Wird die Weltgesundheitsorganisation das nächste COVID-19 Opfer?

Internationale Organisationen sind eigentlich dazu gedacht, oder waren einst dazu gedacht, die Zusammenarbeit zwischen Staaten zu erleichtern und Vertrauensprobleme, die zwischen Regierungen von Staaten bestehen, zu überwinden. Altmeister der Theorie internationaler Organisationen wie Robert Keohane oder Kenneth Waltz gehen in der Regel davon aus, dass Internationale Organisationen keine eigenen Interessen verfolgen, sie uninteressierte Akteure sind, die ausführen, was ihnen aufgegeben wurde. Mit dieser Vorstellung wurde in den letzten Jahren heftig aufgeräumt.

Nicht zuletzt Roland Vaubel hat sich im Feld der internationalen Organisationen viel Verdienst erworben:

In einer gemeinsam mit Axel Dreher und Ugurlu Soylu (2007) durchgeführten Untersuchung, konnte Vaubel zeigen, dass das Personalwachstum von 27 internationalen Organisationen im Zeitraum von 1950 bis 2001 stärker steigt (ε = 1.28) als die Mitgliedschaft in den entsprechenden internationalen Organisationen. Dieses „überproportionale“ Wachstum kann nach Ansicht der Autoren nicht vollständig durch eine Ausweitung der Aufgaben der entsprechenden Organisationen erklärt werden, weshalb sie das Ergebnis als Indiz dafür ansehen, dass die „Funktionsträger“ internationaler Organisationen ihre „Interessen auch gegen die Bürger durchsetzen“ können (Vaubel 2003: 3).



Weniger zurückhaltend ausgedrückt: Internationale Organisationen sind Rent Seeker, die versuchen, sich auf Kosten der Allgemeinheit durchzufuttern.

Dieses Rent Seeking wird Internationalen Organisationen in der Regel dadurch erleichtert, dass die Bürger nicht wissen, auf welchen Wegen internationale Organisationen finanziert werden, welche Politiken dort von wem ausgeheckt werden, geschweige denn, zu welchem Zweck die einzelne Organisation überhaupt begründet wurde, zu welchem Zweck sie besteht und welchen sie zwischenzeitlich verfolgt. Dreher und Vaubel (2003) haben u.a. den Verdacht nahegelegt, dass internationale Organisationen wie Weltbank oder IMF durch die Vergabe von Krediten kurz vor Wahlterminen versuchen, in Ländern, zumeist in afrikanischen Ländern, Wahlausgänge zu beeinflussen. Abermals ein Ergebnis, das zeigt, dass internationale Organisationen nicht einfach ein uninteressierter Rahmen sind, in dem sich unterschiedliche Vertreter nationaler Regierungen einfinden, sondern Akteure mit eigenen Interessen.

Was bislang fehlt ist Kollusion, die stille Übernahme einer internationalen Organisation durch einen Mitgliedstaat, die einem gemeinsamen Interesse dient. Eine solche Kollusion scheint Donald Trump hinter der wirklich sehr unglücklichen Rolle zu vermuten, die die Weltgesundheitsorganisation im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gespielt hat. Lange konnte sich die WHO nicht dazu entschließen, überhaupt etwas zu unternehmen. Noch Mitte Februar sah man bei der WHO keinen Grund, vor Reisen nach und aus China abzuraten. Eine Pandemie hat die WHO zu einem Zeitpunkt ausgerufen, als auch dem Letzten klar war, dass die Menge der Länder mit Fällen von COVID-19 die Menge derer ohne übersteigt. Bis heute ist die WHO ambivalent, wenn es um das Tragen von Masken geht. Daten sucht man besser bei nationalen Instituten oder der Stanford University, denn die Daten, die die WHO z.B. auf ihrem Server bereitstellt, hinken den Entwicklungen regelmäßig hinterher. Kurz: Es gibt viel Anlass dafür, die WHO im Zusammenhang mit ihrem Handling von SARS-CoV-2 zu kritisieren.

Das Gesicht der WHO, der Mann, der in Pressekonferenzen für die WHO spricht, ist deren Präsident Tedros Adhanom Ghebreyesus. Tedros stammt aus Äthiopien und war unter Meles Zenawi Asres und Hailemariam Desalegn Bashe Gesundheitsminister. Ein Gesundheitsminister muss heutzutage Mitglied einer Partei sein. Bei Tedros ist dies die TPLF, die Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People’s Liberation Front), eine marxistisch-leninistische Partei, die zwischenzeitlich zumindest die verbalen Anklänge an Marx und Lenin gestrichen hat (seit die Sowjetunion von der Bildfläche verschwunden ist).



Eine der herausragenden Personalentscheidungen, die Tedros in der Vergangenheit getroffen hat, war die Wahl von Robert Mugabe als “Goodwill Ambassador der WHO”, also als Botschafter für die Ziele, denen sich die WHO verschrieben hat. Einen besseren Sympathieträger als Robert Mugabe, der wie kein anderer den Niedergang eines einst reichen Landes “Zimbabwe” zu verantworten hat, ist kaum denkbar. Robert Mugabe und seine Partei “ZANU-PF” hingen einer marxistisch-leninistischen Ideologie an. Wie die Partei von Tedros, so hat es auch die ZANU-PF nach dem Niedergang der Sowjetunion vermieden, Anklänge an das gescheiterte sowjetische Projekt zu machen. Indes hat sich die Politik von Mugabe nie geändert. Nur die Kommunikation seiner Politik hat sich verändert. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass hier ehemalige marxistisch-leninistische Kampfgenossen eine gewisse Anziehungskraft aufeinander ausüben, was eine Erklärung dafür wäre, warum Tedros nach einem Treffen mit der chinesischen Ausgabe des Marxismus-Leninismus, Xi Jinping, noch im Februar erklärt hat, es müssten keine Maßnahmen getroffen werden, die Handel mit bzw. Reisen nach und von China beeinträchtigen würden. Das, aber nicht nur das, nimmt ihm nicht nur Donald Trump übel.

Je länger die Pandemie dauert, desto deutlicher wird, dass China gelogen hat und desto stärker wird der Verdacht, dass die WHO oder doch zumindest Teile der WHO Komplize im Lügen waren.

Und wie so oft ist es Donald Trump, der ausspricht, was diejenigen, die sich damit befassen, ohnehin denken:

‘They called it wrong, they called it wrong, they missed the call,’ Trump said during his daily White House press briefing.
‘They should have known and they probably did know,’ he added, suggesting the WHO was withholding information about the coronavirus.

Aus diesem Grund will Donald Trump über die Förderung der WHO nachdenken, kurz: Er stellt die Finanzierung der WHO durch die USA in Frage. Das ist eine nicht unbeträchtliche Drohung, denn ein Stop der Zahlungen aus den USA würde die WHO in ihrer Existenz in Frage stellen. Wie sehr, das zeigt die folgende Abbildung, die wir aus den Berichten der WHO extrahiert haben. Obwohl so viele davon berichten, dass Donald Trump die US-Beiträge zur WHO in Frage gestellt hat, gibt es offensichtlich keinen Journalisten, der es bislang für notwendig befunden hat oder überhaupt auf die Idee gekommen ist, die Höhe der Beiträge zu recherchieren.

Nun, die WHO ist in ihren Finanzberichten nicht wirklich transparent. Das mag als Entschuldigung gelten. Wie so viele Organisationen, so versucht auch die WHO in ihren Jahresberichten eine Transparenz und Akkuratheit vorzugaukeln, die einfach nicht da ist. Wie gewöhnlich, erfolgt dies mit Farben und Abbildungen. Das sieht nach etwas aus und die meisten werden so lange, bis sie nach einer konkreten Zahl gefragt werden, gar nicht bemerken, dass sie kaum eine Information erhalten haben.

Quelle

Die Abbildung aus dem Jahresbericht der WHO für 2018/2019, der neueste der vorhanden ist, enthält zwar keine genauen Angaben, vermittelt aber einen Eindruck. 501 Millionen US-Dollar akquiriert die WHO aus dem, was “assessed contributions” genannt wird. Dabei handelt es sich um Mitgliedsbeiträge. 2243 Millionen US-Dollar stammen aus freiwilligen Beiträgen. In beiden Kategorien sind die USA der mit Abstand wichtigste Finanzierer der WHO. Der Mitgliedsbeitrag, das, was man als fixe Einnahmen bezeichnen kann, wird wohl zu einem Viertel aus Mitteln der USA bestritten, das wären rund 140 Millionen Euro. Auch bei den freiwilligen Zahlungen sind die USA mit Abstand der wichtigste Geldgeber der WHO. Es dürften wohl noch einmal um die 260 Millionen Euro aus den USA zusammenkommen. Damit wären die USA  für rund 15% der Mittel verantwortlich, die die WHO zur Verfügung hat, ein beträchtlicher Batzen, dessen Ausfall erhebliche Konsequenzen für die WHO hätte.

Nach der EU scheint man sich bei einer zweiten internationalen Organisation um ihren Fortbestand ernste Sorgen machen zu müssen. 

Interessant für Studenten, die nach einem Thema für eine Magisterarbeit suchen, sind die Ringfinanzierungen, mit denen sich internationale Organisationen gegenseitig absichern, deutlich am Beispiel der EU, die Steuergelder an die WHO durchreicht oder der UN, die dasselbe tut. Auf diese Weise unterstützen sich Internationale Organisationen gegenseitig mit einer Form von Nepotismus, bei der uns bislang kein Grund einfällt, nicht von politischer Korruption zu sprechen.


Dreher, Axel & Vaubel, Roland (2003). Do the IMF and the World Bank Cause Moral Hazard and Political Business Cycles? Evidence From Panel Data. Universität Mannheim: Manuskript.

Vaubel, Roland (2003). Prinzipal-Agent-Probleme in internationalen Organisationen. Hamburg: Hamburgisches Weltwirtschaftsarchiv (HWWA); HWWA Discussion Paper No., 219.

Vaubel, Roland, Dreher, Axel & Soylu, Ugurlu (2007). Staff Growth in International Organisations: A Principal-Agent Problem? An Empirical Analysis. Public Choice 133(3-4): 275-295.

Vaubel, Roland (1996). Bureaucracy at the IMF and the World Bank: A Comparison of the Evidence. The World Economy 19(2): 195-210.


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