Kausalitätsfetischismus – Die Illusion der TodesURSACHE

Es gibt keine Kausaltät.

Shocking, isn’t it?

Nein, wir sind nicht zu radikalen Konstruktivisten geworden. Wir sagen nur, was seit dem 18. Jahrhundert, seit David Hume seine Zerstörung induktiver Theoriebildung mit dem Titel “An Enquiry concerning human understanding” [Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand] veröffentlicht hat, als bekannt vorausgesetzt werden kann: Kausalität gibt es in der Natur nicht. Kausalität ist ein Konstrukt des menschlichen Geistes, das Beobachtungen der Außenwelt, Beobachtungen von vermeintlicher Ursache und vermeintlicher Wirkung übergestülpt wird. Die Argumentkette bei David Hume ist leicht nachvollziehbar, der Kern davon findet sich im Vierten Abschnitt seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand:

“Wir sagten, dass alle Begründungen, die das Dasein betreffen, auf der Beziehung von Ursache und Wirkung beruhen, dass unsere Kenntnis dieser Beziehung einzig aus der Erfahrung hergeleitet wird und dass endlich alle unsere Erfahrungsschlüsse von der Voraussetzung ausgehen, dass die Zukunft mit der Vergangenheit gleichförmig sein muss” (46).



Das Dynamit, das in dieser Feststellung steckt, ist erheblich. Versuchen Sie aus der Erfahrung aus z.B. Beobachtungen zu begründen, warum Sie der Ansicht sind, Blitz und Donner hätten etwas miteinander zu tun. Und das ist nur die Kür der Schwierigkeiten. Die wirklichen Schwierigkeiten beginnen da, wo begriffliche Konstruktionen in der Wirklichkeit nachgewiesen werden sollen, wo versucht wird, eine gedankliche Erfindung, wie z.B. “Rechtsextremismus”, in der Wirklichkeit zu bestimmen und eine Kausalität dieser gedanklichen Erfindung mit anderen gedanklichen Erfindungen wie “sozialer Schicht” oder “Bildung” zu begründen. In den (Sozial-)Wissenschaften wurde vor der genderistischen Degenerationsphase, in der wir uns derzeit befinden, eine Vielzahl von Methoden der Operationalisierung und der Prüfung von Zusammenhangshypothesen entwickelt. Wer die Schwierigkeiten, die sich mit der Bestimmung auch nur von einfachen Zusammenhängen ergeben, kennen lernen will, dem sei das nach wie vor beste Buch zu diesem Thema, die Methodologie der Sozialwissenschaften von Karl-Dieter Opp empfohlen.

Doch zurück zu David Hume. Er hat in dem Zitat die Prämissen menschlicher Erkenntnis dahingehend festgezurrt, dass (1) alle Erkenntnis auf Erfahrung, Beobachtung, auf empirischem Material beruhen muss. Keine andere Erkenntnis ist möglich, denn Intuition oder andere Formen idiosynkratischer Erfahrung sind für andere als den, der sie gemacht hat, nicht nachvollziehbar und daher wertlos. Und er hat (2) festgestellt, dass jede Aussage über Ursache und Wirkung auf der Annahme basiert, dass die Zukunft der Vergangenheit entspricht. Das ist leicht einsichtig, denn die Idee, dass ein Tennisball, wenn er mit Wucht gegen eine Scheibe geworfen wird, Letztere zerstört, beruht auf einschlägiger Erfahrung und der Erwartung, dieselbe Wirkung bei einer (anderen) Scheibe abermals mit einem (anderen) Tennisball herbeiführen zu können.

Bei Hume klingt diese Erkenntnis so:

“In Wirklichkeit beruhen alle Erfahrungsbegründungen auf der Gleichartigkeit, die wir unter den Naturgegenständen entdecken und die uns dazu führt, Wirkungen von gleicher Art zu erwarten wie jene, die wir als Folge solcher Gegenstände angetroffen haben.
[…]
Von Ursachen, welche gleichartig erscheinen, erwarten wir gleichartige Wirkungen. Dies ist die Summe all unserer Erfahrungsschlüsse. Nun leuchtet es wohl ein, dass dieser Schluss, wäre er von der Vernunft gebildet, gleich zu Anfang und auf Grund eines Falles ebenso vollkommen gültig sein würde, wie nach einer noch so langen Reihe von Erfahrungen. Aber die Sache liegt anders. Was ist einander ähnlich wie Eier? Und doch erwartet niemand dieser scheinbaren Gleichartigkeit wegen von allen denselben Geschmack und Genuß. Nur nach einer langen Reihe gleichförmiger Erfahrungstatsachen irgendwelcher Art erreichen wir feste Zuversicht und Sicherheit über ein bestimmtes Ereignis”.

Was Hume hier schreibt, ist abermals sehr leicht nachzuvollziehen. Stellen Sie sich vor, Sie haben gemeinsam mit vier anderen Personen ein üppiges Mahl verspeist. Nach rund zwei Stunden entwickeln zwei der Mitesser Atembeschwerden, nach einer weiteren Stunde erliegen sie einer Sepsis. Wie bestimmen Sie die Todesursache? Was war kausal für die Todesursache. Nehmen wir an, es gibt keine Rechtsmedizin. In diesem Fall müssen Sie zunächst einmal das Feld der Todesursache eingrenzen. Wie machen Sie das? Auf Basis von Erfahrungen. War es das Essen, das zum Tod der beiden Mitesser geführt hat? War es der servierte Wein? Was haben Sie nicht gegessen, die beiden Mitesser schon? Haben die beiden Mitesser vorgespeist, also schon vor dem gemeinsamen Mahl geschlemmt. Hat eine im Zimmer anwesenden Fliege etwas mit dem Tod der beiden Männer zu tun? Die Suche nach der Todesursache ist ein komplexes Unterfangen, das ausschließlich auf dem beruht, was sie an mitbringen. Erbsensuppe führt gewöhnlich nicht zum Tode derjenigen, die sie essen. Fliegenpilze schon. Waren Fliegenpilze in der Erbsensuppe? Das alles ist mühsam. Gut, dass es die Rechtsmedizin gibt, die viele Erfahrungstatsachen, die mühsam und einzeln gefunden werden mussten, zusammengestellt hat und auf deren Grundlage versucht, Todesursachen zu bestimmen. Aber so umfangreich diese Grundlage systematisierter Zusammenhänge auch sein mag, sie basiert ausschließlich auf Erfahrungen und darin besteht das Problem, denn jede Bestimmung einer Todesursache muss notwendig annehmen, dass der gestorbene Mensch in allen seinen Eigenschaften so gleichartig zu anderen war, dass seine Todesursache unter bisher gesammelten Todesursachen zu finden sein wird. Das mag die Annahme sein, die mit den geringsten Schwierigkeiten verbunden ist. Aber es kommen noch eine ganze Wagenladung anderer Annahmen hinzu: Eine einmal gefundene Todesursache schließt aus, dass es eine neue Todesursache geben könnte, die übersehen wurde. Eine neue Todesursache kann nicht in der selben Weise eine Wirkung entfalten, die zum Tod führt, wie eine bereits vorhandene Todesursache …

Die Bestimmung der Todesursache basiert auf Legionen von stillschweigend gemachten Annahmen, die wiederum die Anwendung einer Menge vorhandenen Erfahrungswissens legitimieren. Damit ist die Bestimmung einer Todesursache nichts anderes als eine informierte Schätzung, denn:

“alle Ableitung aus Erfahrung setzt als ihre Grundlage voraus, dass die Zukunft der Vergangenheit ähnlich sein wird, und dass gleichartige Kräfte mit gleichartigen sinnlichen Eigenschaften zusammenhängen werden. Schöpfte man irgendwie Verdacht, dass der Naturlauf sich ändern könne und dass in der Vergangenheit nicht die Regel für die Zukunft enthalten sei, so würde jede Erfahrung nutzlos und könnte zu keinem Ableiten oder Schließen Veranlassung geben. Daher ist es unmöglich, dass irgendwelche Erfahrungsbegründungen diese Ähnlichkeit der Vergangenheit mit der Zukunft belegen können, denn all diese Begründungen beruhen ja auf der Voraussetzung dieser Ähnlichkeit. Mag der Lauf der Dinge bisher noch so regelmäßig gewesen sein – das allein ohne eine neue Begründung oder Ableitung, beweist nicht, dass es in Zukunft so bleiben muss.” (49).

Die berühmte Humesche Vernichtung des naiven Empirismus hat indes nicht mit dem kritischen Rationalismus gerechnet, wie ihn Karl Raimund Popper entwickelt hat. Seine Lösung: Eine Theorie, aus der prüfbare Hypothesen abgeleitet werden, die wiederum an der Realität scheitern können. Das ist auch eine Form des Konstruktivismus, aber eine Form des positiven Konstruktivismus, des nachprüfbaren Konstruktivismus. Kausalität wird hier zu einer theoretischen Annahme, die der empirischen Prüfung bedarf.

Und damit sind wir bei der Feststellung der Todesursachen und der Anzahl der an COVID-19 Verstorbenen.


Wir waren heute ziemlich überrascht, das, was wir seit Wochen schreiben, bei der ARD zu finden: “Zweifel an Corona-Fallzahlen. Will das RKI Obduktionen verhindern?” Wer uns regelmäßig liest, der weiß, dass wir die Zahlen der an COVID-19 Verstorbenen in Deutschland für eine – gelinde gesagt – Farce halten. Wenn man die Menge der in Deutschland durchgeführten Tests zur Hand nimmt, die Reproduktionsrate von 2,5, die für SARS-CoV-2 derzeit angenommen wird, zugrunde legt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass in Deutschland eine große Zahl nicht positiv Getesteter Personen zu finden wäre, wenn man testen würde, sehr hoch. Da die deutsche Bevölkerung eine hohen Altenanteil aufweist, wäre die Mortalität entsprechend hoch anzusetzen. Selbst bei konservativer Schätzung käme man eher im Bereich von 10.000 als im Bereich von 2.000 Toten heraus.

Offenkundig ist die Diskrepanz zwischen der in Deutschland offiziell gemeldeten Zahl von Toten und dem, was man als weltweite (minus-Deutschland) Standardmortalität bezeichnen kann, in der Zwischenzeit noch anderen aufgefallen, weshalb der Ruf nach post mortem Untersuchungen laut wird, um herauszufinden, wie viele Menschen wirklich an COVID-19 gestorben sind. Natürlich ist dieser Ruf auch wieder das Einsatzsignal für diejenigen, die die Todesursache “COVID-19” mit hanebüchener Rabulistik in Frage stellen wollen, wie dies der Hamburger Rechtsmediziner Püschel derzeit tut.

Da, wie nach der langen Hinführung deutlich geworden sein sollte, jede Bestimmung von Todesursache auf einer Theorie darüber, was die Todesursache sein könnte, basieren muss, die sich durch empirische Prüfung, die wiederum auf Erfahrungssätze zurückgreift, bestätigen oder falsifizieren lässt, ist die Bestimmung der Todesursache von Verstorbenen eigentlich ein einfaches Verfahren.

Wenn Patienten verstorben sind und sich bei den Verstorbenen eine COVID-19 Infektion nachweisen lässt, die mit den mittlerweile sattsam bekannten Konsequenzen in Lunge und Kreislauf verbunden ist, dann kann man davon auszugehen, dass die entsprechende Person an COVID-19 verstorben ist. Die einfache Falsifizierung dieser Aussage besteht darin, eine verstorbene Person zu finden, die all die Besonderheiten aufweist, die man bei einer Erkrankung mit COVID-19 in Röntgenaufnahmen der Lunge, Blutwerten und Rachenabstrichen nachweisen kann, ohne an COVID-19 erkrankt gewesen zu sein.

Diejenigen, die – wie der Hamburger Rechtsmediziner Püschel, behaupten, Ko-Morbiditäten seien die eigentliche Ursache für den Tod eines Patienten, behaupten damit, dass etwas, das in der zeitlichen Reihenfolge vor einer nachweislichen Erkrankung an COVID-19 liegt, unabhängig von COVID-19 zum Tod von Patienten geführt hat. Sie müssen somit zeigen, dass ein Verstorbener, der alle Anzeichen einer Erkrankung an COVID-19 zeigt, TROTZ dieser Anzeichen an seinen Ko-Morbiditäten verstorben ist. Es muss also gezeigt werden, dass die Sepsis nicht Ergebnis der Beeinträchtigung der Lungenfunktion infolge des Eindringens von COVID-19 über ACE2-Rezeptoren in menschliche Zellen ist, sondern diese quasi nebensächliche Episode nur ein Nebenbei zum bereits vor der Infektion mit COVID-19 einsetzenden langsamen Tod des Ko-Morbiden, per Diabetes oder Atemerkrankung oder Krebs oder Organtransplantation ist.

Das ist nicht nur in der Beschreibung ein Aberwitz.

Es stellt alles, was wir als wissenschaftliche Methode bezeichnen, alles, das wir als Kausalität bezeichnen, auf den Kopf. Es ist als würde man behaupten, ein Mensch, der von einem Terroristen angeschossen wurde, sei nicht an den Folgen eines Lungensteckschusses gestorben, sondern als Folge einer Reihe von Ko-Morbiditäten, insbesondere an seiner Vorerkrankung der Lunge infolge seines extensiven Zigarettenkonsums. Wer das beweisen wollte, müsste beweisen, dass der Ermordete auch oder sowieso, wie es im Zusammenhang mit COVID-19 heißt, gestorben wäre, wenn er nicht die Kugel, die ein Terrorist abgefeuert hat, mit seiner Lunge aufgefangen hätte. Wer behaupten will, dass jemand – obwohl er alle Anzeichen einer Erkrankung mit COVID-19 zeigt, nicht an COVID-19, sondern an zeitlich vor der Infektion mit SARS-CoV-2 stehenden Vorerkrankungen verstorben ist, der steht vor dem selben (unlösbaren) Problem.

Und es ist beileibe nicht nur ein empirisches Problem, es ist auch ein Problem der Moral und letztlich des Anstands …




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