Wie moralisch ist Schmarotzen? Stromversorgung am seidenen Faden

Die Erfolgsbilanz der deutschen Energiewende kann sich sehen lassen:

  • Deutsche Verbraucher müssen am meisten Geld für eine Kilowattstunde Strom berappen.
  • Fällt der Strompreis an den Strombörsen, dann wird es für deutsche Verbraucher teurer, denn sie müssen die nun größere Differenz zwischen dem Preis, der den Erzeugern angeblich erneuerbarer Energie versprochen und dem, der an Börsen gezahlt wird, ausgleichen;
  • Die Auswirkungen auf die CO2-Emissionen, die der Vorwand dafür sind, deutsche Verbraucher zu schröpfen, sind minimal.
  • Die Pylone, die deutsche Landschaften pflastern, haben den Erholungswert ganzer Landstriche, z.B. der Uckermark vollständig ruiniert.
  • Die Entsorgung von Windkrafträdern und Solarzellen ist vollkommen ungeklärt. Der Schrott wird in der Regel Afrikanern vor den Slum gekippt.
  • Die Sicherung der Stromversorgung hängt am seidenen Faden, der Wirtschaftsstandort Deutschland gleich mit.

Gestern haben wir aus dem Bericht der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zur Leistungsbilanz 2018-2022 zitiert, in dem die Netzwerkbetreiber zu dem Schluss kommen, dass spätestens ab 2022 die deutsche Stromerzeugung nicht mehr ausreicht, um die deutsche Stromnachfrage zu decken. Deutschland ist vom Nettostromerzeuger, der Strom exportiert, zum Importeur von Strom geworden.



Die Ergebnisse, die wir gestern berichtet haben, basieren auf Simulationsrechnungen für ganze Jahre. D.h. auf ein Jahr gerechnet produziert Deutschland derzeit noch etwas mehr Strom als in Deutschland nachgefragt wird. Nun hat ein Jahr 365 Tage und an diesen 365 Tagen sieht es zum Teil schon ganz anders aus, nämlich so:

Die Abbildung stammt von Agora Energiewende, die sich als “unabhängiges Denk- und Politlabor” beschreiben, das sich den Klima- und Energiezielen der Bundesregierung verschrieben hat. Wir kommentieren diese Selbstbeschreibung nicht. Es reicht die Feststellung, dass von diesem “Politlabor” nicht zu erwarten ist, dass die Daten für Erneuerbare Energien untertrieben sind.

Die Abbildung umfasst den Zeitraum vom 21. Mai 2019 bis zum 21. Mai 2020 und zeigt sehr drastisch das Folgende:

  • Zu keinem Zeitpunkt ist es möglich, die Stromversorgung ohne konventionelle Kraftwerke auch nur annähernd sicherzustellen;
  • Die Tage, an denen Strom zugekauft werden muss, um die Inlandsnachfrage zu sichern, sind in der Mehrzahl;
  • Stromzukauf ist vor allem im Frühjahr und Sommer notwendig, also von März bis August;
  • Für die Zeit von Oktober bis April ist Solarstrom ein mehr oder weniger Komplettausfall;
  • Für die Zeit von April bis Oktober ist mit Windenergie nicht viel anzufangen;

Der Zukauf von Strom aus dem Ausland, wird in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen, denn die obige Abbildung zeigt den Zustand für ein Jahr, in dem die Inlandsproduktion auf ein Jahr gerechnet, die Inlandsnachfrage noch (rein rechnerisch) befriedigen kann. Spätestens ab 2022, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet und die Kohleverstromung reduziert wird, ist dies nicht mehr der Fall.

Dass eine Regierung sehenden Auges eine der wichtigsten Zutaten eines Produktionsstandorts, nämlich die Stromversorgung, zerstört, ist ein Novum der Geschichte.

Die weinrote Linie in der Abbildung oben gibt das Verhältnis von Import zu Export von Strom an. Liegt die Linie unter Null, dann überwiegt der Import von Strom. Importe überwiegen in der Zeit von April bis Oktober, also genau in der Zeit, in der mit Windenergie in Deutschland nichts los ist. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Deutschland ein windarmes Land ist. Wer einmal in Großbritannien gelebt hat, der kennt den Unterschied zwischen einem Land mit Wind (Großbritannien) und einem windarmen Land wie Deutschland sehr gut. Während dieser Post getippt wird, bläst ein Wind, der Spitzengeschwindigkeiten von 65 Kilometer pro Stunde erreicht. Das ist nicht außergewöhnlich in Wales. Außergewöhnlich sind Tage mit wenig oder gar keinem Wind.



An der Notwendigkeit, von April bis Oktober große Mengen Strom aus dem Ausland zukaufen zu müssen, wird sich auch durch den weiteren Ausbau von Windparks nichts ändern, denn mehr Windräder bedeuten deshalb nicht mehr Strom, weil der Wind gleich flau bleibt. Wind ist von April bis Oktober nun einmal Mangelware in Deutschland. Strom ist dabei, es zu werden, vor allem, wenn die konventionellen Kraftwerke, die derzeit noch in der Lage sind, einen Teil der Lücke, die von erneuerbaren Energieträgern in der Stromversorgung hinterlassen werden, zu schließen, geschlossen oder zurückgebaut werden.

Ein Leser hat vor einiger Zeit die Anregung gepostet, man möge sich einen eigenen Generator zur Stromerzeugung kaufen. Wenn man den Irrsinn betrachtet, der deutsche Energiepolitik ist, dann kann man sich dem Rat nur anschließen.



Hauptlieferanten des ausländischen Stroms, auf den Deutschland mehr und mehr angewiesen ist (siehe Abbildung), sind Frankreich, die Schweiz und Schweden. Alle drei Länder gewinnen einen großen Teil ihres Stroms aus Kernenergie. In Frankreich sind es rund zwei Drittel der Stromversorgung, die über Kernkraft gesichert wird, in Schweden rund 45%, in der Schweiz rund 40%. Im Deutschland der Sauberfrauen, das von Bevölkerungsteilen durchdrungen ist, die lieber im Dunkeln sitzen, als dass sie Kernkraft zur Produktion von sauberem Strom einsetzen, hat man offenkundig keinerlei Problem damit, zur Sicherstellung des im Hellen Sitzens, auf Atomstrom aus Frankreich, Schweden und der Schweiz zurückzugreifen. Die Angst vor Kernkraft hört offenkundig an der Grenze auf.

Dagegen ist die moralische Selbstüberhöhung derer, die die Energiewende als großen Beitrag zum Klimaschutz feiern, was sie mit Sicherheit nicht ist, um so größer. Das moralische Schmarotzen an den moralisch minderwertigen Franzosen, Schweden oder Schweizern, die keine den Deutschen in ihrer Großartigkeit vergleichbare Energiewende bewerkstelligen, feiert frohe Urstände. Wie verlogen dieses moralische Selbstagrandissement ist, macht ein kleines Gedankenexperiment deutlich.

Stellen wir uns vor, alle wäre so moralisch entwickelt (oder zurückgeblieben) wie die deutschen Profiteure der Energiewende. Deutschland wäre umgeben von Ländern die allesamt denselben Energieplan, dieselbe Umsetzungsstrategie und als Konsequenz dieselbe Stromarmut hätten wie Deutschland. Alle würden versuchen, den fehlenden Strom beim moralisch minderwertigen Nachbarn zu kaufen, der indes – weil von gleicher moralischer Großartigkeit – seinerseits nach Strom Ausschau halten muss, um die Lücke in der eigenen Stromversorgung auszugleichen. Der Irrsinn des ganzen Unterfangens “Energiewende” ist damit sehr deutlich gemacht.

Zum Glück für Deutschland sind die Nachbarländer zwar aus Sicht der Energiewende-Profiteure weniger profitabel, aber rational in ihrer Energiepolitik. Sie produzieren – bislang – Strom im Überfluss und erlauben es Deutschland, den Kamikaze-Teil der eigenen Energiepolitik durch Zukauf von Strom aus dem Ausland aufzuschieben. Und so kommt es, dass diejenigen, die sich in Fragen der Energiegewinnung für moralisch überlegen halten, bei denen, die sie für moralisch unterlegen halten, schmarotzen.

Was sagt es über einen, der sich für moralisch überlegen hält aus, wenn er bei anderen schmarotzt?




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