstiger Symbolik des Wahnsinns beseitigt haben.

Der getrans*te Elfenbeinturm. Was kennzeichnet eine trans*gerechte Hochschule und Lehre?

07. Februar, 16:00 Uhr, H3004, TU Berlin Publiziert am 2. Februar 2018 von nara
Titel: Der getrans*te Elfenbeinturm. Was kennzeichnet eine trans*gerechte Hochschule und Lehre?
Referent*in: Dipl.-Psych. René_ Hornstein

Ankündigungstext:
Wie erleben Trans*menschen ihre Zeit an der Hochschule? Wo finden Diskriminierungen statt und wie kann diesen vorgebeugt werden? Wie können Studierende sich für die Rechte von Trans*menschen an Hochschulen einsetzen? Was können Lehrende tun, um Trans*studierende beim Gelingen ihres Studiums zu unterstützen?
Im Vortrag zur trans*gerechten Hochschule von René_ Hornstein werden Grundlagen zum Verständnis von Lebensrealitäten von Trans*personen gelegt und Diskriminierungsrisiken im Hochschulbetrieb beschrieben. Möglichkeiten zur Unterstützung durch Hochschullehrende und Mitarbeitende in der Hochschulverwaltung werden aufgezeigt und Anregungen für einen trans*freundlichen Lehrbetrieb gegeben. Dabei wird auf die aktuelle rechtliche Situation eingegangen und es werden Vorschläge gemacht, wie die Hochschulen ihre Handlungsspielräume zur Verringerung von Trans*diskriminierung einsetzen können.

Termin und Ort:
Am 07. Februar, 16 Uhr in Raum H3004, Hauptgebäude TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Zur Person:
Dipl.-Psych. René_ Hornstein setzt sich für Trans*menschen aller Statusgruppen an Hochschulen ein und beschäftigt sich mit der Frage, wie und auf welchen Ebenen Trans*diskriminierung an den Hochschulen abgebaut werden kann. René_ Hornstein ist Gründungsmitglied der AG trans*emanzipatorische Hochschulpolitik (www.ag-trans-hopo.org) und Gründungs- und ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Trans* (BVT*). René_ Hornstein hat zu Themen wie „Widerstand gegen die Thematisierung von Diskriminierung in der Lehre“ und „Trans*verbündetenschaft“ publiziert und forscht zu internalisierter Trans*feindlichkeit. Mehr Informationen finden sich unter www.rhornstein.de

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Alternative Sprache: Lieferservice für politisch-korrekten Sprachwahn

Alle Jahre wieder … haben wir denselben Unmut, einfach keine Lust, einen richtigen Widerwillen… Aber es hilft nichts. Auch dieses Jahr wird das, was sechs – soll oder muss man sagen: Linksextreme, in jedem Fall aber linkspopulistische Mitglieder einer Unwort-Jury, die sich zum Teil sogar für Sprachwissenschaftler halten, aus ihrer ideologischen Sicht auf die Welt für sprachlich nicht angemessen halten, durch die Mainstream-Medien geprügelt. Es ist, wie jedes Jahr, ein kurzer Aufschrei, gefolgt von einer langen Phase der Leere, die letztlich ins Vergessen mündet. Wer denkt am 18. Januar noch an das Unwort des Jahres? Wer kann am 2. Februar noch das Unwort des Jahres benennen? Wen interessiert am 3. März, dass es sechs Gestalten gibt, die sich jedes Jahr aufschwingen, die Wortbenutzung anderer, die ihnen ideologisch nicht in den Kram passt, zu tadeln?

Vermutlich ist es der letzte Punkt, der uns regelmäßig dazu veranlasst, wieder über diesen Langweiler des Jahres zu schreiben: Es bringt uns immer auf die Palme, wenn paternalistisch veranlagte Intellektuelle per Einbildung sich anmaßen, die Handlungen anderer zu bewerten und was uns bis zur Spitze der Palme bringt, ist die Tatsache, dass die alternativen Sprecher, von diesem Lieferservice für politisch-korrekten Sprachwahn, den niemand in Auftrag gegeben hat und außer den Mainstream-Schreiern niemand nachfragt, behaupten, sie hätten ein wissenschaftliches Gewand um ihre Schultern, obwohl sie, im wissenschaftlichen Sinne als Metapher und nicht als alternativer Fakt gemeint, nackt dastehen.

Um die Wissenschaftslosigkeit der Unwortverkünder zu belegen, reicht es, deren angebliche Begründungen für die übrigens drei Unwörter des Jahres zu betrachten. Die diesjährigen Unwörter lauten: „alternative Fakten“, „Shuttle-Service“ und „Genderwahn“. Die Jury besteht aus vier Gestalten, die sich auf Professuren unterschiedlicher Universitäten herumdrücken, die etwas mit Sprachwissenschaft zu tun haben sollen, einem Autoren und freien Journalisten und einer Street-Art-Künstlerin, die anonym bleiben will.

Keinem kommt der Gedanke, dass man vielleicht wissenschaftliche Kriterien heranziehen sollte, wenn man sich schon zum einen anmaßt, Wissenschaftler zu sein, und zum anderen, den Sprachgebrauch von anderen zu tadeln. Doch sucht man die wissenschaftlichen Kriterien, die schon bei dem sprachlichen Unsinn „alternative Fakten“ nahegelegen hätten, umsonst. An ihre Stelle treten ideologische Zeitgeistüberlegungen von Links, die das ganze so ermüdend machen.

Frage: Was hat Linke 2017 besonders aufgeregt.
Donald Trump – richtig.
Die Flüchtlinge im Mittelmeer bzw. die Diskussion darüber – richtig.
Das, was Linke immer aufregt, Gender und die Kritik daran.

Die schwere Langeweile, die uns erfasst, wenn wir vom Unwort des Jahres hören, sie geht u.a. darauf zurück, dass die angebliche Wahl so vorhersagbar ist. Aus Gründen des Virtue Signalling – seht her, wir sind besonders gute Menschen, – aus Gründen der politischen Anbiederung – sehr her, wenn ihr uns fördert, dann bekommt ihr politisch korrekten Brei … Es ist einfach nur erschütternd.

Und um es zu wiederholen: Es gibt das alles ohne den Hauch einer wissenschaftlichen Begründung.

Alternative Fakten, so schreibt die Jury, sei zwar ein Begriff, für den es nur eine einzige belegte Verwendung durch eine „Trump-Beraterin“ gebe, aber das reicht, um den Floh zu einem Dinosaurier aufzupumpen. Es muss für Linke lebenswichtig sein, sich aufzuregen, excitaro ergo sum. Nur so kann man die Verzweiflung erklären, mit der sie aus Flöhen Saurier herbeikonstruieren und aus einem Begriff, der genau einmal genannt wurde, ein Ungeheuer zimmern, an dem sie sich emotional abarbeiten können, bis sie im Aufschrei enden.

Alternative Fakten sei ein Begriff, der in Deutschland „Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch [Sprachwissenschaftler wollen das sein: vor allem auch !] in den sozialen Medien, geworden: ‚Alternative Fakten‘ steht für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten durch Behauptungen zu ersetzen“.

[20 Minuten später]

Okay, wir haben uns mittlerweile wieder beruhigt und können, zwar mit Gesichtskrampf vom Lachen aber doch einigermaßen ernsthaft, den Post fortsetzen. Aber der Witz war gut. Die lange Begründung der Jury des Unwortes des Jahres enthält kein einziges Argument, sondern ausschließlich Behauptungen und muss somit als „alternatives Faktum“ nach der Art der Benutzung dieses „Unwortes“ angesehen werden. It comes to bite you in the arse – Wenn man andere belehren will, dass sie Begriffe benutzen, um Behauptungen an die Stelle von Argumenten zu setzen und diese Belehrung auf Behauptungen baut, die man an die Stelle von Argumenten setzt, dann muss man sich nicht wundern, wenn man zum Gespött derer wird, die noch normal denken können.

Und wo wir so über die Unwort-Jury, den jährlichen Lieferservice für politisch-korrekten Sprachwahn schreiben, müssen wir zugeben, es hat einen gewissen Unterhaltungswert.

Aber jetzt wieder ernsthaft.

Werden wir dem ernsthaften Anliegen, das die ernsthaften Menschen, die sich in Darmstadt die Räumlichkeiten der TU ausleihen, um dort ihr wichtiges sprachreinigendes Werk zu vollbringen, gerecht und besprechen Unwort II „Shuttle-Service“, jenen Begriff, mit dem „Menschen, die in Schlauchboten flüchten“ und die, „die ihnen humanitäre Hilfe leisten“ diffamiert werden und mit dem behauptet werde, dass die guten Rettungsmenschen im Mittelmeer „die Flüchtlinge erst zur lebensgefährlichen Flucht über das Mittelmeer“ ermuntern würden. Das, so ereifern sich die Sprachwahn-Dienstleister ganz ernsthaft und um das Wohl der deutschen Sprache besorgt, sei menschenverachtend, polemisch und zynisch.

Man merkt eben in jeder Zeile der Begründung dieser „Jury“, wes‘ Geistes Kind sie sind. Jetzt haben die fünf bekannten und das anonyme Jurymitglied gerade alternative Fakten gebrandmarkt, da liefern sie selbst welche. Natürlich ist es so, dass die Aussicht, kurz hinter der Grenze lybischer Hoheitsgewässer von wohlmeinenden Menschen auf ein großes Schiff gerettet und nach Italien geshuttled zu werden, die Entscheidung von Flüchtlingen, sich in ein seeuntaugliches Schlauchboot zu begeben, das zudem mit zu vielen Flüchtlingen beladen ist, beeinflusst. Die Juryisten glauben doch nicht im Ernst, dass ein Mensch, der noch bei normalen Verstand ist, sich auf eine Seereise von mehreren hundert Seemeilen in einem Schlauchboot begibt. Eine derartige Ansicht kann man nur vertreten, wenn man Flüchtlinge für debile, irrationale und vollkommen uninformierte, um nicht zu sagen, dumme Menschen hält. Das wäre jedoch eine sehr menschenverachtende und zynische Sichtweise, die Flüchtlinge zu dummen Menschen stilisiert, um sie für die eigene moralische Erhöhung und ideologische Purifikation missbrauchen zu können.

Glauben Sie, dass die Jurymitglieder, die vermeintlichen Sprachwissenschaftler, die anonyme Künstlerin, die vermutlich ihre angeblichen Kunstwerke mit einem X signiert und der freie Journalist zynisch und menschenverachtend sind? Wenn nicht, dann bleibt nur noch dumm oder, wem das besser gefällt: ideologisch verblendet – oder?

Uns bleibt nur noch der Genderwahn als Begriff, den die sechs dem Sprachwahn frönenden deshalb beanstandenswert finden, weil er in „undifferenzieter Weise“ die Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit diffamiere, etwa so, wie die Sprachwahn-Jury diejenigen, den Begriff Genderwahn benutzen, in vollkommen undifferenzierter Weise als „rechtspopulistisch“ diffamiert und jede Kritik an dem, was die Jury für Geschlechtergerechtigkeit hält, gleichermaßen undifferenziert, abbügelt.

Auch hier verbreitet die Jury „alternative Fakten“, um in der Sprache zu bleiben, die die sechs Sprachwahn-Vertreter vielleicht verstehen. Das Ziel von Genderisten ist nicht Geschlechtergerechtigkeit. Gerechtigkeit liegt dann vor, wenn eine Person für eine Leistung, die im Vergleich zu einer anderen Person besser war, auch mehr Auszahlung, z.B. in Form von Entgelt erhält. Was Genderisten aber wollen, ist nicht eine der Leistung entsprechende Behandlung, sie wollen eine gerade von der Leistung unabhängige Behandlung, eine bestimmte Quote in Vorständen, dieselben Rechte für homosexuelle Paare, die auch heterosexuelle Paare haben (bis hin zum Ehegattensplitting). Das hat mit Geschlechtergerechtigkeit nichts zu tun. Es handelt sich um die künstliche Herstellung von ErgebnisGLEICHHEIT. Ergebnisgleichheit ist das Gegenteil von Verteilungsgerechtigkeit. Eine gleiche Verteilung benutzt die Gießkanne und gießt über alle Pflanzen, ersäuft diejenigen, die nicht viel Wasser wollen, lässt diejenigen verkümmern, die mehr Wasser benötigen. Eine gerechte Verteilung, die keine Ergebnisgleichheit herstellen will, stellt die Bedürfnisse und Leistungen in Rechnung. Genderista wollen gerade keine Leistungen und auch keine Bedürfnisse und vor allem keine Unterschiede in Rechnung stellen. Deshalb sprechen manche von einem Genderwahn.

So, genug der Aufmerksamkeit für den Sprachwahn aus Darmstadt. 

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Friedensnobelpreis für Gefährder des Friedens?

Ein Stammleser hat uns geschrieben und von einem Fehler, den er am 10. Dezember begangen hat, berichtet. Er hat Nachrichten im Fernsehen angesehen. Bei RTL, bei der ARD. Breit hätten beide über die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo berichtet. Am Rande hätten beide Sender erwähnt, dass in Stockholm am selben Tag die Nobelpreise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Ökonomie verliehen wurden (der zuletzt genannte Preis geht nicht auf Alfred Nobel, sondern auf die Schwedische Reichsbank zurück, die ihn 1968 durch eine große Spende an den Fund, aus dem die Nobelpreise finanziert werden, ermöglich hat). Keiner der Preisträger sei namentlich erwähnt worden.

Eine klare Prioritätensetzung durch die Mainstream-Medien, die in eine Zeit passt, in der man mehr Eindruck durch Destruktion und Appell an Gefühle zu machen können glaubt, als durch Wissenschaft.

Alle wissenschaftlichen Preisträger, denen der Nobelpreis verliehen wurde, haben einen Beitrag zum Wissensgewinn geleistet und die Menschheit vorangebracht. Sie haben neue Methoden gefunden, Grundlagen geschaffen, Gravitationswellen (mit)entdeckt, ein cryo-Elektronen-Mikroskop entwickelt oder ein Protein isoliert, dass die innere Uhr in Zellen betreibt, die es Organismen ermöglicht, sich an die Drehung der Erde anzupassen. Sie alle haben etwas Produktives geleistet. Etwas, das der ARD und RTL keine namentliche Erwähnung wert ist.

Namentlich erwähnt und breitgetreten wird dagegen der Friedensnobelpreis, der an die in Australien gegründete Organisation ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) verliehen wird, mithin eine Organisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine Technologie zu beseitigen, die Destruktives will.

ICAN ist eine Meta-NGO, die Organisationen aus rund 100 Ländern bündelt, deren Ziel darin besteht, Atomwaffen abzuschaffen. Ein nobles Ziel. Ein Ziel, das wohl niemand in Frage stellen wird? Wer könnte die Existenz von Atomwaffen verteidigen wollen?

Wir.

Und zwar aus zwei Gründen.

1)
Dass nicht nur Europa seit 1945 eine lange Phase des Friedens und der Prosperität erleben konnte, hat nicht zuletzt seine Ursache in der Existenz von Atomwaffen. Die gegenseitige nukleare Drohung hat den Frieden in Europa gesichert. Davon zeugen die vielen Stellvertreterkriege, die in Ländern geführt wurden, die über keine nuklearen Waffen verfügen. Davon zeugen eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten, die u.a. auf der Spieltheorie und insbesondere dem Chicken-Game basieren. Dafür spricht auch der Ausgang der Kuba-Krise. Ohne nukleare Drohung wäre es sicher zu einer konventionellen Konfrontation zwischen den beiden damaligen Großmächten USA und Sowjetunion gekommen. Wer die Erde von Atomwaffen befreien will, macht sie entsprechend zu einem unsicheren Platz.

Dass dem so ist, ist leicht zu zeigen. Wer wäre nicht gerne Mäuschen, wenn die Herrschaften von ICAN versuchen, Kim jong-un dazu zu überreden, seine Atomwaffen zu verschrotten? Oder man stelle sich die Überzeugungsmission von ICAN vor, wie sie bei Benjamin Netanyahu vorstellig wird oder bei Donald Trump oder Xi Jinping. Der Friedensnobelpreis wurde somit an eine Organisation vergeben, die keinerlei Effekt auf den Gang der Dinge haben wird. Bezeichnend für eine Zeit, in der die Symbolik mehr wiegt als die Realität.

Hey, wir sind gut, naiv und gefährlich, denn hätte ICAN Erfolg, die Erde wäre ein unsicherer Platz, schon weil Menschen nicht gut sind bzw. das sind, was man bei ICAN für gut hält..

2)
Im Zusammenhang mit dem Umweltschutz wird ständig argumentiert, dass wir den Planeten den nachfolgenden Generationen in gutem Zustand übergeben müssten. Diese Form ethischer Argumente zu machen ist immer gefährlich, denn Ethik ist etwas, was nicht auf Inhalte beschränkt ist. So kann man im Hinblick auf die nachfolgende Generation argumentieren, dass jeder Mensch seinem Leben verpflichtet ist und nicht dem Leben anderer. Selbsterhalt war für alle Philosophen die erste Menschenpflicht und das erste Menschenrecht. Warum sollte man am Erhalt des Selbst Abstriche machen, um zukünftigen Generationen vielleicht, vielleicht auch nicht einen besseren Start in ihr Leben zu ermöglichen?

Weil Menschen sozial und nächstenlieb und sorgend sind, so lautet die Antwort.

Wenn Sie das aber sind und diese Argumentation zutrifft, dann haben Menschen, die heute leben keinerlei Recht, zukünftigen Generationen Technologien vorzuenthalten, von denen niemand weiß, ob sie nicht morgen von immenser Bedeutung sein werden. Menschen haben, obschon sie eine benachteiligte Spezies sind, wie jeder schnell merkt, der nur mit dem, was ihm die Natur an Waffen mitgegeben hat, gegen einen Grizzly kämpft, überlebt. Ein Grund dafür ist ihr Gehirn, ein anderer die Tatsache, dass sie es benutzen. Und so wie es für einen Atheisten rational ist, auf dem Sterbebett nach einem Priester zu rufen, für den Fall, dass er, der Atheist, sich geirrt hat, so ist es rational für Menschen, alle Technologien, die sie entwickelt haben, zu nutzen und in ihrer Anwendung zu perfektionieren. Wer weiß, welche Probleme zukünftige Generationen zu bewältigen haben, schon weil z.B. nicht jeder Asteroid knapp an der Erde vorbeifliegen wird, so wie dies 2017 VL2 am 9. November in einer Entfernung von ungemütlichen 75000 Meilen und vollkommen unbemerkt von der NASA und allen anderen Weltraumagenturen getan hat. Manche der Asteroiden, die sich in der 1862 Apollo Gruppe befinden, 8000 insgesamt, 1500 davon mit einer Flugbahn, die der Erde sehr nahe kommt, werden Letztere in den nächsten Jahrzehnten passieren oder auch nicht. Vielleicht sind nachfolgende Generationen noch froh, um die Atomwaffen, die sie von früheren Generationen geerbt haben.

Die 1862 Apollo Gruppe wurde übrigens von Karl Wilhelm Reinmuth entdeckt, einem Heidelberger Astronom, der von 1914 bis in die 1950er Jahre 395 sogenannte kleinere Planeten, die weder Planet noch Komet sind und sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befinden, entdeckt hat. Reinmuth hat keinen Nobelpreis für Physik erhalten. Er ist ohne Nobelpreis weitgehend dem Vergessen anheim gefallen. Kein Unterschied also, zu den Nobelpreisträgern, die der ARD oder RTL keine Namensnennung wert sind.

Holen wir das nach:

Nobelpreis für Physik
Rainer Weiss, geboren 1932 in Berlin, arbeitet am MIT;
Gary C. Barish, geboren 1936 in Omaha, arbeitet am CalTech
Kip S. Thorne, geboren 1940 in Logan, arbeitet am CalTech

Nobelpreis für Medizin
Jeffrey C. Hall, geboren 1945 in New York, University of Maine
Michael Rosbash, geboren 1944 in Kansas City, Brandeis University
Michael W. Young, geboren 1949 in Miami, Rockefeller University

Nobelpreis für Chemie
Jacques Dubochet, geboren 1942 in Aigle (CH), University of Lausanne
Joachim Frank, geboren 1940 in Siegen, Columbia University New York
Richard Henderson, 1945, Edinburgh, Laboratory of Molecular Biology, Cambridge

Sie alle haben die Menschheit vorangebracht. Bleibt zu hoffen, dass nicht zukünftige Generationen Gefallen daran finden werden, technologische Entwicklungen zu verteufeln und dem Irrglauben zu opfern, Menschen wären durchweg gut und sozial und würden keiner Fliege etwas zu leide tun und sich dann, wenn etwas verboten wäre, z.B. Atomwaffen, dieselben nicht verschaffen.

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