BS: Aus den Niederungen der Sozialwissenschaften

Wie halten Sie es mit BS?

Als distinguierter Mensch von Welt, der das Rotweinglas nicht am Kelch, sondern am Stiel oder am Fuß anfasst, um zu zeigen, dass man ein Connaisseur ist, benutzt man Worte wie BS natürlich nicht.

Man rümpft die Nase und beachtet die Proletarier in ihrer sprachlichen Niederung nicht.

Das muss ein Grund dafür sein, warum die Sozialwissenschaften einen solchen Niedergang durchgemacht haben.

Denn, wenn man nicht mehr sagt, dass das, was wir unseren Lesern jetzt präsentieren, Bullshit ist, dann fehlt denjenigen, die den Bullshit verbreiten, ein wichtiges Korrektiv, das ihnen sagt: “Hey, was Ihr hier macht, das ist BULLSHIT”.



An der Hochschule Osnabrück gibt es eine Wirtschaftspsychologin, die etwas mit Corona und Kultur gemacht hat und natürlich eine Befragung. Jeder Hempel macht heutzutage eine Befragung. Warum sich Generationen von Sozialwissenschaftlern um die methodischen Grundlagen von Befragungen bemüht haben, wenn es nun ganze Rudel von Positionsinhabern an Hochschulen gibt, die alles, was zusammengetragen wurde, schlichtweg ignorieren, ist eine jener Fragen, an der eine ganze Welt hängt. In diesem Fall die Welt des Niedergangs, der seine Erklärung darin findet, dass heute ganze Rudel von Positionsinhabern an Hochschulen von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, aber tutend und blasend durch die Welt laufen, immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit.

Es schreibt “Jasmin Schulte, Geschäftsbereich Kommunikation – Presse und – Informationsstelle Hochschule Osnabrück”:

“(Osnabrück, 18.05.2020) Personen, die in einer festen Partnerschaft leben oder mit Kindern, ging es in den zurückliegenden Wochen der Coronakrise mit den strikten Einschränkungen des öffentlichen Lebens besser. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie an der Hochschule Osnabrück. „Grundsätzlich hat sich die Wohnsituation, ob also eine oder mehrere Personen in einem Haushalt leben – zum Beispiel in einer WG – nicht signifikant auf die Zufriedenheit ausgewirkt“, erläutert Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Petia Genkova. Der Beziehungsstatus und ob die Befragten Kinder hatten, machte hingegen einen nachweisbaren Unterschied. „Personen, die einen festen Partner hatten, zeigten ein höheres ,well-being‘ als diejenigen ohne Partner“, heißt es in der Studie. „Das gilt übrigens auch für Menschen, die in Fernbeziehungen leben“, ergänzt Genkova. Personen mit Kindern gaben zudem eher an, zufrieden zu sein als diejenigen ohne.”

Für jeden zum Geniesen:

Leider vergriffen und nicht mehr zu haben!

Personen in “fester Partnerschaft geht es besser” – offensichtlich wurde nach der Selbsteinschätzung der Gesundheit gefragt, aber ein paar Sätze weiter ist im selben Kontext die Rede von der Wohnsituation, die sich nicht signifikant auf “die Zufriedenheit” mit was auch immer ausgewirkt hat. Also wurde nicht nach der Selbsteinschätzung der Gesundheit, sondern nach der Selbsteinschätzung irgendeiner Zufriedenheit gefragt – aber nein: “Personen, die einen festen Partner hatten, zeigten ein höheres “well-being”, so heißt abermals ein paar Sätze weiter. Well-being ist nun weder Gesundheit noch Zufriedenheit. Für Gesundheit ist es zu umfassend, heißt es doch “Wohlbefinden” und dazu gehört mehr als Gesundheit, für Zufriedenheit ebenfalls, denn Wohlbefinden umfasst Aspekte, die Zufriedenheit nicht umfasst. Nach einem solchen sprachlichen Durcheinander, einem solchen BULLSHIT, in dem wörtlich steht, “heißt es in der Studie”, Kommunikation ist offenkundig nicht das Spezialgebiet der Informationsstelle der Hochschule Osnabrück, nach so viel Beliebigkeit wundert sich schon niemand mehr, wenn im letzten Satz behauptet wird, dass “Personen mit Kindern” angeben zufrieden zu sein mit ihrem Leben, ihrem Haushalt, ihrer Versorgungslage, dem Universum, Gott, ihren Fortschritten beim Computerspiel, dem Ausmaß an Schlaf, der neuen Telefonanlage, dem Kartoffelsalat aus dem Supermarkt, mit was auch immer.

Soviel Unkenntnis gibt es selten.
Was im ersten Absatz klingt, als sei es durch eine Befragung gewonnen, die Anspruch auf Verallgemeinerbarkeit erheben kann, als Datenbasis, die Aussagen über alle Personen und mit einer Generalität erlaubt, wie sie nur methodisch vollkommen Unbedarfte überhaupt aufstellen zu können glauben, kommt im zweiten Absatz nun der Dämpfer:

“Für die Querschnittsstudie wurden deutschlandweit 310 Personen zwischen dem 23. März und dem 15. April befragt, in einem Zeitraum also, in dem bundesweit strikte Ausgangsbeschränkungen galten. Für die Erhebung wurde eigens ein Fragebogen entwickelt, um die Einstellung zu kultureller Vielfalt in der Krise zu messen. Das übergeordnete Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie sich der Umgang mit der Coronakrise sowohl auf die Solidarität untereinander auswirkt, als auch auf Vorurteile gegenüber Gruppen, denen man nicht selber angehört.”

Ganze 310 Personen wurden “deutschlandweit” irgendwie befragt, wobei für die Befragung “eigens ein Fragebogen entwickelt” wurde. Das muss man sich einmal vorstellen. Da wollen – was war noch die Bezeichnung: “Wirtschaftspsychologen”, das sind Leute, die haben von Wirtschaft ebenso keine Ahnung wie von Psychologie, da wollen also Wirtschaftspsychologen eine Befragung durchführen, gehen fröhlich ans Werk und dann stellen sie fest: “Ja, da braucht man ja einen Fragebogen”, einen, den man eigens entwickeln muss, schon weil bislang noch niemand auf derart bescheuerte Ideen gekommen ist, wie die Wirtschaftspsychologen aus Osnabrück, von der Hochschule. Und der Fragebogen, der entwickelt wird, der dient gar nicht dazu, Zufriedenheit, well-being oder Gesundheit zu messen, nein, er dient dazu, “kulturelle Vielfalt in der Krise” zu messen, “Solidarität untereinander”, wie auch sonst und Vorurteile gegen Gruppen, welche auch immer.

Etwas mit Kultur und Vorurteil, bei dem herauskommt, dass es “Personen, die in einer festen Partnerschaft leben” besser geht oder sie zufrieden sind oder sie ihr “well-being” besser einschätzen, als wer auch immer. Irgendwas halt.

Vor dem Hintergrund, dass die “Krise” in einen Lockdown gemündet ist, der Maßnahmen umfasst, die allesamt als Maßnahmen sozialer Distanz bezeichnet werden, warum, weil man anderen nicht zu nahe kommen soll, sind “die Verbindungen”, die in Osnabrück mit der Studie hergestellt werden, zugegeben von einer für Kommunikation Verantwortlichen, die mit der deutschen Sprache überfordert ist, geradezu revolutionär:

“Genkova [Wirtschaftspsychologin] und Schreiber [Mit-Autor] verbinden die Studie deshalb mit der Aussage, „dass die öffentliche Betonung von Gruppenkonflikten in der Krise Vorurteile und soziale Distanz potenziell steigern und damit die Demokratie und ihre Werte gefährden können“. Um als demokratische Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorzugehen, sei demonstrierter Zusammenhalt wichtig.”

Potentiell wird soziale Distanz durch Maßnahmen sozialer Distanz gesteigert und wenn dann noch betont wird, dass man, auch Verwandten nicht zu nahe kommen soll, dann ist die Demokratie gefährdet, denn Gruppenkonflikte, z.B. Erbschaftsstreitigkeiten, haben dann, wenn sie betont werden, z.B. in Krisen, in denen soziale Distanz gehalten werden soll, das Potential, Vorurteile und, Achtung: soziale Distanz” zu steigern und “damit die Demokratie und ihre Werte” zu gefährden.



Was es bedeutet, ad-hoc das zusammen zu schwätzen, was einem in den Kopf kommt, kann man erst richtig würdigen, wenn man diesen BULLSHIT gelesen hat.

Die Osnabrücker müssen irgendwo gelesen haben, dass man bei empirischer Forschung eine Hypothese prüfen soll. Also haben sie eine Hypothese entwickelt:

“„Wir haben die Hypothese aufgestellt, dass die Wahrnehmung eines Konfliktes zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in der Krise sowie Angst und Unsicherheit die soziale Distanz zu anderen Gruppen und auch Vorurteile verstärken“, berichtet Genkova. Diese Hypothese habe sich bestätigt.”

Oben wurde explizit darauf hingewiesen, dass die 310 Hanseln im Rahmen einer QUERSCHNITTSSTUDIE befragt wurden, also zu einem Zeitpunkt. Nun wird angeblich eine Hypothese bestätigt, die eine Aussage über Zeit umfasst, denn etwas kann sich nur in der Zeit VERSTÄRKEN und zeitliche Veränderung wurde nicht gemessen.

Mit einem Wort: BULLSHIT!




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