Sich selbst absagen lassen – Narren haben Freiheitsangst

Auch Mund-Nasen-Schutz hilft nichts.

Pass the parcel, sagen die Briten, wenn sie das meinen, was in Deutschland mehr oder weniger mit dem Schwarzen Peter, den man gerne anderen zuschieben will, gemeint ist. Pass the parcel und das “blame game” sind zwei Bezeichnungen, die sich darauf beziehen, dass etwas geschehen ist und man die Verantwortung dessen, was geschehen ist, zuschreiben will. Dagegen ist der Schwarze Peter, der jemandem zugeschoben wird, eine pro-aktive Tätigkeit, bei der das, was vielleicht oder gewiss in die Hose geht, noch gar nicht in die Hose gegangen ist. Eine prophylaktische Versicherung dagegen, bloß nicht für irgend etwas verantwortlich zu sein.

Ein besonders schönes Beispiel für diese Art von vorauseilendem Abstreiten jeglicher Verantwortung, die zudem sehr schön mit der Feigheit zusammenfällt, die so viele Positionsinhaber teilen, weil sie zwar ihre Position und alle damit verbundenen Vorteile haben wollen, nicht aber die Verantwortung, die damit einhergeht, übernehmen wollen, findet sich heute im WDR.

Die Karnevalchefs aus Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf haben kalte Füße.



Warum?

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Corona.

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Es treibt die Chefs des Karnevals die Sorge um, “ein möglicherweise ausuferndes Karnevalsgeschehen nicht in den Griff zu bekommen. Ein daraus resultierender bundes- oder gar weltweiter Imageschaden gilt als gravierender als die Absage nur einer Session”, so schreibt Jochen Hilgers im WDR. Dass die Absage “nur einer Session” Peanuts ist, das ist wohl eine Ansicht, die nicht einmal die Karnevalspräsidenten teilen, obwohl sie diese Ansicht wohl nach außen vertreten. Denn wäre es Peanuts, sie wären Manns genug, die Verantwortung für die Absage zu übernehmen und zu tragen. Aber offenkundig fürchten sie Widerstand, Widerstand von denen, die am Karneval verdienen und ohne Karneval und in Zeiten, in denen sie ohnehin zeitweise vollständig von jeder Möglichkeit einer Einkunft abgeschnitten waren (Lockdown!), wohl die bekannte Bach hinunter gehen – Insolvenz.

Ergo ist Ärger vorhersehbar und weil Ärger vorhersehbar ist, sind die Karnevalspräsidenten trotz aller Präsidentschaft nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen. Was macht man, wenn man die Übernahme von Verantwortung ablehnt? Man ruft nach dem großen Bruder, bzw. im vorliegenden Fall nach der Landesregierung von NRW und fordert ein Verbot für den Karneval, ein vollständiges Verbot:

“Einig sind sich die Präsidenten der vier Karnevalshochburgen, dass diese Verbote von der Landesregierung ausgesprochen werden sollen. Darüber wird das Kabinett erstmals am kommenden Mittwoch beraten.”

Das ist schon eine Besonderheit, von der man gar nicht richtig weiß, wie – außer als gelebte Feigheit – man sie beschreiben soll. Was wäre vergleichbar?

  • Ein Reiseveranstalter will alle Reisen absagen, aber nicht der sein, der alle Reisen absagt?
  • Ein Fussballverein will alle Spiele absagen, aber nicht der sein, der alle Spiele absagt?

Die Gemeinsamkeit: Verantwortung für etwas, was man selbst möchte, aber das man nicht auf die eigene Kappe nehmen will, an andere abschieben.



Der eigenverantwortliche Bürger wird offenkundig überschätzt.
Dabei ist er das zentrale Motif eines demokratischen Systems: Leute, die in ihrem Bereich und für ihren Bereich die Verantwortung übernehmen und sich nicht bei der erstbesten Gelegenheit in die Arme von Vater Staat flüchten. Zumal Vater Staat nicht immer so will, wie der die Verantwortung loswerden Wollende:

“Eine Zustimmung zu den Plänen der Karnevalisten von Seiten der Landesregierung gilt keineswegs als sicher. Es könnte rechtliche Bedenken geben.”

Was nun?
Ein Appell an die Bundesregierung, sie möge dafür sorgen, dass die Landesregierung in NRW den Karneval im Land absagt?
Eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und für das Recht, die Landesregierung dazu zwingen zu können, den Karneval abzusagen?

Von wegen der Karneval ist abgesagt.
Er ist in vollem Gange. Die Jecken sind außer Rand und Band und laufen in alle Richtungen davon, um zwar Präsident sein zu können, aber dennoch nicht die Verantwortung übernehmen zu müssen.

Es gibt Momente, da sieht man die deutsche Misere ganz deutlich: Man hat gar keine andere Wahl als Freiheit einzuschränken, wenn man in entsprechender staatlicher Funktion tätig ist. Bürger kommen und fordern, man möge ihre Entscheidungsfreiheit einschränken, denn mit der Freiheit kommt Verantwortung und nichts ist eine größere Drohung als die, man müsse nicht nur handeln, sondern auch die Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns übernehmen.

So war das mit der Freiheit freilich nicht gemeint.



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