“Corona-Krise in Großbritannien”: ARD-Korrespondenten und die Einseitigkeit der Information [Eine Richtigstellung]

Wozu hat die ARD Korrespondenten in London?
Korrespondenten wie Christoph Heinze, die Beiträge schreiben, die vor Unkenntnis nur so strotzen?
Warum liegt deutschen Journalisten so viel daran, dass das Vereinigte Königreich, also alle vier Home Nations, in einen nationalen Lockdown gestopft wird / werden?

Sind die entsprechenden Journalisten immer noch nicht über das Stadium der Pennäler hinaus, die andere benötigen, um die eigene schlechte Note zu relativieren?

“In Wales müssen Pubs schließen, in England nicht – oder doch? Die Corona-Regeln in Großbritannien gleichen einem Flickenteppich. Aber trotz explodierender Fallzahlen will die Regierung daran festhalten.”

So beginnt Christoph Heinze einen Beitrag in der ARD, bei dem man sich wirklich fragt, warum der Sender Personen über Länder schreiben lässt, von denen sie keine Ahnung haben.

Par force durch den Text von Heinze:
1. Abschnitt: Heinze befindet, dass Großbritannien einem Flickenteppich gleicht, Sonderregeln, Ausnahmeregeln, es verwirrt ihn.

2. Abschnitt: Die Fallzahlen, so befindet Heinze, sie seien in England “explodiert”. Eine Studie, die er nicht einmal benennen kann, sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zahl der Neuinfektionen viel höher sei als die, die offiziell erfasst werden. Klar. Die deutschen Fallzahlen sind kurz hinter den britischen, deshalb muss eine Dunkelziffer herbeigeschrieben werden. Denn natürlich ist unter Merkel alles viel besser als unter Johnson.




3. Abschnitt: Heinze zitiert die Extremmeinung von Mike Tidesley, einem Mitglied von SAGE, der Gruppe wissenschaftlicher Berater der Regierung, die sich in den letzten Wochen vor allem durch die Verbreitung von Doom und Gloom und falschen Vorhersagen hervorgetan haben. Ein Grund dafür, dass zuerst Patrick Vallance, der Chief Scientific Adviser von Boris Johnson und dann Chris Whitty, der Chief Medical Adviser, mehr oder weniger kaltgestellt wurden. Denn Johnson hat sich schon mehrfach gegen einen Lockdown ausgesprochen. Das ist natürlich falsch, jetzt, da Merkel sich für einen Lockdown ausgesprochen hat.


4. Abschnitt: Heinze zitiert Robert Jenrick, den Secretary of State for Housing, Communities and Local Government, mit ein paar Sätzen, die sich offenkundig auf das three tier system beziehen, das in England in Kraft ist.


5. Abschnitt: Eine Frau aus Wales schimpft über den Lockdown: “Das ist völliger Unsinn”, zitiert Heinze die Frau, und lässt seine Leser im Unklaren darüber, was “das” eigentlich ist.


6. Abschnitt: Steven Riley vom Imperial College in London, wird mit ein paar Trivialitäten und Leer formeln zitiert, die man auf die Feststellung reduzieren kann, dass dann, wenn Briten fed-up sind, Regierungen beschließen können, was sie wollen. Niemand hält sich daran.


7. Abschnitt: Ganz Großbritannien soll dem Vorbild von Nordirland und Wales folgen, wenn es nach Heinze geht.

Dieser miserable Text, der niemandem, der nicht weiß, wovon Heinze schreibt, auch nur den Hauch einer Chance gibt, zu verstehen, was der Heinze da schreibt, wird den Lesern der Tagesschau zugemutet, vermutlich um den Eindruck zu erwecken, im Vereinigten Königreich wolle jeder, nur Johnson nicht, einen Lockdown.

Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein.
Beginnen wir doch mit der Feststellung, dass Heinze eine wichtige Information unterschlägt: Boris Johnson und seine Regierung sind, was Maßnahmen gegen COVID-19 angehen, für ENGLAND zuständig. Großbritannien besteht aber zudem aus Nordirland, Schottland und Wales.

Wales wird von sozialistischen Spinnern regiert, die mit absurden Maßnahmen ihre Unfähigkeit cachieren wollen, auch nur ansatzweise eine Strategie gegen SARS-CoV-2 zu finden. Wir haben hier über die Welsh Absurdities geschrieben. Die Frau, die in Wales empört ist, ist über den Blödsinn empört, den sich Mark Drakeford, First Minister miserable, der immer so aussieht, als komme er direkt von einer Beerdigung, und seine Konsorten ausgedacht haben. Auch über diesen Blödsinn, an den sich – wie wir aus eigener Supermarkt-Anschauung berichten können – jeder auf seine Weise nicht hält, z.B. durch “non-essential pick-uk and delivery staff” – haben wir berichtet.

In Schottland ist die Scottish National Party am Ruder. Die schottische Regierung um Nicola Sturgeon zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie alles, was die englische Regierung um Boris Johnson tut, anders macht. Die Regierung Johnson hat für England ein three tier system eingeführt (siehe links), Sturgeon, eine Art schottische Antwort auf die wicked witch of the west aus “the wonderful wizard of oz”, hat ein five tier system eingeführt. Sturgeon ist zudem dafür bekannt, dass sie Studenten in Wohnheimen einschließen lässt und die kleinen und großen Skandale der SNP bislang ignoriert – eine Strategie, die bei Labour nicht wirklich gut gegangen ist, wie sich daran zeigt, dass der frühere Führer von Labour, Jeremy Corbyn, gerade aus der Partei ausgeschlossen wurde, weil er in einem Bericht der Equality and Human Rights Commission als Hauptverantwortlicher dafür, dass in Labour virulenter Antisemitismus nicht eingedämmt wurde, ausgemacht wurde. Der Tag der Abrechnung kommt, früher oder später.

In Nordirland sind Unionists am Ruder und bearbeiten ein gänzlich anderes Problem als es die Regierung Johnson für England zu bearbeiten hat, wie wir gleich zeigen.



Heinze, der unfähig ist, die vier Home Nations auseinander zu halten oder der das nicht will, will eine Geschichte des Drucks auf Boris Johnson, den Weg des Heils, den Merkel-Deutschland geht, zu gehen, schreiben. Das kann er nur unter Auslassung des erheblichen Drucks von der anderen Seite, den es im Vereinigten Königreich gibt, Druck auf Boris Johnson, seiner Aussage, keinen zweiten Lockdown einführen zu wollen, treu zu bleiben. Eine Reihe von Tory MPs, Abgeordnete aus Manchester und Greater Manchester, also einem der Gebiete, für die tier three Regeln gelten (siehe oben), drängen den PM, eine Strategie aus dem Lockdown zu entwickeln. Eine große Zahl von Wissenschaftlern um den Professor und ehemaligen Programmdirekter der WHO Karol Sikora hat sich an den PM gewandt und klar gegen einen nationalen Lockdown Stellung bezogen: “The hysteria is worse than coronavirus” – die Hysterie ist schlimmer als das Virus, schreibt die Gruppe, die sich “recovery” nennt und in der sich Wissenschaftler, Unternehmer und NHS-Angestellte zusammengetan haben. Sie verlangen von Johnson einen “rationalen Ansatz” gegen SARS-CoV-2 zu verfolgen und zählen einen neuerlichen Lockdown, wie er in Deutschland bevorsteht, zu den irrationalen Reaktionen. Vor allem weist “recovery” darauf hin, dass ein Lockdown erhebliche Kosten, gesundheitliche Kosten mit sich bringt: Krebs-Früherkennung wird nicht durchgeführt, Operationen werden verschoben, Krankheiten zu spät erkannt, weil sich Erkrankte nicht in die Krankenhäuser trauen und vieles mehr. Kurz: all die Kosten, die die Lockdown-Fanatiker in ihrer Hubris übersehen, werden von der Gruppe um Karol Sikora zur Sprache gebracht.

Offenkundig weiß Heinze von all dem nichts, so dass man sich fragen muss, warum er seinen Hintern in London plattdrückt. Sein Nichtwissen kann er auch billiger für die Gebührenzahler in Köln oder Berlin pflegen. Oder Heinze weiß um das, was wir berichtet haben, und unterschlägt es, weil er einmal mehr die Mär verbreiten will, dass man in Großbritannien im Gegensatz zu Deutschland nicht effizient im Umgang mit SARS-CoV-2 sei. Um ehrlich zu sein, alle vier Regierungen der Home Nations dilettieren mehr oder weniger. Aber die Ineffizienz ist mit Sicherheit nicht geringer als in Deutschland.

Tatsächlich versucht die englische Regierung um Boris Johnson einen lokalen Ansatz, der nur die Gebiete mit strikteren Regelungen überzieht, in denen sich die Fallzahlen häufen. Dagegen wird Wales von hysterischen Narzissten regiert, die die breite ländliche Fläche, in der man zuerst Ansiedlungen und dann Infizierte mit der Lupe suchen muss, den dicht besiedelten Ballungsräumen um Swansea, Cardiff und Newport gleichgestellt und sie geschlossen hat. Eine Maßnahme, die Drakeford viel Feind und keinerlei Ehr eingebracht hat. Nordirland, als dichtbesiedeltes Gebiet, hat eigene Probleme, die wir nun mit Daten darstellen.

Wie die Aufstellung zeigt, machen die Regierungen von Schottland und England, wenn man die Anzahl der positiv Getesteten pro 100.000 Einwohner zur Grundlage nimmt, die beste Arbeit. Am schlechtesten schneiden Wales und Nordirland ab. Die vergleichsweise hohe Infektionsrate in Nordirland ist der Grund dafür, dass die dortige Regierung zu drastischeren Maßnahmen gegriffen hat. 

Die folgenden Abbildungen zeigen die Entwicklung der Fallzahlen für England, Nordirland, Schottland und Wales. Falls jemand die Explosion der Fallzahlen, von denen Heinze faselt, zu finden im Stande ist, erhält er von uns eine Gratis-Lesehilfe.

England

Norther Ireland

Scotland

Wales

Wie man sieht, zeichnen sich die vier Home Nations durch eine jeweils vollständig andere Entwicklung aus. Das erklärt die unterschiedlichen Maßnahmen. Dass man auf unterschiedliche Entwicklungen unterschiedlich reagieren kann, das ist offensichtlich etwas, das nicht in Heinzes Hirn geht. Ein Blick auf die Entwicklung von England zeigt zudem, dass die Fallzahlen den Zenit überschritten zu haben scheinen. Schon deshalb wird ein Lockdown in England von Tag zu Tag unwahrscheinlicher, nicht wahrscheinlicher.

Die Hoffnung von Heinze, England möge dem Merkelschen Weg ins Heil (oder ins Verderben, wir werden sehen) folgen, wird sich wohl nicht erfüllen. 

Bleibt am Ende noch die Frage: Warum müssen deutsche Gebührenzahler so uninfomierte Personen wie Heinze finanzieren?Weiß jemand eine Antwort?



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