Wer sind die Corona-App-Muffel?

Forschung darf heute keine Themen mehr anrühren, die nicht pc-sind, politisch korrekt und damit nutzlos, nutzlos für den Erkenntnisgewinn.

Deshalb ist Forschung in weiten Teilen zu reinem Sykophantentum, sind die Hochschulen zu Sykophantenstadln verkommen.

Ein Beispiel aus der Reihe “Sykophantenstadl” kommt aus Berlin, von der dortigen Hochburg, der HU-Berlin. Kai Horstmann und Susanne Buecker haben sie bereitgestellt, als “Short Report” mit dem Titel “Who does or does not use the Corona-Warn-App“. Sinn dieser “Forschung” ist es offenkundig nicht, etwas über den Forschungsgegenstand “App-Nutzer” herauszufinden, sondern staatsdienlich zu sein, oder in den Worten der Autoren:

“Our results could guide future public health campaigns to change behavior during the COVID-19 pandemic”.

Es ist die wichtigste Aufgabe des Sykophanten, seinem Staat dienlich zu sein. So wie in der ehemaligen DDR alles unter dem Diktum des Marxismus-Leninismus stand, so steht auch heute alles unter dem Diktum der Staatsdienlichkeit. Was ein Staat als Reglementierung erlässt, ist unhinterfragbares Gesetz. Wer kritisiert, wird aus den Sykophantenstadln denunziert, zum Gegenstand von – natürlich staatlich finanzierter – Sykophanten-Dienstleistung gemacht, deren Zweck in Diffamierung und Etikettierung besteht (oder, für die mitlesende Genderista: in Othering), denn ein Staat braucht Feinde, wenn er keine Leistungen vorzuweisen hat. Ein Staat, der in der Bekämpfung eines Pandemiechen versagt, der braucht Covidioten, um sie denen zur Diffamierung bereit zu stellen, die sich unbedingt in rektaler Staatsergebenheit ergehen wollen.



Doch zurück zur Forschung von Kai T. Horstmann und Susanne Buecker, von Julia Kraske und Sarah Kritzler und Sophia Terwiel. Wer sind nun die Corona-App-Muffel? Wer weigert sich, die allein seligmachende Corona-App des Robert-Koch-Instituts zu installieren und damit die Pandemie um 3 Tage, sieben Stunden und sechsunzwanzig Minuten zu verkürzen – vielleicht?

Das sind die Corona-App-Muffel:

Was Sie hier sehen, das sind die Ergebnisse einer – natürlich – logistischen Regression. Alle anderen statistischen Verfahren scheinen ausgestorben zu sein. Die Ergebnisse identifizieren die Corona-App-Muffel, denn Nutzung der Corona-App ist die abhängige Variable, eindeutig, die Muffel sind:

  • weiblich,
  • eher älter,
  • gehören keiner Risiko-Gruppe an,
  • sind “in training”, also in Ausbildung an Hochschule oder am Ausbildungsplatz;
  • haben geringes Vertrauen, operationalisiert als Glaube, dass das eigene Vertrauen nicht missbraucht wird;

Seltsame Ergebnisse sind das.
Irgendwie würde man von einem konsistenten Ergebnis erwarten, dass es der Tatsache Rechnung trägt, dass diejenigen, die sich in Ausbildung befinden, jünger, nicht älter sind, was dazu führen müsste, dass die Warn-App-Muffel eher jünger und in Ausbildung oder eher älter und nicht in Ausbildung sind.



Datenfehler?
Kodierfehler?

Nicht unbedingt. Eher ein Problem der logistischen Regression, die ja die Wahrscheinlichkeit schätzt, dass aus einem Zustand ein anderer wird, also einen dichtomen Übergang. Der b-Wert für Alter ist mit -0,01 (jüngere nutzen die App eher) schon gering, die Irrtumswahrscheinlichkeit mit 0,021 zwar im Rahmen, aber ein Indikator, dass hier etwas im Argen liegen könnte. Und was im Argen liegt, das findet sich in der folgenden Abbildung:

In der Abbildung, die wir dem Beitrag von Horstmann et al. (2020) entnommen haben, sehen Sie die Gründe, die Befragte dafür angeben, die Corona-App zu nutzen oder eben nicht zu nutzen. Ingesamt nutzen 1.291 Befragte die App, 926 Befragte nutzen sie nicht. Die Gründe, die für die Nutzung angegeben werden, lauten in Reihenfolge der Nennung:

  • Mit der Nutzung verbindet sich kein signifikantes Risiko;
  • Der Nutzen der App ist höher als das Risiko;
  • Sozialer Druck;
  • Der Glaube an die Wirksamkeit der App;
  • Neugier;

Das alles sind Gründe, die zeigen, dass die befragten App-Nutzer nicht unbedingt zu den kritischen Geistern in Deutschland gehören. Aber natürlich ist jeder Staat über Bürger erfreut, die alle Dinge, die man ihnen vorgibt, nutzen, wenn sie kein signifikantes Risiko, signifikant vor allem, darin erkennen.

Verglichen mit dem allgemeinen Schmuh, den die Nutzer der App angeben und den man mit: “ich weiß auch nicht wirklich, warum ich die App nutze”, übersetzen könnte, sind die Gründe der App-Muffel regelrecht konkret:

  • Sorgen, ausgespäht zu werden;
  • Die App frisst die Batterie leer;
  • Kein Smartphone, um die App zu installieren;
  • Zweifel am Nutzen der App;
  • Keine Zeit, die App zu installieren;
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Wir wollen die Aufmerksamkeit der Leser auf Punkt drei richten: “Kein Smartphone”. Nun, das ist ein finaler Grund, die App, die ein Smartphone voraussetzt, nicht zu installieren. Und ein Sozialforscher, der sein Handwerk versteht, der wird diejenigen, die kein Smartphone besitzen und deshalb die App gar nicht installieren können, natürlich aus der unvermeidbaren logistischen Regression ausschließen. Sie einzuschließen, das ist so als wollte man die Präferenz für Columbo erklären und Befragte, die überhaupt keine Ahnung haben, wer Columbo eigentlich ist, in die Analyse einschließen. Es ist Quatsch.

Dessen ungeachtet ist es genau das, was die Daten-Spezialisten aus Berlin getan haben. Die logistische Regression beinhaltet diejenigen, die die Corona-App gar nicht installieren können, WEIL sie kein Smartphone haben. Menschen, die auf ein Smartphone verzichten, sind in der Regel älter, nicht jünger (die Befragten sind alle zwischen 18 und 88 Jahren alt). Bautzperdautz, schon ist das seltsame Ergebnis, dass diejenigen, die keine Smartphone-App nutzen älter und in Ausbildung sind, erklärt. Es erklärt sich aus statistischer Inkompetenz.

Dessen ungeachtet stehen am Ende dieser “Forschung” natürlich die unvermeidlichen Empfehlungen für die Bundesregierung, Marke: Hey, Bundesregierung, wenn Du das liest – wir sind Forscher aus Berlin. Wir forschen für Dich. Bezahlst Du uns? Wir finden auch, was Du suchst und helfen dabei, Bürger zu manipulieren:

“We found that people who did not want to or could not use the “Corona-Warn-App” were on average older, female, not a risk group for a Covid-19 disease, in training, and had low general trust in others. These groups could be the target of future public health campaigns on health-behavior changes regarding Covid-19.”

Und weil die HU-Berlin auch daran interessiert ist, dass die Insassen des Sykophantenstadl staatlich finanziert werden, liest sich das Ganze in der Pressemeldung wie folgt:

“Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Warn-App-Kampagnen vor Veröffentlichung der App die Bedenken von App-Ablehner*innen zum Datenschutz und zur Effektivität nicht vollständig ausräumen konnten. Das Forschungsteam schlägt vor, dass Personengruppen, die die App durchschnittlich seltener nutzten, Zielgruppe zukünftiger Kampagnen des Gesundheitswesens in der Bekämpfung der COVID-19 Pandemie sein könnten. Jedoch ist weitere Forschung zur Infektionsprävention (inkl. Nutzung von Kontaktverfolgungs-Apps) notwendig, die repräsentative Stichproben nutzt.”

Wie man am “*innen” leicht erkennen kann, sind die Übergänge vom Sykophanten-, in das Komödiantenstadl fließend.

Dass die Berliner eher keine Ahnung von den Methoden und dem, was man empirische Sozialforschung nennt, haben, das zeigt sich zum einen daran, dass ihnen die Norm, Gütemaße für ein Model (gerade wenn es sich um eine logistische Regression handelt) anzugeben, zum anderen an dem folgenden Satz:

“The generalizability of our findings is limited as the sample is not nationally representative (e.g. app-users were overrepresented 65% compared to about 20% app-users in the German population)”.

Wir sind an dieser Stelle in schallendes Gelächter ausgebrochen. Dass App-Nutzer überrpräsentiert sind, wäre uns nun wirklich nicht als Grund dafür in den Sinn gekommen, dass die Ergebnisse nicht nur seltsam sind, sondern ihr Stellenwert vollkommen unklar ist. Es reicht, wenn man weiß, dass 20,7% der Befragten männlich und 78,6% weiblich sind, um alles Sinnen nach eventueller Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse zum Ersterben zu bringen. Da helfen auch die 14 “Diversen”, die sich in der Umfrage finden, nicht wirklich.



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