“Eine Frauenquote ist notwendig” – Warum?

Marcel Fratzscher ist der Präsident eines einst renommierten Instituts in Berlin, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Aus dem einst renommierten Institut ist unter seiner Verantwortung etwas geworden, das man am besten als eine Form politisch-korrekter Juke-Box bezeichnet. Je nachdem, was gerade anliegt, was von Politdarstellern gewünscht wird, wirft man einen falschen Fünziger in die Box, das Rädchen beginnt sich zu drehen, der Arm greift nach der richtigen Platte, legt sie auf und heraus kommt:

“Eine Frauenquote für Vorstände ist notwendig”

Das hat Marcel Fratzscher in der ZEIT verkündet.



“Der Anteil von Frauen in den Vorständen der großen Unternehmen steigt – aber zu langsam”, so seine Einschätzung, der direkt die Wertung folgt:

“Gut, dass die Familienministerin jetzt eine gesetzliche Quote vorschlägt.”

Sehen Sie die Schleimspur?
Sie ist so breit wie eine Autobahn aus dem Dritten Reich.

“Immer rund um den Weltfrauentag am 8. März überschlagen sich Medien, Politik und Wirtschaft mit Betrachtungen über die Gleichstellung von Frauen”, so befindet Fratzscher in seinem Beitrag in einem Blatt, das manche für ein Medium halten, der “rund um den Weltfrauentag” geschrieben ist. Selbstreferentialität ist das Elend der Gutmenschen, ihre Nemesis, wenn man so will. Aber Fratzscher ist natürlich kein Weltfrauentags-Claqueur, er ist ein ministerialer Minnesänger, der sich bei “Bundesfrauenministerin Franziska Giffey” andienen will, die, wie er befindet, nun als “wichtigen Impuls” eine “Frauenquote für Vorstände auf den Weg gebracht” hat. Es geht nämlich zu langsam:

“Das jährlich erscheinende Managerinnen-Barometer des DIW Berlin zeigt, dass im vergangenen Jahr der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und in Vorständen der umsatzstärksten deutschen Unternehmen leicht gestiegen ist. Doch ein Grund zum selbstzufriedenen Zurücklehnen ist das noch lange nicht: Es geht immer noch zu langsam und zu ungleichmäßig voran.”

Deshalb braucht es, wie Fratzscher schreibt, den Impuls einer gesetzlichen Verpflichtung.
Ist er nicht lustig, der Marcel?

Wann wäre je von einem Gesetz ein Impuls auf irgend etwas ausgegangen. Gesetze sind, weil sie Gesetze sind, das Gegenteil von einem Impuls, sie sind ein Rahmen, eine feste Vorgabe, ein Zwang, um durchzusetzen, was offenkundig niemand will, etwas, das Abweichung unter Strafe stellt. Welcher Impuls daraus erwachsen soll, dass eine Abweichung von einer Quote bestraft werden soll, das ist eine Frage, die Fratzscher mit Sicherheit nicht beantworten kann. Wozu auch? Seine Kolumne dient nicht dazu, Fragen zu beantworten oder gar welche zu stellen, sondern dazu, politische Propaganda zu betreiben. Wenn man wissen will, was derzeit in der Hitliste des Anschleimens besonders weit oben steht, was Fördergelder aus Ministerien verspricht, dann muss man nur Fratschers Kolumne lesen. Er ist so etwas wie der Benchmark-Test für erfolgreiches Schleimen um ministeriale Zuwendungen, ein moderner Minnesänger, lediglich die Zutat der Unterhaltsamkeit fehlt, was auch nicht anders zu erwarten ist, denn die Jukebox, aus der heraus man Fratzscher abspielen kann, wird seit Jahren nicht mit neuen Titeln bestückt. Gespielt wird das ewig selbe, so lange, bis entweder der Zuhörer oder die Platte bricht (in allen möglichen Weisen der Wortbedeutung).

Einst war das DIW ein wissenschaftliches Institut. Einst wurde dort Wissenschaft betrieben, Ökonomie und Statistik und Sozialforschung. Heute winkt fast jeder nur noch ab, wenn er DIW hört.


Und das, was Fratzscher gerade über die vermeintliche Notwendigkeit einer Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen geschrieben hat, ist eine Art Blaupause der Armseligkeit, die erklärt, warum aus dem Berliner DIW nur noch Seichtes und das auch nur lauwarm kommt. Dr. habil. Heike Diefenbach hat vor wenigen Tagen einen Beitrag über den Marsch durch die Institutionen veröffentlicht, der beschreibt, wie die Marschierer, die Institutionen übernehmen wollen, um den Kommunismus, Sozialismus oder was auch immer durchsetzen zu können, das die Umerziehung der Bevölkerung voraussetzt, durch eben diesen Marsch, selbst dann, wenn sie zum Ziel gelangen, die nämlichen Institutionen zerstören. Schmarotzers Schicksal, so könnte man das beschreiben, was jeder Weinbauer aus dem ff kennt: Peronospora befällt Weinstöcke und zerstört sie und sich gleich mit.

Es ist nie zu spät, etwas Gescheites zu machen!

Die Blaupause der Armseligkeit, die Fratzscher geliefert hat und die ein Antonym zu Wissenschaft darstellt, hat die folgende Struktur:

Eine Notwendigkeit wird behauptet: Es ist notwendig, dass in Vorständen und Aufsichtsräten so viele Männer wie Frauen sitzen.
Das ist die Einstiegsdroge.

Hat sich der Süchtige mit der Einstiegsdroge erst die Sinne benebelt, dann kann er die Welt nur noch in Gleichverteilung wahrnehmen und, zwangsläufig findet er nur Abweichungen von seiner Gleichverteilung und die Abweichungen, die Fresströge betreffen, aus denen man sich laben kann, die stören ihn. Abweichungen bei der Müllabfuhr, deren Frauenanteil jeder Gleichstellung spottet und der dennoch nicht Gegenstand einer Frauenquote wird, die stören ihn nicht.

Und weil es die ausgesuchten Abweichungen gibt, deshalb ist die Frauenquote notwendig.
Die perfekt zirkuläre “Argumentation” zum bedröhnten Geist.

Positionsinhaber, wie z.B. Präsidenten einst renommierter Institute, sitzen dem Irrtum auf, sie könnten vom Ruhm der Position, die sie besetzt halten, zehren. Ein Irrtum. Nicht der mediokre oder vielleicht unterirdische Positionsinhaber wird durch die Position, auf die er wie auch immer gelangt ist, aufgewertet, die Position wird abgwertet. Dr. habil. Heike Diefenbach hat den Mechanismus hier beschrieben.

Das ganze Elend des Fratscherschen Minnesangs lässt sich mit einem einzigen Wort bloßstellen:

Warum?
Warum ist es noch einmal notwendig, dass alle Vorstands- und Aufsichtsratsposten paritätisch mit Männern und Frauen besetzt werden?

In der Wissenschaft geht es um das “Warum”, darum, die Ursachen von Wirkungen zu finden, die Wirkungen zu erklären, Phänomene nicht nur zu beschreiben, sondern in ihrem Kontext, wie Max Weber es genannt hat, deutend zu verstehen. In Fratzschers Text findet sich nicht einmal ein Hauch von “warum”. Er könnte nicht weiter von Wissenschaft entfernt sein, als er es ist.




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